Moderne Kirchenarchitektur

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cantus planus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von cantus planus »

overkott hat geschrieben:Man müsste über den Dreikönigsschrein nur einen Tabernakel und vor dem Schrein einen Altar platzieren - fertig wäre der Hochaltar.
Öha! Ich möchte sehen, wie Eminenz Meisner mit einer Hebebühne zum Allerheiligsten über dem Schrein hinaufbefördert wird... :kugel:
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overkott
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von overkott »

cantus planus hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Man müsste über den Dreikönigsschrein nur einen Tabernakel und vor dem Schrein einen Altar platzieren - fertig wäre der Hochaltar.
Öha! Ich möchte sehen, wie Eminenz Meisner mit einer Hebebühne zum Allerheiligsten über dem Schrein hinaufbefördert wird... :kugel:
Wieso? Da kommt einmal das Allerheiligste rein - und fertig. Zur Aufbewahrung überzähliger Hostien könnten auch Tabernakel in Seitenaltären benutzt werden.

Kilianus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von Kilianus »

overkott hat geschrieben: Ideal ist es, wenn in einer Kirche ein Hochaltar im Hochchor, aber auch ein Altar in der Vierung steht.
Hä? Und was sollen die beiden Altäre symbolisieren? Die zwei Christusse? Ist mir eine Inkarnation des Logos entgangen?

Kilianus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von Kilianus »

overkott hat geschrieben: Wieso? Da kommt einmal das Allerheiligste rein - und fertig. Zur Aufbewahrung überzähliger Hostien könnten auch Tabernakel in Seitenaltären benutzt werden.
Jaja. Der Herr nahm das Brot, brach es, und statt es seinen Jüngern zu reichen, packte er es ein für alle mal weg in eine unerreichbar hoch hängende Kiste und sprach: "Schaut Euch dies an zu meinem Gedächtnis."

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cantus planus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von cantus planus »

Passend zu unserem kleinen Gebetsrichtungs-Exkurs: http://www.kreuz.net/article.919.html
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Ich halte die Aufbewahrung des Allerheiligsten an mehreren Orten für ebenso verfehlt wie mehrere Altäre im Chorraum. Einen schönen Hochaltar und eine gute Anordnung der Seitenaltäre sieht man auf diesem Bild:
Bild
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julius echter
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von julius echter »

cantus planus hat geschrieben:Passend zu unserem kleinen Gebetsrichtungs-Exkurs: http://www.kreuz.net/article.919.html
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ich halte die Aufbewahrung des Allerheiligsten an mehreren Orten für ebenso verfehlt wie mehrere Altäre im Chorraum. Einen schönen Hochaltar und eine gute Anordnung der Seitenaltäre sieht man auf diesem Bild:
Bild

Nun diese Winkelmessen sind aber auch nicht der Weisheit letzter schluss.
Wobei ein Hochaltar, soweit noch vorhanden, ein guter Ort für das Allerheiligste ist. Leider habe ich schon Kirchen gesehn wo der Hochaltar rausgeschmissen wurde zugunsten oder ungunsten einer Stele. Das geschah oft in Kirchen der 5iger und 6iger Jahre - Leider:
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michaelis
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von michaelis »

Anmerkung:
Für Kathedral-Kirchen gilt ständig die Forderung des Zeremoniale, daß gemäß der Tradition am Altar, an dem ein Bischof zelebriert, das allerheiligste nicht aufbewahrt werden soll!

Nebenbei: Da es "am Altar" und nicht "auf dem Altar" heißt, ist das Allerheiligste vor Pontifikalmessen außerhalb der Kathedrale (z. B. bei Firmungen) aus einem Tabernakel in räumlicher Nähe des Zelebrationsaltars an einen anderen (würdigen [Punkt]) Ort zu übertragen.


Was die grundsätzliche Frage betrifft, so halte ich persönlich einen vom Altar getrennten Tabernakel im Altarraum für die beste Lösung.

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Jacinta
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von Jacinta »

michaelis hat geschrieben:Anmerkung:
Für Kathedral-Kirchen gilt ständig die Forderung des Zeremoniale, daß gemäß der Tradition am Altar, an dem ein Bischof zelebriert, das allerheiligste nicht aufbewahrt werden soll!
Deshalb habe wir eine Sakramentskapelle. Und ich frage mich, jedes Mal, wenn ich die Kirche betrete, ob es eigentlich richtig ist, den berühmten Knicks auch vorm Hochaltar zu machen, wo ja kein Allerheiligstes ist.
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"Man muss sich aber klarmachen, dass Krisenzeiten des Zölibats auch immer Krisenzeiten der Ehe sind." BXVI.

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julius echter
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von julius echter »

Nun ja es gibt, wie ja bekannt sein sollte, viele historische Hochaltäre mit dem Tabernakel und da wäre es doch blöd wenn man dann dass Sanctissime in ein anderes Tabernakel aufbewahrt als auf dem Hochaltar.
Wenn Kirchen neu gebaut oder eingerichtet wird, dann hat man viele Möglichkeiten wo man das Allerheiligste aufbewahren kann.
Ein, für mich ungünstiges Beispiel, habe ich im Bamberger Dom gesehn. Da war das Allerheiligste in einem Tabernakel auf einem Seitenaltar deponiert. Das war nicht das schlimme, schlimm war nur, dass gerade in dieser Ecke es sehr dunkel war und man nicht so ohne weiteres erkennen konnte dass hier das Allerheiligste aufbewhrt wird.
Wobei die Lösung im Dom zu Würzburg auch nicht so besonders ist - Sakramentshaus in der Vierung und das fehlen einer Sakramentskapelle
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Kilianus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von Kilianus »

Jacinta hat geschrieben: Deshalb habe wir eine Sakramentskapelle. Und ich frage mich, jedes Mal, wenn ich die Kirche betrete, ob es eigentlich richtig ist, den berühmten Knicks auch vorm Hochaltar zu machen, wo ja kein Allerheiligstes ist.
Streng genommen ist es falsch. Die Kniebeuge gilt in der Brots- (bzw. Weins-)Gestalt real präsenten Christus; der Altar (als zentrales Christussymbol) wird durch eine Verbeugung verehrt.

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overkott
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von overkott »

Kilianus hat geschrieben:
overkott hat geschrieben: Ideal ist es, wenn in einer Kirche ein Hochaltar im Hochchor, aber auch ein Altar in der Vierung steht.
Hä? Und was sollen die beiden Altäre symbolisieren? Die zwei Christusse? Ist mir eine Inkarnation des Logos entgangen?
Also, der Altar im Hochchor ist die Möglichkeit für Chorherren eine stärker priesterliche Liturgie zu pflegen, die den Opfercharakter betont, indem sie das eine Opfer des Hohepriesters Christi vergegenwärtigen, wie es der Apostel im Hebräerbrief mit ökumenischem Blick auf den Alten Bund betont hat. In der Vierung vergegenwärtigt der Priester die wunderbare Brotvermehrung. Es handelt es sich also um den einen geistigen, unvergänglichen und ewigen Altar, der sich in der Bibel und in der Kirche in vielen Bildern, Altären und Tischen verwirklicht. Entsprechend wird die eine himmlische Liturgie durch viele Formen verkörpert und nimmt somit vielerlei Gestalt an.

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Juergen
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von Juergen »

julius echter hat geschrieben:Nun diese Winkelmessen sind aber auch nicht der Weisheit letzter schluss.
Gleichzeitig mehrere Messen in einer Kirche zu feiern ist nicht nur nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern entbehrt jeglicher Weisheit.
julius echter hat geschrieben:Leider habe ich schon Kirchen gesehn wo der Hochaltar rausgeschmissen wurde zugunsten oder ungunsten einer Stele. Das geschah oft in Kirchen der 50iger und 60iger Jahre - Leider:
Ein abschreckendes Beispiel ist die ehem. Dominikanerkirche in Münster (Salzstraße).
Dort steht ein schöner Hochaltar, welcher aus der Gaukirche in Paderborn stammt. Seinerzeit (1903) wurde er nach Münster verkauft, da man den barocken Altar im Zuge der reromanisierung der Gaukirche nicht man als passend empfand.
Inzwischen hat man in Münster dort allerdings direkt vor dem Altar eine Mauer eingezogen. -- Weiße Wände sind ja so schön. :vogel:
Verschiedene Verhandlungen, den Altar wieder in die Gaukirche zurückzuführen sind bisher alle gescheitert.
Gruß Jürgen

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iustus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von iustus »

Kilianus hat geschrieben:
overkott hat geschrieben: Ideal ist es, wenn in einer Kirche ein Hochaltar im Hochchor, aber auch ein Altar in der Vierung steht.
Hä? Und was sollen die beiden Altäre symbolisieren? Die zwei Christusse? Ist mir eine Inkarnation des Logos entgangen?
Meine Güte, diese theologische Enge! Darf es auf der ganzen Welt nur noch einen Altar geben, weil es auf der ganzen Welt nur einen Christus gegeben hat, oder was?

Sieh doch die Sache mal etwas entspannter. 8)

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overkott
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von overkott »

Kilianus hat geschrieben:
Jacinta hat geschrieben: Deshalb habe wir eine Sakramentskapelle. Und ich frage mich, jedes Mal, wenn ich die Kirche betrete, ob es eigentlich richtig ist, den berühmten Knicks auch vorm Hochaltar zu machen, wo ja kein Allerheiligstes ist.
Streng genommen ist es falsch. Die Kniebeuge gilt in der Brots- (bzw. Weins-)Gestalt real präsenten Christus; der Altar (als zentrales Christussymbol) wird durch eine Verbeugung verehrt.
Streng genommen muss die Realpräsens mit dem Apostel verstanden werden; und er hat sich an die Korinther klar ausgedrückt. Als er die Gemeinde in Korinth ungesäuertes Brot nannte, wusste jeder von denen, dass das nicht wörtlich zu nehmen, sondern metaphorisch gemeint war. Der geheimnisvolle Leib Christi wird im geweihten Brot und in der Gemeinde real. Beim Altar ist das etwas anderes. Der ist tatsächlich nur Symbol.

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cantus planus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von cantus planus »

overkott hat geschrieben:Also, der Altar im Hochchor ist die Möglichkeit für Chorherren eine stärker priesterliche Liturgie zu pflegen, die den Opfercharakter betont, indem sie das eine Opfer des Hohepriesters Christi vergegenwärtigen, wie es der Apostel im Hebräerbrief mit ökumenischem Blick auf den Alten Bund betont hat. In der Vierung vergegenwärtigt der Priester die wunderbare Brotvermehrung. Es handelt es sich also um den einen geistigen, unvergänglichen und ewigen Altar, der sich in der Bibel und in der Kirche in vielen Bildern, Altären und Tischen verwirklicht. Entsprechend wird die eine himmlische Liturgie durch viele Formen verkörpert und nimmt somit vielerlei Gestalt an.
Ein köstlicher Jokus! :)
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Kilianus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von Kilianus »

michaelis hat geschrieben:Nebenbei: Da es "am Altar" und nicht "auf dem Altar" heißt, ist das Allerheiligste vor Pontifikalmessen außerhalb der Kathedrale (z. B. bei Firmungen) aus einem Tabernakel in räumlicher Nähe des Zelebrationsaltars an einen anderen (würdigen [Punkt]) Ort zu übertragen.
Die Forderung ist zwar schön, aber auch nicht ganz unproblematisch. Beim normalen Kirchgänger kommt da doch die Gründonnerstags- bzw. Karfreitagsassoziation auf: Daß der Herr nicht im normalen Tabernakel ist, ist Zeichen für seine Gefangenschaft bzw. seinen Tod.

(Deshalb wird ja praktisch auch überall gegen die Vorschrift verstoßen, daß das Tabernakel schon vor der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag zu leeren ist. Einzige Ausnahme: Meine Heimatgemeinde. Aber auch nur so lange, wie ich dort Oberministrant war. :breitgrins: )
Was die grundsätzliche Frage betrifft, so halte ich persönlich einen vom Altar getrennten Tabernakel im Altarraum für die beste Lösung.
Ich nicht. Was ist der Sinn der Trennung von Altar und Tabernakel? Das Allerheiligste soll wenigstens bei der Pontifikalmesse nur dann präsent sein, wenn seine Präsenz von der Struktur der Messe selbst vorgegeben ist - von der Konsekration bis zur Kommunion. Steht das Tabernakel separat im Chorraum, wird es rituell doch wieder zum prägenden Teil der Messe, weil es sich - gerade beim Pontifikalamt - kaum vermeiden läßt, daß im Altarraum auch außerhalb von Eingangs-, Evangeliums-, Gaben- und Auszugsprozession ein gewisser Verkehr herrscht (Büchertransport, Weihrauchtransport, Ablution etc), wobei der Herr im Tabernakel dann bei jedem Vorbeigehen durch Kniebeuge zu verehren ist. Macht man's konsequent, wird's ein ziemliches Geturne vor dem, was eigentlich nicht im Zentrum dieser Feier stehen sollte.

Kilianus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von Kilianus »

iustus hat geschrieben: Meine Güte, diese theologische Enge! Darf es auf der ganzen Welt nur noch einen Altar geben, weil es auf der ganzen Welt nur einen Christus gegeben hat, oder was?
Nö. Aber ein Altar in einem Kirchenraum, das wäre schon hilfreich. (Wobei Seitenaltäre einen je eigenen Raum konstituieren.) Zwei Altäre ein einer Blickachse - da wäre früher nie jemand drauf gekommen.

Ein köstlicher Jokus vor dem Hintergrund, daß das Konzil Dubletten in der Liturgie beseitigen wollte. :narr:

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overkott
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von overkott »

Kilianus hat geschrieben:
iustus hat geschrieben:Zwei Altäre ein einer Blickachse - da wäre früher nie jemand drauf gekommen.
Nehmen wir Santa Maria degli Angeli bei Assisi: zwei Kirchen in einer Kirche - auch ungewöhnlich. Und wenn man sich dann vorstellt, dass jeder Tabernakel eigentlich eine Kirche im Kleinen ist...

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cantus planus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von cantus planus »

michaelis hat geschrieben:Was die grundsätzliche Frage betrifft, so halte ich persönlich einen vom Altar getrennten Tabernakel im Altarraum für die beste Lösung.
Das ist sehr gut in der (theoretischen) Lösung gelungen, die ich in diesem Beitrag verlinkte.
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overkott
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von overkott »

cantus planus hat geschrieben:
michaelis hat geschrieben:Was die grundsätzliche Frage betrifft, so halte ich persönlich einen vom Altar getrennten Tabernakel im Altarraum für die beste Lösung.
Das ist sehr gut in der (theoretischen) Lösung gelungen, die ich in diesem Beitrag verlinkte.
In diesem Chorraum kommt allerdings die Idee "Gott ist Licht" nicht gut zum Ausdruck. Das scheint demgegenüber in der Gotik in besonderer Weise gelungen. In gewisser Weise scheint die Gotik eine bürgerliche Sakralarchitektur zu sein, zumal sie in Nordfrankreich und Flandern vor allem die Städte bereicherte. Wie das Licht die diaphanen Fenster durchleuchtet, erleuchtet die Weisheit Christi den menschlichen Geist und das menschliche Herz. Auch das Barock bringt oft eine ungeahnte Helligkeit und Heiterkeit in den Sakralbau..

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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von michaelis »

Kilianus hat geschrieben:Deshalb wird ja praktisch auch überall gegen die Vorschrift verstoßen, daß das Tabernakel schon vor der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag zu leeren ist.
Gegen diese Vorschrift wird nicht nur verbreitet verstoßen, sondern sie ist dermaßen unbekannt, daß selbst der Liturgiereferent des kölner Generalvikariats schrieb:
"der Brauch, dass der Tabernakel vor Beginn der Messe leer sein soll, ist uns unbekannt. Er ist vom Messbuch nicht vorgesehen.". :patsch:

Übrigens, Kilianus:
Mein Vorschlag zum "extra" Tabernakel im Altarraum bezog sich auf den Normalfall, nicht auf ein Pontifikalamt.

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cantus planus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von cantus planus »

michaelis hat geschrieben:Gegen diese Vorschrift wird nicht nur verbreitet verstoßen, sondern sie ist dermaßen unbekannt, daß selbst der Liturgiereferent des kölner Generalvikariats schrieb: [...]
Selbst? Wieso selbst? Wenn einer kei ...:ikb_shutup: Ah...:ikb_shutup: von Lit...:ikb_shutup: h...:ikb_shutup:, dann der K... :ikb_shutup:. Da hab ich schon die dollsten Sachen gehört und erlebt.
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iustus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von iustus »

michaelis hat geschrieben:
Kilianus hat geschrieben:Deshalb wird ja praktisch auch überall gegen die Vorschrift verstoßen, daß das Tabernakel schon vor der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag zu leeren ist.
Gegen diese Vorschrift wird nicht nur verbreitet verstoßen, sondern sie ist dermaßen unbekannt.
In der Tat. Auch mir. Wo steht sie denn? :achselzuck:

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cantus planus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von cantus planus »

Im Kölner und Wiener Direktorium ist eigens eine feierliche Überführung des Allerheiligsten vorgesehen. Könnte es sich bei dieser - auch mir unbekannten Norm - um Partikularrecht handeln?

(Womit ich nicht sagen wollte, dass meine obige Aussage nicht stimmt.)
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Juergen
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von Juergen »

Kilianus hat geschrieben:Deshalb wird ja praktisch auch überall gegen die Vorschrift verstoßen, daß das Tabernakel schon vor der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag zu leeren ist.
Gibt's auch eine Vorschrift, wer den Heiland vorher auffuttern muss?
Oder muß er nur irgendwoanders weggesperrt werden? ---- "Du kommst hier nicht raus... bleib drinn...!!"
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michaelis
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von michaelis »

@ iustus:
Messbuch (Band 1), Messe vom letzten Abendmahl:
Eröffnung und Wortgottesdienst
1. Der Tabernakel soll vollständig leer sein ...
Rundschreiben über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung:
IV: Die Messe vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag
48. Der Tabernakel soll vor der Feier vollständig leer sein. ...
Direktorium EB KölnHinweise zum Gründonnerstag bzw. Hohen Donnerstag:
(...)
3. Die Messe der Abendmahlsfeier findet am Abend zu möglichst günstiger
Zeit statt. Der Tabernakel ist leer. ...
@ cantus:
Die feierliche Übertragung findet am Ende der Messe statt. Der Tabernakel soll aber schon zu Beginn leer sein.
Hauptgrund ist wohl die Tatsache, das am Gründonnerstag und am Karfreitag die Kommunion aussschließlich mit Hostien aus der Abendmahlsmesse gespendet werden darf. An diesen Tagen ist "Tabernakelkommunion" explizit untersagt.
Nebenbei dürfte auch der Aspekt eine Rolle spielen, das bei dieser Feier der Einsetzung der Eucharistie gedacht wird.

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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von iustus »

Das ist deutlich - und nicht ganz unsinnig. Danke!

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overkott
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von overkott »

Schon das Neue Testament ist liturgiegeschichtlich von besonderem Wert nicht nur im Hinblick auf die theologische Interpretation liturgischer Gebräuche und Handlungen, sondern auch im Hinblick auf die Gebräuche und Handlungen selbst. Das gilt auch für die Tageszeiten. Gebete und Predigt fanden eigentlich zu allen Tagzeiten statt. Das Abendessen hat in mediterranen Ländern allein schon aufgrund der Außentemperaturen besondere Bedeutung. Von daher überrascht es auch nicht, dass das Erste Ostermahl in Emmaus auch abends stattfand, wie im Evangelium erzählt wird. Der Apostel feierte Eucharistie spät in der Nacht und brach bei aufgehender Sonne das Brot. Hier haben wir schon einen eindeutigen Hinweis auf eine Verschiebung in der Liturgie, die die Auferstehungsbotschaft besonders zum Tragen bringt und sicher schon damals ein anstrengendes, aber auch ein besonders schönes Erlebnis war. Später verlagerte sich die Eucharistiefeier von den Hausversammlungen, zu Versammlungen an den Gräbern von Gläubigen, über denen später Kirchen errichtet wurden. Sarkophage wurden zur Ehre der Altäre erhoben. Der Tabernakel ist mit einem Sarkophag nur sehr eingeschränkt zu vergleichen. Die Verehrung des Tabernakels als Heiliges Grab ist streng geregelt und stellt eine Ausnahme in der Karwoche dar, die auf Samstage nicht übertragen wird. Auch wenn eine Reliquie die Gegenwart eines Heiligen real symbolisiert, ist der Leib Christi keine Reliquie im herkömmlichen Sinn, sondern das Zeichen der lebendigen Gegenwart Gottes in der Gemeinschaft der Gläubigen. Der Chor über dem Tabernakel ist damit auch kein gläserner Schrein, sondern lichtdurchfluteter Himmel. Architektonisch besonders effektvoll und liturgisch sinnvoll ist, wenn zu einer bestimmten liturgischen Zeit Licht auf die erhobene Hostie fällt. Aber auch dieser besonders gefällige Ausdruck des liturgischen Feierns ist keineswegs die alleinseligmachende Weise. Es gibt viele evangelische Motive und Anregungen, mit Christus und untereinander das Brot zu brechen und das Lamm Gottes zu vergegenwärtigen.

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Peregrin
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von Peregrin »

Kilianus hat geschrieben: (Deshalb wird ja praktisch auch überall gegen die Vorschrift verstoßen, daß das Tabernakel schon vor der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag zu leeren ist. Einzige Ausnahme: Meine Heimatgemeinde. Aber auch nur so lange, wie ich dort Oberministrant war. :breitgrins: )
Bei uns ist auch geleert.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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Juergen
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von Juergen »

michaelis hat geschrieben:@ iustus:
Messbuch (Band 1), Messe vom letzten Abendmahl:
Eröffnung und Wortgottesdienst
1. Der Tabernakel soll vollständig leer sein ...
Rundschreiben über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung:
IV: Die Messe vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag
48. Der Tabernakel soll vor der Feier vollständig leer sein. ...
Direktorium EB KölnHinweise zum Gründonnerstag bzw. Hohen Donnerstag:
(...)
3. Die Messe der Abendmahlsfeier findet am Abend zu möglichst günstiger
Zeit statt. Der Tabernakel ist leer. ...
Schön und gut (gemeint), doch es gibt nur zwei Möglichkeiten:
Entweder futtert irgendwer den Heiland vor der Messe vom letzten Abendmahl auf oder man "verbannt" ihn in irgendeine Ecke. Dann ist zwar der (Haupt)Tabernakel leer, aber irgendwo ist ein Schliessfach, wo er dennoch da ist.

:auweia:
Gruß Jürgen

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Raimund J.
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von Raimund J. »

Juergen hat geschrieben: Schön und gut (gemeint), doch es gibt nur zwei Möglichkeiten:
Entweder futtert irgendwer den Heiland vor der Messe vom letzten Abendmahl auf oder man "verbannt" ihn in irgendeine Ecke. Dann ist zwar der (Haupt)Tabernakel leer, aber irgendwo ist ein Schliessfach, wo er dennoch da ist.

:auweia:
Deine Wortwahl gefällt mir nicht! :sauer:
Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Nec laudibus, nec timore

Kilianus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur

Beitrag von Kilianus »

Der vollständige Konsum (um etwas andere Worte zu verwenden) scheidet schon deshalb aus, weil Hostien als letzte Wegzehrung aufbewahrt werden müssen.

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