Mißbrauchsanschuldigungen II

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Vir Probatus
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Samstag 23. Februar 2019, 17:08

Lycobates hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 12:54
Vir Probatus hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 12:34
Juergen hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 12:16
Wenn's hilft: https://www.wp.de/staedte/balve/pastora ... 77557.html
…Als anderes konkretes Beispiel nennt Elke Luig etwa die Gottesdienstvorbereitung der Messdiener in der Sakristei: „Wenn jemand an den Gewändern zupft, um diese zu richten, sei es der Küster oder jemand anders, dann gehen diese Berührungen nur mit Erlaubnis.“…
Die Erlaubnis muß vermutlich in jedem Einzelfall von den Eltern schriftlich mit 3-fachem Durchschalag eingeholt werden.

Jüngst sagte jemand sehr richtig zu mir: „Du glaubt doch nicht, daß ich noch irgendjemandem von den Meßdienern beim Anziehen der Gewänder helfe!“

Ich bin sowieso für erwachsene Meßdiener. Die Blagen wissen sich in vielen Gemeinden ja doch nicht mehr zu benehmen und sturcheln kreuz und quer durch den Altarraum, bar jeden Wissens, was sie da tun.
Bei uns hat man ein Küsterehepaar in die Präventionsschulung gezwungen.
Beide sind über 80 und in der Kapelle die sie betreuen, war seit 20 Jahren kein Ministrant mehr.
Um Himmelswillen.
Da ist der Hauptpatron wohl der heilige Bürokratius?

Es zeigt, wie man von einem Extrem in ein anderes Extrem gerät.
Und dieses 30 seitige Schutzkonzept zeigt in Balve zeigt das auch.
Eigentlich würde doch der Satz ausreichen: "Jeder hat sich wie ein normaler Mensch zu benehmen".

Und der Datenschutz dazu ist auch noch mal extrem: Ein Führungszeugnis darf nicht einfach im Pfarrbüro abgegeben werden.
Das darf in der Pfarrei selbst gar nicht gelesen werden.
Es ist eine Wissenschaft für sich, das zu beantragen und so zu versenden, daß es Unbefugte nicht lesen können:
https://www.kath-dekanat-bruchsal.de/ht ... se453.html
„Die Kirche will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (J.W. von Goethe)

Petrus
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus » Sonntag 24. Februar 2019, 01:30

Vir Probatus hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 12:15
Petrus hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 09:43
Vir Probatus hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 07:42
Diese Klerikalisten sind in einer derart umfänglichen Weise gewohnt, niemals Widerspruch zu hören, daß für sie die heile Klerikalistenwelt wie ein Kartenhaus zusammenfällt, wenn dann doch mal einer den Mund aufmacht.

nun,

"man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzopfer des Herrn zu vereinen." (KKK 2357).
Den Zusammenhang begreife ich jetzt nicht. In KKK 2357 geht es um Homosexuelle, nicht um Klerikalisten.
Es gibt keinen Zusammenhang - außer, dass sich dieser Satz dazu eignet, jede beliebige Personengrupppe (scheinbar mitleidig-kopfstreichelnd) zu diskriminieren.

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Juergen
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Juergen » Sonntag 24. Februar 2019, 01:33

Wen soll jemand (Messner, Küster, Priester, Oberministrant) um Erlaubnis fragen, wenn das Chorhemd bei einem minderjährigen Ministranten schief sitzt, um es gerade zu rücken? – Der Ministrant selbst kann in dem Alter ja keine rechtsverbindliche Einverständniserklärung geben.

Gruß
Jürgen
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Vir Probatus
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Sonntag 24. Februar 2019, 06:45

Juergen hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 01:33
Wen soll jemand (Messner, Küster, Priester, Oberministrant) um Erlaubnis fragen, wenn das Chorhemd bei einem minderjährigen Ministranten schief sitzt, um es gerade zu rücken? – Der Ministrant selbst kann in dem Alter ja keine rechtsverbindliche Einverständniserklärung geben.

Eltern, die darin eine Gefährdung sehen, sollten allen genannten Personen und sich selbst den Gefallen tun und ihr Kind nicht Ministrant, Chorsänger, Pfadfinder etc. werden lassen. Konsequenter Weise treten sie selbst auch aus der Kirche aus und melden ihr Kind vom Religions-, Beicht- und Kommunionunterricht ab: Das schafft dann noch weniger Berührungspunkte und weniger weitere Ängste.

(Es ist ja nur die Kirche, die diese Konsequenz nicht will, weil sie meint, sie müsse die nächste Generation Kirchensteuerzahler für sich heranziehen.)

Dieses sich aus dem Weg gehen ist für alle Beteiligten besser, als ständig ein 30 seitiges Regelwerk im Auge und im Kopf zu behalten.
Vor allem nimmt es denen nicht die Freude am tun, die sich wirklich interessieren und mitmachen wollen.

Was da zur Zeit abläuft ist doch purer Aktionismus, um, wie in der Autowerbung sagen zu können "Katholische Kirche: Die tun was!".
Oder um es mal ganz deutlich zu sagen
Wenn der entsprechend konditionierte Täter demnächst wieder eine Erektion hat, wird er kaum in der 30 seitigen Betriebsanleitung nachschlagen.
Und selbst wenn, da würde er ja auch nicht fündig zu der Frage, was er nun zu tun und zu lassen hat.
Sonst würden Dinge wie Frau Wagner sie beschreibt, gar nicht passieren. Das ist doch alles sinnlos.

Als damals der Pilot von Germanwings den Flieger vor die Wand geflogen hat, wollten Eltern Schulausflüge generell verbieten lassen. Ja geht´s noch ?
Muss man eigentlich als Kirche oder Schule für jede Form von Lebensferne Verständnis zeigen und alles dazu Nötige in Handbüchern regeln?
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CIC_Fan
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von CIC_Fan » Sonntag 24. Februar 2019, 09:25

Gestern war meine polnische Bedienerin hier in Polen geht die Sache grade hoch wie eine Bombe in ihrem Heimatort gehen keine Kinder mehr zum Ministrieren oder zum Religionsunterricht ihr Sohn verbietet es auch den Enkelkindern sie hört jetzt auch auf zur Messe zu gehen
sie war gestern wirklich bös so kenn ich sie gar nicht

Vir Probatus
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Sonntag 24. Februar 2019, 11:26

Petrus hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 01:30
Vir Probatus hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 12:15
Petrus hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 09:43
Vir Probatus hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 07:42
Diese Klerikalisten sind in einer derart umfänglichen Weise gewohnt, niemals Widerspruch zu hören, daß für sie die heile Klerikalistenwelt wie ein Kartenhaus zusammenfällt, wenn dann doch mal einer den Mund aufmacht.

nun,

"man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzopfer des Herrn zu vereinen." (KKK 2357).
Den Zusammenhang begreife ich jetzt nicht. In KKK 2357 geht es um Homosexuelle, nicht um Klerikalisten.
Es gibt keinen Zusammenhang - außer, dass sich dieser Satz dazu eignet, jede beliebige Personengrupppe (scheinbar mitleidig-kopfstreichelnd) zu diskriminieren.
Das ist Theologie: Mit Hilfe von genug Geschwurbel die nötigen Zusammenhänge überall herstellen, Gebote, Verbote, Strafen und Belohnungen legitimieren zu können. Für mich bleibt aber Geschwurbel eben nur Geschwurbel.
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Petrus_Agellus
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus_Agellus » Sonntag 24. Februar 2019, 13:04

Die abschließende Ansprache des Papstes aus der Sala Regia (übersetzt von kath.net):
Liebe Brüder und Schwestern,

mein Dank gilt dem Herrn, der uns in diesen Tagen begleitet hat, und euch allen möchte ich für den kirchlichen Geist und den Einsatz, den ihr mit so viel Großherzigkeit geleistet habt, danken.

Unsere Arbeit hat uns dazu geführt, einmal mehr anzuerkennen, dass das schwere Übel des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen leider in allen Kulturen und Gesellschaften ein geschichtlich verbreitetes Phänomen ist. Dieser Missbrauch ist erst in relativ jüngerer Zeit Gegenstand systematischer Studien geworden und dies dank eines Bewusstseinswandels der öffentlichen Meinung über ein Thema, das in der Vergangenheit tabu war, das heißt, dass alle von seiner Existenz wussten, aber keiner darüber sprach. Das bringt mir auch eine grausame religiöse Praxis in Erinnerung, die in der Vergangenheit in einigen Kulturen verbreitet war, nämlich Menschen – oft Kinder – bei heidnischen Ritualen zu opfern. Allerdings legen die verfügbaren Statistiken über den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen, die von verschiedenen nationalen und internationalen Organisationen und Organismen (Weltgesundheitsorganisation WHO, UNICEF, Interpol, Europol u.a.) erstellt wurden, bis heute nicht das wahre Ausmaß des Phänomens offen. Es wird häufig unterschätzt, vor allem weil viele Fälle des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen nicht angezeigt werden, insbesondere die im familiären Bereich begangenen.

Selten vertrauen sich die Opfer wirklich jemanden an und suchen Hilfe. Hinter diesem Widerstreben mag Scham, Verwirrung, Furcht vor Vergeltung, Schuldgefühl, Misstrauen gegenüber den Institutionen, kulturelle oder soziale Konditionierung, aber auch Unkenntnis über die Dienste und Strukturen, die helfen können, stehen. Die Beklemmung führt leider zur Verbitterung oder sogar zum Selbstmord oder gelegentlich zur Revanche, bei der das Opfer selbst zum Täter wird. Das einzige gesicherte Faktum ist, dass Millionen Kinder auf der Welt Opfer von Ausbeutung und sexuellem Missbrauch sind.

Es wäre wichtig, die allgemeinen Daten – die meines Erachtens immer nur einen Teil wiedergeben – auf globalem Niveau, dann auf europäischem, asiatischem, amerikanischem, afrikanischem und ozeanischem Niveau wiederzugeben, um ein Bild der Schwere und der Tiefe dieses Übels in unseren Gesellschaften zu zeigen. Um unnötige Diskussionen zu vermeiden, möchte ich zunächst unterstreichen, dass die Erwähnung bestimmter Länder den einzigen Zweck hat, statistische Daten aus den genannten Berichten zitieren zu können.

Die erste Evidenz, die sich aus den verfügbaren Daten ergibt: wer Missbrauch begeht, das heißt Gewalt (körperlich, sexuell oder psychisch) anwendet, sind vor allem Eltern, Verwandte, die Partner von Kinderbräuten, Trainer und Erzieher. Ferner haben sich, wie UNICEF-Daten aus dem Jahr 2017 bezogen auf 28 Länder zeigen, neun von zehn Mädchen, die erzwungenen Geschlechtsverkehr hatten, als Opfer eines Bekannten oder einer mit der Familie verbundenen Person bezeichnet.

Entsprechend der offiziellen Zahlen der US-amerikanischen Regierung werden in den Vereinigten Staaten jedes Jahr mehr als 700.000 Kinder Opfer von Gewalt und Misshandlung. Nach dem International Center For Missing and Exploited Children (ICMEC) wird jedes zehnte Kind sexuell missbraucht. In Europa sind 18 Millionen Kinder Opfer von sexuellem Missbrauch.

Wenn wir das Beispiel Italiens nehmen, ergibt der Bericht des „Blauen Telefons“ [Telefono Azzurro] aus dem Jahr 2016, dass 68,9% der Missbräuche innerhalb der eigenen vier Wände des Minderjährigen stattfinden. Schauplatz der Übergriffe ist nicht nur der häusliche Bereich, sondern auch das Umfeld des Stadtviertels, der Schule, des Sports und leider auch der Kirche.

Aus den Untersuchungen der letzten Jahre über das Phänomen des sexuellen Missbrauchs ergibt sich ebenso, dass die Entwicklung des Internets und der Kommunikationsmittel zu einer beträchtlichen Zunahme der Fälle von Missbrauch und von online verübter Gewalt geführt haben. Die Verbreitung der Pornografie weitet sich über das Netz rapide in der Welt aus. Das Übel der Pornografie hat erschreckende Dimensionen angenommen mit verheerenden Folgen für die Psyche und für die Beziehungen zwischen Mann und Frau sowie zwischen ihnen und den Kindern. Es handelt sich um ein stets wachsendes Phänomen. Ein sehr beträchtlicher Teil der pornografischen Produktion hat trauriger Weise Minderjährige zum Gegenstand, die auf diese Weise in ihrer Würde schwer verletzt werden. Die Studien in diesem Bereich dokumentieren, dass dies auf immer entsetzlichere und grausamere Weise geschieht. Es kommt sogar zu Missbrauchshandlungen an Minderjährigen, die live im Netz bestellt und verfolgt werden.

Ich erinnere hier an den internationalen Kongress, der in Rom über das Thema der Würde des Kindes in der digitalen Welt abgehalten wurde; wie auch an das erste Forum der interreligiösen Allianz für sicherere Gemeinschaften, das zum gleichen Thema im vergangenen November in Abu Dhabi stattgefunden hat.

Ein weiteres Übel ist der Sextourismus: Gemäß den Daten von 2017 der Weltorganisation für Tourismus begeben sich jedes Jahr drei Millionen Personen auf Reisen, um mit einer minderjährigen Person sexuelle Beziehungen zu haben. Bedeutsam ist der Umstand, dass die Urheber dieser Verbrechen in den meisten Fällen nicht anerkennen, dass das, was sie begehen, eine Straftat ist.

Wir sind also vor einem allgemeinen und übergreifenden Problem, das man leider fast überall antrifft. Wir müssen uns darüber im Klaren sein: Die weltweite Verbreitung dieses Übels bestätigt, wie schwerwiegend es für unsere Gesellschaften ist, schmälert aber nicht seine Abscheulichkeit innerhalb der Kirche.

Die Unmenschlichkeit dieses Phänomens auf weltweiter Ebene wird in der Kirche noch schwerwiegender und skandalöser, weil es im Gegensatz zu ihrer moralischen Autorität und ihrer ethischen Glaubwürdigkeit steht. Die gottgeweihte Person, die von Gott auserwählt wurde, um die Seelen zum Heil zu führen, lässt sich von ihrer menschlichen Schwäche oder ihrer Krankheit versklaven und wird so zu einem Werkzeug Satans. In den Missbräuchen sehen wir die Hand des Bösen, das nicht einmal die Unschuld der Kinder verschont. Es gibt keine ausreichenden Erklärungen für diese Missbräuche gegenüber Kindern. Demütig und beherzt müssen wir anerkennen, dass wir vor dem Geheimnis des Bösen stehen, das gegen die Schwächsten erbost ist, weil sie Bild Jesu sind. Deshalb ist in der Kirche das Pflichtbewusstsein gewachsen, nicht nur danach zu streben, den höchst schwerwiegenden Missbräuchen durch Disziplinarmaßnahmen und zivile und kanonische Prozesse Einhalt zu gebieten, sondern auch sich dem Phänomen mit Entschlossenheit sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche zu stellen. Sie fühlt sich gerufen, dieses Übel zu bekämpfen, das das Herzstück ihrer Mission berührt: das Evangelium den Kleinen zu verkünden und sie vor den reißenden Wölfen zu schützen.

Ich möchte an dieser Stelle klar betonen: Wenn in der Kirche auch nur ein Missbrauchsfall ausfindig gemacht worden wäre – was an sich schon eine Abscheulichkeit darstellt, – so würde dieser Fall mit der größten Ernsthaftigkeit angegangen. In der Tat erblickt die Kirche in der gerechtfertigten Wut der Menschen den Widerschein des Zornes Gottes, der von diesen schändlichen Gottgeweihten verraten und geohrfeigt wurde. Das Echo des stillen Schreis der Kleinen, die in ihnen statt Vätern oder geistlichen Führern Menschenschinder gefunden haben, wird die durch Scheinheiligkeit und Macht betäubten Herzen erzittern lassen. Wir haben die Pflicht, diesem erstickten stillen Schrei aufmerksam zuzuhören.

Es ist also schwer, das Phänomen der sexuellen Missbräuche an Minderjährigen zu begreifen, ohne die Macht in die Überlegungen einzubeziehen: Denn diese sind immer die Folge von Machtmissbrauch, der Ausbeutung der schwächeren Position der wehrlosen missbrauchten Person, welche die Manipulierung ihres Gewissens und ihrer psychischen und körperlichen Schwachheit ermöglicht. Der Machtmissbrauch ist auch in den anderen Formen des Missbrauchs gegenwärtig, denen fast 85 Millionen Kinder zum Opfer fallen, die von allen vergessen werden: die Kindersoldaten, die minderjährigen Prostituierten, die unterernährten Kinder, die entführten Kinder, die oftmals Opfer des abscheulichen Handels mit menschlichen Organen werden oder zu Sklaven gemacht werden; die Kinder, die Opfer des Krieges sind; die Flüchtlingskinder, die abgetriebenen Kinder und so weiter.

Angesichts so viel Grausamkeit, so vieler götzendienerischer Opfer von Kindern an den Götzen Macht, Geld, Stolz, Hochmut sind die bloß empirischen Erklärungen nicht ausreichend; diese sind nicht im Stande, die Weite und die Tiefe dieses Dramas deutlich zu machen. Noch einmal zeigt die positivistische Hermeneutik ihre Grenzen. Sie gibt uns eine echte Erklärung, die uns helfen wird, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, aber sie ist nicht im Stande, uns eine Bedeutung zu vermitteln. Und wir benötigen heute Erklärungen und Bedeutungen. Die Erklärungen werden uns sehr im Bereich des Handelns helfen, aber sie lassen uns auf halber Strecke stehen bleiben.

Welches wäre also die existentielle „Bedeutung“ dieser kriminellen Erscheinung? Unter Berücksichtigung ihrer menschlichen Weite und Tiefe ist sie nichts anderes als der gegenwärtige Ausdruck des Geistes des Bösen. Wenn wir uns diese Dimension nicht vergegenwärtigen, werden wir der Wahrheit fern und ohne wahre Lösungen bleiben.

Brüder und Schwestern, heute stehen wir vor einer unverschämten, aggressiven und zerstörerischen Offenbarwerdung des Bösen. Dahinter und darin steckt dieser Geist des Bösen, der sich in seinem Stolz und seinem Hochmut als der Herr der Welt wähnt und denkt, gesiegt zu haben. Und dies möchte ich euch mit der Autorität eines Bruders und Vaters sagen, der freilich gering, aber der Hirte der Kirche ist, der er in der Liebe vorsteht: In diesen schmerzlichen Fällen sehe ich die Hand des Bösen, die nicht einmal die Unschuld der Kleinen verschont. Und dies bringt mich dazu, an das Beispiel von Herodes zu denken, der getrieben von der Angst, seine Macht zu verlieren, den Befehl gab, alle Kinder von Bethlehem hinzuschlachten.

Und so wie wir alle praktischen Maßnahmen ergreifen müssen, die der gesunde Menschenverstand, die Wissenschaften und die Gesellschaft uns bieten, so dürfen wir diese Wirklichkeit nicht aus dem Blick verlieren und müssen die geistlichen Maßnahmen treffen, die der Herr selbst uns lehrt: Demütigung, Selbstanklage, Gebet, Buße. Das ist die einzige Weise, um den Geist des Bösen zu besiegen. So hat ihn Jesus besiegt.

Das Ziel der Kirche wird also sein, den missbrauchten, ausgebeuteten und vergessenen Minderjährigen, wo auch immer sie sich befinden, zuzuhören, sie zu bewahren, zu schützen und zu betreuen. Damit die Kirche dieses Ziel erreichen kann, muss sie sich über alle ideologischen Polemiken und die journalistischen Kalküle erheben, die oftmals die von den Kleinen durchlebten Dramen aus verschiedenen Interessen instrumentalisieren.

Es ist daher die Stunde gekommen zusammenzuarbeiten, um diese Brutalität aus dem Leib unserer Menschheit herauszureißen, indem wir alle notwendigen Maßnahmen anwenden, die auf internationaler und kirchlicher Ebene schon in Kraft sind. Es ist die Stunde gekommen, das richtige Gleichgewicht aller Werte zu finden, die auf dem Spiel stehen, und einheitliche Richtlinien für die Kirche zu geben, wobei die zwei Extreme eines Gerechtigkeitswahns, der von den Schuldgefühlen aufgrund der vergangenen Fehler und dem Druck der medialen Welt hervorgerufen wird, und der Selbstrechtfertigung, die die Gründe und die Folgen dieser schwerwiegenden Straftaten nicht aufarbeitet, zu vermeiden sind.

In diesem Zusammenhang möchte ich „Best Practices“ erwähnen, die unter der Leitung der Weltgesundheitsorganisation von einer Gruppe von zehn internationalen Agenturen formuliert wurden, die ein Maßnahmenpaket namens INSPIRE entwickelt und verabschiedet haben, also sieben Strategien, um der Gewalt gegen Kinder ein Ende zu setzen.

Wenn sich die Kirche auf ihrem gesetzgeberischen Weg dieser Leitlinien bedient – auch dank der Arbeit, die in den vergangenen Jahren von der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen geleistet worden ist, und dank des Beitrags unseres jetzigen Treffens –, wird sie sich auf folgenden Dimensionen konzentrieren:

1. Kinderschutz: Das Hauptziel jeder Maßnahme besteht darin, Kinder zu schützen und zu verhindern, dass sie Opfer psychischer und physischer Gewalt gleich welcher Art werden. Daher ist ein Mentalitätswechsel erforderlich, um die Abwehrhaltung zum Schutz der Institution zu bekämpfen und so eine aufrichtige und entschlossene Suche nach dem Wohl der Gemeinschaft zu fördern. Hierbei ist den Opfern von Missbrauch in jeder Hinsicht Vorrang einzuräumen. Die unschuldigen Gesichter der Kleinen müssen uns immer vor Augen stehen und an die Worte des Meisters erinnern: »Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde. Wehe der Welt wegen der Ärgernisse! Es muss zwar Ärgernisse geben; doch wehe dem Menschen, durch den das Ärgernis kommt!« (Mt 18,6-7).

2. Absolute Ernsthaftigkeit: Ich möchte hier wiederholen, dass »die Kirche keine Mühen scheuen wird, alles Notwendige zu tun, um jeden, der solche Verbrechen begangen hat, der Justiz zu unterstellen. Die Kirche wird nie versuchen, einen Fall zu vertuschen oder unterzubewerten« (Ansprache an die Römische Kurie, 21. Dezember 2018). Sie ist überzeugt: »Die Sünden und Verbrechen gottgeweihter Personen erhalten eine noch dunklere Färbung von Untreue und Schande und entstellen das Antlitz der Kirche, indem sie ihrer Glaubwürdigkeit schaden. Tatsächlich ist die Kirche zusammen mit ihren treuen Söhnen und Töchtern auch ein Opfer dieser Untreue und dieser im wahrsten Sinne des Wortes „Verbrechen der Veruntreuung« (ebd.).

3. Wirkliche Reinigung: Trotz der getroffenen Maßnahmen und der erzielten Fortschritte bei der Verhinderung von Missbrauch ist ein wiederholte und ständiges Bemühen um die Heiligkeit der Hirten nötig, deren Gleichgestaltung mit Christus, dem guten Hirten, ein Recht des Gottesvolkes ist. Die Kirche bekräftigt daher den festen Willen, »den Weg der Reinigung mit all ihrer Kraft fortzusetzen. Die Kirche wird sich, auch unter Hinzuziehung von Experten, darüber beraten, wie die Kinder zu schützen sind; wie solche Katastrophen vermieden werden können, auf welche Weise man sich der Opfer annehmen und sie reintegrieren kann; wie man die Ausbildung in den Seminaren verbessert.

Man wird versuchen, die begangenen Fehler in Chancen zu verwandeln, um dieses Übel nicht nur aus dem Leib der Kirche, sondern auch aus dem der Gesellschaft zu beseitigen« (ebd.). Die heilige Gottesfurcht bringt uns dazu, uns selbst – als einzelne Person und als Institution – anzuklagen und unsere Fehler wiedergutzumachen.

Sich selbst anklagen: das ist ein weiser, weisheitlicher Anfang, der mit der heiligen Gottesfurcht verbunden ist. Lernen, sich selbst anzuklagen, als einzelne Person, als Institutionen, als Gesellschaft. Wir dürfen nämlich nicht der Versuchung unterliegen, andere zu beschuldigen, was ein Schritt in Richtung eines Alibis wäre, das sich der Realität verweigert.

4. Ausbildung: Das heißt, die erforderliche Auswahl und Ausbildung der Priesteramtskandidaten nicht nur nach negativen Kriterien durchführen, die in erster Linie darauf abzielen, problematische Persönlichkeiten auszuschließen, sondern auch nach positiven Maßstäben: Den geeigneten Kandidaten muss ein ausgewogener Ausbildungsweg geboten werden, der auf Heiligkeit ausgerichtet ist und die Tugend der Keuschheit miteinschließt.

In der Enzyklika Sacerdotalis caelibatus schrieb der heilige Paul VI.: »Ein Leben, das einen so vollständigen und gefährdeten inneren und äußeren Einsatz fordert, wie das beim ehelosen Priester der Fall ist, schließt in der Tat Menschen mit einer unzureichenden psychisch-physischen und moralischen Ausgeglichenheit aus; und man darf nicht vorgeben, dass in diesen Dingen die Gnade die Natur ersetzen werde« (Nr. 64).

5. Die Leitlinien der Bischofskonferenzen verstärken und verifizieren: Das heißt, die erforderliche Einheit der Bischöfe bei der Anwendung der Parameter, die als Normen und nicht bloß als Orientierungen gelten müssen, neu bekräftigen. Kein Missbrauch darf jemals vertuscht (so wie es in der Vergangenheit üblich war) oder unterbewertet werden, da die Vertuschung von Missbrauch die Verbreitung des Übels begünstigt und zusätzlich eine weitere Stufe des Skandals darstellt. Im Besonderen muss ein neuer wirksamer Ansatz zur Prävention in allen Einrichtungen und Bereichen kirchlicher Tätigkeit entwickelt werden.

6. Missbrauchte Personen begleiten: Das Übel, das ihnen widerfahren ist, lässt in ihnen unheilbare Wunden zurück, die sich auch in Form von Hass und selbstzerstörerischen Tendenzen zeigen. Die Kirche hat daher die Pflicht, ihnen jede notwendige Hilfe zukommen zu lassen und dabei auf Fachleute auf diesem Gebiet zurückzugreifen. Zuhören und – gestattet mir den Ausdruck –, „Zeit verschwenden“ beim Zuhören. Das Zuhören schenkt dem Verwundeten Heilung, es heilt auch uns selbst vom Egoismus, von der Distanz, von der Einstellung „Das ist nicht meine Aufgabe“, von der Haltung des Priesters und des Leviten im Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

7. Digitale Welt: Der Schutz der Minderjährigen muss alle neuen Formen sexuellen Missbrauchs und Missbrauchs jeglicher Art berücksichtigen, die sie in ihren Lebensumfeldern und durch die von ihnen verwendeten neuen digitalen Instrumente bedrohen. Seminaristen, Priester, Ordensmänner und -frauen, in der Pastoral Tätige und alle Menschen müssen sich bewusst sein, dass die digitale Welt und die Anwendung ihrer Instrumente oft viel mehr damit zu tun hat, als man denkt.

Hier muss man die Länder und die Verantwortungsträger dazu ermutigen, alle notwendigen Maßnahmen zur Einschränkung von Webseiten anzuwenden, welche die Würde von Männern, Frauen und insbesondere von Minderjährigen gefährden: eine Straftat kann kein Recht auf Freiheit beanspruchen.

Wir müssen uns diesen Gräueln mit größter Entschiedenheit entgegenstellen, wachsam sein und dafür kämpfen, dass die Entwicklung der Kinder nicht dadurch gestört oder erschüttert wird, dass sie unkontrollierten Zugang zur Pornografie haben, die tiefe negative Spuren in ihrem Gedächtnis und in ihrer Seele hinterlässt. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass die jungen Menschen, besonders Seminaristen und Kleriker, nicht Sklaven von Abhängigkeiten werden, die auf der Ausbeutung und dem kriminellen Missbrauch unschuldiger Kinder und deren Bilder wie auch auf der Missachtung der Würde der Frau und der menschlichen Person beruhen.

Hierbei unterstreiche ich die neuen Normen über schwerwiegendere Straftaten [Normae de gravioribus delictis], die im Jahr 2010 von Papst Benedikt XVI. approbiert wurden. Darin wurde als Delikt der »neue Tatbestand des Erwerbes, der Aufbewahrung und der Verbreitung pornografischer Bilder von Minderjährigen« durch einen Kleriker »in jedweder Form und mit jedwedem Mittel« hinzugefügt. Damals war von Minderjährigen »unter 14 Jahren« die Rede. Jetzt denken wir, dass diese Altersgrenze angehoben werden muss, um den Schutz der Minderjährigen auszuweiten und um die Schwere dieser Taten zu bestätigen.

8. Sextourismus: Das Verhalten, der Blick, die Gedanken der Jünger und Diener Jesu müssen das Abbild Gottes in jedem Menschen, angefangen bei den ganz unschuldigen Geschöpfen, erkennen können. Nur aus dieser radikalen Achtung der Würde des Nächsten heraus können wir ihn vor der allgegenwärtigen Macht von Gewalt, Ausbeutung, Missbrauch und Korruption verteidigen und ihm auf glaubwürdige Weise helfen, menschlich und geistlich ganzheitlich zu wachsen in der Begegnung mit den Mitmenschen und mit Gott.

Bei der Bekämpfung von Sextourismus muss größerer rechtlicher Druck ausgeübt werden; es müssen aber auch den Opfern dieses verbrecherischen Phänomens Unterstützung und Projekte zur Wiedereingliederung angeboten werden. Die kirchlichen Gemeinschaften sind aufgerufen, die Seelsorge für die vom Sextourismus ausgebeuteten Menschen zu verstärken. Unter ihnen sind sicher Frauen, Minderjährige und Kinder jene, die am verwundbarsten sind und besondere Hilfe brauchen; letztere benötigen jedoch eigenen Schutz und spezielle Aufmerksamkeit.

Die staatlichen Behörden mögen dies vordringlich behandeln und dringend tätig werden, um den Handel von Kindern und ihre wirtschaftliche Ausbeutung zu bekämpfen. Zu diesem Zweck ist die Koordination der Bemühungen auf allen Ebenen der Gesellschaft sowie die enge Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wichtig, um einen rechtlichen Rahmen zu schaffen, der Kinder vor der sexuellen Ausbeutung im Tourismus schützt und es erlaubt, die die Täter auf dem Rechtsweg zu belangen.

Lasst mich allen Priestern und gottgeweihten Personen innigen Dank sagen, die dem Herrn vollkommen und treu dienen. Sie fühlen sich vom schändlichen Verhalten einiger ihrer Mitbrüder entehrt und in Misskredit gebracht. Alle – die Kirche, gottgeweihte Personen, das Volk Gottes und sogar Gott selbst – tragen wir die Folgen ihrer Untreue.

Im Namen der ganzen Kirche danke ich der überwältigenden Mehrheit der Priester, die nicht nur den Zölibat treu leben, sondern in einem Dienst aufgehen, der heute durch die Skandale einiger weniger (aber immer zu viele) ihrer Mitbrüder schwieriger geworden ist. Und Dank gilt auch den Gläubigen, die ihre tüchtigen Hirten sehr wohl kennen und weiter für sie beten und sie weiterhin unterstützen.

Schließlich möchte ich herausstellen, wie wichtig es ist, dieses Übel zu einer Chance der Reinigung werden zu lassen. Im Blick auf die Gestalt Edith Steins, der heiligen Teresa Benedicta vom Kreuz, sind wir gewiss: »Aus der dunkelsten Nacht treten die größten Propheten – Heiligengestalten hervor. Aber zum großen Teil bleibt der gestaltende Strom des mystischen Lebens unsichtbar. Sicherlich werden die entscheidenden Wendungen in der Weltgeschichte wesentlich mitbestimmt durch Seelen, von denen kein Geschichtsbuch etwas meldet. Und welchen Seelen wir die entscheidenden Wendungen in unserem persönlichen Leben verdanken, das werden wir auch erst an dem Tage erfahren, an dem alles Verborgene offenbar wird.«

In seinem täglichen Schweigen macht das heilige gläubige Volk Gottes auf vielerlei Art und Weise weiter sichtbar und beweist es mit „sturer“ Hoffnung, dass der Herr es nicht verlässt, dass der Herr die ständige und in vielen Situationen leidende Hingabe seiner Kinder unterstützt.

Das heilige und geduldige gläubige Volk Gottes, das der Heilige Geist trägt und lebendig macht, ist das beste Antlitz der prophetischen Kirche, die es versteht, beim täglichen Einsatz ihren Herrn in die Mitte zu stellen. Eben dieses heilige Volk Gottes wird uns vom Übel des Klerikalismus befreien, der den fruchtbaren Boden für all diese Greuel bildet.

Das beste Ergebnis und die wirksamste Resolution, die wir den Opfern, dem Volk der heiligen Mutter Kirche und der ganzen Welt bieten können, besteht im Bemühen um eine persönliche und gemeinschaftliche Bekehrung sowie in der Demut, zu lernen und den am meisten Verwundbaren zuzuhören, ihnen beizustehen und sie zu schützen.

Eindringlich appelliere ich an alle Verantwortungsträger und an die einzelnen Personen, in allen Bereichen gegen den Missbrauch von Minderjährigen zu kämpfen, im sexuellen wie in den anderen Bereichen, denn es handelt sich um abscheuliche Verbrechen, die auf dem Antlitz der Erde ausgemerzt werden müssen: darum bitten viele verborgene Opfer in den Familien und in verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft.

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Juergen » Sonntag 24. Februar 2019, 14:29

Lycobates hat geschrieben:
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Samstag 23. Februar 2019, 12:34

Bei uns hat man ein Küsterehepaar in die Präventionsschulung gezwungen.
Beide sind über 80 und in der Kapelle die sie betreuen, war seit 20 Jahren kein Ministrant mehr.
Um Himmelswillen.
Da ist der Hauptpatron wohl der heilige Bürokratius?
Für Ehrenamtliche gibt es meiner Meinung nach nur eine Konsequenz, wenn ihnen auferlegt wird solche Schulungen mitzumachen:
Man beendet sofort die ehrenamtliche Tätigkeit.

Bei diesen Regeln wird jeder Ehrenamtliche als potentieller Täter unter Generalverdacht gestellt. Das muß sich niemand gefallen lassen.
Gruß
Jürgen
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Petrus_Agellus
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus_Agellus » Sonntag 24. Februar 2019, 15:08

Petrus_Agellus hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 13:04
Die abschließende Ansprache des Papstes aus der Sala Regia (übersetzt von kath.net):
Liebe Brüder und Schwestern,

mein Dank gilt dem Herrn, der uns in diesen Tagen begleitet hat, und euch allen möchte ich für den kirchlichen Geist und den Einsatz, den ihr mit so viel Großherzigkeit geleistet habt, danken.

Unsere Arbeit hat uns dazu geführt, einmal mehr anzuerkennen, dass das schwere Übel des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen leider in allen Kulturen und Gesellschaften ein geschichtlich verbreitetes Phänomen ist. Dieser Missbrauch ist erst in relativ jüngerer Zeit Gegenstand systematischer Studien geworden und dies dank eines Bewusstseinswandels der öffentlichen Meinung über ein Thema, das in der Vergangenheit tabu war, das heißt, dass alle von seiner Existenz wussten, aber keiner darüber sprach. Das bringt mir auch eine grausame religiöse Praxis in Erinnerung, die in der Vergangenheit in einigen Kulturen verbreitet war, nämlich Menschen – oft Kinder – bei heidnischen Ritualen zu opfern. Allerdings legen die verfügbaren Statistiken über den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen, die von verschiedenen nationalen und internationalen Organisationen und Organismen (Weltgesundheitsorganisation WHO, UNICEF, Interpol, Europol u.a.) erstellt wurden, bis heute nicht das wahre Ausmaß des Phänomens offen. Es wird häufig unterschätzt, vor allem weil viele Fälle des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen nicht angezeigt werden, insbesondere die im familiären Bereich begangenen.

Selten vertrauen sich die Opfer wirklich jemanden an und suchen Hilfe. Hinter diesem Widerstreben mag Scham, Verwirrung, Furcht vor Vergeltung, Schuldgefühl, Misstrauen gegenüber den Institutionen, kulturelle oder soziale Konditionierung, aber auch Unkenntnis über die Dienste und Strukturen, die helfen können, stehen. Die Beklemmung führt leider zur Verbitterung oder sogar zum Selbstmord oder gelegentlich zur Revanche, bei der das Opfer selbst zum Täter wird. Das einzige gesicherte Faktum ist, dass Millionen Kinder auf der Welt Opfer von Ausbeutung und sexuellem Missbrauch sind.

Es wäre wichtig, die allgemeinen Daten – die meines Erachtens immer nur einen Teil wiedergeben – auf globalem Niveau, dann auf europäischem, asiatischem, amerikanischem, afrikanischem und ozeanischem Niveau wiederzugeben, um ein Bild der Schwere und der Tiefe dieses Übels in unseren Gesellschaften zu zeigen. Um unnötige Diskussionen zu vermeiden, möchte ich zunächst unterstreichen, dass die Erwähnung bestimmter Länder den einzigen Zweck hat, statistische Daten aus den genannten Berichten zitieren zu können.

Die erste Evidenz, die sich aus den verfügbaren Daten ergibt: wer Missbrauch begeht, das heißt Gewalt (körperlich, sexuell oder psychisch) anwendet, sind vor allem Eltern, Verwandte, die Partner von Kinderbräuten, Trainer und Erzieher. Ferner haben sich, wie UNICEF-Daten aus dem Jahr 2017 bezogen auf 28 Länder zeigen, neun von zehn Mädchen, die erzwungenen Geschlechtsverkehr hatten, als Opfer eines Bekannten oder einer mit der Familie verbundenen Person bezeichnet.

Entsprechend der offiziellen Zahlen der US-amerikanischen Regierung werden in den Vereinigten Staaten jedes Jahr mehr als 700.000 Kinder Opfer von Gewalt und Misshandlung. Nach dem International Center For Missing and Exploited Children (ICMEC) wird jedes zehnte Kind sexuell missbraucht. In Europa sind 18 Millionen Kinder Opfer von sexuellem Missbrauch.

Wenn wir das Beispiel Italiens nehmen, ergibt der Bericht des „Blauen Telefons“ [Telefono Azzurro] aus dem Jahr 2016, dass 68,9% der Missbräuche innerhalb der eigenen vier Wände des Minderjährigen stattfinden. Schauplatz der Übergriffe ist nicht nur der häusliche Bereich, sondern auch das Umfeld des Stadtviertels, der Schule, des Sports und leider auch der Kirche.

Aus den Untersuchungen der letzten Jahre über das Phänomen des sexuellen Missbrauchs ergibt sich ebenso, dass die Entwicklung des Internets und der Kommunikationsmittel zu einer beträchtlichen Zunahme der Fälle von Missbrauch und von online verübter Gewalt geführt haben. Die Verbreitung der Pornografie weitet sich über das Netz rapide in der Welt aus. Das Übel der Pornografie hat erschreckende Dimensionen angenommen mit verheerenden Folgen für die Psyche und für die Beziehungen zwischen Mann und Frau sowie zwischen ihnen und den Kindern. Es handelt sich um ein stets wachsendes Phänomen. Ein sehr beträchtlicher Teil der pornografischen Produktion hat trauriger Weise Minderjährige zum Gegenstand, die auf diese Weise in ihrer Würde schwer verletzt werden. Die Studien in diesem Bereich dokumentieren, dass dies auf immer entsetzlichere und grausamere Weise geschieht. Es kommt sogar zu Missbrauchshandlungen an Minderjährigen, die live im Netz bestellt und verfolgt werden.

Ich erinnere hier an den internationalen Kongress, der in Rom über das Thema der Würde des Kindes in der digitalen Welt abgehalten wurde; wie auch an das erste Forum der interreligiösen Allianz für sicherere Gemeinschaften, das zum gleichen Thema im vergangenen November in Abu Dhabi stattgefunden hat.

Ein weiteres Übel ist der Sextourismus: Gemäß den Daten von 2017 der Weltorganisation für Tourismus begeben sich jedes Jahr drei Millionen Personen auf Reisen, um mit einer minderjährigen Person sexuelle Beziehungen zu haben. Bedeutsam ist der Umstand, dass die Urheber dieser Verbrechen in den meisten Fällen nicht anerkennen, dass das, was sie begehen, eine Straftat ist.

Wir sind also vor einem allgemeinen und übergreifenden Problem, das man leider fast überall antrifft. Wir müssen uns darüber im Klaren sein: Die weltweite Verbreitung dieses Übels bestätigt, wie schwerwiegend es für unsere Gesellschaften ist, schmälert aber nicht seine Abscheulichkeit innerhalb der Kirche.

Die Unmenschlichkeit dieses Phänomens auf weltweiter Ebene wird in der Kirche noch schwerwiegender und skandalöser, weil es im Gegensatz zu ihrer moralischen Autorität und ihrer ethischen Glaubwürdigkeit steht. Die gottgeweihte Person, die von Gott auserwählt wurde, um die Seelen zum Heil zu führen, lässt sich von ihrer menschlichen Schwäche oder ihrer Krankheit versklaven und wird so zu einem Werkzeug Satans. In den Missbräuchen sehen wir die Hand des Bösen, das nicht einmal die Unschuld der Kinder verschont. Es gibt keine ausreichenden Erklärungen für diese Missbräuche gegenüber Kindern. Demütig und beherzt müssen wir anerkennen, dass wir vor dem Geheimnis des Bösen stehen, das gegen die Schwächsten erbost ist, weil sie Bild Jesu sind. Deshalb ist in der Kirche das Pflichtbewusstsein gewachsen, nicht nur danach zu streben, den höchst schwerwiegenden Missbräuchen durch Disziplinarmaßnahmen und zivile und kanonische Prozesse Einhalt zu gebieten, sondern auch sich dem Phänomen mit Entschlossenheit sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche zu stellen. Sie fühlt sich gerufen, dieses Übel zu bekämpfen, das das Herzstück ihrer Mission berührt: das Evangelium den Kleinen zu verkünden und sie vor den reißenden Wölfen zu schützen.

Ich möchte an dieser Stelle klar betonen: Wenn in der Kirche auch nur ein Missbrauchsfall ausfindig gemacht worden wäre – was an sich schon eine Abscheulichkeit darstellt, – so würde dieser Fall mit der größten Ernsthaftigkeit angegangen. In der Tat erblickt die Kirche in der gerechtfertigten Wut der Menschen den Widerschein des Zornes Gottes, der von diesen schändlichen Gottgeweihten verraten und geohrfeigt wurde. Das Echo des stillen Schreis der Kleinen, die in ihnen statt Vätern oder geistlichen Führern Menschenschinder gefunden haben, wird die durch Scheinheiligkeit und Macht betäubten Herzen erzittern lassen. Wir haben die Pflicht, diesem erstickten stillen Schrei aufmerksam zuzuhören.

Es ist also schwer, das Phänomen der sexuellen Missbräuche an Minderjährigen zu begreifen, ohne die Macht in die Überlegungen einzubeziehen: Denn diese sind immer die Folge von Machtmissbrauch, der Ausbeutung der schwächeren Position der wehrlosen missbrauchten Person, welche die Manipulierung ihres Gewissens und ihrer psychischen und körperlichen Schwachheit ermöglicht. Der Machtmissbrauch ist auch in den anderen Formen des Missbrauchs gegenwärtig, denen fast 85 Millionen Kinder zum Opfer fallen, die von allen vergessen werden: die Kindersoldaten, die minderjährigen Prostituierten, die unterernährten Kinder, die entführten Kinder, die oftmals Opfer des abscheulichen Handels mit menschlichen Organen werden oder zu Sklaven gemacht werden; die Kinder, die Opfer des Krieges sind; die Flüchtlingskinder, die abgetriebenen Kinder und so weiter.

Angesichts so viel Grausamkeit, so vieler götzendienerischer Opfer von Kindern an den Götzen Macht, Geld, Stolz, Hochmut sind die bloß empirischen Erklärungen nicht ausreichend; diese sind nicht im Stande, die Weite und die Tiefe dieses Dramas deutlich zu machen. Noch einmal zeigt die positivistische Hermeneutik ihre Grenzen. Sie gibt uns eine echte Erklärung, die uns helfen wird, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, aber sie ist nicht im Stande, uns eine Bedeutung zu vermitteln. Und wir benötigen heute Erklärungen und Bedeutungen. Die Erklärungen werden uns sehr im Bereich des Handelns helfen, aber sie lassen uns auf halber Strecke stehen bleiben.

Welches wäre also die existentielle „Bedeutung“ dieser kriminellen Erscheinung? Unter Berücksichtigung ihrer menschlichen Weite und Tiefe ist sie nichts anderes als der gegenwärtige Ausdruck des Geistes des Bösen. Wenn wir uns diese Dimension nicht vergegenwärtigen, werden wir der Wahrheit fern und ohne wahre Lösungen bleiben.

Brüder und Schwestern, heute stehen wir vor einer unverschämten, aggressiven und zerstörerischen Offenbarwerdung des Bösen. Dahinter und darin steckt dieser Geist des Bösen, der sich in seinem Stolz und seinem Hochmut als der Herr der Welt wähnt und denkt, gesiegt zu haben. Und dies möchte ich euch mit der Autorität eines Bruders und Vaters sagen, der freilich gering, aber der Hirte der Kirche ist, der er in der Liebe vorsteht: In diesen schmerzlichen Fällen sehe ich die Hand des Bösen, die nicht einmal die Unschuld der Kleinen verschont. Und dies bringt mich dazu, an das Beispiel von Herodes zu denken, der getrieben von der Angst, seine Macht zu verlieren, den Befehl gab, alle Kinder von Bethlehem hinzuschlachten.

Und so wie wir alle praktischen Maßnahmen ergreifen müssen, die der gesunde Menschenverstand, die Wissenschaften und die Gesellschaft uns bieten, so dürfen wir diese Wirklichkeit nicht aus dem Blick verlieren und müssen die geistlichen Maßnahmen treffen, die der Herr selbst uns lehrt: Demütigung, Selbstanklage, Gebet, Buße. Das ist die einzige Weise, um den Geist des Bösen zu besiegen. So hat ihn Jesus besiegt.

Das Ziel der Kirche wird also sein, den missbrauchten, ausgebeuteten und vergessenen Minderjährigen, wo auch immer sie sich befinden, zuzuhören, sie zu bewahren, zu schützen und zu betreuen. Damit die Kirche dieses Ziel erreichen kann, muss sie sich über alle ideologischen Polemiken und die journalistischen Kalküle erheben, die oftmals die von den Kleinen durchlebten Dramen aus verschiedenen Interessen instrumentalisieren.

Es ist daher die Stunde gekommen zusammenzuarbeiten, um diese Brutalität aus dem Leib unserer Menschheit herauszureißen, indem wir alle notwendigen Maßnahmen anwenden, die auf internationaler und kirchlicher Ebene schon in Kraft sind. Es ist die Stunde gekommen, das richtige Gleichgewicht aller Werte zu finden, die auf dem Spiel stehen, und einheitliche Richtlinien für die Kirche zu geben, wobei die zwei Extreme eines Gerechtigkeitswahns, der von den Schuldgefühlen aufgrund der vergangenen Fehler und dem Druck der medialen Welt hervorgerufen wird, und der Selbstrechtfertigung, die die Gründe und die Folgen dieser schwerwiegenden Straftaten nicht aufarbeitet, zu vermeiden sind.

In diesem Zusammenhang möchte ich „Best Practices“ erwähnen, die unter der Leitung der Weltgesundheitsorganisation von einer Gruppe von zehn internationalen Agenturen formuliert wurden, die ein Maßnahmenpaket namens INSPIRE entwickelt und verabschiedet haben, also sieben Strategien, um der Gewalt gegen Kinder ein Ende zu setzen.

Wenn sich die Kirche auf ihrem gesetzgeberischen Weg dieser Leitlinien bedient – auch dank der Arbeit, die in den vergangenen Jahren von der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen geleistet worden ist, und dank des Beitrags unseres jetzigen Treffens –, wird sie sich auf folgenden Dimensionen konzentrieren:

1. Kinderschutz: Das Hauptziel jeder Maßnahme besteht darin, Kinder zu schützen und zu verhindern, dass sie Opfer psychischer und physischer Gewalt gleich welcher Art werden. Daher ist ein Mentalitätswechsel erforderlich, um die Abwehrhaltung zum Schutz der Institution zu bekämpfen und so eine aufrichtige und entschlossene Suche nach dem Wohl der Gemeinschaft zu fördern. Hierbei ist den Opfern von Missbrauch in jeder Hinsicht Vorrang einzuräumen. Die unschuldigen Gesichter der Kleinen müssen uns immer vor Augen stehen und an die Worte des Meisters erinnern: »Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde. Wehe der Welt wegen der Ärgernisse! Es muss zwar Ärgernisse geben; doch wehe dem Menschen, durch den das Ärgernis kommt!« (Mt 18,6-7).

2. Absolute Ernsthaftigkeit: Ich möchte hier wiederholen, dass »die Kirche keine Mühen scheuen wird, alles Notwendige zu tun, um jeden, der solche Verbrechen begangen hat, der Justiz zu unterstellen. Die Kirche wird nie versuchen, einen Fall zu vertuschen oder unterzubewerten« (Ansprache an die Römische Kurie, 21. Dezember 2018). Sie ist überzeugt: »Die Sünden und Verbrechen gottgeweihter Personen erhalten eine noch dunklere Färbung von Untreue und Schande und entstellen das Antlitz der Kirche, indem sie ihrer Glaubwürdigkeit schaden. Tatsächlich ist die Kirche zusammen mit ihren treuen Söhnen und Töchtern auch ein Opfer dieser Untreue und dieser im wahrsten Sinne des Wortes „Verbrechen der Veruntreuung« (ebd.).

3. Wirkliche Reinigung: Trotz der getroffenen Maßnahmen und der erzielten Fortschritte bei der Verhinderung von Missbrauch ist ein wiederholte und ständiges Bemühen um die Heiligkeit der Hirten nötig, deren Gleichgestaltung mit Christus, dem guten Hirten, ein Recht des Gottesvolkes ist. Die Kirche bekräftigt daher den festen Willen, »den Weg der Reinigung mit all ihrer Kraft fortzusetzen. Die Kirche wird sich, auch unter Hinzuziehung von Experten, darüber beraten, wie die Kinder zu schützen sind; wie solche Katastrophen vermieden werden können, auf welche Weise man sich der Opfer annehmen und sie reintegrieren kann; wie man die Ausbildung in den Seminaren verbessert.

Man wird versuchen, die begangenen Fehler in Chancen zu verwandeln, um dieses Übel nicht nur aus dem Leib der Kirche, sondern auch aus dem der Gesellschaft zu beseitigen« (ebd.). Die heilige Gottesfurcht bringt uns dazu, uns selbst – als einzelne Person und als Institution – anzuklagen und unsere Fehler wiedergutzumachen.

Sich selbst anklagen: das ist ein weiser, weisheitlicher Anfang, der mit der heiligen Gottesfurcht verbunden ist. Lernen, sich selbst anzuklagen, als einzelne Person, als Institutionen, als Gesellschaft. Wir dürfen nämlich nicht der Versuchung unterliegen, andere zu beschuldigen, was ein Schritt in Richtung eines Alibis wäre, das sich der Realität verweigert.

4. Ausbildung: Das heißt, die erforderliche Auswahl und Ausbildung der Priesteramtskandidaten nicht nur nach negativen Kriterien durchführen, die in erster Linie darauf abzielen, problematische Persönlichkeiten auszuschließen, sondern auch nach positiven Maßstäben: Den geeigneten Kandidaten muss ein ausgewogener Ausbildungsweg geboten werden, der auf Heiligkeit ausgerichtet ist und die Tugend der Keuschheit miteinschließt.

In der Enzyklika Sacerdotalis caelibatus schrieb der heilige Paul VI.: »Ein Leben, das einen so vollständigen und gefährdeten inneren und äußeren Einsatz fordert, wie das beim ehelosen Priester der Fall ist, schließt in der Tat Menschen mit einer unzureichenden psychisch-physischen und moralischen Ausgeglichenheit aus; und man darf nicht vorgeben, dass in diesen Dingen die Gnade die Natur ersetzen werde« (Nr. 64).

5. Die Leitlinien der Bischofskonferenzen verstärken und verifizieren: Das heißt, die erforderliche Einheit der Bischöfe bei der Anwendung der Parameter, die als Normen und nicht bloß als Orientierungen gelten müssen, neu bekräftigen. Kein Missbrauch darf jemals vertuscht (so wie es in der Vergangenheit üblich war) oder unterbewertet werden, da die Vertuschung von Missbrauch die Verbreitung des Übels begünstigt und zusätzlich eine weitere Stufe des Skandals darstellt. Im Besonderen muss ein neuer wirksamer Ansatz zur Prävention in allen Einrichtungen und Bereichen kirchlicher Tätigkeit entwickelt werden.

6. Missbrauchte Personen begleiten: Das Übel, das ihnen widerfahren ist, lässt in ihnen unheilbare Wunden zurück, die sich auch in Form von Hass und selbstzerstörerischen Tendenzen zeigen. Die Kirche hat daher die Pflicht, ihnen jede notwendige Hilfe zukommen zu lassen und dabei auf Fachleute auf diesem Gebiet zurückzugreifen. Zuhören und – gestattet mir den Ausdruck –, „Zeit verschwenden“ beim Zuhören. Das Zuhören schenkt dem Verwundeten Heilung, es heilt auch uns selbst vom Egoismus, von der Distanz, von der Einstellung „Das ist nicht meine Aufgabe“, von der Haltung des Priesters und des Leviten im Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

7. Digitale Welt: Der Schutz der Minderjährigen muss alle neuen Formen sexuellen Missbrauchs und Missbrauchs jeglicher Art berücksichtigen, die sie in ihren Lebensumfeldern und durch die von ihnen verwendeten neuen digitalen Instrumente bedrohen. Seminaristen, Priester, Ordensmänner und -frauen, in der Pastoral Tätige und alle Menschen müssen sich bewusst sein, dass die digitale Welt und die Anwendung ihrer Instrumente oft viel mehr damit zu tun hat, als man denkt.

Hier muss man die Länder und die Verantwortungsträger dazu ermutigen, alle notwendigen Maßnahmen zur Einschränkung von Webseiten anzuwenden, welche die Würde von Männern, Frauen und insbesondere von Minderjährigen gefährden: eine Straftat kann kein Recht auf Freiheit beanspruchen.

Wir müssen uns diesen Gräueln mit größter Entschiedenheit entgegenstellen, wachsam sein und dafür kämpfen, dass die Entwicklung der Kinder nicht dadurch gestört oder erschüttert wird, dass sie unkontrollierten Zugang zur Pornografie haben, die tiefe negative Spuren in ihrem Gedächtnis und in ihrer Seele hinterlässt. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass die jungen Menschen, besonders Seminaristen und Kleriker, nicht Sklaven von Abhängigkeiten werden, die auf der Ausbeutung und dem kriminellen Missbrauch unschuldiger Kinder und deren Bilder wie auch auf der Missachtung der Würde der Frau und der menschlichen Person beruhen.

Hierbei unterstreiche ich die neuen Normen über schwerwiegendere Straftaten [Normae de gravioribus delictis], die im Jahr 2010 von Papst Benedikt XVI. approbiert wurden. Darin wurde als Delikt der »neue Tatbestand des Erwerbes, der Aufbewahrung und der Verbreitung pornografischer Bilder von Minderjährigen« durch einen Kleriker »in jedweder Form und mit jedwedem Mittel« hinzugefügt. Damals war von Minderjährigen »unter 14 Jahren« die Rede. Jetzt denken wir, dass diese Altersgrenze angehoben werden muss, um den Schutz der Minderjährigen auszuweiten und um die Schwere dieser Taten zu bestätigen.

8. Sextourismus: Das Verhalten, der Blick, die Gedanken der Jünger und Diener Jesu müssen das Abbild Gottes in jedem Menschen, angefangen bei den ganz unschuldigen Geschöpfen, erkennen können. Nur aus dieser radikalen Achtung der Würde des Nächsten heraus können wir ihn vor der allgegenwärtigen Macht von Gewalt, Ausbeutung, Missbrauch und Korruption verteidigen und ihm auf glaubwürdige Weise helfen, menschlich und geistlich ganzheitlich zu wachsen in der Begegnung mit den Mitmenschen und mit Gott.

Bei der Bekämpfung von Sextourismus muss größerer rechtlicher Druck ausgeübt werden; es müssen aber auch den Opfern dieses verbrecherischen Phänomens Unterstützung und Projekte zur Wiedereingliederung angeboten werden. Die kirchlichen Gemeinschaften sind aufgerufen, die Seelsorge für die vom Sextourismus ausgebeuteten Menschen zu verstärken. Unter ihnen sind sicher Frauen, Minderjährige und Kinder jene, die am verwundbarsten sind und besondere Hilfe brauchen; letztere benötigen jedoch eigenen Schutz und spezielle Aufmerksamkeit.

Die staatlichen Behörden mögen dies vordringlich behandeln und dringend tätig werden, um den Handel von Kindern und ihre wirtschaftliche Ausbeutung zu bekämpfen. Zu diesem Zweck ist die Koordination der Bemühungen auf allen Ebenen der Gesellschaft sowie die enge Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wichtig, um einen rechtlichen Rahmen zu schaffen, der Kinder vor der sexuellen Ausbeutung im Tourismus schützt und es erlaubt, die die Täter auf dem Rechtsweg zu belangen.

Lasst mich allen Priestern und gottgeweihten Personen innigen Dank sagen, die dem Herrn vollkommen und treu dienen. Sie fühlen sich vom schändlichen Verhalten einiger ihrer Mitbrüder entehrt und in Misskredit gebracht. Alle – die Kirche, gottgeweihte Personen, das Volk Gottes und sogar Gott selbst – tragen wir die Folgen ihrer Untreue.

Im Namen der ganzen Kirche danke ich der überwältigenden Mehrheit der Priester, die nicht nur den Zölibat treu leben, sondern in einem Dienst aufgehen, der heute durch die Skandale einiger weniger (aber immer zu viele) ihrer Mitbrüder schwieriger geworden ist. Und Dank gilt auch den Gläubigen, die ihre tüchtigen Hirten sehr wohl kennen und weiter für sie beten und sie weiterhin unterstützen.

Schließlich möchte ich herausstellen, wie wichtig es ist, dieses Übel zu einer Chance der Reinigung werden zu lassen. Im Blick auf die Gestalt Edith Steins, der heiligen Teresa Benedicta vom Kreuz, sind wir gewiss: »Aus der dunkelsten Nacht treten die größten Propheten – Heiligengestalten hervor. Aber zum großen Teil bleibt der gestaltende Strom des mystischen Lebens unsichtbar. Sicherlich werden die entscheidenden Wendungen in der Weltgeschichte wesentlich mitbestimmt durch Seelen, von denen kein Geschichtsbuch etwas meldet. Und welchen Seelen wir die entscheidenden Wendungen in unserem persönlichen Leben verdanken, das werden wir auch erst an dem Tage erfahren, an dem alles Verborgene offenbar wird.«

In seinem täglichen Schweigen macht das heilige gläubige Volk Gottes auf vielerlei Art und Weise weiter sichtbar und beweist es mit „sturer“ Hoffnung, dass der Herr es nicht verlässt, dass der Herr die ständige und in vielen Situationen leidende Hingabe seiner Kinder unterstützt.

Das heilige und geduldige gläubige Volk Gottes, das der Heilige Geist trägt und lebendig macht, ist das beste Antlitz der prophetischen Kirche, die es versteht, beim täglichen Einsatz ihren Herrn in die Mitte zu stellen. Eben dieses heilige Volk Gottes wird uns vom Übel des Klerikalismus befreien, der den fruchtbaren Boden für all diese Greuel bildet.

Das beste Ergebnis und die wirksamste Resolution, die wir den Opfern, dem Volk der heiligen Mutter Kirche und der ganzen Welt bieten können, besteht im Bemühen um eine persönliche und gemeinschaftliche Bekehrung sowie in der Demut, zu lernen und den am meisten Verwundbaren zuzuhören, ihnen beizustehen und sie zu schützen.

Eindringlich appelliere ich an alle Verantwortungsträger und an die einzelnen Personen, in allen Bereichen gegen den Missbrauch von Minderjährigen zu kämpfen, im sexuellen wie in den anderen Bereichen, denn es handelt sich um abscheuliche Verbrechen, die auf dem Antlitz der Erde ausgemerzt werden müssen: darum bitten viele verborgene Opfer in den Familien und in verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft.
Die Reaktionen sind verhalten bis katastrophal. Kirchenrechtler Schüller spricht vom "Ende des Pontifikats": https://www.katholisch.de/aktuelles/akt ... xtQWTNOW9w

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Libertas Ecclesiae
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Sonntag 24. Februar 2019, 15:14

Ein Kommentar von Victor Clemens Oldendorf:

Vom Mühlstein und dem Angesicht meines Vaters – Der Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche

Daraus:
Das eigentliche Problem scheint mir nicht ein Glaubwürdigkeitsverlust zu sein, sondern ein Verlust des Glaubens in der Kirche, vielleicht gar ein Verlust Gottes. Die religiöse Dimension fehlt völlig im Problembewusstsein, das man in ein paar Tagen Konferenz in Rom auf einen gemeinsamen Stand bringen wollte.
Wir sind auf Erden. Und doch ist uns, ist der Kirche, der Himmel entschwunden. Ich will nicht den drohenden Beigeschmack des: „Ein Auge ist, das alles sieht, auch wenn’s in dunkler Nacht geschieht“ hervorkramen, aber es liegt hier das Problem: Wir stehen nicht mehr unter Gottes Angesicht, nehmen Ihn nicht ernst und für voll. Das muss sich ändern, oder es wird sich nichts ändern, und dann ist es sogar gut, wenn eine solche Kirche in Staat und Gesellschaft keine Rolle mehr spielt.
„Die letzte Messe ist noch nicht gelesen.“
(Jelena Tschudinowa)

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Juergen
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Juergen » Sonntag 24. Februar 2019, 15:26

Petrus_Agellus hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 15:08
Die Reaktionen sind verhalten bis katastrophal. Kirchenrechtler Schüller spricht vom "Ende des Pontifikats": https://www.katholisch.de/aktuelles/akt ... ontifikats
Das einzige was unerträglich ist, ist die Tatsache, daß die Medien immer Herrn Schüller fragen, dieser immer etwas zu allem zu sagen hat und dann seine Auffassung als allgemeingültig hingestellt wird.
Gruß
Jürgen
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus » Sonntag 24. Februar 2019, 19:26

Im Fernsehen hat Kardinal Schönborn gegenüber der ehemaligen Nonne Doris Wagner behauptet, die Kirche verzichte im Falle von Gerichtsverfahren auf Verjährung. Dies ist unwahr, denn die Praxis der letzten Jahre zeigt: die Kirche hat in jedem einzelnen Fall Verjährung eingewendet, wenn ein Opfer sich an das Gericht wandte.
Quelle und ganzer Artikel: https://hpd.de/artikel/kirche-verhinder ... auch-16528

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Petrus_Agellus
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus_Agellus » Sonntag 24. Februar 2019, 20:03

Juergen hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 15:26
Petrus_Agellus hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 15:08
Die Reaktionen sind verhalten bis katastrophal. Kirchenrechtler Schüller spricht vom "Ende des Pontifikats": https://www.katholisch.de/aktuelles/akt ... ontifikats
Das einzige was unerträglich ist, ist die Tatsache, daß die Medien immer Herrn Schüller fragen, dieser immer etwas zu allem zu sagen hat und dann seine Auffassung als allgemeingültig hingestellt wird.
nun, die übrigen Medien (auch katholische), die ich bisher zu der Rede gelesen habe, sind aber auch nicht begeistert.

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Sonntag 24. Februar 2019, 22:01

Petrus_Agellus hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 20:03
Juergen hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 15:26
Petrus_Agellus hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 15:08
Die Reaktionen sind verhalten bis katastrophal. Kirchenrechtler Schüller spricht vom "Ende des Pontifikats": https://www.katholisch.de/aktuelles/akt ... ontifikats
Das einzige was unerträglich ist, ist die Tatsache, daß die Medien immer Herrn Schüller fragen, dieser immer etwas zu allem zu sagen hat und dann seine Auffassung als allgemeingültig hingestellt wird.
nun, die übrigen Medien (auch katholische), die ich bisher zu der Rede gelesen habe, sind aber auch nicht begeistert.
Begeistert sind die, die bisher vertuscht haben, Wasser gepredigt und Wein getrunken haben und sich nun im "Weiter so" bestärkt fühlen:

https://www.katholisch.de/aktuelles/akt ... v0Y0QDyKP0

"Wir brauchen im Moment auch die kleinen Schritte der Treue zu den täglichen Gebeten, zum Einhalten der Zehn Gebote und das Beibehalten und den Besuch der Sonntagsgottesdienste", fügte er hinzu.
Wenns denn nützt ist noch die Frage: Wem?
„Die Kirche will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (J.W. von Goethe)

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Hubertus » Sonntag 24. Februar 2019, 22:03

Vir Probatus hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 22:01
Petrus_Agellus hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 20:03
Juergen hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 15:26
Petrus_Agellus hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 15:08
Die Reaktionen sind verhalten bis katastrophal. Kirchenrechtler Schüller spricht vom "Ende des Pontifikats": https://www.katholisch.de/aktuelles/akt ... ontifikats
Das einzige was unerträglich ist, ist die Tatsache, daß die Medien immer Herrn Schüller fragen, dieser immer etwas zu allem zu sagen hat und dann seine Auffassung als allgemeingültig hingestellt wird.
nun, die übrigen Medien (auch katholische), die ich bisher zu der Rede gelesen habe, sind aber auch nicht begeistert.
Begeistert sind die, die bisher vertuscht haben, Wasser gepredigt und Wein getrunken haben und sich nun im "Weiter so" bestärkt fühlen:

https://www.katholisch.de/aktuelles/akt ... v0Y0QDyKP0

"Wir brauchen im Moment auch die kleinen Schritte der Treue zu den täglichen Gebeten, zum Einhalten der Zehn Gebote und das Beibehalten und den Besuch der Sonntagsgottesdienste", fügte er hinzu.
Wenns denn nützt ist noch die Frage: Wem?
Dem Seelenheil.
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Montag 25. Februar 2019, 05:15

Juergen hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 15:26
Petrus_Agellus hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 15:08
Die Reaktionen sind verhalten bis katastrophal. Kirchenrechtler Schüller spricht vom "Ende des Pontifikats": https://www.katholisch.de/aktuelles/akt ... ontifikats
Das einzige was unerträglich ist, ist die Tatsache, daß die Medien immer Herrn Schüller fragen, dieser immer etwas zu allem zu sagen hat und dann seine Auffassung als allgemeingültig hingestellt wird.
Herr Schüller war seinerzeit der Einzige, der den Limburger Selbstbedienungs-Mißbrauch als einen solchen benannt hat.
Heute ist diese Auffassung allgemein gültig.
(Von den üblichen reaktionären Hackstöcken, die sich ja auch hier tummeln mal abgesehen).
Der eine lebt sein Machtgefälle durch den sexuellen Übergriff aus, der nächste prügelt und quält, und der dritte braucht eine Luxuswohnung und First-Class Flüge.
Hauptsache es ist "Gefälle" da.
Aber im Grunde sind die Motive und die Ursachen doch alle gleich.
„Die Kirche will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (J.W. von Goethe)

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Montag 25. Februar 2019, 06:05

Frauen, die sexuell von Priestern missbraucht wurden, werden zum Schweigen gebracht.


http://www.sheconquers.one/women-who-we ... -silenced/
„Die Kirche will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (J.W. von Goethe)

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus » Montag 25. Februar 2019, 07:09

Das betrifft die Gemeinschaft vom Heiligen Johannes

Dazu gibt es eine ZDF-Reportage: Das Schweigen der Hirten.

https://m.youtube.com/watch?v=fPfAhznwbV0

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus » Dienstag 26. Februar 2019, 04:00

ich hatte mich schon gewundert, dass ab und zu von "Aktenvernichtung" die Rede war, und dachte mir: so was macht man doch nicht!

Nun habe ich mich schlau gemacht: (jährliche) Aktenvernichtung ist gemäß kirchlichem Recht Vorschrift.

Bittschön:

CIC can. 489, § 2.

"Jährlich sind die Akten der Strafsachen in
Sittlichkeitsverfahren, deren Angeklagte verstorben sind
oder die seit einem Jahrzehnt durch Verurteilung
abgeschlossen sind, zu vernichten; ein kurzer
Tatbestandsbericht mit dem Wortlaut des Endurteils ist
aufzubewahren."

Vir Probatus
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Dienstag 26. Februar 2019, 05:20

https://www.ardmediathek.de/ard/player/ ... /anne-will

Bei Anne Will wurde Tacheles geredet. Aber wie üblich wird das keine Folgen haben, man muss ich ja nur diesen Herrn Ackermann und seine Lobhudeleien auf sich und seinesgleichen anschauen.
„Die Kirche will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (J.W. von Goethe)

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Dienstag 26. Februar 2019, 06:08

CIC_Fan hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 15:07
Juergen hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 12:16
Wenn's hilft: https://www.wp.de/staedte/balve/pastora ... 77557.html
…Als anderes konkretes Beispiel nennt Elke Luig etwa die Gottesdienstvorbereitung der Messdiener in der Sakristei: „Wenn jemand an den Gewändern zupft, um diese zu richten, sei es der Küster oder jemand anders, dann gehen diese Berührungen nur mit Erlaubnis.“…
Die Erlaubnis muß vermutlich in jedem Einzelfall von den Eltern schriftlich mit 3-fachem Durchschalag eingeholt werden.

Jüngst sagte jemand sehr richtig zu mir: „Du glaubt doch nicht, daß ich noch irgendjemandem von den Meßdienern beim Anziehen der Gewänder helfe!“

Ich bin sowieso für erwachsene Meßdiener. Die Blagen wissen sich in vielen Gemeinden ja doch nicht mehr zu benehmen und sturcheln kreuz und quer durch den Altarraum, bar jeden Wissens, was sie da tun.
natürlich hat weder Priester noch Messner an einem Ministranten herum zu zupfen
Aber noch etwas anderes der Missbrauchsskandal schlägt grad in Polen ein wie eine Bombe sämtliche Bekannten meiner Putzfrau gehn nicht mehr zur Messe (früher gingen viele täglich ihre >Enkelkinder werden von den Eltern nicht mehr zum Religionsunterricht Ministrieren ect gelassen sie war heute fux teufels wild
In dem Pastoralverbund ist doch alles geregelt:

https://pv-balve-hoennetal.jimdo.com/ap ... 1550660159
„Die Kirche will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (J.W. von Goethe)

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von CIC_Fan » Dienstag 26. Februar 2019, 07:33

Ein Mitglied des nächsten Konklaves könnte ein verurteilter Kinderschändern sein
https://derstandard.at/2000098586073/Au ... gesprochen

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus_Agellus » Dienstag 26. Februar 2019, 12:18

Kardinal Pell ist nun offiziell verurteilt:

https://orf.at/stories/3112979/

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Niels
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Niels » Dienstag 26. Februar 2019, 12:26

Die Fälle, wegen derer er nun verurteilt wurde, reichen bis in die Jahre 1996/97 zurück. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er seinerzeit nach einem Sonntagsgottesdienst in der Sakristei der Kathedrale der australischen Stadt einen 13-jährigen Buben zum Oralsex zwang und einen anderen ebenfalls sexuell belästigte. Einige Monate später bedrängte er laut den Angaben eines der beiden Kinder erneut.
Absurd! Und alles unter Zeugen? In einer Kathedralsakristei ist man nie allein... In Soutane (und in Albe und Kasel?)? Völlig absurd.
Gehirn einschalten. :geistesblitz:
Nolite timere pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Niels » Dienstag 26. Februar 2019, 12:31

Wenn mich einer belästigt hätte, hätte ich ihm stante pede damit in sein gutes Stück getreten.
Nolite timere pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus » Dienstag 26. Februar 2019, 12:44

Niels hat geschrieben:
Dienstag 26. Februar 2019, 12:31
Wenn mich einer belästigt hätte, hätte ich ihm stante pede damit in sein gutes Stück getreten.
Mißbrauchstäter suchen sich ihre Opfer gezielt aus.

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Amigo » Dienstag 26. Februar 2019, 17:09

Niels hat geschrieben:
Dienstag 26. Februar 2019, 12:26
Die Fälle, wegen derer er nun verurteilt wurde, reichen bis in die Jahre 1996/97 zurück. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er seinerzeit nach einem Sonntagsgottesdienst in der Sakristei der Kathedrale der australischen Stadt einen 13-jährigen Buben zum Oralsex zwang und einen anderen ebenfalls sexuell belästigte. Einige Monate später bedrängte er laut den Angaben eines der beiden Kinder erneut.
Absurd! Und alles unter Zeugen? In einer Kathedralsakristei ist man nie allein... In Soutane (und in Albe und Kasel?)? Völlig absurd.
Gehirn einschalten. :geistesblitz:
Tatsächlich ist der Ausgang dieses Verfahrens bei Inbetrachtnahme aller öffentlich zugänglichen Fakten sowie der allgemeinen Stimmung in Australien bezüglich der katholischen Kirche durchaus hinterfragenswert.

Es gab bereits ein Verfahren gegen den gleichen Angeklagten zum gleichen Sachverhalt; damals wurde das Verfahren aufgrund mangelnder Einstimmigkeit der Jury abgebrochen und jetzt wiederholt. Man könnte also den Eindruck bekommen, dass die Justiz ein bestimmtes Ergebnis verfahrensmäßig erzwingen wollte.

Es gab mehrere andere Versuche bzw. laufende Verfahren wegen Mißbrauch gegen denselben Angeklagten; diese Verfahren wurden eingestellt oder jetzt nach der Verurteilung fallengelassen. Man könnte also eventuell den Eindruck bekommen, dass hier viele Angriffsversuche gestartet wurden, bis endlich einer erfolgreich ist.

Es gab dabei der Anklage zufolge zwei Betroffene; einer davon ist vor einigen Jahren gestorben, hat zuvor aber angeblich seiner Mutter anvertraut (siehe zB hier: https://www.theage.com.au/national/vict ... 50m86.html) , dass er nie von Kardinal Pell belästigt oder mißbraucht wurde. Man kann also jedenfalls festhalten, dass ein hochbrisantes Urteil auf der subjektiven Würdigung einer einzigen Zeugenaussage durch die Jury beruht (was freilich nicht gegen den Zeugen oder den Wahrheitsgehalt seiner Aussage spricht).

Details zum Fall sowohl aus Sicht der Anklage als auch der Verteidigung: https://www.theguardian.com/australia-n ... urtroom-43

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Dienstag 26. Februar 2019, 21:11

Juergen hat geschrieben:
Sonntag 24. Februar 2019, 14:29
Lycobates hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 12:54
Vir Probatus hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 12:34

Bei uns hat man ein Küsterehepaar in die Präventionsschulung gezwungen.
Beide sind über 80 und in der Kapelle die sie betreuen, war seit 20 Jahren kein Ministrant mehr.
Um Himmelswillen.
Da ist der Hauptpatron wohl der heilige Bürokratius?
Für Ehrenamtliche gibt es meiner Meinung nach nur eine Konsequenz, wenn ihnen auferlegt wird solche Schulungen mitzumachen:
Man beendet sofort die ehrenamtliche Tätigkeit.

Bei diesen Regeln wird jeder Ehrenamtliche als potentieller Täter unter Generalverdacht gestellt. Das muß sich niemand gefallen lassen.
Das sehe ich auch so.
Das 30 seitige Handbuch dieser Frau Luig aus Balve ist in dieser Beziehung schon eine Unverschämtheit.
Das ist wirklich nicht zumutbar, unter solchen Bedingungen noch freiwillig und aus Idealismus zu arbeiten.

Unser Deutschlehrer sagte immer: "Es gibt Idealisten und Idioten".
„Die Kirche will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (J.W. von Goethe)

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus » Dienstag 26. Februar 2019, 22:16

Vir Probatus hat geschrieben:
Dienstag 26. Februar 2019, 21:11
Das sehe ich auch so.
Das 30 seitige Handbuch dieser Frau Luig aus Balve ist in dieser Beziehung schon eine Unverschämtheit.
Das ist wirklich nicht zumutbar, unter solchen Bedingungen noch freiwillig und aus Idealismus zu arbeiten.
Außerdem hat ja unser Papst gesagt, in diesem Zusammenhang, dass sowas überall vorkommen kann, auch in Sport-Vereinen, und in Familien sogar, in seiner großen Abschluß-Rede.

Dazu fällt mir eigentlich nur noch fränkisches Lied-Gut ein.

oh, Maria, hilf.

https://www.youtube.com/watch?v=VnmRHHKi_7A

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Niels » Mittwoch 27. Februar 2019, 10:10

Nolite timere pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Mittwoch 27. Februar 2019, 13:05

Niels hat geschrieben:
Mittwoch 27. Februar 2019, 10:10
Absurdistan, neuer Akt: https://www.wp.de/staedte/meschede-und- ... 33943.html
:vogel:
Am Besten ist es doch, ein Führungszeugnis von jedem Gottesdienstbesucher zu fordern:
Wer will denn wissen, ob ich nicht meinen Banknachbarn beim Friedensgruss missbrauchen will.
Ein erweitertes Führungszeugnis garantiert mindestens dafür, daß ich das noch nie gemacht habe.
„Die Kirche will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (J.W. von Goethe)

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Mittwoch 27. Februar 2019, 20:36

Vir Probatus hat geschrieben:
Dienstag 26. Februar 2019, 06:08
CIC_Fan hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 15:07
Juergen hat geschrieben:
Samstag 23. Februar 2019, 12:16
Wenn's hilft: https://www.wp.de/staedte/balve/pastora ... 77557.html
…Als anderes konkretes Beispiel nennt Elke Luig etwa die Gottesdienstvorbereitung der Messdiener in der Sakristei: „Wenn jemand an den Gewändern zupft, um diese zu richten, sei es der Küster oder jemand anders, dann gehen diese Berührungen nur mit Erlaubnis.“…
Die Erlaubnis muß vermutlich in jedem Einzelfall von den Eltern schriftlich mit 3-fachem Durchschalag eingeholt werden.

Jüngst sagte jemand sehr richtig zu mir: „Du glaubt doch nicht, daß ich noch irgendjemandem von den Meßdienern beim Anziehen der Gewänder helfe!“

Ich bin sowieso für erwachsene Meßdiener. Die Blagen wissen sich in vielen Gemeinden ja doch nicht mehr zu benehmen und sturcheln kreuz und quer durch den Altarraum, bar jeden Wissens, was sie da tun.
natürlich hat weder Priester noch Messner an einem Ministranten herum zu zupfen
Aber noch etwas anderes der Missbrauchsskandal schlägt grad in Polen ein wie eine Bombe sämtliche Bekannten meiner Putzfrau gehn nicht mehr zur Messe (früher gingen viele täglich ihre >Enkelkinder werden von den Eltern nicht mehr zum Religionsunterricht Ministrieren ect gelassen sie war heute fux teufels wild
In dem Pastoralverbund ist doch alles geregelt:

https://pv-balve-hoennetal.jimdo.com/ap ... 1550660159
Aus dem Handbuch zur Prävention der Frau Luig, Im PV Balve-Hönnetal, Seite 18:

6.2 Dokumentationsbogen zum Kopieren bei einer Vermutung

Dokumentation Vermutung

Gruppenname: _____________________

Wer hat etwas beobachtet? (Name/n der Verantwortlichen/Gruppenleiter)

Um welchen Schutzbedürftigen geht es? Alter? (Vertraulich mit Daten umgehen!)

Was wurde konkret beobachtet?

Was genau erschien seltsam, beunruhigend, verdächtig? (Fakten – keine eigenen Wertungen oder Mutmaßungen) Wann? (Datum, Uhrzeit)

Wer war dabei, wer hat etwas mitbekommen? Wer war involviert?

Mit wem wurde bisher darüber gesprochen?

Mögliches Vorwissen

Welche Schritte / Absprachen sind geplant bzw. getroffen worden?

Anmerkungen


Da kann das Ministerium für Staatssicherheit noch dazu lernen.
Wie man unter solchen Umständen noch aus Idealismus etwas tun soll, ist mir schleierhaft.
Wie man ein Kind unter solchen Gesichtspunkten in die Hand der Kirche geben kann, auch.
„Die Kirche will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (J.W. von Goethe)

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