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Germanicum Rom
Verfasst: Sonntag 22. Mai 2011, 16:14
von Tertullian
Hallo liebe Leute,
ich habe mal eine Frage an diejenigen unter euch, die sich mit der derzeitigen Priesterausbildung auskennen. Stimmt es eigentlich, dass das Germanicum in Rom immer noch so eine Art Kaderschmiede der Kirche ist oder hat sich das in nachkonziliarer Zeit verändert? Ich bin darauf aufmerksam geworden, als ich die Autobiographie von Küng gelesen habe. Wer wird heute dort aufgenommen und sind da nur intellektuelle Überflieger zu finden?
Re: Germanicum Rom
Verfasst: Sonntag 22. Mai 2011, 18:04
von cantus planus
"Überflieger" würde ich nicht sagen. Aber zumindest Leute, die durch entsprechende Kapazitäten aufgefallen sind. Dass "Germanisten" die Karriereleiter hochklettern, ist nicht vorbestimmt. Aber zumindest sind sie in überdurchschnittlich vielen höheren Kirchenpositionen zu finden.
Aber ich kenne leider auch ein paar Absolventen des Germanicums, die auf der falschen Seite vom Pferd gefallen sind.

Re: Germanicum Rom
Verfasst: Sonntag 22. Mai 2011, 19:10
von civilisation
=>
http://www.cgu.it/index.html
Man schaue sich mal die "Aufnahmebedingungen" an:
http://www.cgu.it/de/aufnahme.html
Eine Aufnahme in das Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum ist nur möglich, wenn jemand als Seminarist einer Diözese von seinen Vorgesetzten beim Rektor des Kollegs angemeldet wird. Im Konkreten gilt für die Aufnahme: ...
Re: Germanicum Rom
Verfasst: Sonntag 22. Mai 2011, 20:06
von taddeo
Tertullian hat geschrieben:Hallo liebe Leute,
ich habe mal eine Frage an diejenigen unter euch, die sich mit der derzeitigen Priesterausbildung auskennen. Stimmt es eigentlich, dass das Germanicum in Rom immer noch so eine Art Kaderschmiede der Kirche ist oder hat sich das in nachkonziliarer Zeit verändert? Ich bin darauf aufmerksam geworden, als ich die Autobiographie von Küng gelesen habe. Wer wird heute dort aufgenommen und sind da nur intellektuelle Überflieger zu finden?
Es dürfte noch immer die Regel gelten: Fürs Gemanicum kann man sich nicht bewerben, sondern man wird vom eigenen Regens dafür empfohlen und vom Bischof hingeschickt.
Dafür sucht man in der Regel Leute aus, die a) durch einige Intelligenz, wenigstens aber überdurchschnittlichen Studieneifer auffallen, b) als sehr zuverlässig im Sinne der Obrigkeit gelten, c) mit hoher Wahrscheinlichkeit den Weg bis zur Priesterweihe durchhalten, und d) nicht allzu "traditionalistisch" veranlagt sind, damit sie in Rom nicht noch in ihrem "Klerikalismus" bestärkt werden (obwohl die Jesuiten da eigentlich recht erfolgreich dagegenarbeiten).
Man will sich ja nicht blamieren mit solchen Leuten. Ein Kurskollege von mir war auch dort, aber er hat keine nennenswerte "Karriere" gemacht seither, wohl weil er zuwenig Ellenbogenqualitäten hat für sowas.
Re: Germanicum Rom
Verfasst: Sonntag 22. Mai 2011, 20:07
von Juergen
Das Germanicum wird überschätzt aber vor allem überschätzt es sich selber!
Man kann dort nicht studieren wollen, sondern man wird von den Vorgesetzen (Regens etc.) auserwählt. In vielen Diözesen gilt es noch als eine Auszeichnung in Rom studieren zu dürfen und die Leute fallen auch nicht selten die Karriere-Treppe hoch (oder auch nicht).
Ein rumänischer Generalvikar sagte mir aber mal: "Ich schicke keinen ins Germanicum und an die Gregorianer. Unsere «Römer» studieren an anderen Hochschulen" Er merkte ferner an, daß er keinen Menschen ruhigen Gewissens dorthin schicken könnte. Wenn er jemanden "nach Rom" schickte, dann ans Angelicum.
[Nähkästchenmodus ein]
Ein Studienkollege wurde nach Rom ins Germanicum geschickt... --- Ach nein. das erspare ich Euch.
[Nähkästchenmodus aus]
Re: Germanicum Rom
Verfasst: Sonntag 22. Mai 2011, 20:12
von Juergen
taddeo hat geschrieben:Dafür sucht man in der Regel Leute aus, die a) durch einige Intelligenz, wenigstens aber überdurchschnittlichen Studieneifer auffallen, ...
Hier in Paderborn war es so, daß man augenscheinlich - zumindest in meinem Kurs - gleichsam EINZIG nach der Endnote des Abiturzeugnisses geguckt hat. Es sollten zwei nach Rom geschickt werden.
Der Erste, der gefragt wurde, hatte 1.0 - der wollte nicht
Der Zweite, der gefragt wurde, hatte 1.3 - der ist nach Rom gegangen
(Der Dritte wäre ich gewesen, aber man hat mich nicht gefragt, da mir aufgrund des 2. Bildungswegs altsprachliche Kenntnisse fehlten)
Der Nächste, der gefragt wurde, hatte 1.9 - der ist auch nach Rom gegangen
Re: Germanicum Rom
Verfasst: Sonntag 22. Mai 2011, 20:16
von iustus
Juergen hat geschrieben:
Hier in Paderborn war es so, daß man augenscheinlich - zumindest in meinem Kurs - gleichsam EINZIG nach der Endnote des Abiturzeugnisses geguckt hat.
Hattet Ihr denn Zentralabitur, dass die Noten überhaupt vergleichbar aussagekräftig waren? Sonst wäre das ja ein Witz.
Re: Germanicum Rom
Verfasst: Sonntag 22. Mai 2011, 20:20
von Juergen
iustus hat geschrieben:Juergen hat geschrieben:
Hier in Paderborn war es so, daß man augenscheinlich - zumindest in meinem Kurs - gleichsam EINZIG nach der Endnote des Abiturzeugnisses geguckt hat.
Hattet Ihr denn Zentralabitur, dass die Noten überhaupt vergleichbar aussagekräftig waren? Sonst wäre das ja ein Witz.
Natürlich gab es kein Zentralabitur.
Der Erstgefragte war an einem normalen Gymnaisum, ich an einem Abendgynamisum und die anderen beiden im Clementinum (u.a. LK Latein und Griechisch).
Re: Germanicum Rom
Verfasst: Sonntag 22. Mai 2011, 23:07
von ChrisCross
Ich kann mich den anderen nur anschließen. bei Jesuiten sollte man eigentlich schon skeptisch werden. Die sind ja schon lange nicht mehr, was Igantius sich bei der Gründung vorgenommen hat. Und bei Küng als Absolventen wird mir schon ein wenig mulmig.
Re: Germanicum Rom
Verfasst: Sonntag 22. Mai 2011, 23:48
von Maurus
ChrisCross hat geschrieben:Ich kann mich den anderen nur anschließen. bei Jesuiten sollte man eigentlich schon skeptisch werden. Die sind ja schon lange nicht mehr, was Igantius sich bei der Gründung vorgenommen hat. Und bei Küng als Absolventen wird mir schon ein wenig mulmig.
Der war damals aber angeblich ziemlich konservativ.
Re: Germanicum Rom
Verfasst: Sonntag 22. Mai 2011, 23:54
von ChrisCross
Maurus hat geschrieben:ChrisCross hat geschrieben:Ich kann mich den anderen nur anschließen. bei Jesuiten sollte man eigentlich schon skeptisch werden. Die sind ja schon lange nicht mehr, was Igantius sich bei der Gründung vorgenommen hat. Und bei Küng als Absolventen wird mir schon ein wenig mulmig.
Der war damals aber angeblich ziemlich konservativ.
Bei Küng offenbar nicht konservativ genug

Re: Germanicum Rom
Verfasst: Sonntag 22. Mai 2011, 23:55
von Maurus
ChrisCross hat geschrieben:Maurus hat geschrieben:ChrisCross hat geschrieben:Ich kann mich den anderen nur anschließen. bei Jesuiten sollte man eigentlich schon skeptisch werden. Die sind ja schon lange nicht mehr, was Igantius sich bei der Gründung vorgenommen hat. Und bei Küng als Absolventen wird mir schon ein wenig mulmig.
Der war damals aber angeblich ziemlich konservativ.
Bei Küng offenbar nicht konservativ genug

Ich meine: Küng war damals angeblich ziemlich konservativ. Außerdem ist es mit der Prägung durch eine Ausbildungsstätte so eine Sache. Da sollte man nicht aus dem Stehgreif irgendwas ableiten.
Re: Germanicum Rom
Verfasst: Sonntag 22. Mai 2011, 23:58
von ChrisCross
Maurus hat geschrieben:ChrisCross hat geschrieben:Maurus hat geschrieben:ChrisCross hat geschrieben:Ich kann mich den anderen nur anschließen. bei Jesuiten sollte man eigentlich schon skeptisch werden. Die sind ja schon lange nicht mehr, was Igantius sich bei der Gründung vorgenommen hat. Und bei Küng als Absolventen wird mir schon ein wenig mulmig.
Der war damals aber angeblich ziemlich konservativ.
Bei Küng offenbar nicht konservativ genug

Ich meine: Küng war damals angeblich ziemlich konservativ. Außerdem ist es mit der Prägung durch eine Ausbildungsstätte so eine Sache. Da sollte man nicht aus dem Stehgreif irgendwas ableiten.
Hängt virelleicht auch mit der Nähe zu Rom zusammen. In letzter Zeit haben ja schonmal Thelogieprofessoren Sprüche wie: "Rom ist weit weg. " von sich gegeben...