Lutheraner hat geschrieben:Das ist für Rom doch eher eine Formsache. Da nach kath. Auffassung dieses "Sakrament" nicht zwei Mal gespendet werden kann, wird hier sicherheitshalber so vorgegangen. Das scheint aber eher guter Wille als Ernsthaftgkeit zu sein.
Wem die Priesterweihe nichts gilt, für den ist das natürlich eine "Formsache". Rom agiert hier aber - im katholischen Sinne - ganz anders. Für uns - wie für Rom - ist sie ein Sakrament.
Hier seid ihr euch mit den Porvoo-Kirchen auch nicht einig. Das dreistufige Amt ist bei ihnen eine kirchenrechtliche Regelung (und wird es bei der ELCA genauso sein). Der Glaube ändert sich dadurch nicht. Die Ordination wird nur anders und mehrstufig durchgeführt.
Wem das Amt nichts gilt, für den ist es nur eine kirchenrechtliche Regelung. Die skandinavischen Lutheraner sehen das anders.
Die römische Kirche ist da konsequenter - sie spricht ausdrücklich von der sakramentalen Apost. Sukzession, wodurch klargemacht wird, dass die Sukzession der hochkirchlichen Lutheraner (und vielleicht auch der Anglikaner?) niemals anerkannt werden kann.
Warum das denn? Schließlich ist die sakramentale Sukzession ja auch Bestandteil der anglikanischen Ekklesiologie.
Genau das ist für mich aber nicht mehr ersichtlich.
Welche weitere Bedingungen als der Einführung der sog. Apost. Sukzession war von Seiten der US Episkopalkirche für Kirchengemeinschaft mit der ELCA notwendig?
Der Vereinbarung über die Übernahme der Sukzession und der Erklärung der Kirchengemeinschaft gingen jahrelange Lehrgespräche voraus. Das Ganze wurde in gemeinsamen Dokumenten niedergelegt. Es ging keineswegs nur um ein Aufdrängen der Sukzession. Das Teilen der bischöflichen Sukzession ist erst möglich, wenn sichergestellt ist, daß beide Partner ein hinlänglich übereinstimmendes Verständnis der apostolischen Lehre und Praxis haben. Man verteilt seine Sukzession nicht wie Dauerlutscher an Schulkinder (sowas machen nur die Vagantenbischöfe, auf die sich teilweise die deutschen Hochkirchler zurückführen). Ich glaube, die Schlußerklärung zwischen Episkopalkirche und ELCA hieß "Called to Common Mission" oder so, aber das läßt sich leicht ergooglen.
Das sieht für mich genau nach Überbügelung theologischer Differenzen durch eine Ämterregelung aus.
Genau das ist es nicht, und da merkt man wieder, wie weit EKD und Anglikaner hier noch auseinander sind. Die Ämterregelung kann keine theologischen Differenzen überbügeln, denn sie ist selbst Symptom solcher Differnezen. An der Amtsfrage hängt ausgesprochen viel, von der Ekklesiologie bis zur Sakramentenlehre. Eine Sukzession herzustellen, würde daher für die deutschen Protestanten eine grundlegende Änderung theologischer Positionen bedeuten. Genau dazu sind sie aber nicht bereit (sie wissen, was auf dem Spiel steht). Deshalb hängt es nicht bloß an der Übernahme der Sukzession, sondern daran, daß die theologischen Voraussetzungen dafür nicht da sind.
Nicht dass du mich mißverstehst - ich schätze die Anglikaner und ihre ökumenischen Bemühungen sehr. Ich stelle hier nur das Ökumene-Verständnis der Anglikaner in Frage.
Ja, wir sind sehr ökumeneinteressiert. Aber nicht um jeden Preis. Für uns ist die apostolische Tradition nicht aufgebbar. Ökumene kann es nur auf der Basis der apostolischen Tradition geben, und zu der gehört das dreistufige Amt in der Sukzession. Ökumene heißt immer Wachsen in der Wahrheit und Wiederherstellung der sichtbaren EInheit der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche. Man kann nicht einen der Aspekte opfern, um ökumenisch zu sein.