Papstbesuch Deutschland 2011

Fragen, Antworten, Nachrichten.
Stephen Dedalus
Beiträge: 5449
Registriert: Dienstag 7. September 2004, 15:28

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Stephen Dedalus »

Gallus hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben:Nicht der handelt christlich, der den Blick von der Welt weg auf den Himmel richtet, sondern der, der als Christ den Blick ganz auf die Welt gerichtet hält, in ihr Gott erkennt und in Wort und Tat verkündet.
Das geht sich in dieser Form nicht aus. Die Kirche kann nur dann in der Welt Gott in Wort und Tat verkünden, wenn sie ständig ihren Blick weg auf den Himmel richtet.
Ich kann als Mensch nicht in den Himmel schauen - dieser Blick ist mir (bislang) verwehrt. Ich kann auf das schauen, was Gott in seiner Gnade vom Himmel wissen läßt. Und dies kann ich nicht anders tun als in und unter den Bedingungen der Welt - in Worten, Taten, Symbolen und mit meinem Verstand. Offenbarung geschieht nicht einfach auf übernatürliche Weise, sondern hier und jetzt, unter den Menschen und durch sie. Auch die Sakramente und die Feier der Liturgie sind Vorgeschmack und Einblicke in Zukünftiges unter den Bedingungen des Hier und Jetzt - und damit Teil der Welt und auch ihren Begrenzungen unterworfen.

Insofern würde ich sagen: Auf den Himmel schaue ich dann, wenn ich auf die Welt schaue, aber mit geänderten Vorzeichen.
Zuletzt geändert von Stephen Dedalus am Montag 26. September 2011, 12:27, insgesamt 1-mal geändert.
If only closed minds came with closed mouths.

Stephen Dedalus
Beiträge: 5449
Registriert: Dienstag 7. September 2004, 15:28

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Stephen Dedalus »

Fridericus hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben:Mich wundert nicht, daß Du's nicht verstehst.

Ich sag's aber gerne noch einmal konkreter:

Nicht der handelt christlich, der den Blick von der Welt weg auf den Himmel richtet, sondern der, der als Christ den Blick ganz auf die Welt gerichtet hält, in ihr Gott erkennt und in Wort und Tat verkündet.

Im Übrigen: Die 'Welt', sofern sie das Evangelium ablehnt, wünscht sich sicher nichts sehnlicher als eine Kirche, die auf Distanz geht.
Hast Du die Rede des Hl. Vaters auch richtig verstanden?
Möglicherweise nicht - aber das hier Zitierte ist eine Erwiderung auf Robert, nicht auf die Rede Papst Benedikts.
If only closed minds came with closed mouths.

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von overkott »

Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Es braucht eine Person, um die Liebe und die Wahrheit in Übereinstimmung zu bringen und diese Person war, ist und bleibt zuvörderst Jesus Christus. Es bleibt an uns, IHN zu rühmen!
Wahrheit und Liebe brauchen zur Übereinstimmung keine Person, sondern manchen den Menschen zum Menschen. Die Identität von Wahrheit und Liebe ist zuvörderst der Vater, der sich im Sohn äußert, dessen Geist wir preisen.
Unfug, natürlich braucht's dafür die EINE Person, nachdem sich die Menschheit in den geschichtlichen Abläufen derartig tief in die Sünde verstrickt hatte, daß sie aus sich selbst heraus zur Wahrheit und zur Liebe nicht zurückgefunden hätte.
In Gott sind Sein und Sollen, Wahrheit und Liebe eins. Diese Einheit entfaltet sich personal im Vater, im Sohn und im heiligen Geist.
Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Der Papst differenziert zurecht zwischen Sein und Schein, zwischen dem Selbst und der Schale und er zitiert in diesem Zusammenhang zurecht den heiligen Augustinus: Christus ist mir innerlicher als ich mir selbst. Er ist das Zentrum von allem, wie Bonventura diesen Gedanken weiter denkt. Der gute Kern bleibt, auch wenn die Welt vergeht.
Der gute Kern ist jedoch nicht das strukturlose Gerede von Theologen (genauer: Theolunken), die die Voraussetzungslosigkeit für die ultimative Voraussetzung halten.
Du hast recht: Alles kommt aus Gottes Fülle als prinzipielle Voraussetzung, von nichts kommt nichts.
overkott hat geschrieben:Wer die Begrifflichkeit des Apostels aufgreift, kann nicht an seiner Theologie vorbei.
Die Begrifflichkeit des Apostels ist paradox, denn er findet Kraft in der Schwäche.
Nimm das Bild vom Senfkorn: Ist im Kern des Kleinsten nicht schon prinzipiell das Größte enthalten?
overkott hat geschrieben:Daher können wir den Papst in diesem Punkt nur verstehen, wenn wir nicht am Buchstaben kleben. Wir können fragen: Warum war das Kreuz seinen älteren Brüdern ein Ärgernis? Warum nicht den jüngeren?
Bei dieser Betrachtungsweise, entlarven sich dann auch Buchstabenverdreher mehr als Bonavent(o)uristen denn als Bonventuraner.
Das kann ich dem Papst nicht vorwerfen. Er folgt wie Bonaventura ganz der augustinischen Tradition.
Das Kreuz war und ist den Juden ein Ärgernis, weil es ihre Schandtaten offenbar macht, während es für die Jünger Jesu zum Baum des Lebens wurde.
Das ist neben dem "ewigen Ärgernis" die zweite Form des Missverständnisses. Denn Juden wie Paulus und Griechen wurde das Kreuz zum Baum des Lebens.
Man darf die jesuanischen Handlungen nicht auf Unkonventionalität reduzieren, denn durch und mit dem Neuen Bund hat ER auch neue Konventionen gesetzt.
Jesus hat auch weiterhin aus Bechern und Kelchen getrunken.
overkott hat geschrieben:Aus dem Buch Jesaja verstehen wir die Lehre vom leidenden Gottesdiener als traditionell. Das ist Paulus in seinem Damaskuserlebnis aufgegangen: Warum verfolgst du mich? fragt Christus ihn. Von seinem Geist erfüllt, wurde Paulus die Lehre vom Kreuz zur Tugend und Weisheit Gottes.
Eben, weil der Völkerapostel bereit war zu einer wirklichen metanoia, die sich nicht im rahneristischen Geschwurbel entlädt.
1Kor 3,22 Paulus, Apollos, Petrus, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch;
1Kor 3,23 ihr aber hört auf Christus, und Christus hört auf Gott.
Zuletzt geändert von overkott am Montag 26. September 2011, 11:38, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Moser
Beiträge: 855
Registriert: Donnerstag 4. Dezember 2008, 10:31

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Moser »

Stephen Dedalus hat geschrieben:Mich wundert nicht, daß Du's nicht verstehst.

Ich sag's aber gerne noch einmal konkreter:

Nicht der handelt christlich, der den Blick von der Welt weg auf den Himmel richtet, sondern der, der als Christ den Blick ganz auf die Welt gerichtet hält, in ihr Gott erkennt und in Wort und Tat verkündet.

Im Übrigen: Die 'Welt', sofern sie das Evangelium ablehnt, wünscht sich sicher nichts sehnlicher als eine Kirche, die auf Distanz geht.
Treffend wie immer.
Ich möchte Dein Bild vielleicht ergänzen "den Blick stets zwischen Welt und Himmel schweifen lassen". Selbstverständlich (und ich denke nichts anderes hast du gemeint) sollten wir uns der "vertikalen Bindung" zu Gott immer bewußt sein und diese stets zur Grundlage unserer Entscheidungsprozesse machen. Das bedeutet aber nicht, sich von der Welt quasi zu lösen, zu meinen, über ihr zu schweben.

Und an all diejenigen, die nicht müde werden zu behaupten, die EKD hätte nichts anderes als das Parteiprogramm der Grünen zu bieten, denen möchte ich empfehlen: Geht doch am Sonntag bitte mal in die evangelische Kirche um die Ecke. Ihr werdet überrascht sein, wieviel da vom Evangelium die Rede ist...Tut doch nicht immer so, als würde in evangelischen Kirchen nicht das Wort Gottes verkündet und Gott nicht die Ehre gegeben, nur weil das nicht immer in Eurer Lesart passiert. Als sei die EKD eine obskure Sekte die Naturreligionen feilbiete...Das ist doch Polemik.

Stephen Dedalus
Beiträge: 5449
Registriert: Dienstag 7. September 2004, 15:28

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Stephen Dedalus »

Moser hat geschrieben: Treffend wie immer.
Ich möchte Dein Bild vielleicht ergänzen "den Blick stets zwischen Welt und Himmel schweifen lassen". Selbstverständlich (und ich denke nichts anderes hast du gemeint) sollten wir uns der "vertikalen Bindung" zu Gott immer bewußt sein und diese stets zur Grundlage unserer Entscheidungsprozesse machen. Das bedeutet aber nicht, sich von der Welt quasi zu lösen, zu meinen, über ihr zu schweben.
Ja, danke. Ich habe am Wochenende zuviel Bonhoeffer und Gogarten gelesen. :blinker:
Und an all diejenigen, die nicht müde werden zu behaupten, die EKD hätte nichts anderes als das Parteiprogramm der Grünen zu bieten, denen möchte ich empfehlen: Geht doch am Sonntag bitte mal in die evangelische Kirche um die Ecke. Ihr werdet überrascht sein, wieviel da vom Evangelium die Rede ist...Tut doch nicht immer so, als würde in evangelischen Kirchen nicht das Wort Gottes verkündet und Gott nicht die Ehre gegeben, nur weil das nicht immer in Eurer Lesart passiert. Als sei die EKD eine obskure Sekte die Naturreligionen feilbiete...Das ist doch Polemik.
:klatsch: :klatsch:
If only closed minds came with closed mouths.

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von overkott »

Anfang der Woche habe ich die Sonne in der Eifel genossen.

Raphael

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:Anfang der Woche habe ich die Sonne in der Eifel genossen.
Das kann bei einem Genossen nicht weiter verwundern! :pfeif:

Hattest Du denn auch Dein Sektglas vom Petersberg dabei? :zirkusdirektor:

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von overkott »

Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Anfang der Woche habe ich die Sonne in der Eifel genossen.
Das kann bei einem Genossen nicht weiter verwundern! :pfeif:

Hattest Du denn auch Dein Sektglas vom Petersberg dabei? :zirkusdirektor:
Nur weil ein Gesprächspartner Miele heißt, darf man nicht sofort auf Geschirrspüler schließen.

Das Sektglas vom Petersberg habe ich nicht mitgehen lassen.

Raphael

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Anfang der Woche habe ich die Sonne in der Eifel genossen.
Das kann bei einem Genossen nicht weiter verwundern! :pfeif:

Hattest Du denn auch Dein Sektglas vom Petersberg dabei? :zirkusdirektor:
Nur weil ein Gesprächspartner Miele heißt, darf man nicht sofort auf Geschirrspüler schließen.
Stimmt, es könnte ja auch ein Staubbläser sein! :narr:

overkott hat geschrieben:Das Sektglas vom Petersberg habe ich nicht mitgehen lassen.
Exegese, Genosse, Exegese ist angesagt! 8)

Es war selbstverständlich nicht das identische Sektglas vom Petersberg gemeint, welches von Dir "sozialistisch umgelagert" worden ist. (Wer bin ich, daß ich Dich eines Gebotsverstoßes bezichtigen dürfte? :tuete: ) Sondern das Sektglas im übertragenen Sinne, mit dem man die Sonne besonders genußvoll geniessen kann. :roll:
Zuletzt geändert von Raphael am Montag 26. September 2011, 13:05, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Niels
Beiträge: 24027
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 11:13

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Niels »

Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Anfang der Woche habe ich die Sonne in der Eifel genossen.
Das kann bei einem Genossen nicht weiter verwundern! :pfeif:

Hattest Du denn auch Dein Sektglas vom Petersberg dabei? :zirkusdirektor:
Nur weil ein Gesprächspartner Miele heißt, darf man nicht sofort auf Geschirrspüler schließen.
Stimmt, es könnte ja auch ein Staubbläser sein! :narr:
"Miele!, Miele!", sprach die Tante,
die alle Waschmaschinen kannte....
- Ende der Schleichwerbung. :narr:
Iúdica me, Deus, et discérne causam meam de gente non sancta

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von overkott »

Raphael hat geschrieben:Exegese, Genosse, Exegese ist angesagt! 8)

Es war selbstverständlich nicht das identische Sektglas vom Petersberg gemeint, welches von Dir "sozialistisch umgelagert" worden ist. (Wer bin ich, daß ich Dich eine Gebotsverstoßes bezichtigen dürfte? :tuete: ) Sondern das Sektglas im übertragenen Sinne, mit dem man die Sonne besonders genußvoll geniessen kann. :roll:
Bei mir wirst du immer eine biblische Exegese finden, die in der katholischen Soziallehre ihren Widerhall findet.

Ich habe Norbert Blüm nie für einen Sozialisten gehalten. Auch Wolfgang Thierse geht bei mir noch als katholisch durch.

Raphael

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:Bei mir wirst du immer eine biblische Exegese finden, die in der katholischen Soziallehre ihren Widerhall findet.

Ich habe Norbert Blüm nie für einen Sozialisten gehalten. Auch Wolfgang Thierse geht bei mir noch als katholisch durch.
Wobei Du katholisch als "alles ist identisch" definierst, und wenn nicht, dann wenigstens prinzipiell identisch.
Eine uferlose Definition, die Gesprächen den Rahmen nimmt, um noch sinnvoll und ergebnisorientiert geführt zu werden. :detektiv:

Dies wiederum führt zu dem Schluß, daß bei Dir das Kreuz zum Palaverbaum mutiert und die Fußwaschung am Besten mit dem Sektglas in der Hand durchgeführt wird, weil diese Übung besonders kunstvoll aussieht! :zirkusdirektor:

Benutzeravatar
Niels
Beiträge: 24027
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 11:13

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Niels »

Wir sollten langsam zum Strangthema zurückkehren... ;D
Iúdica me, Deus, et discérne causam meam de gente non sancta

iustus
Beiträge: 7161
Registriert: Samstag 8. Juli 2006, 14:59

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von iustus »

Petra hat geschrieben:
:) Danke

1 Pilger nach Freiburg. Bischof Tebartz hat's drauf. :klatsch:
Hier die Fotos:

http://www.flickr.com/photos/bistumlimb ... 18269647/

Schöne Bilder von der Pontifikalvesper eigentlich - wäre da nicht diese Unsitte, Halstücher über liturgischen Gewändern zu tragen (besonders verbreitet bei DPSG-Pfadfindern und -Kuraten):

Bild

In diesem Fall wegen der prächtigen Dalmatiken besonders unschön.
„Was den Gegenstand des Glaubens betrifft, hat sich das Konzil nichts Neues ausgedacht, noch hat es Altes ersetzen wollen." (Papst Benedikt XVI.)

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von overkott »

Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Bei mir wirst du immer eine biblische Exegese finden, die in der katholischen Soziallehre ihren Widerhall findet.

Ich habe Norbert Blüm nie für einen Sozialisten gehalten. Auch Wolfgang Thierse geht bei mir noch als katholisch durch.
Wobei Du katholisch als "alles ist identisch" definierst, und wenn nicht, dann wenigstens prinzipiell identisch.
Eine uferlose Definition, die Gesprächen den Rahmen nimmt, um noch sinnvoll und ergebnisorientiert geführt zu werden. :detektiv:

Dies wiederum führt zu dem Schluß, daß bei Dir das Kreuz zum Palaverbaum mutiert und die Fußwaschung am Besten mit dem Sektglas in der Hand durchgeführt wird, weil diese Übung besonders kunstvoll aussieht! :zirkusdirektor:
Der Papst hat wahre Katholizität in seiner Ansprache im Bundestag ja sehr schön anklingen lassen.

Benutzeravatar
Niels
Beiträge: 24027
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 11:13

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Niels »

overkott hat geschrieben: Der Papst hat wahre Katholizität in seiner Ansprache im Bundestag ja sehr schön anklingen lassen.
:ja:
Iúdica me, Deus, et discérne causam meam de gente non sancta

Raphael

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Bei mir wirst du immer eine biblische Exegese finden, die in der katholischen Soziallehre ihren Widerhall findet.

Ich habe Norbert Blüm nie für einen Sozialisten gehalten. Auch Wolfgang Thierse geht bei mir noch als katholisch durch.
Wobei Du katholisch als "alles ist identisch" definierst, und wenn nicht, dann wenigstens prinzipiell identisch.
Eine uferlose Definition, die Gesprächen den Rahmen nimmt, um noch sinnvoll und ergebnisorientiert geführt zu werden. :detektiv:

Dies wiederum führt zu dem Schluß, daß bei Dir das Kreuz zum Palaverbaum mutiert und die Fußwaschung am Besten mit dem Sektglas in der Hand durchgeführt wird, weil diese Übung besonders kunstvoll aussieht! :zirkusdirektor:
Der Papst hat wahre Katholizität in seiner Ansprache im Bundestag ja sehr schön anklingen lassen.
In diesem Punkt sind wir in der Tat völlig d'accord, ovi! :)

Petra
Beiträge: 6157
Registriert: Samstag 4. Oktober 2003, 19:30

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Petra »

Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch sagte am Sonntagabend, dass der Papst nichts gegen die deutsche Kirchensteuer oder den Religionsunterricht an Schulen einzuwenden habe. Bei seiner Mahnung, staatliche Privilegien aufzugeben, sei es Benedikt XVI. nicht um konkrete Regelungen in Deutschland gegangen. "Ich weiß sehr wohl, dass der Papst sehr interessiert daran ist, dass Religion Fach in der Schule bleibt", sagte Zollitsch, der zugleich Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Die Botschaft sei gewesen: "Schaut nicht zuerst auf die Strukturen, schaut nicht zuerst auf die Positionen, die ihr erreicht habt, sondern kümmert euch zuerst um das Reich Gottes und den Geist, und dann - ich darf die Bibel zitieren - wird euch das andere gegeben werden."
Quelle. Spiegel: Papst fordert stärkere Trennung von Kirche und Staat

:hmm:

Gibt es schon evangelische Stimmen zur Freiburger Rede? 8)

Benutzeravatar
cantus planus
Beiträge: 24273
Registriert: Donnerstag 20. Juli 2006, 16:35
Wohnort: Frankreich: Département Haut-Rhin; Erzbistum Straßburg

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von cantus planus »

Ich habe sie wegen dienstlicher Verpflichtungen verpasst, aber mein calvinistischer Mitbewohner war begeistert. Der Papst habe gerade die Jugend einfach, klar und mit den richtigen, motivierenden Worten angesprochen, insbesondere unter Hinweis auf die notwendige Mission, und auch die Rede im Reichstag sei großartig gewesen.

Überhaupt sei so ein Papst manchmal doch eine gar nicht so schlechte Sache, sagte er noch. Ich glaube, ich färbe ab. :breitgrins:
Nutzer seit dem 13. September 2015 nicht mehr im Forum aktiv.

‎Tradition ist das Leben des Heiligen Geistes in der Kirche. — Vladimir Lossky

Petra
Beiträge: 6157
Registriert: Samstag 4. Oktober 2003, 19:30

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Petra »

cantus planus hat geschrieben:Ich habe sie wegen dienstlicher Verpflichtungen verpasst, aber mein calvinistischer Mitbewohner war begeistert. Der Papst habe gerade die Jugend einfach, klar und mit den richtigen, motivierenden Worten angesprochen, insbesondere unter Hinweis auf die notwendige Mission, und auch die Rede im Reichstag sei großartig gewesen.

Überhaupt sei so ein Papst manchmal doch eine gar nicht so schlechte Sache, sagte er noch. Ich glaube, ich färbe ab. :breitgrins:
Die Frage ist doch, ob die Evangelischen ökumenisch genug gesinnt sind, gemeinsam mit uns Kaths aus dem Kirchensteuersystem auszusteigen. :pfeif:

Wenn es nicht um den Papst gehen würde, könnte man denken, da ist jemand richtig sauer und hat mit Vorsatz den Rummeckerern auf die Pediküre getreten (wsk, Theologen, Evangelischen, Grünen, Linken ...). Aber bei Papst Benedikt ist es wohl eher so, dass er glaubt, dieser Weg wäre wirklich der beste für die Zukunft der Christen.

Benutzeravatar
ad-fontes
Beiträge: 9523
Registriert: Sonntag 28. Juni 2009, 12:34

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von ad-fontes »

Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Zwei Streithähne in unüberwindbarer Nähe?
Da ist keine Nähe und das ist auch gut so! 8)
Aufwärts oder abwärts; - das ist hier die Frage!
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

Benutzeravatar
ad-fontes
Beiträge: 9523
Registriert: Sonntag 28. Juni 2009, 12:34

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von ad-fontes »

Moser hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben:Mich wundert nicht, daß Du's nicht verstehst.

Ich sag's aber gerne noch einmal konkreter:

Nicht der handelt christlich, der den Blick von der Welt weg auf den Himmel richtet, sondern der, der als Christ den Blick ganz auf die Welt gerichtet hält, in ihr Gott erkennt und in Wort und Tat verkündet.

Im Übrigen: Die 'Welt', sofern sie das Evangelium ablehnt, wünscht sich sicher nichts sehnlicher als eine Kirche, die auf Distanz geht.
Treffend wie immer.
Ich möchte Dein Bild vielleicht ergänzen "den Blick stets zwischen Welt und Himmel schweifen lassen". Selbstverständlich (und ich denke nichts anderes hast du gemeint) sollten wir uns der "vertikalen Bindung" zu Gott immer bewußt sein und diese stets zur Grundlage unserer Entscheidungsprozesse machen. Das bedeutet aber nicht, sich von der Welt quasi zu lösen, zu meinen, über ihr zu schweben.

Und an all diejenigen, die nicht müde werden zu behaupten, die EKD hätte nichts anderes als das Parteiprogramm der Grünen zu bieten, denen möchte ich empfehlen: Geht doch am Sonntag bitte mal in die evangelische Kirche um die Ecke. Ihr werdet überrascht sein, wieviel da vom Evangelium die Rede ist...Tut doch nicht immer so, als würde in evangelischen Kirchen nicht das Wort Gottes verkündet und Gott nicht die Ehre gegeben, nur weil das nicht immer in Eurer Lesart passiert. Als sei die EKD eine obskure Sekte die Naturreligionen feilbiete...Das ist doch Polemik.
Wenn die 'Evangelischen' wirklich evangelisch wären, würden sie katholisch und orthodox sein.
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

Benutzeravatar
Florianklaus
Beiträge: 3493
Registriert: Donnerstag 20. November 2008, 12:28
Wohnort: Bistum Münster

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Florianklaus »

ad-fontes hat geschrieben:
Moser hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben:Mich wundert nicht, daß Du's nicht verstehst.

Ich sag's aber gerne noch einmal konkreter:

Nicht der handelt christlich, der den Blick von der Welt weg auf den Himmel richtet, sondern der, der als Christ den Blick ganz auf die Welt gerichtet hält, in ihr Gott erkennt und in Wort und Tat verkündet.

Im Übrigen: Die 'Welt', sofern sie das Evangelium ablehnt, wünscht sich sicher nichts sehnlicher als eine Kirche, die auf Distanz geht.
Treffend wie immer.
Ich möchte Dein Bild vielleicht ergänzen "den Blick stets zwischen Welt und Himmel schweifen lassen". Selbstverständlich (und ich denke nichts anderes hast du gemeint) sollten wir uns der "vertikalen Bindung" zu Gott immer bewußt sein und diese stets zur Grundlage unserer Entscheidungsprozesse machen. Das bedeutet aber nicht, sich von der Welt quasi zu lösen, zu meinen, über ihr zu schweben.

Und an all diejenigen, die nicht müde werden zu behaupten, die EKD hätte nichts anderes als das Parteiprogramm der Grünen zu bieten, denen möchte ich empfehlen: Geht doch am Sonntag bitte mal in die evangelische Kirche um die Ecke. Ihr werdet überrascht sein, wieviel da vom Evangelium die Rede ist...Tut doch nicht immer so, als würde in evangelischen Kirchen nicht das Wort Gottes verkündet und Gott nicht die Ehre gegeben, nur weil das nicht immer in Eurer Lesart passiert. Als sei die EKD eine obskure Sekte die Naturreligionen feilbiete...Das ist doch Polemik.
Wenn die 'Evangelischen' wirklich evangelisch wären, würden sie katholisch und orthodox sein.
Und wann konvertierst Du?

Benutzeravatar
overkott
Beiträge: 19634
Registriert: Donnerstag 8. Juni 2006, 11:25

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von overkott »

ad-fontes hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Zwei Streithähne in unüberwindbarer Nähe?
Da ist keine Nähe und das ist auch gut so! 8)
Aufwärts oder abwärts; - das ist hier die Frage!
:daumen-rauf:

Raphael

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:
ad-fontes hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Zwei Streithähne in unüberwindbarer Nähe?
Da ist keine Nähe und das ist auch gut so! 8)
Aufwärts oder abwärts; - das ist hier die Frage!
:daumen-rauf:
Ja, watt dennu, ovi? :hmm:

Aufwärts oder abwärts ist doch prinzipiell identisch; zumindest nach Deiner maßgeblichen Meinung! :ikb_chair:

Benutzeravatar
Yeti
Beiträge: 2843
Registriert: Donnerstag 10. Februar 2005, 14:39
Wohnort: In the middle of the Ländle

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Yeti »

Niels hat geschrieben:"Spiegel online" besucht "Papst-Kritiker" Werner Tzscheetzsch: http://www.spiegel.de/panorama/,1518,788237,.html
Bild
Wer unter den Vorlesungen dieses Versagers leiden musste, der weiß, wie konsequent sein Schritt war. Dafür wenigstens achte ich ihn auch. Für die Kirche und die Fakultät war und ist sein Schritt ein Segen, es kann nur besser werden. Er darf nun ganz offiziell den Grantler spielen, der er immer war. Allerdings hätte der Entzug der Lehrerlaubnis schon lange vorher erfolgen müssen, auch seinem Vorgänger Günter Biemer, dem zuvor schon die Lehrerlaubnis für Fundamentaltheologie entzogen wurde.
#gottmensch statt #gutmensch

Benutzeravatar
cantus planus
Beiträge: 24273
Registriert: Donnerstag 20. Juli 2006, 16:35
Wohnort: Frankreich: Département Haut-Rhin; Erzbistum Straßburg

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von cantus planus »

Na, da scheint es ja fast eine Tradition zu geben auf diesem Le(e)hrstuhl...
Nutzer seit dem 13. September 2015 nicht mehr im Forum aktiv.

‎Tradition ist das Leben des Heiligen Geistes in der Kirche. — Vladimir Lossky

Petra
Beiträge: 6157
Registriert: Samstag 4. Oktober 2003, 19:30

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Petra »

Schade, ich hatte Zeit und einen starken Gesprächswunsch über die Papstreise. *woanders suchen geh*

Benutzeravatar
Yeti
Beiträge: 2843
Registriert: Donnerstag 10. Februar 2005, 14:39
Wohnort: In the middle of the Ländle

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Yeti »

Petra hat geschrieben:
Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch sagte am Sonntagabend, dass der Papst nichts gegen die deutsche Kirchensteuer oder den Religionsunterricht an Schulen einzuwenden habe. Bei seiner Mahnung, staatliche Privilegien aufzugeben, sei es Benedikt XVI. nicht um konkrete Regelungen in Deutschland gegangen. "Ich weiß sehr wohl, dass der Papst sehr interessiert daran ist, dass Religion Fach in der Schule bleibt", sagte Zollitsch, der zugleich Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Die Botschaft sei gewesen: "Schaut nicht zuerst auf die Strukturen, schaut nicht zuerst auf die Positionen, die ihr erreicht habt, sondern kümmert euch zuerst um das Reich Gottes und den Geist, und dann - ich darf die Bibel zitieren - wird euch das andere gegeben werden."
Quelle. Spiegel: Papst fordert stärkere Trennung von Kirche und Staat
Zollitsch tut so, als wäre nichts gewesen. Wer aber die Gesichter bei der Freiburger Rede betrachtet (v.a. von Fürst, Schavan, Zollitsch und Lehmann), kann darin lesen wie in einem Buch. Es trüge bei der Veröffentlichung vielleicht den Titel: "Fegefeuer der Eitelkeiten".
#gottmensch statt #gutmensch

Benutzeravatar
Knecht Ruprecht
Beiträge: 4553
Registriert: Sonntag 5. Oktober 2003, 21:08
Wohnort: Zurück in OWL

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Knecht Ruprecht »

Der katholische Theologe Hans Küng, kritisierte das Ergebnis des Ökumene-Treffens sowie den »Personenkult« um den Papst. Es habe sich gezeigt, »dass Joseph Ratzinger seit nunmehr dreißig Jahren als Haupthindernis für die ökumenische Verständigung mit der evangelischen Kirche wirkt«

http://www.jesus.de/blickpunkt/detailan ... nkult.html

:freude:

Benutzeravatar
cantus planus
Beiträge: 24273
Registriert: Donnerstag 20. Juli 2006, 16:35
Wohnort: Frankreich: Département Haut-Rhin; Erzbistum Straßburg

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von cantus planus »

Knecht Ruprecht hat geschrieben:[...] Es habe sich gezeigt, »dass Joseph Ratzinger seit nunmehr dreißig Jahren als Haupthindernis für die ökumenische Verständigung mit der evangelischen Kirche wirkt«

:freude:
Ja, dafür kann man dem Heiligen Vater wahrlich nicht genug danken, und ich komme in die peinliche Verlegenheit, einmal mit Hans Küng einer Meinung zu sein. :kugel:
Nutzer seit dem 13. September 2015 nicht mehr im Forum aktiv.

‎Tradition ist das Leben des Heiligen Geistes in der Kirche. — Vladimir Lossky

Benutzeravatar
Pilger
Beiträge: 396
Registriert: Mittwoch 13. September 2006, 01:59

Re: Papstbesuch Deutschland 2011

Beitrag von Pilger »

Der Vicarius Jesu Christi hat in seiner Freiburger Rede ganz deutlich und kristallklar die Lehre der römisch – katholischen Kirche verkündet. Das sich manch deutscher Bischof von dieser Lehre durch Reformen distanzieren möchte ist seid langen offensichtlich und bekannt.

Die Frage ist nun nachdem der Heilige Vater seine Heiligkeit Papst Benedikt. XVI. Deutschland verlassen hat, wohin führt der Weg der deutschen katholischen Kirche?

Bleibt die katholischen Kirche in Deutschland in der Einheit mit der römisch – katholischen Kirche und den Papst und geht den Weg der Erneuerung durch eine Ent-weltlichung der katholischen Kirche in Deutschland.

Oder verlässt die katholische Kirche in Deutschland die Einheit mit der römisch – katholischen Kirche und den Papst und geht den Weg der Erneuerung durch Dialogprozesse zu liberalen Zeitgeist-Reformen und sichert somit vermeintlich Macht und Privilegien der kirchlichen Funktionäre in Deutschland ab.

Die Worte des Vicarius Jesu Christi sind nicht interpretierbar entweder werden seine Worte angenommen und dementsprechend gehandelt oder seine Worte werden durch eine imaginäre Interpretation vernebelt und somit abgelehnt.
Komm bald Herr Jesu
Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach,
der ist mein nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird's verlieren;
und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden."

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema