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Robert Ketelhohn
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 09:26 Beiträge: 18979 Wohnort: Velten in der Mark
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 Re: Auf Fels gebaut
Ralf hat geschrieben: @Robert: vergiß nicht, wo Du herkommst. Als Du zur Kirche kamst, warst Du sicher auch noch ziemlich protestantisch geprägt. Eher heidnisch.Ralf hat geschrieben: (hier: EP) 
_________________ Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.
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| Montag 8. Februar 2010, 11:28 |
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Raphael
Registriert: Sonnabend 11. Oktober 2003, 19:25 Beiträge: 4164 Wohnort: Erzdiözese Köln
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 Re: Auf Fels gebaut
Robert Ketelhohn hat geschrieben: Ralf hat geschrieben: (hier: EP)  Evagrios Pontikos
_________________ Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden.
(2 Timotheus 4, 3 f.)
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| Montag 8. Februar 2010, 11:42 |
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Robert Ketelhohn
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 09:26 Beiträge: 18979 Wohnort: Velten in der Mark
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 Re: Auf Fels gebaut
Sempre hat geschrieben: Das ist ein klassischer Fall von doublethink à la George Orwell. Wir haben ein von Gott offenbartes Dogma, das unbedingten Glaubensgehorsam verlangt, und der oberste Verteidiger der Lehre denkt darüber nach, dass ein solches Dogma vielleicht nicht jedermann verpflichten müsse. Es sei ja nicht immer schon definiert gewesen.
Oder ist das nicht doublethink sondern schlicht Apostasie?
Da fragt man sich ja: was bricht der Papst sich denn einen mit dem pastoralen Vaticanum II und einer Hermeneutik der hypothetischen oder fiktiven Kontinuität ab? Man könnte doch das Vaticanum II einfach korrigieren, und wem dann die Originalversion besser passt, der nimmt halt die, und wer eine korrigierte Version vorzieht, dem spendiert man eine solche!? Natürlich ist es uns nicht gegeben, die Geschichte stillzustellen, den Weg von Jahrzehnten zurückzunehmen, aber man darf doch ...
Wenn der Papst so über das pastorale Vaticanum II. nachdenken würde, dann würden alle Papisten vom Kreuzgang.org im Quadrat springen. Über die Bischöfe in fast der ganzen Welt denke ich lieber gar nicht nach. Auch wenn die weltweiten Reaktionen, wie u.a. von der Philister-Site golias.fr sicher nennenswerten Unterhaltungswert hätten.
Dass die Piusbrüder zu einer solch karnevalesken Zirkuskirche "zurückkehren" würden, halte ich für ebenso völlig ausgeschlossen wie die Idee, dass die Orthodoxen einen solchen idealistischen Kuhhändlerpapst ernst nähmen - und komme er ihnen noch so sehr entgegen. Ein Papst, der so argumentiert, betreibt Räumungsschlussverkauf wegen Geschäftsaufgabe; der Angelsachse sagt closing down sale.
Die Ausführungen über die `geistliche Vorbereitung' der offen vernunftwidrigen Idee kann ich nur als overkottianisch bezeichnen.
Bischof Williamson hat erst kürzlich genau darauf hingewiesen: der Papst will Einheit ohne Einheit im Glauben. Einheit im christlichen Sinne bedeutet aber Einheit im Glauben. Der Papst schlägt dennoch vor: im Westen ist Unfehlbarkeit zu glauben, im Osten aber nicht. Welch ein absurdum.
Aber zu Deiner Position, Robert. Dein Zirkelschlussargument will doch nicht darauf hinaus, dass man im Westen Unfehlbarkeit glauben müsse, während man im Osten zwar dürfe, ansonsten aber davon aus historischen Gründen befreit sei? Lieber Sempre, du hast doch bisher zur Genüge unter Beweis gestellt, daß du klar denken und argumentieren kannst. (Mir kommt gerade wieder die Evolutionsdebatte in den Sinn.) Warum argumentierst du hier nicht?
Anstatt das angefochtene Axiom (»ein von Gott offenbartes Dogma«) argumentativ zu verteidigen, wiederholst du es apodiktisch und knüpfst daran dann allerhand Emotionales.
Wann, wo, wie, von wem, wem geoffenbart? – Das ist darzulegen und argumentativ zu begründen, ohne daß die apologetische Katze sich in den eignen Schwanz beißt.
(Was Prof. Ratzingers seinerzeitige Formulierungen betrifft, mußt du schon berücksichtigen, daß er sich vorsichtig äußert, wenn auch freier, als ein Papst das so ohne weiteres kann. Was er damals gesagt hat, bedingt aber natürlich einen Verzicht auf gewisse Anathematismen und verlangt folglich – ohne komplette Verurteilung der „eigenen Vergangenheit“ – deren Neuinterpretation „im Lichte der Tradition“, also „Hermeneutik der Kontinuität“, nicht „des Bruchs“.)
_________________ Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.
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| Montag 8. Februar 2010, 12:00 |
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Robert Ketelhohn
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 09:26 Beiträge: 18979 Wohnort: Velten in der Mark
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 Re: Auf Fels gebaut
Christiane hat geschrieben: Evagrios Pontikos hat geschrieben: Linus hat geschrieben: Evagrios Pontikos hat geschrieben: In der Innenperspektive des katholischen Gläubigen ist er der Fels etc. Ich befürcht, bei den meisten ist er innerkatholisch der Stein des Anstoßes....  Vielleicht hängt es damit zusammen, dass viele Katholiken in Wirklichkeit Krypto-Protestanten sind?  In diesem Forum eher Krypto-Orthodoxe. Mir sind allerdings konsequent offen Orthodoxe lieber. Liebste Christiane, es geht mir um intellektuelle Redlichkeit, und dazu gehört essentiell auch die unverschämte Feststellung der historischen Fakten. Wie oben gesagt: Davor brauchen wir keine Angst zu haben.
Im Gegenteil. Eine fälschlich überspitzte Interpretation des (an sich unbestrittenen) Primats des römischen Patriarchen steht nämlich nicht nur einer Wiedergewinnung der Gemeinschaft mit dem kirchlichen Osten im Wege, sie schadet auch der westlichen Kirche selbst. Ich behaupte, daß sie ganz wesentlich schuld ist an der Entmannung des westlichen Episkopats, unter welchem die Kirche heute so sehr leidet.
_________________ Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.
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| Montag 8. Februar 2010, 12:08 |
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Evagrios Pontikos
Registriert: Mittwoch 23. Dezember 2009, 12:25 Beiträge: 327
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 Re: Auf Fels gebaut
Robert Ketelhohn hat geschrieben: Nein, das ist unzutreffend; πέτρος ist der Stein, den man werfen oder schleudern kann, πέτρα dagegen der Felsen. Ich folgere: Mt 16,18 lautet dann also paraphrasierend erläutert: "Du bist der Stein (den man werfen kann), und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen." Das ist in sich unlogisch und ohne Sinn. Durch das Wort "diesen" (taute he petra) ist ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem zweiten Halbsatz und dem ersten hergestellt; "dieser Fels" muss sich zwangsläufig auf ein Element des ersten Halbsatzes beziehen. Alles andere sind historisch-kritische Vernebelungen, die uns weißmachen wollen, dass man ja sowieso nicht mehr erkennen könne, was die Aussage in ihrer historischen Situation bedeutet haben soll; und die Traditions- und Redaktionsgeschichte hinter dem Satz lässt sich ja sowieso nicht mehr erhellen bla bla. Die Aussage bei Matthäus lässt sich nur so verstehen, dass "dieser Fels" auf "Petros" bezogen werden muss. Eine legitime Frage bleibt: Warum "petra" neben "Petros". Meine Antwort: "Petros" wird im Neuen Testament exklusiv als Eigenname für den Apostelfürsten verwendet. In urgemeindlicher Zeit war der Begriff schon so sehr geprägtes Wort, dass es sofort mit dem Apostel assoziiert wurde. Daher wird es im zweiten Halbsatz zwingend notwendig, "petra" zu verwenden, um deutlich zu machen, dass dieser Petrus der Fels ist, auf den die Kirche gebaut wird. Dies war im Aramäischen so noch nicht der Fall, da dort "Kepha" die Bedeutung beider griechischer Worte umgreift (vgl. Kittelsches Theol. Wörterbuch zum NT, Bd. 6, S. 95). Und zudem war, als Jesus das Wort (in Aramäisch) gesprochen hat, "petros" bzw. "kepha" noch gar nicht ein geprägter Begriff. Ebenfalls Kittelsches Theol. Wörterbuch zum NT, Bd. 6, S 954 zu "petros" und "petra": Eine scharfe Trennung der Bedeutung der beiden Begriffe erweise sich nicht als durchführbar, "da beide als miteinander austauschbar erscheinen". Die Behauptung einer strikten Trennung in "Stein, den man werfen kann" und "Felsen" ist also falsch. Deshalb noch einmal: Jesus sagt: "Du, Petrus (= Fels), bist der Fels, auf den ich meine Kirche bauen werde."
_________________ pax et bonum!
Evagrius Pontikus
Meine Zuversicht der Vater, meine Zuflucht der Sohn, mein Schutz der Heilige Geist; Allheilige Dreieinigkeit, Ehre sei Dir!
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| Montag 8. Februar 2010, 12:17 |
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Lutheraner
Registriert: Donnerstag 9. November 2006, 11:50 Beiträge: 3196
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 Re: Auf Fels gebaut
Lioba hat geschrieben: Die - für manche befremdlichen- Papstsympathien bei Evangelen ist zum Teil auch der aktuellen Misere zu schulden. ... und dem aktuellen Papst. Ein Marienfrömmler wie JPII würde uns wohl alle wieder zur Vernunft bringen 
_________________ "Das bekenne ich dir aber, dass ich allem glaube, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten" (Hl. Apostel Paulus)
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| Montag 8. Februar 2010, 12:47 |
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Lutheraner
Registriert: Donnerstag 9. November 2006, 11:50 Beiträge: 3196
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 Re: Auf Fels gebaut
Evagrios Pontikos hat geschrieben: Noch etwas: Prof. Josef Ratzinger hat auch den Gedanken ausgesprochen, dass auch ein Papst vom Glauben abfallen könne. Irgendwo im CIC(?) wird auch darauf eingegangen, dass der Papst vom Glauben abfallen und Irrlehren verkünden kann. Insofern scheint es in der Katholischen Kirche Kontrollmechanismen der päpstlichen Unfehlbarkeit zu geben. Daher habe ich auch kein großes Problem mit ihr. Evagrios Pontikos hat geschrieben: Ich würde das von keinem bisherigen Papst mit Sicherheit behaupten wollen, obgleich ich mir vorstellen könnte, dass Julius II. und ein paar andere seiner Kollegen jetzt im ewigen Feuer brennen. Die Katholische Tradition ging meines Wissens schon immer davon aus, dass Päpste in der Hölle sind, bzw. sein könnten. Das geht zumindest aus einigen mittelalterlichen Gemälden und geistlichen Spielen hervor.
_________________ "Das bekenne ich dir aber, dass ich allem glaube, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten" (Hl. Apostel Paulus)
Zuletzt geändert von Lutheraner am Montag 8. Februar 2010, 12:56, insgesamt 1-mal geändert.
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| Montag 8. Februar 2010, 12:53 |
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Robert Ketelhohn
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 09:26 Beiträge: 18979 Wohnort: Velten in der Mark
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 Re: Auf Fels gebaut
Bernado hat geschrieben: These 1: Gerade weil der Partriarch in Konstantinopel einen halbwegs funktionierenden Kaiser zum unmittelbaren Nachbarn hatte, dürfte es ihm schwergefallen sein, die erhabene Stellung anzunehmen und zu demonstrieren, die der Papst in Rom hatte, der schon früh kaiserliche Prärogativen an sich zog. „Früh“ kann hier meines Erachtens allenfalls mit der „Machtergreifung“ der Hildebrand-Humbert-Fraktion beginnen (die wegen des starken Einflussus der heterodoxen Mailänder Pataria durchaus problematisch ist), und deren Anspruch blieb jedenfalls auch im Westen selbst noch jahrhundertelang umstritten.Bernado hat geschrieben: These 2: Die Verbindungen Roms zu den Hauptorten des Westens waren sehr eng, man übernahm das, was man als wesentlich am Glauben ansah, sehr bereitwillig aus Rom, und das wurde noch dadurch befördert, daß es ja im Westen keinen Bischofssitz gab, der sich auch nur im Entferntesten mit dem von Rom messen konnte. Wo ein Sitz besonders hervorragte (etwa in Mailand), geschah das bestenfalls auf Grund seiner engen Verbindung zum Kaiserhof in Byzanz. Die Papstliturgie ist sehr wohl auf die Stadt Rom beschränkt. Ferner ragt Rom als Patriarchenstuhl im Westen natürlich heraus, aber die Metropoliten hatten regional selbstverständlich lange Zeit weit mehr zu melden als der römische Bischof. Ein Hinkmar von Reims etwa wurde aus eigenem Recht als Wahrer des Glaubens und der Kirchendisziplin tätig.
Allerdings war es auch in dieser Zeit, als die Suffragane versuchten, den Einfluß der Metropoliten mit Hilfe Roms abzuschütteln. Daraus entstand bekanntlich der Fälschungskomplex der pseudisidorischen Dekretalen mit allen fatalen Konsequenzen. Denn genau auf diese Fälschungen baute von da an der immer weitergehende römische Anspruch auf, der schließlich nicht bloß die Metropoliten, sondern auch die Suffragane entmannte, die eigentlich unabhängiger hatten werden wollen.Bernado hat geschrieben: Daß der Bischof von Rom als originärer Inhaber der bischöflichen Gewalt in jeder Diözese sich dargestellt habe und anerkannt worden wäre, glaube ich auch nicht. Das möchte ich auch deutlich von der Befugnis des römischen Sitzes, entscheidende Aussagen zur Lehre zu treffen, unterscheiden. Und nur letzteres wurde 1871 dogmatisiert. Doch, die Sache mit der bischöflichen Gewalt steht in Pastor æternus ausdrücklich drin. Damit wir nicht im luftleerem Raum reden, zitiere ich das endlich einmal:Zitat: Docemus proinde et declaramus, Ecclesiam Romanam, disponente Domino, super omnes alias ordinariæ potestatis obtinere principatum, et hanc Romani Pontificis jurisdictionis potestatem, quæ vere episcopalis est, immediatam esse: erga quam cujuscunque ritus et dignitatis pastores atque fideles, tam seorsum singuli quam simul omnes, officio hierarchicæ subordinationis veræque obœdientiæ obstringuntur, non solum in rebus, quæ ad fidem et mores, sed etiam in iis, quæ ad disciplinam et regimen Ecclesiæ per totum orbem diffusæ pertinent Bernado hat geschrieben: Die "durchgreifende" Bischofsgewalt wurde römischerseits zwar immer wieder einmal beansprucht, konnte aber nie voll realisiert werden - selbst in den Hochzeiten des Ultramontanismus nicht. Heute wird noch nicht einmal mehr der Anspruch erhoben, und im so vielfältig auslegbaren Gedankengebäude der Kollegialität dürften sich die Patriarchen des Ostens vermutlich gut unterbringen lassen. Ja. Noch steht der Anspruch aber so da, wie vom vatikanischen Konzil erhoben. Nun hat sich dies Konzil allerdings bereits in Dei Filius (Kapitel I) ausdrücklich als Konzil der römischen Kirche bezeichnet. Ich sehe darin die Handhabe, es als römische Generalsynode anzusehen und auch Pastor æternus vor allem auf die Ordnung der innerpatriarchalen Disziplin hin zu deuten.Bernado hat geschrieben: In dem Zusammenhang stellt sich natürlich mit erneutem Nachdruck die Frage, warum Papst Benedikt im Annuario die Titulatur als "Patriarch des Abendlandes" hat unter den Tisch fallen lassen. Offfiziell aufgegeben hat er sie freilich nicht. Wirklich nicht? Sogar die Patriachalbasiliken wurden offiziell umbenannt. – Nach den von Silvestrini und Kasper gegebenen Deutungen wollte man damit den Ostkirchen entgegenkommen. Mir standen sogleich die Haare zu Berge, und konsequenterweise kam dann auch gleich eine Stellungnahme von Erzbischof Hilarion (Alfejew) (damals noch in Wien), der Befremden äußerte. Sinngemäß: Wenn man der Orthodoxie habe entgegenkommen wollen, habe man genau das Verkehrte getan.
Benedikt war da schlecht beraten, und der Patriarchenstatus des römischen Bischof hat ohnedies ökumenischen Konzilsrang. Da kann er gar nicht raus. Die Frage wäre bloß, ob die Größe seines Patriarchats nicht ein wenig überdehnt sei. Vielleicht bedürfte es zusätzlicher (echter) lateinischer Patriarchate.
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| Montag 8. Februar 2010, 12:55 |
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Robert Ketelhohn
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 09:26 Beiträge: 18979 Wohnort: Velten in der Mark
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 Re: Auf Fels gebaut
Evagrios Pontikos hat geschrieben: Robert Ketelhohn hat geschrieben: Nein, das ist unzutreffend; πέτρος ist der Stein, den man werfen oder schleudern kann, πέτρα dagegen der Felsen. Ich folgere: Mt 16,18 lautet dann also paraphrasierend erläutert: "Du bist der Stein (den man werfen kann), und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen." Das ist in sich unlogisch und ohne Sinn. Durch das Wort "diesen" (taute he petra) ist ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem zweiten Halbsatz und dem ersten hergestellt; "dieser Fels" muss sich zwangsläufig auf ein Element des ersten Halbsatzes beziehen. Alles andere sind historisch-kritische Vernebelungen, die uns weißmachen wollen, dass man ja sowieso nicht mehr erkennen könne, was die Aussage in ihrer historischen Situation bedeutet haben soll; und die Traditions- und Redaktionsgeschichte hinter dem Satz lässt sich ja sowieso nicht mehr erhellen bla bla. Die Aussage bei Matthäus lässt sich nur so verstehen, dass "dieser Fels" auf "Petros" bezogen werden muss. Eine legitime Frage bleibt: Warum "petra" neben "Petros". Meine Antwort: "Petros" wird im Neuen Testament exklusiv als Eigenname für den Apostelfürsten verwendet. In urgemeindlicher Zeit war der Begriff schon so sehr geprägtes Wort, dass es sofort mit dem Apostel assoziiert wurde. Daher wird es im zweiten Halbsatz zwingend notwendig, "petra" zu verwenden, um deutlich zu machen, dass dieser Petrus der Fels ist, auf den die Kirche gebaut wird. Dies war im Aramäischen so noch nicht der Fall, da dort "Kepha" die Bedeutung beider griechischer Worte umgreift (vgl. Kittelsches Theol. Wörterbuch zum NT, Bd. 6, S. 95). Und zudem war, als Jesus das Wort (in Aramäisch) gesprochen hat, "petros" bzw. "kepha" noch gar nicht ein geprägter Begriff. Ebenfalls Kittelsches Theol. Wörterbuch zum NT, Bd. 6, S 954 zu "petros" und "petra": Eine scharfe Trennung der Bedeutung der beiden Begriffe erweise sich nicht als durchführbar, "da beide als miteinander austauschbar erscheinen". Die Behauptung einer strikten Trennung in "Stein, den man werfen kann" und "Felsen" ist also falsch. Deshalb noch einmal: Jesus sagt: "Du, Petrus (= Fels), bist der Fels, auf den ich meine Kirche bauen werde." Lies doch bitte mal mehr als den ersten Satz meiner Beiträge:Robert Ketelhohn hat geschrieben: Evagrios Pontikos hat geschrieben: Zu petros/petra: Laut meinem Altgriechischlexikon (Menge-Güthling) besteht zwischen beiden Begriffen kein Bedeutungsunterschied, ebenso nach dem Bauerschen Wörterbuch zum NT. Offenbar kommt der Begriff petros schon seit Platon gleichberechtigt neben petra vor. Nein, das ist unzutreffend; πέτρος ist der Stein, den man werfen oder schleudern kann, πέτρα dagegen der Felsen. Ein Gebrauch von πέτρος im Sinne von πέτρα kommt ausgesprochen selten vor, einige Belege gibt es aber (u. a. Plato leges viii 843a). Daraus kann man aber keine allgemeine Regel ableiten, πέτρος bedeute eben auch πέτρα. Das kommt nur in Betracht, wenn der Kontext es erzwingt. Das scheidet im vorliegenden Fall aber gerade aus, denn da steht ja eindeutig πέτρα, und davon unterschieden Πέτρος als Benennung des Simon. Bei griechischer Originalsprache könnte man nur annehmen, daß der Sprecher die maskuline Form gewissermaßen als Ableitung vom eigentlichen femininen Wort gebildet habe, ohne anzunehmen, daß πέτρος auch Fels bedeuten könne. Denn sonst hätte er sagen müssen: κἀγὼ δέ σοι λέγω ὅτι σὺ εἶ Πέτρος, καὶ ἐπὶ τούτῳ τῷ πέτρῳ οἰκοδομήσω μου τὴν ἐκκλησίαν, und nicht: κἀγὼ δέ σοι λέγω ὅτι σὺ εἶ Πέτρος, καὶ ἐπὶ ταύτῃ τῇ πέτρᾳ οἰκοδομήσω μου τὴν ἐκκλησίαν.
Nun ist die Originalsprache aber nicht das Griechische. Nicht nur, daß uns anderweitig mehrfach das entsprechende aramäische Wort in der gräzisierten Form Κηϕᾶς überliefert ist, nein, die Originalsprache des Matthæusevangeliums selbst ist aramäisch.Ich bin in diesem Punkt also durchaus mit dir einig, Mausebacke. Außer daß am Ende deine Übersetzung mit einem Relativsatz verkehrt ist: nicht „auf den ich meine Kirche bauen werde“, sondern „und auf diesen Felsen werde ich …“.
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| Montag 8. Februar 2010, 13:04 |
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Evagrios Pontikos
Registriert: Mittwoch 23. Dezember 2009, 12:25 Beiträge: 327
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 Re: Auf Fels gebaut
Lieber Robert, offensichtlich bist Du doch nicht mit mir einig. Das "und" ist nicht das Problem: "Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen." Das Wörtchen "dieser" im zweiten Halbsatz erzwingt eine Beziehung dessen auf den ersten Halbsatz. Auch ohne paraphrasierenden Relativsatz ist das so. Daran ändert das Wörtchen "und" nichts. Außer man lässt das Jesuswort sowieso im historisch-kritischen Nirwana verdunsten.
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Evagrius Pontikus
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| Montag 8. Februar 2010, 16:28 |
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Robert Ketelhohn
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 09:26 Beiträge: 18979 Wohnort: Velten in der Mark
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 Re: Auf Fels gebaut
Ehrlich gesagt zweifle ich an deiner Lesekompetenz.
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| Montag 8. Februar 2010, 22:46 |
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Bernado
Registriert: Sonntag 28. Juni 2009, 17:02 Beiträge: 2982 Wohnort: Berlin
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 Re: Auf Fels gebaut
Robert Ketelhohn hat geschrieben: Doch, die Sache mit der bischöflichen Gewalt steht in Pastor æternus ausdrücklich drin. Damit wir nicht im luftleerem Raum reden, zitiere ich das endlich einmal:Zitat: Docemus proinde et declaramus, Ecclesiam Romanam, disponente Domino, super omnes alias ordinariæ potestatis obtinere principatum, et hanc Romani Pontificis jurisdictionis potestatem, quæ vere episcopalis est, immediatam esse: erga quam cujuscunque ritus et dignitatis pastores atque fideles, tam seorsum singuli quam simul omnes, officio hierarchicæ subordinationis veræque obœdientiæ obstringuntur, non solum in rebus, quæ ad fidem et mores, sed etiam in iis, quæ ad disciplinam et regimen Ecclesiæ per totum orbem diffusæ pertinent Nun, das Zitat ist unvollständig. Du hast nur Absatz 11 wiedergegeben - ich rücke mal den unmittelbar dahinter stehenden Absatz 12 ins Bild: Zitat: Diese Gewalt des Papstes beeinträchtigt jedoch keineswegs die ordentliche und unmittelbare Regierungsgewalt der Bischöfe, kraft deren sie, die vom Heiligen Geist bestellten Nachfolger der Apostel, als wahre Hirten ihre Herde, wie sie jedem einzelnen anvertraut ist, weiden und führen. Im Gegenteil, die bischöfliche Gewalt erfährt von Seiten des über alle gesetzten Oberhirten in vermehrtem Maß Anerkennung, Nachdruck und Schutz. Das hat der heilige Gregor der Große ausgesprochen mit den Worten: „Die Ehre der ganzen Kirche betrachte im als meine Ehre; die ungeschwächte Autorität meiner Brüder ist mein Ansehen; dann sehe im mich in Wahrheit geehrt, wenn keinem von ihnen die schuldige Ehre versagt wird." Man kann kritisieren, daß dadurch eine gewisse Widersprüchlichkeit und Mehrdeutigkeit ins Bild kommt (die Vorahnungen von Vat. II, würden Zyniker sagen) - aber Deine Darstellung eines platten Durchgeriffs der Jurisdiktion läßt sich damit nicht vereinbaren. Das mindeste, was Du wirst einräumen müssen, ist das hier viel Interpretationsspielraum besteht - im guten wie im schlechten. Robert Ketelhohn hat geschrieben: Bernado hat geschrieben: In dem Zusammenhang stellt sich natürlich mit erneutem Nachdruck die Frage, warum Papst Benedikt im Annuario die Titulatur als "Patriarch des Abendlandes" hat unter den Tisch fallen lassen. Offfiziell aufgegeben hat er sie freilich nicht. Wirklich nicht? Sogar die Patriachalbasiliken wurden offiziell umbenannt. – Nach den von Silvestrini und Kasper gegebenen Deutungen wollte man damit den Ostkirchen entgegenkommen. Mir standen sogleich die Haare zu Berge, und konsequenterweise kam dann auch gleich eine Stellungnahme von Erzbischof Hilarion (Alfejew) (damals noch in Wien), der Befremden äußerte. Sinngemäß: Wenn man der Orthodoxie habe entgegenkommen wollen, habe man genau das Verkehrte getan.
Benedikt war da schlecht beraten, und der Patriarchenstatus des römischen Bischof hat ohnedies ökumenischen Konzilsrang. Da kann er gar nicht raus. Die Frage wäre bloß, ob die Größe seines Patriarchats nicht ein wenig überdehnt sei. Vielleicht bedürfte es zusätzlicher (echter) lateinischer Patriarchate.Das ist eine Sekundärfrage. Wenn ein Papst da eines Tages wieder zur alten Redeweise zurückkehren wollte, werden dem keine unüberwindlichen Hindernisse im Wege stehen.
_________________ Heiliger Erzengel Michael verteidige uns im Kampfe.
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| Montag 8. Februar 2010, 23:39 |
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Bernado
Registriert: Sonntag 28. Juni 2009, 17:02 Beiträge: 2982 Wohnort: Berlin
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 Re: Auf Fels gebaut
Robert Ketelhohn hat geschrieben: Ehrlich gesagt zweifle ich an deiner Lesekompetenz. Hmm. Ich scheine die selbe Leseschwäche zu haben.
_________________ Heiliger Erzengel Michael verteidige uns im Kampfe.
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| Montag 8. Februar 2010, 23:43 |
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Nassos
Registriert: Montag 1. Juni 2009, 01:48 Beiträge: 4892
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 Re: Auf Fels gebaut
Robert Ketelhohn hat geschrieben: Nach den von Silvestrini und Kasper gegebenen Deutungen wollte man damit den Ostkirchen entgegenkommen. Mir standen sogleich die Haare zu Berge, und konsequenterweise kam dann auch gleich eine Stellungnahme von Erzbischof Hilarion (Alfejew) (damals noch in Wien), der Befremden äußerte. Sinngemäß: Wenn man der Orthodoxie habe entgegenkommen wollen, habe man genau das Verkehrte getan. Ich weiß nicht, ob jedem klar ist, warum. Könntest Du Dir kurz die Mühe machen, dies zu erläutern? (also gut: mir ist das nicht klar, OK?)Ich wäre hierfür sehr dankbar.
_________________ ὃ οὖν ὁ Θεὸς συνέζευξεν, ἄνθρωπος μὴ χωριζέτω.
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| Dienstag 9. Februar 2010, 01:49 |
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Nassos
Registriert: Montag 1. Juni 2009, 01:48 Beiträge: 4892
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 Re: Auf Fels gebaut
Robert Ketelhohn hat geschrieben: Nassos hat geschrieben: ups ich habe den Bezug auf die Mt-Stelle vergessen, die in Aramäisch geschrieben worden sein soll.
Daher meine Frage: ist eine Übersetzung ohne Hl. Geist erfolgt? Denn es hörte sich an, als ob das Aramäische sehr wohl das selbe meint den Fels betreffend, die griechsiche Übersetzung nicht.
Sicher, dass das Evangelium in Aramäisch verfasst wurde? Lioba hat geschrieben: Die Evangelien wurden auf griechisch verfasst, aber in Israel wurde aramäisch gesprochen, so können wir annehmen, dass Jesus meist aramäisch sprach und dies ins Griechische übersetzt wurde. Allerdings ist Nassos Einwand berechtigt- wurden sie nicht dabei vom Heiligen Geist geleitet? Matthæus (von ihm schrieb ich oben, Mt 16,18 ist ja das gestellte Thema) hat sein Evangelium nach den ältesten Zeugen (Papias, Irenæus) auf „hebräisch“ verfaßt, worunter wir jedenfalls das Aramäische zu verstehen haben.
Ferner: http://kreuzgang.org/viewtopic.php?f=4& ... %B1#p75520 Danke! Ich werde mir den Link antun, sobald ich mal zu christlicher Zeit das Forum besuche... But what about the Holy Spirit???
_________________ ὃ οὖν ὁ Θεὸς συνέζευξεν, ἄνθρωπος μὴ χωριζέτω.
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| Dienstag 9. Februar 2010, 01:50 |
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Robert Ketelhohn
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 09:26 Beiträge: 18979 Wohnort: Velten in der Mark
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 Re: Auf Fels gebaut
Bernado hat geschrieben: Robert Ketelhohn hat geschrieben: Ehrlich gesagt zweifle ich an deiner Lesekompetenz. Hmm. Ich scheine die selbe Leseschwäche zu haben. Dann muß es an meinem Kauderwelsch liegen …
Ich versuche es noch einmal. Evagrius hatte die These vertreten, das Mt 16,18 als Eigenname verwendete Πέτρος sei identisch mit dem vor allem aus dem älteren Griechisch bekannten Wort πέτρος, welches wiederum laut Menge-Güthling synonym mit πέτρα sei und „Fels“ bedeute.
Von anderen protestantischen Autoren kennt man dagegen die Argumentation, Πέτρος sei zwar identisch mit jenem πέτρος, bedeute aber gerade nicht „Fels“, sondern „Stein“.
Letzteres ist korrekt, und insofern liegt der Menge-Güthling, sofern von Evagrius richtig angeführt, schlicht falsch. Die Bedeutung „Fels“ kommt für πέτρος nur ganz selten und ausnahmsweise vor, nachklassisch vor allem bei einigen Dichtern, und dann im Femininum (ἡ πέτρος). Dieser Fall ist nur anzunehmen, wenn der Kontext es erzwingt. Sonst ist von der Bedeutung „Stein“ auszugehen.
Ferner hätte der Sprecher oder Übersetzer von Mt 16,18, hätte er denn πέτρος als „Fels“ im Sinne der seltenen altgriechischen Zeugnisse verstanden, im zweiten Satzteil nicht πέτρα, sondern eben auch πέτρος geschrieben, also: ἐπὶ τούτῳ τῷ πέτρῳ οἰκοδομήσω μου τὴν ἐκκλησίαν. Das ist logisch absolut zwingend, unsres Evagrii These darum verfehlt.
Ich favorisierte damit aber keineswegs und mit keinem Wort die andere, verbreitetere protestantische These vom „Steinchen“ Petrus. Darauf war ich oben gar nicht eingegangen. Sie ist nämlich auch Unsinn, denn dann wären Mt 16,18 Πέτρος und πέτρα als Gegensätze gemeint, was aber – vom inhaltlichen Blödsinn ganz abgesehen – schon daran scheiterte, daß dem Demonstrativum im zweiten Teilsatz – ἐπὶ ταύτῃ τῇ πέτρᾳ – dann jeder Bezugspunkt fehlte. Das hat Evagrius ja ganz richtig dargestellt.
Aber darauf war ich, wie gesagt, oben gar nicht eingegangen. Vielmehr hatte ich bloß das Ergebnis festgestellt, daß Πέτρος überhaupt nicht mit dem aus dem älteren Griechisch bekannten Wort πέτρος identisch ist, sondern eine davon völlig unabhängige Ad-hoc-Neubildung zu πέτρα, ganz einfach um für eine männliche Person eine maskuline Form als Eigennamen verwenden zu können.
Das Demonstrativum des zweiten Halbsatzes bezieht sich also eindeutig auf Πέτρος. Allenfalls könnte man’s noch auf den mit dem Satz σὺ εἶ Πέτρος bezeichneten Umstand beziehen, nach dem Motto: »Du bist der Petrus. Das ist ’ne Bank, darauf kann ich bauen« – um es einmal flapsig auszudrücken. Dafür könnte man anführen, daß Jesus sonst hätte sagen können: »… und auf dich werde ich etc.«
Näherliegend ist aber doch wohl der direkte Bezug auf Πέτρος. Doch auch wenn der ganze Satz σὺ εἶ Πέτρος jene πέτρα sein sollte, wäre der Bezug zur Person des Simon Barjona eindeutig.
Im Ergebnis stimme ich hier also mit Evagrius überein. Bloß sein Ansatz war verkehrt – und damit angreifbar. Bitte meine Pedanterie zu verzeihen.
(Ich hoffe, jetzt ist’s endlich klarer geworden, was ich meinte. – Zum andern Thema später.)
_________________ Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.
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| Dienstag 9. Februar 2010, 02:38 |
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