Also, ich stelle fest, ihr habt keine blasse Ahnung. Und lästert. Zu Eurer Beschämung:
Die Geschichte beginnt zur Zeit der fanzösischen Revolution. In Weissenburg (und wenn ad_hoc noch so viel meckert), einem Städtchen, in dem sich die komplette Geschichte Europas widerspiegelt (bei unpassender Gelegenheit erzähl ich Euch von dem polnischen König, den Zar Peter vertrieb und der dort Asyl bekam samt seiner hübschen Tochter, die später Königin von Frankreich wurde, damit Maria Theresia ihren Lothringer...., aber das ist eine andere Geschichte), also in Weissenburg tat nach der französischen Revolution ein Unteroffizier Dienst, der ein fescher und kluger junger Mann war. Und weil in Oberotterbach gleich jenseits der Grenze in der Pfalz der Gastwirt eine ausnehmend hübsche und kluge Tochter hatte, ging der Wackes über die Grenze zum Fraternisieren.
Natürlich schrieh der Vater Zeter und Mordio, dass seine Tochter sich mit einem dieser französischen Revoluzzer einlassen wollte. Aber Frauen haben einen Blick für das, was aus einem jungen Mann werden kann. Und so heirateten die beiden.
Am Anfang war das echt hart. Aber unter Napoleon, der bekanntlich an allem schuld ist, machte der junge Mann Karriere. Er zog mit ihm nach Westen, verdrosch mehrmals die Österreicher, was nicht schwer war, dann die Preussen und schliesslich die Russen. Am Anfang wenigstens. Als Nappi Polen wieder errichtete aus lauter Freude darüber, dass er doch einen Sohn zusammnbekommen hatte (Der Polin Reiz bleibt bekanntlich unerreicht, und erst die Geduld!), brauchte das eine Armee und einen Generalstab. Und in dem fand sich unser Franzose wieder.
Na ja, das nächste Mal gegen die Russen ging schief und Polen verschwand von der Bildfläche. Aber Zar Alexander meinte, dass seinem Generalstab der kluge Franzose guttäte und so wechselte der (was damals nichts Besonderes war, schliesslich gibt es in der französischen Armee umgekehrt Esterhazyhusaren) die Armee.
Der Sohn der beiden machte in russischen Armee Karriere und folgte seinem Vater nach. Und in den verliebte sich eine Hofdame der Zarin, die natürlich von Adel war und der Zarin die Ohren vollheulte, weil sie den feschen Herrn mangels dessen Adelstitel nicht heiraten konnte. Und die bat den Zar bei passender Gelegenheit darum, er solle doch den jungen Herrn adeln.
So einfach gehe das nicht, meinte der und sie darauf: "Ich denke, du bist der Zar?"
Aber es gibt Regeln. Gerade nach Nappi. Ein neuer erblicher Adliger kann nur ernannt werden, wenn ein Adelshaus ausstirbt, um die Träger des blauen Blutes nicht inflationär zu vermehren. Aber die Zarin, eine Deutsche wie die meisten Ehegatten der Zaren, wusste Rat: Das Haus Battenberg im Hessischen war gerade ausgestorben.
Na, dämmert's schon langsam?
Und so wurde der Sohn der Gastwirtstochter aus der Pfalz (kann auch der Enkel gewesen sein) ein Battenberg. In Russland muss man als Adliger nicht auf -ow hinten heissen, wie jeder weiss, der die Münsteraner Tatorte sich ansieht, wo die fesche Assistentin des Komissars nach dem russischen Admiral Krusenstern, der bekanntlich die erste russische Weltumsegelung..., aber das ist auch eine andere Geschichte.
Und er konnte die Hofdame der Zarin heiraten.
Indessen verschlechterte sich die Lage in Russland, sodass deren Sohn sich gezwungen sah, nach England zu gehen, wo ihm schon bald klar wurde, dass dort niemand den Namen Battenberg aussprechen könne. Ebensowenig wie den Namen des Weinorts, aus dem Queen Viktoria ihren Riesling bezog, den sie so gern trank nach dem Motto: "A Hocks (Hochheimer Viktoriaberg) everyday keeps the doctor away!"
Und so nannte er sich fortan wie? Na klar: Mount Batten. Oder Mountbatton, wie Durchlaucht belieben.
So, jetzt aber fällt es unseren Engländern wie Schuppen aus den Haaren: Lord Mountbatton war der Onkel von Prinz Philipp, des Sohn eines griechischen Prinzen mit Alice von Mountbatton.
Gut, ich hab manchmal eine bisschen ausgeschmückt, aber im Prinzip lief das Ganze so ab.
Und also ist Charles Pfälzer.
Und was meine Wenigkeit angeht, so darf ich in narzisticher Betrachtung meine Person darauf hinweisen, dass meine Grossmutter mütterlicherseits eine geborene Kraus aus Buchen war. Kraus aus Buchen? Na? Klingelts nicht? Kulturbanausen!
Joseph Martin Kraus, der Odenwälder Mozart! Guckt ihr:
http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Martin_Kraus
Letztes Jahr wurden die Schwetzinger Festspiele mit einer Oper von ihm eröffnet. Und das Konzert zum Mozartjahr aus Stockholm mit einer Sinfonie von ihm. Er wird gerade zu Recht wiederentdeckt. Ein Vorfahr von mir. Hofkapellmeister des schwedischen Königs Gustavs III, des Thaterkönigs. Kein Wunder, dass der jetzige König eine Heidelbergerin geheiratet hat.
Und bitte, ohne ihn hätte Verdi eine seiner berühmtesten Opern nicht schreiben können. Un ballo in mascera. Die hat die Ermordung des dritten Gustav anlässlich eines Maskenballs zum Thema. Und gibt es einen Maskenball ohne Musik? Ohne Hofkapelle mit Kapellmeister? Nein. Seht ihr!
sofaklecks