Erstes Hochgebet

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ad-fontes
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von ad-fontes »

Niels hat geschrieben:Es gab in der römischen Stadtkirche ja auch den Kanon des Hippolyt (aus der Traditio apostolica).
Das ist nun allerdings mehr als fraglich.

Die Tendenz der Forschung geht aktuell dahin, die Autorenschaft Hippolyts nicht mehr anzunehmen.
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Niels
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Niels »

ad-fontes hat geschrieben:
Niels hat geschrieben:Es gab in der römischen Stadtkirche ja auch den Kanon des Hippolyt (aus der Traditio apostolica).
Das ist nun allerdings mehr als fraglich.

Die Tendenz der Forschung geht aktuell dahin, die Autorenschaft Hippolyts nicht mehr anzunehmen.
Richtig, danke für den Hinweis. Deshalb schrieb ich: aus der Traditio apostolica. Ich hätte es - da hast Du recht - besser in Anführungsstrichen schreiben sollen. Aber es ist ja unter diesem Namen bekannt.

Die Frage ist, ob, wie lange und wo es überhaupt Verwendung gefunden hat.
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ad-fontes
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von ad-fontes »

In der Levante? Im 3. Jahrhundert?
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Berolinensis
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Berolinensis »

Niels hat geschrieben:Es gab in der römischen Stadtkirche ja auch den Kanon des Hippolyt (aus der Traditio apostolica).
Niels, und das von dir! Tu quoque? ;D Dieses Ammenmärchen der Bugninikommission ist doch längst widerlegt. Das kann man sich mittlerweile sogar im internet zusammensuchen, ich hab jetzt nicht die Zeit, das zu machen.

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Berolinensis
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Berolinensis »

ad-fontes hat geschrieben:Vielleicht habe ich mich nicht gut genug ausgedrückt. Die Frage lautet, auch im Hinblick auf eine "Reform der Reform":

Ist es mit dem römischen Ritus vereinbar, mehr als ein Eucharistiegebet in Gebrauch zu haben?

Bereits die Bezeichnung "Canon" läßt eher ein Nein als ein Ja erwarten; doch wie verhielte es sich, wenn es eines Tages eine Feiertagsversion (Langfassung) und eine Werktagsversion (Kurzfassung) des CR gäbe?
Es wird dich nicht überraschen, daß meine Ansicht ganz klar "nein" ist. Auch dem Papst scheint das klar zu sein (das kann man aus verschiedenen Äußerungen herauslesen). Allerdings ist das wohl ein eher langfristiges Projekt. So ist das nunmal mit Flaschengeistern...

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Niels
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Niels »

Berolinensis hat geschrieben:
Niels hat geschrieben:Es gab in der römischen Stadtkirche ja auch den Kanon des Hippolyt (aus der Traditio apostolica).
Niels, und das von dir! Tu quoque? ;D Dieses Ammenmärchen der Bugninikommission ist doch längst widerlegt. Das kann man sich mittlerweile sogar im internet zusammensuchen, ich hab jetzt nicht die Zeit, das zu machen.
:tuete:
Ich habe ja auch das Buch von Barth "Die Mär Die Mär vom antiken Kanon des Hippolyt" im Regal stehen. Ich wollte mit meinem Posting eigentlich eine Antwort auf die Frage erhalten: Ist denn sicher, dass dieser sog. Kanon des Hippolyt in dem Umfang verwendet worden ist, wie seinerzeit angenommen (oder propagiert), oder gerade nicht?
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cantus planus
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von cantus planus »

Berolinensis hat geschrieben:
ad-fontes hat geschrieben:Vielleicht habe ich mich nicht gut genug ausgedrückt. Die Frage lautet, auch im Hinblick auf eine "Reform der Reform":

Ist es mit dem römischen Ritus vereinbar, mehr als ein Eucharistiegebet in Gebrauch zu haben?

Bereits die Bezeichnung "Canon" läßt eher ein Nein als ein Ja erwarten; doch wie verhielte es sich, wenn es eines Tages eine Feiertagsversion (Langfassung) und eine Werktagsversion (Kurzfassung) des CR gäbe?
Es wird dich nicht überraschen, daß meine Ansicht ganz klar "nein" ist. Auch dem Papst scheint das klar zu sein (das kann man aus verschiedenen Äußerungen herauslesen). Allerdings ist das wohl ein eher langfristiges Projekt. So ist das nunmal mit Flaschengeistern...
So war meine Antwort oben auch gemeint. Ich hatte mich wohl unklar ausgedrückt. :ja:
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‎Tradition ist das Leben des Heiligen Geistes in der Kirche. — Vladimir Lossky

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Niels
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Niels »

Ich stimme Euch voll und ganz zu! :ja:
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ad-fontes
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von ad-fontes »

Eine andere Frage: Ist es legitim, den Wortlaut des Canon zu verändern?
Wenn ja, inwieweit? Nur Heiligenhinzufügungen oder auch textliche Ergänzungen bzw. Umstellungen, z.B. indem eine descendat-in-hanc-oblationen-spiritum-tuum-sanctum Epiklese dem Supplices hinzugefügt wird, wie dies die zur Orthodoxie konvertierten Western-Rite Gemeinden gemacht haben?
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Niels
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Niels »

Johannes XXIII. hat ja den Hl. Joseph in den Kanon eingefügt: "sed et beati Ioseph, eiusdem Virginis Sponsi".
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ad-fontes
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von ad-fontes »

Niels hat geschrieben:Johannes XXIII. hat ja den Hl. Joseph in den Kanon eingefügt: "sed et beati Ioseph, eiusdem Virginis Sponsi".
Beim Hören des Hochgebet I auf Deutsch kommt es mir wie beim Lesen als Fremdkörper vor. Es überfrachtet an dieser Stelle den Einschub, sprengt die Satzkonstruktion.

Im Mittelalter hat man angehängt: Martinus, Hilarius, Bonifatius..
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Niels
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Niels »

ad-fontes hat geschrieben:
Niels hat geschrieben:Johannes XXIII. hat ja den Hl. Joseph in den Kanon eingefügt: "sed et beati Ioseph, eiusdem Virginis Sponsi".
Beim Hören des Hochgebet I auf Deutsch kommt es mir wie beim Lesen als Fremdkörper vor. Es überfrachtet an dieser Stelle den Einschub, sprengt die Satzkonstruktion.

Im Mittelalter hat man angehängt: Martinus, Hilarius, Bonifatius..
und Hippolyt, Vincentius, Apollinaris, Vitalis, etc.

viewtopic.php?f=2&t=9633
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Maurus
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Maurus »

Berolinensis hat geschrieben:
ad-fontes hat geschrieben:Vielleicht habe ich mich nicht gut genug ausgedrückt. Die Frage lautet, auch im Hinblick auf eine "Reform der Reform":

Ist es mit dem römischen Ritus vereinbar, mehr als ein Eucharistiegebet in Gebrauch zu haben?

Bereits die Bezeichnung "Canon" läßt eher ein Nein als ein Ja erwarten; doch wie verhielte es sich, wenn es eines Tages eine Feiertagsversion (Langfassung) und eine Werktagsversion (Kurzfassung) des CR gäbe?
Es wird dich nicht überraschen, daß meine Ansicht ganz klar "nein" ist. Auch dem Papst scheint das klar zu sein (das kann man aus verschiedenen Äußerungen herauslesen). Allerdings ist das wohl ein eher langfristiges Projekt. So ist das nunmal mit Flaschengeistern...
Und wieso verwendet der Papst dann nicht einfach nur den ersten Kanon?

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Berolinensis
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Berolinensis »

Maurus hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:
ad-fontes hat geschrieben:Vielleicht habe ich mich nicht gut genug ausgedrückt. Die Frage lautet, auch im Hinblick auf eine "Reform der Reform":

Ist es mit dem römischen Ritus vereinbar, mehr als ein Eucharistiegebet in Gebrauch zu haben?

Bereits die Bezeichnung "Canon" läßt eher ein Nein als ein Ja erwarten; doch wie verhielte es sich, wenn es eines Tages eine Feiertagsversion (Langfassung) und eine Werktagsversion (Kurzfassung) des CR gäbe?
Es wird dich nicht überraschen, daß meine Ansicht ganz klar "nein" ist. Auch dem Papst scheint das klar zu sein (das kann man aus verschiedenen Äußerungen herauslesen). Allerdings ist das wohl ein eher langfristiges Projekt. So ist das nunmal mit Flaschengeistern...
Und wieso verwendet der Papst dann nicht einfach nur den ersten Kanon?
Eine berechtigte Frage. Entre nous: man kann nicht umhin festzustellen, daß die liturgische Praxis nicht in allen Punkten dem entspricht, was er selbst in seinen Schriften schreibt. Andere Punkte sind schlicht unbegreiflich.

Terminologische Anmerkung: es gibt nur einen Kanon, nämlich den Römischen. Die anderen sind Eucharistische Gebete (in der deutschen Fassung des meßbuchs - anders als in allen anderen mir bekannten - mit "Hochgebete" übersetzt.).

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Niels
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Niels »

Maurus hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:
ad-fontes hat geschrieben:Vielleicht habe ich mich nicht gut genug ausgedrückt. Die Frage lautet, auch im Hinblick auf eine "Reform der Reform":

Ist es mit dem römischen Ritus vereinbar, mehr als ein Eucharistiegebet in Gebrauch zu haben?

Bereits die Bezeichnung "Canon" läßt eher ein Nein als ein Ja erwarten; doch wie verhielte es sich, wenn es eines Tages eine Feiertagsversion (Langfassung) und eine Werktagsversion (Kurzfassung) des CR gäbe?
Es wird dich nicht überraschen, daß meine Ansicht ganz klar "nein" ist. Auch dem Papst scheint das klar zu sein (das kann man aus verschiedenen Äußerungen herauslesen). Allerdings ist das wohl ein eher langfristiges Projekt. So ist das nunmal mit Flaschengeistern...
Und wieso verwendet der Papst dann nicht einfach nur den ersten Kanon?
Laut AEM kann man - wie wir gelernt haben - auch das 3. Hochgebet an Sontagen und Hochfesten verwenden...und das tut der Hl. Vater ja auch regelmäßig...am besten befragen wir mal Mons. Marini II...
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Maurus
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Maurus »

Berolinensis hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:
ad-fontes hat geschrieben:Vielleicht habe ich mich nicht gut genug ausgedrückt. Die Frage lautet, auch im Hinblick auf eine "Reform der Reform":

Ist es mit dem römischen Ritus vereinbar, mehr als ein Eucharistiegebet in Gebrauch zu haben?

Bereits die Bezeichnung "Canon" läßt eher ein Nein als ein Ja erwarten; doch wie verhielte es sich, wenn es eines Tages eine Feiertagsversion (Langfassung) und eine Werktagsversion (Kurzfassung) des CR gäbe?
Es wird dich nicht überraschen, daß meine Ansicht ganz klar "nein" ist. Auch dem Papst scheint das klar zu sein (das kann man aus verschiedenen Äußerungen herauslesen). Allerdings ist das wohl ein eher langfristiges Projekt. So ist das nunmal mit Flaschengeistern...
Und wieso verwendet der Papst dann nicht einfach nur den ersten Kanon?
Eine berechtigte Frage. Entre nous: man kann nicht umhin festzustellen, daß die liturgische Praxis nicht in allen Punkten dem entspricht, was er selbst in seinen Schriften schreibt. Andere Punkte sind schlicht unbegreiflich.
Ich kenne nicht alle Aussagen des Papstes zur Liturgie. Klar ist, dass sich die Diskrepanzen zwischen Schriften und Praxis mit dem Amtsantritt des neuen Zeremoniars deutlich verringert haben. Einen solchen Einfluss eines Zeremoniars habe ich vorher für undenkbar gehalten.

Einige Aussagen lassen sich im Alltag möglicherweise nicht auf Biegen und Brechen durchsetzen. Dafür kann man Verständnis haben. Die ausschließliche Verwendung des Römischen Messkanons aber würde da sicher nicht dazugehören. Das könnte der Papst einfach machen, es würde wahrscheinlich nur genauen Beobachtern auffallen. Warum also nicht? Beim WJT in Köln hat er(?) es getan. Weil ich die Aussagen hinsichtlich des Römischen Messkanons nicht kenne kann ich also nur davon ausgehen, dass er es a) nicht so eng sieht, b) den Kanon von Msgr. Marini auswählen lässt oder c) der vom Messbuch gewünschten Verschiedenheit auch oin der Praxis entsprechen will - im Gegensatz zur Praxis in vielen Pfarreien, in denen sich längst wieder ein starrer Ritus etabliert hat.

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Bernado
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Bernado »

Maurus hat geschrieben:Und wieso verwendet der Papst dann nicht einfach nur den ersten Kanon?
Der Papst hat ausdrücklich darfauf hingewiesen, daß es nicht dem Sinn der geltenden Bücher entspricht, nur ein Hochgebet zu verwenden. Das richtet sich natürlich ggen die verbreitete Gewohnheit, (fast) ausschließlich das zweite zu verwenden - impliziert dann aber auch, daß man sich nicht nur auf das erste beschränken sollte.

Der Papst ist in einer schwierigen Lage: Sein Kritikpunkte am Novus Ordo sind bekannt, aber er schätzt die Chancen, da kurz und mittelfristig etwas zu ändern, offenbar als sehr gering ein. Also konzentriert er sich darauf, zu fordern, man solle die Liturgie so feiern, wie sie in den Büchern steht - und damit bindet er sich eben auch selbst. Vielleicht nicht im eigentlichen Sinne rechtlich, aber moralisch, so wie er das versteht.

Irritierendstes Beispiel ist, daß er zwar einerseits angeordnet hat, das "für alle" in den Wandlungsworten des deutschen Messbuchs zu ändern - daß er dann aber selbst, wenn er die Messe mit den deutschen Büchern feiert, dieses "für alle" verwendet, weil die von ihm verlangte Änderung von den Herren Bischöfen eben noch nicht umgesetzt worden ist.
„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ Summorum Pontificum 2007 (http://www.summorum-pontificum.de/)

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Maurus
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Maurus »

Bernado hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:Und wieso verwendet der Papst dann nicht einfach nur den ersten Kanon?
Der Papst hat ausdrücklich darfauf hingewiesen, daß es nicht dem Sinn der geltenden Bücher entspricht, nur ein Hochgebet zu verwenden. Das richtet sich natürlich ggen die verbreitete Gewohnheit, (fast) ausschließlich das zweite zu verwenden - impliziert dann aber auch, daß man sich nicht nur auf das erste beschränken sollte.

Der Papst ist in einer schwierigen Lage: Sein Kritikpunkte am Novus Ordo sind bekannt, aber er schätzt die Chancen, da kurz und mittelfristig etwas zu ändern, offenbar als sehr gering ein. Also konzentriert er sich darauf, zu fordern, man solle die Liturgie so feiern, wie sie in den Büchern steht - und damit bindet er sich eben auch selbst. Vielleicht nicht im eigentlichen Sinne rechtlich, aber moralisch, so wie er das versteht.

Irritierendstes Beispiel ist, daß er zwar einerseits angeordnet hat, das "für alle" in den Wandlungsworten des deutschen Messbuchs zu ändern - daß er dann aber selbst, wenn er die Messe mit den deutschen Büchern feiert, dieses "für alle" verwendet, weil die von ihm verlangte Änderung von den Herren Bischöfen eben noch nicht umgesetzt worden ist.
Die Umsetzung muss mit den neuen Messbüchern geschehen. Etwas anderes steht in dem Brief von Arinze nicht drin. Allerdings warte ich noch auf die vorbereitende Katechese :pfeif:.

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Niels
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Niels »

Maurus hat geschrieben:
Bernado hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:Und wieso verwendet der Papst dann nicht einfach nur den ersten Kanon?
Der Papst hat ausdrücklich darfauf hingewiesen, daß es nicht dem Sinn der geltenden Bücher entspricht, nur ein Hochgebet zu verwenden. Das richtet sich natürlich ggen die verbreitete Gewohnheit, (fast) ausschließlich das zweite zu verwenden - impliziert dann aber auch, daß man sich nicht nur auf das erste beschränken sollte.

Der Papst ist in einer schwierigen Lage: Sein Kritikpunkte am Novus Ordo sind bekannt, aber er schätzt die Chancen, da kurz und mittelfristig etwas zu ändern, offenbar als sehr gering ein. Also konzentriert er sich darauf, zu fordern, man solle die Liturgie so feiern, wie sie in den Büchern steht - und damit bindet er sich eben auch selbst. Vielleicht nicht im eigentlichen Sinne rechtlich, aber moralisch, so wie er das versteht.

Irritierendstes Beispiel ist, daß er zwar einerseits angeordnet hat, das "für alle" in den Wandlungsworten des deutschen Messbuchs zu ändern - daß er dann aber selbst, wenn er die Messe mit den deutschen Büchern feiert, dieses "für alle" verwendet, weil die von ihm verlangte Änderung von den Herren Bischöfen eben noch nicht umgesetzt worden ist.
Die Umsetzung muss mit den neuen Messbüchern geschehen. Etwas anderes steht in dem Brief von Arinze nicht drin. Allerdings warte ich noch auf die vorbereitende Katechese :pfeif:.
Darauf warte ich auch schon seit Jahren.. :roll: :pfeif: :schnarch:
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Lupus
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Lupus »

Fragen:
a) wie stellt Ihr Euch eine Katechese darüber vor?
b) gilt nicht weiterhin lex legendi-lex credendi?
will heißen: das "für Viele" zunächst einmal einfach einfügen statt "für alle".

Ihr "Intelligenzbolzen" :breitgrins: :breitgrins: (net bös sein!) interessiert Euch dafür, aber was tut das einfache Volk der Gläubigen?
Mönsch, schon wieder eine Erklärung! Er solls doch einfach tun und net so lang dromrom schwätza!

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Libertas Ecclesiae
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Libertas Ecclesiae »

Ich habe von einem Pfarrer aus dem Bistum Fulda gehört, der in der Sonntagsmesse das "Für viele" einfach eingefügt hatte. Ein Gottesdienstbesucher beschwerte sich daraufhin beim Bischöflichen Generalvikariat. Der Pfarrer wurde von höchster Stelle dazu angehalten, in Zukunft Gehorsam zu üben und willkürliche Änderungen und Eigenmächtigkeiten zu unterlassen. :auweia:
„Die letzte Messe ist noch nicht gelesen.“
(Jelena Tschudinowa)

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Berolinensis
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Berolinensis »

Maurus hat geschrieben: Ich kenne nicht alle Aussagen des Papstes zur Liturgie. Klar ist, dass sich die Diskrepanzen zwischen Schriften und Praxis mit dem Amtsantritt des neuen Zeremoniars deutlich verringert haben. Einen solchen Einfluss eines Zeremoniars habe ich vorher für undenkbar gehalten.

Einige Aussagen lassen sich im Alltag möglicherweise nicht auf Biegen und Brechen durchsetzen. Dafür kann man Verständnis haben. Die ausschließliche Verwendung des Römischen Messkanons aber würde da sicher nicht dazugehören. Das könnte der Papst einfach machen, es würde wahrscheinlich nur genauen Beobachtern auffallen. Warum also nicht? Beim WJT in Köln hat er(?) es getan. Weil ich die Aussagen hinsichtlich des Römischen Messkanons nicht kenne kann ich also nur davon ausgehen, dass er es a) nicht so eng sieht, b) den Kanon von Msgr. Marini auswählen lässt oder c) der vom Messbuch gewünschten Verschiedenheit auch oin der Praxis entsprechen will - im Gegensatz zur Praxis in vielen Pfarreien, in denen sich längst wieder ein starrer Ritus etabliert hat.
Bernado hat geschrieben:Der Papst hat ausdrücklich darfauf hingewiesen, daß es nicht dem Sinn der geltenden Bücher entspricht, nur ein Hochgebet zu verwenden. Das richtet sich natürlich ggen die verbreitete Gewohnheit, (fast) ausschließlich das zweite zu verwenden - impliziert dann aber auch, daß man sich nicht nur auf das erste beschränken sollte.

Der Papst ist in einer schwierigen Lage: Sein Kritikpunkte am Novus Ordo sind bekannt, aber er schätzt die Chancen, da kurz und mittelfristig etwas zu ändern, offenbar als sehr gering ein. Also konzentriert er sich darauf, zu fordern, man solle die Liturgie so feiern, wie sie in den Büchern steht - und damit bindet er sich eben auch selbst. Vielleicht nicht im eigentlichen Sinne rechtlich, aber moralisch, so wie er das versteht.
Ich stimme Bernado zu, das wird wahrscheinlich der Grund sein. Ich bin mir nicht sicher, wie klug dieses Vorgehen ist, da es die „neokonservative“ These stützt, mit dem Novus Ordo selbst sei alles bestens, er müsse halt nur getreu den Büchern gefeiert werden. Zum anderen zieht es denen, die schon bereit sind, weiter zu gehen – nämlich etwa nur noch Verwendung des Canon Romanus – den Boden unter den Füßen weg. Aber das entscheidet der Hl. Vater.

Den Einfluß von Guido Marini sehe ich übrigens nicht ganz so stark: Der Papst kannte ihn ja (als Zeremoniar von Bertone) und hat ihn gerade deshalb ausgewählt. Es ist sicher, daß die substantiellen Änderungen der Initiative des Papstes entsprechen. Aber natürlich, so etwas wie die Auswahl des konkreten Eucharistischen Gebets für eine bestimmte Zelebration obliegt dem Zeremoniar. Msgr. Marini scheint auch eine „vermittelnde“ Haltung einzunehmen. Enttäuschendstes Beispiel ist, wie großer Wert – trotz allen Äußerungen des Papstes – nach wie vor auf die Sichtbarkeit gelegt wird. Der Thron des Papstes wird nach wie vor vor dem Altar aufgestellt, auf einem Bretterverschlag, der die Confessio mit dem Petrusgrab, das zentrale Element des ganzen Petersdoms, verdeckt, anstatt vor der Cathedra, wo er hingehört, nur damit der Papst besser gesehen werden kann (wobei in den ersten Reihen – anstatt hinter dem Altar, wo sie früher in echter Chor-Anordnung saßen – ohnehin nur Klerus sitzt, so daß die im Petersdom anwesenden Laien realistisch vom Papst ohnehin nur einen Flecken sehen). Außerdem sind die Altarkerzen, nachdem sie bei den ersten Messen Marinis in der traditionellen Form aufgestellt wurden, nun dauerhaft in einer Anordnung, bei der zwischen den dreien links, den dreien rechts und dem Altarkreuz jeweils eine Lücke klafft, deren einziger Zweck es ist, eine bessere Sichtbarkeit von vorne – vorzugsweise für die Fernsehkameras – zu ermöglichen.

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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Berolinensis »

Maurus hat geschrieben:
Bernado hat geschrieben:Irritierendstes Beispiel ist, daß er zwar einerseits angeordnet hat, das "für alle" in den Wandlungsworten des deutschen Messbuchs zu ändern - daß er dann aber selbst, wenn er die Messe mit den deutschen Büchern feiert, dieses "für alle" verwendet, weil die von ihm verlangte Änderung von den Herren Bischöfen eben noch nicht umgesetzt worden ist.
Die Umsetzung muss mit den neuen Messbüchern geschehen. Etwas anderes steht in dem Brief von Arinze nicht drin. Allerdings warte ich noch auf die vorbereitende Katechese :pfeif:.
Maurus hat recht, und ich denke auch, daß eine vorbereitende Katechese erst dann sinnvoll ist, wenn die Umsetzung zumindest absehbar ist. Da sie - was ich nicht für falsch halte; schließlich waren dauernde Änderungen eins der Übel der Liturgiereform - zusammen mit der ohnehin anstehenden Neuübersetzung der editio tertia des Missales erfolgt, wird das wohl noch dauern. Warum sich das derart lange hinzieht (inzwischen sind selbst die Anglophonen mit ihren unzähligen Bischofskonferenzen und wesentlich größerem Änderungsbedarf fertig) ist eine andere - berechtigte - Frage.

Man sollte diese Frage aber auch von der Verwendung des Römischen Kanons trennen. Hier schon "für viele" zu sagen, wäre ein klarer Verstoß gegen die geltenden Rubriken; die Verwendung des Kanons nicht.

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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Libertas Ecclesiae »

Berolinensis hat geschrieben:Maurus hat recht, und ich denke auch, daß eine vorbereitende Katechese erst dann sinnvoll ist, wenn die Umsetzung zumindest absehbar ist. Da sie - was ich nicht für falsch halte; schließlich waren dauernde Änderungen eins der Übel der Liturgiereform - zusammen mit der ohnehin anstehenden Neuübersetzung der editio tertia des Missales erfolgt, wird das wohl noch dauern. Warum sich das derart lange hinzieht (inzwischen sind selbst die Anglophonen mit ihren unzähligen Bischofskonferenzen und wesentlich größerem Änderungsbedarf fertig) ist eine andere - berechtigte - Frage.
Es wäre auch zu fragen, warum Rom dem langen Hinausziehen der Neuübersetzung einfach tatenlos zusieht. Da könnten ja gewisse Leute auf die Idee kommen, dass das alles nicht so ganz ernst gemeint ist.
„Die letzte Messe ist noch nicht gelesen.“
(Jelena Tschudinowa)

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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Maurus »

Lupus hat geschrieben:Fragen:
a) wie stellt Ihr Euch eine Katechese darüber vor?
b) gilt nicht weiterhin lex legendi-lex credendi?
will heißen: das "für Viele" zunächst einmal einfach einfügen statt "für alle".

Ihr "Intelligenzbolzen" :breitgrins: :breitgrins: (net bös sein!) interessiert Euch dafür, aber was tut das einfache Volk der Gläubigen?
Mönsch, schon wieder eine Erklärung! Er solls doch einfach tun und net so lang dromrom schwätza!

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Es ist in meinen Augen naheliegend, dass etliche interessierte Grüppchen a la WsK versuchen werden, aus dieser Änderung bestimmte Rückschlüsse zu ziehen. Auch die Zeitungen werden darauf anspringen. Fehlt die Katechese, dann überlassen die Bischöfe wieder den Basisgruppen und Journalisten die Deutungshoheit. Der Pfarrer in der Kirche kann sich dann - auch wenn er gutwillig ist (was ja nicht unbedingt überall der Fall sein muss) - den Mund fusselig reden. Die Leute glauben, was ihnen die Journaille vorsetzt.

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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Maurus »

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:Maurus hat recht, und ich denke auch, daß eine vorbereitende Katechese erst dann sinnvoll ist, wenn die Umsetzung zumindest absehbar ist. Da sie - was ich nicht für falsch halte; schließlich waren dauernde Änderungen eins der Übel der Liturgiereform - zusammen mit der ohnehin anstehenden Neuübersetzung der editio tertia des Missales erfolgt, wird das wohl noch dauern. Warum sich das derart lange hinzieht (inzwischen sind selbst die Anglophonen mit ihren unzähligen Bischofskonferenzen und wesentlich größerem Änderungsbedarf fertig) ist eine andere - berechtigte - Frage.
Es wäre auch zu fragen, warum Rom dem langen Hinausziehen der Neuübersetzung einfach tatenlos zusieht. Da könnten ja gewisse Leute auf die Idee kommen, dass das alles nicht so ganz ernst gemeint ist.
Wo hängt denn der Übersetzungprozess? Kann man überhaupt von einer Verspätung reden oder ist das von vorneherein so geplant gewesen?
Berolinensis hat geschrieben:Den Einfluß von Guido Marini sehe ich übrigens nicht ganz so stark: Der Papst kannte ihn ja (als Zeremoniar von Bertone) und hat ihn gerade deshalb ausgewählt. Es ist sicher, daß die substantiellen Änderungen der Initiative des Papstes entsprechen.
Da hatte ich mich etwas unklar ausgedrückt. Natürlich entsprechen die Änderungen dem, was der Papst über die Liturgie geschrieben hat. Nur wurden diese Vorstellungen erst mit dem Amtsantritt des neuen Zeremoniars umgesetzt. Der Papst musste sich also einen Zeremoniar zulegen, der mit seinen Vorstellungen konform geht.
Enttäuschendstes Beispiel ist, wie großer Wert – trotz allen Äußerungen des Papstes – nach wie vor auf die Sichtbarkeit gelegt wird. Der Thron des Papstes wird nach wie vor vor dem Altar aufgestellt, auf einem Bretterverschlag, der die Confessio mit dem Petrusgrab, das zentrale Element des ganzen Petersdoms, verdeckt, anstatt vor der Cathedra, wo er hingehört, nur damit der Papst besser gesehen werden kann (wobei in den ersten Reihen – anstatt hinter dem Altar, wo sie früher in echter Chor-Anordnung saßen – ohnehin nur Klerus sitzt, so daß die im Petersdom anwesenden Laien realistisch vom Papst ohnehin nur einen Flecken sehen)
Naja, das kann ich irgendwo nachvollziehen, auch wenn es vielleicht nicht die allerbeste Lösung ist. Ich bin ja Mainzer, bei uns gibt es beide Versionen :ja:.

Außerdem sind die Altarkerzen, nachdem sie bei den ersten Messen Marinis in der traditionellen Form aufgestellt wurden, nun dauerhaft in einer Anordnung, bei der zwischen den dreien links, den dreien rechts und dem Altarkreuz jeweils eine Lücke klafft, deren einziger Zweck es ist, eine bessere Sichtbarkeit von vorne – vorzugsweise für die Fernsehkameras – zu ermöglichen.
Das kann sein. Da ich aber auch Messübertragungen im deutschen Fernsehen von deutschen Messe kenne, finde ich mich mit solchen Sachen leicht ab :/. Bei der Bischofseinführung in Trier wurde der Segen vor er Te Deum geschoben, weil das Fernsehen Schluss machen wollte, aber den Segen eben noch übertragen wollte. Bei Zollitsch damals brach das Fernsehen die Übertragung während des Te Deums ab, um Springreiten zu zeigen. Die Übertragungen fanden wohlgemerkt in den Dritten Programmen statt. Als ob man da nicht mal ne halbe Stunde überziehen könnte. Gottschalk darf seit 20 Jahren das Samstagsprogramm durcheinanderbringen (was regelmäßig das "Aktuelle Sportstudio" mit seiner nicht geringen Zuschauerschar nach hinten verschiebt). Bei Übertragungen von Messen werden solche Freiräume nicht gewährt.

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Berolinensis
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Berolinensis »

Maurus hat geschrieben:
Enttäuschendstes Beispiel ist, wie großer Wert – trotz allen Äußerungen des Papstes – nach wie vor auf die Sichtbarkeit gelegt wird. Der Thron des Papstes wird nach wie vor vor dem Altar aufgestellt, auf einem Bretterverschlag, der die Confessio mit dem Petrusgrab, das zentrale Element des ganzen Petersdoms, verdeckt, anstatt vor der Cathedra, wo er hingehört, nur damit der Papst besser gesehen werden kann (wobei in den ersten Reihen – anstatt hinter dem Altar, wo sie früher in echter Chor-Anordnung saßen – ohnehin nur Klerus sitzt, so daß die im Petersdom anwesenden Laien realistisch vom Papst ohnehin nur einen Flecken sehen)
Naja, das kann ich irgendwo nachvollziehen, auch wenn es vielleicht nicht die allerbeste Lösung ist. Ich bin ja Mainzer, bei uns gibt es beide Versionen :ja:.
Mainz kann ich nicht beurteilen, weil ich die Situation nicht kenne, aber das tut auch nichts zur Sache. Diese unsägliche Bühne verschandelt den ganzen Petersdom und spricht allen liturgischen Prinzipien Hohn.
Außerdem sind die Altarkerzen, nachdem sie bei den ersten Messen Marinis in der traditionellen Form aufgestellt wurden, nun dauerhaft in einer Anordnung, bei der zwischen den dreien links, den dreien rechts und dem Altarkreuz jeweils eine Lücke klafft, deren einziger Zweck es ist, eine bessere Sichtbarkeit von vorne – vorzugsweise für die Fernsehkameras – zu ermöglichen.
Das kann sein. Da ich aber auch Messübertragungen im deutschen Fernsehen von deutschen Messe kenne, finde ich mich mit solchen Sachen leicht ab.
Daß in Deutschland noch größere Verrenkungen für Fernsehübertragungen gemacht werden, mag sein (mir schleierhaft, warum man sich sowas anguckt, aber egal), macht die Sache aber nicht besser. Wenn man Ernst nimmt, daß die Liturgie in vor allem Kult der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist, ist es schlicht abstrus, auf so etwas Rücksicht zu nehmen. Das Problem mit diesem "Zugeständnis" beim Altaraufbau ist doch folgendes: Nicht nur ist es völlig untraditionell (das ist übrigens auch die Positionierung der Leuchter insofern, als sie jetzt an der Vorderkante des Altars entlangstehen, während sie vor dem Konzil in der Mitte des Altars standen. Von der peinlichen Positionierung im schrägen Winkel, die Msgr. Marini, wie ich fürchte, wohl aus Gründen der - horribile dictu! - Abwechslung eingeführt hat, mal ganz zu schweigen.). Es begünstigt die Fehlvorstellung, daß alle das Geschehen am Altar sehen können müssen. Ganz abgesehen davon, daß das sowieso praktisch unmöglich ist (die Gläubigen in der Basilika sehen schon allein aufgrund der Entfernung so oder so nichts), brauchen wir über eine Rückkehr zur dem Gottesdienst allein angemessenen Gebetsausrichtung gar nicht zu sprechen, solange dieser Irrtum nicht ausgerottet wird.

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Maurus
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Maurus »

Berolinensis hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:
Enttäuschendstes Beispiel ist, wie großer Wert – trotz allen Äußerungen des Papstes – nach wie vor auf die Sichtbarkeit gelegt wird. Der Thron des Papstes wird nach wie vor vor dem Altar aufgestellt, auf einem Bretterverschlag, der die Confessio mit dem Petrusgrab, das zentrale Element des ganzen Petersdoms, verdeckt, anstatt vor der Cathedra, wo er hingehört, nur damit der Papst besser gesehen werden kann (wobei in den ersten Reihen – anstatt hinter dem Altar, wo sie früher in echter Chor-Anordnung saßen – ohnehin nur Klerus sitzt, so daß die im Petersdom anwesenden Laien realistisch vom Papst ohnehin nur einen Flecken sehen)
Naja, das kann ich irgendwo nachvollziehen, auch wenn es vielleicht nicht die allerbeste Lösung ist. Ich bin ja Mainzer, bei uns gibt es beide Versionen :ja:.
Mainz kann ich nicht beurteilen, weil ich die Situation nicht kenne, aber das tut auch nichts zur Sache. Diese unsägliche Bühne verschandelt den ganzen Petersdom und spricht allen liturgischen Prinzipien Hohn.
Stimmt, schön ist sie nicht gerade. Aber ist es wirklich ungewöhnlich, wenn der Episcopus vor dem Altar sitzt? Irgendwie ist mir das ein vertrautes Bild.
Berolinensis hat geschrieben: Daß in Deutschland noch größere Verrenkungen für Fernsehübertragungen gemacht werden, mag sein (mir schleierhaft, warum man sich sowas anguckt, aber egal)
Mich interessiert die Liturgie in anderen Kathedralen und ich kann ja nicht überall hinfahren.
Wenn man Ernst nimmt, daß die Liturgie in vor allem Kult der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist, ist es schlicht abstrus, auf so etwas Rücksicht zu nehmen.
Das ist wohl unstrittig. Mir ging es auch eher um die Schwere der jeweiligen Rücksichtnahmen.

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Berolinensis
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Berolinensis »

Maurus hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:
Enttäuschendstes Beispiel ist, wie großer Wert – trotz allen Äußerungen des Papstes – nach wie vor auf die Sichtbarkeit gelegt wird. Der Thron des Papstes wird nach wie vor vor dem Altar aufgestellt, auf einem Bretterverschlag, der die Confessio mit dem Petrusgrab, das zentrale Element des ganzen Petersdoms, verdeckt, anstatt vor der Cathedra, wo er hingehört, nur damit der Papst besser gesehen werden kann (wobei in den ersten Reihen – anstatt hinter dem Altar, wo sie früher in echter Chor-Anordnung saßen – ohnehin nur Klerus sitzt, so daß die im Petersdom anwesenden Laien realistisch vom Papst ohnehin nur einen Flecken sehen)
Naja, das kann ich irgendwo nachvollziehen, auch wenn es vielleicht nicht die allerbeste Lösung ist. Ich bin ja Mainzer, bei uns gibt es beide Versionen :ja:.
Mainz kann ich nicht beurteilen, weil ich die Situation nicht kenne, aber das tut auch nichts zur Sache. Diese unsägliche Bühne verschandelt den ganzen Petersdom und spricht allen liturgischen Prinzipien Hohn.
Stimmt, schön ist sie nicht gerade. Aber ist es wirklich ungewöhnlich, wenn der Episcopus vor dem Altar sitzt? Irgendwie ist mir das ein vertrautes Bild.
Zu bestimmten Gelegenheiten, etwa bei der Predigt oder der Sakramentenspendung, ja, aber auch dann nur auf dem Faldistorium (ich spreche jetzt vom traditionellen Gebrauch, im Neuen Ritus geht natürlich alles). Das Problem im Petersdom ist aber, daß der Papst vor der falschen Seite des Altars sitzt. Die Zelebration am Papstaltar findet ja nach wie vor nur – in der für römische Basiliken üblichen – Ausrichtung ad orientem statt. Der Papst sitzt dann aber aus der Zelebrationsrichtung betrachtet hinter dem Altar. Das gab es nie. Konnte es auch nie, denn dort war, nein ist, ja die Confessio, es war also physisch unmöglich dort zu sitzen (nicht daß man jemals auf die Idee gekommen wäre*). Eben deshalb mußte ja auch diese Bretterbühne über die Confessio gelegt werden, die die Einheit zwischen Altar und Petrusgrab, die die eigentliche raison d'être des ganzen Petersdoms ist und künstlerisch die ganze Anlage bestimmt, völlig zerstört. Die Vorstellung allein, daß dieser Ort – der das eigentliche Zentrum Roms und einer der heiligsten der Christenheit ist – dauerhaft mit einem Bretterverschlag überdeckt ist, ist einfach monströs. Daß man das in Rom nicht erkennt, ist mir rätselhaft.

*innerhalb der Messe. Paul VI. und ich glaube auch schon Johannes XXIII. haben während des Konzils ansprachen von einem auf einer ähnlichen Bühne aufgestellten Thron gehalten. Ob das auch schon vorher geschehen ist, weiß ich nicht. Aber es war eben immer nur temporär, und nicht für die Messe.

iustus
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von iustus »

Berolinensis hat geschrieben:[Das gab es nie. Konnte es auch nie, denn dort war, nein ist, ja die Confessio, es war also physisch unmöglich dort zu sitzen
Da ist ohne Aufbau kein Platz:

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Berolinensis
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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von Berolinensis »

iustus hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:[Das gab es nie. Konnte es auch nie, denn dort war, nein ist, ja die Confessio, es war also physisch unmöglich dort zu sitzen
Da ist ohne Aufbau kein Platz:
Genau.

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Re: Erstes Hochgebet

Beitrag von HeGe »

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:Ich habe von einem Pfarrer aus dem Bistum Fulda gehört, der in der Sonntagsmesse das "Für viele" einfach eingefügt hatte. Ein Gottesdienstbesucher beschwerte sich daraufhin beim Bischöflichen Generalvikariat. Der Pfarrer wurde von höchster Stelle dazu angehalten, in Zukunft Gehorsam zu üben und willkürliche Änderungen und Eigenmächtigkeiten zu unterlassen. :auweia:
Das finde ich aber auch nicht in Ordnung. Wenn man fordert, dass alle sich ans Messbuch halten, dann gilt das auch für beide Richtungen.

Der unerklärliche Widerspruch, dass man dann bei den deutschen Hochgebeten "für alle" und bei den gleichen Gebeten in Latein "pro multis" sagen muss, kann zwar nicht wirklich aufgelöst werden, aber da liegt das Verschulden ja alleine an der Übersetzung und damit (mal wieder) bei der DBK.

Wen das "für alle" stört, der muss halt die Messe in Latein feiern. Ist eh nicht die schlechteste Lösung. ;)
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