Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

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Berolinensis
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Berolinensis »

Peti hat geschrieben:Heute gibt Bischof Mixa Ohrfeigen zu, vor 14 Tagen hat er noch gesagt:
" Ein Priester muss gewaltlos sein. Ich habe mich daran immer gehalten."
Das ist leider schwer zu vermitteln.
Das habe ich von Anfang an nicht verstanden. Selbst, wenn er nie Ohrfeigen verteilt hätte, hätte er klarstellen müssen, daß daran nichts Verwerfliches ist, weil er ja sonst denen Munition liefert, die andere, die Ohrfeigen verteilt haben - ein damals (und nach Sittengesetz auch heute, nur daß die verquere Gesetzgebung das nun anders bewertet) völlig normales Erziehungsmittel -, als "Mißbraucher" darstellen wollen.


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cantus planus
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von cantus planus »

Nein. Vor allem müsste man dann jeden pensionierten Lehrer erstmal unter Generalverdacht stellen. Und eine ganze Reihe Verstorbener exhumieren, um sie vor Gericht zu schleifen. :vogel:
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Debora
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Debora »

Der arme Bischof Walter. Was hier aufgeführt wird, ist die öffentliche Demontage und Hinrichtung eines Bischofs, der wie kein anderer dazu beigetragen hat, dass Dutzende guter Priester eine Chance auf die heilige Weihe bekommen haben. Wie kein anderer stellt er sich dem Zeittrend entgegen. Dafür muß er jetzt büßen. Eine bodenlose Sauerei ist das ! Außerdem geht mir das mittlerweile echt auf die Nerven- wir haben auch mal eine gefangen und sind deswegen noch lange nicht geschädigt. Was soll denn das Ganze? Da treibt doch der Schwarze seine Kapriolen und verwirrt die Geister der ohnehin geistlosen Öffentlichkeit.
Dem kann ich mich nur anschliessen, es geht um etwas anderes als Bischof Mixa, es geht darum die Kirche zu zerstören und unglaubwürdig zu machen
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Raphael

Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Raphael »

Debora hat geschrieben:
Der arme Bischof Walter. Was hier aufgeführt wird, ist die öffentliche Demontage und Hinrichtung eines Bischofs, der wie kein anderer dazu beigetragen hat, dass Dutzende guter Priester eine Chance auf die heilige Weihe bekommen haben. Wie kein anderer stellt er sich dem Zeittrend entgegen. Dafür muß er jetzt büßen. Eine bodenlose Sauerei ist das ! Außerdem geht mir das mittlerweile echt auf die Nerven- wir haben auch mal eine gefangen und sind deswegen noch lange nicht geschädigt. Was soll denn das Ganze? Da treibt doch der Schwarze seine Kapriolen und verwirrt die Geister der ohnehin geistlosen Öffentlichkeit.
Dem kann ich mich nur anschliessen, es geht um etwas anderes als Bischof Mixa, es geht darum die Kirche zu zerstören und unglaubwürdig zu machen
Das, worum es geht, wird in einem Artikel in der heutigen FAZ angedeutet:
Das katholische Priestertum ist ein „Zwei-Körper-System“. In ihm gibt es den symbolischen und den physischen Körper. Der symbolische Körper ist geweiht und deshalb befugt, Sakramente zu spenden. Der physische Körper ist der biologische Mensch mit seinem Alltagsverhalten. Die auratische Kraft des symbolischen Körpers wird durch das öffentlich deklarierte Prinzip der nicht ausgelebten Sexualität verstärkt.

Symbolischer Körper ist etwas anderes als beispielsweise das abstrakte Amt, das in Demokratien verliehen wird. Der geweihte symbolische Körper fungiert als Vorbild für die kulturelle Nachahmung von Populationen. Er hat eine starke charismatische Ausstrahlung.
(Quelle)

Der Artikel ist insgesamt lesenswert ..........

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Robert Ketelhohn
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Peti hat geschrieben:Heute gibt Bischof Mixa Ohrfeigen zu, vor 14 Tagen hat er noch gesagt:
" Ein Priester muss gewaltlos sein. Ich habe mich daran immer gehalten."
Das ist leider schwer zu vermitteln.
„Gewalt“ wird in einem Sinn gebraucht, als sagte man „Mißbrauch“ (früher, vorm Volx Verblödungs Full Pack, sagte man: „Mißhandlung“). Bischof Walter von Augsburg sah sich in diesem Sinne der Mißhandlung von Kindern geziehen und wies das zurück. Ein gelegentlicher Katzenkopp im Bedarfsfall oder bei gröberen Sachen eine Backpfeife, das ist etwas völlig anderes und ganz legitim (selbst wenn der ideologische Irrsinn unserer Zeit das nicht wahrhaben will).
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cantus planus
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von cantus planus »

Peti hat geschrieben:Heute gibt Bischof Mixa Ohrfeigen zu, vor 14 Tagen hat er noch gesagt:
" Ein Priester muss gewaltlos sein. Ich habe mich daran immer gehalten."
Das ist leider schwer zu vermitteln.
Ich sehe nicht, wo eine Ohrfeige (die sehr unterschiedlich ausfallen kann) pauschal "Gewalt" ist.
Und, wohlgemerkt, ich bin ein Vertreter der Fraktion, die Erziehung ohne Schläge (im eigentlichen Sinn) für möglich hält!
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Robert Ketelhohn
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Raphael hat geschrieben:Das, worum es geht, wird in einem Artikel in der heutigen FAZ angedeutet:
Das katholische Priestertum ist ein „Zwei-Körper-System“. In ihm gibt es den symbolischen und den physischen Körper. Der symbolische Körper ist geweiht und deshalb befugt, Sakramente zu spenden. Der physische Körper ist der biologische Mensch mit seinem Alltagsverhalten. Die auratische Kraft des symbolischen Körpers wird durch das öffentlich deklarierte Prinzip der nicht ausgelebten Sexualität verstärkt.

Symbolischer Körper ist etwas anderes als beispielsweise das abstrakte Amt, das in Demokratien verliehen wird. Der geweihte symbolische Körper fungiert als Vorbild für die kulturelle Nachahmung von Populationen. Er hat eine starke charismatische Ausstrahlung.
Da hat einer mal bei Kantorowicz geblättert … ;D
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Peti
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Peti »

cantus planus hat geschrieben:
Peti hat geschrieben:Heute gibt Bischof Mixa Ohrfeigen zu, vor 14 Tagen hat er noch gesagt:
" Ein Priester muss gewaltlos sein. Ich habe mich daran immer gehalten."
Das ist leider schwer zu vermitteln.
Ich sehe nicht, wo eine Ohrfeige (die sehr unterschiedlich ausfallen kann) pauschal "Gewalt" ist.
Und, wohlgemerkt, ich bin ein Vertreter der Fraktion, die Erziehung ohne Schläge (im eigentlichen Sinn) für möglich hält!
Ich meine das" leider" ernst. Was schwer zu vermitteln ist, dass er nach 14 Tagen seine Aussage korrigieren muss.
Zuletzt geändert von Peti am Freitag 16. April 2010, 12:54, insgesamt 1-mal geändert.
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
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Clementine
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Clementine »

Wenn wir mittlerweile (und das seit Wochen) ja soweit sind, dass eine Ohrfeige unter "Mißbrauch" gezählt wird - dann wird es doch tatsächlich mal an der Zeit für eine umfangreiche gesellschaftliche Diskussion. Und Zeit, die Fälle mit den ganzen wirklich schwer mißhandelten und getöteten Kinder noch mal hervorzuholen. Mag sein, dass man früher selbst in der Wahrnehmung noch nicht so "sensibilisiert" war für diese Fälle, aber diese haben - nach meiner Wahrnehmung - doch drastisch zugenommen.
Mir ist allerdings noch nicht aufgefallen, dass die Kirche dabei irgendwie ins Spiel zu bringen wäre.
Zuletzt geändert von Clementine am Freitag 16. April 2010, 12:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Raphael

Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Raphael »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Das, worum es geht, wird in einem Artikel in der heutigen FAZ angedeutet:
Das katholische Priestertum ist ein „Zwei-Körper-System“. In ihm gibt es den symbolischen und den physischen Körper. Der symbolische Körper ist geweiht und deshalb befugt, Sakramente zu spenden. Der physische Körper ist der biologische Mensch mit seinem Alltagsverhalten. Die auratische Kraft des symbolischen Körpers wird durch das öffentlich deklarierte Prinzip der nicht ausgelebten Sexualität verstärkt.

Symbolischer Körper ist etwas anderes als beispielsweise das abstrakte Amt, das in Demokratien verliehen wird. Der geweihte symbolische Körper fungiert als Vorbild für die kulturelle Nachahmung von Populationen. Er hat eine starke charismatische Ausstrahlung.
Da hat einer mal bei Kantorowicz geblättert … ;D
Das kann gut sein. In der FAZ wird in letzter Zeit überhaupt auffallend intensiv über den George-Kreis und die damit im Zusammenahng stehenden Umtriebe berichtet. :hmm:

Stephen Dedalus
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Stephen Dedalus »

Wie bitte? Schlüge ein Lehrer oder Priester meine Kinder, hätte der seinen letzten Unterricht gehalten. Dafür kann ich garantieren. Körperliche Züchtigung ist - wenn überhaupt - Sache der Eltern.

Und: Vor zwanzig Jahren war dies keinesfalls "normal", wie Bischof Mixa glauben machen möchte. Jedenfalls nicht in Mitteldeutschland. Ich nehme an, daß das auch für Bayern gilt.
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Torsten
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Torsten »

Raphael hat geschrieben:Das, worum es geht, wird in einem Artikel in der heutigen FAZ angedeutet:
Also: Bischof Mixa hat nicht die Unwahrheit gesagt, als er sich reinen Herzens zeigte, niemals Kinder geschlagen zu haben, weil diese Schläge nicht von seinem symbolischen Körper ausgingen, sondern von seinem physischen? Und überhaupt ist das Ganze nur eine Kampagne des Teufels, der einen hartnäckigen Widersacher in den Reihen der Kirche auf diese Weise versucht, zu schädigen, wenn nicht gar loszuwerden?

civilisation
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von civilisation »

Wenn Bischof Mixa erst einmal auf dem von "vermeintlichen" Humanisten, Politikern, Opfern etc. auf dem von denen errichteten Altar "geopfert" worden ist, dann geht die ganze Geschichte weiter.

Weiter und weiter und weiter.

Das hat doch Vorbilder.


Edit: Allerdings verstehe ich das gesamte "Schlindern" des Bischof Mixa nicht so ganz.

Er wird jetzt von mehreren Seiten in unterschiedlichen Angelegenheiten angegriffen. - Ob er sich so klug verhalten hat, kann ich nicht beurteilen.

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cantus planus
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von cantus planus »

Torsten hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Das, worum es geht, wird in einem Artikel in der heutigen FAZ angedeutet:
Also: Bischof Mixa hat nicht die Unwahrheit gesagt, als er sich reinen Herzens zeigte, niemals Kinder geschlagen zu haben, weil diese Schläge nicht von seinem symbolischen Körper ausgingen, sondern von seinem physischen? Und überhaupt ist das Ganze nur eine Kampagne des Teufels, der einen hartnäckigen Widersacher in den Reihen der Kirche auf diese Weise versucht, zu schädigen, wenn nicht gar loszuwerden?
Es geht nicht um Schläge. Was im Raum steht, ist der Begriff "Gewalt". Da müssen die Schläge schon sehr heftig sein. Das hat Mixa immer deutlich abgestritten. Dass er einem Kind eine Ohrfeige gegeben hat, ist keine "Gewalt".

Das war ein normales Erziehungsmittel vor über 20 Jahren. Und staatlicherseits (wohlgemerkt!) erlaubt.

Dass man wegen einer vollkommen legalen Handlung jetzt versucht, einen Bischof aus dem Amt zu kegeln, spricht doch wohl für sich, oder? Gleiches gilt für Entschädigungszahlungen. Die Justizministerin will an den Geldtopf der Kirche. Doch was ist eigentlich mit städtischen und staatlichen Schulen? Da ist auch geprügelt worden. Und zwar nicht zu knapp, wie mir z. B. beide Elternteile aus ihrer Schulzeit berichten. Zu meiner Zeit wurde nicht geprügelt, aber einige Lehrer haben einen Psychoterror ausgübt (und das meine ich jetzt wörtlich), der die ganze Elternschaft auf die Barrikaden brachte.

Soll jetzt jeder Bundesbürger pauschal den Staat auf Schmerzensgeld und Entschädigung verklagen? Anlass dazu gäbe es genug. Aber der Irrweg dahinter ist doch klar zu erkennen.
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Stephen Dedalus
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Stephen Dedalus »

cantus planus hat geschrieben:Es geht nicht um Schläge. Was im Raum steht, ist der Begriff "Gewalt". Da müssen die Schläge schon sehr heftig sein. Das hat Mixa immer deutlich abgestritten. Dass er einem Kind eine Ohrfeige gegeben hat, ist keine "Gewalt".

Das war ein normales Erziehungsmittel vor über 20 Jahren. Und staatlicherseits (wohlgemerkt!) erlaubt.
Das sehe ich ein wenig anders.

Bei körperlicher Züchtigung (Schlägen) ist der Begriff "Gewalt" nicht unangebracht. Wenn ein Mann seine Frau schlägt, gilt das auch als häusliche Gewalt - in meinen Augen ist das auch berechtigt.

Vor zwanzig Jahren (1990!) war dies keineswegs mehr akzeptiert und auch juristisch schon längst nicht mehr erlaubt. Bestenfalls vor 40 Jahren.
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iustus
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von iustus »

cantus planus hat geschrieben:Es geht nicht um Schläge. Was im Raum steht, ist der Begriff "Gewalt". Da müssen die Schläge schon sehr heftig sein. Das hat Mixa immer deutlich abgestritten. Dass er einem Kind eine Ohrfeige gegeben hat, ist keine "Gewalt".
Selbstverständlich ist das Gewalt. Aber es war eben legitime Gewalt. Hätte Mixa das vor zwei Wochen gesagt, hätte er auch von mir Zustimmung bekommen und ich hätte ihn verteidigt. Aber nein, er hat den Eindruck erweckt, niemals ein Kind geschlagen zu haben.

Das erst jetzt Ohrfeigen nicht ausgeschlossen werden, ist verheerend, weil jeder den Eindruck hat: "Aha, da kommt die Wahrheit scheibchenweise ans Licht".

Dadurch, dass er zwei Wochen den Eindruck erweckt hat, nicht einmal Ohrfeigen verteilt zu haben und das nun nicht ausschließt, ist er nicht mehr zu halten!
Zuletzt geändert von iustus am Freitag 16. April 2010, 13:39, insgesamt 1-mal geändert.

iustus
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von iustus »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
Vor zwanzig Jahren (1990!) war dies keineswegs mehr akzeptiert und auch juristisch schon längst nicht mehr erlaubt. Bestenfalls vor 40 Jahren.
Leider. Ich würde Lehrern gerne geringfügige Schläge erlauben, weil ich glaube, dass gewissen Randalierern nicht mehr anders beizukommen ist. Aber "Gewalt" gegen diese ist das dann selbstverständlich - sie wäre halt "gerechtfertigt".

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Torsten
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Torsten »

http://www.kath.net/detail.php?id=2641
Wenn jetzt das Thema auf die Frage nach Ohrfeigen zugespitzt wird, will ich ganz ehrlich sagen, dass ich als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watsch’n von vor zwanzig Jahren natürlich nicht ausschließen kann.
Das klingt wie Hohn.

Petra
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Petra »

Torsten hat geschrieben:http://www.kath.net/detail.php?id=26401
Wenn jetzt das Thema auf die Frage nach Ohrfeigen zugespitzt wird, will ich ganz ehrlich sagen, dass ich als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watsch’n von vor zwanzig Jahren natürlich nicht ausschließen kann.
Das klingt wie Hohn.
Das ist eine Kampagne. Und Bischof Mixa ist extra dafür ausgesucht worden. Wenn er nicht mehr da ist, wird am nächsten Bischofsstuhl gesägt. Oder weiter am Papststuhl.

Wenn alle angeklagt werden, die früher mal in solchen Einrichtungen gearbeitet haben, dann gäbe es in den Zeitungen keinen Platz mehr für anderes.

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Marion
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Marion »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Das Politische ist hier völlig irrelevant. Daß dies so ist, müssen wir offensiv vertreten.
Rotzen wir auf die gesenkten Daumen, bis die Besitzer kotzen. :daumen-rauf:
Das ist schön gesagt!
Stephen Dedalus hat geschrieben:Bestenfalls vor 40 Jahren.
Das ist 100% ganz falsch! Bei mir in der Grundschule gabs sogar noch Folterwerkzeug :D Das "Stöckchen"
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iustus
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von iustus »

Und es fällt ihm erst jetzt ein, dass er Ohrfeigen nicht ausschließen kann, nachdem der Sonderermittler berichtet:

http://www.faz.net/s/Rub51F42F1AA64C4 ... ntent.html

Er wird nicht mehr lange Bischof von Augsburg sein, aber nicht weil er ein paar Ohrfeigen verteilt hat, sondern weil er zunächst ein ganz anderes Bild von sich gezeichnet hat:
Ich versichere nochmals, dass ich zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt habe.

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cantus planus
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von cantus planus »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
cantus planus hat geschrieben:Es geht nicht um Schläge. Was im Raum steht, ist der Begriff "Gewalt". Da müssen die Schläge schon sehr heftig sein. Das hat Mixa immer deutlich abgestritten. Dass er einem Kind eine Ohrfeige gegeben hat, ist keine "Gewalt".

Das war ein normales Erziehungsmittel vor über 20 Jahren. Und staatlicherseits (wohlgemerkt!) erlaubt.
Das sehe ich ein wenig anders.

Bei körperlicher Züchtigung (Schlägen) ist der Begriff "Gewalt" nicht unangebracht. Wenn ein Mann seine Frau schlägt, gilt das auch als häusliche Gewalt - in meinen Augen ist das auch berechtigt.

Vor zwanzig Jahren (1990!) war dies keineswegs mehr akzeptiert und auch juristisch schon längst nicht mehr erlaubt. Bestenfalls vor 40 Jahren.
Ein Verbot besteht seit 1980. Da es um Fälle von 20-30 Jahren geht, weiss man nicht, was wirklich richtig ist.
Ich betone nochmals, dass ich die "eidesstattlichen Versicherungen" der Zeugen für vollkommen wertlos halte.
Wenn die Vorwürfe berechtigt sind, sollten sie klagen. Oder wenigstens das Gespräch mit dem Bischof suchen.
Sich hinter der "Süddeutschen" zu verstecken, ist feige und unredlich. Zumal es in den Aussagen gravierende Fragwürdigkeiten und Widersprüche gibt, u. a. die Sache mit dem Ring, der geküsst hätte werden sollen - den der damalige Pfarrer Mixa aber gar nicht trug...
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iustus
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von iustus »

Petra hat geschrieben:Das ist eine Kampagne. Und Bischof Mixa ist extra dafür ausgesucht worden.
Zweifellos. Aber er hat sich auch selten dämlich benommen.

Wie gesagt: Hätte er aufrecht gestanden und gesagt: "Ich habe geohrfeigt - und das war gut so!", hätte ich voll hinter ihm gestanden. Aber er hat die Öffentlichkeit betrogen.

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cantus planus
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von cantus planus »

Nun gut, das jüngste Eingeständnis war ziemlich unpassend. Da stimme ich zu. Aber daraus einen Rücktrittszwang abzuleiten, ist abenteuerlich.
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Pelikan
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Pelikan »

Und das nächste Geschoß: Das französische Magazin Golias veröffentlicht einen Brief von Kardinal Castrillón Hoyos, in welchem dieser Bischof Pican dazu beglückwünscht, die Straftaten des Priesters Bissey nicht den säkularen Gerichten angezeigt und eine Verurteilung wegen Strafvereitelung erlitten zu haben.

Unklar ist mir geblieben, ob der Bischof von den Straftaten nur aus dem Beichtsakrament wußte oder auch aus anderen Quellen. Das müßte im Prozeß gegen ihn ja ermittelt worden sein.

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Torsten
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Torsten »

Petra hat geschrieben:Das ist eine Kampagne.
In Bayern würde man sagen, er wird "abgewatscht". Demnächst kommt dann vielleicht noch die Faust, bei der der Knöchel des Mittelfingers herausragt?

Petra
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Petra »

lifestylekatholik hat geschrieben:
Petra hat geschrieben:
Christiane hat geschrieben:
Niels hat geschrieben:Für wen?
Für Jakobiner und angepasste Pseudokatholiken.
:roll: :nein:
Doch, natürlich. Er hatte in der »aktuellen Missbrauchsdebatte« auf die wahren Zusammenhänge hingewiesen, und das auch noch öffentlich. Prompt hat man das Feuer gegen ihn eröffnet und nach irgendwas gesucht, was man in der öffentlichen Schlacht gegen ihn verwenden kann, auch wenn es thematisch nichts mit sexuellen Missbrauch zu tun hat. Hätte er sich in der Missbrauchsdebatte so verhalten wie die meisten anderen deutschen Bischöfe, nämlich stromlininenförmig, gäb’s heute keine medialen Vorwürfe gegen ihn. Man schießt nur deshalb gegen Mixa, weil er in der aktuellen Missbrauchsdebatte auf für die Kampagnentreiber unangenehme Zusammenhänge hingewiesen hat.

Ziel: Ihn so weit in die Defensive zu bringen, dass er zu den Hintergründen des sexuellen Missbrauchs nichts mehr sagen kann, ihn so weit zu desauvoiren, dass er für die mediengesteuerten Schafe jede Glaubhaftigkeit verliert, und ihn -- das wäre natürlich die Krönung für die Kirchenfeinde -- aus dem Amt zu drängen.
Es ging mir um die Begriffe "Jakobiner" und besonders um "angepaßte Pseudokatholiken". Solche Kampfbegriffe verstärken das Schisma, das ihr hier herbeireden wollt. Zum Glück ist das Katholentum nicht mehrheitsdemokratisch und wird von Rom aus gelenkt.
Im Kreuzgang schreiben einfach zu viele, die schon lange die Trennung wollen. Weil mal eine Lesung vergessen wird oder mal im Gottesdienst getanzt etc. :roll:

Mir gefällt es übrigens weder in progressiven noch in konservativen oder tradi-katholischen Foren gut. Da sind einfach zu viele, die aggressiv mit Andersdenkenden umgehen. Aber solange man nicht beleidigt wird, bevor man überhaupt etwas geschrieben hat, bleibe ich dann doch lieber hier. :daumen-rauf:

iustus
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Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von iustus »

cantus planus hat geschrieben:Nun gut, das jüngste Eingeständnis war ziemlich unpassend. Da stimme ich zu. Aber daraus einen Rücktrittszwang abzuleiten, ist abenteuerlich.
Warten wir´s ab und hoffen, dass es nicht dazu kommt. Aber ich befürchte es wirklich.

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Robert Ketelhohn
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von Robert Ketelhohn »

iustus hat geschrieben:ist er nicht mehr zu halten!
Hör auf politisch zu denken. Diese deine Aussage ist katastrophal.

(Stell dir mal vor, in der Nachbarschaft werde scheibchenweise be-
kannt, daß deine Frau bei Bolle geklaut hat. Am Ende seufzt du und
sagst: »Nee, länger ist sie nicht zu halten: Ich muß mich von ihr tren-
nen« – oder wie? – Und hier geht es nicht einmal um objektiv vor-
werfbare Handlungen.)
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Re: Die aktuelle Mißbrauchsdebatte

Beitrag von cantus planus »

Danke, Robert! Vielleicht sollte man wirklich noch einmal ganz deutlich sagen:

Ein Bischof ist Bischof.
Er ist niemand, der das Amt des Bischofs innehat, und bei Bedarf abgibt wie einen alten Mantel.

Mit anderen Worten: Mixa ist nicht Käßmann. Allerdings ist diese wesentliche Qualität der Weihe ja selbst innerhalb der Kirche nicht mehr zu vermitteln. :traurigtaps:
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