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Hostienherstellung

Verfasst: Sonntag 2. Dezember 2007, 21:38
von Ecce Homo
Der Speigel: Ein Cent für den Leib Christi

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Von Peter Wensierski 

Knallharter Wettbewerb im Geschäft mit dem Leib Christi: Die industrielle Hostien-Herstellung boomt, traditionelle Manufakturen müssen schließen. Die Zukunft gehört dem vollelektronischen Backautomaten.

Berlin - Wenn Schwester Gertraud den flüssigen Teig aus Mehl und Wasser zwischen den 140 Grad heißen Backplatten zusammendrückt, wird die andächtige Stille in der Dresdener Diakonissen-Backstube jäh übertönt. Dann zischt der künftige Leib Christi ohrenbetäubend auf und es dampft heftig. Schnell schabt die 76-Jährige mit geübtem Griff den überschüssigen Oblatenteig ab, und nach zwei, drei Minuten hebt sie eine runde Platte mit 64 Hostienfeldern heraus. Die eine Hälfte ziert das eingeprägte Kruzifix, die andere das Lamm Gottes

Geweiht sind die Platten in dieser Phase der Produktion noch nicht. Sie kommen erst mal über Nacht in einen speziellen Feuchtraum - bei elektronisch geregelten 70 Prozent Luftfeuchtigkeit. So brechen oder bröseln die Platten nicht, wenn anderntags jede einzelne Oblate von Hand herausgestanzt wird. Zum Schluss passieren sie noch eine strenge Qualitätskontrolle durch Schwester Christine, die Leiterin der Hostienbäckerei.

"Eigentlich", sagt Schwester Christine, "ist jetzt vor den Weihnachtsfeiertagen Hochsaison in der Hostienbäckerei." Doch ihr Jahresabsatz liegt nur noch bei einer Million Hostien. Seit 1866 werden die schneeweißen Premium-Hostien handgefertigt, heute kann man für 500 Stück gerade noch 20 Euro verlangen. Das ist weit unter den tatsächlichen Herstellungskosten.

Die Konkurrenz produziert den Leib Christi oft billiger, der Wettbewerb hat selbst diese kirchliche Nische erreicht. Während die Kundenzahl kontinuierlich schrumpft, drängen Billiganbieter auf den Markt. Vor allem die schmucklosen bräunlichen Brothostien überschwemmen den Markt, hergestellt in hocheffizienten Hostienbackautomaten, an denen nur eine Arbeitskraft erforderlich ist. 1000 Oblaten kosten hier nur acht Euro - pro Stück weniger als ein Cent.

Discount-Produkt per Internet aus den Niederlanden 

Nicht nur der Preisvorteil dieser Oblaten ist bestechend. Durch den Zusatz von Melasse, so das Geheimnis, bleibt der Herr nicht so leicht am Gaumen kleben. Besonders populär sind diese Hostien bei den Pfarrern, die überwiegend ältere Kirchenbesucher und Gebissträger betreuen. Manche Geistliche bestellen das Discount-Produkt nach kurzem Preisvergleich einfach per Internet in den Niedelanden.

Wie lange sich die traditionsreichen Dresdener Schwestern angesichts derartiger Konkurrenz noch halten können, weiß Gott allein. Dabei produzieren sie schon längst zum Selbstkostenpreis: fast alle arbeiten umsonst als Ehrenamtliche. Die Dresdener beliefern ostdeutsche evangelische Gemeinden vom Erzgebirge bis zur Ostsee, jedoch keine Privatpersonen, um Missbrauch - etwa durch Satanisten - auszuschließen. Dabei wird erst mit der Wandlung im Gottesdienst aus den ein bis drei Millimeter starken Hostien etwas Geweihtes, für die Katholiken sogar wirklich ein Stück Jesus.

Das fromme Geschäft ist vom Niedergang gezeichnet. 1951 haben die Dresdener 3,8 Millionen Hostien hergestellt und 2916 Gemeinden beliefert. Jetzt beliefern sie nur noch 1000 Gemeinden mit einer Million Hostien. Im Westen und bei den Katholiken sieht es kaum besser aus.

Bundesweit existieren noch 30 bis 40 Betriebe 

Die Krise der Hostienbäckereien spiegelt den allgemeinen Niedergang des Gottesdienstbesuches in ganz Deutschland wider. Nordrhein-Westfalen, wo derzeit 100 Kirchen aufgegeben werden, betreibt eine strenge Ordensgemeinschaft von Karmelitinnen in Essen seit Jahrzehnten das Gewerbe. "Früher", so erinnert sich eine der Schwestern, die der Ordensregel entsprechend nur zwei Stunden am Tag spricht und sonst schweigt, "wurden monatlich über 70.000 Hostien ausgeliefert, jetzt sind es nur noch 17.000." Wie es nun mit der Hostienbäckerei im Stoppenberger Stift weitergeht, ist ungewiss.

Anderswo haben Nonnen oder Klosterbrüder die Produktion ganz eingestellt. Selbst im frommen Süden Deutschlands muss die Produktion des Sakrament-Utensils immer öfter aufgeben werden. Bundesweit existieren noch 30 bis 40 Betriebe. Exakte Zahlen liegen nicht vor, es gibt keinen Verband der Hostienbäckereien, der darüber Auskunft geben könnte. Auch untereinander kennen sich die frommen Produzenten kaum.

Ein Insider schätzt, dass es in den fünfziger Jahren noch 120 Produktionsstätten gegeben hat. Im Henriettenstift Hannover schließt zum Jahresende wieder eine Hostienbäckerei. Die über 80-jährigen Schwestern können die letzten Bestellungen, die bis Anfang Oktober eingegangen sind, gerade noch abarbeiten.

Vollautomatische Massenherstellung 

Newcomer dagegen profitieren. Sie haben sich gleich die passenden Internet-Domains wie www.hostie.de oder www.hostienbaeckerei.de gesichert. "Hostien backen mit Tradition und Fortschritt" lautet die Devise der katholische Lebensgemeinschaft "Brot des Lebens" im münsterländischen Warendorf. Dort soll der Hostienverkauf sogar Gewinn bringen, um die Lebenshaltungskosten der Gemeinschaft zu decken. "Es funktioniert", sagt Hostienbäcker Thonnis Held.

Zuletzt wurde die Produktion maschinell optimiert. Der künftige Leib Christi wird hier nicht handgeschöpft, sondern mit der Kolbenpumpe angesaugt und auf die zwölf Platten der 28.000-Watt-Hostienbackmaschine vom Typ "H AUT K-EL" gespritzt. Die Oblaten sind in Sekunden gebacken, die Hostienrohplatten werden nach der Befeuchtung, gleich 50fach übereinander, maschinell ausgebohrt. Mit solch effizienten Anlagen können locker eine Million Hostien pro Woche hergestellt werden, bis zu 40 Millionen im Jahr.

Trotz des massiven Rückgangs an Gottesdienstbesuchern auf 3,6 Millionen bei den Katholiken und eine Million bei den Protestanten pro Sonntag summiert sich der jährliche Hostienkonsum in Deutschland schätzungsweise auf 200 bis 220 Millionen Stück, eingerechnet Klöster, Wallfahrten, Kirchentage oder Papstbesuche mit ihren Verbrauchsspitzen. Nur elf Millionen davon verbrauchen die Protestanten. Insgesamt klingt das viel, doch in den fünfziger Jahren lagen Gottesdienstbesuch und Hostienverbrauch gut dreimal so hoch.

Hostien & more nach weltlichem Vorbild 

Wer Oblaten-Automaten besitzt, ist daher schon längst auf der Suche nach Absatz in frömmeren Regionen der Welt. Deutsche Hostienbäckereien exportieren nach Sibirien oder Indien und treiben das Geschäft mit Angeboten wie der "Superknabberkiste" mit Hostien-Bohrresten im 5-Kilogramm-Paket zu neuer Blüte.

Nach weltlichen Vorbildern offeriert man Hostien & more. Was früher an die Klosterschafe verfüttert wurde, verscherbelt die Hostienbäckerei Vinnenberg als Knabbertüte an Erstkommunionkinder, "damit die schon mal auf den Geschmack kommen". Dazu noch Hostien-Videos und die CD "Kostet und seht". Anderswo spezialisiert man sich inzwischen auf "Bio-Hostien" aus korrekt angebautem Weizenmehl. Im Trend sind auch glutenfreie Hostien für Immunkranke, zehnmal teurer als die Standardversion.

Die Dresdener Diakonissen sind da weniger geschäftstüchtig. Früher kochten sie für Bettlägrige im angrenzenden Krankenhaus eine leckere Hostiensuppe, doch mittlerweile hat man dort das gesamte Essen outgesourct. Seitdem gehen die Diakonissen ganz traditionell mit den Resten der Hostienproduktion um - sie schaffen sie einfach auf den Kompost.
:hmm:

Verfasst: Montag 3. Dezember 2007, 13:14
von Carl Caiser
Hier muss es sich um ein Mißverständnis handeln:

Der Leib des Herrn bzw. die Hostie wird nicht in Bäckereien "produziert" und schon gar nicht über irgendein Vertriebssystem verkauft (...oder ist mir da in den Verlautbarungen der Deutschkatholischen Kirche in letzter Zeit irgendetwas entgangen?)

Ausserdem widerstrebt mir der Titel "Hostienherstellung", denn das ist doch sicherlich nicht das was der Autor des Threads thematisieren wollte... oder?

Meinte er nicht die Brotherstellung für die Eucharistiefeier?

(Daß der "Spiegel" in Sachen katholischer Begriffe inkompetent ist, steht sowieso ausser Diskussion.)

Verfasst: Montag 3. Dezember 2007, 13:34
von Raimund J.
Carl Caiser hat geschrieben: die Hostie wird nicht in Bäckereien "produziert" und schon gar nicht über irgendein Vertriebssystem verkauft
So? Um was handelt es sich dann z.B. hierbei?
http://www.hostie.de/fuehrung/index2.php

Verfasst: Montag 3. Dezember 2007, 13:53
von Walter
Carl Caiser hat geschrieben:(Daß der "Spiegel" in Sachen katholischer Begriffe inkompetent ist, steht sowieso ausser Diskussion.)
Inkompetenz ist wohl das falsche Wort. Die wissen sehr wohl, was sie schreiben und was sie damit bewirken wollen, so z.B. auch hiermit:
<img width=375 src=http://www.spiegel.de/img/0,1020,1031848,00.jpg>
Fertig zum Versand: Die Deutschen verbrauchen pro Jahr 200 bis 220 Millionen Hostien.

Verfasst: Montag 3. Dezember 2007, 13:53
von Stephen Dedalus
Raimund Josef H. hat geschrieben:
Carl Caiser hat geschrieben: die Hostie wird nicht in Bäckereien "produziert" und schon gar nicht über irgendein Vertriebssystem verkauft
So? Um was handelt es sich dann z.B. hierbei?
http://www.hostie.de/fuehrung/index2.php
Carl spielt wahrscheinlich auf die sprachliche Unterscheidung zwischen Hostie und Oblate an.

Verfasst: Montag 3. Dezember 2007, 18:19
von Raphaela
Die Gemeinschaft "Brot des Lebens" hat die Hostienbäckerei von den Benediktinerinnen übernommen, die es nicht mehr in Vinnenberg gibt.
Wer diese Gemeinschaft kennt, weiß, dass sie aus der Vorsehung lebt und schauen muss, wo sie ihr Geld herbekommt.
Die CD gab es schon, bevor das mit der Hostienbäckei begonnen hat. Es bringt einfach die Gesänge der Gemeinschaft näher. - Von der Jesusalemgemeinschaft kann man ja auch CD's kaufen.

Hier ist mir etwas zu negativ über "Brot des Lebens" hergezogen worden.

Verfasst: Montag 3. Dezember 2007, 20:51
von Peregrin
Wo ist das Problem? Willkommen in der Industrialisierung. Was spricht dagegen, Oblaten mit modernen Methoden zu produzieren? Die guten Schwestern haben sie ja auch nicht einzeln am offenen Feuer auf einem gluterhitzten Stein hergestellt, wie die Steinzeitmenschen ihre Fladen.

Verfasst: Dienstag 4. Dezember 2007, 23:30
von Carl Caiser
Peregrin hat geschrieben:Wo ist das Problem? Willkommen in der Industrialisierung. Was spricht dagegen, Oblaten mit modernen Methoden zu produzieren? Die guten Schwestern haben sie ja auch nicht einzeln am offenen Feuer auf einem gluterhitzten Stein hergestellt, wie die Steinzeitmenschen ihre Fladen.
Gegen - auch massenweise - "Oblatenproduktion" einschliesslich professioneller Vermarktung habe ich nicht das Geringste einzuwenden - anscheinend habt ihr den Spiegelartikel nicht gelesen, wie der mit Begriffen jongliert, daß einem ganz schwindelig werden muß - das ist der Grund, daß ich hiermit den Begriff "Brot" oder "Oblate" dort einfordere, wo es sich tatsächlich um Brot handelt nämlich ausserhalb der Liturgie (vor der Wandlung) und um den Begriff Hostie innerhalb der Liturgie vor der Wandlung und "Leib des Herrn" oder "konsekrierte Hostie" nach der Wandlung. Dabei ist mir völlig egal, inwieweit sich der Begriff "Hostie" im Geschäftsbäckerleben eingebürgert hat...

Verfasst: Dienstag 25. Dezember 2007, 17:22
von pierre10
Vielleicht geht es hier um Wandlung. Natürlich ist es ein besonderes Erlebnis, in einer alten Kirche einem Gottesdienst beizuwohnen, aber auch in einem ganz normalen Saal kann der Priester durch seine Worte und Handlungen einen heiligen Raum schaffen.

So ist es mit den "Oblaten" dem Wein, usw. Durch den Segen, die Handlung kommt es zur Wandlung. Es kann mir niemand verständlich machen, dass eine gesegnete Oblate weniger Wert hat als eine Hostie, die in einem Kloster hergestellt wurde.

Pierre

Verfasst: Donnerstag 27. Dezember 2007, 18:03
von Paul Heliosch
Pierre hat geschrieben:Vielleicht geht es hier um Wandlung. ...
Nein
Pierre hat geschrieben:...Natürlich ist es ein besonderes Erlebnis, in einer alten Kirche einem Gottesdienst beizuwohnen, aber auch in einem ganz normalen Saal kann der Priester durch seine Worte und Handlungen einen heiligen Raum schaffen. ....
Nein
Pierre hat geschrieben:...So ist es mit den "Oblaten" dem Wein, usw. Durch den Segen, die Handlung kommt es zur Wandlung. ...
Nein
Pierre hat geschrieben:...Es kann mir niemand verständlich machen, dass eine gesegnete Oblate weniger Wert hat als eine Hostie, die in einem Kloster hergestellt wurde. ...
Nein

Verfasst: Donnerstag 27. Dezember 2007, 18:17
von Clemens
Seid doch nicht so hyperkritisch!

Bei uns Evangelischen werden den Pfarrämtern in den einschlägigen Katalogen "Hostien" zum Kauf angeboten.
Dass es sich streng genommen nur um Oblaten handelt, ist doch jedem klar, aber was soll das?
Gesegnete Hostien verkaufen wir schließlich auch nicht!

Dass der allgemeine Sprachgebrauch da verwirrt ist, mag man beklagen, ich werde mir auch vornehmen, da selbst in Zukunft sorgfältiger als bisher in der Wortwahl zu unterscheiden.

Verfasst: Donnerstag 27. Dezember 2007, 18:33
von Robert Ketelhohn
„Oblate“ („Dargebrachtes, Geopfertes“) bedeutet etymologisch annähernd dasselbe wie „Hostie“ („Opfergabe“). Strenggenommen wäre „Hostie“ hier sogar angebrachter, weil hostia auch die noch nicht dargebrachte Opfergabe bezeichnet. Da die Semantik sich hier freilich längst von der Etymologie gelöst hat, ist der Streit recht müßig.

Verfasst: Donnerstag 27. Dezember 2007, 19:19
von Paul Heliosch
Clemens hat geschrieben:Bei uns Evangelischen...
...ich werde mir auch vornehmen, da selbst in Zukunft sorgfältiger als bisher in der Wortwahl zu unterscheiden.
Also "Brot" oder "Oblate" :roll:

Verfasst: Donnerstag 27. Dezember 2007, 19:47
von Raimund J.
Wenn eine Oblate ihre Verwendung als Hostie finden soll, dann kann man selbstverständlich auch von Hostienherstellung, Hostienbäckerei, Hostienvertrieb, u.s.w. sprechen. Ich verstehe überhaupt nicht, was es hier für ein sprachliches Problem geben sollte?

Das man es nach der Wandlung mit dem Leib des Herrn zu tun hat, sollte doch eh jeden Katholiken klar sein.

Verfasst: Donnerstag 27. Dezember 2007, 19:56
von Paul Heliosch
Raimund Josef H. hat geschrieben:Ich verstehe überhaupt nicht, was es hier für ein sprachliches Problem geben sollte?
Weiter oben gab Carl Caiser bereits eine ausführliche "Verstehenshilfe".

Verfasst: Donnerstag 27. Dezember 2007, 20:24
von Raimund J.
Paul Heliosch hat geschrieben:
Raimund Josef H. hat geschrieben:Ich verstehe überhaupt nicht, was es hier für ein sprachliches Problem geben sollte?
Weiter oben gab Carl Caiser bereits eine ausführliche "Verstehenshilfe".
Die habe ich bereits gelesen bevor ich obiges schrieb. Und jetzt?

Verfasst: Donnerstag 27. Dezember 2007, 20:28
von Robert Ketelhohn
Robert Ketelhohn hat geschrieben:„Oblate“ („Dargebrachtes, Geopfertes“) bedeutet etymologisch annähernd dasselbe wie „Hostie“ („Opfergabe“). Strenggenommen wäre „Hostie“ hier sogar angebrachter, weil hostia auch die noch nicht dargebrachte Opfergabe bezeichnet. Da die Semantik sich hier freilich längst von der Etymologie gelöst hat, ist der Streit recht müßig.

Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 16:02
von overkott
Willst du dein Kompendium nicht mal schlagwortartig erschließen?

Verfasst: Montag 21. Januar 2008, 16:34
von Linus
Ja, wär nett. Die Freeware von http://zettelkasten.danielluedecke.de/ ist ziemlich gut - auch wenns manchmal etwas länger dauert, bei großen Datenmengen.