Was wäre wenn die Juden ihren Messias angenommen hätten?

Fragen, Antworten, Nachrichten.
Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Beitrag von asderrix »

Ragnar hat geschrieben:Kannst du da auch die Bibelstellen angeben, wo Jesus die Gesetze aufhebt, als für nicht mehr gültig erklärt?

hG
Ragnar
Ich denke nicht, das Christus das Gesetz aufhebt, er hat es erfüllt.

Paulus ein Jude, schreibt dazu:

Röm 10,4 Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.

LG
asder

Benutzeravatar
Knecht Ruprecht
Beiträge: 4553
Registriert: Sonntag 5. Oktober 2003, 21:08
Wohnort: Zurück in OWL

Beitrag von Knecht Ruprecht »

asderrix hat geschrieben:
Ragnar hat geschrieben:Kannst du da auch die Bibelstellen angeben, wo Jesus die Gesetze aufhebt, als für nicht mehr gültig erklärt?

hG
Ragnar
Ich denke nicht, das Christus das Gesetz aufhebt, er hat es erfüllt.

Paulus ein Jude, schreibt dazu:

Röm 10,4 Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.

LG
asder
Ihr mußt doch nur Jesus zitieren, was er zu dem ganzen sagt. :D

Ragnar
Beiträge: 638
Registriert: Mittwoch 13. Juli 2005, 21:03

Beitrag von Ragnar »

asderrix hat geschrieben:
Ich denke nicht, das Christus das Gesetz aufhebt, er hat es erfüllt.

Paulus ein Jude, schreibt dazu:

Röm 10,4 Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.

LG
asder
Lieber asder,
warum aber fordert Jesus dann Geheilte auf,
die notwendigen Opfer im Tempel zu bringen?

und Gerechtigkeit hat auch was mit Gesetz zu tun,
also: wo kein Gesetz, da auch kein Recht!

Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Beitrag von asderrix »

Ragnar hat geschrieben: Lieber asder,
warum aber fordert Jesus dann Geheilte auf,
die notwendigen Opfer im Tempel zu bringen?
Vor oder nach seinem Sühnetod?

Aber um deinem nächsten Argument vorzubeugen.

Auch Paulus hat sich an bestimmten Stellen unter das Gesetz gestellt, um unnötige Konflikte zu vermeiden.

Ragnar
Beiträge: 638
Registriert: Mittwoch 13. Juli 2005, 21:03

Beitrag von Ragnar »

asderrix hat geschrieben:
Ragnar hat geschrieben: Lieber asder,
warum aber fordert Jesus dann Geheilte auf,
die notwendigen Opfer im Tempel zu bringen?
Vor oder nach seinem Sühnetod?

Aber um deinem nächsten Argument vorzubeugen.

Auch Paulus hat sich an bestimmten Stellen unter das Gesetz gestellt, um unnötige Konflikte zu vermeiden.
Tja, Paulus war halt ein Opportunist,
erst ein fanatischer Christenverfolger,
dann ein fanatischer Christ,
dann hat er sich mal an die jüdischen Gesetze gehalten,
dann hat er sich auf die römischen berufen...
ganz wie es seinem Vorteil nutzte.

weshalb ja noch Heute die römisch-katholische Kirche eben römisch und katholisch heisst.

(ich bin mir aber nich sicher, dass Jesus zu Petrus gesagt hat:
Auf dir baue ich die römisch-katholische Kirche!
ich denke eher, dass Jesus sagte:
Menschen wie du,
die derartig grosse Schwierigkeiten haben den Gesetzen zu folgen,
die leicht zu beeinflussen sind,
die schnell vom Wege kommen,
...
die ruft Gott zu sich, auch ihr seid von Gott gerufen.)

Benutzeravatar
WiTaimre
Beiträge: 132
Registriert: Mittwoch 27. April 2005, 20:21
Kontaktdaten:

Na, Ihr habt's ja drauf...

Beitrag von WiTaimre »

warum aber fordert Jesus dann Geheilte auf,
die notwendigen Opfer im Tempel zu bringen?


Das ist doch wahrhaftig einfach zu verstehen. Die gesamten Nationen um Israel herum pflegten "Aussaetzige" in einsame Talkessel wegzusperren und man warf denen hin und wieder das Essen da runter oder sperrte sie auf eine Insel und schob auf langen Stangen das Essen da rueber. Volk Israel hat nur die Einschraenkung gehabt, nachts nicht mit der Familie in einem Raum zu schlafen und tags den Gesichtsschleier zu tragen und selbst auf Abstandhalten hinzuweisen. Davon war man nicht einfach frei, wann man es selber meinte. Die Roemer und sonstigen Voelker im besetzten Land Judaea-Gallil waren da ohnehin kritisch, ob man Juden das ueberhaupt gestatten sollte, ihre Aussaetzigen frei herumlaufen zu lassen im Lande. Wenn man zum Heiligtum in Jerusalem ging, das nicht so teure Opfer aus Dank G"TT darbrachte - ist das zu unerhoert, wenn auch Jesus das ok fand, zu danken? - dann bekam man seinen Passierschein, konnte es jedermann zeigen und war richtig wieder frei.

Ich glaube, einige von Euch machen sich Wahnsinns-Vorstellungen vom "laestigen Inhalt" der 613 Gebote.

Es sind Gebote dazwischen, nicht zu verleumden, nicht unnoetig Wahrheiten auszuplaudern, was einem Menschen schaden kann, niemanden zu beschaemen, freundlich zu sein, wenn man etwas Gutes gibt oder auch wenn man nichts zu geben hat, sich nicht zu vergiften, die eigene Gsundheit zu hueten, das Vermoegen des Naechsten zu schonen und retten wie das eigene, den eigenen Tieren auch am Sabbath eine Erfrischung ihrer Lebensseele zu gewaehren, wie auch allen, die im Hause arbeiten, einen Feind aus Lebensgefahr zu retten, selbst dessen Packtier wieder aufrichten zu helfen, wenn es in Schwierigkeiten kommt, andern unterwegs in freundlichem Begruessen zuvorzukommen, niemanden wegen koerperlicher oder sonstiger Beeintraechtigungen zu verhoehnen, G"TT einen Gruss-Segen zu schicken, wenn man etwas Wunderschoenes sieht, Kranke zu besuchen, um etwas von ihrem Leid abzunehmen, Tote zu bestatten, die nicht danken koennen, eine arme nicht beliebte Braut aufzuwerten, indem man - falls beliebt - zu ihrer Hochzeit kommt und Leute anzieht, sich mit dem Paar zu freuen ...
- ich koennte noch ne Weile fortfahren, es sind so etwa 2000 Regeln, wie G"TT gern seine Juden haben moechte - es heisst nur "613"-Gebot. Ein Teil nur laesst sich schwer befolgen. Ein Teil geht auch nicht jeden an, gilt nicht in jedem Land und nicht fuer jeden Status oder Stand.

menno,
und so ueber St.Paulus herzufallen ist schon sehr merkwuerdig - Du kanntest ihn naeher?

mfG WiT

Benutzeravatar
WiTaimre
Beiträge: 132
Registriert: Mittwoch 27. April 2005, 20:21
Kontaktdaten:

Beitrag von WiTaimre »

Hallo Ragnar, (was heißt eigentlich dein Name)
Eine Klassenkameradin von mir aus Riga hiess "Ragni" und sagte, es hesse auf lettisch so etwas wie "Hexe, Schamanin". *g*
mfG WiT :.)

Benutzeravatar
Robert Ketelhohn
Beiträge: 26022
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 09:26
Wohnort: Velten in der Mark
Kontaktdaten:

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Nicht lettisch, sondern nordisch. Ragnar ist die nordische Entsprechung zu unserm Rainer (‹ Ragin-hari [„Rat“ und „Heer“]). Ragni ist eine Kurzform von mit Ragn- gebildeten weiblichen Vornamen, wie etwa Ragnhild.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Ragnar
Beiträge: 638
Registriert: Mittwoch 13. Juli 2005, 21:03

Beitrag von Ragnar »

WiTaimre hat geschrieben:
Hallo Ragnar, (was heißt eigentlich dein Name)
Eine Klassenkameradin von mir aus Riga hiess "Ragni" und sagte, es hesse auf lettisch so etwas wie "Hexe, Schamanin". *g*
mfG WiT :.)
Hier in meinem Heimatdorf gibt es einen italienischen Eiscafe Besitzer, der heisst auch Ragni...
ich muss den mal frage, was das heissen soll...

;-)

Ragnar
Beiträge: 638
Registriert: Mittwoch 13. Juli 2005, 21:03

Re: Na, Ihr habt's ja drauf...

Beitrag von Ragnar »

WiTaimre hat geschrieben:
warum aber fordert Jesus dann Geheilte auf,
die notwendigen Opfer im Tempel zu bringen?


...

menno,
und so ueber St.Paulus herzufallen ist schon sehr merkwuerdig - Du kanntest ihn naeher?

mfG WiT
Zu den Gesetzen stimme ich dir zu,
ich denke, da sollten Christen über die ihre Gesetze nachdenken (natürlich nicht die staatlichen),
letztlich sind Dogmen und Enzykliken auch nix anderes...

aber bei Paulus,
sollte ich mich da irren?

beth
Beiträge: 271
Registriert: Sonntag 28. Dezember 2003, 00:33

Beitrag von beth »

Zu: „Was wäre wenn die Juden ihren Messias angenommen hätten?“
schrieb Linus: Die Frage "was wäre wenn" ist historisch völliger Dummdenk…
… und ich möchte hier dafür aus einer tollen Sendung des WDR zitieren:

Aus: Zeitzeichen vom 12.03.05 – WDR 3 zum 12. März 200 von Günther Bernhard Ginzel
Der Papst bittet um Vergebung für die Verfehlungen der Kirche

Eine Messe mit dem Papst im Peterdom ist immer ein Ereignis. Und Papst Johannes Paul II. versteht es wie keiner seiner Vorgänger, die Weltöffentlichkeit zu faszinieren. Mit dem Pontifi-kalamt will der Papst an diesem 12. März 2000 ein Zeichen setzen. Sehr bewusst hat Johannes Paul II. diesen Tag und diesen Anlass gewählt. Mit dem fast pompösen Auftritt am ersten Fastensonntag vor Ostern gestaltet er einen liturgischen Rahmen, der die Bedeutung der Bot-schaft die er verkünden will, unterstreichen soll. – Im Mittelpunkt, ganz in weiß, umhüllt von einer lilafarbenen Stola, der Nachfolger Petri, Stellvertreter Gottes auf Erden, der Heilige Vater, der an diesem Tag die Last der Sünden seiner Kirche zu tragen scheint, fast sichtbar. Ein Papst der Buße tun und um Vergebung bitten will.
„Vor diesem Christus, der aus Liebe unsere Sünden auf sich nahm, sind wir alle eingeladen zu einer tiefen Prüfung unseres Gewissens.“

Sonderkorrespondenten aus aller Welt verfolgen jede Aussage, registrieren jede Geste, denn der vatikanische Pressesaal hatte angekündigt: Der Heilige Vater werde eine historische Erklärung abgeben, gänzlich ungewöhnliches in der Geschichte der katholischen Kirche verkünden, die Reinigung des Gedächtnisses. „Als Nachfolger des Petrus habe ich gefordert, dass die Kirche sich dennoch vor Gott niederwirft und um Vergebung für die vergangenen und gegenwärtigen Sünden ihrer Söhne und Töchter um Verzeihung bittet.“ Der Papst hat die Jahrtausendwende als Zeitenwende in der Theologie der katholischen Kirche bestimmt, ganz besonders in Richtung auf das Verhältnis zum Judentum.

„Es war vor allen Dingen der Übergang vom zweiten zum dritten Jahrtausend christlicher Zeit-rechnung, der einen Prozess kirchlicher Überprüfung angeregt hat und in der Tat war es kein geringerer als Papst Johannes Paul II. der dazu die Initiative ergriffen hat und die maßgeblichen Wegemarken dieses innerkirchlichen Prozesses gesetzt hat. Er hat dabei ein altes religiöses In-stitut biblischen Ursprungs, das so genannte Jobeljahr zum Anlass genommen, das eben mit dem runden Jahr 2000 des christlichen Kalenders wieder anstand und er hat gesagt, wir müssen in das neue Jahrtausend mit einem Prozess der Gewissenserforschung hineingehen.“ (Hans Her-mann Henriks, Direktor der Katholischen Akademie Aachen)

Das Jobel- auch Jubeljahr, bei Luther heißt es Heiljahr geht auf die Theologie des Alten Testa-mentes zurück. Es begann mit dem Versöhnungsfest YomKipur aus dessen Liturgie auch der Papst zitieren wird. Im biblischen Jobeljahr sollten sämtliche Verträge überdacht, die Sklaverei beendet, die Schulden erlassen, ein vollkommener Neubeginn eingeleitet werden. Es sollte in Abständen von 50 Jahren gefeiert werden. Die römisch katholische Kirche hat diesen Gedanken übernommen und mit dem Freijahr die Gewährung eines vollkommenen Sündenerlasses ver-bunden. Zum ersten Mal in der Geschichte schrieb Papst Bonifaz VIII. für das Jahr 1300 ein solches Jobeljahr aus. Seither wird es in unterschiedlichen Intervallen und zu besonderen Anlässen verkündet. Ein solch besonderer Anlass ist das vom Papst ausgerufene Jobeljahr, in der Sprache der Kirche, das Heilige Jahr 2000 und der Beginn der vorösterliche Einkehr und Besinnung. An diesem ersten Fastensonntag bittet der Papst um Verzeihung für die Sünden die die Kirche in der Vergangenheit auf sich geladen hat durch die Eroberung und den Kolonialis-mus in Lateinamerika, die Spaltung der Kirche, die Inquisition, die Kreuzzüge, die Verfehlun-gen gegenüber den Frauen, die Sünde der Judenfeindschaft. Übersetzt in die Sprache der römi-sche Kurie: Schuldbekenntnis für die Verfehlungen gegen die Liebe, den Frieden, der Rechte der Völker, die Achtung der Kulturen und der Religionen. Und so betet Johannes Paul II.: „Oft haben die Christen jedoch das Evangelium verleugnet und der Logik der Gewalt nachgegeben. Die Rechte von Stämmen und Völkern haben sie verletzt, deren Kulturen und religiöse Traditi-onen verachtet. Erweise uns deine Geduld und dein Erbarmen. Vergib uns.“
Vielen ging die Selbstkritik nicht weit genug. Zu ihnen zählt der Bamberger Professor für Kir-chengeschichte Georg Denzler, der einerseits erfreut war, dass der Papst sich dem Problem der Schuld und Sünde innerhalb der Kirche gestellt hat andererseits aber doch sehr enttäuscht war weil die Aussagen, diese Schuldbekenntnisse, ausgesprochen innerhalb eines Busgottesdienstes doch zu allgemein ausgefallen sind. Ein Wort, klar ausgesprochen, hätte mehr bedeutet als diese geschraubten, theologischen, verklausulierten Ausdrücke.

Dass der Papst sehr viel deutlicher werden kann, beweisen seine Worte mit denen er die Sünden gegenüber dem Jüdischen Volk anspricht. Hier spürt man deutlich die Absicht, die Manifestati-on, den Willen des Papstes seine ganze Autorität innerkirchlich einzusetzen um einen Wandel herbeizuführen. Es beginnt mit einer Busformel: „Lasst die Christen der Leiden gedenken die dem Volk Israel in der Geschichte auferlegt wurden. Lass sie ihre Sünden anerkennen die nicht Wenige von ihnen gegen das Volk des Bundes und der Seligpreisungen begangen haben und so ihr Herz reinigen.“ – Stille, Einkehr. Der Papst betet leise. Dann seine Fürbitte: „Gott unser Vater, du hast Abraham und seine Nachkommen erwählt, deinen Namen zu den Völkern zu tragen. Wir sind zutiefst betrübt über das Verhalten Aller, die im Laufe der Geschichte deine Söhne und Töchter leiden ließen. Wir bitten um Verzeihung und wollen uns dafür einsetzen, dass echte Brüderlichkeit herrsche mit dem Volk des Bundes.“

Hans Hermann Hendrik von der katholischen Akademie Aachen zur Absicht des Papstes: „Ein Jahrtausend der Traumatisierung im Verhältnis Kirche, Christenheit zum jüdischen Volk geht zu Ende. In diesem Jahrtausend ging christliche Polemik zu oft in Bedrängnis, in Verfolgung, ja in Tötung und Ermordung einher.“ Darum spricht der Papst so deutlich von Schuld und Versa-gen gegenüber den Juden. Er sieht durchaus einen Zusammenhang den der katholische Histori-ker Friedrich Heer so beschrieb: „Von den Feuern der christlichen Scheiterhaufen führt ein di-rekter Weg zu den Feuern der Krematorien von Auschwitz. Hier wie dort waren die Täter Chris-ten, hier wie dort die Opfer Juden.“

Johannes Paul II. hatte in seiner Jugend jüdische Freunde und so erlebte er die Vernichtung des polnischen Judentums unmittelbar in der Zeit der deutschen Besatzung. Aber er bemerkte auch die Hartherzigkeit vieler Katholiken, die Auschwitz als Strafe Gottes an den Juden verstanden, weil diese sich nach wie vor der Taufe widersetzten.

Vom Beginn seines Pontifikates an suchte Johannes Paul II. die zweitausend Jahre alte Lehre der Verachtung gegenüber dem Judentum zu überwinden. Vielleicht werden spätere Historiker die Wende im Verhältnis zum Judentum einmal als eine seiner bedeutendsten Taten würdigen.

Ein kurzer Blick in die Geschichte ist nötig um das beinahe Revolutionäre des Busgottesdiens-tes im Jahre 2000 zu verstehen. Die Kirche hatte sich stets als das Neue, Wahre Israel verstan-den doch sie begriff nicht, wieso das Alte, der Alte Bund fortbestand. Die Folge war der Ver-such, die Juden als verstockt, verblendet, ja als Mörder Gottes und schließlich als Feinde der Christen zu brandmarken. Die Verdammung der Juden durchzieht die Jahrhunderte. So betete im 9. Jahrhundert Agobart, der Bischof von Lyon: „So mögen sie denn verflucht sein, in der Stadt und auf dem Felde, beim Kommen und beim Gehen. Verflucht sei die Frucht ihres Lei-bes.“

Es war eine kirchliche Gesetzgebung die nach dem Laterankonzil im Jahre 1215 die Juden aus dem gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt hat. Am Anfang stand also nicht ein wirtschaftlicher, sozialer, kultureller oder gar rassistischer Antisemitismus. Am Anfang stand die Lehre der Kir-che. „So verordnen wir indem wir nichts Neues schaffen als nur die alten Satzungen der Päpste erneuern, dass die Juden sich in ihrer Kleidung von den Christen unterscheiden sollen“ – ver-kündete das Regionalkonzil von Salzburg 1267. Alles war verboten und zwar: „Bei der Strafe der Exkommunikation verbieten wir dass Christen Jüdinnen und Juden mit sich zu Tisch neh-men, mit ihnen zu essen oder zu trinken, mit Juden zu spielen, tanzen oder zu springen.“ Diese Gesetze galten noch bis ins 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts und zwar auf dem Gebiet des Kirchenstaates dessen Oberhaupt der Bischof von Rom, der Papst war.

Um das Revolutionäre des Schuldbekenntnisses im Jahr 2000 zu begreifen muss man sich auch an das Jahr 1933 erinnern. Ein Jahr der Verfemung und Verfolgung der jüdischen Menschen in Deutschland ging zu Ende, da trat in München Kardinal Faulhaber auf die Kanzel um mutig gegen die Verunglimpfung des Alten Testamentes durch die Nazis zu protestieren. Doch was sagte er Ende 1933 zum Schicksal der jüdischen Nachbarn?: „Um Klarheit zu schaffen und je-des Missverständnis auszuschließen. Nach dem Tode Christi wurde Israel aus dem Dienst der Offenbarung entlassen. Damals zerriss der Vorhang im Tempel und damals der Bund zwischen dem Herrn und seinem Volk und seither wandert der ewige Ahasta ruhelos über die Erde.“ – Womit er ein altes von den Nazis wieder belebtes antijüdisches Klischee bemühte und er rief den Gläubigen in der Vorweihnachtszeit 1933 zu: „Entweder sind wir Jünger Christi oder fallen in das Judentum der biblischen Vorzeit und seiner Rachelieder zurück.“

Es scheint, als will der Papst am 12. März 2000 sein katholisches, religiöses ‚Nie wieder’ dieser alten Schuldgeschichte entgegensetzen. Deswegen reicht ihm keine schriftliche Verlautbarung. Er sucht den Raum des Heiligen, des Kultes. Und um die Nähe, ja die Gemeinsamkeit mit dem Judentum noch zu unterstreichen, setzt er ein weiteres Zeichen. Der Papst leitet das Busbekenntnis für die Katholische Kirche mit einem Zitat aus dem jüdischen Versöhnungsfest YomKipur ein: „Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns vertrauensvoll zu Gott unserem Vater rufen, der barmherzig und langmütig ist, reich an Erbarmen, an Liebe und Treue. Er möge die Reue seines Volkes annehmen das voll Demut seine Schuld bekennt und ihm seine Barmherzigkeit schenken.“
Nur 14 Tage später besucht das Kirchenoberhaupt Israel. So wie er als erster Papst in der Ge-schichte eine Synagoge aufgesucht hat und als Zeichen der Versöhnung den Oberrabbiner Roms umarmte so geht Karol Woytila jetzt als erster Papst zur Westmauer die einst den herodiani-schen Tempel begrenzte. Hier, an diesem zentralen Heiligtum Israels wiederholt er das Busritual. Er verharrt in stillem Gebet, dann faltet er ein Stück Papier und steckt es – einer volkstümli-chen jüdischen Sitte folgend – in die Ritzen der einstigen Tempelmauer. Auf dem Papier steht seine Bitte um Vergebung der Sünden am jüdischen Volk und die Bitte um Versöhnung, ausge-sprochen am 12. März 2000 im Petersdom zu Rom. Heute liegt das Dokument in der Israelischen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem aus, ein sichtbares Zeichen um das Bemühen, die Schatten der Vergangenheit zu überwinden.

Benutzeravatar
WiTaimre
Beiträge: 132
Registriert: Mittwoch 27. April 2005, 20:21
Kontaktdaten:

Beitrag von WiTaimre »

Rainer (‹ Ragin-hari [„Rat“ und „Heer“]). Ragni ist eine Kurzform von mit Ragn- gebildeten weiblichen Vornamen
Ja, dann passt auch Ragni ="Hexe, Schamanin", denn man sagt im Volksmund hier auch, wenn jemand sich "besprechen lassen" will: ich geh uebers Feld und hol mir nen Rat.
In Italienisch heisst ragno = Spinne
- *g* frag ihn besser nicht, was Ragni dann heisst ("Spinner"?)

zu Paulus: in Orten wie Lourdes faellt es auf, dassam ehesten skeptiker geheilt werden, die eigentlich nur unter Protest sich dahinschleppen liessen.

Bei St.Paulus seh ich das anders, er war ein eifriger Aufpasser im Dienst des Waechteramts, was durchaus ein Motiv im Mitleid mit dem Volk haben kann, seit der Besatzung war durch eifrigen ausbeuterischen Zuzug die Bevoelkerung auf 5 Millionen etwa angeschwollen, man war selbst dort schon eine Minderheit im eigenen Land und die oberen 10.000 der Mischung sehr hellenisiert oder sagen wir moderner, saekularisiert, wenn auch nicht formal.

Wenn man Lukas liest, der in Syrien als hellenisch gebildeter Heide und Grosstaedter recherchierte, kommt nicht derselbe Paulus heraus wie da, wenn man die Briefe des Paulus selber liest, der herzlich und warmherzig, wenn auch fuer heutige Ohren mitunter etwas "altfraenkisch" schreibt. Aber so ein flottes Griechisch wie Lukas beherrschen weder er noch seine Schreiber.

Wo von der Vision die Rede ist, auf dem Weg nach Damaskus, da wird wohl der Wortlaut exakt wiedergegeben worden sein, denn das praegt sich ein. Da ist formuliert "Was leckst du wider den stachel?" - so ein Bild denkt sich keiner aus, es ist zu niedlich und lehrreich: wer denn hat Stacheln? Der Igel. Wann leckt er sie ab? Wenn er sie putzt, und jene damals kannten die Natur noch vom Wandern ganz gut: wenn er dann aber nicht in Richtung der Lage seines Stachelfells putzt, zerreisst er sich nur selbst die Zunge an dem und blutet, der Schaden wird schlimmer, was das saubere Pelzchen betrifft.
Also soll das Bild sagen: "ich - der Jesus - tu doch etwas, was Du - der Saulus - erreichen willst. Denk doch mal anders herum drueber nach." - Nehmen wir mal Jesus mit dessen Aussage, die "Suender Israels"-Frage zu heilen sei er gekommen.
Das juedische Konzept ist so, dass wir G"TTES Gaeste in Seinem Land sind und ER uns mit Geboten einueben laesst, die allen guttaeten. Der Gedanke, ob ein Jude dafuer privat nachher in den Himmel kommt, ist uns gar nicht so gelaeufig, es ist sozialer gestrickt, was wir uns dabei denken, ER - G"TT - um IHN geht es, ER ist super - aber die Voelker lassen es nicht einmal uns in Ruhe praktizieren, weshalb es auch immer wieder Anlaesse gibt, sich nicht an alles zu halten, aber wir sehn uns am Ueben mit IHM dabei, nicht verlassen.

Das Konzept ist weiterhin, dass es allen Menschen gut tut, wenn es Volk Israel schafft. G"TT sorgt schon direkt fuer die Einzel-Personen, das sorgt uns so gar nicht, wir unterscheiden fromm von religioes, letzteres ist mehr das Formale, von aussen Bezeugbare - fromm, das war Abraham als noch-nicht unter dem Gebot, und Koenig Hiskija, dessen Vater und Grossvater schon freiwillig heidnisch geworden waren und auch dessen Sohn es schon wieder vorzog - zum Unheil ganz Israels.

Der "Vertrag vom Sinai" band ja jeden daran, der eine juedische Mutter hatte, von Geburt an, also je mehr davon gar keine Chance hatten, die Thorah zu lernen, desto schwerer wog das in der Bilanz, ob denn das, was ganz Israel zu hueten schafft, diesem Volk Glueck oder Trauer verschaffte, und unter Herodes und einigen anderen vorher waren wirklich es keine gluecklichen Jahre, und auch nicht fuer Juden, in der Diaspora untergebracht, das ganze Reich Rom blutete, kaempfte, unterjochte und litt. Zugleich sprossen Heils-Ideen und Aufstands-Sekten auch all-ueberall hervor und zogen auch Juden in ihren Sog. Selbst gesitteten Roemern fiel es unangenehm auf, wie allmaehlich alles verwahrloste, nachdem nun ein Augustus erreicht war.

Wie sollte man das Problem aller beheben, wenn man auch nur ein bisschen Mitleid hatte? Juden war nur das eine Mittel bekannt: alle G"TTES Gebote besser beachten, hueten, lehren. Saulus und seinTrupp war ja nicht nur wegen der Ur-Christen unterwegs, sondern auch wegen Mithras-Kulten und Dionysien und sonstwas, es war das reinste Floehehueten, und auch in der Diaspora: was schon Lukas von Gemeinden schildert, die sie antrafen, da waren doch manche ganz hilflos, paar Frauen noch und fertig. Es hatte ja eine nennenswerte Missionierung fuer die juedische Weisheit unter Obhut Aegyptens gegeben, 100 Jahre zuvor, Septuaginta las man in fast jeder Stadt des Rom-Reichs, irgendwer. Aber es war nicht zu machen, dass diese in ihren Heimaten auch nationsmaessige Juden wurden. Man hatte sich also eine Menge Mitglieder unter das Gebot Israels holen lassen, die man nicht imstande war, auch einzugemeinden. Rechnerisch besehn, war es nun kein Wunder, wenn - laut der Abmachung - nun ueberall Unglueck des Volkes eintreten muesste - und Unbeteiligte mit affizierte.
Indem der auferstandene Jesus kein Jude mehr ist - denn das ist man nur bis zum Tod - und eine Schule G"TTES auf sich zog, vorwiegend aus den Heidenvoelkern und Halb-Konvertiten bezogen - dann war doch das, was Saulus und seine Leute wuenschten laengerfristig auch erreichbar. Von Volk Israel bliebe der Kern, der sich wirklich im Hl.Lande zuhause weiss und als Volk empfindet und kann wieder die Gebote halten, die andern so albern und unnoetig trennend vorkommen - und denen geht es dann besser und somit der andern Menschheit auch. Das ist unser Glaube und muss nicht bewiesen werden, warum wir das glauben.

Als Saulus nun also sein Aha-Erlebnis kriegt und nun von der andern Seite her mitmacht, Volk Israel so herum von (technischen) "Suendern" zu entlasten - wonach diese trotzdem G"TT nicht zu kuendigen brauchen - ist das nur ok fuer ihn und wirklich gar nicht irgendwie opportunistisch, bedenkt man allein, was er sich damit "eingefangen hatte": Armut, Steinigungen, Geisselstrafen, Mordanschlaege, Gefangenen-Misshandlungen und am Ende noch, gekoepft zu werden.

Schalom - Pax
mfG WiT :.)

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema