EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

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Yeti
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EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Yeti » Dienstag 14. Juni 2011, 21:16

Mich würde einmal von Protestanten aller Denominationen hier im Forum interessieren, ob sie diese Erklärungen Schneiders bezüglich des ev. Bekenntnisses teilen (hier auch online zum Nachhören mit Flash-Player).
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Lioba
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Koch erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Lioba » Dienstag 14. Juni 2011, 21:41

Das ist ziemlich umfangreich , Yeti, kannst du konkrete Punkte nennen?
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Kirchenjahr
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Koch erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Kirchenjahr » Dienstag 14. Juni 2011, 21:49

Mod.- Hinweis : Beitrag in Absprache mit Verfasser bearbeitet.


"Was ist denn an Schneiders Phrasen evangelisch? Wenigstens sind sie politisch korrekt.

"Kehrt um, tut Buße und glaubt an das Evangelium." Das ist die Verkündigung desjenigen, der auf den rechten Eckstein baut.

Schneider baut ohne Eckstein, ohne normalen Stein und ohne Mörtel: Luftschlösser!"

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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Yeti » Mittwoch 15. Juni 2011, 15:59

Lioba hat geschrieben:Das ist ziemlich umfangreich , Yeti, kannst du konkrete Punkte nennen?
Ich beziehe mich vor allem auf diese längere Passage, die am Stück gelesen werden sollte, insbesondere auf die unterstrichenen und fett gedruckten Teile:

Schneider: Da ist was dran. Also die römisch-katholische Kirche würde eher die Norm vorgeben, wie zu glauben ist, und das auch in vielen Fragen bis ins Einzelne festlegen, damit der Gläubige sich daran ausrichten kann. Die Evangelische Kirche würde eher sagen, nach unserem Verständnis der Sachproblematik, der Zeit und der Heiligen Schrift, kann man in einer gewissen Bandbreite evangelisch so reagieren. Das habe ich auch mit Thomas de Maizière erlebt, wo wir auch evangelische Bandbreite entfaltet haben, ganz nahe beieinander waren, aber durchaus unterschiedlich, wo ich nie sagen würde: "Lieber Herr Verteidigungsminister, ich sage ihnen jetzt mal, die Norm ist so und dem gemäß haben Sie ihre Politik zu machen", sondern da ist es durchaus evangelisch, zu sagen, wir beide als Christen ringen um die richtigen Wege und unser Verständnis der Heiligen Schrift, unser Verständnis durchaus der Tradition und der Problemlage. Und da gibt es eine gewisse Bandbreite. Auch bei uns gibt es Grenzen, so ist das nicht. Aber wir müssen sie immer begründen aus unserem Verständnis der Heiligen Schrift und aus unserer Analyse der Zeit. Und insofern ist nicht diese klare Vorgabe, die normierende Vorgabe, da.

Achenbach: Normative Weisung gibt es nicht, aber es gibt die Orientierung und deswegen auch die Denkschrift der EKD.

Schneider: Ja, wir nennen sie sehr bewusst Denkschriften, weil sie wollen zum Denken, zum Mitdenken, zum Nachdenken, auch zum Querdenken, durchaus auch zum Andersdenken einladen. Es ist gute protestantische Tradition, zu sagen ich lege dir jetzt einmal vor, was ich denke. Jetzt sage mal deine Meinung dazu, und wenn du mich überzeugst, dann ändere ich auch mein Denken. Also, dazu wollen auch die Denkschriften einladen. Es ist ein sehr stark kommunikativer Prozess, der sich dem Risiko aussetzt, dass er wegen der Breite, die er anbietet, von wegen der Eigenverantwortlichkeit, auf die er setzt, auch manches an merkwürdigen Entwicklungen dann erlaubt und eben auf die klare Normierung deshalb auch verzichtet. Das ist ein Risiko, dem wir uns aussetzen, aber es ist auch eine ganz große Chance, weil wir ja der festen Überzeugung sind, dass kein Mensch über die Wahrheit Gottes und über den Weg Christi verfügt - keiner, keine Kirche -, sondern dass wir alle dem nur nachfolgen. Und insofern vertrauen wir uns Christus selber an, wenn wir uns auf dieses Risiko einlassen. Wir vertrauen uns ihm an, dass er am Ende uns - als Einzelner und auch als Kirchen - durch die Zeiten leitet und führt.

Achenbach: Sie haben es gerade schon deutlich gemacht, Protestantismus bedeutet immer auch eine Vielzahl an Frömmigkeitsstilen und dadurch auch einen gewissen Pluralismus bei ethischen Meinungen.

Schneider: So ist es. Also, Pluralismus ist allerdings für uns ein positives Wort und Pluralismus ist etwas anderes als Relativismus. Pluralismus heißt, aus meiner Bindung an die Heilige Schrift, an meinen Glauben, auch an meine Glaubenstradition komme ich bei Analyse der Sachlage zu der und der Position.

Achenbach: Das kann durchaus unterschiedlich sein.

Schneider: Das kann unterschiedlich sein, muss aber argumentativ aufgewiesen werden und muss belegt werden und muss sich dem kritischen Diskurs aussetzen.

Achenbach: Das wäre auch eine klare Absage an jeden Biblizismus.

Schneider: Natürlich.

Achenbach: Das heißt auch, religiöse Symbole, die überliefert werden, auch durch die biblischen Schriften, müssen zu jeder Zeit neu in diese Zeit hinein interpretiert werden.

Schneider: Natürlich. Und auch die Heilige Schrift ist Zeugnis der Wahrheit Gottes. Verbindliches Zeugnis, aber es ist Zeugnis. Es ist sozusagen Gottes Wort und Menschenwort in einem. Und es ist Jesus Christus, der für uns das verbindliche Wort Gottes ist, also das heißt, unter dem, was wir aus dem Evangelium Jesu Christi wissen, lesen wir die gesamte Heilige Schrift und gewinnen dann unsere ethischen Fundamentierungen. Aber Sie merken, auch das sind alles Interpretationsprozesse, Verständigungsprozesse, die sich dem anvertrauen, dass Gott mit uns gegenwärtig unterwegs ist und am Ende sein Heiliger Geist uns leitet und führt.

Achenbach: Und dass man auf der Suche nach der Wahrheit ist und nicht die Wahrheit schon besitzt.

Schneider: Wir besitzen sie nicht und teilen sie nicht aus.


Wenn ich mir nun dazu den Heidelberger Kathechismus und das Augsburger Bekenntnis durchlese, mir auch das schöne und verständlich geschriebene Buch von Wolfgang Huber ("Der christliche Glaube - eine evangelische Orientierung") in Erinnerung rufe, entdecke ich an einigen Stellen Widersprüche zwischen diesen genannten Texten und den Aussagen von Präses Schneider (ich möchte gar nicht erst von Karl Barth oder Dietrich Bonhoeffer sprechen). Mir ist zwar klar, dass es im Grunde genommen im evangelischen Bereich keine allgemeingültige Dogmatik gibt (gut, Barth war auch hier anderer Meinung), aber das bindende Element (welches auch Präses Schneider erwähnt, um es gleich wieder zu relativieren) ist mir nicht ganz klar. Die Schrift ist es offenbar nicht (mehr), infolgedessen kann es logischerweise auch nicht mehr der in ihr geoffenbarte Glaube sein, da wir ja alle irgendwie auf der Suche sind. Kirche hat laut Präses Schneider lediglich den Sinn eines Korrektivs, aber korrigiert kann im Grunde genommen nichts werden, da ja niemand im Besitz der Wahrheit ist. Irgendwie finde ich diese Aussagen unbefriedigend und frage mich auch, wie da überhaupt ein Dialog möglich sein soll.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Lioba » Mittwoch 15. Juni 2011, 19:55

Schwammiges Zeug für mein Empfinden. Da kann man furchtbar viel reininterpretieren oder es auch lassen.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Yeti » Mittwoch 15. Juni 2011, 20:10

Lioba hat geschrieben:Schwammiges Zeug für mein Empfinden. Da kann man furchtbar viel reininterpretieren oder es auch lassen.
So empfand ich es eben auch. Wenn die EKD bzw. die ev. Kirche keine NGO ist, wie Schneider sagt, wer ist dann deren Bestandteil und durch welche Grundlage? Hängt das rechtlich ähnlich in der Luft wie der ZdK bei Katholens? Der hat ja theologisch-kirchenrechtlich überhaupt keine Legitimation. Ich wundere mich auf jeden Fall nicht mehr darüber, dass die Rechtfertigungserklärung damals nur mit den Lutheranern gelang. Aber die werden doch auch durch Präses Schneider vertreten, oder nicht?
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Lioba » Mittwoch 15. Juni 2011, 20:20

Ja- bis auf die sog Altlutheraner halt- Selkies etc. Allerdings erstarren die Gemeinden vor Ort nicht gerade vor Ehrfurcht, wenn irgendein mittelgroßer Vorsitzender irgendwas sagt.Die fromme Basis funktioniert mehr oder weniger an der Leitung vorbei- einerseits bedauerlich, andererseits: was sollen sie sonst tun? Das dabei auch erstaunlich Gutes herauskommt, hat man bei den Wigbertis gesehen. Wenn die Gemeinde vor Ort nicht so klar zum Prior gestanden hätte, wäre er sicher nicht rehabilitiert worden.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von ChrisCross » Mittwoch 15. Juni 2011, 20:23

Der Text ist ein einziges Phrasenwirrwarr. Schneider benutzt das gesamte Wortfeld, das man fürs Pastoralbingo benutzen kann und versucht sich mal wieder an den zeitgeist anzupassen. Theologisch bringt der Text überwiegend Widersprüche hervor.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Lioba » Mittwoch 15. Juni 2011, 20:35

An anderer Stelle moniert er, dass die Presse nur die gesellschaftspolitischen Aussagen der Kirche bringe, nicht aber die theologische Begründung. Wenn die Kirche einfach mal Klartext reden würde, wäre das eventuell auch anders.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von ChrisCross » Mittwoch 15. Juni 2011, 20:39

Lioba hat geschrieben:An anderer Stelle moniert er, dass die Presse nur die gesellschaftspolitischen Aussagen der Kirche bringe, nicht aber die theologische Begründung. Wenn die Kirche einfach mal Klartext reden würde, wäre das eventuell auch anders.
Es liegt daran, dass seine Kirche eigentlich keine theologische Begründung bietet, sondern einfach nur wiedergibt, was der vermeintliche Gutmensch hören will.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Edi » Mittwoch 15. Juni 2011, 21:32

Ist Schneider nicht der, der den Sühnetod Christi leugnet? Damit wäre dann auch seine Einstellung erklärt, nämlich: wir wissen, dass wir nichts wissen.

http://es.gloria.tv/?media=14899
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Lutheraner » Donnerstag 16. Juni 2011, 10:59

Yeti hat geschrieben:Ich wundere mich auf jeden Fall nicht mehr darüber, dass die Rechtfertigungserklärung damals nur mit den Lutheranern gelang. Aber die werden doch auch durch Präses Schneider vertreten, oder nicht?
Schneider ist uniert, aber als Ratsvorsitzender der EKD auch Sprachrohr der evang.-luth. Landeskirchen. Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslhere wurde von der Katholsichen Kirche und dem Lutherischen Weltbund (dem die evang.-luth. Landeskirchen angehören) unterzeichnet. Ich bin aber mittlerweile der Auffassung, dass man den Lutherischen Weltbund leider nicht ernstnehmen kann.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Yeti » Donnerstag 16. Juni 2011, 16:26

Edi hat geschrieben:Ist Schneider nicht der, der den Sühnetod Christi leugnet? Damit wäre dann auch seine Einstellung erklärt, nämlich: wir wissen, dass wir nichts wissen.

http://es.gloria.tv/?media=14899
Etwas ähnlich äußerte sich doch mal auch unser Super-Robby in Freiburg - und ruderte gleich darauf zurück. Ich hab das Gefühl, dass diese Opfer-Phobie aus einem völlig verzerrten Gottesbild entsteht. Anders ausgedrückt: durch Projektion, und Feuerbach hat mehr Recht als eh und je.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Yeti » Donnerstag 16. Juni 2011, 16:32

Lutheraner hat geschrieben:
Yeti hat geschrieben:Ich wundere mich auf jeden Fall nicht mehr darüber, dass die Rechtfertigungserklärung damals nur mit den Lutheranern gelang. Aber die werden doch auch durch Präses Schneider vertreten, oder nicht?
Schneider ist uniert, aber als Ratsvorsitzender der EKD auch Sprachrohr der evang.-luth. Landeskirchen. Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslhere wurde von der Katholsichen Kirche und dem Lutherischen Weltbund (dem die evang.-luth. Landeskirchen angehören) unterzeichnet. Ich bin aber mittlerweile der Auffassung, dass man den Lutherischen Weltbund leider nicht ernstnehmen kann.
Inwiefern kann man den Lutherischen Weltbund nicht mehr ernst nehmen? Wirft er wichtige Glaubensgrundsätze über Bord? Und bedeutet das, dass die Rechtfertigungserklärung 1999 für die lutherischen Kirchen in Deutschland gar nicht gilt?
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Edi » Donnerstag 16. Juni 2011, 16:35

Yeti hat geschrieben:
Edi hat geschrieben:Ist Schneider nicht der, der den Sühnetod Christi leugnet? Damit wäre dann auch seine Einstellung erklärt, nämlich: wir wissen, dass wir nichts wissen.

http://es.gloria.tv/?media=14899
Etwas ähnlich äußerte sich doch mal auch unser Super-Robby in Freiburg - und ruderte gleich darauf zurück. Ich hab das Gefühl, dass diese Opfer-Phobie aus einem völlig verzerrten Gottesbild entsteht. Anders ausgedrückt: durch Projektion, und Feuerbach hat mehr Recht als eh und je.
Ich bin ja kein Theologe, aber denke, dass irgendeiner aus dieser Zunft (wer auch immer es war) die Geschichte vom einem Gott, der sich an seinem Sohn rächen will, erdacht hat.
Die Antwort darauf ist dann bei den Schneidern und Zöllnern zu finden. Falls ich mich nicht täusche, hat Rahner auch einmal etwas in der Hinsicht geschrieben und Leute wie Zollitsch samt dem Lehm-Mann sind ja auch verrahnert.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Yeti » Donnerstag 16. Juni 2011, 16:49

Edi hat geschrieben:
Yeti hat geschrieben:
Edi hat geschrieben:Ist Schneider nicht der, der den Sühnetod Christi leugnet? Damit wäre dann auch seine Einstellung erklärt, nämlich: wir wissen, dass wir nichts wissen.

http://es.gloria.tv/?media=14899
Etwas ähnlich äußerte sich doch mal auch unser Super-Robby in Freiburg - und ruderte gleich darauf zurück. Ich hab das Gefühl, dass diese Opfer-Phobie aus einem völlig verzerrten Gottesbild entsteht. Anders ausgedrückt: durch Projektion, und Feuerbach hat mehr Recht als eh und je.
Ich bin ja kein Theologe, aber denke, dass irgendeiner aus dieser Zunft (wer auch immer es war) die Geschichte vom einem Gott, der sich an seinem Sohn rächen will, erdacht hat.
Die Antwort darauf ist dann bei den Schneidern und Zöllnern zu finden. Falls ich mich nicht täusche, hat Rahner auch einmal etwas in der Hinsicht geschrieben und Leute wie Zollitsch samt dem Lehm-Mann sind ja auch verrahnert.
Nein Edi, ich denke eher, dass die göttliche Offenbarung da etwas an die kulturimmanente Erwartung des jüdischen Volkes angepasst wurde (das ist eine Vermutung). Ich denke da an die Sündenbock-Tradition etc., aber auch an Deuterojesaja und die Gottesknechtslieder. Soviel zur von Peter Hünermann gestellten Frage, warum wir erst Griechen werden sollten, wenn wir Christen sein wollen: weil wir nicht in einer archaischen Kultur leben (wollen). Man stelle sich mal vor, wo das Christentum gelandet wäre, wenn es rein judenchristlich bzw. hebräisch geblieben wäre. Zollitsch und Schneider verschweigen nämlich geflissentlich, dass der stellvertretende Sündopfer-Gedanke ursprünglich jüdisch ist, aber durch die Theologie der Väter von Archaismen ausdestilliert wurde. Das Problem stellt sich vor allem gar nicht erst, wenn man die Trinität berücksichtigt, denn dann hat Gott sich selbst geopfert, weil wir schwachen Menschen dazu nun mal nicht imstande sind. Aber die Trinität erwähnen Zollitsch et. al. natürlich nicht.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Pilgerer » Donnerstag 16. Juni 2011, 20:13

Hallo,
unter dem, was wir aus dem Evangelium Jesu Christi wissen, lesen wir die gesamte Heilige Schrift und gewinnen dann unsere ethischen Fundamentierungen.
Nach den klassischen Bekenntnissen der Reformation genügt es nicht, gewisse ethische Prinzipien (seien es die 10 Gebote, Bergpredigt oder die zwei Liebesgebote) zu kennen. Es würde vielmehr zu einer gesetzlichen Religion führen. Der Heidelberger Katechismus sagt: "ich bin von Natur aus geneigt, Gott und meinen Nächsten zu hassen." (Artikel 5) Ähnlich der Augsburger Katechismus: "daß nach Adams Fall alle natürlich geborenen Menschen in Sünde empfangen und geboren werden, das heißt, daß sie alle von Mutterleib an voll böser Lust und Neigung sind und von Natur keine wahre Gottesfurcht, keinen wahren Glauben an Gott haben können" (Artikel 2). Daran ändert sich auch durch ethische Überzeugungen oder Handlungen nichts. Darum heißt es: "Weiter wird gelehrt, daß wir Vergebung der Sünde und Gerechtigkeit vor Gott nicht durch unser Verdienst, Werk und Genugtuung erlangen können, sondem daß wir Vergebung der Sünde bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnade um Christi willen durch den Glauben, nämlich wenn wir glauben, daß Christus für uns gelitten hat und daß uns um seinetwillen die Sünde vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird." (Artikel 4).
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Lutheraner » Freitag 17. Juni 2011, 11:22

Yeti hat geschrieben:Inwiefern kann man den Lutherischen Weltbund nicht mehr ernst nehmen?
Er ist vom "Ökumene-Virus" infiziert. Ihm geht es längst nicht mehr um ein lutherisches Profil, sondern um Öffnung und Angleichung an andere Gemeinschaften.
Yeti hat geschrieben:Und bedeutet das, dass die Rechtfertigungserklärung 1999 für die lutherischen Kirchen in Deutschland gar nicht gilt?
Sie gilt schon, aber was sagt sie denn aus? Man hat ein Dokument aufgesetzt, das Zitate aus der Konkordienformel und dem Tridentinischen Konzil enthält und stellt die damaligen Lehrverurteilungen als Missverständnisse dar.
Im völligen Gegensatz dazu sah die volkskirchliche Realität 1999 schon wieder ganz anders aus. Wer kann denn noch etwas mit dem Begriff Rechtfertigung anfangen? Der Volksglaube schwankt doch irgendwo zwischen Allversöhnungslehre und Werkgerechtigkeit (in den Himmel kommt man, wenn man an Weihnachten Geld spendet und seinen Müll trennt). Man hat durch ein Kompromisspapier Differenzen aus dem 16. Jahrhundert, von denen sich heute praktisch niemand mehr betroffen fühlt, vermeintlich aufgehoben.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Lioba » Freitag 17. Juni 2011, 11:43

Das Papier zur Rechtfertigung könnte interessant sein für die Beziehung zwischen Rom un den konservativen Lutheranern.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Moser » Freitag 17. Juni 2011, 12:57

Lutheraner hat geschrieben: Er ist vom "Ökumene-Virus" infiziert. Ihm geht es längst nicht mehr um ein lutherisches Profil, sondern um Öffnung und Angleichung an andere Gemeinschaften.
Betreibt die SELK eigentlich keine Ökumene?

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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Yeti » Freitag 17. Juni 2011, 13:03

Lutheraner hat geschrieben:Er ist vom "Ökumene-Virus" infiziert. Ihm geht es längst nicht mehr um ein lutherisches Profil, sondern um Öffnung und Angleichung an andere Gemeinschaften.
Das Problem kenne ich. Man glaubt, dass ein eigener fester Standpunkt ein Hindernis im Dialog sei, dabei ist er die Voraussetzung.
Lutheraner hat geschrieben:Sie gilt schon, aber was sagt sie denn aus? Man hat ein Dokument aufgesetzt, das Zitate aus der Konkordienformel und dem Tridentinischen Konzil enthält und stellt die damaligen Lehrverurteilungen als Missverständnisse dar.
Im völligen Gegensatz dazu sah die volkskirchliche Realität 1999 schon wieder ganz anders aus. Wer kann denn noch etwas mit dem Begriff Rechtfertigung anfangen? Der Volksglaube schwankt doch irgendwo zwischen Allversöhnungslehre und Werkgerechtigkeit (in den Himmel kommt man, wenn man an Weihnachten Geld spendet und seinen Müll trennt). Man hat durch ein Kompromisspapier Differenzen aus dem 16. Jahrhundert, von denen sich heute praktisch niemand mehr betroffen fühlt, vermeintlich aufgehoben.
Genau so wie Du es beschreibst wurde mir das Dokument im Studium auch erklärt. Den Menschen fehlt soviel Glaubenswissen, dass sie sich schon allein dadurch von der Religion abwenden. Selbst für meine Schwiegermutter, die ev. Religionslehrerin war, redet eigentlich wie Präses Schneider und hängt genau dieser Allversöhnungslehre an - den Müll falsch zu trennen ist für sie übrigens auch ein Sakrileg. :breitgrins:
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Martinus_25 » Freitag 17. Juni 2011, 13:05

Lioba hat geschrieben:Das Papier zur Rechtfertigung könnte interessant sein für die Beziehung zwischen Rom un den konservativen Lutheranern.
Inwiefern?

Ich denke mal, dass man gerade bei konfessionellen Lutheranern, in Fragen der Rechtfertigung, kaum Übereinstimmungen mit Rom finden wird.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Yeti » Freitag 17. Juni 2011, 13:07

Lioba hat geschrieben:Das Papier zur Rechtfertigung könnte interessant sein für die Beziehung zwischen Rom un den konservativen Lutheranern.
...mit denen Rom laut Kasper (seinerzeit) wohl auch bezüglich einer Einigung in nächster Zukunft günstige Chancen einräumt, wenn man ihnen das Papstamt schmackhaft machen kann (was ich bezweifle).
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Martinus_25 » Freitag 17. Juni 2011, 13:12

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den Müll falsch zu trennen ist [...] übrigens auch ein Sakrileg
Kein Scherz: in einem "evangelischen" Gottesdienst den ich in Bielefeld besucht habe, wurde für einen verantwortungsvolken Umgang mit Plastiktüten gebetet. :hae?:
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Lutheraner » Freitag 17. Juni 2011, 14:25

Moser hat geschrieben:
Lutheraner hat geschrieben: Er ist vom "Ökumene-Virus" infiziert. Ihm geht es längst nicht mehr um ein lutherisches Profil, sondern um Öffnung und Angleichung an andere Gemeinschaften.
Betreibt die SELK eigentlich keine Ökumene?
Doch, aber es gibt Ökumene und "Ökumene" ;-)
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Yeti » Freitag 17. Juni 2011, 15:34

Lutheraner hat geschrieben:
Moser hat geschrieben:
Lutheraner hat geschrieben: Er ist vom "Ökumene-Virus" infiziert. Ihm geht es längst nicht mehr um ein lutherisches Profil, sondern um Öffnung und Angleichung an andere Gemeinschaften.
Betreibt die SELK eigentlich keine Ökumene?
Doch, aber es gibt Ökumene und "Ökumene" ;-)
Wie sehen die ökumenischen Bemühungen der SELK aus? Mit wem werden seitens der SELK überhaupt in diese Richtung geführt (ich meine: mit welchen Kirchen)? Auf der SELK-Seite ist die Rede von Kontakt mit "Schwesterkirchen" (wieso eigentlich "Schwesterkirchen", wieso nicht "Brüderkirchen"? Ist das dieselbe "besser-Sprech" wie der kath. MenschInnen und Menschen?), aber sonst steht da zur Ökumene nichts Genaueres.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Martinus_25 » Freitag 17. Juni 2011, 15:46

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wieso eigentlich "Schwesterkirchen", wieso nicht "Brüderkirchen"?
Weil es die Kirche ist.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Lutheraner » Freitag 17. Juni 2011, 16:03

Yeti hat geschrieben:Wie sehen die ökumenischen Bemühungen der SELK aus? Mit wem werden seitens der SELK überhaupt in diese Richtung geführt (ich meine: mit welchen Kirchen)? Auf der SELK-Seite ist die Rede von Kontakt mit "Schwesterkirchen" (wieso eigentlich "Schwesterkirchen", wieso nicht "Brüderkirchen"? Ist das dieselbe "besser-Sprech" wie der kath. MenschInnen und Menschen?), aber sonst steht da zur Ökumene nichts Genaueres.
Direkt unter dem Link Ökumene findet man dazu einiges:

http://www.selk.de/index.php?option=com ... Itemid=18
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Yeti » Freitag 17. Juni 2011, 16:17

Martinus_25 hat geschrieben:

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wieso eigentlich "Schwesterkirchen", wieso nicht "Brüderkirchen"?
Weil es die Kirche ist.
Ja, das dachte ich mir auch, dass damit die "Mutter" Kirche gemeint ist.
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Evagrios Pontikos » Montag 27. Juni 2011, 20:16

Yeti hat geschrieben:Mich würde einmal von Protestanten aller Denominationen hier im Forum interessieren, ob sie diese Erklärungen Schneiders bezüglich des ev. Bekenntnisses teilen (hier auch online zum Nachhören mit Flash-Player).
Ein sehr langes Interview. Schwierig ist es, da zu sagen, ob man Schneiders Erklärungen des evangelischen Bekenntnisses teilt. Für mich ist eine Passage der Schlüsseltext, den ich als sehr problematisch empfinde. Und zwar heißt es dort:

Schneider: Also, es liegt ja eigentlich im Grundverständnis des Protestantismus, dass wir das religiöse Individuum ernst nehmen, also dass der einzelne Christ einen unmittelbaren Zugang zu Gott hat und damit eine unmittelbare Möglichkeit hat, auch religiöses Erleben zu vermitteln mit seiner Identitätsbildung. Das ist etwas durch und durch Protestantisches. Wir haben eher manchmal das Problem, das nun wieder einzubinden in die Frömmigkeit der Gemeinde und zu sagen: Pass mal auf, Du könntest Dich ganz schön verirren mit Deiner eigenen Religiosität, das könnte schnell zur Patchwork-Religiosität werden, wo Du Dich nachher wunderst, wo Du ankommst. Du brauchst Schwestern und Brüder, die Dich dann korrigieren, die mit Dir gemeinsam unterwegs sind. Und aus dem Gemeinsamen wird dann auch etwas, was Bestand hat und auf Dauer trägt. Aber das ist eigentlich das sehr Protestantische, und das nehmen wir von daher ernst und das gestehen wir auch den Leuten zu. Ich würde mich nie lustig machen über Leute, die also dann auch da ihre eigene Entwicklung gehen und etwa zu Formen der Frömmigkeit kommen, die ich eher als skurril empfinde. Aber ich würde mich nie darüber lustig machen, sondern eher zum Gespräch einladen oder zu einer Gemeinschaft einladen, indem man Frömmigkeit auch noch einmal miteinander klären kann und auch miteinander leben kann.

Achenbach: Sie haben es gerade angesprochen, Individualität gehört seit der Reformation zum Protestantismus. Und nach Luthers Freiheit eines Christenmenschen ist jeder Christ in seinem Glauben, Denken und im Handeln niemandem untertan ...

Schneider: Richtig.

Achenbach: Wie Luther sagt, also frei.

Schneider: Ja. An die Schrift gebunden und an sein Gewissen, also nicht beliebig. Frei, aber nicht beliebig.


Ich habe die Elemente fett hervorgehoben, die ich als schwierig ansehe. Für Schneider ist das elementare Prinzip des "Protestantismus" die Unmittelbarkeit des religiösen Individuums vor Gott. Individuum - Bibel - Gewissen. Das ist der Kern. Die Kirche kommt erst sekundär hinzu.

Anders die CA: Womit beginnt sie? Mit dem Hinweis auf den großen Konsens der Kirche, mit dem Bezug auf das Credo der Kirche. Und wodurch kommt es in der CA zur Konstituierung des christlichen Individuums? Durch die Gnadenmittel, nämlich Predigtamt, Sakramentsverwaltung und Wortverkündigung. D.h.: nach lutherischer Sicht geht dem Individuum die Kirche voraus: sie hat mich getauft, sie hat mir den Glauben geschenkt, sie ernährt, hebt und trägt mich als ihr Glied. Davon spüre ich bei Schneider rein gar nichts, ganz im Gegenteil.

Schneider vertritt einen neuzeitlichen Individualismus, die CA vertritt einen von der Kirche begründeten und bleibend getragenen "Individualismus". Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Hieraus folgt auch das Weitere: Schneider profiliert seinen Protestantismus gegenüber dem Katholizismus: kein Lehramt, kein Besitzen und Austeilen der Wahrheit, demgegenüber: Pluralismus als positives Wort, mein Glaube, meine Glaubenstradition. Das ist Anthropozentrik pur.

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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von Yeti » Dienstag 28. Juni 2011, 00:51

Evagrios Pontikos hat geschrieben:Hieraus folgt auch das Weitere: Schneider profiliert seinen Protestantismus gegenüber dem Katholizismus: kein Lehramt, kein Besitzen und Austeilen der Wahrheit, demgegenüber: Pluralismus als positives Wort, mein Glaube, meine Glaubenstradition. Das ist Anthropozentrik pur.
Das ist nicht neu, allerdings auch nicht erfolgreich. Als nächste Stufe würde ich Herrn Präses Schneider einmal bitten, "Gewissen" zu definieren.
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tanatos
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Re: EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das ev. Bekenntnis

Beitrag von tanatos » Dienstag 28. Juni 2011, 06:38

@Evagrios Pontikos

"EKD-Ratsvorsitzender Schneider erklärt das evangelische Bekenntnis" - so lautet ja das Thema dieses Stranges, nicht aber erklärt er das "lutherische" Bekenntnis.

Man darf hier nicht außer Acht lassen, daß Schneider kein Lutheraner ist, sondern "uniert", also ein ziemlich diffuses Bekenntnis vertritt.
Und da ist es einfach unangemessen, Schneiders Erklärungsversuche am Bekenntnis einer anderen Konfession, nämlich der lutherischen, und ihrem zentralen Bekenntnis, der CA, zu messen!

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