Anglikanische Kirche

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.
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Lutheraner
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Beitrag von Lutheraner »

John Grantham hat geschrieben:Und an dieser Stelle bekommen wir auch massive Rückendeckung von Römisch-Katholiken und Orthodoxen -- jene Christen also, die ebenfalls ein klares Verhältnis zur Kirchengeschichte und zur Tradition haben
Warum seid ihr euch nicht einig? Diese Apost. Sukzession ist vor allem dadurch unglaubwürdig, dass die Kirchen, die sich auf sie berufen völlig uneinig sind. Keine dieser Kirchengruppen stehe in Abendmahls- oder Kirchengemeinschaft miteinander, sie verurteilen sich gegenseitig und sprechen sich z.T. die Gültigkeit ihrer "Sukzession" ab. Für Rom sind die Anglikaner nicht einmal eine Kirche, sondern nur eine Gemeinschaft, die ungültige Sakramente spendet und Messen und Weihen simuliert. Macht euch doch nichts vor. Für Rom steht ihr vom Kirchenverständnis her auf derselben Stufe mit den Baptisten.
Dazu kommen weitere theologische Differenzen zwischen diesen Kirchen, die ich für nicht lösbar halte. Wirkliche Ökumene in Form von Abendmahls- und Kirchengemeinschaft ist bisher nur mit und zwischen evangelischen Kirchen möglich gewesen. Eine Berufung auf die sog. Apost. Sukzession ist ein Ökumenehindernis. Das hat die Anglikanische Kirche auch schon teilweise verstanden (Porvoo, Meissener Erklärung).
Diese Sukzession ist eine nette Tradition, ein sichtbares Zeichen von Kirche, mehr nicht. Sie ist dann gefährlich, wenn man sich auf sie beruft und meint Bibel und Bekenntnis hinter sich lassen zu können.

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Lutheraner hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben:Und an dieser Stelle bekommen wir auch massive Rückendeckung von Römisch-Katholiken und Orthodoxen -- jene Christen also, die ebenfalls ein klares Verhältnis zur Kirchengeschichte und zur Tradition haben
Warum seid ihr euch nicht einig? Diese Apost. Sukzession ist vor allem dadurch unglaubwürdig, dass die Kirchen, die sich auf sie berufen völlig uneinig sind. Keine dieser Kirchengruppen stehe in Abendmahls- oder Kirchengemeinschaft miteinander, sie verurteilen sich gegenseitig und sprechen sich z.T. die Gültigkeit ihrer "Sukzession" ab. Für Rom sind die Anglikaner nicht einmal eine Kirche, sondern nur eine Gemeinschaft, die ungültige Sakramente spendet und Messen und Weihen simuliert. Macht euch doch nichts vor. Für Rom steht ihr vom Kirchenverständnis her auf derselben Stufe mit den Baptisten.
Das ist Unsinn. Erstens differenziert Rom hier durchaus und räumt den Anglikanern teilweise in den öffentlichen Verlautbarungen einen Sonderstatus ein. Den genauen Wortlaut habe ich nicht parat, aber es wird den Anglikanern zugestanden, besonders viele Elemente der katholischen Tradition erhalten zu haben. Immerhin.

Am stärksten gegen Deine Einschätzung spricht aber die Tatsache, daß anglikanische Priester, die nach Rom übertreten, in der Regel nur noch sub conditione zu römisch-katholischen Priestern geweiht werden. Dies weicht deutlich von der Praxis bei der Übernahme evangelischer Pastoren ab.
Dazu kommen weitere theologische Differenzen zwischen diesen Kirchen, die ich für nicht lösbar halte. Wirkliche Ökumene in Form von Abendmahls- und Kirchengemeinschaft ist bisher nur mit und zwischen evangelischen Kirchen möglich gewesen. Eine Berufung auf die sog. Apost. Sukzession ist ein Ökumenehindernis. Das hat die Anglikanische Kirche auch schon teilweise verstanden (Porvoo, Meissener Erklärung).
Niemand hat behauptet, daß durch die Ap. Sukzession alle Probleme aus der Welt geschafft wären. Aber eine Einigung ist leichter, wenn man sich in Fragen des Amts- und Weiheverständnisses einig ist, damit i d R auch in Fragen der Ekklesiologie. Dies wurde zum Beispiel deutlich, als jüngst Anglikaner und Orthodoxe ihren gemeinsamen Bericht "The Church of the Triune God" vorgelegt haben. Abgesehen von der Frage der Frauenweihe gibt es da im Amts- und Weiheverständnis kaum Differenzen.

Die von Dir angesprochene Porvoo-Erklärung ist übrigens gerade ein BEweis dafür, daß die Sukzession kein Ökumenehindernis ist, sondern Ökumene fördern kann. Immerhin sind hier Kirchen unterschiedlicher Tradition auf der Basis der Sukzession zusammengekommen, obwohl unterschiedliche theologische Traditionen vorhanden waren. Wenn Du über den deutschen Tellerrand hinausschaust, wirst Du weitere Beispiele entdecken: ELCA-Episcopal Church in den USA, Methodisten und Anglikaner in England, Moravians und Anglikaner in England, Die Gründung der Church of South India usw. All dies sind Einigungen auf der Basis der Sukzession.

Diese Sukzession ist eine nette Tradition, ein sichtbares Zeichen von Kirche, mehr nicht. Sie ist dann gefährlich, wenn man sich auf sie beruft und meint Bibel und Bekenntnis hinter sich lassen zu können.
Ich habe den Eindruck, mich hier wiederholen zu müssen. Sukzession besteht immer aus Treue zur Lehre der Apostel (Bibel und Bekenntnis) und der äußeren Ämterfolge als deren personalem Garant (successio ministrorum). Beides gehört zusammen. Wer Bibel und Bekenntnis hinter sich läßt, wird die Sukzession nur als äußere Hülle behalten, aber nicht mehr in ihrem innersten vollen Gehalt. Sukzession ist daher immer auch an die Lehre gebunden.
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Lutheraner
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Beitrag von Lutheraner »

Stephen Dedalus hat geschrieben:Am stärksten gegen Deine Einschätzung spricht aber die Tatsache, daß anglikanische Priester, die nach Rom übertreten, in der Regel nur noch sub conditione zu römisch-katholischen Priestern geweiht werden.
Das ist für Rom doch eher eine Formsache. Da nach kath. Auffassung dieses "Sakrament" nicht zwei Mal gespendet werden kann, wird hier sicherheitshalber so vorgegangen. Das scheint aber eher guter Wille als Ernsthaftgkeit zu sein.
Stephen Dedalus hat geschrieben: Niemand hat behauptet, daß durch die Ap. Sukzession alle Probleme aus der Welt geschafft wären. Aber eine Einigung ist leichter, wenn man sich in Fragen des Amts- und Weiheverständnisses einig ist,
Hier seid ihr euch mit den Porvoo-Kirchen auch nicht einig. Das dreistufige Amt ist bei ihnen eine kirchenrechtliche Regelung (und wird es bei der ELCA genauso sein). Der Glaube ändert sich dadurch nicht. Die Ordination wird nur anders und mehrstufig durchgeführt.

Die römische Kirche ist da konsequenter - sie spricht ausdrücklich von der sakramentalen Apost. Sukzession, wodurch klargemacht wird, dass die Sukzession der hochkirchlichen Lutheraner (und vielleicht auch der Anglikaner?) niemals anerkannt werden kann.
Stephen Dedalus hat geschrieben: Ich habe den Eindruck, mich hier wiederholen zu müssen. Sukzession besteht immer aus Treue zur Lehre der Apostel (Bibel und Bekenntnis) und der äußeren Ämterfolge als deren personalem Garant (successio ministrorum). Beides gehört zusammen. Wer Bibel und Bekenntnis hinter sich läßt, wird die Sukzession nur als äußere Hülle behalten, aber nicht mehr in ihrem innersten vollen Gehalt. Sukzession ist daher immer auch an die Lehre gebunden.
Genau das ist für mich aber nicht mehr ersichtlich.
Welche weitere Bedingungen als der Einführung der sog. Apost. Sukzession war von Seiten der US Episkopalkirche für Kirchengemeinschaft mit der ELCA notwendig?
Gegenüber den Landeskirchen hört man von Anglikanern ähnliche Aussagen. Wir bräuchten "nur die Sukzession einführen", dann könnte man Kirchengemeinschaft miteinander eingehen.
Das sieht für mich genau nach Überbügelung theologischer Differenzen durch eine Ämterregelung aus.

Nicht dass du mich mißverstehst - ich schätze die Anglikaner und ihre ökumenischen Bemühungen sehr. Ich stelle hier nur das Ökumene-Verständnis der Anglikaner in Frage.

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Lutheraner hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben:Am stärksten gegen Deine Einschätzung spricht aber die Tatsache, daß anglikanische Priester, die nach Rom übertreten, in der Regel nur noch sub conditione zu römisch-katholischen Priestern geweiht werden.
Das ist für Rom doch eher eine Formsache. Da nach kath. Auffassung dieses "Sakrament" nicht zwei Mal gespendet werden kann, wird hier sicherheitshalber so vorgegangen. Das scheint aber eher guter Wille als Ernsthaftgkeit zu sein.
Das ist eben alles andere als eine Formsache. Du scheinst das einfach nicht verstanden zu haben, worum er hier geht. Gerade weil man das ernst nimmt, macht man das sub conditione, um sicher zu sein, daß derjenige tatsächlich ordnungsgemäß und aus Gottesfurcht geweiht wurde!
Lutheraner hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben: Niemand hat behauptet, daß durch die Ap. Sukzession alle Probleme aus der Welt geschafft wären. Aber eine Einigung ist leichter, wenn man sich in Fragen des Amts- und Weiheverständnisses einig ist,
Hier seid ihr euch mit den Porvoo-Kirchen auch nicht einig. Das dreistufige Amt ist bei ihnen eine kirchenrechtliche Regelung (und wird es bei der ELCA genauso sein). Der Glaube ändert sich dadurch nicht. Die Ordination wird nur anders und mehrstufig durchgeführt.
Das stimmt so nicht, denn sie (z.B. die Kirche Schwedens) haben die Sukzession aufbewahrt, weil sie sie für wichtig halten, sonst hätten sie sie nicht aufbewahrt. Du versucht sie zu deutschen Lutheranern zu machen, was sie de facto nicht sind. Sie sind vom Amtsverständnis eher katholisch -- und aus diesem Grund erkennt Rom ihre Weihen an. Sonst würde Rom das nicht tun.
Lutheraner hat geschrieben:Die römische Kirche ist da konsequenter - sie spricht ausdrücklich von der sakramentalen Apost. Sukzession, wodurch klargemacht wird, dass die Sukzession der hochkirchlichen Lutheraner (und vielleicht auch der Anglikaner?) niemals anerkannt werden kann.
Die Schweden, Finnen usw. sprechen ebenfalls von einer sakramentalen Sukzessionslinie. Rom erkennt ihre Linien auch an.
Lutheraner hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben: Ich habe den Eindruck, mich hier wiederholen zu müssen. Sukzession besteht immer aus Treue zur Lehre der Apostel (Bibel und Bekenntnis) und der äußeren Ämterfolge als deren personalem Garant (successio ministrorum). Beides gehört zusammen. Wer Bibel und Bekenntnis hinter sich läßt, wird die Sukzession nur als äußere Hülle behalten, aber nicht mehr in ihrem innersten vollen Gehalt. Sukzession ist daher immer auch an die Lehre gebunden.
Genau das ist für mich aber nicht mehr ersichtlich.
Welche weitere Bedingungen als der Einführung der sog. Apost. Sukzession war von Seiten der US Episkopalkirche für Kirchengemeinschaft mit der ELCA notwendig?
Gegenüber den Landeskirchen hört man von Anglikanern ähnliche Aussagen. Wir bräuchten "nur die Sukzession einführen", dann könnte man Kirchengemeinschaft miteinander eingehen.
Das sieht für mich genau nach Überbügelung theologischer Differenzen durch eine Ämterregelung aus.
Die Sukzession ist ein Grundstein, die Kette, die uns zu den Aposteln verbindet. Ist das so schwer zu verstehen?

Cheers,

John
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Petur
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Beitrag von Petur »

Soviel ich weiss, erkennt Rom die Weihen der skandinawischen lutherischen Kirchen leider nicht an. Was die "sakramentale" apostolische Sukzession betrifft, denkt Lutheraner wahrscheinlich daran, dass die Priesterweihe bei den skandinawischen Kirchen und gewissen Gruppen der Anglikaner nicht als Sakrament betrachtet ist. Das bedeutet aber nicht, dass es bei den Weihen dieser Kirchen um kein Sakrament geht- mit römisch-katholischen Augen gesehen sind die korrekte liturgische Form und die entsprechende Intention schon genügend zu einem gültigen Sakrament. Die römische Kirche betrachtet eine kirchliche Ehe zwischen einem protestantischen Mann und einer protestantischen Frau-natürlich nur dann, wenn das ihre erste kirchliche Ehe ist-als sakramental, obwohl die Protestanten die Ehe als Sakrament nicht anerkennen.

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Lutheraner hat geschrieben:Das ist für Rom doch eher eine Formsache. Da nach kath. Auffassung dieses "Sakrament" nicht zwei Mal gespendet werden kann, wird hier sicherheitshalber so vorgegangen. Das scheint aber eher guter Wille als Ernsthaftgkeit zu sein.
Wem die Priesterweihe nichts gilt, für den ist das natürlich eine "Formsache". Rom agiert hier aber - im katholischen Sinne - ganz anders. Für uns - wie für Rom - ist sie ein Sakrament.
Hier seid ihr euch mit den Porvoo-Kirchen auch nicht einig. Das dreistufige Amt ist bei ihnen eine kirchenrechtliche Regelung (und wird es bei der ELCA genauso sein). Der Glaube ändert sich dadurch nicht. Die Ordination wird nur anders und mehrstufig durchgeführt.
Wem das Amt nichts gilt, für den ist es nur eine kirchenrechtliche Regelung. Die skandinavischen Lutheraner sehen das anders.
Die römische Kirche ist da konsequenter - sie spricht ausdrücklich von der sakramentalen Apost. Sukzession, wodurch klargemacht wird, dass die Sukzession der hochkirchlichen Lutheraner (und vielleicht auch der Anglikaner?) niemals anerkannt werden kann.
Warum das denn? Schließlich ist die sakramentale Sukzession ja auch Bestandteil der anglikanischen Ekklesiologie.
Genau das ist für mich aber nicht mehr ersichtlich.
Welche weitere Bedingungen als der Einführung der sog. Apost. Sukzession war von Seiten der US Episkopalkirche für Kirchengemeinschaft mit der ELCA notwendig?
Der Vereinbarung über die Übernahme der Sukzession und der Erklärung der Kirchengemeinschaft gingen jahrelange Lehrgespräche voraus. Das Ganze wurde in gemeinsamen Dokumenten niedergelegt. Es ging keineswegs nur um ein Aufdrängen der Sukzession. Das Teilen der bischöflichen Sukzession ist erst möglich, wenn sichergestellt ist, daß beide Partner ein hinlänglich übereinstimmendes Verständnis der apostolischen Lehre und Praxis haben. Man verteilt seine Sukzession nicht wie Dauerlutscher an Schulkinder (sowas machen nur die Vagantenbischöfe, auf die sich teilweise die deutschen Hochkirchler zurückführen). Ich glaube, die Schlußerklärung zwischen Episkopalkirche und ELCA hieß "Called to Common Mission" oder so, aber das läßt sich leicht ergooglen.
Das sieht für mich genau nach Überbügelung theologischer Differenzen durch eine Ämterregelung aus.
Genau das ist es nicht, und da merkt man wieder, wie weit EKD und Anglikaner hier noch auseinander sind. Die Ämterregelung kann keine theologischen Differenzen überbügeln, denn sie ist selbst Symptom solcher Differnezen. An der Amtsfrage hängt ausgesprochen viel, von der Ekklesiologie bis zur Sakramentenlehre. Eine Sukzession herzustellen, würde daher für die deutschen Protestanten eine grundlegende Änderung theologischer Positionen bedeuten. Genau dazu sind sie aber nicht bereit (sie wissen, was auf dem Spiel steht). Deshalb hängt es nicht bloß an der Übernahme der Sukzession, sondern daran, daß die theologischen Voraussetzungen dafür nicht da sind.
Nicht dass du mich mißverstehst - ich schätze die Anglikaner und ihre ökumenischen Bemühungen sehr. Ich stelle hier nur das Ökumene-Verständnis der Anglikaner in Frage.
Ja, wir sind sehr ökumeneinteressiert. Aber nicht um jeden Preis. Für uns ist die apostolische Tradition nicht aufgebbar. Ökumene kann es nur auf der Basis der apostolischen Tradition geben, und zu der gehört das dreistufige Amt in der Sukzession. Ökumene heißt immer Wachsen in der Wahrheit und Wiederherstellung der sichtbaren EInheit der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche. Man kann nicht einen der Aspekte opfern, um ökumenisch zu sein.
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Lutheraner
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Beitrag von Lutheraner »

John Grantham hat geschrieben:
Lutheraner hat geschrieben:Hier seid ihr euch mit den Porvoo-Kirchen auch nicht einig. Das dreistufige Amt ist bei ihnen eine kirchenrechtliche Regelung (und wird es bei der ELCA genauso sein). Der Glaube ändert sich dadurch nicht. Die Ordination wird nur anders und mehrstufig durchgeführt.
Das stimmt so nicht, denn sie (z.B. die Kirche Schwedens) haben die Sukzession aufbewahrt, weil sie sie für wichtig halten, sonst hätten sie sie nicht aufbewahrt.
Klar, als gute - aber nicht notwendige - Ordnung. Das sehen wir auch so. Steht im "Evangelischen Erwachsenenkatechismus".
John Grantham hat geschrieben: Du versucht sie zu deutschen Lutheranern zu machen, was sie de facto nicht sind. Sie sind vom Amtsverständnis eher katholisch
Nein. Sie stehen über den LWB mit den Landeskirchen in voller Kirchengemeinschaft. Wenn sie eure oder gar das Kirchenverständnis der Kath. Kirche hätten, könnten sie das aus theologischen Gründen nicht. Es gibt übrigens Papiere des LWB wo das Amtsverständnis geregelt ist. Von einer Notwendigkeit der sog. Apost. Sukzession ist selbstverständlich nirgends die Rede.
John Grantham hat geschrieben: und aus diesem Grund erkennt Rom ihre Weihen an. Sonst würde Rom das nicht tun.
Ach Rom erkennt die Weihen der Schweden an? Was willst du mir noch alles erzählen?

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Lutheraner
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Beitrag von Lutheraner »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
Lutheraner hat geschrieben:Das ist für Rom doch eher eine Formsache. Da nach kath. Auffassung dieses "Sakrament" nicht zwei Mal gespendet werden kann, wird hier sicherheitshalber so vorgegangen. Das scheint aber eher guter Wille als Ernsthaftgkeit zu sein.
Wem die Priesterweihe nichts gilt, für den ist das natürlich eine "Formsache". Rom agiert hier aber - im katholischen Sinne - ganz anders. Für uns - wie für Rom - ist sie ein Sakrament.
Kannst du bitte die Wikipedia-Artikel auf deutsch und englisch korrigieren? Die sind dann nämlich falsch ;-)
Beim englischen Artikel ist anglikanisch und lutherisch beim Sakramentenverständnis sogar zusammengefaßt.
Stephen Dedalus hat geschrieben:
Hier seid ihr euch mit den Porvoo-Kirchen auch nicht einig. Das dreistufige Amt ist bei ihnen eine kirchenrechtliche Regelung (und wird es bei der ELCA genauso sein). Der Glaube ändert sich dadurch nicht. Die Ordination wird nur anders und mehrstufig durchgeführt.
Wem das Amt nichts gilt, für den ist es nur eine kirchenrechtliche Regelung. Die skandinavischen Lutheraner sehen das anders.
siehe meine obige Antwort.
Stephen Dedalus hat geschrieben:
Das sieht für mich genau nach Überbügelung theologischer Differenzen durch eine Ämterregelung aus.
Genau das ist es nicht, und da merkt man wieder, wie weit EKD und Anglikaner hier noch auseinander sind.
Jetzt plötzlich? In früheren Postings (zumindest von John) hieß es wir bräuchten nur die Sukzession einführen, dann ginge das ganz schnell. Was wahrscheinlich auch stimmt. Die theologische Bandbreite der Anglikaner geht ja meines Wissens noch um einiges über die der EKD hinaus (und ich halte das schon bei der EKD für einen Fehler).
Stephen Dedalus hat geschrieben: Für uns ist die apostolische Tradition nicht aufgebbar.
Was ist dann die apostolische Tradition? Transsubstantiation (jahrhundertelang in der Anglikansichen Kirche bekämpft, jetzt mit der Oxford Bewegung wieder auferstanden) oder doch lieber das low church-Gedächtnismahl?

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Lutheraner hat geschrieben: Klar, als gute - aber nicht notwendige - Ordnung. Das sehen wir auch so. Steht im "Evangelischen Erwachsenenkatechismus".
Gute Ordnung? Oben hast Du Dich aber ganz anders geäußert. Glaubt man Dir, dann sollte man die ap. Sukzession meiden wie der Teufel das Weihwasser.
Nein. Sie stehen über den LWB mit den Landeskirchen in voller Kirchengemeinschaft. Wenn sie eure oder gar das Kirchenverständnis der Kath. Kirche hätten, könnten sie das aus theologischen Gründen nicht.
Es ist ein Unterschied, etwas zu haben und es als notwendig für die Kirchengemeinschaft anzusehen. Während für uns die Ap. Sukzession etwas ist, das eine Bedingung für die Gemeinschaft mit anderen Kirchen ist, ist das für die nord. Lutheraner nicht so. Daß sie die Sukzession trotzdem haben, steht außer Frage. Daß sie sie erhalten wollten und erhalten werden, auch. Der Fehler Deiner Argumentation liegt darin, daß Du aus der Tatsache, daß sie nicht zur Vorbedingung für die Gemeinschaft mit anderen Kirchen machen, schließen willst, sie sei dort ohne weitere Bedeutung.
Es gibt übrigens Papiere des LWB wo das Amtsverständnis geregelt ist. Von einer Notwendigkeit der sog. Apost. Sukzession ist selbstverständlich nirgends die Rede.
Natürlich. Die VELKD hatte einen solchen Passus auch niemals zugelassen. :D :D :D
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Lutheraner hat geschrieben: Kannst du bitte die Wikipedia-Artikel auf deutsch und englisch korrigieren? Die sind dann nämlich falsch ;-)
Beim englischen Artikel ist anglikanisch und lutherisch beim Sakramentenverständnis sogar zusammengefaßt.
Nee, Wikipedia hinterherzukehren, habe ich schon lange aufgegeben. ;)

Was wahrscheinlich auch stimmt. Die theologische Bandbreite der Anglikaner geht ja meines Wissens noch um einiges über die der EKD hinaus (und ich halte das schon bei der EKD für einen Fehler).
Stimmt ja auch. Lies meinen Beitrag richtig: Wenn die Sukzession bei Euch da ist, hat sich das Amtsverständnis und Sakramentsverständnis angepaßt. Aber es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, daß das bei der EKD nicht so schnell passiert ...

Der Dissens in der Sukzessionsfrage faßt alle anderen bestehenden Dissense zusammen. Einigt man sich da, hat sich das andere erledigt...
Was ist dann die apostolische Tradition? Transsubstantiation (jahrhundertelang in der Anglikansichen Kirche bekämpft, jetzt mit der Oxford Bewegung wieder auferstanden) oder doch lieber das low church-Gedächtnismahl?
Du hast wenig von den Anglikanern verstanden. Die Transsubstantiation ist auch bei der Oxford-Bewegung kein Dogma. Und sie ist als Lehre auch nicht apostolisch. Apostolische Tradition ist die Feier der Eucharistie, geleitet durch einen bischöflich ordinierten Priester in ap. Sukzession mit der lebendigen, realen Gegenwart des Herrn in Brot und Wein. Und das kriegste bei uns in der Low Church wie in der High Church. Die Einheit der Feier wird gerade durch den Diözesanbischof und die Sicherstellung der Weihe gewährleistet. Auch wenn mir der Stil mancher Low Church Gemeinden nicht gefällt, kann ich doch dort bedenkenlos zur Kommunion gehen, weil sie letztlich in Gemeinschaft mit dem Bischof und der gesamten Kirche bis hin zu den Aposteln geschieht.

Das grundsätzliche Problem, das wir als Anglikaner immer wieder in der Diskussion mit deutschen Protestanten haben, ist hier evident. Die Deutschen verstehen Einheit generell und grundsätzlich als Einheit in der Lehre. Ihr denkt immer vom Bekenntnis her, besonders natürlich als Lutheraner. Für Anglikaner ist dies aber nicht so entscheidend, solange die Rahmenbedingungen stimmen. Wir denken eher altkirchlich und definieren unsere Einheit in erster Linie über den Bischof, in zweiter Linie über die Liturgie (Book of Common Prayer, Common Worship).
Zuletzt geändert von Stephen Dedalus am Dienstag 31. Juli 2007, 17:03, insgesamt 1-mal geändert.
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Lutheraner hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben:Wem die Priesterweihe nichts gilt, für den ist das natürlich eine "Formsache". Rom agiert hier aber - im katholischen Sinne - ganz anders. Für uns - wie für Rom - ist sie ein Sakrament.
Kannst du bitte die Wikipedia-Artikel auf deutsch und englisch korrigieren? Die sind dann nämlich falsch ;-)
Beim englischen Artikel ist anglikanisch und lutherisch beim Sakramentenverständnis sogar zusammengefaßt.
Seit wann ist Wikipedia -- erst recht in theologischen Fragen -- überhaupt glaubwürdig?

Anglikaner haben lutherische Einflüße -- aber das macht uns noch lange keine Lutheraner. Die beiden zusammen zu fassen ist genau so irrsinnig wie Lutheraner und Katholiken zusammen zu fassen, da beide Christen sind.
Lutheraner hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben:
Das sieht für mich genau nach Überbügelung theologischer Differenzen durch eine Ämterregelung aus.
Genau das ist es nicht, und da merkt man wieder, wie weit EKD und Anglikaner hier noch auseinander sind.
Jetzt plötzlich? In früheren Postings (zumindest von John) hieß es wir bräuchten nur die Sukzession einführen, dann ginge das ganz schnell. Was wahrscheinlich auch stimmt. Die theologische Bandbreite der Anglikaner geht ja meines Wissens noch um einiges über die der EKD hinaus (und ich halte das schon bei der EKD für einen Fehler).
Es würde tatsächlich schneller gehen, wenn Lutheraner und andere die Sukzession wieder einführen würden.

Das unsere Bandbreite aber größer als die der EKD sei, halte ich aber für sehr fraglich. Und es geht darum, daß wir nur einig im Notwendigen sind, nicht in allen Fragen.
Lutheraner hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben: Für uns ist die apostolische Tradition nicht aufgebbar.
Was ist dann die apostolische Tradition? Transsubstantiation (jahrhundertelang in der Anglikansichen Kirche bekämpft, jetzt mit der Oxford Bewegung wieder auferstanden) oder doch lieber das low church-Gedächtnismahl?
[/quote]

Wieder schmeißt Du Absurdes durcheinander. Weder das eine noch das andere wird von unserer Kirche gelehrt, sondern lediglich -- wie schon immer gelehrt wurde -- Realpräsenz, Punkt aus.

Cheers,

John
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Bischof
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Beitrag von Bischof »

Wow, hier geht's ja rund :shock: Na, dann mal los. Also zunächst muss ich gestehen, dass ich mich mit der angelikanischen Theologie wenig auskenne. Ich hatte einige wenige Begegnungen mit anglikanischen Pfarrern, die mir gegenüber sehr arrogant rüber kamen. Ich habe nur die Messe besucht - keine Diskussionen oder sonst was. Schade.

Wir können uns hier die Köpfe einhauen und schreiben bis die Tastatur raucht. Es sind halt unterschiedliche Ansätze. Fakt ist jedenfalls, dass die römische Kirche die Weihen der Anglikaner nicht anerkennt. Die Anglikaner sind trotz angeblicher historischer Sukkzession keine Kirche aus römischer Sicht. Ausser sie selber sind es nur die Orthodoxen. Soweit so gut (oder auch nicht). Das wenige, was ich bisher von den Anglikanern verstanden habe ist, dass ihnen die historische Sukkzession sehr wichtig ist. Diese erst, macht eine Kirche zu einer richtigen Kirche (heißt das bene esse?). Alle Protestanten, die diese historische Sukzession nicht haben, sind zwar Kirche, aber es fehlt halt etwas sehr entscheidendes. Soweit richtig?

Für die lutherischen Kirchen, einerlei ob sie die Sukzession bewahrt haben oder nicht, denken anders. Nicht die historische Sukzession macht Kirche zur Kirche Jesu Christi, sondern das Stehen in der apostolischen Lehrsukzession. Hierbei ist es für Lutheraner unwichtig, ob die Weihe von einem gespendet wird, der in historischer Sukkzession steht oder nicht. Relevant ist aber die so genannte reine Verkündigung des Evangeliums und die einsetzungsgemäße Spendung der Sakramente. Bei den Anglikanern wird sie in deren Sicht durch die historische Sukkzession gewährleistet. Lutherische Kirchen sagen, allein die Kriterien reine Evangeliumsverkündigung und Sakramentsspendung machen Kirche zur Kirche Jesu Christi.

Nun gibt es innerhalb der lutherischen Kirchen ein breites Spektrum von Ansichten über das kirchliche Amt. Die VELKD Lutheraner leiten alles aus dem Priestertum aller Getauften ab. Die SELK leitet es aus dem Apostolat ab. Bei denen heißt es laut Wikipedia: So weihe ich dich zum Diener der einen heiligen christlichen Kirche im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Freilich erkennen weder Rom noch die Orthoxen noch die Angelikaner diese Weihe an. Die SELK lehnt jedenfalls nicht die historische Sukkzession nicht strikt ab, wie es hier schon öfter zu lesen. Sie messen ihr nur nicht die Bedeutung bei, wie sie sie in anderen Kirchen hat. Einig sind sich alle Lutheraner auf Grund der Augsburgischen Konfession, dass Lehre und Leben zusammenpassen müssen und auf dem Grunde der Schrift und der BSLK gegründet sein müssen. Freilich interpretieren Lehre und Leben SELK und VELKD unterschiedlich.

Es scheint mir nicht sehr sinnvoll zu sein über dieses Thema zu streiten, da man wohl kaum auf einen Nennen kommen wird. Es scheint mir wichitg zu sein, genauer auf den anderen zu hören, zu sehen was ihm wichtig ist und dann zu sehen wieviel man zusammen tun kann. Vor allem müssen sich die Lutheraner mal zusammenraufen und mal klären, wie wieder zusammen finden können. (Naja, den Anglikanern wünsche ich das ihre Gemeinschaft nicht auseinanderfällt. Denn das droht ja am Horizont)

Herzliche Grüße
Bischof

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FranzSales
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Beitrag von FranzSales »

Ich hatte einige wenige Begegnungen mit anglikanischen Pfarrern, die mir gegenüber sehr arrogant rüber kamen.
Engländer. Stiffer up lip, baby! ;D
"Herr Jesus Christus, wir beten Dich an und benedeien Dich. In Deinem Heiligen Kreuz hast Du die Welt erlöst."

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Beitrag von Lutheraner »

Stephen Dedalus hat geschrieben: Du hast wenig von den Anglikanern verstanden. Die Transsubstantiation ist auch bei der Oxford-Bewegung kein Dogma. Und sie ist als Lehre auch nicht apostolisch.
Erzähl das mal einem Katholiken - der kippt vom Stuhl.
Stephen Dedalus hat geschrieben: Apostolische Tradition ist die Feier der Eucharistie, geleitet durch einen bischöflich ordinierten Priester in ap. Sukzession mit der lebendigen, realen Gegenwart des Herrn in Brot und Wein. Und das kriegste bei uns in der Low Church wie in der High Church.
Wieso das? In den 39 Articles steht das Gegenteil. Vielleicht gelten die ja nicht mehr, aber irgendwann galten sie mal. Warum hattet ihr damals trotz apostolischer Sukzession die - nach deiner Aussage - "Apostolische Tradition" der Realpräsenz verlassen? War die Kette unterbrochen?
Und ehrlich gesagt glaube ich, dass auch heute Teile der Low Church ein calvinistisches Abendmahlsverständnis haben. Stimmt das nicht?
Stephen Dedalus hat geschrieben: Das grundsätzliche Problem, das wir als Anglikaner immer wieder in der Diskussion mit deutschen Protestanten haben, ist hier evident. Die Deutschen verstehen Einheit generell und grundsätzlich als Einheit in der Lehre.
Das war schon in der Urkirche so. Kirchenspaltungen gab es wegen der Lehre und nicht wegen irgendeiner Sukzession. Lies mal die Paulusbriefe. Katholiken oder Orthodoxe sehen das übrigens auch nicht anders oder was glaubst du warum sie und ihr nicht in Kirchengemeinschaft stehen. Die "Sukzession" habt ihr ja angeblich alle. Daran kann's nicht liegen.
Stephen Dedalus hat geschrieben: Ihr denkt immer vom Bekenntnis her, besonders natürlich als Lutheraner. Für Anglikaner ist dies aber nicht so entscheidend, solange die Rahmenbedingungen stimmen. Wir denken eher altkirchlich und definieren unsere Einheit in erster Linie über den Bischof, in zweiter Linie über die Liturgie (Book of Common Prayer, Common Worship).
Das ist doch kein altkirchliches Denken. Die Arianer und Donatisten und was es sonst noch alles gab, hättet ihr alle im Boot gelassen - die Sukzession hatten sie ja.

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Beitrag von Lutheraner »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
Lutheraner hat geschrieben: Klar, als gute - aber nicht notwendige - Ordnung. Das sehen wir auch so. Steht im "Evangelischen Erwachsenenkatechismus".
Gute Ordnung? Oben hast Du Dich aber ganz anders geäußert. Glaubt man Dir, dann sollte man die ap. Sukzession meiden wie der Teufel das Weihwasser.
Nö. Als gute Ordnung habe ich sie hier schon öfters bezeichnet. Aber man darf sie nicht zum Glaubensinhalt erheben - dann wird sie meiner Meinung nach gefährlich.
Stephen Dedalus hat geschrieben:
Nein. Sie stehen über den LWB mit den Landeskirchen in voller Kirchengemeinschaft. Wenn sie eure oder gar das Kirchenverständnis der Kath. Kirche hätten, könnten sie das aus theologischen Gründen nicht.
Es ist ein Unterschied, etwas zu haben und es als notwendig für die Kirchengemeinschaft anzusehen. Während für uns die Ap. Sukzession etwas ist, das eine Bedingung für die Gemeinschaft mit anderen Kirchen ist, ist das für die nord. Lutheraner nicht so. Daß sie die Sukzession trotzdem haben, steht außer Frage. Daß sie sie erhalten wollten und erhalten werden, auch. Der Fehler Deiner Argumentation liegt darin, daß Du aus der Tatsache, daß sie nicht zur Vorbedingung für die Gemeinschaft mit anderen Kirchen machen, schließen willst, sie sei dort ohne weitere Bedeutung.
Das widerspricht nicht dem, was ich geschrieben hatte. Die nordischen luth. Kirchen halten sie für eine gute und bewahrenswerte Ordnung, aber nicht für notwendig. Sonst hätten die lutherischen Kirchen der USA, die auf skandinavische Auswanderer zurückgehen, dieses dreistufige Amt auch weitergeführt. Stattdessen haben sie die einfach Ordination gepflegt.

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Lutheraner hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben: Apostolische Tradition ist die Feier der Eucharistie, geleitet durch einen bischöflich ordinierten Priester in ap. Sukzession mit der lebendigen, realen Gegenwart des Herrn in Brot und Wein. Und das kriegste bei uns in der Low Church wie in der High Church.
Wieso das? In den 39 Articles steht das Gegenteil.
Nein. Du hast es wieder falsch verstanden. Realpräsenz wird nicht in den Thirty-Nine Articles abgelehnt, sondern Transsubstantiation.
Lutheraner hat geschrieben:Vielleicht gelten die ja nicht mehr, aber irgendwann galten sie mal.
Sie haben nie "gegolten" als Lehre der Kirche. Sie waren lediglich ein Versuch, eine gemeinsame Linie gegenüber Rom und Protestanten zu finden, aber sie waren und sind keine Lehre.
Lutheraner hat geschrieben:Warum hattet ihr damals trotz apostolischer Sukzession die - nach deiner Aussage - "Apostolische Tradition" der Realpräsenz verlassen? War die Kette unterbrochen?
Wir haben Realpräsenzlehre nie verlassen. Kein einziges Mal. Du verdrehst Worte.
Lutheraner hat geschrieben:Und ehrlich gesagt glaube ich, dass auch heute Teile der Low Church ein calvinistisches Abendmahlsverständnis haben. Stimmt das nicht?
Was Einzelpersonen glauben, und was die Lehre die Kirche ist, sind natürlich zwei unterschiedliche Sachen. Du findest sicherlich auch Römisch-Katholiken, die nicht an Transsubstantiation glauben, obwohl sie dazu verpflichtet sind.
Lutheraner hat geschrieben:Das war schon in der Urkirche so. Kirchenspaltungen gab es wegen der Lehre und nicht wegen irgendeiner Sukzession. Lies mal die Paulusbriefe. Katholiken oder Orthodoxe sehen das übrigens auch nicht anders oder was glaubst du warum sie und ihr nicht in Kirchengemeinschaft stehen. Die "Sukzession" habt ihr ja angeblich alle. Daran kann's nicht liegen.
Du versuchst eine lehrliche Einheit vorzugaukeln, die es nie gegeben hat, mit oder ohne Sukzession.

Cheers,

John
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Lutheraner hat geschrieben:Wieso das? In den 39 Articles steht das Gegenteil.
Nein.
Ich frage mich wirklich, woher Du Dein Wissen über die Anglikaner hast. Laß mich raten: Heussi?
Das war schon in der Urkirche so.
Kirchenspaltungen gab es wegen der Lehre und nicht wegen irgendeiner Sukzession.
Deine lutherische Brille ist so trüb, daß Du natürlich die Geschichte der Alten Kirche nur durch sie betrachten kannst. Es geht nicht darum, daß Irrlehrer aus der Kirche ausgeschlossen werden. Die Frage ist, wie in der Alten Kirche "Einheit" definiert wurde. Wenn Du Dich damit ein wenig beschäftigst, wirst Du sehr schnell sehen, daß sie personal definiert wird, nicht dogmatisch.
Das ist doch kein altkirchliches Denken. Die Arianer und Donatisten und was es sonst noch alles gab, hättet ihr alle im Boot gelassen - die Sukzession hatten sie ja.
Das ist wirklich kein Argument. Arianer und Donatisten sind außerkirchliche Häresien. Die Bandbreite innerhalb der Anglikanischen Kirche ist eine Bandbreite auf dem Boden bekenntnismäßiger Orthodoxie - sprich Nizänum, Athanasianum und Apostolikum. Das kannst Du doch nicht miteinander vergleichen. :roll:
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Lutheraner hat geschrieben: Sonst hätten die lutherischen Kirchen der USA, die auf skandinavische Auswanderer zurückgehen, dieses dreistufige Amt auch weitergeführt. Stattdessen haben sie die einfach Ordination gepflegt.
Oh, das ist ein schwaches Argument.

Ich weiß zu wenig über die Geschichte der lutherischen Kirchen der USA, aber die Gründe für deren andere Verfassung können vielfältig sein und lassen nicht notwendigerweise Rückschlüsse auf die Ursprungskirche zu. M. W. gibt es zwar bei der ELCA starke skandinavische Einflüsse, aber keine der jetzigen lutherischen Kirchen in den USA ist m. W. eine direkte skandinavische Gründung, oder?
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ottaviani
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Beitrag von ottaviani »

Ich hab mal ne frage:
was wurde aus dem projekt daß eigene Bischöfe Priester und Gemeinden betreuen die keine geweihten Damen wollen

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

ottaviani hat geschrieben:Ich hab mal ne frage:
was wurde aus dem projekt daß eigene Bischöfe Priester und Gemeinden betreuen die keine geweihten Damen wollen
Oho, Ottaviani sagt "geweihte Damen"! :mrgreen:

In der Church of England, "flying bishops" bzw. "provincial episcopal visitors" gibt es immer noch, obwohl die 2004 fast abgeschafft wurden. Das heißt, sollte eine Gemeinde sich einen Bischof statt eine Bischöfin wünschen, weil sie die Frauenordination ablehnen, oder einen Bischof der die Frauenordination selbst ablehnt, kann der Erzbischof einen s.g. "flying bishop" dorthin als Ersatz schicken, der die Weihehandlungen durchführt.

Dieses Modell ist aber m.W.n. einmalig in der Anglican Communion.

Cheers,

John
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

ottaviani hat geschrieben:Ich hab mal ne frage:
was wurde aus dem projekt daß eigene Bischöfe Priester und Gemeinden betreuen die keine geweihten Damen wollen
Ja, die sogenannten "Flying Bishops" gibt es immer noch.

Allerdings haben sich doch vergleichsweise wenige Gemeinden zu diesem extremen Schritt entschlossen. Auch gibt es vereinzelte Diözesen, in denen sich der Diözesanbischof weigert, Frauen zu Priesterinnen zu weihen. Der Bischof von London lehnt das zum Beispiel ab, weil er keinen Bruch mit den Tradis will. In der Diözese gibt es trotzdem zahlreiche Priesterinnen, die entweder aus anderen Diözesen zugezogen sind oder von anderen Bischöfen geweiht wurden. Etwas merkwürdig ... In der Diözese von Chichester liegt der Fall ähnlich.

Das Prinzip ist eine Notlösung, die letztlich mit der katholischen Tradition nicht vereinbar ist (da gilt das Prinzip EIN Bischof, EINE Diözese). Die Episkopalkirche hat sich daher zurecht dagegen ausgesprochen, ein solches Prinzip einzuführen. Eine Lösung auf Dauer ist es jedenfalls nicht.
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Lutheraner
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Beitrag von Lutheraner »

John Grantham hat geschrieben:
Lutheraner hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben: Apostolische Tradition ist die Feier der Eucharistie, geleitet durch einen bischöflich ordinierten Priester in ap. Sukzession mit der lebendigen, realen Gegenwart des Herrn in Brot und Wein. Und das kriegste bei uns in der Low Church wie in der High Church.
Wieso das? In den 39 Articles steht das Gegenteil.
Nein. Du hast es wieder falsch verstanden. Realpräsenz wird nicht in den Thirty-Nine Articles abgelehnt, sondern Transsubstantiation.

"The Body of Christ is given, taken, and eaten, in the Supper, only after an heavenly and spiritual manner. And the mean whereby the Body of Christ is received and eaten in the Supper, is Faith."

Damit wird Realpräsenz ausdrücklich abgelehnt.

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Beitrag von Lutheraner »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
Das ist doch kein altkirchliches Denken. Die Arianer und Donatisten und was es sonst noch alles gab, hättet ihr alle im Boot gelassen - die Sukzession hatten sie ja.
Das ist wirklich kein Argument. Arianer und Donatisten sind außerkirchliche Häresien.
Donatisten und Arianer standen alle in - nach eurer Auffassung - gültiger Apostolischer Sukzession. Die Bischöfe waren alle gültig geweiht. Wie kommst du dann zu der Feststellung, dass es Häretiker waren? Den "Minimalkonsens" von dem ihr immer redet, haben sie nie verlassen.

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Lutheraner hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben:
Lutheraner hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben: Apostolische Tradition ist die Feier der Eucharistie, geleitet durch einen bischöflich ordinierten Priester in ap. Sukzession mit der lebendigen, realen Gegenwart des Herrn in Brot und Wein. Und das kriegste bei uns in der Low Church wie in der High Church.
Wieso das? In den 39 Articles steht das Gegenteil.
Nein. Du hast es wieder falsch verstanden. Realpräsenz wird nicht in den Thirty-Nine Articles abgelehnt, sondern Transsubstantiation.

"The Body of Christ is given, taken, and eaten, in the Supper, only after an heavenly and spiritual manner. And the mean whereby the Body of Christ is received and eaten in the Supper, is Faith."

Damit wird Realpräsenz ausdrücklich abgelehnt.
Wie bitte?! Eben gerade nicht! Da steht es doch schwarz auf weiß -- "The Body of Christ is given, taken, and eaten, in the Supper", daß der Leib Christi gegessen wird, Realpräsenz!

Cheers,

John
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

John Grantham hat geschrieben:
Lutheraner hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben:
Lutheraner hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben: Apostolische Tradition ist die Feier der Eucharistie, geleitet durch einen bischöflich ordinierten Priester in ap. Sukzession mit der lebendigen, realen Gegenwart des Herrn in Brot und Wein. Und das kriegste bei uns in der Low Church wie in der High Church.
Wieso das? In den 39 Articles steht das Gegenteil.
Nein. Du hast es wieder falsch verstanden. Realpräsenz wird nicht in den Thirty-Nine Articles abgelehnt, sondern Transsubstantiation.

"The Body of Christ is given, taken, and eaten, in the Supper, only after an heavenly and spiritual manner. And the mean whereby the Body of Christ is received and eaten in the Supper, is Faith."

Damit wird Realpräsenz ausdrücklich abgelehnt.
Wie bitte?! Eben gerade nicht! Da steht es doch schwarz auf weiß -- "The Body of Christ is given, taken, and eaten, in the Supper", daß der Leib Christi gegessen wird, Realpräsenz!
Ergänzung: Realpräsenz heißt, Christus ist wahrhaftig da im Brot und Wein. Und die wörtliche Übersetzung von dem von Dir zitierten Text ist:

"Der Leib Christi wird im Mahl des Herrn gegeben, genommen und gegessen."

Wie Du meinst, damit wird Realpräsenz nicht gemeint, ist mir völlig schleierhaft.

Was in den Thirty-Nine Articles abgelehnt wird, ist die spätere scholastische Theorie von Transsubstantiation, die Vorstellung von einer Wandlung des GANZEN Brot und Wein in Leib Christi. Das ist eine Präzisierung von Realpräsenz. Die damaligen Anglikaner haben das abgelehnt, weil sie das nicht für apostolisch hielten (und bis heute halten wir das nicht für eine allgemein apostolische Lehre, obwohl manche Anglikaner trotzdem an TSL glauben).

Cheers,

John
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Lutheraner hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben:
Das ist doch kein altkirchliches Denken. Die Arianer und Donatisten und was es sonst noch alles gab, hättet ihr alle im Boot gelassen - die Sukzession hatten sie ja.
Das ist wirklich kein Argument. Arianer und Donatisten sind außerkirchliche Häresien.
Donatisten und Arianer standen alle in - nach eurer Auffassung - gültiger Apostolischer Sukzession. Die Bischöfe waren alle gültig geweiht. Wie kommst du dann zu der Feststellung, dass es Häretiker waren? Den "Minimalkonsens" von dem ihr immer redet, haben sie nie verlassen.
Du liest meine Postings leider nur halb. Ich habe bereits mehrfach darauf hingewiesen, daß die gültige Sukzession immer zwei Aspekte hat: Successio ministrorum und successio verbi. Wer die orthodoxe apostolische Lehre verläßt, hat zwar das äußere Zeichen, aber nicht mehr die wahre Sukzession. Wer nur die Lehre behält und die personale Bindung aufgibt, hat sie auch nur noch halb.

Uns daher zu unterstellen, wie hätten Arianer und Donatisten aufgrund ihre Sukzession anerkennen müssen, weil sie das äußere Zeichen der Sukzession hatten, ist daher nichts anderes als blanker Unsinn.
Zuletzt geändert von Stephen Dedalus am Donnerstag 2. August 2007, 15:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Lutheraner hat geschrieben: Damit wird Realpräsenz ausdrücklich abgelehnt.
Das ist völliger Quatsch. Damit werden bestimmte Interpretationen von Realpräsenz abgelehnt, aber nicht die Realpräsenz selbst. Wir kauen ja nicht auf Jesu Fleisch rum (daß wäre blanker Carnalismus), sondern genießen den Leib des Herrn auf sakramentale Weise, vermittelt durch das Wirken des Heiligen Geistes (nichts anderes lehrt übrigens die katholische Theologie) .

Was in den 39 Artikeln ausdrücklich abgelehnt wird, ist nur die scholastische Lehre der Transsubstantiation.
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Petur
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Beitrag von Petur »

Hallo!

Ein Zitat aus der "Declaration of Principles of the Reformed Episcopal Church"-1873 (es geht um eine anglikanische Splittergruppe in den Vereinigten Staaten):

"This Church condemns and rejects the following erroneous and strange doctrines as contrary to God's Word:(...)Second,that Christian Ministers are "priests" in another sense than that in wich all believers are a "royal priesthood". (...) Fourth,that the Presence of Christ in the Lord' Supper is a presence in the elements of Bread and Wine."

Werden hier der spezielle Priesterstand und die Realpraesenz geleugnet? Dann vertretet diese Kirche meiner Meinung nach nicht die klassische anglikanische Position. Ist es vielleicht möglich, dass es sich nur um die Transsubstantiationslehre handelt? Aber die Sache mit den Priestern gefaellt mir gar nicht.

Alles Gute!

Petur

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Beitrag von John Grantham »

Hi Petur,
Petur hat geschrieben:Werden hier der spezielle Priesterstand und die Realpraesenz geleugnet? Dann vertretet diese Kirche meiner Meinung nach nicht die klassische anglikanische Position. Ist es vielleicht möglich, dass es sich nur um die Transsubstantiationslehre handelt? Aber die Sache mit den Priestern gefaellt mir gar nicht.
Diese Kirche entstand als Protest gegen die (aus Sicht ihres Gründers) zu katholischer Richtung der anglikanischen Kirche im Allgemeinen und ECUSA im Speziellen. Er hat auch die Thirty-Nine Articles sehr protestantisch verstanden und hat sie zum Doktrin der neuen Kirche gemacht (was sie bei anderen anglikanischen Kirchen nicht der Fall war).

Aber jetzt wird es etwas behämmert. Der Text scheint tatsächlich Priestertum und Realpräsenz zu leugnen, und ich weiß auch nicht, wie man drum herum interpretieren kann (wenn man die Entstehungsgeschichte der REC kennt, ist diese Leugnung sogar nachvollziehbar), aber um das alles aber recht skurril zu machen, die REC ist in Fusionsverhandlungen mit der anglokatholischen Splitterkirche Anglican Province of America, die sehr wohl an Realpräsenz und -- wenn ich mich richtig erinnere -- Priestertum glaubt. Und siehe da, sie haben ein gemeinsames Dokument verabschiedet, wo es heißt:
IV. Sacraments

(...)
Eucharist
Scripture clearly teaches what has traditionally been called the Doctrine of the Real Presence. In short, Jesus Christ is really, truly, and uniquely present in the Eucharistic celebration in which the dominical elements of bread and wine serve as focus. Our Lord’s Presence is also to be celebrated in the life of the whole Church militant and triumphant of which the Eucharistic community is the local manifestation. Anglicans have been loath to go beyond this basic definition, except to reject as dogmatic the theory of transubstantiation and to stress the role of the Holy Ghost in the celebration of the sacrament. (...)
Das ist in der Tat klassische anglikanische Theorie, was fast jeder Anglikaner unterschreiben könnte.

Cheers,

John
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Petur
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Beitrag von Petur »

Hallo John!

Vielen Dank für die Antwort!
Über die Verhandlungen zwischen den beiden Splittergruppen habe ich schon gelesen, auch das gemeinsame Dokument war mir bekannt.
Ich freue mich darüber, es dokumentiert eine meiner Meinung nach sehr positive Aenderung in der theologischen Position der REC. Im Vergleich mit der "Declaration" von 1873 gibt es hier aber ganz sicher ein grosser Gegensatz, und ich bin neugierig, wie ein gemeinsamer Nenner zu finden war.

Alles Gute!

Petur

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Beitrag von Stephen Dedalus »

Petur hat geschrieben:Hallo!

Ein Zitat aus der "Declaration of Principles of the Reformed Episcopal Church"-1873 (es geht um eine anglikanische Splittergruppe in den Vereinigten Staaten):

"This Church condemns and rejects the following erroneous and strange doctrines as contrary to God's Word:(...)Second,that Christian Ministers are "priests" in another sense than that in wich all believers are a "royal priesthood". (...) Fourth,that the Presence of Christ in the Lord' Supper is a presence in the elements of Bread and Wine."

Werden hier der spezielle Priesterstand und die Realpraesenz geleugnet? Dann vertretet diese Kirche meiner Meinung nach nicht die klassische anglikanische Position. Ist es vielleicht möglich, dass es sich nur um die Transsubstantiationslehre handelt? Aber die Sache mit den Priestern gefaellt mir gar nicht.

Alles Gute!

Petur
Hallo Petur,

das ist aus diesen zwei kurzen Zitaten schwer zu erkennen. Allerdings scheint mir hier wirklich eine Abweichung von der klassischen anglikanischen Position vorzuliegen.

Bei der Sakramentenlehre haben anglikanische Theologen häufig das Modell von signum und significatum verwendet. D.h. Brot und Wein sind eucharistische Zeichen für Leib und Blut Christi. Dabei bleiben die Zeichen nicht vom Bezeichneten getrennt, sondern enthalten, was sie bezeichnen. Dieses Modell schließt zugleich die Transsubstantiation als Modell aus, da das signum nicht zugleich significatum sein kann. (Dieses Modell ist zwar klassisch anglikanisch, jedoch nirgendwo dogmatisiert).

In diesem Modell ist die Gegenwart Christi in den Zeichen von Brot und Wein sozusagen lokalisiert, die Gegenwart ist von diesen Zeichen abhängig und eben nicht irgendwo in der versammelten Gemeinde als "spirituelle" Gegenwart.

Eine Erklärung der 39 Artikel aus der Church of Ireland (also low church) drückt das so aus:
The teaching of the Article is in agreement with the sacramental principle; natural things can and do convey the divine Presence to receptive hearts and minds. Hence it rejects, on the one hand, the belief that the bread and wine in the Eucharist are mere forms, without grace, and on the other, that by consecration their own substance is replaced by that of the things they denote, and so they cease to be signs; a sign cannot signify what it is. The Real Presence of Christ in the Holy Communion is affirmed in the first section of our Article, and in the third the nature of that Presence, and how it is made available to us, is stated.
Die Aussage der Reformed Episcopal Church scheint mir hier die Zeichen von Brot und Wein zu bloßen "forms" zu machen, indem sie sie der realen Gegenwart des Herrn beraubt.


Zum Priesterstand müßte man sich auch noch den Kontext ansehen. Es ist aber ganz klar, daß die anglikanische Kirche immer sowohl in Theologie wie in der Praxis an einem speziellen Priesterstand als Gegenüber zum Laienstand festgehalten hat. Die 39 Artikel machen das durch ihre Aussagen zur Weihe von Bischöfen, Priestern und Diakonen auch klar.

Gruß
SD
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Hi Petur,
Petur hat geschrieben:Vielen Dank für die Antwort!
Über die Verhandlungen zwischen den beiden Splittergruppen habe ich schon gelesen, auch das gemeinsame Dokument war mir bekannt.
Ich freue mich darüber, es dokumentiert eine meiner Meinung nach sehr positive Aenderung in der theologischen Position der REC. Im Vergleich mit der "Declaration" von 1873 gibt es hier aber ganz sicher ein grosser Gegensatz, und ich bin neugierig, wie ein gemeinsamer Nenner zu finden war.
Beide Kirchen waren auch in Verhandlungen mit ECUSA bis 2003, dann haben sie die Beziehungen nach der Weihe von +Gene Robinson abgebrochen, wobei sie sind m.W.n. im Anglican Communion Network drin (was allerdings auch deren inflationären Statistiken erklären würde)...

Aber es ist in der Tat gut zu sehen, daß sie zur alten Lehre zurückkehren. Eigentlich frage ich mich, was von dieser Erklärung, was Du oben zitierst, überhaupt noch übrig bleibt -- das neue Dokument ist zwar immer noch etwas protestantisch (das Opfer in der Eucharistie wird ausdrücklich geleugnet) aber ansonsten könnte man die REC drin kaum erkennen.

Cheers,

John
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