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Eucharistie nach Hause mitnehmen?

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 10:08
von Ralf
Hallo!

Ich habe mal eine Frage. Da ich mit Orthodoxen Christen aus familiären Gründen bis auf weiteres (hoffentlich ein Leben lang :) ) sehr viel zu tun habe, stellen sich mir ab und an Unverständlichkeiten in den Weg, so auch vor einigen Monaten nach der orthodoxen Osternacht:

Jeder der anwesenden Gläubigen bekam auf Wunsch in Wein getränktes Brot mit nach Hause, welche nicht nur chemisch das gleiche Brot und der gleiche Wein wie bei der Eucharistie waren, sondern nach Aussage meiner baldigen Familie auch die Eucharistie selbst war?

Kann das sein? Nimmt man die Heiligen Gaben nach Hause mit? Oder handelt es sich um gesegnetes Brot mit Wein, nicht um den Leib und das Blut des Herrn selbst?

Danke für die Antwort.

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 10:48
von Sebastian
Hallo Ralf, habe da so eine Vermutung: Ist Deine baldige Familie "zufällig" der serbisch orthodoxen Tradition angehörig ? ;-)

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 11:05
von Sebastian
Um Mißverständnisse vorzubeugen: In der serbischen Tradtion, gibt es ein eigenes Familienfest (meist feiert man einen Heiligen, gibt aber auch Familienfeste, die an die Kirchenfeste [Petrus&Paulus, Entschlafung Mariens, Geburt Johannes des Täufers usw] anknüpfen. Nur Ostern und Weihnachten sind eher ungewöhnlich.). Dieses Familienpatronatsfest, wenn Du so willst, wird Slava genannt. In der Kirche werden ein in rundform gebackenes Brot und Wein gesegnet. Das Brot wird vom Priester und Volk gedreht, wobei Gebete gesprochen werden. Danach wird es in 4 Teile geschnitten und mit dem gesegneten Wein begossen. Das Brot und der Wein symbolisieren in der Tat Leib und Blut Christi - die Familie erhält das in Wein getränkte Brot als Zeichen der Zugehörigkeit zu IHM, es ist aber keine Kommunion, sondern gesegnete Gaben, die mit nach Hause genommen werden.

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 11:10
von Sebastian
Erwähnen möchte ich noch, dass es in der Frühkirche durchaus üblich war, nach der Liturgie die Kommunion für Kranke und Betagte "mit nach Hause" zu nehmen. Diese Praxis wurde jedoch aus verschiedenen Gründen verboten.

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 11:10
von Ralf
Sebastian hat geschrieben:Hallo Ralf, habe da so eine Vermutung: Ist Deine baldige Familie "zufällig" der serbisch orthodoxen Tradition angehörig ? ;-)
Nein, rumänisch.

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 12:29
von Sebastian
Ich denke dennoch, dass es in die oben von mir beschriebene Richtung geht. Auch die rumänische Kirche kennt Segnungen von Brot und Wein zu verschiedenen Festen.

Ein Priester ist vor allem Verwalter der Mysterien Gottes. Er darf soetwas (gemeint "Kommunion mit nach Hause nehmen") nicht zulassen.

Unter anderem ist es zu einem Ende, der von mir genannten urkirchlichen Praxis gekommen, da es zu schweren Mißbräuchen kam. So wurden Leib und Blut Jesu Christi bespw. zu heidnischen, okkultischen ja satanischen Riten verwendet. :würg: Ein weiteres Argument der Mundkommunion übrigens.

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 12:34
von anneke6
Das war bestimmt nicht die Eucharistie, eher so etwas wie das nach der Liturgie verteilte Antidoron.
Darüber gibt es auch unterschiedliche Ansichten. Manche sagen, alle dürften davon nehmen, da es nicht die heiligen Gaben seien, und eine Frau aus den USA schrieb, nur Orthodoxe sollten davon nehmen, da das Antidoron ebenfalls ein Zeichen der Einheit ist, welche mit Heterodoxen nicht gegeben ist.

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 12:40
von Sebastian
Jedenfalls Ralf - es war keine Kommunion, dies ist ausgeschlossen !

Wünsche Dir und Deiner baldigen Familie alles Gute und Gottes reichen Segen auf den Weg !

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 13:20
von ar26
wie Walter hier ausgeführt hat
viewtopic.php?p=147225&highlight=#147225
dürfen alle Christen am Antidoron teilnehmen.

Die Sakristei

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 14:57
von ieromonach
Hallo, Ihr Lieben,
das Ralf beschreibt ist die "Brotsegnung" bei der Liti bzw. Artiklasia.
Guckt einmal ganz genau hin, dort werdet Ihr 5 Brote, Öl und Wein sehen. Die Brote werden zerschnitten und (wenn es richtig gemacht wird) mit Öl und Wein getränkt und an die Gläubigen verteilt. Erinnerung an die Speisung der Fünftausend. In alten Zeiten waren die Gottesdienste sehr lang, die ganze Nacht, und zwischendurch hat man sich ein wenig gestärkt.

+P.Theodoros