martin v. tours hat geschrieben:Eine völlig "off-topic" Geschichte .
Hat mir meine Frau heute erzählt:
Von diesem russischen Mädchen (
http://boguslava.ru/viewtopic.php?id=924 )
Sie ist wie Ihre Mutter russisch orthodox. Ihr Vater Jüdisch.
Sie hat eine schwere Lebererkrankung. Im Krankenhaus sagt man ihr, das könne man in Russland nicht operieren,,aber man sagt Ihr, in Israel ginge es.
Die Operation in Israel ist für Sie unbezahlbar.
Sie erfährt, das die Operation für Sie kostenlos wäre,wenn Sie israelische Staatsbürgerin wäre.
Das könnte Sie umgehend werden,da sie einen jüdischen Vater hat.
Sie besorgt sich die notwendigen Formulare und Papiere.
Dann stellt Sie fest Sie nur israelische Staatsbürgerin werden kann wenn Sie auf den Formularen bei Religionsbekenntniss ,jüdisch oder atheistisch ankreuzt.
Christlich ist keine Option.
Sie kann sich nicht entschliessen, ihr Christsein zu verleugnen.
Sie ist im zurückliegenden März in Israel gestorben.
Solche Geschichten beeindrucken mich immer.
Was hätte ich gemacht?
Wäre ich stark genug gewesen?
martin v. tours
(ich kann kein russisch und ich hoffe das ich die Geschichte einigermassen Wahrheitsgetreu erzählt habe)
Eine ganz ähnliche Geschichte (allerdings ohne Krankheit) erzählt der israelische Historiker
Shlomo Sand in seinem Buch
"Die Erfindung des jüdischen Volkes". In diesem Punkt sind selbst Staaten wie der Iran oder Saudi-Arabien moderner. Es ist auch immer wieder wichtig daran zu erinnern, dass offiziell im Staate Israel Christen offenbar nicht vorgesehen sind. Auch insofern schießen mir bei angeblichen
"Bedrohungslagen" dieses Staates angesichts so vieler böser ehemaliger Landeigentümer rings herum immer die Tränen vor Rührung waagerecht aus den Augen. Die Frage allerdings, ob diese Geschichte wahr sei, ist - für mich persönlich - eher geringerer Natur. Ich zähle mich auch nicht zu denjenigen, die lieber das Martyrium sterben würden, als ihr Gewissen zu verleugnen. Diejenigen, die genau dies ständig behaupten (oder durch ihre heuchlerische Political Correctness pathetisch vor sich hertragen), zeichnen sich meist nicht durch ein solches Wesen wie z.B.
Franz Jägerstätter aus, ein ganz einfacher und tiefgläubiger Bauer.
Die Antwort in der Geschichte auf die Frage, ob das Mädchen nicht auch in Russland selbst hätte operiert werden können, ist vermutlich auch sehr authentisch und wahrscheinlich. Ich war zweimal u.a. in Südrussland (Oblast Rostov-na-Donu) und war ganz entsetzt von den dortigen Zuständen. Natürlich war mir auch die Mentalität fremd (aber nicht unsympathisch), der Anblick von einer vollkommen maroden Infrastruktur und menschlichem Elend (kein Straßenmeter ohne Schlagloch, notdürftigst geflickte überirdisch verlegte Gasleitungen, sehr sehr viele arme und alkoholisierte Menschen mit einem apathischen Blick, dass es mir kalt den Rücken runterlief etc., etc.) ließ mich zeitweise im Glauben, ich sei in einem Land der Dritten Welt. Solche Zustände kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen. Natürlich sind Moskau und St. Petersburg glänzende Städte (mit sozialen Schattenseiten), aber der Rest wird ja von den Russen selbst als Provinz betrachtet. Sehr beschämt hat mich allerdings die Warmherzigkeit in den Familien, in denen ich immer wie als einer der Ihren aufgenommen wurde. Andererseits ist der starke Materialismus (ein mächtiges Relikt des Bolschewismus) sicher auch ein
"metaphysischer Hemmschuh" bei der Entwicklung Russlands. Das beklagt ja auch die russisch-orthodoxe Kirche immer wieder.