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Chabanel-Psalmen
Verfasst: Sonntag 9. August 2009, 17:00
von Peregrin
Was halten denn unsere Spezialisten (zB Cantus) von
diesem Projekt?
Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Sonntag 9. August 2009, 20:49
von cantus planus
Ich kann zur Sache wenig sagen. Ich habe das nur einmal bei NLM gesehen, und mal eine Seite heruntergeladen. Habe mir gerade nochmal einige Orgelsätze angesehen.
Prinzipiell scheint man da mit einem ganz guten Sprachgefühl herangegangen zu sein, wobei ich das nur sehr vorsichtig beurteile, da ich natürlich kein Muttersprachler bin. Grundlage sind wohl die klassischen Psalmtöne. Die Orgelbegleitung ist schlicht, aber effizient. Die Responsorien sind sehr einfach und schlicht; für die Gemeinde gut zum Nachsingen geeignet. Mir wäre manches zu einfach.
Großartig finde ich, dass man das Ganze gratis herunterladen kann. Ich frage mich, warum in Deutschland keiner auf diese Idee kommt.
Wer auf der Suche nach machbaren Psalmen auf deutsch mit einfachen Antiphonen und in guter Übersetzung ist, sei aus das Buch "Preisungen" von Godehard Joppich hingewiesen.
Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Sonntag 9. August 2009, 21:12
von Peregrin
cantus planus hat geschrieben: in guter Übersetzung
Kann man sich die Übersetzung aussuchen? Ich habe gedacht, da geht nur die approbierte Version.
Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Sonntag 9. August 2009, 21:17
von Peregrin
Man findet da ja so Aussagen wie
The author believes that the "old Solesmes" method is, generally speaking, the very best method of all for singing Gregorian chant because, in his opinion, it produces the most beautiful music and has the trait of universality.
However, the author does not favor the Solesmes method of organ accompaniment (exemplified by authors like Bas, Potiron, Desrocquettes, Manzetti, Ferdinand Portier, and Bragers).
The author favors a slightly different "brand" of modal accompaniments, exemplified especially by the authors of the Nova Organi Harmonia (like Flor Peeters, Monsignor Jules Van Nuffel, and Marinus de Jong), and the modal organ works of Dom Gregory Murray.
Finally, the author believes that, as wonderful as the Nova Organi Harmonia Gregorian accompaniments are, the very best Gregorian accompaniments of all come from skilled organists who adjust their "method" of accompaniment to each and every chant, choir, organ, and performance space. For those interested, the author believes that the Benedictine P. Petrus Eder of Austria is one of the very best in this regard. Samples of his artistry can be heard on the FSSP CD Tu Es Petrus.
Nun kann ich diese "Solesme vs Nova Organi Harmonia"-Sache nicht beurteilen. Es hat mich aber überrascht, da einen Österreicher genannt zu sehen. Der scheint ja in St. Peter zu sein, welches mir aber bislang noch nicht als weltbekannter Hort der Gregorianik aufgefallen ist.
Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Sonntag 9. August 2009, 21:20
von Peregrin
cantus planus hat geschrieben:Ich frage mich, warum in Deutschland keiner auf diese Idee kommt.
Da muß sich wohl noch ein gregorianikinteressierter Kirchenmusiker finden, der die Sache in die Hand nimmt.

Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Sonntag 9. August 2009, 21:54
von cantus planus
Naja, Joppich und Münsterschwarzach haben ja beim Psalter hervorragende Vorarbeit geleistet. Ich hatte sehr gehofft, dass davon etwas ins neue GL kommt. Aber das war mal wieder Fehlanzeige.
Es ist ja gar nicht so, dass man das Rad neu erfinden müsste. Sowas gibt es ja. Man muss es nur nutzen.
Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Sonntag 9. August 2009, 22:06
von Raimund J.
Nach dem ersten Hineinhören finde ich das eine gute Sache.
Das ganze Thema "Antwortpsalmen" sollte endlich einmal in Deutschland massiv von kompetenter episkopaler und auch kirchenmusikalischer Seite aus gefördert und gefordert werden. Vor allem muss es gelingen, und das ist die grösste Herausforderung, bei den deutschen Antwortpsalmen und dem gesamten Wortgottesdienst auch einen Schulterschluss mit den traditionelleren Kräften zu finden. Das ist ein ganz schmaler Grat.
Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Sonntag 9. August 2009, 22:53
von cantus planus
Das Problem sind vor allem die Gemeinden.
Du glaubst gar nicht, wie allergisch die auf Psalmen reagieren - in welcher Form auch immer gesungen.
Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Sonntag 9. August 2009, 23:13
von Raimund J.
cantus planus hat geschrieben:Das Problem sind vor allem die Gemeinden.
Du glaubst gar nicht, wie allergisch die auf Psalmen reagieren - in welcher Form auch immer gesungen.
Ja, das meine ich auch, wenn ich von einem "ganz schmalen Grat" rede. Ich war früher auch so, ich hielt dieses Gesinge, mit Verlaub, für modernen Quatsch, es war bei uns einfach üblich, daß nach der Lesung eine weitere Strophe des Eingangsliedes gesungen wurde. Zweite Lesung gabs sowieso nicht und Halleluja-Ruf nur zu Ostern!

Als ich vor Jahren, nachdem ich mich zwischenzeitlich näher mit der Liturgie beschäftigte, dann die Interpretation der Antwortpsalmen von einem Regionalkantor (in einer grossartigen Basilika) hörte, war das wie ein Erweckungserlebnis. Ich könnte versinken in diesem Klangteppich und Vers um Vers hören und dazwischen immer wieder die Antwort singen. Einfach wunderbar. Das ist für mich fast genau so schön und erhaben wie in einer Messe der a.o. Form das lateinische Credo mitsingen zu dürfen.
Das Psalmieren ist allerdings eine Kunst. Viele "engagierte" KantorInnen haben in der Vergangenheit den Gemeinden den Antwortpsalm auch verleitet.
Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Sonntag 9. August 2009, 23:15
von cantus planus
Ja, das stimmt. Das muss man schon sorgfältig vorbereiten. Sonst geht es in die Hose. Insbesondere ist die Orgelbegleitung so einfach, dass man sie schon wieder unterschätzt. Was sich manche Leute da zusammenrühren, ist einfach abenteuerlich. Auch die Atempause wird oft vollkommen unsystematisch und uninspirierend gemacht.
Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Sonntag 9. August 2009, 23:24
von Raimund J.
cantus planus hat geschrieben:Ja, das stimmt. Das muss man schon sorgfältig vorbereiten. Sonst geht es in die Hose. Insbesondere ist die Orgelbegleitung so einfach, dass man sie schon wieder unterschätzt. Was sich manche Leute da zusammenrühren, ist einfach abenteuerlich. Auch die Atempause wird oft vollkommen unsystematisch und uninspirierend gemacht.
Ja, siehe gestern/heute Ps34
Bis zum vorletzten Vers kein Problem, dann bin ich fast noch etwas ins Schwimmen geraten bei
"Der Engel des Herrn umschirmt alle, die ihn fürchten und ehren,
und er befreit sie."
Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Sonntag 9. August 2009, 23:30
von cantus planus
Im deutschen Sprachraum sind die meisten Böcke natürlich auch der nahezu unsingbaren Einheitsübersetzung geschuldet. Dein Beispiel ist hervorragend dafür. Wie gesagt: das ist mittlerweile Besseres auf dem Markt. Um so ärgerlicher, dass das neue Gesangbuch jetzt wieder so ein fauler Kompromiß wird.
Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Montag 10. August 2009, 10:07
von cantus planus
Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Montag 10. August 2009, 11:15
von conscientia
cantus planus hat geschrieben:Das Problem sind vor allem die Gemeinden.
Du glaubst gar nicht, wie allergisch die auf Psalmen reagieren - in welcher Form auch immer gesungen.
Warum eigentlich? Verstehe ich nicht.
Ich kann Psalmodie und Psalmenrezitation wesentlich besser haben, habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, wesentlich bessere als mit Marienliedern, neuem geistlichen Liedgut und was da sonst noch so traditionell in deutschsprachigen Gemeinden gesungen wird. Und Psalter ist immer Wort der Schrift, Wort Gottes - immer objektiv - da kann keiner etwas Falsches labern.
Re: Chabanel-Psalmen
Verfasst: Montag 10. August 2009, 11:53
von cantus planus
conscientia hat geschrieben:Warum eigentlich? Verstehe ich nicht.
Ich auch nicht.
Mir scheint, dass da das vorkonziliare Liedersingen einfach noch zu tief drinsteckt. Es ist natürlich bequemer, vier Strophen "Lobet den Herren" auswendig zu singen, als sich auf einen Psalmtext zu konzentrieren. Überhaupt haben wir das gleiche Problem ja auch mit anderen Antwortgesängen, die bei den Gemeinden äußerst unbeliebt sind. Dass die DBK da die gleichen Ansichten vertritt, sieht man ja schon daran, dass es wieder nicht möglich war, einen Wettbewerb für textlich vollständige, musikalisch wertvolle und singbare Ordinarien zu veranstalten. Es will in meinen hohlen Schädel nicht hinein, warum man ausgerechnet in der sehr subtilen deutschen Sprache nicht in der Lage sein soll, ein vernünftiges Ordianium zu schaffen. Statt dessen werden wieder die vollkommen verkürzenden, alten Lieder gesungen. Dagegen ist ja nichts einzuwenden, wenn man denn von Zeit zu Zeit mal den vollständigen Text hörte. Davon kann aber keine Rede sein. Ich behaupte, dass weniger als 5% der Katholiken den vollständigen Gloriatext kennen. Beim Credo wird es nicht ganz so schlimm sein, aber hier haben die Credolieder in vielen Gemeinden auch erheblichen Schaden angerichtet. Ich habe übrigens in meinen Dienstgemeinden noch nie ein Credolied spielen müssen. Die Priester waren glücklicherweise auch eher dafür, wenigstens das Apostolicum zu beten, seit einem Jahr immer häufiger auch das "Große" Glaubensbekenntnis.
Wie unsere Bischöfe derzeit immer lauthals bellen: es wäre an der Zeit, das II. Vaticanum endlich ernst zu nehmen. Statt auf die FSSPX zu schielen, könnte man mal im eigenen Ordinariat damit anfangen...
