Bernado hat geschrieben:ad-fontes hat geschrieben:Petur hat geschrieben: Das ist nicht der erste Fall, dass Bernardo gewisse Begriffe verwechselt.
Nicht, dein Ernst, oder?
Och, lass dem Jung mal seinen Keks.
Ich bin zwar ein ziemlich hartgesottener Papist - aber so weit, daß ich für mich persönlich Unfehlbarkeit beanspruche, und das auch noch in Dingen, wo sie der Papst selbst nicht beansprucht - also so weit gehe ich denn doch nicht. Und die juristischen Eskapaden der Frau Jefferts Schori und ihrer Lakeien sind wirklich so haarsträubend, daß man vermutlich mehrere Gutachten bräuchte, um wirklich korrekt darzulegen, was sie da eigentlich tut, zu tun beansprucht und in Wirklichkeit gar nicht tun kann.
Ich bin weit davon entfernt, das Verhalten von Bischöfin Jefferts Schori gut zu heißen.
Gleichwohl ist Bernados Darstellung dieser Vorgänge einseitig, parteiisch und auch von einer unterschwelligen Häme getragen.
Wiederum frage ich, warum dies im Kontext der Diskussion überhaupt angebracht wurde (mittlerweile ist es ja im Anglikanerstrang, wo es eigentlich auch hingehörte). Es ist deutlich: Der Hinweis auf die skandalösen Vorgänge in der Episkopalkirche dient vor allem als Warnhinweis für zu liberal gesinnte Katholiken: Seht, so geht es dort, es führt also zu gar nichts. Außerdem soll der Traditionalismus als Remedium für etwaige Mißstände angeboten werden.
Dazu müssen die Vorgänge in der Episkopalkirche so erzählt werden, daß die Progressiven (Bischöfin Jefferts Schori) als böse und die Traditionalisten resp. Konservativen als Opfer dargestellt werden. Betrachtet man die Vorgänge über einen längeren Zeitraum hingegen im Detail, stellt man schnell fest, daß die Dinge so einfach gar nicht liegen. Die "traditionalistischen" Gruppen innerhalb der Episkopalkirche haben durch schismatische Akte und offene Brüche des Kirchenrechts sehr viel dazu beigetragen, die Situation eskalieren zu lassen. Im Hinblick auf das Kirchenrecht liegt die Schuld sogar eindeutig mehr auf ihrer Seite.
Natürlich ist dies ein Argument, das bei den Traditionalisten in der Regel nicht gesehen wird. Hier wird grundsätzlich die eine Partei als "im Recht", die andere als "im Unrecht" gesehen. Problematisch wird dies immer, wo die Partei, die sich im Recht glaubt, mit der kirchlichen Hierarchie in Konflikt gerät. Es ist genau dies die Tragik der Tradis: Sie handeln aus der Gewißheit ihrer eigenen Rechtgläubigkeit heraus - meist ohne entsprechende Repräsentation, Beauftragung oder Berufung. Allein ihre "Rechtgläubigkeit" begründet und rechtfertigt ihr Handeln. Und wir haben hundertfach gesehen, daß sie an kirchlichen Hierarchien nicht haltmacht. Lefebvre ist ein Beispiel, in der Episkopalkirche gibt es andere Beispiele.
Die Traditionalisten nehmen sich das Recht heraus, nach eigenem Gutdünken die rechtmäßigen Ortsbischöfe (oder wie im Falle der Episkopalkirche die Ortskirche) als "legitim" oder "illegitim" einzustufen, je nach theologischer Ausrichtung. Lautet das Verdikt über den Ortsbischof "häretisch", so fühlt man sich von der Loyalität entbunden und bildet - unter Bruch des kanonischen Rechtes - eigene Strukturen, führt illegitime Weihen durch oder wechselt gleich die Jurisdiktion. Auf diese Problematik hat Bischof Tom Wright von Durham sehr deutlich hingewiesen. Er selbst - ein Konservativer - hat deshalb die GAFCONiten scharf verurteilt.
Grundsätzlich ist die Loyalität der Tradis immer vorläufig - daher habe ich im anderen Strang von "Lippenbekenntnissen" gesprochen. Echte Tradis (ich meine nicht traditionsverbundene Katholiken) stellen ihr Verständnis der Tradition grundsätzlich über die Loyalität zum Ortsbischof.
Ein weiteres kommt hinzu, auch wenn dies hier nur am Rande erwähnt sein soll:
Es gibt bereits Anzeichen dafür, daß die Apostolische Konstitution nicht zu einem so großen Erfolg wird, wie sich dies einige erhofft haben. Sollte sie sich als Rohrkrepierer erweisen, wird man nach Verantwortlichen suchen. Per definitionem dürfen dies nicht diejenigen sein, die sich die Personalordinariate ausgedacht haben. Zwei mögliche Ziele kommen aber infrage: Einmal die Anglikaner selbst, die bereits so sehr innerlich korrumpiert sind, daß sie die angebotene ausgestreckte Hand des Papstes nicht ergreifen. (In dieser Richtung argumentiert Bernado am Schluß seines Postings). Dann natürlich die liberalen katholischen Bischöfe, die durch ihren Schmusekurs und das Festhalten am sog. "Ökumenismus" die Bemühungen des Papstes hintertreiben. In diese Richtung etwa argumentiert Damian Thompson.