kath.net hat geschrieben:Fast völlige Abwesenheit typisch katholischer Gesichtspunkte
Die zweite Enzyklika von Benedikt XVI.: Eine beinahe unkatholische Bibelarbeit des Papstes – Ein Kommentar von Thomas Schirrmacher[/color]
... Die Enzyklika wird vermutlich keine der großen Rundschreiben darstellen, die auch in hundert Jahren noch zitiert werden, da sie weder eine überraschende Wende der katholischen Kirche ankündigt, noch zu einem hochkontroversen Thema Stellung bezieht. Ruhig und sachlich verweist sie auf den großen Unterschied zwischen der christlichen Hoffnung und der fehlenden oder täuschenden innerweltlichen Hoffnung westlicher Fortschrittsideen. Klar zeigt sie auf, dass christliche Hoffnung nur denkbar ist, weil es Erlösung in Jesus Christus gibt und weil es über die irdische Zeit hinausweisende Angelpunkte wie das Gericht, das Heil und das ewige Leben gibt.
Aber die Enzyklika hebt sich in anderer Hinsicht aus früheren Lehrschreiben ab, nämlich durch ihre starke Konzentration auf die Auslegung neutestamentlicher Texte und die fast völlige Abwesenheit typisch katholischer Gesichtspunkte. Das hat die Enzyklika mit dem Jesusbuch des Papstes gemeinsam, nur war dieses vom Papst ausdrücklich als private Äußerung vorgelegt worden. Diesmal jedoch handelt es sich um ein lehramtliches Dokument.
In den ersten 47 Paragraphen der Enzyklika findet sich keine Aussage, die auffallen würde, wenn man sie von einer evangelikalen Kanzel verlesen würde. In den Enzykliken von Papst Johannes Paul II. war das genau umgekehrt – in kaum einem Satz wurde nicht Maria, die Heilsrolle der Kirche oder eine andere katholische Besonderheit erwähnt. In Paragraph 48 wird dann das Gebet für Verstorbene kurz angesprochen. Erst in den beiden Schlussparagraphen 49-50 wird Maria angerufen. Doch auch wer diese lange Rede an Maria liest, wird erstaunt feststellen, dass sie praktisch nur aus einer Zusammenstellung neutestamentlicher Aussagen über Maria und Jesus besteht. Eine nur der katholischen Kirche eigenen Lehre über Maria wird nicht erwähnt. ...
Spe Salvi - Die neue Enzyklika
γενηθήτω το θέλημά σου·
- cantus planus
- Beiträge: 24273
- Registriert: Donnerstag 20. Juli 2006, 16:35
- Wohnort: Frankreich: Département Haut-Rhin; Erzbistum Straßburg
Dieser Text ist bei kath.net nicht überraschend, da nicht in jedem zweiten Satz Maria erwähnt wird, und Medjugorje schon gar nicht.
Da ist der Papst eben nicht mehr katholisch. Ich glaube kaum, dass sich evangelikale Kreise auf Augustinus berufen hätten.
Da ist der Papst eben nicht mehr katholisch. Ich glaube kaum, dass sich evangelikale Kreise auf Augustinus berufen hätten.
Nutzer seit dem 13. September 2015 nicht mehr im Forum aktiv.
Tradition ist das Leben des Heiligen Geistes in der Kirche. — Vladimir Lossky
Tradition ist das Leben des Heiligen Geistes in der Kirche. — Vladimir Lossky
Warum denn nicht?cantus planus hat geschrieben:Da ist der Papst eben nicht mehr katholisch. Ich glaube kaum, dass sich evangelikale Kreise auf Augustinus berufen hätten.
Die Tagespost hat geschrieben:Die anhaltende Aktualität des heiligen Augustinus
... Schon zwanzig Jahre nach seinem Tod begannen Gelehrte Augustins Schrifttum, das von zahlreichen Briefen und Predigten abgesehen im großen und ganzen erhalten blieb, in Sentenzensammlungen und Florilegien zu verbreiten. Solche Sammlungen waren im Mittelalter gefragte Hilfsmittel des Schulbetriebs. Die berühmteste war die des Petrus Lombardus (†1160). Sie umfass-te mehr als 1500 Sentenzen aus der gesamten Patristik, darunter circa 950 dem Werk Augustins entnommene. Selbst Thomas von Aquin, der die aristotelische Philosophie zur Grundlage seines Denkens machte, zitiert in seinen Schriften Augustinus häufiger als Aristoteles. Nahezu alle namhaften Theologen des Mittelalters betrachteten Augustinus als ihren Lehrer und Meister.
Vollends war dies bei den Reformatoren der Fall. Luther, dessen Vorlesungen noch als Augustinermönch an der Universität Wittenberg von Augustinuszitaten gespickt waren, meinte, Augustinus sei ganz und gar der seine. Bei der Konzeption sowie bei der Verteidigung seiner Gnaden- und Rechtfertigungslehre berief er sich ständig auf dessen Theologie. Wie Luther meinte auch Calvin, Augustinus interpretiere authentisch die Schriften des Apostels Paulus von der Rechtfertigung des Sünders allein aufgrund des Glaubens an den rettenden Gott. Auf katholischer Seite berief sich das Konzil von Trient ebenfalls auf Augustinus, aber man bemühte sich, die übertriebenen Zuspitzungen der Reformatoren zu glätten. Der christliche Humanismus propagierte in Ablehnung der Scholastik und des Aristotelismus die Rückkehr zu den Quellen und zu den Kirchenvätern, speziell zu Augustinus. Die Philologen der Renaissance haben mit Hilfe der Buchdruckerkunst entscheidend zur Verbreitung der augustinischen Schriften beigetragen. Bereits 1506 erschien in Basel die erste Gesamtausgabe.
Die Philosophie und Theologie des siebzehnten Jahrhunderts war vorzüglich vom Gedankengut Augustins geprägt, einmal durch Descartes Rückführung der Grundlagen des Denkens auf die Selbstvergewisserung durch das „cogito ergo sum“, worin man eine Übereinstimmung mit Augustinus feststellen zu müssen glaubte, sodann durch den über die Schriften des Jansenius’ ausgelösten Gnadenstreit, der hauptsächlich die Kirche Frankreichs zu spalten drohte. Darin ging es stets um die Interpretation der Schriften Augustins. So war der Kirchenvater bei Gelehrten erneut in aller Munde und er blieb dies in der Folgezeit. Denn die evangelischen Kirchen haben trotz liberalistischer Tendenzen während der Zeit der Aufklärung nicht aufgehört, sich in Sachen des Glaubens auf Augustinus zu berufen, und in den Enzykliken der Päpste in der jüngeren und jüngsten Zeit war er als Autorität in der Regel präsent. In den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils zählt er mit zu den meist zitierten Autoren. Die Auseinandersetzung mit ihm – zum Teil auch sehr kritisch – hält an. Kurz: Seine Aktualität nimmt eher zu als ab.
γενηθήτω το θέλημά σου·
- Robert Ketelhohn
- Beiträge: 26022
- Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 09:26
- Wohnort: Velten in der Mark
- Kontaktdaten:
Mayer kocht da aber viel Heterogenes im großen Tiegel zusammen.
Luther z. B. hat seine Handexemplare von Augustins Werken mit
beißender Kritik vollgekliert. Insofern ist seine Berufung auf Augustin
oft nicht aufrichtig. Dasselbe Phänomen – unaufrichtige Augustin-
zitation – findet man übrigens leider sogar bei Thomas (nach dem
Motto: Augustin sagt soundso, ergo tu’ ich, als ob ich ihm folgte,
behaupte aber weiter, was Aristoteles sagt; oder: Aristoteles sagt
soundso, Augustin sagt das auch [stimmt zwar nicht, Augustin wider-
spricht diametral, aber das merkt schon keiner], also ist es wahr).
Aber das bloß am Rande. Augustin ist ja hier nicht das Thema.
Luther z. B. hat seine Handexemplare von Augustins Werken mit
beißender Kritik vollgekliert. Insofern ist seine Berufung auf Augustin
oft nicht aufrichtig. Dasselbe Phänomen – unaufrichtige Augustin-
zitation – findet man übrigens leider sogar bei Thomas (nach dem
Motto: Augustin sagt soundso, ergo tu’ ich, als ob ich ihm folgte,
behaupte aber weiter, was Aristoteles sagt; oder: Aristoteles sagt
soundso, Augustin sagt das auch [stimmt zwar nicht, Augustin wider-
spricht diametral, aber das merkt schon keiner], also ist es wahr).
Aber das bloß am Rande. Augustin ist ja hier nicht das Thema.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.