Zukunft von Währungsunion und Euro

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Caviteño
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 11. März 2017, 06:25

ES DARF GETRICKST WERDEN - Die sieben Konstruktionsmängel im Eurosystem

Als da sind:
Einbindung ganz unterschiedlicher Wirtschaftsstrukturen, keine zentrale politische Instanz, dominierende nationale Interessen, keine Vorkehrungen für den Finanzausgleich, stark inkongruente Verteilung von Stimmrechten, keine klaren Regeln für Sanktionen und realitätsfremdes Ziel einer Konvergenz. Mit anderen Worten: Dem bisherigen Schrecken ohne Ende wird das Ende mit Schrecken folgen. Allein das Wann und Wie ist noch offen.
Aber Kanzler Kohl und die jetzige politische "Elite" glaub(te)en noch immer, daß die Politik wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten aushebeln kann, wenn nur der Wille vorhanden ist. Das glaubte das Politbüro in der DDR auch, ebenso wie heute Merkel.

Man kann sich schon vorstellen, in welche Gruppe bei einem jetzt diskutierten "Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten" Merkel D. einsortieren wird.

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Edi
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Edi » Sonntag 30. April 2017, 11:50

Ich habe zufällig ein Video aus dem Jahre 1996 gefunden, wo der linke Abgeordnete Gysi zum Thema Einführung des Euro spricht. Was er hier sagt, ist in vielem richtig und ist wie eine Vorhersage dessen, was wir heute in der Realität vor uns sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=-qIZBPpshQ8
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Sonntag 30. April 2017, 20:17

Das haben nur Wirtschaftsinteressierte mitbekommen:
Nach der Schweiz hat nun auch Tschechien den Mindestkurs zum Euro aufgegeben.

Nationalbank gibt Euro-Mindestkurs auf
Die tschechische Nationalbank hat ihren seit dreieinhalb Jahren geltenden Mindestkurs von 27 Kronen pro Euro aufgegeben. Das gab ein Sprecher der Währungshüter am Donnerstag in Prag bekannt. Mit dem Mindestkurs sollte verhindert werden, dass die tschechischen Ausfuhren ins Ausland zu teuer werden und zudem die Inflation angekurbelt werden.
Trotzdem will Tschechien den Euro nicht einführen. Die Frage ist, ob demnächst auch andere Länder wie Polen oder Ungarn die Eurobindung ihrer Währung aufheben.
Der Euro ist kein Stabilitätsanker. Wer seine Währung an den Euro bindet, der muss die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) importieren. Die EZB will jedoch mit Null- und Negativzinsen, verbunden mit einer Geldmengenausweitung, den Einsturz der Euro-Schuldenpyramide verhindern. Eine solche Politik läuft auf eine Geldentwertung hinaus. Weder die Schweizer noch die Tschechen haben einen Grund, der EZB geldpolitisch nachzueifern.
Frankreichs EUROphorie schwindet

Es gibt auch noch in der EU Regierungen, die an das Wohl ihres Landes denken und die vertraglich verpflichtende Einführung des Euros nicht vornehmen. Sie wissen warum.

Der Euro - eine Weichwährung nach dem Vorbild von Franc, Peseta und Lira und nicht wie es von Kohl, CDU, SPD und den anderen Parteien versprochen wurde, so hart wie die DM. Man hätte es wissen können, denn wie sollen IT, F oder ES plötzlich mit einer starken Währung klarkommen, wenn man vorher die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt nur über eine Abwertung der eigenen Währung herstellen konnte?

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 4. Mai 2017, 17:32

Euro-Sozialismus - Macrons europäische Transferunion

Man sagt "Europa" und meint "Kredit" - mit einem Präsidenten Macron und einer Kanzlerin Merkel (verstärkt um einen Vizekanzler Schulz) könnte es spätestens nach der Wahl in IT (Frühjahr 2018) zu einer "Vollendung der Bankenunion" (mit gemeinsamer Einlagensicherung), einer "solidarischen" Arbeitslosenversicherung (für den gesamten EU-Raum) und zu einem Investitionshaushalt der Euroländer, finanziert durch gemeinsam verbürgte Kredite (Eurobonds) kommen.

Wer würde da noch Widerstand von Frau Merkel erwarten? :D Die früher hochgelobten Europäischen Verträge gelten nicht mehr, sie sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben wurden:
Das gilt für den Maastrichter Vertrag, der faktisch an einer entscheidenden Stelle systematisch gebrochen wird. Gleiches kann man mit Fug und Recht auch von einem zweiten Vertrag sagen: dem Schengen-Vertrag, der das verbindliche Verhältnis zwischen dem Schutz der EU-Außengrenzen und der Öffnung der EU-Binnengrenzen regeln soll. Dieser Vertrag wurde und wird systematisch gebrochen.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Dienstag 18. Juli 2017, 09:50

Frank Schäffler weist in diesem Artikel darauf hin, daß es nach der Wahl sehr teuer werden könnte:

Schulden sind für die EU bald wie Schlechtwetter

Um Macron zu "helfen" bzw. ihn zu "stützen", könnte sich die Bundesregierung veranlaßt sehen, ihm entgegenzukommen. Er fordert nicht nur einen europ. "Krisen"fond, zu dem er den EWS umwidmen möchte, sondern auch einen europ. Finanzausgleich - also noch mehr Geldtransfer von Nord nach Süd.
Doch was Macron will, ist nicht nur einen größeren Krisenfonds zu schaffen, sondern einen Finanzausgleich, vergleichbar dem Länderfinanzausgleich in Deutschland. Dieser wurde zwar hierzulande gerade beerdigt, aber dennoch dient er als Vorbild. Es soll ein Umverteilungsmechanismus geschaffen werden, bei dem die reicheren Länder den ärmeren Ländern regelmäßig helfen. Der deutsche Anteil an diesem Topf würde rund 30 Prozent betragen, also je nach Größe bis zu 60 Milliarden Euro. Zum Vergleich, das ist mehr als das Dreifache dessen, was der Bund derzeit für Bildung und Forschung ausgibt. Das ist für eine Kanzlerin vor einer wichtigen Wahl schwierig zu erklären.
Natürlich wird das Thema im beginnenden Wahlkampf überhaupt nicht behandelt. Man weiß wohl, das "Europa" keine Stimmenfänger ist, denn zuviel ist schiefgelaufen: der Euro und seine "Rettung" sowie die "Flüchtlinge". Deswegen geht es um andere Themen - aber welche eigentlich? :hmm:

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Dienstag 8. August 2017, 14:26

Prof. Sinn geht von einem Euro-Austritt IT im Spätherbst oder im Frühjahr 2018 - nach den Wahlen in IT aus. Die eurokritische Fünf-Sterne-Bewegung will eine Volksabstimmung zum Euro und nach den letzten Umfragen hielt mehr als die Hälfte der Bevölkerung den Euro für keine gute Idee.
Die ital. Volkswirtschaft befindet sich nach wie vor in der Rezession. IT ist seit 1995 gegenüber D. um 42% teurer geworden (hat entsprechend Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt). Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte in acht Jahren um 600 Mrden €. Dafür kletterte die Staatsverschuldung von 102% auf 133 % im gleichen Zeitraum. (Soviel zum Thema: totsparen...)
Aber der Euro ist eine "Erfolgsgeschichte" sagen unsere Politiker.....

Prof. Sinn weist auf einen wichtigen Gesichtspunkt hin; noch wäre der Austritt preiswert zu haben:
Die italienische Mediobanca kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass das Land ein veritables Interesse hätte, das Kapitel Euro so schnell wie möglich zu schließen. Denn – Überraschung – Italien könne aktuell noch einen großen Teil seiner ausstehenden Anleihen in günstigen Lira und nicht in teuren Euros zurückzahlen. Das gehe auf die Lex monetae zurück, wonach souveräne Staaten die Währung wählen können, die sie möchten.
Die Zahl der betreffenden Anleihen schrumpft jedoch mit der Zeit, da neuere Papiere in den Bedingungen die sogenannte Collective Action Clause (kurz CAC-Klausel) enthalten. Die macht eine Änderung einzelner Bedingungen von der Zustimmung der Mehrheit der Gläubiger abhängig und steht einer Konvertierung im Weg.
Hans-Werner Sinn: Italien wird Eurozone verlassen

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Pilgerer » Dienstag 8. August 2017, 16:06

Caviteño hat geschrieben:
Dienstag 8. August 2017, 14:26
Prof. Sinn geht von einem Euro-Austritt IT im Spätherbst oder im Frühjahr 2018 - nach den Wahlen in IT aus.
Wahrscheinlich ist eine währungspolitische Unterteilung des Euroraums in eine "mediterane Zone" und eine "hanseatische Zone" wirtschaftspolitisch am sinnvollsten. Dann könnte Italien mit Griechenland, Frankreich und anderen Staaten einen Währungsraum schaffen und das Römische Reich währungspolitisch nachahmen. Deutschland könnte mit an harter Währung interessierten mittel- und nordeuropäischen Staaten eine hanseatischen Währungsraum schaffen. Dann hätten wir zwei europäische Währungsblöcke, die im Sinn der Subsidarität den Willen ihrer jeweiligen Bevölkerungen am besten umsetzen. Das würde die demokratische Selbstbestimmung stärken und wäre wirtschaftspolitisch eine gute Lösung.

Ein vereinigtes Europa braucht nicht in allen Bereichen einheitliche Lösungen.
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Dienstag 8. August 2017, 17:46

Ich frage mich, warum "Europa" überhaupt nur zwei Währungsgebiete haben muß. :achselzuck:

Es gibt auch heute noch viele Länder, die wirtschaftlich nicht so bedeutend wie D. sind und trotzdem eine eigene (starke) Währung haben, z.B. Schweiz, Kanada, Australien, Südkorea, Neuseeland. Niemand käme auf die Idee, eine Währungsunion zwischen Australien und Neuseeland einführen zu wollen....

Die Abweichungen zwischen der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sind häufig so groß, daß sich eine einheitliche Währung nicht anbietet. In den DM-Zeiten gab es "feste" Wechselkurse praktisch nur Gulden (1:1,10) bzw. zum Schilling (1:7). Selbst die nordischen Währungen (NOK, SEK, DKK) werteten gegenüber der DM erheblich ab und sanken von 100 (Kronen) : 60 DM (Mitte der 50'iger Jahre) auf ca. 25 DM in den 90'iger Jahren.

https://www.bundesbank.de/Navigation/DE ... 1_b01011_1

Im übrigen: Während die Länder, in denen ein "Südeuro" gelten würde, ziemlich klar sind - wer sollte denn auf freiwilliger(!) Basis zum Nordeuro gehören? D, die NL und A (s.o.) aber sonst?
Belgien mit seiner hohen Staatsverschuldung wird sich im Süden besser aufgehoben fühlen.
Dänemark und Schweden haben ebenso wie Polen und die Tschechei kein Interesse am Euro. Warum sollten sie einen Nordeuro einführen? Es geht ihnen mit Zloty & Co doch gut. Selbst in Finnland dürfte sich die Begeisterung in Grenzen halten. Dafür muß noch nicht einmal das Argument der dann eintretenden "monetären Vorherrschaft durch Frankfurt" bemüht werden.
Blieben also nur noch die Slowakei, Slowenien und die baltischen Länder. Ob die bereit wären, ihre dann neugewonnene Währungsfreiheit nach den Euro-Erfahrungen wieder einzutauschen, erscheint mir zweifelhaft.

Da sich die Zahlungsgewohnheiten seit der Euro-Einführung vor knapp 20 Jahren massiv geändert haben, fallen die Transaktionskosten auch nicht mehr so ins Gewicht, wie das früher noch der Fall war. Wer nimmt denn heute noch einen größeren Barbetrag (oder Reiseschecks) mit ins Ausland, um sie dort umzutauschen? Bankkarte, Kreditkarte und Geldautomat haben diese Funktion übernommen. Inzwischen haben sogar Privatleute häufig Konten, die auf USD, CHF oder andere Währungen lauten. Das Währungsmanagement ist also auch für gewerbliche Unternehmen nicht mehr so ein Problem wie vor 20 Jahren.

Insofern sehe ich überhaupt keine Notwendigkeit, eine Währungsunion mit anderen Ländern einzugehen. Die Nachteile (vor allem die fehlende Anpassungsmöglichkeit des Außenwertes der eigenen Währung) überwiegen mE ganz deutlich - ein Blick auf die letzten Jahre reicht.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Pilgerer » Donnerstag 10. August 2017, 16:30

Die Idee von zwei Währungsgebieten im EU-Gebiet kann eine Mischung aus Streben nach europäischer Einheit und nach währungs- und wirtschaftspolitischer Subsidiarität sein. Die Euro-Zone mit einer einheitlichen Währung (oder fixen Währungsverhältnissen) schafft zwar viel Einigkeit im Sinne der Europäischen Union, aber behandelt sehr unterschiedliche Volkswirtschaften gleich und führt damit zu Problemen. Mehr Währungsgebiete schaffen mehr Flexibilität, dafür aber auch Zersplitterung. Dazwischen ist also ein guter Kompromiss zu finden.
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 10. August 2017, 18:30

Pilgerer hat geschrieben:
Donnerstag 10. August 2017, 16:30
Die Idee von zwei Währungsgebieten im EU-Gebiet kann eine Mischung aus Streben nach europäischer Einheit und nach währungs- und wirtschaftspolitischer Subsidiarität sein. Die Euro-Zone mit einer einheitlichen Währung (oder fixen Währungsverhältnissen) schafft zwar viel Einigkeit im Sinne der Europäischen Union, aber behandelt sehr unterschiedliche Volkswirtschaften gleich und führt damit zu Problemen. Mehr Währungsgebiete schaffen mehr Flexibilität, dafür aber auch Zersplitterung. Dazwischen ist also ein guter Kompromiss zu finden.
Die letzten Jahre haben mE gezeigt, daß trotz all der Lobgesänge auf die EU, die Nationalstaaten eifersüchtig ihren Einfluß hüten. So haben die nationalen Regierungen (und tlw. die Parlamente), nicht die Kommission und schon garnicht das Europäische Parlament das letzte Wort bei ESM & Co.

Zwar wird im Augenblick über einen europ. Finanzminister usw. gesponnen. Sollte es jedoch zum Schwur kommen und tatsächliche wichtige Etatrechte von den Nationen auf die europ. Ebene verlagert werden, bin ich nicht sicher, ob alle das mitmachen.

Bei der Euroeinführung wurde häufig von der Grundstein- und der Krönungstheorie gesprochen. Die Grundsteintheorie, die annahm, daß sich die wirtschaftliche und politische Integration durch den Euro beschleunigen würde, ist krachend gescheitert. Die Gräben haben sich vertieft. Bei der Krönungstheorie wäre die gemeinsame Währung der Schlußpunkt einer Entwicklung gewesen.

Ein Land - eine Währung. Warum sollte man von diesem bewährten Prinzip abweichen? :hmm: Nur um dem Streben nach europ. Einheit nachzugeben? :/
Wenn ich an die Auswirkungen von Schengen, Euro, Asyl usw. denke, ist mir bei "europ. Einheit" überhaupt nicht wohl.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Pilgerer » Dienstag 15. August 2017, 11:52

Die Menschen und Nationalstaaten haben tatsächlich auch ein Bedürfnis nach Ehre, und das muss ein europäischer Staatenbund anerkennen. Das wird missachtet, wenn die europäischen Nationen mit ihrer vielfältigen Sprache, Kultur, Geschichte zu EU-Regierungsbezirken herabgewürdigt werden. Ich glaube, dass die Missachtung dieser nationalen Ehre durch die Mainstream-Politik viele zu "rechtspopulistischen" Parteien treibt, die es dann mitunter mit dem Nationalismus wieder übertreiben.

Die EU sollte primär ein Friedensprojekt sein, um den Frieden in Europa zu wahren, wo häufiger Kriege vorkamen. Sie könnte auch die EVG (europäische Verteidigungsgemeinschaft) wiederbeleben, die zu mehr militärpolitischer Unabhängigkeit von den USA führen könnte. Die EU muss aber nicht wirklich alle "weichen" politischen Bereiche reglementieren.
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Dienstag 15. August 2017, 12:29

Verfassungsgericht hat Bedenken - Europäischer Gerichtshof soll EZB-Anleihenkäufe überprüfen

Davon sollte man sich überhaupt nichts versprechen. Der EuGH, der bekannt "europa"freundlich urteilt, wird die Handlungen der EZB schon abnicken und das BVerfG wird folgen - s. auch der OMT-Beschluß der EZB.

Sind Nullzinsen und Euro"rettung" ein Thema im Wahlkampf? :nein:
Dann sollen sich die Bürger auch nicht beklagen, wenn die Inflation iHv z. Zt. 2% immer weiter an ihrer Altersvorsorge nagt und demnächst die deutsche Einlagesicherung zur "Rettung" ital. und anderer südeurop. Banken herangezogen wird. Man hat es ja nicht anders gewollt bzw. sich dagegen gewehrt und glaubt stattdessen das bla-bla-bla von der europ. "Solidarität". :D

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 6. September 2017, 15:46

Die Financial Times wirft einen Blick auf die Populisten in Italien und glaubt, daß diese keinen unbedingten Euro-Austritt mehr verfolgen:

Italy’s populists soften anti-euro rhetoric - (nicht frei verfügbar)

Darin heißt es ua:
The softer rhetoric from Five Star and the Northern League does not eliminate the danger that their rise to power could rattle the euro and the EU more broadly.
The parties want higher deficits to finance tax cuts and welfare spending in a country suffering from high debt; they oppose free tradedeals being negotiated by Brussels, and in foreign policy they have a strong pro-Kremlin tilt.
Wahlen in IT sind spätestens im Frühjahr nächsten Jahres. Dann wird auch die neue Bundesregierung stehen. Die wird sich dann mit gleichlautenden Forderungen aus Paris und Rom auseinandersetzen müssen: Höhere Grenzen bei der Schuldenaufnahme, Eurobonds, Eurobudget usw. usf. - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Verbunden mit der Drohung ein Plebiszit über den Verbleib im Euro durchzuführen, wird die Kanzlerin einknicken und noch mehr Geld in den Süden schicken - egal ob sie eine GroKo anführt, schwarz-gelb oder Jamaika. Wer sollte sie davon abhalten? :achselzuck:
Die Beträge könnten dabei sogar die bereits bestehenden wertlosen deutschen Target-Forderungen toppen, die wieder kräftig angestiegen sind und sich jetzt auf 857 Mrden € belaufen, wie Prof. Sinn in diesem Artikel erläutert:

„Am Limit“
So oder so sind die Target-Buchungen der Bundesbank schon heute weitgehend Luftnummern, die der Bilanzkosmetik dienen, die ökonomische Wirklichkeit aber nicht mehr widerspiegeln. Deutschland sollte sich darauf einstellen, auch dann größere Teile seiner Target-Forderungen effektiv zu verlieren, wenn der Euro weiterexistiert. Da die Target-Forderungen mittlerweile halb so groß sind wie das gesamte Nettoauslandsvermögen der Bundesrepublik Deutschland, das durch die Akkumulation der Leistungsbilanzüberschüsse gebildet wurde, stellt sich bald die Frage nach der Sinnhaftigkeit des gesamten Euroexperiments. Deutschland muss sich überlegen, wie lange es noch der Kaufladen sein will, in dem man beliebig anschreiben lassen kann, ohne dass der Ladenbesitzer seine Forderungen fällig stellen oder zumindest Zinsen verlangen kann.
Das ist neu: Prof. Sinn hat bisher nie die Frage nach der "Sinnhaftigkeit des Euro-Experiments" gestellt. Er hat immer die Auffassung vertreten, daß durch eine Rückkehr zu den Verträgen und deren Einhaltung der Euro "gerettet" werden könne. Er wollte ihn nicht aufgeben.
Sein jetziger Beitrag hört sich anders an, wahrscheinlich ist auch bei ihm der Realismus eingekehrt.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Sonntag 10. September 2017, 11:30

Eine Straffung der Geldpolitik durch die EZB dürfte insbesondere bei den südeuropäischen Ländern zu Schwierigkeiten führen. Ihre Staatsanleihen würden nur gekauft, wenn die Staaten risikoadäquate Zinsen böten. Die können sie jedoch nicht zahlen...
Draghi steht daher vor einem Problem: Wie soll er aus den Programmen der EZB aussteigen. Die Lösung dürfte so aussehen:
Die Erwartungen sind hoch, dass die wiedergewählte Bundeskanzlerin Merkel mit dem französischen Präsidenten Macron Schritte zur „tieferen Integration“ in der Währungsunion ergreifen wird. Offiziell wird dies als „Risikoteilung“ und „gemeinsame Finanzkapazität“ bezeichnet. Gemeint ist damit aber wohl die Vergemeinschaftung der Schulden von Staaten und Banken der Euroländer. Gelingt es, den deutschen Steuerzahler dafür in die Pflicht zu nehmen, könnte sich die EZB aus der monetären Finanzierung schwacher Eurostaaten zurückziehen.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/m ... 90923.html

Die deutschen Sparer bekämen (geringfügig) höhere Zinsen, D. müßte aber als Preis eine Haftung für die Schuldenorgie der Südstaaten erklären. Kein wirklich gutes Geschäft....

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 13. September 2017, 10:28

Die FDP als Totengräber von Euro und EU? Diese Auffassung vertritt Blackrock, der größte Vermögensverwalter der Welt:
Es gebe ein beträchtliches Risiko für die Anleihenmärkte, und dieses Risiko gehe von der FDP aus.
"Die FDP will Griechenland aus dem Euro ausschließen, sie ist für eine strikte Einhaltung des Fiskalpakts und ein scharfer Gegner einer Transferunion", sagt Lück. Die weiche Auslegung solcher Fragen habe die Lage an den Anleihenmärkten seit 2012 beruhigt. Wenn die deutsche Bundesregierung unter Beteiligung der FDP hier auf der strikten Einhaltung von Prinzipien beharre, könnte die europäische Schuldenkrise zurückkehren.
(...)
Schließlich haben CDU/CSU und SPD sich in einem relativ moderaten Kurs gegenüber den europäischen Schuldenstaaten eingerichtet. "Unseres Erachtens würde Bundeskanzlerin Angela Merkel deshalb auch lieber weiter mit der SPD regieren als mit der FDP", sagt Lück. Das böte mehr Gestaltungsmöglichkeiten mit Blick auf Europa, die Bundesregierung könnte eine Achse mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bilden und den südeuropäischen Staaten eher entgegenkommen. Mit der FDP wäre dies kaum möglich.
Christian Lindner, der Schreck der europäischen Finanzmärkte

Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die Einhaltung der abgeschlossenen Verträge wird inzwischen als Belastung gesehen. Euroland soll den Weg zu einer Schuldenunion mit gemeinsamer Haftung einschlagen....

Blackrock ist nicht irgendwer. Es ist mit betreuten assets von über 5,1 Billionen USD der größte Vermögensverwalter der Welt. Zum Vergleich: Das deutsche Inlandsprodukt liegt bei gut drei Billionen €.
Blackrock ist an allen deutschen DAX (tlw. bis zu 10%) und M-DAX Unternehmen beteiligt und berät die EZB bei ihrem Programm zum Ankauf von Staatsanleihen.

EZB lässt sich von Finanzmacht BlackRock beraten

Über sein Programm zum Risikomanagement bei Anleihekäufen (Aladdin) hat Blackrock Zugriff auf ca. 15. Billionen USD - ca. 10% aller weltweiten Vermögen. Die Kunden sind Vermögensverwalter, Pensionsfonds, Kapitalsammelstellen, Zentralbanken.

Beherrscht BlackRock mit „Aladdin“ die Märkte?

In D. heißt ein Blackrock-Vertreter Friedrich Merz:
Merz werde Chefkontrolleur der Blackrock Asset Management Deutschland AG, teilt das Unternehmen mit. Zudem werde er eine "weiter gefasste Beraterrolle einnehmen", in der er "die Beziehungen mit wesentlichen Kunden, Regulierern und Regierungsbehörden in Deutschland für Blackrock fördern wird". Sprich: Merz wird offenbar wichtiger Lobbyist des Investmentriesen in Deutschland...
Friedrich Merz wird Lobbyist der weltgrößten Investmentfirma

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Raphael » Mittwoch 13. September 2017, 11:01

Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht: :pfeif:
Juncker will den Euro für alle

Wer sich wehrt, wird "sanft" überredet! :roll:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 13. September 2017, 12:20

Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 13. September 2017, 11:01
Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht: :pfeif:
Juncker will den Euro für alle

Wer sich wehrt, wird "sanft" überredet! :roll:
Ein Beweis der Realitätsverweigerung der sog. "Eliten". Eine Währung, die dauernd gerettet werden muß, soll jetzt für alle eingeführt werden. Länder wie Bulgarien und Rumänien (künftig: Kosovo, Serbien, Montenegro) sollen in einer Wirtschaftsliga mit Ländern wie Schweden, Deutschland und den Niederlanden spielen. :vogel: :patsch:

Hat Juncker nichts aus den letzten sieben Jahren gelernt? :nein:
Vereinbarungen sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen und er faselt von einer Erweiterung der Eurozone. Wie soll das denn funktionieren ohne erhebliche Transferzahlungen, die alles, was von der EU bisher umverteilt wird, in den Schatten stellen.
Natürlich wird es zunächst Vereinbarungen über die Schuldenhöhe geben - die gibt es jetzt auch. Nur wird sich niemand daran halten. Dann werden die Verschuldungsgrenzen immer weiter angehoben, um ein Auseinanderbrechen der Eurozone zu verhindern und die deutschen Politiker müssen zustimmen, weil andernfalls die Wertlosigkeit der als "Wert"papiere verkauften ausl. Staatsanleihen offensichtlich würde. Pleiten wie in den 30'iger Jahren wären die Folge...

Größenwahn einer "politischen Elite", die glaubt, mit mehr Euroländern in einer Liga wie der US-Dollar und künftig der Yuan spielen zu können. Lächerlich!

Leider ist nicht ausgeschlossen, daß die große Alternativlose den Sirenengesängen aus Brüssel und Paris folgen und D. nach den erheblichen Belastungen durch Energie"wende", Euro"rettung" und "Flüchtlings"einwanderung noch weitere Kosten in dreistelliger Mrden-Höhe auf's Auge drücken wird.
Wie falsch die Entscheidung im Mai 2010 war, GR im Euro zu lassen, wird immer deutlicher. Nichts ist besser geworden. In den "kritischen" Euroländern sind von 2010 bis 2017 die Staatsschulden gestiegen:

in IT von 1,8 auf 2,2 Bill. € = 22%

in F von 1,6 auf 2,2 Bill € = 37,5 %

in ES von 0,6 auf 1,1 Bill € = 83%

in Portugal von 173 auf 245 Mrden € = 41%

in Malta von 4,4 auf 6,1 Mrden € = 38%

in Irland von 144 auf 207 Mrden € - allerdings hier rückläufig seit dem Höhepunkt von 215 Mrden in 2013

in Zypern von 10 auf 20 Mrden € = 100%

in GR fast gleichbleibend von 330 auf 328 Mrden € - jedoch muß hier der Schuldenschnitt von 2012 berücksichtigt werden. Dadurch haben sich die Staatsschulden ca 105 Mrden vermindert.

Das Gerede über ein von Berlin verordnetes "Spardiktat" bekommt da eine ganz andere Bedeutung. Um welche Beträge sind die Schulden in den Südländern noch ansteigen, wenn das "Spardiktat" gekippt wird?

In Deutschland hat sich der Schuldenstand praktisch nicht verändert - von 2,011 auf 2,005 Bill €.

Quelle

Allerdings ist die Verschuldung unter Merkel (2006 - 2016) von 1,5 auf 2 Bill. € gestiegen.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Edi » Mittwoch 13. September 2017, 21:45

Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 13. September 2017, 11:01
Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht: :pfeif:
Juncker will den Euro für alle
Eurohitler wie auch Schulz. Als ich das las, dachte ich ich sehe nicht recht. Wie schon Caviteño schrieb, nichts gelernt. Liegt das am Alkohol, den der Mann oft konsumiert oder woran? Wie kann man, nachdem man gesehen hat, daß die sehr unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit der Euroländer zu der Krise geführt hat, den Euro auch noch auf weitere weniger wettbewerbsfähige Länder erweitern wollen? Ist Juncker übergeschnappt?
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Protasius » Mittwoch 13. September 2017, 22:35

Edi hat geschrieben:
Mittwoch 13. September 2017, 21:45
Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 13. September 2017, 11:01
Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht: :pfeif:
Juncker will den Euro für alle
Eurohitler wie auch Schulz. Als ich das las, dachte ich ich sehe nicht recht. Wie schon Caviteño schrieb, nichts gelernt. Liegt das am Alkohol, den der Mann oft konsumiert oder woran? Wie kann man, nachdem man gesehen hat, daß die sehr unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit der Euroländer zu der Krise geführt hat, den Euro auch noch auf weitere weniger wettbewerbsfähige Länder erweitern wollen? Ist Juncker übergeschnappt?
Zunächst mal ist das nur das, was von den EU-Staaten vertraglich zugesichert wurde. Alle EU-Staaten (mit Ausnahme von Großbritannien und Dänemark) haben sich im Vertrag von Maastricht verpflichtet den Euro einzuführen, wenn sie die wirtschaftlichen Bedingungen erfüllen.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Edi
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Edi » Mittwoch 13. September 2017, 22:50

Protasius hat geschrieben:
Mittwoch 13. September 2017, 22:35
Edi hat geschrieben:
Mittwoch 13. September 2017, 21:45
Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 13. September 2017, 11:01
Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht: :pfeif:
Juncker will den Euro für alle
Eurohitler wie auch Schulz. Als ich das las, dachte ich ich sehe nicht recht. Wie schon Caviteño schrieb, nichts gelernt. Liegt das am Alkohol, den der Mann oft konsumiert oder woran? Wie kann man, nachdem man gesehen hat, daß die sehr unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit der Euroländer zu der Krise geführt hat, den Euro auch noch auf weitere weniger wettbewerbsfähige Länder erweitern wollen? Ist Juncker übergeschnappt?
Zunächst mal ist das nur das, was von den EU-Staaten vertraglich zugesichert wurde. Alle EU-Staaten (mit Ausnahme von Großbritannien und Dänemark) haben sich im Vertrag von Maastricht verpflichtet den Euro einzuführen, wenn sie die wirtschaftlichen Bedingungen erfüllen.
Und? Wer von den bisherigen Euroländern hat denn die Bedingungen erfüllt? Etwa Griechenland? Es gäbe doch wohl auch keine Eurokrise, wenn diese eingehalten worden wären. Juncker hat davon aber nicht gesprochen. Wenn Verträge x-beliebig gebrochen werden können, was auch für die Neuverschuldung gilt, dann braucht man auch keine Verträge und jeder kann machen, was er will und ein Problem nach dem anderen hervorrufen und andere Länder sollen dann die Folgen tragen. Das geht so nicht.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 14. September 2017, 11:04

Edi hat geschrieben:
Mittwoch 13. September 2017, 22:50
Protasius hat geschrieben:
Mittwoch 13. September 2017, 22:35
Zunächst mal ist das nur das, was von den EU-Staaten vertraglich zugesichert wurde. Alle EU-Staaten (mit Ausnahme von Großbritannien und Dänemark) haben sich im Vertrag von Maastricht verpflichtet den Euro einzuführen, wenn sie die wirtschaftlichen Bedingungen erfüllen.
Und? Wer von den bisherigen Euroländern hat denn die Bedingungen erfüllt? Etwa Griechenland? Es gäbe doch wohl auch keine Eurokrise, wenn diese eingehalten worden wären. Juncker hat davon aber nicht gesprochen. Wenn Verträge x-beliebig gebrochen werden können, was auch für die Neuverschuldung gilt, dann braucht man auch keine Verträge und jeder kann machen, was er will und ein Problem nach dem anderen hervorrufen und andere Länder sollen dann die Folgen tragen. Das geht so nicht.
Ja - nach dem gegenwärtigen Schuldenstand dürfte wohl kein Land der Eurozone beitreten - einschl. D.. Niemand hält sich an die Verträge. Das gilt aber nicht nur für den Schuldenstand. Schweden ist vertraglich verpflichtet, den Euro zu übernehmen und sie erfüllen auch die Bedingungen - aber die werden es nie tun. Gleiches gilt für Polen. Das Volk ist dagegen und keine Regierung wird es wagen, den Euro öffentlich auch nur zu diskutieren. Für wohlhabende Völker ist der Euro eine Vermögensvernichtung und die ärmeren bezahlen ihn mit hoher Arbeitslosigkeit, weil sie mit den hochentwickelten nordeuropäischen Volkswirtschaften nicht mithalten können und ihnen die Abwertung der eigenen Währung nicht mehr möglich ist. Die Folge sind dann Wanderungsbewegungen. Wer keine Arbeit hat, macht sich eben auf den Weg dorthin, wo Arbeit ist - insbesondere, wenn es legal möglich ist.

Ich hatte bereits weiter oben darauf hingewiesen, daß inzwischen sogar Prof. Sinn der Auffassung ist, "die Sinnhaftigkeit des Euroexperiments" aus deutscher Sicht zu überprüfen (Hervorhebung von mir, Artikel von Prof. Sinn hier. Er hat wohl den Glauben daran verloren, daß man irgendwann einmal zu den Verträgen zurückkehrt und alle "Partner" sich vertragsgetreu verhalten werden.
Niemand in der Bundesregierung und im Bundestag (kann sich ab September ändern) ist bereit, diese Frage zu diskutieren. Dabei wäre ein Diskussion dringend notwendig. Es geht hier schließlich um Haftungsschulden bzw. "Papier"forderungen im ganz hohen dreistelligen Mrden-Bereich - sofern nicht schon die Billion überschritten wurde. Das ist ungefähr ein Drittel des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Ist es wirklich so, daß "wir" vom Euro profitieren? Daran sind doch wohl Zweifel angebracht, wenn man einen Blick auf die Haftungsvolumina legt. Es ist auch zu berücksichtigen, daß die Exporte in die Euroländer tendenziell rückläufig sind, während die Exporte in den Nicht-Euroraum steigen.

Es besteht die Gefahr, daß auch künftig immer mehr Schulden aufgenommen werden, über die D. dann - sei es direkt, über den ESM oder die EZB - bürgt. Was würde denn geschehen, wenn z.B. IT ausscheidet und sich um seine Schulden und Targetverbindlichkeiten nicht mehr kümmert? Es führt einfach eine neue Währung ein und macht einen Schuldenschnitt. Wer wollte es daran hindern?
D. bliebe auf dreistelligen Mrden-Beträgen aus den Targetsalden sitzen. Glaubt irgendjemand, das ein solches Verhalten nicht zu Spannungen zwischen den Völkern führen würde, die die Darstellung GR bzw. D. in jeweils anderen Land noch erheblich übertreffen würde?
Wenn Juncker alle Länder in den Euro zwingen will, würden die Spannungen noch zunehmen. Warum sollten die Schweden für die Bulgaren oder Rumänen zahlen? Man sollte den Euro abwickeln, solange es noch unter vernünftigen Bedingungen möglich ist. Das Experiment ist gescheitert.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Pilgerer » Donnerstag 14. September 2017, 15:25

Caviteño hat geschrieben:
Donnerstag 14. September 2017, 11:04
Ja - nach dem gegenwärtigen Schuldenstand dürfte wohl kein Land der Eurozone beitreten - einschl. D.. Niemand hält sich an die Verträge.
Das trifft besonders auf den größten Schuldenstaat Italien zu. Die italienischen Politiker haben die niedrigen Zinsen der EZB nicht genutzt, um Reformen oder Sparmaßnahmen durchzuführen, sondern um noch mehr Schulden zu machen. Italien ist finanzpolitisch ein "failed state".
Caviteño hat geschrieben:
Donnerstag 14. September 2017, 11:04
Wenn Juncker alle Länder in den Euro zwingen will, würden die Spannungen noch zunehmen.
Das kann (und will) er nicht. Erstens kann jedes Land die Union jederzeit freiwillig verlassen, falls die EU einen schlechten Weg einschlägt. Zweitens hat die Kommission keine Zwangsmittel zur Verfügung, um irgendwen zu zwingen. Drittens geht die Amtsperiode von Juncker nur noch bis 2019. Dann wird die EU-Parlamentswahl seinen Nachfolger (mit)bestimmen.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 14. September 2017, 17:09

Pilgerer hat geschrieben:
Donnerstag 14. September 2017, 15:25
Das kann (und will) er nicht. Erstens kann jedes Land die Union jederzeit freiwillig verlassen, falls die EU einen schlechten Weg einschlägt. Zweitens hat die Kommission keine Zwangsmittel zur Verfügung, um irgendwen zu zwingen.
Sicherlich kann jedes Land die EU verlassen, aber im Augenblick macht man bereits alles, um am Beispiel Brexit ein Exempel zu statuieren. Nun ist GB ein starkes Land, aber man stelle sich einmal vor, wenn Ungarn die EU verlassen wolle. Da würde die EU die Austrittsbedingungen diktieren....

Zwangsmittel - das kommt darauf an. Natürlich kann man ein Land nicht "zwingen" - aber z.B. die finanzielle Transfers kürzen. Da ist man sehr erfindungsreich. Es kommt immer darauf an, in welcher Situation sich der Austrittswillige befindet. Nettozahlungsempfänger haben ein natürliches Interesse, in der EU zu bleiben, jedenfalls solange der Geldstrom nicht versiegt. Bei Nettozahlern (z.B. Dänemark, Schweden) sieht die Sache anders aus.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Freitag 13. Oktober 2017, 04:05

Am 15. März 2018 wird in IT gewählt und es sieht so aus, als hätten die Europa-kritischen Parteien eine deutliche Mehrheit:
Die sozialdemokratische Partei, Partito Democratico, des früheren Premierministers Matteo Renzi , könnte aktuellen Umfragen zufolge nur mit rund 27 Prozent der Stimmen rechnen. Auf der anderen Seite steht ein eurokritischer Block. Bestehend aus der Fünf-Sterne-Bewegung, Lega Nord und Forza Italia. Zusammengenommen würden diese Parteien mit ungefähr 56 Prozent auf eine rechnerische Mehrheit kommen.
Auch wenn dieser eurokritische Block in vielen politischen Fragen sehr heterogen ist, verbindet die Parteien ihre gemeinsame Skepsis gegenüber der „europäischen“ Gemeinschaftswährung. Im Falle eines Wahlsieges hat die Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo deshalb bereits ein Referendum über die Zukunft des Euros angekündigt. Mithilfe der Stimmen der beiden anderen Parteien dürfte dieser Plan politisch umsetzbar sein.
Italien entscheidet über den Euro

Die Vorteile einer eigenen Währung dürften den Italienern in den letzten Jahren deutlich geworden sein. Während man früher die fehlende Wettbewerbsfähigkeit problemlos durch eine Währungsabwertung herstellen konnte, befindet man sich heute in einer Liga mit Ländern wie D., den NL oder A. Die Wettbewerbsfähigkeit ist heute noch immer um ein Viertel geringer als vor der Euro-Einführung. Da eine euro-interne Abwertung (sprich: Lohnkürzungen) dem Volk nicht zu vermitteln ist, bleibt nur der Weg des Euro-Austritts - solange D. nicht bereit ist, die ital. Defizit zu finanzieren.
Natürlich wird die deutsche Regierung versuchen, IT im Euro zu halten und man wird dazu auf die hohen ital. Target-Verbindlichkeiten (ca. 800 Mrden €) verweisen. Was man nicht sagt: Das Geld ist bereits jetzt schon weg. Niemand glaubt, daß sich diese Target-Verbindlichkeiten durch ital. Warenlieferungen nach D. jemals erheblich reduzieren werden.

Je länger die - zugegeben schmerzhafte - Abwicklung des Europrojekts hinausgeschoben wird, umso teurer wird es . Es wird Zeit, sich von der Lebenslüge des Euros als Projekt der europ. Einheit zu verabschieden - koste es, was es wolle.

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