Anglikanische Kirche

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.
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Petur
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Beitrag von Petur »

John Grantham hat geschrieben:
Petur hat geschrieben:Nach der meth.-ang. Spaltung kann man m.M.n. nur anglikanisch ODER methodistisch sein.
Vielleicht kannst Du näher erläutern, wieso Du meinst, es ist nicht möglich, beides zu sein?

Cheers,

John

Hallo John!

Nach der Spaltung geht es um zwei getrennte Konfessionen, um zwei Kirchen, die voneinander unabhaengig sind. Man kann nur zu EINER Kirche gehören. Man kann natürlich auch Gottesdienste anderer Kirchen besuchen, im Leben einer Gemeinde einer anderen christlichen Konfession aktiv teilnehmen. Als offizielles Mitglied kann man aber nur einer Kirche angehören. Ich kann nicht gleichzeitig römisch-katholisch und anglikanisch sein, obwohl die ang. Papalisten "römischer" als viele Mitglieder der römisch-katholischen Kirche sind.
Und wenn ich an die ungarische Methodistenkirche denke-die ich übrigens sehr mag-, kann ich leider keine anglikanischen Parallelen sehen. Sie ist eindeutig eine protestantische Freikirche, deren Geistliche keine liturgischen Gewaender haben, einige Pastoren tragen zwar manchmal ein Kollarhemd, die meisten aber auch im Gottesdienst nur Anzug und Krawatte. Der vorige Superintendent hat mir gesagt, als ich ihn gefragt habe, warum sie keine liturgischen Gewaender haben:"Wir sind keine Priester."

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Petur

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Hi Petur,
Petur hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben:
Petur hat geschrieben:Nach der meth.-ang. Spaltung kann man m.M.n. nur anglikanisch ODER methodistisch sein.
Vielleicht kannst Du näher erläutern, wieso Du meinst, es ist nicht möglich, beides zu sein?

Cheers,

John
Hallo John!

Nach der Spaltung geht es um zwei getrennte Konfessionen, um zwei Kirchen, die voneinander unabhaengig sind. Man kann nur zu EINER Kirche gehören. Man kann natürlich auch Gottesdienste anderer Kirchen besuchen, im Leben einer Gemeinde einer anderen christlichen Konfession aktiv teilnehmen. Als offizielles Mitglied kann man aber nur einer Kirche angehören. Ich kann nicht gleichzeitig römisch-katholisch und anglikanisch sein, obwohl die ang. Papalisten "römischer" als viele Mitglieder der römisch-katholischen Kirche sind.
Und wenn ich an die ungarische Methodistenkirche denke-die ich übrigens sehr mag-, kann ich leider keine anglikanischen Parallelen sehen. Sie ist eindeutig eine protestantische Freikirche, deren Geistliche keine liturgischen Gewaender haben, einige Pastoren tragen zwar manchmal ein Kollarhemd, die meisten aber auch im Gottesdienst nur Anzug und Krawatte. Der vorige Superintendent hat mir gesagt, als ich ihn gefragt habe, warum sie keine liturgischen Gewaender haben:"Wir sind keine Priester."
Na ja, ich glaube, Du vergleichst hier Äpfel und Birnen. ;)

Erstens -- ja, es gibt Methodisten, die sehr protesantisch-freikirchlich sind, vor allem auf dem europäischen Kontinent (wo Methodisten mit anderen Bewegungen zusammengekommen sind), aber bei Methodisten gibt es (wie bei Anglikanern ;) ) eine sehr große Spanne von Glaubensrichtungen. In England und in den USA sind sie nicht so extrem, wie in Deinem Beispiel, und mit Priestertum können schon viele etwas damit anfangen -- schließlich war Wesley selbst Verfechter von Priestertum im anglikanischen (und eigentlich auch katholischen) Sinne. Der Bruch mit uns Anglikanern führte jedoch dazu, daß Methodismus auch zerstreut wurde und Vorstellungen des Bischofsamt oder Priestertum wurden bei manchen (aber nicht bei allen oder gar den meisten) in eine sehr protestantische Richtung gelenkt. Im Kern soll Methodismus aber weiterhin s.z.s. eine Reformbewegung innerhalb der anglikanischen Kirche sein -- so wollte es Wesley jedenfalls.

Zur Angehörigkeit sagst Du, man kann nicht gleichzeitig in zwei Kirchen sein. Das ist zwar richtig, aber wir reden hier von Kirchen, nicht von Menschen. Die Menschen sind in einer Kirche vor Ort ("Ortskirche" paßt hier nicht so richtig, aber kommt in die Richtung), die sich wiederum verschiedenen Gruppen zugehörig sein kann. Der Clou ist, die Methodisten haben zwar einen Bund wie die Lutheraner, aber da dieser Bund keine "Kirche" ist, sondern eben ein Bund bzw. eine Association, ist es m.E. eigentlich kein Thema, wenn sie einerseits in der Anglican Communion sind, trotzdem haben sie enge Beziehungen zu Kirchen methodistischer Couleur.

Das heißt, ekklesiologisch sind die Christen in der CSI und CNI Anglikaner, haben aber eine Mitgliedschaft in einer nichtekklesiologischen Kirchengruppe. Da gibt es also keine doppelte Zugehörigkeit im kirchlichen Sinne. Solange die Lehren und Ziele der Anglikaner und Methodisten nicht im offenen Konflikt sind -- z.B. angenommen, der Bund der Methodisten würde vorschreiben, ihre Kirchen dürfen keine Priester haben -- dann gäbe es ein Problem. Aber das trifft hier soweit ich es weiß gar nicht zu. "Methodismus" betrifft Ekklesiologie oder Priestertum weniger und hat mehr mit Heiligtum im Alltag zu tun, d.h. wie man sein Leben christlicher und heiliger gestaltet -- durch Evangelismus, durch Verzicht z.B. auf Alkohol oder Genußmittel, durch Fürsorge für Notleidenden und so weiter.

Cheers,

John
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Petur
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Beitrag von Petur »

Na ja, ich habe gedacht, dass es innerhalb des Methodismus mehrere Richtungen gibt.
Die ungarischen Methodisten gehören übrigens zur amerikanischen (episkopalen!) Methodistenkirche, trotz dieser Tatsache machen sie nicht eben den Eindruck einer bischöflichen Kirche. (Das Bischofsamt in der Methodistenkirche ist freilich nicht identisch mit dem in den katholischen Kirchen, aber-wenn meine Informationen korrekt sind- steht nicht weit davon.)

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Petur hat geschrieben:Na ja, ich habe gedacht, dass es innerhalb des Methodismus mehrere Richtungen gibt.
Die ungarischen Methodisten gehören übrigens zur amerikanischen (episkopalen!) Methodistenkirche, trotz dieser Tatsache machen sie nicht eben den Eindruck einer bischöflichen Kirche.


Gehören sie also zur United Methodist Church, oder einer anderen? Es gibt mehrere methodistischen Kirchen in Amerika, die UMC ist aber die größte. Es gibt aber auch z.B. die s.g. Primitive Methodists, American Methodists und diverse andere methodistische Kirchen in den USA.

(Gerade die s.g. American Methodists sind interessant. Sie leugnen zwar das Bischofsamt als getrenntes Amt vom Presbyterium, dafür haben sie eine relative klare Ausführung von Realpräsenz in der Eucharistie.)
Petur hat geschrieben:(Das Bischofsamt in der Methodistenkirche ist freilich nicht identisch mit dem in den katholischen Kirchen, aber-wenn meine Informationen korrekt sind- steht nicht weit davon.)
Jein -- wieder muß man die genaue Variante von Methodismus wissen. Manche haben eine Vorstellung vom Bischofsamt, die wirklich sehr viel mit der katholischen oder anglikanischen gemeinsam hat -- aber es gibt wiederum welche, die eine recht presbyterianische Vorstellung haben, meistens die, die mit presbyterianischen Kirchen fusioniert haben. Schwierig ist auch, daß sie häufig andere Begriffe oder Namen fürs Bischofsamt verwenden, auch wenn das Amtverständnis, das dahinter steckt, lange nicht so protestantisch ist, wie es anfänglich vorkommt.

Es ist aber vielleicht ein Zeichen der großen Breite von Methodismus, daß den ersten Methodisten in England gerne vorgeworfen wurde, sie wollten Katholizimus in England wieder aufrichten, und Wesley selbst sei viel zu fasziniert mit der Orthodoxie!

Cheers,

John
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Petur
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Beitrag von Petur »

Hallo John!

Die Methodisten in Ungarn gehören zur United Methodist Church.

Mit herzichen Grüssen

Petur

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Neulich ist ein Bericht von ARCIC, der Kommission zur Förderung der Einheit zwischen Anglikanern und Römisch-Katholiken, zu den Fortschritten im Dialog vorgelegt worden.

Hier isses in PDF-Format.

Beim Durchlesen ist es für mich eine Freude, feststellen zu können, wieviel wir tatsächlich gemeinsam haben, sogar in Fragen wie der Eucharistie oder Primatsfragen.

Eine Überraschung ist jedoch eine Fußnote (Nr. 125 auf Seite 20) bzgl. Frauenordination:
Ministry Elucidation n.5 reads: “While the Commission realizes that the ordination of women has created for the Roman Catholic Church a new and grave obstacle to the reconciliation of our communions (cf. Letter of Pope Paul VI to Archbishop Donald Coggan, 23 March 1976, AAS 68), it believes that the principles upon which its doctrinal agreement rests are not affected by such ordinations; for it was concerned with the origin and nature of the ordained ministry and not with the question who can or cannot be ordained. Objections, however substantial, to the ordination of women are of a different kind from objections raised in the past against the validity of Anglican Orders in general.”
Das sollte die hier geäußerten Bedenken zur Gültigkeit der ak-Weihen bzgl. Frauenordination erledigen, da Rom die Frauenordination scheinbar nicht als wesentliche Frage für Gültigkeit der Weihen hält, aber es macht auch Hoffnung, daß diese Frage uns Anglikanern von Römisch-Katholiken evtl. nicht weiter trennt, auch wenn Rom Frauenordination weiterhin strikt ablehnt. Es scheint eher so (nach dem o.g. Text), daß Rom die Frauenordination als Hindernis für eine volle Kommunion betrachtet, nicht aber als Problem für Weihen an sich.

Eine weitere (positive) Überraschung war die weitgehende Übereinstimmung im Verständnis der Eucharistie. Unter den "Problempunkten" stand kein Wort über das eucharistische Verständnis (also anglikanische Realpräsenz versus römisch-katholische TSL), dafür bleiben Fragen zur Priesterschaft noch offen (hier spielt die Frauenordination doch noch eine Rolle, sowie die anglikanische Praxis der offenen Einladung zur Kommunion).

Auch erfreulich ist die Einladung, Eucharistiefeier gegenseitig zu besuchen (wenn nicht daran teilzunehmen :sad:). Hab' ich auch vor -- vielleicht auch eine nach dem Alten Ritus. ;)

Cheers,

John
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Leguan
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Beitrag von Leguan »

Deine Reaktion demonstriert recht schön das grundätzliche Problem mit solchen Weichspülerkommissions-Texten: Man feilt solange, bis jeder das in dem Text erkennen kann, was er will, ohne daß irgendwie in der Sache Einigkeit besteht.

Ich frage mich wozu so was gut sein soll, wo gerade die Anglican Communion an allen Ecken und Enden auseinanderbricht.

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Petur
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Beitrag von Petur »

Leguan hat geschrieben:
Ich frage mich wozu so was gut sein soll, wo gerade die Anglican Communion an allen Ecken und Enden auseinanderbricht.
Es geht hier aber um Theologie. Nicht um Kirchenpolitik.

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Leguan
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Beitrag von Leguan »

Petur hat geschrieben:Es geht hier aber um Theologie. Nicht um Kirchenpolitik.
Und die Anglican Communion zerbricht an Theologie und nicht an Kirchenpolitik.

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Leguan hat geschrieben:Deine Reaktion demonstriert recht schön das grundätzliche Problem mit solchen Weichspülerkommissions-Texten: Man feilt solange, bis jeder das in dem Text erkennen kann, was er will, ohne daß irgendwie in der Sache Einigkeit besteht.
Nun, der Zitat macht aber etwas relativ deutlich -- daß Rom die Frauenordination zwar ablehnt, und dieses Thema wird uns weiterhin trennen. Dafür die positive Nachricht: Die Gültigkeit der Weihen ist dadurch nicht betroffen (scheinbar), allerdings wird das Thema von Bischöfinnen gar nicht erwähnt, nur die Frauenordination an sich.

Die Kommentare zum Bericht von römischer Seite (hier als PDF) machen auch deutlich, daß die Frauenordination weiterhin ein ökumenisches Problem unter unseren Kirchen ist. Also Dein Vorwurf, das alles sei "Weichspülerkommissions-Texte", trifft nicht zu. Es wird im ganzen Text ehrlich über Gemeinsamkeiten UND Differenzen gesprochen. (Die Differenzen sind in eingerahmten Absätzen sofort erkennbar.)

Eine weitere Anmerkung: Der Bericht ist ganze 46 Seiten lang, sehr detailliert und ausführlich. Das kommt mir arg lange vor, nur um ein Weichspülerkommissions-Text zu sein.
Leguan hat geschrieben:Ich frage mich wozu so was gut sein soll, wo gerade die Anglican Communion an allen Ecken und Enden auseinanderbricht.
Der Bericht sagt dazu folgendes:
This present context, which adds to existing differences between our two Communions, is not the appropriate time to enter the new formal stage of relationship envisaged by the bishops at Mississauga (Anm.: wo Anglikaner und Römisch-Katholiken bedeutende institutionelle Schritte zur Einheit befürwortet haben). Nevertheless it must be acknowledged that the progress towards agreement in faith achieved through the theological dialogue has been substantial, but that in the past four decades we have only just begun to give tangible expression to the incontrovertible elements of shared faith. Even in a time of uncertainty, the mission given us by Christ obliges and compels us to seek to engage more deeply and widely in a partnership in mission, coupled with common witness and joint prayer.
Der Text macht also deutlich, daß eine weitere institutionelle Annäherung zwischen beiden Seiten im jetzigen Klima nicht pragmatisch ist, genau weil wir im Moment eine Menge interne Probleme haben. Nichts desto trotz ist eine gewisse Unterstützung von außen im Form von Dialog mit Partnern wie Rom auch in dieser Krisenzeit eine stabilisierende Hilfe, damit man weiterhin feststellen kann, was glauben wir überhaupt, was ist unser Mittelpunkt. Gerade im handfesten Dialog muß man mit solchen Themen auseinander setzen.

Was Rom davon hat ist, daß Rom auch ausloten kann, wie wir mit Rom auch nach einer Spaltung (sollte es soweit kommen -- Gott bewahre) zusammenarbeiten können. Wie Petur sagt, es geht hier um Theologie und nicht um politische Fragen -- die Politik verhindert zwar weitere Schritte, aber irgendwann wird diese Krise vorbei sein, und danach geht es hoffentlich weiter.

Interessanterweise sagt aber der Kommentar zum Bericht von anglikanischer Seite folgendes zum Thema Spaltungen:
Anglican Bishop of Newcastle Paul Richardson hat geschrieben:Perhaps both churches need to reflect on the fact that although there are serious divisions within their own ranks they have nonetheless so far managed to remain united despite some minor schisms. Anglicans are learning to stay together despite divisions about the ordination of women and sexuality, and Roman Catholic ranks are split by the same issues. It is sometimes said that the main divisions are no longer between the churches but within the churches. Church leaders, ecumenists, and theologians should reflect more seriously on this and ask what lessons it has to teach us.
Also denke ich, daß dieser Prozeß insgesamt sehr positiv ist, Spaltungen auf unserer Seite hin oder her. Ich würde es auf keinem Fall als "Weichspülerkommission" abtun, und begrüße die Annäherung sehr.

Na, wann kann ich Dich zu einem Gottesdienst einladen? ;)

Cheers,

John
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Linus
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Beitrag von Linus »

http://www.kath.net/detail.php?id=17770

irgendwie kommt mir das schlecht recherchiert vor....
"Katholizismus ist ein dickes Steak, ein kühles Dunkles und eine gute Zigarre." G. K. Chesterton
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Ecce Homo
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Beitrag von Ecce Homo »

User inaktiv seit dem 05.06.2018.
Ihr seid im Gebet ... mal schauen, ob/wann ich hier wieder reinsehe ...

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Mann o mann. Radio Vatikan schafft es immer wieder, Dinge ziemlich falsch darzustellen.
Auch werde die Kirche für einen bestimmten Zeitraum keine gleichgeschlechtlichen Paare mehr segnen, fügte Schori hinzu.
Das stimmt so nicht. Was ECUSA eigentlich gesagt hat: man wird keine offizielle Liturgie oder Riten zur Segnung homosexueller Paare einführen -- aber die Möglichkeit, solche Segnungen aus pastoralen Gründen durchzuführen, wurde ausdrücklich vorbehalten.

Das Wort "Ultimatum" ist auch fehl am Platz. Zwar wurde eine Frist gesetzt, und bis dahin wollte man eine Antwort von ECUSA auf die in Dar-es-Salaam geäusserten Bedenken der anglikanischen Primaten haben. Aber Konsequenzen wurden nicht angedroht -- also von einem "Ultimatum" kann keine Rede sein.

Cheers,

John
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Petur
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Beitrag von Petur »

Eine interessante Studie:

Eric A. Badertscher:The Measure of a Bishop. The Episcopi Vagantes, Apostolic Succession, and the Legitimacy of the Anglican "Continuing Church" Movement

(Den ganzen Text habe ich noch nicht gelesen, aufgrund der schon gelesenen Teile kann ich ihn aber empfehlen, obwohl mir einige Gedanken darin nicht ausgesprochen sympathisch sind.)

http://www.anglicanhistory.org/essays/b ... index.html

Im 6. Kapitel ("The Irony of the Anglican Position toward the Vagantes")schreibt der Autor, dass "...the English Reformers rejected the Roman concept of the "apostolic succession", or "Historic Episcopate" in the very early years of the Reformation.(...)Any sacerdotal concept of bishops, as needing to be in the tactual succession from the apostles, was repulsive to them."

Nach der Meinung von Badertscher geht es hier also nicht um das Bischofsamt im katholischen Sinne.
Er bringt auch Zitate von damaligen ang. Bischöfen, mit denen er diese These unterstützen will. Ich soll dem aber sofort hinzufügen, dass der Autor zur "Continuing Church Movement" gehört, und innerhalb dessen wahrscheinlich zur evangelikalen Richtung. Seine These soll deshalb vorsichtig behandelt werden. Ein Anglokatholiker kann sie sicher nicht akzeptieren.

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Petur
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Beitrag von Petur »

Hallo!

Was bedeutet dieser Titel:"metropolitical canon"? Geht es hier um einen "speziellen" Kanoniker?

Alles Gute!

Petur

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Petur hat geschrieben:Was bedeutet dieser Titel:"metropolitical canon"? Geht es hier um einen "speziellen" Kanoniker?
Bei uns Anglikanern meint man mit "canon" fast immer ein Mitglied eines Domkapitels bzw. einen Kanoniker, der zur Wahl eines (Erz-)Bischofs berechtigt ist, oder einen Kleriker, der einen Diözesanbischof assistiert. "Kanoniker" im Sinne eines Ordnesmitglieds kommt zwar auch vor, aber das ist relativ selten nach meiner Erfahrung.

Zwar habe ich den Titel "metropolitical canon" noch nie gehört (in ECUSA haben wir meist Bischofswahlen durch Synoden und nicht durch Domkapitel, daher haben wir Kanoniker in diesem Sinne selten oder gar nicht, zudem haben wir keine Metropoliten oder Erzbistümer außer dem Presiding Bishop), aber ich vermute, ein "metropolitical canon" ist Kanoniker des Domkapitels in einem metropolischen Bistum (=Bistum oder Erzbistum, der über andere Bistümer in einem Gebiet übergeordnet wird oder einem Kirchenprovinz vorsteht) oder ein Kanoniker, der einem Metropoliten assistiert.

Aber vielleicht weiß SD da mehr -- in der Church of England kommen Kanoniker vier häufiger vor als bei uns.

Cheers,

John
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Mir ist noch kein Metropolitical Canon untergekommen. Ich kann aber auch nur die Erklärung liefern, die John gegeben hat: Es muß ein Canon an einer Kathedrale eines Erzbischofs sein. In England kommen also nur York oder Canterbury in frage, in Wales gibt es einen Metropolitical Canon an der Kathedrale von Llandaff, die auch der Sitz des Erzbischofs von Wales ist.

LG
SD
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Petur
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Beitrag von Petur »

Hallo Stephen,

es geht hier wirklich um die Kirche von Wales. Soviel ich weiss, gibt es dort aber keinen festen Erzbischofssitz, "nur"einen Erzbischof ohne Erzbistum /er ist Diözesanbischof eines "einfachen" Bistums und gleichzeitig Erzb. der Kirchenprovinz Wales- interessanterweise aber ohne den Titel "Metropolit"/, so kann die Kirche kein Metropolitankapitel haben. Deshalb verstehe ich die Bedeutung dieses Titels nicht ganz.

Alles Gute!

Petur

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Petur hat geschrieben:Hallo Stephen,

es geht hier wirklich um die Kirche von Wales. Soviel ich weiss, gibt es dort aber keinen festen Erzbischofssitz, "nur"einen Erzbischof ohne Erzbistum /er ist Diözesanbischof eines "einfachen" Bistums und gleichzeitig Erzb. der Kirchenprovinz Wales- interessanterweise aber ohne den Titel "Metropolit"/, so kann die Kirche kein Metropolitankapitel haben. Deshalb verstehe ich die Bedeutung dieses Titels nicht ganz.
Dann wäre er wahrscheinlich "metropolitical canon" im letzten Sinne meines Beitrags -- Assistent eines Metropoliten.

Cheers,

John
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

John Grantham hat geschrieben: Dann wäre er wahrscheinlich "metropolitical canon" im letzten Sinne meines Beitrags -- Assistent eines Metropoliten.

Cheers,

John
Das wäre einleuchtend!

Petur, Du weißt mehr über die Kirche in Wales als ich. Ich dachte immer, Llandaff Cathedral wäre der feste Sitz des Erzbischofs. War nicht auch Rowan Williams in Llandaff, bevor er zum Erzbischof von Canterbury wurde?

Gruß
SD
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Stephen Dedalus hat geschrieben:Ich dachte immer, Llandaff Cathedral wäre der feste Sitz des Erzbischofs. War nicht auch Rowan Williams in Llandaff, bevor er zum Erzbischof von Canterbury wurde?
Nö -- Monmouth.

In Wales gibt es keinen festen Sitz des Metropoliten -- man wählt aus den sechs Diözesanbischöfen, wer Metropolit ist.

Cheers,

John
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Beitrag von Petur »

Zwar nicht anglikanisch, aber etwas Aehnliches-ein methodistischer Orden:

http://www.saint-luke.org/

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Petur
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Beitrag von Petur »

Hallo!

Kennt jemand diesen Herrn?

http://www.timesonline.co.uk/tol/commen ... 805420.ece

Alles Gute!

Petur

Raimund J.
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Beitrag von Raimund J. »

Last month, the bishops of the Traditional Anglican Communion, a network of 400,000 breakaway Anglo-Catholics based mainly in America and the Commonwealth, wrote to Rome asking for "full, corporate, sacramental union"
schreibt Damian Thompson im Telegraph
Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Nec laudibus, nec timore

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Raimund Josef H. hat geschrieben:
Last month, the bishops of the Traditional Anglican Communion, a network of 400,000 breakaway Anglo-Catholics based mainly in America and the Commonwealth, wrote to Rome asking for "full, corporate, sacramental union"
schreibt Damian Thompson im Telegraph
Ehrlich gesagt, da bin ich ziemlich skeptisch. Die TAC-Anglikaner sind seit Jahren dabei, und ihre Anforderungen sind (aus römischer Sicht) sehr hoch gewesen: sie wollen eine Art Anglikaner-Ritus innerhalb der Römisch-Katholischen Kirche werden, parallel zum lateinischen Ritus. Da gibt es m.W.n. enorm viel Widerstand gegen dieser Vorstellung.

Bisher war immer nur von der "pastoral provision" die Rede, wo ehemalige anglikanische Gemeinden "Anglican Use"-Gemeinden wurden, aber letztendlich sind diese im lateinischen Ritus und haben keine eigenen Bischöfe, lediglich eine Sonderregelung für ihre Liturgie (damit sie eine stark überarbeitete Version des Book of Common Prayer verwenden dürfen). Und auch da war Rom sehr zurückhaltend -- es gibt z.B. in ganz Amerika nur etwa sechs solche Gemeinden.

Das andere ist, wie ist es mit ihren Weihen? Wenn Rom auf einmal meint, die TAC-Weihen seien gültig, wird es enorm schwierig, die Gültigkeit der Weihen der sonstigen Anglikaner weiterhin abzustreiten. Und ich kann mir nicht vorstellen, daß ausgerechnet die TAC-Kollegen, vermeintlich die katholischsten aller Anglo-Catholics, ihre eigenen Weihen leugnen würden, nur damit sie mit Rom uniert werden.

Cheers,

John
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Kardinal Kasper erteilt Anfrage der TAC eine Abfuhr:

Im Catholic Herald sind folgende Aussagen Kaspers zu lesen:
It's not our policy to bring that many Anglicans to Rome and I am not sure there are so many as you are speaking about.

We are on good terms with the Archbishop of Canterbury and as much as we can we are helping him to keep the Anglican Community together.

Of course as a Catholic I am happy if one person joins our Catholic Church but I doubt such a big group is coming - I think there are still many questions to solve first.
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Stephen Dedalus hat geschrieben:Kardinal Kasper erteilt Anfrage der TAC eine Abfuhr:

Im Catholic Herald sind folgende Aussagen Kaspers zu lesen:
It's not our policy to bring that many Anglicans to Rome and I am not sure there are so many as you are speaking about.

We are on good terms with the Archbishop of Canterbury and as much as we can we are helping him to keep the Anglican Community together.

Of course as a Catholic I am happy if one person joins our Catholic Church but I doubt such a big group is coming - I think there are still many questions to solve first.
Das überrascht mich zwar nicht. Was mich jedoch überrascht, ist seine Begründung -- nicht, daß es um kanonische Probleme geht, sondern daß man ++Rowan und die Anglican Communion nicht verärgern will und man möchte die Anglican Communion zusammenhalten.

Cheers,

John
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Flo77
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Beitrag von Flo77 »

Hätte ich auch eher drauf kommen können, daß Ihr die TAC hier schon zwischen habt.

Aber bitte was für ein Verein ist das?

Die Bedenken, daß eine eigene Ritusgemeinschaft innerhalb der römisch-katholischen Kirche ein zu hoch gestecktes Ziel sei, kann ich übrigens nicht teilen.

Das gleiche Ziel haben die Piusler auch und so ist es für die unierten Byzantiner ja auch geregelt.

Ich find's nicht gut, aber 'ne bessere Lösung gibt's wohl kaum.

Zumal Metropolit Kyrill ja ähnliches für die Römer in Russland wünscht.
Viele Grüße

Flo

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Flo77 hat geschrieben:Hätte ich auch eher drauf kommen können, daß Ihr die TAC hier schon zwischen habt.

Aber bitte was für ein Verein ist das?
Da habe ich Dir schon in einem anderen Forum beantwortet. ;)

Aber die Kurzfassung: Die sind sozusagen unsere Piusbrüder -- sehr traditionell-konservativ in ihren Ansichten. Sie entstanden aus anglokatholischen Strömungen in den 70ern und 80ern, als Anglikaner anfingen, die Liturgie zu reformieren und die Frauenordination einzuführen.

Wie groß die tatsächlich sind, ist schwer zu sagen. Mal heißt es, sie hätten 800.000, mal nur 400.000 Mitglieder. Irgendwo etwas skurril.
Flo77 hat geschrieben:Die Bedenken, daß eine eigene Ritusgemeinschaft innerhalb der römisch-katholischen Kirche ein zu hoch gestecktes Ziel sei, kann ich übrigens nicht teilen.
Mit Anerkennung von anglikanischen Weihen? Da hat das eine besondere Brisanz. Und es ist auch nicht so, daß Rom eine weitere Ritusgemeinschaft einfach mal eben aufmacht.

Bisher blieb man eher dabei, es bei der s.g. Pastoral Provision zu lassen.

Cheers,

John
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Beitrag von John Grantham »

Hinzu kommt auch die weitere Dimension, daß die TAC nur eins von vielen anglokatholischen Splitterkirchen ist, und die Hintergründe der Trennungen innerhalb der s.g. Continuing Anglican Movement sind recht obskur. Bischöfe wechseln ständig Jurisdiktionen (z.B. http://www.virtueonline.org/portal/modu ... oryid=6402), Unionsgespräche kommen nicht voran, und so weiter.

Ich vermute, daß Rom das alles beobachtet und sich fragt, wie ernsthaft diese Wünsche nach Einheit mit Rom sind -- und ob das schnell nach hinten losgeht.

Cheers,

John
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Leguan
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Beitrag von Leguan »

Die erste episkopale Diözese in den USA votiert endgültig dafür die TEC zu verlassen.
Interessant finde ich das insofern, als die TEC-Vorsitzende Schori exakt so reagiert, wie es von den hiesigen Anglikanern dem Papst vorgeworfen wird, daß er im Falle Utrecht gehandelt habe.
Sie scheint außerdem so etwas wie eine Universaljurisdiktion über die TEC zu beanspruchen und regiert insbesondere Bischöfen, die bereit sind, absprungwilligen Gemeinden ihre Kirchen zu verkaufen, direkt herein oder geht sogar gerichtlich dagegen vor.

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Leguan hat geschrieben:Interessant finde ich das insofern, als die TEC-Vorsitzende Schori exakt so reagiert, wie es von den hiesigen Anglikanern dem Papst vorgeworfen wird, daß er im Falle Utrecht gehandelt habe.
Uh...nice troll, but try again. ++Schori und ECUSA haben noch nichts gemacht; zweitens sind die beiden Situationen Utrecht und San Joaquin sehr unterschiedlich, zumal der Aufbau von ECUSA und der der römisch-katholischen Kirche damals sehr unterschiedlich sind. Das Kirchenrecht ist auch entsprechend anders.
Leguan hat geschrieben:Sie scheint außerdem so etwas wie eine Universaljurisdiktion über die TEC zu beanspruchen und regiert insbesondere Bischöfen, die bereit sind, absprungwilligen Gemeinden ihre Kirchen zu verkaufen, direkt herein oder geht sogar gerichtlich dagegen vor.
Das ist einfach Blödsinn. Du kennst die interne Politik von ECUSA offensichtlich nicht, denn der Presiding Bishop ist nur Kopf des Bischofshauses und hat kaum eigene Mächte. ++Schori kann im Alleingang in diesem Fall so gut wie nichts gegen den Bischof von San Joaquin machen. Sie kann nur mit einem Votum des Bischofshauses gegen den jetzigen Bischof prozessieren, und erst wenn das passiert, kann etwas mit der Diözese passieren.

Na bitte, hier unser Kirchenrecht. Erst lesen. Vor allem Canon IV.9. Dann weiterposten. :P

Cheers,

John
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