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Ist Gewaltlosigkeit möglich?
Verfasst: Dienstag 31. Juli 2007, 22:31
von Pit
Hallo Kreuzgangster,
gestern Abend habe ich "Ghandi" mit Ben Kingsley gesehen (ein grossartiger Film) und mir ging es wieder durch den Kopf, ob es heutzutage möglich ist, gewaltlos zu leben.
Ich glaube: Ja, es ist möglich.
Wie seht ihr das!
Gruß, Pit
Verfasst: Dienstag 31. Juli 2007, 23:18
von John Grantham
Das glaube ich auch. Und wenn einer das nicht tut, haue ich ihn zu...oh!
Cheers,
John
Verfasst: Mittwoch 1. August 2007, 17:24
von Pit
Gut gekontert, John.
Aber mal ganz ernst gemeint:
Ist es möglich, gewaltlos zu leben?
Gandhi hat zwei interessante Begriffe benutzt:
Ahimsa und Satjagraha.
Bevor ich sie hier en detail erkläre besser googlen, denn in diesem Fall sind die Erklärungen bei Wikipedia wirklich (!) gut.
Gruß, Pit
John Grantham hat geschrieben:Das glaube ich auch. Und wenn einer das nicht tut, haue ich ihn zu...oh!
Cheers,
John
Verfasst: Donnerstag 2. August 2007, 07:34
von Peter Ernst
Gewaltlos zu leben ist sowohl individuell als auch kollektiv schon möglich, nur muss man im Zweifel die Freiheit drangeben. Es ist halt die Frage was einem wichtiger ist, unterdrückt aber gewaltlos, oder frei aber kämpferisch. Widerstand durch zivilen Ungehorsam wie bei Gandhi funktioniert nur, wenn der Gegner einigermaßen zivilisiert ist. Wenn er dir, z.B. bei Arbeitsverweigerung, die Rübe abschlägt, ist der Widerstand schnell zuende.
Verfasst: Freitag 3. August 2007, 00:21
von ad_hoc
Peter Ernst hat geschrieben:Widerstand durch zivilen Ungehorsam wie bei Gandhi funktioniert nur, wenn der Gegner einigermaßen zivilisiert ist. Wenn er dir, z.B. bei Arbeitsverweigerung, die Rübe abschlägt, ist der Widerstand schnell zuende.
Sehr gut erkannt!
Gruß, ad_hoc
Verfasst: Freitag 3. August 2007, 00:25
von Ewald Mrnka
Ohne Gewalt geht es nicht (immer).
Leider.
Das ist so wie mit Krieg: Der Krieg ist zwar eine Pest, aber man kann ihn nicht immer vermeiden.
Gewaltlosigkeit
Verfasst: Freitag 3. August 2007, 08:49
von sofaklecks
Gewaltlos leben zu können ist eine Utopie des Begründers des Christentums, die diesem einen schmählichen Tod einbrachte, weshalb seine Anhänger diesen Teil der Lehre, der sich als untauglich erwies, alsbald ersatzlos gestrichen haben, allerdings nicht, ohne ihr von Zeit zu Zeit als schönes, aber leider nicht zu verwirklichendes Ideal ergriffen nachzuweinen.
Der Nächstenliebe erging es ähnlich.
Ein später Kritiker dieser Ideologie fasste es in dem knappen Satz zusammen:"Denn die Verhältnisse, die sind nicht so!"
sofaklecks
Verfasst: Freitag 3. August 2007, 09:14
von Robert Ketelhohn
Du moralisierst.
(Ist aber sowieso falsch.)
Verfasst: Freitag 3. August 2007, 09:58
von FioreGraz
Gewaltlso, eine herer Tugend und eine Verpflichtung im Christentum die aber nicht die einschliest das man sich nicht selbst schützen darf.
Selbst wenn jemand wie ein Martyrer die Gewalt für sich komplett ablehnt so kann er diese Entschiedung nur für sich selbst und auf sein Leben bezogen treffen, niemals für andere.
Nehmen wir an ein Mann namens Pit überzeugter Pazifist, der sich sogar Luftkissenschuhe gekauft hat um nicht versehentlich ein Insekt zu zertreten. Kommt zu einer Schlägerei wo jemand einen anderen hemmunglos zu Tode prügelt. Pit maschiert mit luftiger leichtigkeit auf den Täter los und versucht in pazifistisch zu beschwichtigen (ohne selbst tätig) einzugreifen. Der Täter vollendet sein Werk dreht sich um und beseitigt den Zeugen Pit der sich nicht wehrt aber der eigentlich um 2 Kopf größer ist und aus seinem alten Leben eine asiatische Kampfsprotart beherscht.
Hat sich Pit nun richtig verhalten? Nein den er hat die Opferbereitschaftsentscheidung nicht nur für sich sondern auch für einen anderern getroffen und sich somit am Freien Willen des anderen vergriffen und sich an dessen Tod mitschuldig gemacht, denn ein gezielter gewaltsamer Eingriff häte genügt um das Opfer zu retten und den Täter in die Flucht zu schlagen.
Also die absolute Gewaltfreiheit ist möglich in ner Einsidelei am Hindukusch, im zusammenleben kann sie aufgrund der Mitverantwortung für den anderen sehr schnell zur Sünde werden.
LG
Fiore
Ganz falsch?
Verfasst: Freitag 3. August 2007, 11:30
von sofaklecks
Klar ist das überspitzt.
Das Wesentliche scheint mir gerade das zu sein, was Peter ernst herausgearbeitet hat.
Ghandi hatte einen (nicht immer, aber meistens) Gegner, der Grundregeln einhielt. Das erleichtert gewaltlosen Widerstand ebenso wie unser Grundgesetz.
Christus hat gefordert, auch gegenüber einem Gegner gewaltlos zu bleiben, der sich an keine Regeln hält. Für diese Welt eine ebenso radikale Forderung wie die Bergpredigt.
Und dann die in Kriegsverweigerungsprüfungen so beliebte Frage der Nothilfe. Antwort: Da ich niemandem zwingen kann, zu denken wie ich, darf ich ihm auch die Hilfe nicht verweigern.
Alles Utopie.
sofaklecks
Re: Gewaltlosigkeit
Verfasst: Freitag 3. August 2007, 13:10
von Ewald Mrnka
sofaklecks hat geschrieben:Gewaltlos leben zu können ist eine Utopie des Begründers des Christentums, die diesem einen schmählichen Tod einbrachte, weshalb seine Anhänger diesen Teil der Lehre, der sich als untauglich erwies, alsbald ersatzlos gestrichen haben, allerdings nicht, ohne ihr von Zeit zu Zeit als schönes, aber leider nicht zu verwirklichendes Ideal ergriffen nachzuweinen.
Der Nächstenliebe erging es ähnlich.
Ein später Kritiker dieser Ideologie fasste es in dem knappen Satz zusammen:"Denn die Verhältnisse, die sind nicht so!"
sofaklecks
Ich weiß nicht, ob Jesus Christus absolut gegen Gewalt war; das geht nach meinem Verständnis aus dem NT nicht eindetig hervor; aber ich bin kein Theologe und verstehe es vielleicht nicht richtig.
Re: Gewaltlosigkeit
Verfasst: Freitag 3. August 2007, 13:43
von Edi
Ewald Mrnka hat geschrieben:Ich weiß nicht, ob Jesus Christus absolut gegen Gewalt war; das geht nach meinem Verständnis aus dem NT nicht eindetig hervor; aber ich bin kein Theologe und verstehe es vielleicht nicht richtig.
Er hat jedenfalls die Händler aus dem Tempel geworfen, ansonsten war er sicher gewaltlos. Er hat auch nichts gegen die römische Besatzung gesagt, geschweige denn unternommen.
Jesus hatte ja auch andere Möglichkeiten (Engelschutz, der uns gelegentlich auch helfen kann, wenn auch gemäss dem Willen Gottes), die er auch erwähnte, als man drauf und dran war, ihn festzunehmen. Vielleicht hat er das auch bei einer andern Gelegenheit erwähnt, weiß ich jetzt gerade nicht mehr so genau.
Verfasst: Freitag 3. August 2007, 14:31
von Simplex
Zum einen war/ist Jesus auf jeden Fall wortgewaltig und hat Soldaten die ihre Pflicht tun (Staatsgewalt) nicht verurteilt, zum anderen hat er sich ohne sich physisch zur Wehr zu setzen hinrichten lassen.
Verfasst: Montag 6. August 2007, 03:45
von Irenaeus
grundsätzlich kann man Gewaltlosigkeit leben.
Das ist aber auch eine sehr gute Frage: wie weit geht Gewalt?
Ist es schon Gewalt, wenn ich mein Auto betanke? um mit dem sprit meine Gemeindemitglieder zu erreichen.....- nurnbeispiel-
könnt Ihr das etwas genauer beschreiben?
Wo ist die Grenze zwischen der staatlich verordneten immobilität und der göttlich verordneten misericordia?
Verfasst: Montag 6. August 2007, 12:05
von Linus
die frage ist nicht: wie weit geht gewalt, sondern wo beginnt sie?
Linus, zu verbalen Gewaltausbrüchen neigend
Verfasst: Montag 6. August 2007, 18:51
von Pit
in Gedanken, Worten und Werken.
Gruß, Pit
Linus hat geschrieben:die frage ist nicht: wie weit geht gewalt, sondern wo beginnt sie?
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