Rückgang der Taufen

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.
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Christ86
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Rückgang der Taufen

Beitrag von Christ86 »

Hallo

Lese gerade das Dokument hier:

EKD: Kirche der Freiheit

Auf Seite 23 wird erwähnt, dass die Taufen zwischen 1991-2003 um über 25% zurückgegangen seien. Weiss jemand, wie man auf diese Zahl kommt? Heisst das, 25% der Kinder von evangelischen Eltern werden nicht mehr getauft oder ist das eine Auswirkung der niedrigen Geburtenrate?

By the way: sind die Eltern von evangelischen Eltern eigentlich automatisch evangelisch oder werden sie erst durch die Taufe Mitglied der öffentlich-rechtlichen Körperschaft?
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Miserere Nobis Domine
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Re: Rückgang der Taufen

Beitrag von Miserere Nobis Domine »

Christ86 hat geschrieben: Auf Seite 23 wird erwähnt, dass die Taufen zwischen 1991-2003 um über 25% zurückgegangen seien. Weiss jemand, wie man auf diese Zahl kommt? Heisst das, 25% der Kinder von evangelischen Eltern werden nicht mehr getauft oder ist das eine Auswirkung der niedrigen Geburtenrate?
Beides kommt zusammen. Viele sehen es in Deutschland inzwischen als Bevormundung ihrer Kinder, sie zu taufen. Aber auch die Geburtsrate ist niedrig. Dazu kommen noch die Austritte. Da weniger Erwachsene in der EKD sind, werden auch weniger von ihnen ihre Kinder taufen.
Christ86 hat geschrieben:By the way: sind die Eltern von evangelischen Eltern eigentlich automatisch evangelisch oder werden sie erst durch die Taufe Mitglied der öffentlich-rechtlichen Körperschaft?
Also wenn du die Kinder evangelischer Eltern meinst: Erst durch die Taufe.

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Christ86
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Re: Rückgang der Taufen

Beitrag von Christ86 »

Miserere Nobis Domine hat geschrieben:
Christ86 hat geschrieben: Auf Seite 23 wird erwähnt, dass die Taufen zwischen 1991-2003 um über 25% zurückgegangen seien. Weiss jemand, wie man auf diese Zahl kommt? Heisst das, 25% der Kinder von evangelischen Eltern werden nicht mehr getauft oder ist das eine Auswirkung der niedrigen Geburtenrate?
Beides kommt zusammen. Viele sehen es in Deutschland inzwischen als Bevormundung ihrer Kinder, sie zu taufen. Aber auch die Geburtsrate ist niedrig. Dazu kommen noch die Austritte. Da weniger Erwachsene in der EKD sind, werden auch weniger von ihnen ihre Kinder taufen.
Dann wird sie wohl in den nächsten Jahrzenten in grosse Schwierigkeiten geraten, wenn der Trend anhält. 25% ist schon ein dicker Hund....
Miserere Nobis Domine hat geschrieben:
Christ86 hat geschrieben:By the way: sind die Eltern von evangelischen Eltern eigentlich automatisch evangelisch oder werden sie erst durch die Taufe Mitglied der öffentlich-rechtlichen Körperschaft?
Also wenn du die Kinder evangelischer Eltern meinst: Erst durch die Taufe.
:patsch: :kugel: :patsch:

Natürlich meine ich die Kinder. Da hab' ich einen schönen Käse geschrieben :D
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Miserere Nobis Domine
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Re: Rückgang der Taufen

Beitrag von Miserere Nobis Domine »

Christ86 hat geschrieben: Dann wird sie wohl in den nächsten Jahrzenten in grosse Schwierigkeiten geraten, wenn der Trend anhält. 25% ist schon ein dicker Hund....
Ja, zumal es weiterhin viele Austritte gibt. In meinem Heimatort wird die ev.-luth. Kirche (und man sagt, Württemberg sei eine konservative Landeskirche...) Sonntags noch von 20 älteren Menschen besucht, von denen die Mehrheit über 70 ist. Es gibt allerdings mehrere Kirchen im Ort, so dass es in den nächsten Jahren zu Zusammenlegungen kommen werden muss.

Die Freikirchen blühen allerdings, oft mit charismatischer Ausrichtung. Sonntags besuchen zweifelsohne mehr Menschen eine Freikirche als eine ev. Landeskirche.
Christ86 hat geschrieben: Natürlich meine ich die Kinder. Da hab' ich einen schönen Käse geschrieben :D
Stimmt es, dass die Löcher im Schweizer Käse von der Armee geschossen werden? :D

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Christ86
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Re: Rückgang der Taufen

Beitrag von Christ86 »

Miserere Nobis Domine hat geschrieben:
Christ86 hat geschrieben: Dann wird sie wohl in den nächsten Jahrzenten in grosse Schwierigkeiten geraten, wenn der Trend anhält. 25% ist schon ein dicker Hund....
Ja, zumal es weiterhin viele Austritte gibt. In meinem Heimatort wird die ev.-luth. Kirche (und man sagt, Württemberg sei eine konservative Landeskirche...) Sonntags noch von 20 älteren Menschen besucht, von denen die Mehrheit über 70 ist. Es gibt allerdings mehrere Kirchen im Ort, so dass es in den nächsten Jahren zu Zusammenlegungen kommen werden muss.
Das ist nicht gut. Aber im Dokument steht, dass nur ca 4% der Evangelischen den Gottesdienst besuchen, das ist schon extrem wenig...
Miserere Nobis Domine hat geschrieben:Die Freikirchen blühen allerdings, oft mit charismatischer Ausrichtung. Sonntags besuchen zweifelsohne mehr Menschen eine Freikirche als eine ev. Landeskirche.
Sind die Doppelmitglieder EKD/Freikirche oder muss man austreten, um dort Mitglied zu sein? Hier gibt es viele, die beides sind, Mitglied der ref. Kirche und einer Freikirche.
Miserere Nobis Domine hat geschrieben:
Christ86 hat geschrieben: Natürlich meine ich die Kinder. Da hab' ich einen schönen Käse geschrieben :D
Stimmt es, dass die Löcher im Schweizer Käse von der Armee geschossen werden? :D
Das kann schon sein, normalerweise schiessen sie die Munition in die Berge :kugel:
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Miserere Nobis Domine
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Re: Rückgang der Taufen

Beitrag von Miserere Nobis Domine »

Christ86 hat geschrieben: Sind die Doppelmitglieder EKD/Freikirche oder muss man austreten, um dort Mitglied zu sein? Hier gibt es viele, die beides sind, Mitglied der ref. Kirche und einer Freikirche.
Doppelmitgliederschaft ist wohl bei den meisten Freikirchen möglich, aber auch in Freikirchen wo dies möglich ist, sind viele Mitglieder bewusst aus der Landeskirche ausgetreten, weil sie nicht Kirchensteuern für diese bezahlen wollen.

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Epiklese
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Re: Rückgang der Taufen

Beitrag von Epiklese »

Christ86 hat geschrieben:Dann wird sie wohl in den nächsten Jahrzenten in grosse Schwierigkeiten geraten, wenn der Trend anhält. 25% ist schon ein dicker Hund....
Unterm Strich, also trotz der Unterschiede bzgl. "konservativ-tradioneller-charismatischer-etc." Gemeinschaften, werden nicht nur "sie", sondern auch "wir" überhaupt in große Schwierigkeiten kommen, und gerade im Westen wird das Christentum der Zukunft Sekte oder Senfkorn sein.
Und ob wir als Sekte oder als Senfkorn wahrgenommen werden, wird leider nicht nur von uns selber abhängen.
Die christlichen Kirchen sind schlecht beraten, wenn sie ihre Sektenkritik mit der staatlichen verbinden und sich nicht schützend vor diese Gruppen stellen, auch wenn sie deren Überzeugungen für falsch halten. Wenn sie weiter wie bisher schrumpfen, ist es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis sie selbst öffentlich als Sekten wahrgenommen werden. Dass die gegenwärtige Katholische Kirche eine Großsekte sei, kann man bereits bei Hans Küng lesen, und wenn man die eben genannten Kriterien zugrunde legt, ist das nicht einmal falsch. Aber nun beginnt der staatliche Arm, sich eine Zivilreligion zuzulegen. Die mühsam erworbene Errungenschaft des liberalen Rechtsstaats wird wieder preisgegeben, wenn der Staat sich als Wertegemeinschaft versteht, auch wenn es eine „liberale“ Wertegemeinschaft ist, die Liberalismus als Weltanschauung statt als Rechtsordnung versteht. Die Sektenverfolgung ist ein ziemlich sicherer Indikator für die hier drohende Gefahr, die Gefahr eines liberalen Totalitarismus.
Robert Spaemann im Cicero:
http://www.cicero.de/97.php?ress_id=1&i ... l_gesamt=3
:(

Insofern sollte vielleicht das (vornehmliche) Ziel der Ökumene nicht die gemeinsame Kommunion etc. sein, sondern die Artikulation gemeinsamer Werte, z.B. bzgl. des Lebensschutz'. Das Problem ist nur, daß gerade in der Bundesrepublik keine wirkliche Einigung über diese gemeinsamen Werte besteht.
Orabo spiritu, orabo et mente; psallam spiritu, psallam et mente.

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Christ86
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Re: Rückgang der Taufen

Beitrag von Christ86 »

Epiklese hat geschrieben:
Christ86 hat geschrieben:Dann wird sie wohl in den nächsten Jahrzenten in grosse Schwierigkeiten geraten, wenn der Trend anhält. 25% ist schon ein dicker Hund....
Unterm Strich, also trotz der Unterschiede bzgl. "konservativ-tradioneller-charismatischer-etc." Gemeinschaften, werden nicht nur "sie", sondern auch "wir" überhaupt in große Schwierigkeiten kommen, und gerade im Westen wird das Christentum der Zukunft Sekte oder Senfkorn sein.
Und ob wir als Sekte oder als Senfkorn wahrgenommen werden, wird leider nicht nur von uns selber abhängen.
Die christlichen Kirchen sind schlecht beraten, wenn sie ihre Sektenkritik mit der staatlichen verbinden und sich nicht schützend vor diese Gruppen stellen, auch wenn sie deren Überzeugungen für falsch halten. Wenn sie weiter wie bisher schrumpfen, ist es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis sie selbst öffentlich als Sekten wahrgenommen werden. Dass die gegenwärtige Katholische Kirche eine Großsekte sei, kann man bereits bei Hans Küng lesen, und wenn man die eben genannten Kriterien zugrunde legt, ist das nicht einmal falsch. Aber nun beginnt der staatliche Arm, sich eine Zivilreligion zuzulegen. Die mühsam erworbene Errungenschaft des liberalen Rechtsstaats wird wieder preisgegeben, wenn der Staat sich als Wertegemeinschaft versteht, auch wenn es eine „liberale“ Wertegemeinschaft ist, die Liberalismus als Weltanschauung statt als Rechtsordnung versteht. Die Sektenverfolgung ist ein ziemlich sicherer Indikator für die hier drohende Gefahr, die Gefahr eines liberalen Totalitarismus.
Robert Spaemann im Cicero:
http://www.cicero.de/97.php?ress_id=1&i ... l_gesamt=3
:(

Insofern sollte vielleicht das (vornehmliche) Ziel der Ökumene nicht die gemeinsame Kommunion etc. sein, sondern die Artikulation gemeinsamer Werte, z.B. bzgl. des Lebensschutz'. Das Problem ist nur, daß gerade in der Bundesrepublik keine wirkliche Einigung über diese gemeinsamen Werte besteht.
Ja, es ist tatsächlich gefährlich, wie in letzter Zeit antichristliche Umtriebe unter dem Deckmantel des Laizismus gestartet werden.

Schade ist wirklich, dass die Kirchen nicht wenigstens in Fragen der Moral und Ethik etc. als gemeinsame Stimme sprechen - oder auch in Fragen von politischen Fragen, die das Christentum direkt betreffen.
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Re: Rückgang der Taufen

Beitrag von Miserere Nobis Domine »

Christ86 hat geschrieben: Schade ist wirklich, dass die Kirchen nicht wenigstens in Fragen der Moral und Ethik etc. als gemeinsame Stimme sprechen
Leider gibt es da verschiedene Auffassungen, z.B. zu Abtreibung, Segnung homoseueller Partnerschaften oder Scheidung, so dass ein Sprechen mit gemeinsamer Stimme unmöglich ist.

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Petur
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Re: Rückgang der Taufen

Beitrag von Petur »

Miserere Nobis Domine hat geschrieben:
Christ86 hat geschrieben: Sind die Doppelmitglieder EKD/Freikirche oder muss man austreten, um dort Mitglied zu sein? Hier gibt es viele, die beides sind, Mitglied der ref. Kirche und einer Freikirche.
Doppelmitgliederschaft ist wohl bei den meisten Freikirchen möglich
Na, schon wieder etwas Unlogisches. Man ist entweder katholisch (lutherisch/reformiert etc.) oder pfingstlerisch (etc.). Die Doppelmitgliedschaft hat keinen Sinn. Es ist eine andere Frage, dass auch ein Mitglied einer traditionellen Kirche an den Gottesdiensten einer Freikirche regelmäßig teilnehmen kann.

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holzi
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Re: Rückgang der Taufen

Beitrag von holzi »

Christ86 hat geschrieben:
Miserere Nobis Domine hat geschrieben:Stimmt es, dass die Löcher im Schweizer Käse von der Armee geschossen werden? :D
Das kann schon sein, normalerweise schiessen sie die Munition in die Berge :kugel:
Und aus den durchlöcherten Bergen wird in den Käsebergwerken dann der Emmentaler abgebaut? :detektiv:

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Re: Rückgang der Taufen

Beitrag von Miserere Nobis Domine »

Petur hat geschrieben: Na, schon wieder etwas Unlogisches. Man ist entweder katholisch (lutherisch/reformiert etc.) oder pfingstlerisch (etc.). Die Doppelmitgliedschaft hat keinen Sinn. Es ist eine andere Frage, dass auch ein Mitglied einer traditionellen Kirche an den Gottesdiensten einer Freikirche regelmäßig teilnehmen kann.
Die Freikirchen gehen von der unsichtbaren Kirchen aus, und sehen die jeweiligen Gemeinden mehr als organisatorische Zusammenschlüsse von Christen, so dass sie Mehrfachmitgliedschaften akzeptieren, zumindest unter verschiedenen protestantischen Gemeinden.

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ad-fontes
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Re: Rückgang der Taufen

Beitrag von ad-fontes »

Petur hat geschrieben: Na, schon wieder etwas Unlogisches. Man ist entweder katholisch (lutherisch/reformiert etc.) oder pfingstlerisch (etc.). Die Doppelmitgliedschaft hat keinen Sinn. Es ist eine andere Frage, dass auch ein Mitglied einer traditionellen Kirche an den Gottesdiensten einer Freikirche regelmäßig teilnehmen kann.
Die AKD akzeptiert bzw. läßt aber auch die Doppelmitgliedschaft im Fall von Anglikanern zu.
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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