Hallo SD!
Stephen Dedalus hat geschrieben:Ich möchte hier einmal ein bißchen Wasser in den Wein Eurer orthodoxen heilen Welt gießen.
Ich bitte also bei der Diskussion insgesamt um ein wenig mehr Offenheit und Realismus, weniger um die wenig überzeugende Verbreitung eines Idealbildes.
Wassergießen? Liest sich eher wie Schlammwerfen. An "Offenheit" konnte ich bei dir indes gar nichts finden.
Stephen Dedalus hat geschrieben:Mein Verdacht ist hier nämlich, daß sich das auf dem Papier alles hübsch liest, in der Praxis aber so ganz und gar nicht aussieht. Immerhin habt Ihr lieben orthodoxen Brüder hier den Vorteil, ein schönes Bild zeichnen zu können, weil wir in unserer mittel- und westeuropäischen Lebenswelt vom real existierenden orthodoxen Kirchentum recht weit entfernt sind. Anspruch und Wirklichkeit klaffen auch da weit auseinander, wie man gelegentlich sehen und hören kann.
Ich frage mich wirklich, was du da gehört, vor allem aber
gesehen hast? Wenn du dir z.B. ein neues Auto kaufen willst und über ein bestimmtes Modell viel positives gelesen hast, würdest du dann auch eher die Vertreter der Konkurrenzmarken abklappern, um es dir madig reden zu lassen? Jeder andere würde doch eher zum Händler des gewünschten Modells selbst gehen, um es sich anzusehen und um eine Probefahrt zu bitten.
Wenn du dich also wirklich für "westliche Orthodoxie" interessierst, kann ich dir z.B. einen kleinen Ausflug nach
Tolleshunt Knights wirklich ans Herz legen:
orthodoxwiki.org hat geschrieben:<img src=http://orthodoxwiki.org/images/thumb/9/ ... Kyrill.jpg align=right height=215 hspace=20>The Patriarchal Stavropegic Monastery of St John the Baptist is a monastic community for both men and women, directly under the Ecumenical Patriarchate. It is located in Tolleshunt Knights, Maldon, Essex, England.
The community was founded in 1959 by Elder Sophrony (Sakharov), under the jurisdiction of His Eminence Metropolitan Anthony, Metropolitan of Sourozh and ruling Russian bishop in England, with six monastics from a number of nations; soon after, in 1965, the Monastery moved under the direct jurisdiction of the Ecumenical Patriarchate.
The community consists of men and women living the monastic tradition of a Christ-centered prayer life for the monastic members. Currently, the majority of the community are nuns (~15-20), with a smaller number of monks.
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Der Abt.
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Stephen Dedalus hat geschrieben:aber andere Konflikte sind aufgebrochen, wie etwa an der Absetzung des Bischofs in London kürzlich zu sehen war. Diese sind offenbar Symptome eines tiefen Grabens zwischen der "verwestlichen" Kirche und der Gnesioorthodoxie in Osteuropa - ein Konflikt, den andere Kirchenfamilien in ähnlicher Weise durchmachen.
Das Problem liegt hier nicht in einem Graben zwischen Russland (oder einem anderen traditionell orthodoxen Land) und Westeuropa, sondern darin, dass ein Bischof in der Diaspora sowohl Gläubige zu betreuen hat, die noch sehr fest in der Heimattradition und Sprache verwurzelt sind, als auch jüngere Generationen, Konvertiten, etc., die genauso orthodox sind, aber eben im Westen verwurzelt. Der erwähnte Bischof wollte sich eigenmächtig von seiner Heimatkirche losreißen und ins ökumenische Patriachat wechseln, das verstößt gegen kanonisches Recht, deshalb wurde er seines Amtes enthoben. Der Vorfall stellt aber eine unglückliche Ausnahme dar, normalerweise werden solche Fragen sehr einvernehmlich gelöst. Das Grundproblem liegt m.E. darin, dass die Zuständigkeit für die Diaspora nicht gesamtorthodox geklärt wurde, weil sie zu lange nur als Provisorium angesehen wurde.
Stephen Dedalus hat geschrieben:Dann werden in Nietenolafs Posting (mit Bedacht?) die gesamten altorientalischen und nichtchalcedonensischen Kirchen nicht erwähnt, die sehr alt sind, sich als die orthodoxen Ortskirchen verstehen, aber von den kanonischen Patriarchaten nicht anerkannt werden. Alleine Patriarchen von Antiochia gibt es mindestens vier, die allesamt nicht miteinander in Gemeinschaft stehen.
Auch wenn die sich vielleicht neben apostolisch, katholisch, östlich auch orthodox nennen, so haben sie mit
der orthodoxen Kirche, um die es hier im Thread geht, nichts zu tun. Sie werden deshalb auch oft zur Unterscheidung "altorientalisch" genannt. Einige von ihnen erkennen nur die ersten beiden ökumenischen Konzile an, andere noch das dritte. Die Abspaltung hatte auch politische Gründe: Diese Kirchen waren zunächst auch außerhalb des römischen Reiches angesiedelt, zudem meist als Minderheitsreligion. Zndem gab es bei denen interne Spaltungen. am verworrensten wurde es dadurch, dass die römische Kirche ohne Rücksicht auf deren Irrlehren in Bezug auf die zwei Naturen Christi, Teile davon uniert hat, Hauptsache, sie erkennen das päpstliche Primat an. Die Parallelkirchen und die territoriale Vermischung von Orthodoxen, Altorientalen und Lateinern im Nahen Osten, entstand erst der Eroberung durch die Moslems und die darauf folgenden Kreuzzüge.
Stephen Dedalus hat geschrieben:Die Rede von der "einen Kirche" ist gut und schön, und ekklesiologisch betrachtet auch richtig. Aber man muß immer dazu sagen, daß sich diese "eine Kirche" nur in der Form von real existierenden Ortskirchen manifestiert, und da fangen die Probleme eben an. Niemandem ist damit gedient, hier so zu tun, als seien in der Berufung auf die "eine Kirche" die Fragen gelöst.
Dich stört es offensichtlich, dass die Orthodoxe Kirche nicht alles als "Kirche" ansieht, was sich so nennt. Warum das aber dennoch richtig ist, kannst du vielleicht an einem anderen Beispiel sehen:
Was wir alle, also Katholiken, Lutheraner, Anglikaner, Orthodoxe, Methodisten, Altorientalen, Evangeliake, usw. gemeinsam haben, dass sind die Schriften des neuen Testaments, das war's auch schon (eben "sola scriptura").
Der Kanon des neuen Testaments wurde aber nicht so verfasst, dass man alles, was über Jesus überliefert hat reingepackt wurde. (So würden das heutige Ökumenische Versammlungen tun - nur dass es auch so heute nicht mehr geben würde, wenn die Kirchenväter so "ökumenisch" gedacht hätten wie heute: Ja nichts ausgrenzen!)
Die Kirchenväter aber haben folgendes gemacht: Sie haben 2/3 aller Briefe, Evangelien und sonstiger Lehrtexte
nicht aufgenommen! Sondern nur die wenigen Texte, die eindeutig den Glauben der einen, heiligen, apostolischen Kirche wiedergeben und keinerlei Irrlehren enthalten.
Ebenso konsequent wurden die Altorientalen auf den Konzilen von Ephesus und Chalcedon aus der Kirche ausgeschlossen, weil sie sich standhaft weigerten, von ihren Irrlehren zurückzutreten.
Und auch heute kann Ökumene nicht funktionieren, indem man alles in die Tradition neu aufnimmt, was von sich meint, christlich zu sein. Es geht dabei auch nicht darum, dass sich alle den orthodoxen Bischöfen zu unterwerfen (ebensowenig wie dem Papst) oder dass alle in die aufgezählten orthodoxe Kirchen konvertieren sollen (trotzdem darf man das niemandem verbieten), sondern darum, sich wieder auf den wahren Glauben, den uns Christus, die Apostel und Kirchenväter überliefert haben, zu besinnen. Das ist genau das, was die orthdoxen Kirche heute wie vor 2000 Jahren zusammenhält.
Irrwege kann man dagegen m.E. am besten daran erkennen, dass sich ihre Anhänger fortwährend weiter zerspalten (heute bei den Protestanten wie früher schon bei den Altorientalen).
LG
Walter