Als Verbindungspunkt zwischen Theologie und Naturwissenschaft kann man denselben Ursprung sehen in der Suche nach Orientierungen für den Menschen in Raum und Zeit, also der Suche nach Anfängen und Zielen, nach Ursachen und Wirkungen. Anfänglich scheint Theologie das Universum des Wissens umfasst zu haben, das sich allmählich ausdifferenziert hat in Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften. Bei dieser Ausdifferenzierung erfolgte eine Spezialisierung und Begrenzung des Forschungsgegenstandes und der Methoden. Diese Ausdifferenzierung ist inzwischen so groß, dass zuweilen die Zusammenhänge dieser Wissensgebiete kaum noch erkennbar sind. Daher ist das interdisziplinäre Gespräch erforderlich, um sich der Gemeinsamkeiten und Grenzen der eigenen Disziplin immer wieder aufs Neue zu vergewissern. Sicher kann man feststellen, dass Theologie im Allgemeinen einen universaleren Anspruch der Erklärung der Welt hat als Naturwissenschaften, die sich auf die Frage nach den Zusammenhängen empirisch beobachtbarer Phänomene beschränken.anaxagoras hat geschrieben:Der amerikanische Paläontologe und Biologe Stephen Jay Gould hat einmal eine These der Inkompatibilität von Religion und Naturwissenschaft vorgeschlagen. Er nannte sie NOMA (Non-Overlapping Magisteria). Aus meiner Sicht ist diese These von Gould allerdings überholt.overkott hat geschrieben:Vielleicht kommen wir auf diese Weise der Relation von Theologie und Naturwissenschaft etwas näher.
Deine Idee finde ich gut! Das ist mal ein ganz anderer Ansatz.
Genauso wie die Religion die Wissenschaft hinterfragt, wird der Glaube an einen Schöpfergott (und nebenbei auch an einen persönlichen Gott) von der Naturwissenschaft in Frage gestellt.
Meine Frage an Dich:
Ist eine solche Diskussion gerechtfertigt / erlalubt / gewollt?
Der universale Anspruch der Theologie zeigt sich darin, dass Gott als Ursprung und Ziel der Welt und des Lebens betrachtet wird. Gott ist der Inbegriff des höchsten gemeinsamen Guten. In der Schöpfungstheologie kommt daher vor allem eine Bewertung der Welt zum Ausdruck. Die Welt entstammt dem Guten und soll zum Guten gelangen. Dabei sind Kreation und Evolution keine grundsätzlichen Gegensätze, sondern unterschiedliche sprachliche Beschreibungen von Entstehungsprozessen. Das gilt sowohl für die Entwicklung der Natur, als auch für die Entwicklung und Ausdifferenzierung von Gesellschaften. Dabei geht es um Naturgesetze, Sittengesetze, Staatsgesetze. Der theologische Subjektivismus Jesu betont die Teilhabe jedes Menschen am Guten. Jeder Menschen ist selbst verantwortlich, das Gute zu suchen und zu tun und so den Willen Gottes zu erfüllen.
Dazu ruft Theologie auch Naturwissenschaftler auf. Auch Naturwissenschaftler sind nach der Suche des Guten aufgerufen und aufgerufen, sich dabei guter Methoden zu bedienen. Dabei ergeben sich aus dem theologischen Subjektivismus Jesu keine konkreten Vorschriften, sondern er stellt einen Appell an das Gewissen jedes Naturwissenschaftlers dar. Die christliche Einstellung zur Forschungsfreiheit bringt der Apostel Paulus auf den Punkt: Alles ist erlaubt, aber nicht alles nützt.