Trennung zwischen Ost und West: 1054? | Sammelthread

Ostkirchliche Themen.
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Juergen
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Trennung zwischen Ost und West: 1054? | Sammelthread

Beitrag von Juergen »

Was sind die heute noch bestehenden Trennungsgründe zwischen
1) lat. kath. Kirche und der Orthodoxie
2) unierten Ostkirchen und der Orthodoxie

:?:

Ich meine hier theologische Gründe (im weitesten Sinne)
Zuletzt geändert von Juergen am Mittwoch 12. Mai 2004, 11:59, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß Jürgen

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max72
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Re: Trennung zwischen Ost und West / zwischen Ost und Ost

Beitrag von max72 »

Juergen hat geschrieben:Was sind die heute noch bestehenden Trennungsgründe zwischen
1) lat. kath. Kirche und der Orthodoxie
2) unierten Ostkirchen und der Orthodoxie

:?:

Ich meine hier theologische Gründe (im weitesten Sinne)
Lustig, ich wollte gerade genau dieselbe Frage stellen. Mir faellt auf, dass zB auf EWTN man so redet, als ob es zwischen katholisch und orthodox im Prinzip keinen UNterschied gibt...

Wuerd mich auch sehr interessieren.

Gruss

max

Stefan

Beitrag von Stefan »

Soviel ich weiß könnte die förmliche Anerkennung der Konzilsentscheidungen sowie einiger Dogmen zur Mariologie des 2. Jahrtausends ein Problem sein. Zumindest mit dem 1. vat. Konzil wird es problematisch.

(Impliziert natürlich die Richtung)

Was halten denn eigentlich Katholiken davon, wenn sich ihre Kirche als autokephale Kirche von Rom und des Ganzen Abendlandes der Orthodoxie anschließt ? :mrgreen:

-> Sozusagen römisch-orthodox, nur zum schonmal dran gewöhnen...

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Juergen
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Beitrag von Juergen »

Stefan hat geschrieben:Was halten denn eigentlich Katholiken davon, wenn sich ihre Kirche als autokephale Kirche von Rom und des Ganzen Abendlandes der Orthodoxie anschließt ? :mrgreen:

-> Sozusagen römisch-orthodox, nur zum schonmal dran gewöhnen...
Dann vielleicht doch eher eine "deutsch-heterodoxe Kirche". Das könnte man viiiiiieel schneller realisieren. 8)
Gruß Jürgen

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Cicero
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Beitrag von Cicero »

Wir haben jetzt in diesem Thread zwei der drei Trennungsgründe genannt:

1. Das Papstamt

2. Das Filioque

Ein Trennungsgrund fehlt noch. Warum ich den jetzt auch noch einbringe, will ich kurz begründen. In einem Gespräch, in dem es um die Trennung der Ost- und Westkirche ging sagte mir ein Priester einer unierten Ostkirche, daß sowohl das Papstamt als auch das Filioque nicht so dramatisch seien, wie immer dargestellt. (Wie gesagt, das war die Sicht dieses Priesters) Aus Nietenolafs Reaktion auf Jürgens Beiträge sehe ich, daß die Frage durchaus ernst zu nehmen, aber nicht unlösbar sein sollte.

Als den entscheidenden Grund nannte mir dieser Priester die Frage, ob gesäuertes oder ungesäuertes Brot für die Eucharistie verwandt wird.

Also haben wir noch einen dritten Punkt, der die Ost- und die Westkirche trennt:

3. Die Frage des gesäuerten oder ungesäuerten Brotes.

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Juergen
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Beitrag von Juergen »

Cicero hat geschrieben:3. Die Frage des gesäuerten oder ungesäuerten Brotes.
Das halte ich für das geringere Problem.
Die unierten Ostkirchen verwenden auch gesäuertes Brot. Von westlicher Seite also kein Problem. Da hat man schon früh gesagt, daß beides möglich ist (aus westlicher Sicht).


Verurteilt denn der Osten den Westen, weil der Westen ungesäuertes Brot verwendet? :kratz:

--------------------------------------------

@Nietenolaf und alle, die sich da auskennen.

Noch drei Fragen zum filoque:

- Wie beurteilt aktuell der Osten das filioque aus theologischer Sicht (Nicht die Frage ob es ins Credo eingefügt werden durfte oder nicht!)

- Welche Rolle spielt heute noch die Theologie z.B. eines Gregorios Palamas bei dieser Frage?

- Wie wird das Verhältnis von Sohn zum Hl. Geist im Osten gedacht/geglaubt?
Gruß Jürgen

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Juergen
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Beitrag von Juergen »

Juergen hat geschrieben:
Cicero hat geschrieben:3. Die Frage des gesäuerten oder ungesäuerten Brotes.
Das halte ich für das geringere Problem.
Die unierten Ostkirchen verwenden auch gesäuertes Brot. Von westlicher Seite also kein Problem. Da hat man schon früh gesagt, daß beides möglich ist (aus westlicher Sicht).

Verurteilt denn der Osten den Westen, weil der Westen ungesäuertes Brot verwendet? :kratz:
*Folgende Antwort von Nietenolfas steht im Original im abgesplitteten Filioque-Thread (Jürgen)*
Nietenolaf hat geschrieben: Das tat noch der Hl. Patriarch Photios im 9. Jahrhundert. Trotzdem ist das vergleichsweise nur eine Kleinigkeit (im Jahr 1073 veröffentlichte der damalige Kiewer Metropolit Georgios ein theologisches Traktat, in dem er nicht weniger als 70 Verirrungen der Lateiner aufzählte).
Es gibt kein Dogma über das Brot, ob gesäuert oder ungesäuert. Es gibt aber eine Tradition, bzw. gibt es diesbezüglich deren zwei.
Gruß Jürgen

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Juergen
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Beitrag von Juergen »

Ich habe diesen Thread geteilt!

Nun existiert ein Thread zum Thema Papsttum und einer zum Threma Filioque.

Ich hoffe die Beiträge sind dadurch nicht aus dem Sinnzusammenhang gerissen.

In diesem Thread vornehmlich Themen sammeln; ggf. einen eingen Thread aufmachen!
Gruß Jürgen

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Juergen
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Beitrag von Juergen »

Hier ein Zitat von M. Kunzler
Kunzler in [i]Archieratikon[/i] S. 69f. hat geschrieben:
...Es waren im Grunde theologische Kleinigkeiten, "Adiaphora" (Dinge, deretwegen man sich eigentlich nicht streiten müßte, wie über den unterschiedlichen Gebrauch gesäuerten und ungesäuerten Brotes in der Eucharistiefeier, über Priesterehe oder Zölibat aller Geistlichen, über Fastenvorschriften o.ä.), die langsam zu entscheidenden Fragen der Rechtgläubigkeit, der "Orthodoxie", hochstilisiert wurden und im 9. Jahrhundert unter dem Patriarchen Photios zu einer ersten Kirchenspaltung, zu einem "Schisma", führten, dessen wahre Ursachen aber rein machtpolitischer Natur waren.
Erst als die lateinische Kirche in das Glaubensbekenntnis die Lehre über den Heiligen Geist einfügte, "der vom Vater und dem Sohn ausgeht", katte man in Konstantinopel einen vermeintlich dogmatischen Grund, den Abendländern die Rechtgläubigkeit abzusprechen. Man befürchtete, das Abendland trage eine andere Dreifaltigkeitslehre vor als die für die gesamte Kirche verbindliche Tradition; insbesondere liefen die Anschauungen über den Heiligen Geist auf eine Minderstellung der dritten trinitarischen Person hinaus, die mit seiner wahren Gottheit nicht zu vereinbaren sei. Aber schon auf den Verhandlungen des Konzils von Ferrara-Florenz waren die Gespräche über das "filioque" eher von gegenseitigen Mißverständnissen bestimmt als von wirklichem Dialog. Im Gegensatz zu früher ist das "filioque" heute ein Thema des ökumenischen Dialogs, das durchaus Chancen eines fruchtbaren Gesprächs in sich trägt.
...
Die Vorwürfe der Griechen gegen die Lateiner sind im Grunde bis heute die gleichen, wobei natürlich in der Gegenwart, besonders nach der Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit auf dem 1. Vatikanum 1870, die Frage des päpstlichen Primats ebenso im Mittelpunkt steht wie die Frage nach dem Heiligen Geist.
...
Dort finden sich auch eine Reihe von Literaturangaben, die ich gerne hier weitergeben möchte (falls wer Lust und Zeit hat, sich mit dem Thema oder besser den Themen ausführlich zu beschäftigen):
  • Zu den Gespräche in Ferrara-Florenz:
    • M. Kunzler: Die Forentiner Diskussion um das Filioque vom 14. März 1439 im Licht des Palamismus. In: Annuarium Historiae Confiliorum 21 (1989), 334-352.
  • Zum Filioque-Streit und Lösungsmöglichkeiten:
    • L. Vischer (Hg.): Geist Gottes - Geist Christi. Ökumenische Überlegungen zur Filioque-Kontroverse. Berichte und Vorträge zeier Tagungen auf Schloß Klingenthal (Frankreich). Frankfurt 1981. (Ökumenische Rundschau, Beiheft 39).
      -- Darin: Boris Bobrinskoy: Das Filioque gestern und heute, 107-120
      -- Darin: Jürgen Moltmann: Dogmatische Vorschläge zur Lösung des Filioque-Streites, 144-152
  • Gesamtdarstellungen der byz. Theologie aus orthodoxer Sicht
    • Evdokimov: L'Orthodoxie. Paris 1979
    • Georg Galitis u.a.: Glauben aus dem Herzen. Eine Einführung in die Orthodoxie. München 1987
    • Athenagoras Kokkinakis: Gebet und Glauben des Volkes Gottes. Eine Darlegung des orthodoxen Glaubens. Freising 1977.
    • Vladimir Lossky: La théologie mystique de l'Église d'Orient. Paris 1944. --- Deutsch: Die mystische Theologie der morgenländischen Kirche / Mirjam Pragen (Übers.). Graz u.a. 1961
    • Jean Meyendorf: Le Christ dans la théologie byzantine. Paris 1969
    • Jean Meyendorf: Orthodoxie de Catholicité. Paris 1965
    • Kallistos Waren: Der Aufstieg zu Gott. Glaube und geistliches Leben nach ostkirchlicher Überlieferung. Freibung u.a. 1983
  • Gesamtdarstellungen der byz. Theologie aus westlicher Sicht
    • F. C. Felmy: Die orthodoxe Theologie der Gegenwart. Einführung. Darmstadt 1990.
    • J. Tyciak: Wege östlicher Theologie. Geistesgeschichtliche Durchblicke. Bonn 1946
    • J. Tyciak: Zwischen Morgenland und Abendland. Ein Beitrag zu einem west-östlichen Gespräch. Düssendorf 1949
@Nietenolaf.
Falls Du das ein oder andere Buch kennst und empfehlen kannst, wäre es schön, wenn Du es tätest ;) Ebenso, wenn Dir ein Autor als besonders empfehlenswert in Auge sticht.

@All
Ich glauben ich mache mal einen extra Thread mit Literautempfehlungen auf. Es könnte hilfreich sein, wenn zu dem "Spezialthema" eine Literaturliste erstellt würde.

Bitte dort ergänzen.
Gruß Jürgen

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Ralf

Beitrag von Ralf »

Patriarch Bartholomaios I. sieht den eigentlichen Grund für das Schisma jenseits von theologischen Einzelfragen:

Weltliches Denken in der Kirche

Der Theologe Bruno Forte wagt eine Antwort:

Der Bischof von Rom und die Einheit der Christen

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Nassos
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Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Nassos »

Was mich mal interessieren würde:

welche Deutsche sind in der Orthodoxie Heilige? Antworten gerne mit Ikonen, wenn möglich.

Danke sehr.

Nassos
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ad-fontes
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1054

Beitrag von ad-fontes »

holzi hat geschrieben:Ich möchte dann mal "meine" Heiligen mit Lokalbezug nennen:
- das Kaiserpaar Heinrich II (+1024) und Kunigunde (+1033)
- der Hl. Bischof Wolfgang (+994)
Die Hl. Missionsbischöfe Erhard (+715) und Emmeram (+652) könnte man selbstverständlich auch mitzählen, sie stammen aber aus Südfrankreich. Dann auch noch die nicht ganz so bekannten Bischöfe und Äbte Gaubald, Ramwold, Tuto, die Hl. Königin Hemma etc. etc. etc.
Könnte die orthodoxe Seite vielleicht zunächst einmal eine zeitliche Grenze definieren?

Erzbischof Mark sagt 800 und gibt die Kaiserkrönung Karl d. Gr. an. Insofern berechtigt, da er durch die Frankfurter Synode das ökumenische Konzil von Nikäa 787 konterkariert und das filioque propagiert.

Andererseits datiert man das Große Schisma auf 1054.
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Alexej Veselov
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Alexej Veselov »

Schwieriges Thema. Einen eindeutigen Zeitpunkt kann man nicht setzen - es war ein Prozess und passierte nicht von heute auf morgen. Auch 1024 wurde damals noch nicht als das Datum verstanden, aber die Menschen brauchen halt immer ein bestimmtes Datum für ihr Denken (Schubladendenken macht auch nicht immer alles leicht).

Es geht auch bei der Frage nach der Annahme der Heiligen nicht um eine zeitliche Grenze, sondern um das Leben jedes einzelnen von ihnen - um die Richtigkeit ihres Glaubens und um ihre Taten.

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ad-fontes
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von ad-fontes »

Alexej Veselov hat geschrieben:Schwieriges Thema. Einen eindeutigen Zeitpunkt kann man nicht setzen - es war ein Prozess und passierte nicht von heute auf morgen. Auch 1024 wurde damals noch nicht als das Datum verstanden, aber die Menschen brauchen halt immer ein bestimmtes Datum für ihr Denken (Schubladendenken macht auch nicht immer alles leicht).

Es geht auch bei der Frage nach der Annahme der Heiligen nicht um eine zeitliche Grenze, sondern um das Leben jedes einzelnen von ihnen - um die Richtigkeit ihres Glaubens und um ihre Taten.
Auch das ist eine schwierige Frage. Waren Franz von Assisi oder Katharina von Siena Häretiker?
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Alexej Veselov
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Alexej Veselov »

Und schon die nächste provokative Frage :achselzuck:

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Nassos
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Nassos »

1054 gilt eigentlich nur als das offizielle Datum.
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Nietenolaf
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Nietenolaf »

ad-fontes hat geschrieben:Auch das ist eine schwierige Frage. Waren Franz von Assisi oder Katharina von Siena Häretiker?
Mach doch mal 'ne Analyse der Viten, wie Alexej vorgeschlagen hat. Bin gespannt, was dabei herauskommt.
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Robert Ketelhohn
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Nassos hat geschrieben:1054 gilt eigentlich nur als das offizielle Datum.
Nö. Da ist ja gar nichts Relevantes passiert.
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Nassos
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Nassos »

Mag sein. Aber nochmal: ist es nicht das offizielle Datum?
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Joseph
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Joseph »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Nassos hat geschrieben:1054 gilt eigentlich nur als das offizielle Datum.
Nö. Da ist ja gar nichts Relevantes passiert.
Abgesehen vom Kerfuffle in Hagia Sophia und im patriarchalen Palast ist nichts passiert.

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Robert Ketelhohn
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Nassos hat geschrieben:Mag sein. Aber nochmal: ist es nicht das offizielle Datum?
„Offizielle“ Spaltungsdokumente, das heißt förmliche Untersagung jeder Sakramenten-
gemeinschaft, datieren erst aus dem 18. Jht. (1729 römischerseits, 1750 oder 51 von
seiten der vier alten östlichen Patriarchen [ohne die sich ausdrücklich nicht anschließen-
den Russen]).
Joseph hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Nassos hat geschrieben:1054 gilt eigentlich nur als das offizielle Datum.
Nö. Da ist ja gar nichts Relevantes passiert.
Abgesehen vom Kerfuffle in Hagia Sophia und im patriarchalen Palast ist nichts passiert.

Ruhig Leute,
weitergehen bitte, da gabs nix zu sehen....
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Zwei Prälaten, ein östlicher und ein westlicher, haben einander exkommuniziert. Und?
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Miserere Nobis Domine »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:[ohne die sich ausdrücklich nicht anschließen-
den Russen]).
Seit wann lehnen die Russen eigentlich die Sakramentengemeinschaft mit der RKK ab? ca. 1991?

Ich erinnere mich, dass noch zu Sowietzeiten römische Katholiken im MP zur hl. Eucharistie zugelassen waren. Ein Freund hat mir auch von Konzelebration in Novosibirsk in den 1980er Jahren berichtet, wobei ich nicht weiss, ob das durch das Kirchenrecht abgedeckt war.

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Nietenolaf
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Nietenolaf »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:„Offizielle“ Spaltungsdokumente, das heißt förmliche Untersagung jeder Sakramenten-
gemeinschaft, datieren erst aus dem 18. Jht. (1729 römischerseits, 1750 oder 51 von
seiten der vier alten östlichen Patriarchen [ohne die sich ausdrücklich nicht anschließen-
den Russen]).
Lateiner (inkl. Protestanten) wurden bei den Russen höchst offiziell zwischen 1620 und 1667 neu getauft. Begründet wurde das durch die Verzerrung in der lat. Trinitätslehre und die Taufe durch "Begießen" (statt durch Untertauchen). Hintergrund ist aber auch (und vielleicht eher noch) die damalige Verfolgung der Orthodoxen durch die Lateiner in den "westrussischen" Gebieten gewesen. 1667 wurde die Wiedertaufe durch das Große Moskauer Konzil (1666/67) verboten und dieses Verbot später bestätigt.
Man möchte meinen, in dieser Zeit wurde eine "Sakramentsgemeinschaft" ebenso ausgeschlossen.

Ich habe keine Quelle dafür, daß sich die Russen 1750/51 aus der offiziellen Kündigung der Sakramentsgemeinschaft heraushielten. Schaue ich mir die politischen Umstände dieser Zeit in Rußland an, könnte ich es aber verstehen. Die Russische Orthodoxe Kirche war in jenen Tagen quasi einem Minister unterstellt.
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Joseph
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Joseph »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Zwei Prälaten, ein östlicher und ein westlicher, haben einander exkommuniziert. Und?[/color]
...und von allen Teilnehmern am Florentinischen Konzil hat nur St. Mark von Ephesus nicht unterschrieben. Und?
...und von allen Bischöfen der Welt hat sich nur einer für unfehlbar erklärt. Und?
...und 1683 wurden die Türken vor Wien geschlagen. Und?

are you serious?
Joseph
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Nietenolaf
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Nietenolaf »

Joseph hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Zwei Prälaten, ein östlicher und ein westlicher, haben einander exkommuniziert. Und?[/color]
...und von allen Teilnehmern am Florentinischen Konzil hat nur St. Mark von Ephesus nicht unterschrieben. Und?
...und von allen Bischöfen der Welt hat sich nur einer für unfehlbar erklärt. Und?
...und 1683 wurden die Türken vor Wien geschlagen. Und?
Ich sehe den Bruch vielleicht auch nicht gleich 1054, aber 1204, das ist für mich deutlich genug.
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Nassos
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Nassos »

Vielleicht ein letzter Satz (ich glaubs ja gar nicht, den ganzen Rambazamba).
"Offiziell" heißt nicht unbedingt "richtig". Könnt ihr jetzt wieder ruhig schlafen? :P
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Robert Ketelhohn
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Nietenolaf hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:„Offizielle“ Spaltungsdokumente, das heißt förmliche Untersagung jeder Sakramenten-
gemeinschaft, datieren erst aus dem 18. Jht. (1729 römischerseits, 1750 oder 51 von
seiten der vier alten östlichen Patriarchen [ohne die sich ausdrücklich nicht anschließen-
den Russen]).
Lateiner (inkl. Protestanten) wurden bei den Russen höchst offiziell zwischen 1620 und 1667 neu getauft. Begründet wurde das durch die Verzerrung in der lat. Trinitätslehre und die Taufe durch "Begießen" (statt durch Untertauchen). Hintergrund ist aber auch (und vielleicht eher noch) die damalige Verfolgung der Orthodoxen durch die Lateiner in den "westrussischen" Gebieten gewesen. 1667 wurde die Wiedertaufe durch das Große Moskauer Konzil (1666/67) verboten und dieses Verbot später bestätigt.
Man möchte meinen, in dieser Zeit wurde eine "Sakramentsgemeinschaft" ebenso ausgeschlossen.

Ich habe keine Quelle dafür, daß sich die Russen 1750/51 aus der offiziellen Kündigung der Sakramentsgemeinschaft heraushielten. Schaue ich mir die politischen Umstände dieser Zeit in Rußland an, könnte ich es aber verstehen. Die Russische Orthodoxe Kirche war in jenen Tagen quasi einem Minister unterstellt.
Was die Russen im 17. Jht. betrifft, hast du recht. In dieser Haltung standen sie damals
freilich recht isoliert da innerhalb der Ostkirchen. Griechen, Rumänen etc. handhabten es
anders. Daß die russische Haltung sich änderte, lag gerade an der Einflußnahme der Grie-
chen. Man hielt es dann allgemein und auch in Rußland wieder so wie seit langem: Man
hatte zwar normalerweise keine Sakramentengemeinschaft, im Einzellfall dann aber doch,
wenn „pastorale Gründe“, Kirchenpolitik oder sonst irgendwelche praktischen Fragen es
geraten erscheinen ließen.

Diese Praxis wurde seit etwa Anfang des 18. zuerst lateinischerseits durch „moderne“, junge
Priester in Frage gestellt, ja zunehmend heftig bekämpft. Der Konflikt altem und neuem Weg
in der römischen Kirche und den mit ihr unierten gipfelte 1729 in einer Entscheidung der
Propaganda fide (der Missionskongregation), welches – primär in der Absicht, den „inner-
katholischen“ Streit aus der Welt zu schaffen – ab sofort jede communicatio in sacris mit den
„Schismatikern“ untersagte.

Da den Ostkirchen die lateinische Distinktion zwischen „unerlaubt“ und „ungültig“ hinsicht-
lich der Sakramente eher fremd ist, reagierten (aus lateinischer Sicht wenigstens) noch schär-
fer, indem sie die Lateiner pauschal zu »Ungeheiligten und Ungetauften« erklärten. Konkret
wurde dies auf einer Versammlung der Patriarchen von Constantinopel, Alexandrien und Je-
rusalem im Jahre 1755 (nicht 1750 oder 51, wie ich oben aus der Erinnerung vermutet hatte)
in Constantinopel beschlossen und verkündet.

Die russische Kirche schloß sich dem ausdrücklich nicht an, indem sie 1757 verfügte, daß
künftig Konvertiten aus der katholischen Kirche, die das Sakrament der Firmung bereits emp-
fangen hätten, ohne neuerliche Myronsalbung in die russische Kirche aufzunehmen seien.
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Nassos
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Nassos »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:ohne neuerliche Myronsalbung in die russische Kirche aufzunehmen seien.
ich hatte gehört, dass Katholiken kein Myron verwenden bei der Salbung. Inwieweit stimmt das?
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Robert Ketelhohn
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Joseph hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Zwei Prälaten, ein östlicher und ein westlicher, haben einander exkommuniziert. Und?[/color]
...und von allen Teilnehmern am Florentinischen Konzil hat nur St. Mark von Ephesus nicht unterschrieben. Und?
...und von allen Bischöfen der Welt hat sich nur einer für unfehlbar erklärt. Und?
...und 1683 wurden die Türken vor Wien geschlagen. Und?
Lieber Joseph, das Ereignis von 1054 bedeutete keine Kirchenspaltung und auch keine
Aufhebung der Sakramentengemeinschaft. Sie wurde weder von den Zeitgenossen noch
auch Jahrhunderte später als „der Bruch“ empfunden.

Sie war tatsächlich ein Schritt unter vielen auf einem lange vorher (!) begonnenen Weg all-
mählicher Entfremdung, der schließlich in jenen von mir oben angedeuteten Beschlüssen
aus dem 18. Jht. gipfelte. Erst damals wurden tatsächlich die Türen definitiv (aber hoffent-
lich doch nicht endgültig) zugeschlagen.
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Nassos
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Nassos »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Lieber Joseph, das Ereignis von 1054 bedeutete keine Kirchenspaltung und auch keine
Aufhebung der Sakramentengemeinschaft. Sie wurde weder von den Zeitgenossen noch
auch Jahrhunderte später als „der Bruch“ empfunden.

Sie war tatsächlich ein Schritt unter vielen auf einem lange vorher (!) begonnenen Weg all-
mählicher Entfremdung, der schließlich in jenen von mir oben angedeuteten Beschlüssen
aus dem 18. Jht. gipfelte. Erst damals wurden tatsächlich die Türen definitiv (aber hoffent-
lich doch nicht endgültig) zugeschlagen.
Das ist doch etwas anderes als
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Nö. Da ist ja gar nichts Relevantes passiert.
Danke.
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Nassos hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:ohne neuerliche Myronsalbung in die russische Kirche aufzunehmen seien.
ich hatte gehört, dass Katholiken kein Myron verwenden bei der Salbung. Inwieweit stimmt das?
Gar nicht. Wir nennen unser Myron im Deutschen Chrisam (‹ lat. chrisma ‹ gr. χρίσμα;
entspr. etwa auch it. crisma, engl. crism). Die Rezepturen unterscheiden sich wohl in
manchen Details, aber sie haben sich auch erst im Lauf der Geschichte allmählich ent-
wickelt, nicht in allen Einzelheiten, aber im Wesentlichen identisch.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Joseph
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Re: Deutsche Orthodoxe Heilige

Beitrag von Joseph »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Lieber Joseph, das Ereignis von 1054 bedeutete keine Kirchenspaltung und auch keine
Aufhebung der Sakramentengemeinschaft. Sie wurde weder von den Zeitgenossen noch
auch Jahrhunderte später als „der Bruch“ empfunden.
Sie war tatsächlich ein Schritt unter vielen auf einem lange vorher (!) begonnenen Weg all-
mählicher Entfremdung, der schließlich in jenen von mir oben angedeuteten Beschlüssen
aus dem 18. Jht. gipfelte. Erst damals wurden tatsächlich die Türen definitiv (aber hoffent-
lich doch nicht endgültig) zugeschlagen.[/color]
Robert, es geht darum, daß man sich auf ein geschichtliches Datum geeinigt hat, das ist 1054... Ansonsten kommt es dazu, daß es soviele Daten wie es Kirchenhistoriker gibt. Jeder hat sein eigenes privates Datum... eine vernünftige Debatte ist dann nicht mehr möglich.

Natürlich weiß ich, daß es auch andere Ideen über das genaue Datum des Schismas gibt, vor und nach dem "offiziellen" Datum... Aber man muss sich wohl auf ein Datum, wenn auch nur der Debatte wegen, einigen. Dieses Datum ist heute 1054.
Christus ist ja angeblich auch nicht im Jahre O geboren sondern 7 Jahre davor. Muss nun der Kalender geändert werden?
Man hat sich weltweit auf Celsius geeinigt. Nur folgen die USA dieser Einigung nicht... Ich lebe in einem Land mit offiziellen Celsius und Leuchtreklamen in Fahrenheit.... man kann sich dran gewöhnen, aber praktisch ist das nicht.

Gruß
Joseph
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