Angelika hat geschrieben:spectator hat geschrieben:im Grunde genommen, will ich nicht dich testen, sonder deine Aussage analysieren, weil ich vermute, dass sie nicht deine eigene Aussage ist (schade), sonder die Standard-Aussage der Kirche.
Und wie kommst du auf diese Vermutung ?
weil man ähnliche Aussagen/Formulierungen von den Amtsträger unser Kirche oft hört.
Angelika hat geschrieben:Mache ich etwa den Eindruck, besonders kirchentreu zu sein und alles unreflektiert von der Kirche zu übernehmen ?

(...)
Vielleicht ist spectator aber auch erstaunt darüber, dass
jemand wie ich kirchentreue Ansichten haben kann. Sowas passt doch nicht ins Bild.
für unsere Betrachtung des Weges (Kreuzestod-Auferstehung-Sieg über den Tod) spielt das keine Rolle.

mir geht es hier mehr um die Formulierungen, die das „Projekt“ Gottes (wenn ich das so ausdrücken darf) – das Heil aller Menschen - umschreiben.
Legen wir einfach los:
Angelika hat geschrieben:Schuld und Sünde führt zum Tod. Ewiges Heil ist nur bei völliger Reinheit und Sündlosigkeit möglich. Zur Tilgung von Schuld und Sünde ist ein Opfer notwendig ist. Im AT waren es die Opfertiere, die punktuell die fällige Strafe abwendeten. Da aber kein Mensch mit Opfern alle Schuld und Sünde tilgen lassen kann, ist Gott Mensch geworden und hat durch seinen Tod das notwendige Opfer selbst auf sich genommen.
Genau, darum ging es mir. Um den Begriff:
“das notwendige Opfer“ - ich bevorzuge jedoch den Begriff: „das notwendige Übel“, das Gott verschmerzen musste (im wahrsten Sinne des Wortes), um auch den Tätern, das von ihnen verlangte Zeichen zu geben (Mt 12:39-40 / Lk 11:29-30).
Warum bevorzuge ich diesen Begriff? – Angelika schreibt:
Er leidet also für alle Sünden, mit seinem Leiden werden alle Strafen generell abgegolten. Er schenkt uns damit die Erlösung.
Musste Jesus Christus tatsächlich auf diese grausame Weise getötet werden? Gäbe es keine Erlösung, wenn Er nicht am Kreuz gestorben wäre? Doch, Jesus Christus - als Sohn Gottes - konnte, nachdem Er sein Evangelium verkündete, wie Henoch (Gen 5:24) oder Elija (2Kön 2:11) in den Himmel aufgenommen werden ohne sterben zu müssen.
Nun spricht die Kirche von der Neuevangelisierung oder sogar Missionierung Deutschlands. Nach der Wiedervereinigung wurde die Amtskirche mit Menschen aus der ehemaligen DDR konfrontiert, die - nichtgetauft - keine religiöse Erziehung hatten und auch keine Katechese/Religionsunterricht besuchten. Auch ich hatte beruflich mit ihnen zu tun und, obwohl sie auch gerne Glaubensgespräche führen, sagen ihnen solche Begriffe wie „das notwendige Opfer“ nichts. Im Gegenteil, in ihrem zweckmäßigen Denken erklären sie sich den Tod Jesu als Hinrichtung, die er selbst nach damaligem Gerichtsverfahren verdiente, oder, diese Erklärung, dass dieses „Opfer“ notwendig war, betrachten sie tatsächlich als die von Paulus im 1Kor 1:23 erwähnte Torheit.
Meine atheisierten Mitarbeiter stellten mir oft zwei Fragen:
- warum musste Jesus Christus sterben?
und
- wie kann einer auferstehen?
Ihrer Meinung nach, hat Jesus Christus seinen Tod entweder selbst verschuldet, oder, wenn man ihnen vom „notwendigen Opfer“ spricht, dann halten sie das für Torheit (wie schon oben erwähnt). Für die zweite Frage kann einem Atheisten/Außenstehenden weder die Wissenschaft noch der Glaube eine rationelle Erklärung liefern. Was bleibt dann also?
In der Zeit der Neuevangelisierung muss die Kirche ihre Ausdruckweise dem zweckmäßigen Denken des Atheismus anpassen. Formulierungen, wie: „Opfertod“, sagen dem Atheismus nichts. Die einzige Möglichkeit, die ins Gespräch mit Atheisten gebracht werden muss, ist die Historizität Jesu. Macht man dem Atheismus glaubhaft, dass es, aufgrund eines solch unverschuldeten Todes und der Auferstehung, einen Gott gibt (geben kann), bewegt man sie nicht automatisch zum Kirchgang, man gibt ihnen jedoch zu denken, ob es logisch, vernünftig und nützlich ist,
nicht (an Gott) zu glauben.