Damasus hat geschrieben:Ich habs mal irgendwo gehört, der Sultan hätte sich ob der Predigt des hl. Franziskus gut vorstellen können zu konvertieren, allein das rohe Verhalten der Kreuzritter, die sich wohl alles andere als edel und christlich verhielten, soll ihn abgeschreckt bzw abgehalten haben.
Das halte ich für eine fromme Legende - aber ich habe nichts gegen Legenden, im Gegenteil. Die meisten davon enthalten mehr Wahres als jede moderne Biographie eines Politkers oder Kirchenmannes.
Damasus hat geschrieben:Ich glaube schon, dass es genügend Anhaltspunkte gibt, dass Mohamed nicht zur Communio sanctorum gehört.
Ich auch - trotzdem würde ich ein Gespräch mit Moslems nicht mit der Mitteilung eröffnen, daß ihr Prophet zweifellos in der Hölle braten muß. Der. Hl Franziskus hat es jedenfalls nicht getan. Einige seiner frühen Gefolgsleute übrigens schon - die fuhren nach Algier (oder war es Tunis), stellten sich auf den Markt und riefen das in angelerntem Arabisch in die Menge, um auf diese Weise schnell zu einer Märtyrerkrone zu kommen. Was regelmäßig auch gelang. (Einer, dem es nicht gelang, war der hl. Antonius, der durch Schiffbruch von seinem Ziel abgehalten wurde) Es muß damals in einigen Randgruppen in der Kirche eine ähnliche Stimmung geherrscht haben, wie wir sie heute unter islamischen Selbstmordattentätern antreffen.
Die Kirche hat damals diskret, aber wirkungsvoll diesem Unfug ein Ende bereitet und den Tätigkeitsdrang der martyriumsbegeisterten Glaubenszeugen auf ein konstruktiveres Gebiet umgelenkt: sie sollten daran mitwirken, die von maurischen Piraten oder Raubrittern entführten Christensklaven freizukaufen - und wenn sie in diesem Zusammenhang ermordert wurden - was ebenfalls oft genug vorkam, so war das doch kein gezielter Selbstmord. Stichwort Mercedarier-Orden.
Damasus hat geschrieben:Auch in den 30ern stand am 27. November ein Heiliger Namens Josaphat zusammen mit einem Heiligen Barlaam. Was sollte mich aber zu der Vermutung bringen, dass sich unter diesem Josaphat Buddha verbergen soll???? Schreibt das der hl. Johannes Damascenus??

Das ist keine Vermutung, sondern die einfache Wahrheit: Die Geschichte von Jugend und Bekehrung des hl. Josaphat ist die inhaltliche eins-zu-eins-Übernahme des Lalitavistara-Sutra (1. od. 2. Jh.) von Jugend und Erleuchtung des Gautama Buddha, so wie Josaphat die durch mehrere Sprachen gewanderte und dem hebräischen Tal Josaphat angegliche Form des Titels Bodhisatva darstellt.
Als die in der Tat sehr anrührende und fromme Geschichte von Gautama Buddhas Erleuchtung irgendwann im 5. oder 6. Jahrhundert den damals noch christlichen Orient erreichte, war allen ohne lange Nachfrage klar: "Das ist einer von uns". Sie übernahmen die Geschichte und schrieben sie fort - den christlichen Lehrer Barlaam, der sehr viele sehr orthodoxe Reden hält, gibts in der buddhistischen Urfassung natürlich nicht. Der geht wohl auf Konto des hl. Johannes v. Damaskus.
Rudolf von Ems machte aus dem Stoff dann im 13. Jh. einen Roman, der ein absoluter Weltbestseller war mit Übersetzungen in alle damals bekannten Sprachen, Isländisch und Occitanisch inklusive. Die Araber brauchten die Übersetzung nicht, sie waren, als sie den Stoff des Lalitavistara im 7. oder 8. Jh.in Persien kennenlernten, genauso begeistert wie Johannes von Damaskus und machten ein eigenes Buch (Kutub al Judasaf oder so ähnlich) daraus. Und als Cesare Baronio im 16. Jh die erste Auflage des Martyrologium zusammenstellte (ha, endlich wieder on topic), war ihm völlig klar, daß dieser überaus tugendhafte und fromme Josaphat da reingehörte.
Daß Josaphat gleich Bodhisatva gleich Gautama Buddha war, wurde in Europa erst im 19. Jh. festgestellt und bis Ende des 19. Jh. von der Kirche bestritten, bis es nicht mehr zu bestreiten war. Irgendwann im 20. Jh. soll er dann stillschweigend aus dem Martyrologium entfernt worden sein (ich habe keine neuere Version zur Hand, um das zu überprüfen). Es ist mir aber auch ziemlich egal, schließlich fielen auch Dismas und Longinus, Veronika, der hl. Georg, Christophorus und andere der Säuberung zum Opfer, und das Urteil über die Seele des Asketen aus Lumbini liegt in Gottes Hand und nicht in der Hand ängstlicher Kulturrevolutionäre im Rom der 60er Jahre.
Heute hätten sie ihn wahrscheinlich gerne wieder drin - wenn auch aus den falschen Motiven.
Nur zur Abrundung sei erwähnt, daß das durchaus lesenswerte Lalitavistara-Sutra (von dem es sicher ein gutes Dutzend deutsche Übersetzungen gibt) natürlich im Zuge der Ausbreitung des Buddhismus auch nach China, Korea und Japan kam - die Globalisierung ist durchaus nicht so modern, wie sie sich manchmal darstellt. Und natürlich war sie auch nie eine Einbahnstraße: Spuren des nestorianischen Christentums sind auf den gleichen Wegen in buddhistischem Gewand bis nach Japan gekommen.