Yeti hat geschrieben:Stephen Dedalus hat geschrieben:Yeti hat geschrieben:Wie lautet eigentlich genau und konkret deine Theorie?
Ganz einfach: Die Nähe zwischen Anglikanern und römischen Katholiken ist wesentlich größer, als das von traditionalistischer Seite angenommen wird.
Das habe ich auch immer angenommen bzw. es schien mir sehr so zu sein. Aber welche Schlüsse kann man aus anglikanischer Sicht daraus ziehen?
Aus anglikanischer Sicht müssen wir darauf hinarbeiten, die noch bestehenden Unterschiede zwischen den Kirchen der Tradition (Anglikaner, römische Katholiken und Orthodoxe) soweit zu bearbeiten, daß weitere Schritte zu einer sichtbaren Einheit gegangen werden können.
D. h. man muß auf dem erreichten Konsens in der Amts- und Sakramentenfrage aufbauen. Das hat man mit dem weitgehenden Konsens in der Frage der Mariendogmen getan. Die nächsten wichtigen Themen sind Papstprimat und Verhältnis Ortskirche/Universalkirche.
Es muß auf ein Primatsmodell hingearbeitet werden, das für Orthodoxe wie für Anglikaner akzeptabel ist. Der Weg kann sicher nicht dahin gehen, Anglikaner und Orthodoxe zur Annahme von Pastor Aeternus zu zwingen, denn das wird nicht passieren. Aber eine Annahme des päpstlichen Primates als eines altkirchlichen Ehrenprimates ist sicher denkbar.
Ähnlich wie der Erzbischof von Canterbury in der Anglikanischen Gemeinschaft könnte der Bischof von Rom unterschiedliche Funktionen wahrnehmen: Als Diözesanbischof von Rom, als Primas der römisch-katholischen Kirche mit direkter Jurisdiktionsgewalt in allen römisch-katholischen Diözesen und darüber hinaus als Ehrenprimas der Christenheit, einschließlich Anglikaner und Orthodoxe, deren Provinzen jedoch jurisdiktionell unabhängig bleiben.
Funktionieren kann dies jedoch nur, wenn die unterschiedlichen Traditionen sich verpflichten, bestimmte Themenbereiche nur noch auf gemeinsamen Konzilien zu entscheiden.
Andere Traditionen könnten eingeladen werden, sich diesem Ehrenprimat zu unterstellen und im gleichen Zuge in die Fülle der katholischen Tradition einzutreten. Durch diese neue Gemeinschaft mit dem Papst wäre dann auch eine Heilung der aus römischer Sicht defekten Weihen möglich.