Anglikanisch-lutherisches Bistum St. jakob in Jerusalem
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Anglikanisch-lutherisches Bistum St. jakob in Jerusalem
In Jerusalem gab es angeblich von 1841 bis 1886 ein anglikanisch-lutherisches Bistum. Geplant war, dass die Bischöfe alternierend lutherisch oder anglikanisch sein sollten, auf Grundlage der CA bzw. der 39 Articles.
Im Internet findet man auf Deutsch nichts zu diesem Bistum (zumindest habe ich nichts gefunden). Wenn man auf Englisch sucht, sieht es schon etwas besser aus:
Anglican-Lutheran Co-operation in Mission.
(...)
A most unusual venture in the history of the Church was the joint Anglican-Lutheran Jerusalem Bishopric. Established by Act of Parliament in 1841, its first and only incumbent was Dr. Michael Solomon Alexander. By virtue of the Act, the bishop had authority to ordain Lutheran candidates according to the rites of the Church of England so long as they had made a written subscription to the Thirty-nine Articles of Religion as well as to the Augsburg Confession.
Quelle: The Lutheran Council of Great Britain
Im Internet findet man auf Deutsch nichts zu diesem Bistum (zumindest habe ich nichts gefunden). Wenn man auf Englisch sucht, sieht es schon etwas besser aus:
Anglican-Lutheran Co-operation in Mission.
(...)
A most unusual venture in the history of the Church was the joint Anglican-Lutheran Jerusalem Bishopric. Established by Act of Parliament in 1841, its first and only incumbent was Dr. Michael Solomon Alexander. By virtue of the Act, the bishop had authority to ordain Lutheran candidates according to the rites of the Church of England so long as they had made a written subscription to the Thirty-nine Articles of Religion as well as to the Augsburg Confession.
Quelle: The Lutheran Council of Great Britain
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"
-
John Grantham
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Ich würde es als Anzeichen der inneranglikanischen Spannungen zu der Zeit bewerten -- aber auch als Anzeichen der damals viel stärkeren Einfluß des britischen Parlaments auf die Church of England, was viele üble Seiten hatte.
Denn im Parlament saßen (wie heute) viele Nicht-Anglikaner, die allein wegen ihres Sitzes im Parlament enorm Einfluß auf interne kirchliche Entscheidungen ausüben konnten. So wurde z.B. die Liturgiereform und das neue Book of Common Prayer 1928 gestoppt -- weil die protestantischen Extremisten im Parlament nicht damit einverstanden waren.
Deswegen ist bis heute eigentlich das 1662 Book of Common Prayer immer noch die Standardliturgie in der Church of England -- Common Worship (2000) ist offiziell nur noch eine Alternative, obwohl Common Worship m.W.n. weiter verbreitet ist.
(Gott sei dank wird diese enge Verwobenheit von Kirche und englischem Staat aufgelockert -- und in Wales bereits vollendet. In anderen anglikanischen Jurisdiktionen ist das nicht vorhanden.)
Soweit dazu. Aber der Versuch, durch ein Parlamentsakt ein Bistum in Jerusalem zu gründen, und zwar mit einer gezwungenen "Einheit" mit Lutheranern und Calvinisten nach preußischem Modell, wo das Parlament selbst wohl kaum in theologischen Fragen besondere Kompetenzen hat und nicht mal einheitlich anglikanisch war...tja, es war zum Scheitern verurteilt, zumal es innerhalb der anglikanischen Kirche in der Zeit wegen des Oxford Movements und der Tractarians zunehmende rekatholisierende Einflüße gab.
Und die Tatsache, daß das Bistum de facto eine Mission war, war umso problematischer.
Heute, wo wir organisch und aus der Basis heraus durchaus Gemeinsamkeiten mit vielen Lutheranern finden, sieht es anders aus: Mit Porvoo- oder ELCA-Bischöfen wäre so etwas denkbar. Aber damals? Das war m.E. eine Schnappsidee, die von Politikern aus eigenen Beweggründen durchgesetzt wurde und die der Church of England ihre eigenen theologischen Vorurteilen aufzwingen wollten.
Cheers,
John
Denn im Parlament saßen (wie heute) viele Nicht-Anglikaner, die allein wegen ihres Sitzes im Parlament enorm Einfluß auf interne kirchliche Entscheidungen ausüben konnten. So wurde z.B. die Liturgiereform und das neue Book of Common Prayer 1928 gestoppt -- weil die protestantischen Extremisten im Parlament nicht damit einverstanden waren.
Deswegen ist bis heute eigentlich das 1662 Book of Common Prayer immer noch die Standardliturgie in der Church of England -- Common Worship (2000) ist offiziell nur noch eine Alternative, obwohl Common Worship m.W.n. weiter verbreitet ist.
(Gott sei dank wird diese enge Verwobenheit von Kirche und englischem Staat aufgelockert -- und in Wales bereits vollendet. In anderen anglikanischen Jurisdiktionen ist das nicht vorhanden.)
Soweit dazu. Aber der Versuch, durch ein Parlamentsakt ein Bistum in Jerusalem zu gründen, und zwar mit einer gezwungenen "Einheit" mit Lutheranern und Calvinisten nach preußischem Modell, wo das Parlament selbst wohl kaum in theologischen Fragen besondere Kompetenzen hat und nicht mal einheitlich anglikanisch war...tja, es war zum Scheitern verurteilt, zumal es innerhalb der anglikanischen Kirche in der Zeit wegen des Oxford Movements und der Tractarians zunehmende rekatholisierende Einflüße gab.
Und die Tatsache, daß das Bistum de facto eine Mission war, war umso problematischer.
Heute, wo wir organisch und aus der Basis heraus durchaus Gemeinsamkeiten mit vielen Lutheranern finden, sieht es anders aus: Mit Porvoo- oder ELCA-Bischöfen wäre so etwas denkbar. Aber damals? Das war m.E. eine Schnappsidee, die von Politikern aus eigenen Beweggründen durchgesetzt wurde und die der Church of England ihre eigenen theologischen Vorurteilen aufzwingen wollten.
Cheers,
John
Der Beweis, dass Gott einen Sinn für Humor hat: Er hat die Menschheit geschaffen.
[ Alt-Katholisch/Anglikanisch in Hannover ]
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Danke für den Link!
Auf das Bistum bin ich gestoßen, als ich vor ein paar Tagen mal wieder in Löhes "Drei Bücher von der Kirche" herumgestöbert habe.
Wilhelm Löhe führte das Bistum als Untermauerung seines Vorwurfs auf, dass für die Anglikanische Kirche (wie für die römische Kirche) einheitliche Strukturen wichtiger als einheitlicher Glaube seien (darüber brauchen wir aber nicht zu diskutieren, wie es dazu kam hat John ja bereits klargestellt).
Auf das Bistum bin ich gestoßen, als ich vor ein paar Tagen mal wieder in Löhes "Drei Bücher von der Kirche" herumgestöbert habe.
Wilhelm Löhe führte das Bistum als Untermauerung seines Vorwurfs auf, dass für die Anglikanische Kirche (wie für die römische Kirche) einheitliche Strukturen wichtiger als einheitlicher Glaube seien (darüber brauchen wir aber nicht zu diskutieren, wie es dazu kam hat John ja bereits klargestellt).
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"
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Stephen Dedalus
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Nur als Ergänzung:
Die Episode des "Bistums von Jerusalem" war (zusammen mit der Einrichtung rk Bistümer in Irland) ein Anlaß für den Beginn des Oxford Movements. Keble hielt in Oxford dazu seine Predigt "National Apostasy" - weil man in beiden Ereignissen ein Zeichen sah, daß die Church of England hier bloß als nationale Einrichtung handelte und ihren Anspruch, die katholische Kirche in England (und Irland) zu sein, aufgab. Für Newman war dies ein weiterer Anlaß, über eine Konversion nachzudenken (wobei hier in meinen Augen seine veröffentlichte Meinung aus der Apologia pro vita sua und die tatsächlichen Gründe noch einer Interpretation bedürfen, aber das nur am Rande).
Da das Oxford Movement einen weitgehenden Einfluß erlangte, waren solche Projekte wie das Bistum von Jerusalem zum Scheitern verurteilt.
Die Episode des "Bistums von Jerusalem" war (zusammen mit der Einrichtung rk Bistümer in Irland) ein Anlaß für den Beginn des Oxford Movements. Keble hielt in Oxford dazu seine Predigt "National Apostasy" - weil man in beiden Ereignissen ein Zeichen sah, daß die Church of England hier bloß als nationale Einrichtung handelte und ihren Anspruch, die katholische Kirche in England (und Irland) zu sein, aufgab. Für Newman war dies ein weiterer Anlaß, über eine Konversion nachzudenken (wobei hier in meinen Augen seine veröffentlichte Meinung aus der Apologia pro vita sua und die tatsächlichen Gründe noch einer Interpretation bedürfen, aber das nur am Rande).
Da das Oxford Movement einen weitgehenden Einfluß erlangte, waren solche Projekte wie das Bistum von Jerusalem zum Scheitern verurteilt.
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- Lutheraner
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Auch interessant:
"Lutherische Ordination im anglikanischen England
Regionalbischof Dr. Stefan Ark Nitsche ordinierte am 2.9.2007 Pfarrerin z.A. Claudia Harnisch in Leominster Abbey, Hereford, England. Anschließend wurde die junge Theologin von Bischof Anthony für ihre zweijährige Tätigkeit in Leominster installiert. Claudia Harnisch wird als lutherische Pfarrerin in der anglikanischen Kirche mitarbeiten und anschließend ihre Kenntnisse und Kontakte im Kirchenkreis Nürnberg zur Vertiefung der Partnerschaft mit der Diözese Hereford einbringen."
Quelle (zu den Bildern runterscrollen)
Artikel auf Englisch
"Lutherische Ordination im anglikanischen England
Regionalbischof Dr. Stefan Ark Nitsche ordinierte am 2.9.2007 Pfarrerin z.A. Claudia Harnisch in Leominster Abbey, Hereford, England. Anschließend wurde die junge Theologin von Bischof Anthony für ihre zweijährige Tätigkeit in Leominster installiert. Claudia Harnisch wird als lutherische Pfarrerin in der anglikanischen Kirche mitarbeiten und anschließend ihre Kenntnisse und Kontakte im Kirchenkreis Nürnberg zur Vertiefung der Partnerschaft mit der Diözese Hereford einbringen."
Quelle (zu den Bildern runterscrollen)
Artikel auf Englisch
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"
-
Stephen Dedalus
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So nah an einer Priesterweihe und dann doch nur eine lutherische Ordination? 
Sie ist allerdings nicht die einzige ev. Pastorin, die in England unter der Vereinbarung des Meißner Abkommens arbeitet. In Bristol gibt es ein bayerisches Pastorenehepaar als Studentenseelsorger. Ein wenig merkwürdig ist deren Situation allerdings schon. Sie dürfen in der C of E mitarbeiten, aber keine anglikanischen Eucharistiefeiern leiten, da es keine Kirchengemeinschaft zwischen EKD und Anglikanern gibt (wegen der Amtsfrage vor allem). D. h. alle von Lutheranern in der C of E geleiteten Gottesdienste sind offiziell "lutherische" Gottesdienste und keine anglikanischen Messen.
Sie ist allerdings nicht die einzige ev. Pastorin, die in England unter der Vereinbarung des Meißner Abkommens arbeitet. In Bristol gibt es ein bayerisches Pastorenehepaar als Studentenseelsorger. Ein wenig merkwürdig ist deren Situation allerdings schon. Sie dürfen in der C of E mitarbeiten, aber keine anglikanischen Eucharistiefeiern leiten, da es keine Kirchengemeinschaft zwischen EKD und Anglikanern gibt (wegen der Amtsfrage vor allem). D. h. alle von Lutheranern in der C of E geleiteten Gottesdienste sind offiziell "lutherische" Gottesdienste und keine anglikanischen Messen.
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- Lutheraner
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- Registriert: Donnerstag 9. November 2006, 10:50
Hi SD,
aber ganz sauber ist die Trennung ja nicht mehr, da sie von dem anglikanischen Bischof installiert wurde. Damit ist sie offiziell Pfarrerin dieser anglikanischen Kirchengemeinde, auch wenn sie dort (wie du schreibst) nur lutherische Gottesdienste durchführt kann.
aber ganz sauber ist die Trennung ja nicht mehr, da sie von dem anglikanischen Bischof installiert wurde. Damit ist sie offiziell Pfarrerin dieser anglikanischen Kirchengemeinde, auch wenn sie dort (wie du schreibst) nur lutherische Gottesdienste durchführt kann.
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"
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Stephen Dedalus
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- Registriert: Dienstag 7. September 2004, 15:28
Sie hat als lutherische Pastorin einen Arbeitsauftrag für die Gemeinde, das stimmt. "Pfarrerin" dieser Gemeinde ist sie damit nicht. Es würde jetzt hier zu weit führen, aber das anglikanische kanonische Recht ist da sehr kompliziert. Ihre Amtsbezeichnung wird sowas sein wie "Assistant Lutheran Curate under the Meißen Agreement" oder so.
Das ist insofern etwas absurd, als die C of E sie nicht als Priesterin anerkennt und sie daher nur lutherische Gottesdienste oder anglikanische Wortgottesdienste dort halten kann. Eine merkwürdige Situation.
Das ist insofern etwas absurd, als die C of E sie nicht als Priesterin anerkennt und sie daher nur lutherische Gottesdienste oder anglikanische Wortgottesdienste dort halten kann. Eine merkwürdige Situation.
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