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Vater unser, mal ganz anders

Verfasst: Dienstag 6. März 2007, 17:24
von pierre10
Das Vater unser mal anders


"Vater unser, der du bist im Himmel..."

"Ja?"

"Unterbricht mich nicht, ich bete."

"Aber du hast mich doch angesprochen!"

"Ich dich angesprochen? äh... nein, eigentlich nicht. Das beten wir eben so: Vater unser, der du bist im Himmel."

"Da, schon wieder! Du rufst mich an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also, worum geht's"

"Geheiligt werde dein Name..."

"Meinst du das ernst?"

"Was soll ich ernst meinen?"

"Ob du meinen Namen wirklich heiligen willst. Was bedeutet das denn?"

"Es bedeutet... es bedeutet... meine Güte, ich weiß nicht, was es bedeutet! Woher soll ich das wissen?"

"Es heißt, dass du mich ehren willst, dass ich dir einzigartig wichtig bin, dass dir mein Name wertvoll ist."

"Aha. Hm. Ja, das verstehe ich. Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden..."

"Tust du was dafür?"

"Dass dein Wille geschieht? Natürlich! Ich gehe regelmäßig zum Gottesdienst, ich zahle Gemeindebeitrag und Missionsopfer."

"Ich will mehr: dass dein Leben in Ordnung kommt, dass deine Angewohnheiten, mit denen du anderen auf die Nerven gehst, verschwinden; dass du von anderen her und für andere denken lernst; dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, auch dein Vermieter und dein Chef. Ich will, dass Kranke geheilt, Hungernde gespeist, Trauernde getröstet und Gefangene befreit werden; denn alles, was du diesen Leuten tust, tust du doch für mich."

"Warum hältst du das ausgerechnet mir vor? Was meinst du, wie viele stinkreiche Heuchler in den Kirchen sitzen. Schau die doch an!"

"Entschuldige! Ich dachte, du betest wirklich darum, dass mein Herrschaftsbereich kommt und mein Wille geschieht. Das fängt nämlich ganz pers. bei dem an, der darum bittet. Erst wenn du dasselbe willst wie ich, kannst du ein Botschafter meines Reiches sein."

"Das leuchtet mir ein. Kann ich jetzt mal weiterbeten? Unser tägliches Brot gib uns heute..."

"Du hast Übergewicht, Mann! Deine Bitte beinhaltet die Verpflichtung, etwas dafür zu tun, dass die Millionen Hungernden dieser Welt ihr tägliches Brot bekommen."

"Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern..."

"Und Heinz?"

"Heinz? Jetzt fang auch noch von dem an! Du weißt doch, dass er mich öffentlich blamiert hat, dass er mir jedes Mal dermaßen arrogant gegenübertritt, dass ich schon wütend bin, bevor er seine herablassenden Bemerkungen äußert. Und das weiß er auch! Er nimmt mich als Mitarbeiter nicht ernst, er tanzt mir auf dem Kopf herum, dieser Typ..."

"Ich weiß, ich weiß. Und dein Gebet?"

"Ich meinte es nicht so."

"Du bist wenigstens ehrlich. Macht dir das eigentlich Spaß, mit soviel Bitterkeit und Abneigung im Bauch herumzulaufen?"

"Es macht mich krank!"

"Ich will dich heilen. Vergib Heinz, und ich vergebe dir. Dann ist Arroganz und Hass Heinz Sünde und nicht deine. Vielleicht verlierst du Geld; ganz sicher verlierst du ein Stück Image, aber es wird dir Frieden ins Herz bringen."

"Hm. Ich weiß nicht, ob ich mich dazu überwinden kann."

"Ich helfe dir dabei."

"Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen..."

"Nichts lieber als das! Meide bitte Personen oder Situationen, durch die du versucht wirst."

"Wie meinst du das?"

"Du kennst doch deine schwachen Punkte. Unverbindlichkeit, Finanzverhalten, Sexualität, Aggression, Erziehung. Gib dem Versucher keine Chancen!"

"Ich glaube, dies ist das schwierigste Vaterunser, das ich je betete. Aber es hat zum ersten Mal etwas mit meinem alltäglichen Leben zu tun."

"Schön! Wir kommen vorwärts. Bete ruhig zu Ende."

"Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen."

"Weißt du, was ich herrlich finde? Wenn Menschen wie du anfangen, mich ernst zu nehmen, echt zu beten, mir nachzufolgen und dann das tun, was mein Wille ist; wenn sie merken, dass ihr Wirken für das Kommen meines Reiches sie letztlich selbst glücklich macht."


Im Internet gefunden, Autor unbekannt

Pierre

Verfasst: Freitag 9. März 2007, 11:28
von overkott
Wunderbar ist gleichfalls das franziskanische ErklVat.

Auch hier nur einmal die 9. Zeile:

Und führe uns nicht in Versuchung: in keine verborgene oder offenkundige, unvermutete oder ungestüme.

Re: Vater unser, mal ganz anders

Verfasst: Donnerstag 17. Juni 2010, 00:16
von overkott
Wie würdet ihr das Vaterunser meditieren?

Für eine Oktav möchte ich für jeden Tag einen dieser Gedanken anregen:

- über die Namensverehrung (des Vaters)

- über den Willen (der Nächstenliebe)

- über das Ziel (der Kirche)

- über das Verlangen (Eucharistie)

- über den Sinn (Vergebung)

- über die Bedingung (gegenseitige Vergebung)

- über die Furcht (vor Versuchung)

- über die Hoffnung (auf Befreiung)

Re: Vater unser, mal ganz anders

Verfasst: Freitag 18. Juni 2010, 10:31
von Lioba
Passt vielleicht ganz gut zu dieser Frage:
viewtopic.php?f=1&t=11667

Re: Vater unser, mal ganz anders

Verfasst: Samstag 19. Juni 2010, 23:03
von Dottore Cusamano
@Pierre

Was soll dieser Strang? Willst Du das Gebet, das Christus selbst uns zu beten gelehrt hat, ins Lächerliche ziehen? Welche Reaktion erwartest Du von Christen, denen diese Gebet heilig ist? Dass diese sich als Heuchler fühlen sollen, wenn sie sich beim Sprechen dieses wunderbaren Gebetes an den Allmächtigen wenden?

Was bezweckst Du damit, diesen fragwürdigen - angeblich im Internet gefundenen - Beitrag hier zu posten? Willst Du damit Christen provozieren?

Re: Vater unser, mal ganz anders

Verfasst: Samstag 19. Juni 2010, 23:06
von cantus planus
Der Strang ist von 2007. Overkott hat es mal wieder geschafft, ein uraltes Fass aufzumachen. :umkuck:

Re: Vater unser, mal ganz anders

Verfasst: Samstag 19. Juni 2010, 23:08
von Maurus
Dottore Cusamano hat geschrieben:@Pierre

Was soll dieser Strang? Willst Du das Gebet, das Christus selbst uns zu beten gelehrt hat, ins Lächerliche ziehen? Welche Reaktion erwartest Du von Christen, denen diese Gebet heilig ist? Dass diese sich als Heuchler fühlen sollen, wenn sie sich beim Sprechen dieses wunderbaren Gebetes an den Allmächtigen wenden?

Was bezweckst Du damit, diesen fragwürdigen - angeblich im Internet gefundenen - Beitrag hier zu posten? Willst Du damit Christen provozieren?
Wenn man erstmal vom Guten ausgeht, geht vieles leichter.

Re: Vater unser, mal ganz anders

Verfasst: Samstag 19. Juni 2010, 23:21
von Dottore Cusamano
cantus planus hat geschrieben:Der Strang ist von 2007. Overkott hat es mal wieder geschafft, ein uraltes Fass aufzumachen. :umkuck:
Der Umstand (2007) war mir bewusst. Auch wenn dieses "Fass" in Zeitdimensionen eines Internetforums möglicherweise bereits angestaubt ist, so dürften kritische Nachfragen an den Urheber wohl noch zulässig sein.

Gutes bzw. eine gute Absicht kann ich an derartigen Beiträgen i. Ü. nicht erkennen. Sie reihen sich in bereits bekannte Muster nahtlos ein.

Re: Vater unser, mal ganz anders

Verfasst: Sonntag 20. Juni 2010, 09:50
von Raphaela
Dottore Cusamano hat geschrieben:
cantus planus hat geschrieben:Der Strang ist von 2007. Overkott hat es mal wieder geschafft, ein uraltes Fass aufzumachen. :umkuck:
Der Umstand (2007) war mir bewusst. Auch wenn dieses "Fass" in Zeitdimensionen eines Internetforums möglicherweise bereits angestaubt ist, so dürften kritische Nachfragen an den Urheber wohl noch zulässig sein.

Gutes bzw. eine gute Absicht kann ich an derartigen Beiträgen i. Ü. nicht erkennen. Sie reihen sich in bereits bekannte Muster nahtlos ein.
Der Strang ist ausdrücklich im Gemüsegarten und nicht im katholischen Bereich!
Und wer Pierre kennt, weiß außerdem gleichzeitig, dass es so ein Gebet nicht ins Lächerliche ziehen will. - Aber es regt dazu an, das Vater-Unser nicht einfach runterzuleiern, sondern sich damit auseinanderzusetzen.

Re: Vater unser, mal ganz anders

Verfasst: Sonntag 20. Juni 2010, 09:53
von Raphaela
@ Dottore Cusamano
Noch etwas anderes: In mehrern Messen, gerade in Jugendgottesdiensten habe ich es erlebt, dass der Text, den Pierre gepostet hat, gesprochen wird/wurde. -Und ich weiß auch, dass es viele Gläubige gibt, die sich dafür bedanken, weil sie sich eben keine Gedanken gemacht haben und oft nichts mit dem Vaterunser anfangen konnten.