Deutschland-Ticket: Reiseberichte und Vorschläge

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Fuchsi
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Re: Deutschland-Ticket: Reiseberichte und Vorschläge

Beitrag von Fuchsi »

Zeno Kortin hat geschrieben:
Samstag 22. August 2026, 17:19
Zum Thema Calvinismus in Holland noch ein Erlebnis von mir.
Als ich das Erstemal mit meiner Mutter in Holland bei unseren Bekannten war, ich bin gefahren mit meinem ersten Auto,,das war 1980. Ein kleiner Vorort bei Rotterdam namens Hoogvliet.
Für mich schon erstaunlich, daß Abends und Nachts keine Vorhänge zu waren. Als Erklärung bekam ich, daß dies so Tradition sei, weil jeder Bürger beim anderen reinschauen können muß. Da erfuhr ich dann, daß Holland Calvinistisch sei.
Genau das ist ein hervorragendes Beispiel - die angebliche Gardinensteuer hat es wohl nie gegeben.

Das ganze geht aber häufig noch deutlich weiter ins Detail. Persönlich konnte ich einen Niederländer beim Abendbrot erleben wie er ein Käsebrot grundsätzlich nur mittig der Schnitte belegt - die Käsescheibe war bzw. ist nicht größer... und derer zwei zu nehmen.. Nein! Oder Geburtstag - ein einziges Stück Kuchen abgezählt für jeden in der Firma/Abteilung und nicht so viel dass ein "wer will noch eins" möglich wäre. Auch gelten Statussymbolimponiergehabe als "non grata".

Das mit den Gardinen ist wohl bereits erodiert... nun, nicht völlig... aber anders als noch vor etlichen Jahren

Fuchsi
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Re: Deutschland-Ticket: Reiseberichte und Vorschläge

Beitrag von Fuchsi »

Geheimnislüfterei Alexiuskapelle Paderborn und noch was zur Kapuzinessenkirche:

Alexiuskapelle:
*Die heutige Decke ist massiv (kein Rabitz wie vermutet) und in dieser Form eine Neuplanung der 1950er Jahre, um einen durch die Erweiterung um 1730 entstandenen "unschönen Deckenansatz" beim Wiederaufbau zu vermeiden.
*Das Altarbild von Rudolphi stammt übrigens vom (Hoch-)Altar der ersten Kapellenausstattung von 1670 und nicht von einem Seitenaltar/dem Seitenaltar "Benhausen". Heute ist es auch nicht in der Pfalz, sondern gar nicht weit im Michaelskloster Paderborn. Der Altar "heute Benhausen" ist zur Erweiterung 1730 der Kapelle spendiert worden. Wenn ich dieses Gemälde "Auffindung des Hl. Alexius" einmal zu beschreiben wage: vor einem hintergründigen Gebäude im Barockstil, inklusive dominierender Barockbalustrade liegt der Leichnam des Hl. Alexius vor einer Rundbogennische, von etlichen Personen umstanden. Eine davon in Chorhemd/Rochett gekleidet.
*Die Figuren Liborius und Meinolphus kommen aus der Meinolfuskapelle des Domes und sind seit 1908 in der Alexiuskapelle.
*Die Figur über dem Eingang ist eine hölzerne Alexiusdarstellung nach dem Vorbild aus Benhausen und kein "Aloysius" wie ich in vorigen Beiträgen spekulierte.
*Der Barockaltar in der Kapelle ist aus der Gaukirche übernommen. Es heisst zudem, was mich verwundert, es seien zwei weibliche Heilige dargestellt. No jo, ansonsten hätt ich Stein und Bein geschworen unter einem Kruzifix stehen Maria und Johannes :achselzuck: :hmm: Dann wird es sich wohl um ein reguläres Altarkreuz i. d. R. ohne Assistenz handeln und die beiden Figuren, denen kann ja der Altar ursprünglich geweiht gewesen sein...

Kapuzinessen:
*Bis zur Rückverwandlung in eine Ruine soll wohl die Grabplatte der Gründerin des Klosters in der Kirche gewesen sein. Wo die nach dem umfassenden Umbau geblieben ist?

Fuchsi
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Re: Deutschland-Ticket: Reiseberichte und Vorschläge

Beitrag von Fuchsi »

Und eine weitere erfreuliche Translozierung aus einer Paderborner Kirche hat für Erhalt eines interessanten Ausstattungsstückes gesorgt:

Der Hochaltar aus der Barockzeit der Abdinghofkirche steht in St. Nikolaus Natzungen inklusive Bild Anbetung der Könige von Rudolphi. Obwohl damals verkleinert, ich meine es wäre der abmontierte Auszug, und später in den Neubau versetzt blieb dieses Stück Kunstgeschichte vor totaler Zerstörung 1945 bewahrt. In der Abdinghofkirche steht übrigens die neoromanische Kanzel (protestantisch) wieder. Und die resp. eine Flachdecke im Mittelschiff hat diese Kirche bereits seit dem 19. Jahrhundert. Nur dass man jüngst die Bänke (1950er Jahre) durch Stühle ersetzt hat, konterkariert diese historische Rückbesinnung (Kanzel) und zerbaselt den sakralen Charakter des Kirchenraumes ziemlich. Aber bei Parteitagen sitzt man ja auch auf Stühlen und wo ist der Unterschied zwischen ja ihr wisst schon...

...und nochwas das hier hin passt: Die Alexiuskapelle soll wohl als Friedhofskapelle des Abdinghofbenediktinerklosters erbaut worden sein.

Zu guter Letzt quassel ich mal spekulativ in die Zukunft: sollte im Rahmen der Aufgabe von Kirchengebäuden die entsprechenden Gebäude aufgegeben werden, so stellt man hoffentlich die wichtigsten Ausstattungsgegenstände an ihren ursprünglichen Ort zurück bevor man sie in Magazinen versteckt und verschimmeln lässt. Ich verweise mal auf die Dominikanerkirche Münster, wo hinter dieser ominösen Mauer der Gaukirchenaltar prächtig zur Geltung kommt :D und bis zur jüngsten Renovierung WIMRE ein paar barocke Kirchenbänke und ein Beichtstuhl (Barock) aus anderen münsteraner Kirchen (Überwasser!, Lamberti?) unmittelbar in der Nähe dieses Altares abgestellt waren und nun "verschwunden" sind. Diese waren Ausstattung nach der Säkularisation zur Nutzung als Gymnasialkirche (vor WW2).

Auf diesem Bild der Dominikanerkirche von 2013 sieht man, wenn man weiss wo man drauf achten soll, ein Stück der Bänke ohne sie wirklich identifizieren zu können...

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... t=original

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