Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

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Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Torsten hat geschrieben:
Gamaliel hat geschrieben:Es geht auch ohne "Dollar":
Quelle hat geschrieben:Denn abgerechnet werden soll direkt in Rubel beziehungsweise dem Yuan, der chinesischen Währung. Der amerikanische Dollar spielt bei dem Gigageschäft keine Rolle mehr.

Das ist wohl nicht ganz korrekt. Denn einer wenn nicht der wichtigste Absatzmarkt der Chinesen sind die VStvA. Von dem, was sie dorthin gegen Schuldversprechen exportieren, finanzieren sie ihren Energieimport.

Ganz einfach bildlich gesprochen: Die Amis sind das schwarze Loch des Kapitalismus, welches die weltweiten Überschüsse vertilgt, und die sich daraus ergebenden Schulden weltweit mit militärischer Gewaltandrohung verteilt. Mal mehr oder weniger gerecht.
Meinst Du ernsthaft, daß die USA China zwingen können, statt zur Bezahlung ihrer Exporte nur Zahlungsversprechen anzunehmen und auf die US-Dollars zu verzichten und das sie dies mit "militärischer Gewaltandrohung" durchsetzen? :D :patsch:

Der Sachverhalt sieht doch so aus:
Der chinesische Exporteur verkauft seine Waren an die US-Importeuer und erhält dafür den vereinbarten Preis in US-Währung. Da er damit wenig in China anfangen kann, tauscht er sie in Yuan um. So landen die USD schließlich bei der Zentralbank. Diese entscheidet frei, was damit geschieht. Sie kann damit ihre (Energie-)Importe zahlen, Gold kaufen oder sie verzinslich in (US-)Staatsanleihen anlegen. Davon macht sie ausgiebig Gebrauch, weil sie Zinsen erhält und die USA als guter Schuldner gelten. Das mag zwar nicht Deinem Weltbild entsprechen, wird aber von vielen so gesehen, die deswegen US-Staatsanleihen den Schuldverschreibungen ihrer eigenen Regierung vorziehen. Die USA gehören zu den wenigen Ländern, die in der Vergangenheit noch keinen Staatsbankrott hingelegt haben, insofern kann man auch mit einiger Berechtigung von einer Rückzahlung ausgehen, zumal die USA die Dollars nur zu drucken brauchten, um ihre Zahlungspflicht zu erfüllen. :breitgrins:
Die Menschen sind daher bereit, den US-Konsum zu finanzieren, weil sie dafür werthaltige Zahlungsversprechen erhalten.

Die Situation in D. ist doch genau umgekehrt:
D. exportiert viele Waren und Dienstleistungen und hat - im Gegensatz zu den USA - einen Exportüberschuß. Allerdings hat es (hier vertreten durch die Bundesbank) für einen Teil seiner Exporte in den Euroraum keine werthaltigen Zahlungsversprechen in Form von staatlichen Schuldverschreibungen erhalten, sondern nur "Verrechnungsposten" - allgemein unter Target-Salden bekannt.
Der Begriff "Verrechnungsposten" wurde von der Bundesregierung gebraucht, die damit ausschloß, daß es sich um Forderungen gegen andere Zentralbanken im Euroraum oder EZB handelt.
Es gibt keine Target-Kredite, denn ein Kredit würde ja eine formale Übereinkunft zwischen Gläubiger und Schuldner voraussetzen. Tatsächlich gibt es solch eine Übereinkunft nicht - die Target-Salden wachsen einfach immer weiter, solange sich die Geschäftsbanken in Griechenland und anderen Problemstaaten der Euro-Zone ihr Geld vor allem bei den jeweiligen nationalen Notenbanken besorgen müssen - weil ihnen sonst kaum noch jemand etwas leihen will.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 23559.html

Die Target 2-Forderungen der Bundesbank beliefen sich Ende März 214 auf 47 Mrden Euro. In dieser Höhe stehen den deutschen Exporten in die Euroländer keine Zahlungen, sondern nur - wertlose - Verrechnungsposten gegenüber.
Das Handelsdefizit der USA im Handel mit China betrug im letzten Jahr 318 Mrden USD (oder ca. 23 Mrden €).
D. hat also Exportforderungen an andere Euro-Länder in Höhe des doppelten Defizits, das die USA im Handel mit China erwirtschaften.

Das "schwarze Loch des Kapitalismus" liegt vielleicht mehr in Europas Süden als auf der anderen Seite des Atlantiks. Aber so etwas dürfen die Medien natürlich nicht verbreiten, denn es würde "Europa" und dem "Euro" schaden....

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Edi
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi »

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten ... en-banken/

Schäuble sollte in dem Falle hartnäckig bleiben. Es kann doch nicht sein, dass auch solche kleinen Banken, die von der Größe her gar nicht staatsgefährend sein können, für die Großbanken, auch noch die ausländischen mithaften. Die genannten kleineren Banken haben noch nie Staatsgelder gebraucht. Falls eine solche Bank mal Pleite gegangen ist, hat bisher immer der Feuerwehrfonds, in den diese Banken seit vielen Jahren eingezahlt haben, gereicht, um die Bank zu retten.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

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Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Edi hat geschrieben:http://deutsche-wirtschafts-nachrichten ... en-banken/

Schäuble sollte in dem Falle hartnäckig bleiben. Es kann doch nicht sein, dass auch solche kleinen Banken, die von der Größe her gar nicht staatsgefährend sein können, für die Großbanken, auch noch die ausländischen mithaften. Die genannten kleineren Banken haben noch nie Staatsgelder gebraucht. Falls eine solche Bank mal Pleite gegangen ist, hat bisher immer der Feuerwehrfonds, in den diese Banken seit vielen Jahren eingezahlt haben, gereicht, um die Bank zu retten.
Die Deutschen wollen doch "Europa" - das Ergebnis der letzten Wahlen. Warum sollte der europaverzückte Schäuble denn dagegen stimmen? Bei genauem Lesen scheint die Bundesregierung hier wohl auch keine Einwendungen erheben oder gar einen Widerspruch einlegen zu wollen:
Das Bundesfinanzministerium bemühte sich am Montag, die nun bekanntgewordenen Vorschläge der Kommission herunterzuspielen. Es handele sich lediglich um ein Arbeitspapier, sagte eine Sprecherin. Deutschland mache sich weiter dafür stark, dass die Bankenabgabe das Risiko des jeweiligen Geldhauses berücksichtige. „Das heißt, dass kleinere, risikoärmere Institute besser zu stellen sind als große systemrelevante Banken.“ Die Forderung nach einer Freigrenze für kleine Institute, von der auf deutscher Seite in den vergangenen Wochen die Rede war, wiederholt die Sprecherin allerdings nicht.
Beruhigungspillen á la "Arbeitspapier", man macht sich "stark", wiederholt aber die ursprünglichen Forderungen nicht.... - genauso stelle ich mir beinharten Widerstand für deutsche Interessen vor.....

Der Bürger wird künftig häufiger mit solchen Kollateralschäden leben müssen, es geht schließlich um etwas "Großes". Was macht es da schon, wenn man zusätzliche Abgaben (Finanztransaktionssteuer) oder Preiserhöhungen (s.o.) beschließt und das Geld den "notleidenden" Südländern zukommen läßt. Die versprechen schließlich auch Reformen und sind auf einem "guten Weg".... (mit dem Geld anderer).

Natürlich sehen andere Länder das europäische Projekt ganz anders, aber ich kann mir, mit Verlaub, nicht vorstellen, daß sie sich gegen Rettungsgelder für ihre Banken aus den deutschen Sparkassenfonds wehren würden.
Schäuble wird hier einknicken und der wirtschaftlich ungebildete deutsche Michel wird nichts merken. Die Banken werden die Sparzinsen senken, die Kreditzinsen und die Gebühren erhöhen. Dann steht auf der Rechnung nicht "Europa", sondern "Sparkasse XY" - und die hat doch nichts mit dem Pleiteinstitut in PT, E, GR, IT oder F zu tun ..... oder :hae?:

D. wird künftig immer mehr "Europa" zustimmen, schon um den Prozeß (nach Ansicht der Regierung) "unumkehrbar" zu machen.
Das ist erst das Vorspiel zur Bankenunion, ich warte auf die gemeinsame Einlagensicherung, die jetzt genauso ausgeschlossen wird, wie damals die Haftung für die Staatsschulden anderer Eurostaaten oder das "plötzliche" Erscheinen von "Armutsflüchtlingen" aus Rumänien und Bulgarien.

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Edi
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi »

Caviteño hat geschrieben: Beruhigungspillen á la "Arbeitspapier", man macht sich "stark", wiederholt aber die ursprünglichen Forderungen nicht.... - genauso stelle ich mir beinharten Widerstand für deutsche Interessen vor....
Ich traue dem Schäuble auch nicht so recht über den Weg, der "leistet" zwar Widerstand, aber wird am Ende doch einknicken. Diese Politiker ebenso wie der Steinmeier hauen nicht auf den Tisch wie es sich gelegentlich gehören würde, sondern ziehen den Schwanz ein. In meinen Augen sind das Volksschädlinge. Da dieses Wort bei den Nazis früher offenbar gebraucht wurde, was ich aber erst seit kurzem weiß, (ich habe mir das Wort selber erdacht), darf man es heute nicht mehr verwenden. Mir aber egal, ich gehöre nicht zu denen, die auch nur im Geringsten etwas mit den Nazis bzw. Neonazis zu tun haben.
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Peregrin
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Peregrin »

Edi hat geschrieben:http://deutsche-wirtschafts-nachrichten ... en-banken/

Schäuble sollte in dem Falle hartnäckig bleiben.
Wenn man auf Gollum hoffen muß, ist die Sache eh schon verloren.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Am Donnerstag könnte es für deutsche Sparer wieder bitter werden. Die EZB wird vermutlich die Zinsen weiter senken und versuchen, die Inflation über eine Kreditgewährung an Betriebe - überwiegend in den südeuropäischen Ländern - zu erhöhen:
Alle haben sich darauf vorbereitet, dass am 5. Juni etwas noch nicht Dagewesenes für die EZB verkündet wird.
Die Details könnte man den Experten überlassen, würden sie uns nicht alle angehen. Denn bei dem, was die Zentralbank tut, geht es am Ende um das Geld, das wir auf dem Konto und im Depot haben. Gerade die Deutschen sind am Ende die Leidtragenden, fürchtet ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... ageIndex_2

Die Rechnung für die "Euro-Rettung" wird scheibchenweise präsentiert, dann merkt es das Volk auch nicht. Donnerstag ist wieder ein Teil-Rechnungstermin.

Am Ende werden aber die ganzen die ganzen A-Kto-Zahlungen auch nicht helfen.

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Edi
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi »

Das war nach den Europawahlen zu erwarten:

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten ... o-rettung/
Zuletzt geändert von Edi am Sonntag 1. Juni 2014, 15:17, insgesamt 1-mal geändert.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
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die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Die Taktik, mit einer "Schein"rückkehr an die Märkte dem Volk einzureden, daß das Schlimmste der Krise überstanden sei, hat ja auch funktioniert. Die Deutschen haben mit ca. 9% für ein "weiter so" gestimmt - sie sollen sich jetzt auch nicht beschweren und ihre Sparguthaben fröhlich auf die Reise in den Süden senden. Dort sind sie mit Sicherheit willkommen. :breitgrins:

Etwas ähnliches wie GR wird auch in PT passieren. Dort rebelliert zwar nicht die Bevölkerung, aber das dortige Verfassungsgericht wirft der Regierung bei den Sparmaßnahmen immer wieder Knüppel zwischen die Beine:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... 66163.html

Warten wir mal die Ergebnisse des Streßtests für die großen Banken ab - da werden noch ganz andere Löcher sichtbar werden....

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Caviteño hat geschrieben:Die Taktik, mit einer "Schein"rückkehr an die Märkte dem Volk einzureden, daß das Schlimmste der Krise überstanden sei, hat ja auch funktioniert. Die Deutschen haben mit ca. 9% für ein "weiter so" gestimmt - sie sollen sich jetzt auch nicht beschweren und ihre Sparguthaben fröhlich auf die Reise in den Süden senden. Dort sind sie mit Sicherheit willkommen. :breitgrins:

Etwas ähnliches wie GR wird auch in PT passieren. Dort rebelliert zwar nicht die Bevölkerung, aber das dortige Verfassungsgericht wirft der Regierung bei den Sparmaßnahmen immer wieder Knüppel zwischen die Beine:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... 66163.html

Warten wir mal die Ergebnisse des Streßtests für die großen Banken ab - da werden noch ganz andere Löcher sichtbar werden....
Nachtrag:
Frau Merkel wird jetzt auch von der Wahlgewinnerin in F., Frau Le Pen, aufgefordert, ihre "Euro-Rettungspolitik" zu ändern:
Marine Le Pen warnt nach dem guten Abschneiden ihrer Partei bei der Europawahl die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel davor, ihre Sparpolitik fortzusetzen: "Wenn sie die Leiden nicht sieht, denen die übrigen europäischen Völker unterworfen sind, wird Deutschland sich verhasst machen", sagte die Vorsitzende des rechtsfranzösischen Front National im Gespräch mit dem SPIEGEL.
(...)
Merkel verteidige eine Politik, die für Deutschland vorteilhaft sei, aber schädlich für alle anderen Länder, sagte Le Pen weiter. "Sie glaubt, man könne Politik machen gegen die Bevölkerungen." Das werde "zur Explosion der EU führen". Sie könne allerdings Merkel nicht vorwerfen, dass sie einen starken Euro bewahren wolle. "Vorwürfe mache ich unseren eigenen Anführern, die unsere Interessen nicht vertreten. Ein starker Euro ruiniert unser Land."
http://www.spiegel.de/politik/ausland/f ... 72726.html

Die Rufe nach einer Änderung der Politik werden lauter und Schäuble signalisiert, daß er bereit ist, zu "helfen" - es wird teuer.

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

In allen anderen Ländern der Welt vollkommen undenkbar - in der Schweiz tritt eine sog. "Vollgeld-Initiave" an, die die Macht der Banken wirksam beschneiden könnte.
Heute startet die Sammelfrist für die Vollgeld-Initiative. Die Initianten wollen erreichen, dass nur noch die Nationalbank künftig elektronisches Geld erzeugen darf. Nur die Währungshüter sollen über unsere Geldmenge bestimmen. Banken soll es demnach künftig verboten sein, Kredite zu vergeben, wenn diese nicht mit entsprechenden Geldeinlagen von Sparern hinterlegt ist. Das Problem laut Verein «Monetäre Modernisierung», der die Initiative seit 211 vorbereitet: Die Banken reichen grossteils nicht das Geld der Sparer weiter, «sondern erzeugen neues Geld sozusagen aus dem Nichts». Dafür kassierten die Banken Zinsen.
So hätte die kaufkräftige Geldmenge der Nationalbank in den letzten zehn Jahren im Schnitt 34 Milliarden Franken betragen, rechnen die Vollgeld-Befürworter vor. «Von der Nationalbank kamen die 4 Milliarden Bargeld» – die Banken hätten mit elektronischem Geld hingegen die restlichen 3 Milliarden erzeugt, so die Initianten.
http://www.handelszeitung.ch/konjunktur ... eld-62724

Unberechenbar, wie Eidgenossen nun einmal sind (Minarettverbot, Einwanderungsbegrenzung), könnte auch diese Initiative die notwendige Anzahl von Unterschriften erreichen und zu einem Plebiszit führen. Jedenfalls dürften die Argumente der Banken, die alles beim alten lassen wollen, interessant sein.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Zur heutigen Zinsentscheidung der EZB:
Tatsächlich geht es um nicht weniger als eine neue Zeitrechnung für Europa. Um dem Alten Kontinent aus der Agonie zu reißen, wird das Geldsystem auf den Kopf gestellt.
Statt das Halten von Geld mit einem Zinsgewinn zu belohnen, wird es in Form von Minuszinsen unter Strafe gestellt.
Gerade für Deutschland hat das drastische Auswirkungen. Die Bundesbürger sind ein Volk von Sparern. Mit 1,9 Billionen Euro haben sie mehr auf der hohen Kante als irgendeine andere Nation in Europa. Sie müssen damit rechnen, dass die ohnehin mickrigen Konditionen fürs Sparen nach der aktuellen Entscheidung noch schlechter werden, etwa wenn die Banken die Strafzinsen in Form höherer Gebühren an ihre Kunden weitergeben.
Seit 21 liegt die durchschnittliche Rendite für Tagesgeldkonten nach Berechnungen der FMH Finanzberatung unter der Inflationsrate.
http://www.welt.de/finanzen/article1287 ... n-ein.html

Was der Artikel - politisch korrekt - im Zusammenhang mit den angeblich hohen Spareinlagen der Deutschen nicht erwähnt, ist der hohe Immobilienbesitz in den Südländern. Die einen zahlen schon seit Jahren, die anderen profitieren und beschweren sich, daß ihnen nicht "geholfen" wird.

Aber das haben "wir" ja auch gewollt - s. Ergebnis der Europawahl.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Negative Leitzinsen, selbstentwertende Geldscheine, Wertverfall der Geldscheine durch eine Lotterie - das Handelsblatt stellt Gedankenspiele vor, um die Wirtschaft durch Konsum "anzukurbeln" und die Schwundwährung Euro zu "retten":

http://www.handelsblatt.com/finanzen/vo ... 4-all.html

Alternativlos :hmm:
Natürlich nicht - wie die Vollgeld-Initiative zeigt.

Wer die im Handelsblatt vorgestellten Gedankenspiele als "absurd" oder "realitätsfern" abtut sei daran erinnert, daß negative Einlagezinsen für Banken bisher auch noch nie erhoben wurden. Die Geldpolitik wird nicht mehr von der Bundesbank entschieden, deren Handlungen noch vorhersehbar waren. Heute entscheidet ein Italiener im Kreis von überwiegend südländischen Notenbankern - ein Blick auf die Entwicklung der früheren Währungen ihrer Länder reicht, um sich vorzustellen, welche Vorstellungen dort herrschen.

Die WELT sieht "unsere" Währung nur noch als Spielgeld.

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Edi
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi »

Caviteño hat geschrieben:Negative Leitzinsen, selbstentwertende Geldscheine, Wertverfall der Geldscheine durch eine Lotterie - das Handelsblatt stellt Gedankenspiele vor, um die Wirtschaft durch Konsum "anzukurbeln" und die Schwundwährung Euro zu "retten":

http://www.handelsblatt.com/finanzen/vo ... 4-all.html

Alternativlos :hmm:
Natürlich nicht - wie die Vollgeld-Initiative zeigt.

Wer die im Handelsblatt vorgestellten Gedankenspiele als "absurd" oder "realitätsfern" abtut sei daran erinnert, daß negative Einlagezinsen für Banken bisher auch noch nie erhoben wurden. Die Geldpolitik wird nicht mehr von der Bundesbank entschieden, deren Handlungen noch vorhersehbar waren. Heute entscheidet ein Italiener im Kreis von überwiegend südländischen Notenbankern - ein Blick auf die Entwicklung der früheren Währungen ihrer Länder reicht, um sich vorzustellen, welche Vorstellungen dort herrschen.
Es ist mir neu, daß auch normale Banken Geld schöpfen können sollen, anders natürlich bei den Zentralbanken. Die normalen Banken brauchen doch für Kredite eine Deckung, also entweder das Eigenkapital oder Einlagen der Bankkunden oder Kredite anderer Banken bzw. der Notenbank. Wie soll das denn gehen, daß auch eine normale Bank ohne Deckung Geld schöpfen kann?
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Edi hat geschrieben: Es ist mir neu, daß auch normale Banken Geld schöpfen können sollen, anders natürlich bei den Zentralbanken. Die normalen Banken brauchen doch für Kredite eine Deckung, also entweder das Eigenkapital oder Einlagen der Bankkunden oder Kredite anderer Banken bzw. der Notenbank. Wie soll das denn gehen, daß auch eine normale Bank ohne Deckung Geld schöpfen kann?
Doch, die Banken können selbst Geld schöpfen, deswegen kann in einigen Ländern die Summe aller Bankbilanzen auch viel höher als jeweilige Bruttoinlandsprodukt sein:

http://de.statista.com/statistik/daten/ ... es-landes/

http://blogs.faz.net/fazit/214/1/8/d ... ator-3257/

Im Internet findest Du ziemlich viel darüber, häufig allerdings "gefärbt". Die FAZ hat dazu einen guten Artikel mit Schaubild:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... ageIndex_2

Man kann es auch an einem einfachen Beispiel erklären:
Kunde K. kommt zur Bank und bittet um einen Kredit von 1. €. Die Bank gewährt ihm den Kredit und schreibt den Betrag seinem Girokonto gut. In der Bilanz der Bank steht eine Forderung an den Kunden K (auf der Aktivseite). Gleichzeitig hat die Bank - durch die Kontogutschrift - eine Verbindlichkeit gegen den Kunden in gleicher Höhe, die auf der Passivseite ausgewiesen wird. Die Bilanz ist ausgeglichen, sie hat sich nur vergrößert (Fachterminus: Bilanzverlängerung). Hebt der Kunde das Geld bar ab, vermindert sich der Kassenbestand der Bank und gleichzeitig hat die Bank ihre Verbindlichkeit erfüllt. In der Bilanz bleibt nur noch die Forderung stehen.

An diesem (ver)einfach(t)em Beispiel wird klar, daß die Banken nicht unbedingt Kundeneinlagen benötigen, um Kredite zu vergeben - ein Hauptübel der gegenwärtigen Bankenkrise. Gegen wirksame Maßnahmen (z.B. eine drastische Erhöhung der Eigenkapitalquote) wehren sich die Banken natürlich vehement. Während in den USA durch entsprechende Vorschriften (und zuletzt auch erheblichen Strafen) die Banken gezwungen wurden, ihre Risiken ab- und Eigenkapital aufzubauen, kämpfen die Regierungen in Europa noch immer gegeneinander und versuchen, ihren Bankensektor zu "schützen".

Verständlich - denn schließlich ist man zur Finanzierung der staatlichen Defizite auf die Bereitschaft der Banken angewiesen, staatliche Schuldverschreibungen zu erwerben.

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Edi
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi »

Caviteño hat geschrieben:
Edi hat geschrieben: Es ist mir neu, daß auch normale Banken Geld schöpfen können sollen, anders natürlich bei den Zentralbanken. Die normalen Banken brauchen doch für Kredite eine Deckung, also entweder das Eigenkapital oder Einlagen der Bankkunden oder Kredite anderer Banken bzw. der Notenbank. Wie soll das denn gehen, daß auch eine normale Bank ohne Deckung Geld schöpfen kann?
Doch, die Banken können selbst Geld schöpfen, deswegen kann in einigen Ländern die Summe aller Bankbilanzen auch viel höher als jeweilige Bruttoinlandsprodukt sein:
Du hast recht. Ich hatte mich zwar vor meiner obigen Aussage schon bei einem Banker erkundigt, der meine (falsche) Auffassung bestätigt hat. Nun aber habe ich einen anderen mehr kompeteten Banker gefragt, der hat bestätigt, daß alle Banken Geld schöpfen können. Die Höhe der Geldschöpfung sei natürlich von der Größe der Bank abhängig. Die Geldschöpfung aus dem Nichts bedeutet dann aber, daß die Banken kaum Zinsen bezahlen müssen wie es sonst bei Einlagen oder eigenen Bankkrediten der Fall ist.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Noch keine drei Jahre alt und schon kann man seine Bindungswirkung vergessen - der Europäische Fiskalpakt

Bundeswirtschaftsminister Gabriel verkündet in Frankreich(!), daß man darüber "nachdenken" müsse, einen Tausch zu machen: Reformen gegen Defizitkriterien.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 93319.html

Danach sollen die "Reformkosten" künftig nicht mehr auf die Defizitkriterien angerechnet werden. Jeder kann sich vorstellen, was künftig als "Reform" verkauft werden wird.
Abnehmer für die steigenden Staatsschulden bzw. "Wertpapiere" hat man ja auch schon - die EZB. Da paßt es ganz gut, daß künftig ein Vertreter D. im EZB-Rat rotationsweise ohne Stimmrecht ist.

http://www.welt.de/wirtschaft/article12 ... -wird.html

Man sollte sich nicht wundern, wenn die für D. unangenehmen Entscheidungen immer dann gefällt werden, wenn Herr Weidmann am Katzentisch Platz nehmen muß.

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Gamaliel
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Gamaliel »

China/Südkorea: Frühlingsgefühle zwischen Xi und Park

Daraus:
Im Zentrum der wirtschaftspolitischen Gespräche zwischen Xi und Park stand auch eine Vereinbarung, im Handel zwischen beiden Ländern künftig direkt die beiden Landeswährungen Won und Yuan zu nutzen. Bislang werden nach Angaben der Bank von Korea mehr als 90 Prozent des Handels in amerikanischen Dollar abgewickelt. Park erhofft sich, Seoul mit diesem Schritt zu einem Markt zu machen, in dem Handel mit dem Yuan möglich ist und Seoul zu einem zentralen Handelsplatz mit China wird. Xi ist daran interessiert, die chinesische Währung gegenüber dem Dollar als weltweite Handelswährung zu etablieren.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Gamaliel hat geschrieben:China/Südkorea: Frühlingsgefühle zwischen Xi und Park

Daraus:
Im Zentrum der wirtschaftspolitischen Gespräche zwischen Xi und Park stand auch eine Vereinbarung, im Handel zwischen beiden Ländern künftig direkt die beiden Landeswährungen Won und Yuan zu nutzen. Bislang werden nach Angaben der Bank von Korea mehr als 9 Prozent des Handels in amerikanischen Dollar abgewickelt. Park erhofft sich, Seoul mit diesem Schritt zu einem Markt zu machen, in dem Handel mit dem Yuan möglich ist und Seoul zu einem zentralen Handelsplatz mit China wird. Xi ist daran interessiert, die chinesische Währung gegenüber dem Dollar als weltweite Handelswährung zu etablieren.
Ob diese Vereinbarung bei der Größe des Devisenmarktes etwas bewirken kann, darf wohl bezweifelt werden. Schließlich wurden dort 3,2 Billionen USD umgesetzt - täglich. In 213 hat sich das Volumen auf 5,3 Billionen USD erhöht (s. Tabelle 5 des unten verlinkten BIZ-Berichtes).
Das liegt auch daran, daß der Umtausch zwischen kleineren Währungen immer über den USD als "Zwischenstation" erfolgt. Selbst wenn Importeure bzw. Exporteure zwischen China und Südkorea mit Yuan oder Won abrechnen, wird der Wechelkurs der jeweiligen Währung zum USD entscheidend sein.

Nach dem Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat sich die Stellung des USD am Devisenmarkt in den letzten drei Jahren noch verstärkt - die Bedeutung des Euros ist gesunken:
The role of the US dollar as the world’s dominant vehicle currency remains unchallenged. FX deals with the US dollar on one side of the transaction represented 87% of all deals initiated in April
213, about 2 percentage points higher than three years ago.
(...)
The international role of the euro, by contrast, has shrunk since the beginning of the euro area sovereign debt crisis in 21. With an increase of just 15%, trading of the euro expanded by less than the overall market. The euro remains the second most important currency worldwide, but its global market share decreased by almost 6 percentage points to 33%, reaching the lowest value since the introduction of the common currency.
Für den Yuan führt die BIZ aus:
The role of the renminbi in global FX trading surged, in line with increased efforts to internationalise the Chinese currency. Renminbi turnover soared from $34 billion to $12 billion. The
renminbi has thus become the ninth most actively traded currency in 213, with a share of 2.2% in global FX volumes, mostly driven by a significant expansion of offshore renminbi trading.
http://www.bis.org/publ/rpfx13fx.pdf

China versucht wohl, seine Währung zu etablieren. Da der Yuan aber noch nicht voll konvertibel ist, dürfte der Erfolg ausblieben. s. hierzu auch:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 89166.html
Solange der Renminbi nicht konvertibel ist, solange es Kapitalkontrollen gibt, solange Zinsen und Wechselkurse den Markt ignorieren, solange Staatsbanken vom Wettbewerb ausgenommen sind - so lange wird China keine konkurrenzfähigen Finanzmärkte aufbauen. Es begibt sich damit zum einen eines lukrativen Geschäftszweigs, wie er etwa in Hongkong blüht. Zum anderen bleibt Pekings Einfluss in der Welt beschränkt, und es sieht sich in wachsender Abhängigkeit von Washington und dessen Währung. Angefacht von der Finanzkrise, dringt China deshalb auf eine multipolare Ordnung mit mehreren lokalen Leitwährungen neben dem Dollar. Eine davon soll der Renminbi werden. Die Konvertibilität soll 215 kommen, bis 22 dürften auch die anderen Restriktionen fallen. Dann möchte Schanghai ein Weltfinanzzentrum wie New York sein.
Ob bilaterale Abkommen - wie das mit Südkorea - allerdings der richtige Weg zur angestrebten "Leitwährung" (oder Reservewährung) sind..... :hmm:
Entscheidend ist schließlich nicht die Akzeptanz aufgrund von Handelsabkommen, sondern die Handelbarkeit der Währung an den Devisenmärkten.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Schon vor einiger Zeit wurde die Frage gestellt, welche "Sauerei" von der Regierung während der Fußball-WM - und damit weitgehend unbemerkt - beschlossen und durchgewinkt würde. Prof. Sinn hat jetzt in der FAZ die Antwort gegeben:
Was lange bestritten wurde, wird nun wahr. Die deutschen Steuerzahler sollen doch an den Kosten der Bankenrekapitalisierung in Südeuropa beteiligt werden.
Während die Nation den Fußballsieg über Brasilien bejubelt, beschloss das Bundeskabinett, die Mittel des gemeinsamen Rettungsfonds ESM für die Finanzierung der maroden Banken der Krisenländer verfügbar zu machen. Nach einer Beteiligung der Eigentümer und Gläubiger von zusammen nur 8 Prozent der Bilanzsumme einer Bank und einer möglichen Beteiligung des neuen Rettungsfonds in Höhe von 5 Prozent verbleibt eine rechnerische Deckungslücke von 87 Prozent.
Dafür dürfen nun im Falle des Falles die Steuerzahler geradestehen, und zwar nicht nur die Steuerzahler der betroffenen Länder selbst, sondern in gemeinschaftlicher Haftung auch die Steuerzahler anderer Länder. Angesichts einer Bilanzsumme der Banken der Krisenländer von 9131 Milliarden Euro ist dies keine Kleinigkeit, sondern ein großes Risiko für die finanzielle Stabilität der Bundesrepublik Deutschland. Deutschland haftet im Prinzip für 28 Prozent von 87 Prozent dieser Summe, also für 2145 Milliarden Euro.
(...)
Das Hauptproblem bei der Risikoübernahme ist allerdings nicht das Eintreten des Risikos selbst, sondern die Erpressbarkeit der Garantie gebenden Staaten. Um die Risiken klein und die Abschreibungsverluste von vornherein unter 13 Prozent der Bilanzsumme halten zu können, werden die haftenden Länder gezwungen sein, die Rekapitalisierung der Banken Südeuropas durch eine exzessive Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank noch sehr lange hinzunehmen und gegebenenfalls auch die Politik des Quantitative Easing zu akzeptieren, nach der die EZB die toxischen Kreditforderungen der Banken direkt übernimmt. Auch werden sie gezwungen sein, den Weg in eine Transferunion zu gehen, bei der die Wirtschaftssysteme jener Länder, die ihre Wettbewerbsfähigkeit in der vom Euro erzeugten inflationären Kreditblase verloren, insgesamt mit dauerhaften Zuwendungen anderer Länder gestützt werden.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/e ... 36713.html

Da der Fußball die Zeitungen beherrsht, findet man die neuen und beunruhigenden Meldungen über eine mögliche Schieflage der größten portugiesischen Bank auch nur in der Wirtschaftspresse:
Wie befürchtet hat Espirito Santo die Rückzahlung von Geldmarktpapieren verschoben. "Die Zuspitzung der Krise da unten dehnt sich auch auf Spanien und Italien aus", so ein Händler. Investoren werde immer schmerzlicher bewusst, dass sie in Anleihen dieser Staaten überinvestiert waren. "Kurzzeitig lagen Spaniens Renditen sogar unter denen der US-Treasuries. Das wird nun angesichts der Espirito-Krise massiv korrigiert". In den vergangenen Tagen waren die Renditen Portugals, aber auch Spaniens und Italiens deutlich gestiegen.
Wie erwartet weiter unter Druck stehen in Portugal die Aktien der Beteiligten. Der Kurs der Finanzholding Espirito Santo Financial fällt um 5,5 Prozent, Banco Espirito Santo geben um 7,2 Prozent nach. Auch für Portugal Telecom geht es um weitere 3,1 Prozent abwärts. Das Unternehmen ist in der unglücklichen Lage, Gläubiger dieser Papiere zu sein.
Augenfällig wurde die Angst vor einer Ausweitung der Krise zuletzt auch am Markt für Kreditausfallversicherungen (CDS). Diese waren für spanische und italienische Banken und auch Staatsanleihen beider Länder am Vortag noch stärker nachgefragt als für portugiesische Institute.
http://www.wsj.de/article/LL-CO-21471-1622.html

Schwarzmalerei oder "aus der Luft gegriffen" sind die Befürchtungen von Prof. Sinn wahrlich nicht....

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Der EZB-Präsident ist Italiener, sein Vertreter ein Portugiese, die Südländer dominieren mit ihren Stimmrechten den EZB-Rat. Jetzt soll auch noch der Posten des Währungskommissars - bisher der Finne Olli Rehn - durch einen Franzosen ersetzt werden. Es handelt sich ausgerechnet um den bisherigen Finanzminister Moscovici, nicht gerade ein glühender Befürworter des Abbaus staatlicher Kreditaufnahme.

http://www.handelsblatt.com/politik/int ... 6-all.html

Zwar hat Schäuble Widerstand angekündigt, aber was davon zu halten ist, wissen wir ja. Nicht nur die Geldpolitik der EZB wird dann südländisch geprägt sein, auch die letzten Fragmente des Fiskalpakts würden geschleift - und zum Dank darf D. demnächst turnusmäßig auf ein Stimmrecht im EZB-Rat "verzichten"......

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Ein Bericht aus den Südländern, die mit der "Eurostärke" nicht einverstanden sind.
Aus Sicht Deutschlands ist der Eurokurs keineswegs zu hoch. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann äußerte zur angeblichen Überbewertung: „Ist er (der Kurs) zu stark, bist du zu schwach.“ Laut Berechnungen der Investmentbank Morgan Stanley ist der Euro für die wettbewerbsfähige deutsche Industrie sogar zu niedrig: Bei 1,53 Dollar läge der angemessen Kurs für Deutschland, errechnete Morgan Stanley im vergangenen Jahr. Für Frankreich kamen sie hingegen auf einen angemessenen Kurs von 1,23 Dollar, für Italien nur 1,19 Dollar und für Griechenland sogar nur 1,07 Dollar.
Tja - "one size fits all" funktioniert schon beim Kauf eines Anzugs/Kleides nicht - noch viel weniger bei einer Währungsunion. Diese Deutlichkeit ist selten:
In Italien indes, wo inzwischen eine Mehrheit der Parteien und Politiker den Euro ablehnt oder zumindest sehr kritisch sieht, gilt eine drastische Abwertungspolitik als Minimalforderung. „Der Euro hat nur die Deutschen reich gemacht“, lautet der Schlachtruf des Fraktionsvorsitzenden von Berlusconis Partei, Renato Brunetta. Aus Sicht von Brunetta, einem Wirtschaftsprofessor, ist zur Belebung von Italiens Wirtschaft eine Reflation mit allen Mitteln notwendig, auch durch eine Überschwemmung der Märkte mit zusätzlichen Euro durch die EZB. Wenn Deutschland sich dagegen sperre, müsse es aus der Währungsunion ausgeschlossen werden, sagte Brunetta.
Mit martialischer Rhetorik spart dabei niemand: Der langjährige Schatz- und Finanzminister von Berlusconi, Giulio Tremonti, sagt, „es gibt das Risiko eines Krieges in Europa, wenn die Leute die Währung weiter auf diese Weise verwalten“.
Erstaunlich allerdings, daß Italien, Frankreich usw. meinen, bei einer Euroabwertung hätten sie erheblich größere Exporterfolge. Sie sollten berücksichtigen, daß dann auch deutsche Produkte, die bisher zu teuer sind, preiswerter und damit in direkter Konkurrenz zu ihren Angeboten stehen würden.
Ich habe immer darauf hingewiesen und hier wird es noch einmal deutlich gemacht: Die Südländer und D. haben eine unterschiedliche Geld- und Währungskultur, die sich erheblich von der deutschen unterscheidet:
Für radikale Politiker wie den Lega-Vorsitzenden Matteo Salvini gibt es nur eine Konsequenz; „Sofort aus dem Euro aussteigen“, ist seine Leitlinie. Dann könnten die vielen norditalienischen Unternehmen wieder besser exportieren. Der Lega-Chef ruft dabei die Erinnerung an Traditionen der italienischen Geldpolitik vor der Währungsunion wach. Denn in den siebziger und achtziger Jahren suchten die italienischen Politiker immer wieder mit Abwertungen der Lira kurze Strohfeuer für die Konjunktur zu entfachen. Auch Industrielle wie der Fiat-Hauptaktionär Giovanni Agnelli scheuten nicht davor zurück, direkt zum Notenbankgouverneur zu gehen und eine Abwertung zu verlangen. Die damals nicht unabhängige Banca d’Italia musste der Regierung gehorchen. Was allerdings verdrängt wird, ist der Umstand, dass nach Abwertungen kurzfristige Exporterfolge schnell wieder von steigender Inflation und steigenden Produktionskosten zunichtegemacht wurden.
Das Ausmaß der Abwertungen wurde wahrscheinlich bereits verdrängt bzw. ist die Jüngeren nicht bekannt. Im Vergleich zur DM waren die Nationalwährungen von F, IT, ES oder PT bei Euroeinführung nur noch einen Bruchteil "wert":

Wertverlust der Lira zur DM von 6,69 DM (1955) auf 1,01 DM (1998) für 1.000 Lire = Abwertung um 85%.

Wertverlust des Franz. Franc zur DM von 85,04 DM (1960) auf 29,83 DM (1998) für 100 Franz. Franc = Abwertung um 65%.

Wertverlust der Peseta zur DM von 6,65 DM (1963) auf 1,17 DM (1998) für 100 Peseten = Abwertung um 82%

Wertverlust des Escudos zur DM von 14,62 (1958) auf 0,97 DM (1998) für 100 Escudos = Abwertung um 93%.

Hat sich die Industriestruktur in diesen Ländern in den Jahren seit der Euro-Einführung (1999) so geändert, daß künftige Abwertungen nicht mehr notwendig sind? :nein:

und wie soll es dann weitergehen, wenn die Gemeinschaftswährung für einen Teil des Währungsgebietes viel zu stark und für einen anderen viel zu schwach ist :hae?: :achselzuck: :/

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Spanien führt eine "Sparersteuer" ein und geht dabei sehr trickreich vor:
Bisher waren es nur Planspiele, doch jetzt wird es ernst. Als erstes Euro-Land hat Spanien eine landesweite Sparersteuer eingeführt. Rückwirkend zum 1. Januar 214 werden alle Bankeinlagen in der viertgrößten Ökonomie des Kontinents einer Abgabe unterworfen. Die Steuer in Höhe von ,3 Prozent auf alle Guthaben wurde von der Regierung in Madrid fast unbemerkt im WM-Trubel Anfang Juli beschlossen.
(...)
Die Einführung einer Sparersteuer gilt als heikel, da sie Bürger in einer Trotz- und Schockreaktion dazu bewegen könnte, ihr Geld aus dem Finanzsystem abzuziehen, und so einen Ansturm auf das Banksystem, einen "bank run", auslösen könnte.
Wohl auch deshalb wird die Steuer nicht direkt von den Sparern abgebucht. Vielmehr müssen die spanischen Banken die Steuer erst mal aus den eigenen Gewinnen bestreiten. Allerdings dürften die Institute die Abgabe in der einen oder anderen Weise auf die Kunden abwälzen.
und natürlich ist das nur der Anfang:
"Die ,3 Prozent klingen wenig. Doch die kleine Steuer auf Bankeinlagen könnte nur der Testlauf für die große Nummer sein", sagt Sparer-Experte Franke.
"Im Hintergrund hat der Internationale Währungsfonds (IWF) längst Pläne für eine Vermögensabgabe von zehn Prozent geschmiedet und auch andere Institutionen wie die Europäische Zentralbank und die Deutsche Bundesbank haben ihre Ideen in der Schublade liegen", sagt Franke.
Pläne und Gedankenspiele, an das Geld der Sparer zu kommen, kursieren schon seit einiger Zeit. Im Herbst hatte eine Beispielrechnung des IWF für Aufsehen gesorgt. Darin hatten Ökonomen ausgeführt, dass eine einmalige Zwangsabgabe eine mögliche Lösung der Schuldenkrise sein könne.
http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/ ... r-ein.html

Beschlossen wurde die Abgabe - natürlich - während der Fußball-WM - ähnlich wie die Bundesregierung ein Gesetzespaket zur Bankenunion verabschiedete. Damit setzt sich Wolfram Weimer noch einmal kritisch auseinander und kommt zu folgendem Ergebnis:
Deutschland verzichtet Stück für Stück auf die Wahrung eigener Interessen, opfert schrittweise Stabilitätstraditionen und geht Risiken ein, die man nur in Trunkenheit brasilianischer Tequilas entspannt ertragen kann. Das Timing des Gesetzespakets ist clever gewählt, der Inhalt nicht.
http://www.handelsblatt.com/meinung/kol ... 85632.html

:ja:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Mit der Frage, ob es am Montag in Portugal zu einem bank-run kommt, beschäftigt sich dieser Artikel.
In der Nacht zum Samstag hat eine Nachricht aus Portugal die Anleger in ganz Europa verunsichert: Die portugiesische Unternehmensgruppe Espírito Santo Internacional habe die Einleitung eines Insolvenzverfahrens beantragt, teilten portugiesische Nachrichtenagenturen mit. Eine Meldung, die den Rest Europas eigentlich kalt lassen könnte, sollte man meinen. Doch in dem Fall sind die Dinge etwas anders gelagert: Denn diese Unternehmensgruppe in Händen des einflussreichen Familienclans Espirito Santo hält einen Anteil von 2 Prozent an der wichtigsten portugiesischen Bank – die passenderweise Banco Espírito Santo heißt.
Zwei Sorgen flammen da sogleich in ganz Europa wieder auf. Die erste: Wenn der wichtigste Anteilseigner zahlungsunfähig ist – wie stark bedroht dies dann die Stabilität der Bank? Droht gar ein „Bankrun“, bei dem die Sparer alle gleichzeitig ihre Gelder abziehen wollen? Und die zweite: Könnte die Unruhe um die Bank nicht sogar dazu führen, das portugiesische Finanzsystem als ganzes ins Wanken zu bringen – und am Montag, wenn die Märkte öffnen, die Kurse von Staatsanleihen aus Südeuropa zum Absturz bringen?
Die zur Gruppe Espiritu Santo gehörende Gesellschaft Rio Forte konnte eine Verbindlichkeit iHv 847 Mil. €(!) gegenüber der Portugal Telecom[!) nicht begleichen.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/u ... 48611.html

Da fragt sich der unvoreingenommene Beobachter natürlich, warum eine - relativ kleine - Telefongesellschaft einer Investmentgesellschaft einen Kredit in dieser Höhe (fast 3% des Jahresumsatzes 213) einräumt - man wird die Beträge wohl kaum vertelefoniert haben.....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi »

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Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Lobenswert - aber ich bezweifle, daß das BVerfG die Bankenunion verbieten wird oder eine Nach"besserung" (das Wort ist angesichts der drohenden Verluste für den deutschen Steuerzahler eigentlich ein Hohn) der europ. Verträge verlangt.

Das öffentl. Interesse ist ebenfalls gering - eigentlich hätte es einen Aufschrei der Empörung geben müssen, aber das Volk war mit Fußball abgelenkt. Dabei ist das Volumen für den deutschen Steuerzahler weitaus gefährlicher als der ESM, ich hatte z.B. hier und hier (mit Ausführungen von Prof. Sinn) bereits entsprechend verlinkt.

Jeder hatte inzwischen genügend Zeit, sich auf die Auswirkungen vorzubereiten - man sollte dann allerdings nicht darüber klagen, wenn sie eintreten.

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Edi
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi »

Caviteño hat geschrieben:
Lobenswert - aber ich bezweifle, daß das BVerfG die Bankenunion verbieten wird oder eine Nach"besserung" (das Wort ist angesichts der drohenden Verluste für den deutschen Steuerzahler eigentlich ein Hohn) der europ. Verträge verlangt.
Das heutige Verfassungsgericht ist doch mit willfährigen Richtern besetzt, die nicht den Mut haben, der Regierung einen Strich durch die Rechnung zu machen und im Sinne der Steuerzahler zu entscheiden. Ich habe also die gleichen Zweifel wie du.
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Edi hat geschrieben: Das heutige Verfassungsgericht ist doch mit willfährigen Richtern besetzt, die nicht den Mut haben, der Regierung einen Strich durch die Rechnung zu machen und im Sinne der Steuerzahler zu entscheiden.
s. Maastricht-Urteil oder die Überweisung der ESM-Entscheidung an den EuGH (das Ergebnis kann man sich auch ohne Phantasie vorstellen......)

Andererseits muß man dem BVerfG auch zugute halten, daß es die Parlamentsrechte gestärkt hat. Ohne die Entscheidungen hätten Merkle, Schäuble & Co die Schecks noch schneller unterschrieben und abgeschickt. Ein anderes Problem ist natürlich, daß die Parlamentarier ihre Rechte nicht einfordern, das Regierungshandeln innerhalb weniger Stunden abnicken und nicht auf einer umfangreichen Prüfung der Vereinbarungen bestehen. Diese Selbstkastrierung des Parlaments deutlich zu machen wäre eigentlich die Aufgabe der Opposition - aber die ist an der 5%-Hürde gescheitert.....

Was ein anderer Forant bzgl. der Zuwanderung geschrieben hat gilt auch hier:
EwaldMrnka hat geschrieben: Man muß sich damit abfinden; Alternativen gibt es nicht.
(...)
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Wobei Alternativen durchaus bestehen würden - allerdings werden diese von der sog. "politischen Elite" nicht in Erwägung gezogen.

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Peregrin
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Peregrin »

Caviteño hat geschrieben:
Edi hat geschrieben:
Man muß sich damit abfinden; Alternativen gibt es nicht.
(...)
« Après nous le déluge ! »
Wobei Alternativen durchaus bestehen würden - allerdings werden diese von der sog. "politischen Elite" nicht in Erwägung gezogen.
Schieb's nicht auf "die politische Elite". Anders als in anderen Ländern stand für Deutschland eine Alternative zur Wahl, aber der Michel wollte lieber Merkel, Krieg und Pleite.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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Edi
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi »

Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
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die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Daraus ein Zitat von Prof. Mirrlees aus Oxford:
Europa habe jahrzehntelang ohne Euro gut leben können.
Wie wahr!
Meist weiß man erst später, wie gut der frühere Zustand war. Bemerkenswert auch, daß diese Rechnung bei den Ökonomen angekommen ist:
Die ökonomische Elite hält den Euro hinderlich für den Aufschwung. Einige Laureaten sehen im Bruch des Euro sogar die einzige Chance, um das wirtschaftlich lahmende Europa wieder in Schwung zu bringen. "Ich kann mir mit dem Euro keinen wirklichen Aufschwung in der Euro-Zone vorstellen, der auch den Namen Aufschwung verdient", sagte James Mirrlees, Professor für politische Ökonomie in Cambridge.
Ein stures Festhalten an der Gemeinschaftswährung hält der Wirtschaftsnobelpreisträger von 1996 für zu kostspielig. "Die Kosten für den Zusammenhalt der Währungsunion dürften langfristig die Kosten für ein Auseinanderbrechen bei Weitem überschreiten", sagte Mirrlees.
(...)
Vor allem die Beschäftigungssituation in den Mitgliedsstaaten der Euro-Zone hat es den Nobelpreisträgern angetan. Die hohe Beschäftigungslosigkeit in Staaten wie Spanien, Italien oder Frankreich sehen sie als Folge der Währungsunion. "Viele haben argumentiert, dass ein Zerfall des Euro das Bankensystem ruiniert und damit unkalkulierbar teuer wird. Sie haben vergessen, dass sie für ihre Kalkulation zum Fortbestand des Euro auch die ökonomischen Kosten der Arbeitslosigkeit einbeziehen müssen", sagt Mirrlees.
Selbst Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel habe in ihrer Lindau-Rede von Konstruktionsmängeln der Währungsgemeinschaft gesprochen, so der Ökonom, der freimütig seine britische Blickweise auf den Euro eingesteht. Europa habe jahrzehntelang ohne Euro gut leben können. "Mit dem Euro wird es kein Gleichgewicht an den Arbeitsmärkten Europas geben", lautet sein Fazit.
Was er damit meint, zeigt die Entwicklung der Arbeitslosenquoten in den Euro-Ländern. Die haben sich dramatisch auseinanderentwickelt. Während die Quote in Deutschland auf 6,7 Prozent gefallen ist, liegt sie in Italien auf über zwölf Prozent.
In Spanien ist sogar jeder Vierte ohne Job. Noch dramatischer sieht das Bild bei der Jugendarbeitslosigkeit aus. Diese liegt in Italien mittlerweile auf dem Rekord von knapp 44 Prozent. In Spanien steht sogar mehr als jeder zweite Arbeitssuchende unter 25 Jahre ohne Job da. "Junge Spanier und Italiener, die in der jüngsten Rezession keinen Job gefunden haben, werden auf Jahrzehnte darunter leiden", sagt Peter Diamand, emeritierter Professor am MIT, der für seine Arbeitsmarktforschung im Jahr 2010 prämiert wurde.
Aber gegen die Arbeitslosigkeit in den Südstaaten gibt es ja jetzt den Plan, die Arbeitslosenversicherung zu "vergemeinschaften" - und alles wird gut!

Natürlich kann man immer hoffen, daß die "Hilfen" nur einmalig sind und die "Darlehn" von GR & Co wieder an unsere Urenkel zurückgezahlt werden, denn bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Aber realistisch muß man sehen, daß die Südländer wohl kaum jemals die Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Kraft der nordeuropäischen Länder erreichen werden - und deswegen ist ein Ende mit Schrecken preiswerter als die jetzige Polit-Salami-Taktik.

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Maurus
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Maurus »

Caviteño hat geschrieben:
Daraus ein Zitat von Prof. Mirrlees aus Oxford:
Europa habe jahrzehntelang ohne Euro gut leben können.
Wie wahr!
Meist weiß man erst später, wie gut der frühere Zustand war. Bemerkenswert auch, daß diese Rechnung bei den Ökonomen angekommen ist:
Oh, bitte! Diese Satz ist dem Professor vermutlich herausgerutscht und ist keine Glanzleistung: Europa ist auch Jahrhunderte gut ohne Internet, Schnellbahnnetz oder Zentralheizung ausgekommen. Dennoch würde diese Dinge keiner abschaffen wollen.
Die ökonomische Elite hält den Euro hinderlich für den Aufschwung.
Das mag ja sein, aber ein Primat der Politik ist schon sinniger als ein Primat der Ökonomie. Auch wenn nicht immer das Optimum erreicht wird.
Caviteño hat geschrieben:Natürlich kann man immer hoffen, daß die "Hilfen" nur einmalig sind und die "Darlehn" von GR & Co wieder an unsere Urenkel zurückgezahlt werden, denn bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Aber realistisch muß man sehen, daß die Südländer wohl kaum jemals die Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Kraft der nordeuropäischen Länder erreichen werden - und deswegen ist ein Ende mit Schrecken preiswerter als die jetzige Polit-Salami-Taktik.
Mit solchen Determinationen wäre ich auch vorsichtig. Redet man das den Leuten lange genug ein, dann glauben sie es irgendwann selbst und sehen keinen Anlass mehr für irgendeine Anstrengung. Man sollte nicht vergessen, dass Deutschland noch 2005(!) als "kranker Mann Europas" galt, von "german Angst" und bald 5 oder gar 6 Mio. Arbeitslosen die Rede war. Neun Jahre später sieht doch alles etwas anders aus. Es geht eben schon, man muss es nur mal wollen.

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Maurus hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:
Daraus ein Zitat von Prof. Mirrlees aus Oxford:
Europa habe jahrzehntelang ohne Euro gut leben können.
Wie wahr!
Meist weiß man erst später, wie gut der frühere Zustand war. Bemerkenswert auch, daß diese Rechnung bei den Ökonomen angekommen ist:
Oh, bitte! Diese Satz ist dem Professor vermutlich herausgerutscht und ist keine Glanzleistung: Europa ist auch Jahrhunderte gut ohne Internet, Schnellbahnnetz oder Zentralheizung ausgekommen. Dennoch würde diese Dinge keiner abschaffen wollen.
Für Deine Annahme, daß der Satz dem Professor herausgerutscht sei, gibt es im weiteren Verlauf der Meldung keinen Beleg. Ich nehme an, daß er es bewußt gesagt hat.
Im übrigen ist nicht alles was hinkt ein Vergleich und wenn man schon die Notwendigkeit des Euro vergleichen will, dann bitte nicht mit Dingen des alltäglichen Bedarfs, die sich bewährt haben. Wie wär's dann mit der Lateinischen Münzunion - vor allem mit den Gründen für ihr Scheitern und welche Länder dazu beigetragen haben. Da sind die Parallelen erstaunlich....
Maurus hat geschrieben:
Die ökonomische Elite hält den Euro hinderlich für den Aufschwung.
Das mag ja sein, aber ein Primat der Politik ist schon sinniger als ein Primat der Ökonomie. Auch wenn nicht immer das Optimum erreicht wird.
Es geht doch nicht um irgendein "Primat". Natürlich kann die Politik auch wirtschaftlich Unkluges machen, allerdings rächt es sich, gegen die Gesetze der Ökonomie zu verstoßen. Irgendjemand muß für alles bezahlen, das Geld kommt nicht aus dem Geldautomaten, sondern muß erwirtschaftet werden.
Das zeigt doch die Eurokrise: Wenn im Club Med jahrelang Party gefeiert wird, muß irgendwann bezahlt werden und dann ist das Gejammere groß. s. hierzu die Entwicklung der Staatsschulden von 2000 - 2014 - 2019. Dann werden auch die politischen Grundsätze über Bord geworfen (bail-out-Regel im Maastricht-Vertrag) - natürlich alles im "Primat der Politik".
Maurus hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Natürlich kann man immer hoffen, daß die "Hilfen" nur einmalig sind und die "Darlehn" von GR & Co wieder an unsere Urenkel zurückgezahlt werden, denn bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Aber realistisch muß man sehen, daß die Südländer wohl kaum jemals die Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Kraft der nordeuropäischen Länder erreichen werden - und deswegen ist ein Ende mit Schrecken preiswerter als die jetzige Polit-Salami-Taktik.
Mit solchen Determinationen wäre ich auch vorsichtig. Redet man das den Leuten lange genug ein, dann glauben sie es irgendwann selbst und sehen keinen Anlass mehr für irgendeine Anstrengung. Man sollte nicht vergessen, dass Deutschland noch 2005(!) als "kranker Mann Europas" galt, von "german Angst" und bald 5 oder gar 6 Mio. Arbeitslosen die Rede war. Neun Jahre später sieht doch alles etwas anders aus. Es geht eben schon, man muss es nur mal wollen.
Wie sollen die Südländer ihre Schulden denn zurückzahlen? Das ist doch hoffnungslos und das wissen sowohl unsere Politiker als auch die dortige Bevölkerung. Ein Blick auf die Relation der Staatsschulden zur Wirtschaftsleistung zeigt das deutlich:

Griechenland [103] - 175% - (138%)
Italien [108] - 135% - (122%)
Portugal [48] - 127% - (114%)
Irland [37] - 124% - (109%)
Zypern [60] - 122% - (98%)
Belgien [126] - 100% - (91%)
Spanien [59] - 99% - (102%)
Frankreich [57] - 96% - (88%)
Deutschland [60] - 75% - (59% - würde Erreichen des Maastricht-Zieles bedeuten!)

Zahlen für 2014, in [Klammern] der Wert bei Eurobeginn 2000, in (Klammern) der projezierte Wert für 2019. Man vergleiche die Zahlen 2000 mit den projezierten Zahlen für 2019.

Um einen Minderung der Staatsschuldenquote von 10% zu erreichen, müßte z.B. die Schuldenhöhe unverändert bleiben und das Bruttoinlandsprodukt jährlich um ca. 2% steigen. Beides wurde von D. bei brummender Konjunktur und sprudelnden Steuereinnahmen in den letzten Jahren nicht erreicht. In diesem Jahr sollen zwar keine Neuschulden mehr gemacht werden, andererseits liegt das Wachstum auch unter 2%.

Wie sollen die Südländer denn ihre Ziele erreichen? :achselzuck:
Welche industrielle Basis haben sie dafür, denn nur durch Tourismus und Gemüseexporte wird es wohl kaum klappen.

In D. war ein Wechsel möglich, weil dort entsprechende Grundlagen (sowohl hinsichtlich der Wirtschaftsstruktur als auch bei den Tarifpartnern, der Regierung und den Medien) vorhanden sind - aber in GR, PT usw.. :hae?:

Es hängt nicht nur am Willen, der vielleicht([Punkt] - ich habe da bei einigen Ländern ganz erhebliche Zweifel) vorhanden ist. Dazu kommt auch die vollkommen unterschiedliche Wirtschaftskultur. Die Länder der Südschiene haben in der Vor-Euro-Zeit ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Abwertungen erreicht. Ich habe hier mehrfach die entsprechenden Zeitreihen der Währungsentwicklung von DM zu Lira, Peseta, Escudo oder Franz. Franc gepostet. Man konnte sich hohe nominelle Lohnerhöhungen gönnen, es gab einen automatischen Inflationsausgleich (scala mobile) und man wertete die eigene Währung dann ab.
Alle waren glücklich und zufrieden: Der Arbeitnehmer im Süden hatte nominal mehr auf dem Konto, der Unternehmer konnte seine Waren im Ausland verkaufen und der Staat strich durch die steigenden Löhne auch mehr Steuern ein. In D. wertete die DM auf, die Unternehmer mußten sich dem Wettbewerb stellen und ihre Produkte durch Qualität verkaufen und die Arbeitnehmer konnten sich aufgrund des hohen Außenwertes der DM mehr ausl. Produkte (Waren oder Dienstleistungen/Urlaub) kaufen.
Durch den Euro ist der Weg versperrt. Jetzt ist niemand zufrieden. Für die Südländer (einschl. Frankreich) ist der Euro zu hoch, für D. zu weich. Gleiches gilt - umgekehrt - für die Zinsen. In D. sind sie zu niedrig, Sparer zahlen die Zeche; Lebensversicherungen werfen immer weniger ab.

Im Euroverbund besteht aus Ländern, die nicht zueinander passen. Er wurde nach dem Primat der Politik geformt - entgegen den ökonomischen Gesetzen. Die Rechnung kommt.

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