Die Zeitschrift Chrismon schreibt in der umstrittenen Rubrik "Religion für Einsteiger" ihrer aktuellen Ausgabe über Luthers Sakramentenlehre:
"In seiner Glaubenslehre, dem „Kleinen Katechismus", schreibt Luther zum Wesen der Taufe: „Wasser tut's freilich nicht, sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der solchem Worte Gottes im Wasser traut." Bei der Taufe und dem Abendmahl muss es nach evangelischem Verständnis also immer drei Komponenten geben: das Wasser (oder beim Abendmahl die Elemente Brot und Wein), das Wort Gottes und der Glaube des Empfangenden."
(Quelle)
Meiner Auffassung nach ist das falsch. Zum einen wird hier der Kleine Katechismus sinnentstellt und verkürzt zitiert, zum anderen hätte Luther ein Anhänger der Erwachsenentaufe sein müssen, wenn er den Glauben des Empfangenden als Komponente des Sakraments gesehen hätte.
Was meint Ihr?
Positiv ist mir an dem Artikel folgender Satz aufgefallen:
"Sakramente - die wichtigsten sind Taufe und Abendmahl - haben für alle christlichen Kirchen identitätsstiftenden Charakter."
Hier wird die Anzahl der Sakramente offen gelassen. Das ist in der Tat gut lutherisch.
Lutherische Sakramentenlehre
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Lutherische Sakramentenlehre
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"
Re: Lutherische Sakramentenlehre
Einfach mal den Großen Katechismus von Luther zum Thema Gültigkeit der Taufe und Glauben lesen:Lutheraner hat geschrieben:Die Zeitschrift Chrismon schreibt in der umstrittenen Rubrik "Religion für Einsteiger" ihrer aktuellen Ausgabe über Luthers Sakramentenlehre:
"In seiner Glaubenslehre, dem „Kleinen Katechismus", schreibt Luther zum Wesen der Taufe: „Wasser tut's freilich nicht, sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der solchem Worte Gottes im Wasser traut." Bei der Taufe und dem Abendmahl muss es nach evangelischem Verständnis also immer drei Komponenten geben: das Wasser (oder beim Abendmahl die Elemente Brot und Wein), das Wort Gottes und der Glaube des Empfangenden."
(Quelle)
Meiner Auffassung nach ist das falsch. Zum einen wird hier der Kleine Katechismus sinnentstellt und verkürzt zitiert, zum anderen hätte Luther ein Anhänger der Erwachsenentaufe sein müssen, wenn er den Glauben des Empfangenden als Komponente des Sakraments gesehen hätte.
Was meint Ihr?
Zum Thema Glaube von Kindern:Martin Luther hat geschrieben:Sodann, sagen wir weiter, daß wir nicht das Hauptgewicht darauf legen, ob der, der getauft wird, glaubt oder nicht glaubt; denn darum wird die Taufe nicht unrecht; sondern es liegt alles an Gottes Wort und Gebot. Das ist nun wohl ein wenig scharf ausgedrückt, gründet sich aber ganz auf dem, was ich gesagt habe: daß nämlich die Taufe nichts anderes ist als Wasser und Gottes Wort bei- und miteinander; d.h. wenn das Wort bei dem Wasser ist, so ist die Taufe recht, auch wenn der Glaube nicht dazu kommt. Denn mein Glaube macht nicht die Taufe, sondern empfängt die Taufe. Nun wird die Taufe dadurch nicht unrecht, wenn sie nicht recht empfangen wird, da sie ja, wie gesagt, nicht an unseren Glauben, sondern an das Wort gebunden ist. Denn auch wenn heute ein Jude mit Schalkheit und bösem Vorsatz herkäme, und wir tauften ihn mit ganzem Ernst, so sollen wir nichtsdestoweniger sagen, daß diese Taufe recht sei. Denn es ist ja das Wasser dabei samt Gottes Wort, obgleich er sie nicht so empfängt, wie er soll; geradeso, wie die unwürdig zum [Altar-] Sakrament (Abendmahl) Gehenden doch das rechte Sakrament empfangen, obgleich sie nicht glauben.
Zum Abschluss:Pfr. Büttner hat geschrieben:...Immer wieder wird behauptet, dass Kinder nicht glauben könnten. Mit welchem Recht wird dies behauptet? Außer Gott kann niemand ins Herz eines Menschen sehen, unabhängig von seinem Alter. Wird Kindern der Glaube abgesprochen, wird ein Urteil über sie gefällt, dass uns Menschen nicht ansteht zu treffen.
Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. Römer 14,10
Und Jesus Christus spricht in Matthäus 7,1-2: Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet. Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.
Über den Glauben oder Unglauben eines Menschen letztgültig zu urteilen steht uns Menschen nicht zu.
So haben wir auch kein Recht Säuglingen die Gemeinschaft mit Jesus Christus zu verweigern und sie vom ewigen Heil auszusperren. Der Herr selber bescheinigt den Kindern, dass sie fähig sind für das Reich Gottes (Markus 10 Bibelwort siehe oben).
Zudem hat der Glaube an Gott nicht in nur mit Verstand zu tun. Vielmehr bedeutet Glauben auch Vertrauen (pistis: griechisch: Glaube, Vertrauen). Schon bevor Kinder Mama und Papa sagen können, wissen sie wer ihre Eltern sind, wo sie sich geborgen fühlen und wem sie vertrauen können. Säuglinge und Kinder haben eine Beziehung zu Gott, wie König David in Psalm 8,3 sagt: Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge (!) hast du eine Macht zugerichtet…
Quelle: http://www.lutherischegemeinde.de/
Pfr. Dr. Martens hat geschrieben:...Die Gültigkeit und Wirksamkeit der Taufe ist dabei nicht abhängig vom Glauben dessen, der getauft wird. Denn „mein Glaube macht nicht die Taufe, sondern empfängt die Taufe.“ (Martin Luther) Wenn einem Menschen ein Briefumschlag mit 100.000 Euro geschenkt wird, kann er diesen Briefumschlag natürlich bei sich zu Hause in einen Schrank stecken und ihn dort ein Leben lang liegen lassen. Dann war dieser Mensch reich; aber dieser Reichtum hat ihm nichts genützt. Die 100.000 Euro aber wurden dadurch nicht weniger wert, daß dieser Mensch sie bei sich im Schrank liegen ließ. Doch natürlich zielte das Geschenk an den Menschen darauf, daß der von diesem Geld auch Gebrauch macht. Und so ist es auch mit der Taufe: Sie schenkt dem Täufling alles, was Gott in seinem Wort verspricht. Aber sie zielt darauf, daß der, der getauft ist, von diesem Geschenk auch Gebrauch macht. Und dies geschieht eben durch den Glauben, der „solchem Worte Gottes im Wasser trauet.“ Wenn wir uns über unsere Heilige Taufe freuen und daraus immer wieder Kraft schöpfen für unser Leben als Christ, dann gebrauchen wir die Taufe in der rechten Weise...
Quelle: Das Sakrament der Heiligen Taufe (2)