"Gestaltete" Liturgie

Allgemein Katholisches.
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Angelika
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Beitrag von Angelika »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:So klingt das schon ganz anders, Angelika. Zu so einer Art von Klarstellung hatte ich dich auch provozieren wollen.
Anders als was ?
Hab ich hier je etwas behauptet, was eine Klarstellung notwendig machte ? :roll:

Gruß
Angelika

Stefan

Beitrag von Stefan »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Hier bei uns ist das Problem wohl nicht so gravierend wie mancherorts im Westen oder Südwesten.
Das scheint wirklich so zu sein. Deswegen gibts dann in überregionalen Foren oft Verwunderungen.
Gestaltung heißt hier mit Sicherheit nicht nur "Auswahl der Musik, also Lieder und (bei fehlender Organistenstelle) Instrumentenbegleitung, die Auswahl der Fürbitten", sondern (natürlich in unterschiedlicher Ausprägung) handfeste Veränderungen der Liturgie.

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Angelika hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:So klingt das schon ganz anders, Angelika. Zu so einer Art von Klarstellung hatte ich dich auch provozieren wollen.
Anders als was ?
Hab ich hier je etwas behauptet, was eine Klarstellung notwendig machte ? :roll:

Gruß
Angelika
Anders, als was einige mit der Gestalterei unwillkürlich assoziieren. Nichts, was du konkret gesagt hättest, sondern die unterschiedlichen Begriffsverständnisse machten »eine Klarstellung notwendig«. Darum hattest du’s ja selber klarstellen wollen.
War also nirgendwo ein Vorwurf an dich versteckt. :)
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Geronimo

Beitrag von Geronimo »

Stefan hat geschrieben:
Das scheint wirklich so zu sein. Deswegen gibts dann in überregionalen Foren oft Verwunderungen.
Gestaltung heißt hier mit Sicherheit nicht nur "Auswahl der Musik, also Lieder und (bei fehlender Organistenstelle) Instrumentenbegleitung, die Auswahl der Fürbitten", sondern (natürlich in unterschiedlicher Ausprägung) handfeste Veränderungen der Liturgie.
Mhm. Ich kann nur für die paar Kirchen sprechen, die ich hier in Frankfurt besuche. Was sind handfeste Veränderungen? Eigentexte? Oder Weglassen von Elementen? Auf so was würde ich allergisch reagieren :roll:

Geronimo

max72
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Beitrag von max72 »

Geronimo hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:
Das scheint wirklich so zu sein. Deswegen gibts dann in überregionalen Foren oft Verwunderungen.
Gestaltung heißt hier mit Sicherheit nicht nur "Auswahl der Musik, also Lieder und (bei fehlender Organistenstelle) Instrumentenbegleitung, die Auswahl der Fürbitten", sondern (natürlich in unterschiedlicher Ausprägung) handfeste Veränderungen der Liturgie.
Mhm. Ich kann nur für die paar Kirchen sprechen, die ich hier in Frankfurt besuche. Was sind handfeste Veränderungen? Eigentexte? Oder Weglassen von Elementen? Auf so was würde ich allergisch reagieren :roll:

Geronimo
Eben. Eigenformulierte Hochgebete, weglassen von Teilen, gerne die nennung des Papstes, weglassen des credo und schuldbekenntnisses. Feiern der Mess in Strassenkleidung (gibt's wirklich), rumreichen der Hostienschale mit Selbstbedienung. Selbstgeschriebenes Credo (hat hier mal einer geschrieben), eine Nennung von Gott als "Vater und Mutter", Segen im Namen "Gottes und Manitou und krishna und..." (gelesen auf kath.net Grad hatte einer hier berichtet, wie das Taufbekenntnis geaendert wurde in "sei nett zu anderen am Arbeitsplatz"....

Das sind Extremfaelle, hoffentlich. Und regional unterschiedlich scheint das auch zu sein.

Gruss

Max

Stefan

Beitrag von Stefan »

In einer Gemeinde nicht allzuweit von hier hatte der Pfarrgemeinderat als Tagesordnungspunkt "Alternative Messe", die aus einer gemeinsamen Aktivität mit der evangelischen Gemeinde resultieren sollte.

Das Weglassen, Verkürzen, Abändern ist recht häufig, aber nicht wirklich die Regel.
Naja, einmal mußte ich schon lachen. Der Pfarrer hatte einen Urlaubsvertretung bestellt. Nach wenigen Minuten schauten sich alle an: Nach Art eines amerikanischen Wanderpredigers geisterte er durch die Reihen und hat im wahrsten Sinne des Wortes eine Show abgezogen. Das ging die ganze Messe so.

Nach dem Auszug spielte der Organist dann das Eurovisionslied ;D

Geronimo

Beitrag von Geronimo »

max72 hat geschrieben:

Eben. Eigenformulierte Hochgebete, weglassen von Teilen, gerne die nennung des Papstes, weglassen des credo und schuldbekenntnisses. Feiern der Mess in Strassenkleidung (gibt's wirklich), rumreichen der Hostienschale mit Selbstbedienung. Selbstgeschriebenes Credo (hat hier mal einer geschrieben), eine Nennung von Gott als "Vater und Mutter", Segen im Namen "Gottes und Manitou und krishna und..." (gelesen auf kath.net Grad hatte einer hier berichtet, wie das Taufbekenntnis geaendert wurde in "sei nett zu anderen am Arbeitsplatz"....

Das sind Extremfaelle, hoffentlich. Und regional unterschiedlich scheint das auch zu sein.

Gruss

Max
Da fehlen mir die Worte.

Geronimo

Ralf

Beitrag von Ralf »

Wise Guy hat geschrieben:Participatio heißt nun mal Teilnahme,
aber "Mitvollzug" drückt glaube ich was ähnliches aus,

ist auf jeden Fall besser als der "Messbesuch", das ist nämlich ähnlich wie der Besuch einer Kulturveranstaltung (Konzert oder Museum), daher ist der Vergleich mit dem Konzert von Ralf, wo dann alle die Hits mitsingen nicht ganz so glücklich.
Ich halte ihn schon für recht treffend, auch wenn natürlich die Dimension der Eucharistie als teilweise Vorwegnahme des himmlischen Hochzeitsmahles da überhaupt nicht drin steckt.
wenn liturgische Texte (aus gutem Grund) verändert werden, denke ich ist das für die, sich vorbereitet haben, ärgerlich, aber ich glaube die schaffen das schon, (außer wenn sie ein wenig zwanghaft sind ;)),
ich trau den Leuten was zu, werktags gibt es ja auch immer wieder Texte zur Auswahl
und die anderen merken es nicht, und das sind wohl die meisten
Warum soll das nicht umgekehrt gelten? Und was sind "gute Gründe"? feiert die Gemeinde bei diesen Gründen vielleicht nicht manchmal zu sehr sich und zuwenig die Liturgie der Kirche? Aber: ich streite nicht ab, dass es gute Gründe geben mag.
Das "ich trau den Leuten was zu" scheinst Du ein wenig auf die regelmäßigen Kirchgänger zu beschränken. Ich traue auch den selten Anwesenden etwas zu - es hat bspw. von Beginn an meine Neugier geweckt, dass ich eben die Liturgie nicht verstanden habe.

Selbst habe ich es aber auch schon (iin der eigenen Familie) erlebt, dass die am meisten über normale Messen motzen, die am wenigsten in die Kirche gehen. Das Konsum-/Unterhaltungsbedürfnis wurde nicht so recht befriedigt.

Laura

Beitrag von Laura »

Ralf hat geschrieben:
Selbst habe ich es aber auch schon (iin der eigenen Familie) erlebt, dass die am meisten über normale Messen motzen, die am wenigsten in die Kirche gehen. Das Konsum-/Unterhaltungsbedürfnis wurde nicht so recht befriedigt.
Das mag schon in Grundzügen stimmen (ich mache auch andere Erfahrungen), aber ist nicht gerade der "Stachel im Fleisch": dass die "normale Messe" in ihrer Sprache und in ihren Liedern (zumindest in Deutschland) erst nach einem halben Theologiestudium (oder entsprechender Lektüre) verständlich ist ... ?
Nehmen wir doch mal die liturgischen Texte: viel ist daran wirklich so symbolisch, dass es für einen Außenstehenden mehr als seltsam klingen muss. Ich merke doch bei meinen Schülern, wie selbst bei den Frömmsten kaum Verständnis für die Liturgie da ist (das wohlgemerkt trotz des entsprechenden Unterrichts), wie z.B. bei der Vorbereitung eines Gottesdienstes (zu dem die Gruppe immerhin 7x 1 Stunde zusätzlich zum Unterricht in der Mittagspause kommt) der Vorschlag gemacht wird, ob man nicht in der Eucharistiefeier das Hochgebet weglassen könne ... und ob man nicht Glühwein und Plätzchen nehmen könne ... :kratz:

Ich kenne allerdings auch die andere Erfahrung: gerade Menschen, denen ihr Glaube sehr, sehr wichtig ist gehen immer häufiger nicht in die Kirche oder fahren hunderte von Kilometern in irgendwelche Klöster o.ä., weil sie es nicht aushalten, wie das, was ihnen so wichtig ist, lieblos "runtergerotzt" wird...

Laura

Ralf

Beitrag von Ralf »

Ich kann diesen Gedankengang zwar verstehen, aber halte ihn dennoch für grundfalsch (vielleicht auch deswegen :D ).

Es geht nämlich primär gar nicht ums Verstehen! Wenn es darum gionge, dass alle die Messe verstehen, dann wäre wohl eine kurze magische Vorstellung am ehesten dafür geeignet. Sowas spricht ja die primitiveren Emotionen (nicht im Sinne von weniger wert, sondern im Sinne von Konstante des kulturellen Lebens aller Völker) der Menschheit am ehesten an.

Und wer vermag schon wirklich von sich zu behaupten, ganz genau zu 100% zu wissen, was während der Eucharistie wirklich geschieht.

Liturgie ganz verstehen wollen heißt "Geheimnis des Glaubens" abschaffen wollen.

Es ist ein Geheimnis, kein zu entschlüsselndes Rätsel! Dieser unglaublich gewaltige Unterschied wird viel zu wenig klar gemacht!

Laura

Beitrag von Laura »

Das mag stimmen, Ralf. "Geheimnis des Glaubens" heißt aber nicht, dass der Glaube per definitionem unverständlich sein muss und auch so dargeboten werden muss. Für mich liegt das "Geheimnis" des Glaubens in der Unbegreiflichkeit Gottes, der in der Eucharistie erfahrbar wird, nicht in der Verständlichkeit der Texte.

Die Frage ist ja die, ob es sein muss, dass dieses "Geheimnis" in vielen Texten der Messfeier unverständlich dargeboten wird, weil es überhaupt nicht mehr unserem heutigem Sprachempfinden entspricht.
In Diskussionen mit Schülern merke ich immer wieder, dass sie schon eine religiöse Sehnsucht haben und für religiöse Formen (Schulgottesdienst, Frühschicht...) durchaus ansprechbar sind, aber ihre religiösen Sehnsüchte und Erfahrungen meilenweit von Lieder- und Gebetssprache der Kirche weg sind. Und ich glaube, dass man sich keinen Gefallen tut, wenn man dies hinnimmt und sagt: "es ist halt ein Geheimnis".


Laura

Ralf

Beitrag von Ralf »

Da stimme ich Dir zu - die Frage ist jedoch, ob gerade die Eucharistie der richtige Ort für eine so eine kulturell-individualistische Liturgie ist - ich denke nicht!
Nun werden manche sagen: an anderen Tagen kommt ja niemand! Mag sein, aber das darf kein Grund für einen Ausverkauf der Eucharistie sein (denn genauso wird die Lokalisierung des Ritus von vielen - auch mir - verstanden).

Die Eucharistie muss der aufrührerische Ruhepol sein und bleiben - aufrührerisch in der Wirkung und Glaubenswahrheit, Ruhepol in der bekannten Form.

Ich kenne auch genug gläubige Menschen, die sich in der gefeierten Liturgie ihrer Heimatpfarre nicht wiederfinden - und jenseits der Frage, ob es um ein Sich-finden überhaupt geht, gibt es bestimmt auch mannigfaltige Beispiele für unwürdig gefeierte Messen streng nach Messbuch.
Eine Abkehr vom Ritus ist aber sicher keine einheitsstiftende und zugleich offene Antwort.

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Lupus
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Beitrag von Lupus »

Nun denn, da Du mich direkt fragst:

Warum tun das viele Priester? Weil sie mürbe geworden sind und sich sonst ständig mit ihren "Starkatholiken" und Pastoralreferenten streiten müssten. Die in den Dokumenten des II. Vatikanums angesprochene "participatio actuosa" wird gemeinhin in dem Sinne mißverstanden, dass es jetzt darauf ankommt, möglichst viel "actions" zu inszenieren: Anspiele, Diaprojektionen, Beispiele "aus dem Leben" in Form von "Rededuellen" etc. Manchmal kommt man unwillkürlich zu der Auffassung, es komme für viele darauf an, "sich den Altarraum zu erobern", (noch wehre ich mich gegen diesen Gedanken!!) und damit hat man sein Soll erfüllt. Wenn ich mich nicht irre, sagt aber das Dokument des Konzils über die Laien, dass diese durch ihr Vorbild im täglichen Leben Christus in die Welt tragen sollen.
Ein anderes Dokument (über die Liturgie) betont dagegen, dass jeder das und nur das tun soll, was ihm zusteht.
Ich habe erst kürzlich (vor der Karwoche) zu den Religionslehrern, die mich mit Leinwand, Dias und Wechselgesprächen als Wortgottesdienst zur Schulmesse überfallen haben (also mich vorher nicht unterrichtet oder eingeführt haben) NEIN gesagt und sie einen "Wortgottesdienst" halten lassen, dem ich aber nicht beiwohnte. Hätte ich mitgemacht, dann wäre jenes "Wasserkopf-Gebilde" herausgekommen und die eigentliche Eicharistiefeier wäre nur noch wie angeklebt unter "ferner liefen" ángekommen.
Jetzt ist man natürlich über den sturen Pfarrer böse, aber ebenso weiß man für die Zukunft, dass auch solche Schülergottesdienst mit mir vorzubereiten und abzusprechen sind.

Wie schnell ist man nämlich heute bereit, beim Bischof "zu petzen", wenn der Pfarrer mal nicht so mitmacht, wie man sich das vorstellt. Und da der "Vater" Bischof natürlich ein lieber Mann sein will, hört er auf solche Beschwerden und "stellt seinen Priester in den Senkel", ohne ihn zunächst anzuhören!

Ich habe in 30 Jahren Pfarramt inzwischen die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, einen Standpunkt zu haben, diesen auch zu vertreten und durfte erfahren, dass das Gros der Gläubigen seinen Pfarrer versteht und zu ihm hält. Die Leute wollen nämlich auch heute noch tatsächlich beten dürfen und einen ganz normalen, würdigen Gottesdienst mitfeiern und lehnen selbst die vielen Experimente ab, egal ob sie von Priestern oder Laien inszeniert werden.

Als Konvertit "weiß ich, wem ich geglaubt habe" und werde die gute Mitte immer energisch verteidigen!

L.G. Firminus
Christus mein Leben, Maria meine Hoffnung, Don Bosco mein Ideal!

max72
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Beitrag von max72 »

Firminus hat geschrieben:Die in den Dokumenten des II. Vatikanums angesprochene "participatio actuosa" wird gemeinhin in dem Sinne mißverstanden, dass es jetzt darauf ankommt, möglichst viel "actions" zu inszenieren: Anspiele, Diaprojektionen, Beispiele "aus dem Leben" in Form von "Rededuellen" etc. Manchmal kommt man unwillkürlich zu der Auffassung, es komme für viele darauf an, "sich den Altarraum zu erobern",
Uffz, da wird mir einiges klar. Und ich wundere mich... Gerade dass das mit "Rededuellen" und so tatsaechlich von manchen gewuenscht wird! Mir graust's bei sowas.

Altarraum erobern, der Priester ist doch kein showmaster!

Das verrueckte ist, dass eben gerade das KEINE partizipation ist. Da bin ich einfach nur Zuschauer eine UNterhaltunsgveranstaltung. In einer normalen Messe nehme ich teil, weil ich nicht nur Unterhaltung konsumiere sondern mitbete und anbete.

Vielleicht duerfen sich nicht nur die "event-orientierten" Katholiken bei Deinem Nein beschweren, sondern es muessen sich auch die anderen beschweren, wenn es solche Wechselgespraechsexpetrimente a la Harald Schmidt gibt.,

Ich hab das einmal erlebt als Vesper. Fand ich so peinlich und nichtssagend....

Gruss

Max

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

max72 hat geschrieben:… das mit "Rededuellen" und so …
Wat isn ditte???
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max72
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Beitrag von max72 »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
max72 hat geschrieben:… das mit "Rededuellen" und so …
Wat isn ditte???
Na, so wie in einer late-night-show. Ein kuenstliches gespraech zwischen zwei Personen auf der Buehne, die so tun, als ob sie sich unterhalten.

"Jesus sagt...."--"ach so, du meinst also...." - " ja genau, und dazu..." - "aber was dann damit..." usw usw Meist noch mit Spaeschen die nicht so recht rueberkommen. So richtig peinlich halt....
'
Max

Dr. Dirk
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Beitrag von Dr. Dirk »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
max72 hat geschrieben:… das mit "Rededuellen" und so …
Wat isn ditte???
Ich habe einmal sowas erlebt. Der Kaplan wollte gerade anfangen zu predigen, da wird er von einem Jugendlichen unterbrochen, der irgendwo im "Publikum" sitzt und die Stimme von Jesus darstellen soll. Dann diskutieren beide über das Evangelium. Sowohl der Jesus-imitierende Jugendliche und der Kaplan haben in peinlicher Art und Weise mit diesem Rededuell ihre gesammelte Ahnungslosigkeit über Inhalte des Glaubens offenbart.

Ich weiß nicht, ob die Erfahrungen von Max ähnlich war. Man kann das sicherlich auf verschiedene Weise inszenieren.

max72
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Beitrag von max72 »

Dirk hat geschrieben: Ich weiß nicht, ob die Erfahrungen von Max ähnlich war. Man kann das sicherlich auf verschiedene Weise inszenieren.
Bei mir waren's zwei vorn auf der showbuehne..aehm altarraum.

Max

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Darf man dabei auch einfach aufstehen und sich einmischen – nach dem Motto: »Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der dritte«?
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Petra
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Beitrag von Petra »

Ist evtl. momentan off-topic, aber wenn nicht hier wo sonst…..

Heute habe ich zum ersten Mal erlebt, dass während des gesamten Hochgebets die Orgel spielte. Zuerst dachte ich noch, der Typ ist wohl von den Evangelischen ausgeliehen, weil er schon vor der zweiten Lesung das Halleluja anspielte. Aber dann hat er doch nicht abgebrochen, sondern knallhart durchgezogen. Ist das bei euch auch Usus???
Nun habe ich extrem lange gebraucht, um mich an das dämliche Glockenscheppern bei der Wandlung zu gewöhnen - Lärm beim Hochgebet ist nun aber wirklich das Ende der Fahnenstange für meine Geduld.
:motz:

Dr. Dirk
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Beitrag von Dr. Dirk »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Darf man dabei auch einfach aufstehen und sich einmischen – nach dem Motto: »Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der dritte«?
Solche Experimente gibt es auch. In eben dieser Gemeinde, von der ich eben erzählt habe (die Gemeinde, wo ich aufgewachsen bin), gab es vor einigen Jahren einen Kaplan, der mal (ich glaube, es war der 2. Weihnachtstag) ein Mikrofon aufgestellt hat, wo dann nach der Predigt jeder seinen Senf zu der schon missglückten (d.h. glaubensleeren) Predigt geben konnte. Es hat mich wirklich gereizt, aber ich bin eher ein zurückhaltender Typ. :roll:
Ich war zu Besuch bei meinen Eltern und habe nach der Messe richtig Ärger bekommen mit meiner Mutter, weil ich die ganze Zeit während dieser Veranstaltung den Kopf geschüttelt habe vor Unverständnis. Zum Glück war ich nur zu Besuch, ob es dort öfter sowas gab, weiß ich also nicht.

Hier im Ruhrpott gibt es auch gelegentlich einige solcher Experimente.

Dr. Dirk
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Beitrag von Dr. Dirk »

Petra hat geschrieben: :motz:
Du hättest ja den Verantwortlichen direkt das neue Liturgieschreiben unter die Nase halten können. :D
Dort wird die Praxis Musik während des Hochgebetes zu spielen, auch angesprochen.

Man kann es übrigens schon bei der Deutschen Bischofskonferenz bestellen, und zwar hier. Ich hab erstmal 100 Stück bestellt. ;)

Laura

Beitrag von Laura »

Firminus hat geschrieben:Ich habe erst kürzlich (vor der Karwoche) zu den Religionslehrern, die mich mit Leinwand, Dias und Wechselgesprächen als Wortgottesdienst zur Schulmesse überfallen haben (also mich vorher nicht unterrichtet oder eingeführt haben) NEIN gesagt und sie einen "Wortgottesdienst" halten lassen, dem ich aber nicht beiwohnte.
L.G. Firminus
Muss auf die Schüler eine phänomenale Wirkung gehabt haben - der Pfarrer hat kein Interesse an Schulgottesdiensten und schmollt ...
Wie wäre es denn, wenn sich der Herr Pfarrer mal die Mühe machen würde und bei den 8 Sitzungen der Vorbereitungsgruppe kontinuierlich anwesend wäre, mit den Jugendlichen ins Gespräch käme, ihre Sorgen, Fragen und Wünsche ernst nähme und dann mit ihnen einen Schulgottesdienst gestalten würde ...
Ich mache leider die Erfahrung, dass "Hochwürden" dazu nie Zeit hat ... wir Religionslehrer das machen und uns dann anhören, dass es nicht recht ist.

Laura

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Dirk hat geschrieben:… und zwar hier
Da ist das Initium falsch angegeben …
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Beitrag von cathol01 »

Petra hat geschrieben:Ist evtl. momentan off-topic, aber wenn nicht hier wo sonst…..

Heute habe ich zum ersten Mal erlebt, dass während des gesamten Hochgebets die Orgel spielte. Zuerst dachte ich noch, der Typ ist wohl von den Evangelischen ausgeliehen, weil er schon vor der zweiten Lesung das Halleluja anspielte. Aber dann hat er doch nicht abgebrochen, sondern knallhart durchgezogen. Ist das bei euch auch Usus???
Nun habe ich extrem lange gebraucht, um mich an das dämliche Glockenscheppern bei der Wandlung zu gewöhnen - Lärm beim Hochgebet ist nun aber wirklich das Ende der Fahnenstange für meine Geduld.
:motz:
Die Franzosen machen das sehr oft - Hochgebet untermalt mit passender Orgelimprovisation und somit besonders hervorgehoben. Ich bin auch Kirchenorganist und mache das auch ab und zu. Als Organist sehe ich mich nicht nur als Stütze für den Chor bzw. als Pausenfüller, sondern als aktiver Mitgestalter und Mitträger der Liturgie. Schade, Petra, dass du die Orgelmusik als "Lärm" beschreibst. Ich kann nicht beurteilen, wie und was der Mensch gespielt hat, hoffe jedoch, dass du die Orgelmusik im Gottesdienst zu würdigen weisst und nicht, wie es die Kirche es eine Zeitlang tat, als Teufelswerk, das in der Kirche nichts zu suchen hat, ansiehst.
"Das Wahre ist nicht sicherer als das Wahrscheinliche."
(Diogenes Laërcius)

Geronimo

Beitrag von Geronimo »

Orgelmusik während des Hochgebetes ist deshalb Lärm (empfinde ich so),weil dieser Moment durch nichts, aber auch gar nichts abgelenkt werden soll :motz: Auf was soll man sich denn konzentrieren? Musik lenkt automatisch ab (auch und gerade wenn sie gut ist).

Zum Glück habe ich das noch nicht erlebt.

Thierry, Musik im Gottesdienst ist wirklich was Schönes. Es ist doch schade, wenn gerade sie den Leuten vermiest wird, weil sie an der falschen Stelle auftaucht.
Da möchte ich mich, egal wie's woanders in Europa ist :/ , wirklich nicht dran gewöhnen müssen.

Geronimo

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mr94
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Beitrag von mr94 »

Stefan hat geschrieben:Nach dem Auszug spielte der Organist dann das Eurovisionslied ;D
Du meinst sicher das Prélude zum Te deum von Marc Charpentier.
Zuletzt geändert von mr94 am Mittwoch 28. April 2004, 10:37, insgesamt 1-mal geändert.
Et unam, sanctam, catholicam et apostolicam Ecclesiam.
Confiteor unum baptisma in remissionem peccatorum.
Et expecto resurrectionem mortuorum, et vitam venturi saeculi. Amen.

Stefan

Beitrag von Stefan »

mr94 hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:Nach dem Auszug spielte der Organist dann das Eurovisionslied ;D
Du meinst sicher das Prélude zum Te deum von Marc Charpentier.
Wenn das das Eurovisionslied ist: ja :mrgreen:

max72
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Beitrag von max72 »

Mir faellt grad noch eine andere Parallele ein:

In Japan gibt es die Tee Zeremonie. Dort ist der Verlauf bis zur kleinsten Bewegung festgelegt. Der Schueler uebt tagelang, wie man eine Tuer oeffnet oder schliesst oder eine Tasse auf den Tisch setzt. Das Ergebnis ist eine Handlung in unglaublicher Schoenheit und extrem meditativ.

Die Japaner waren damals anscheinend von den Jesuiten sehr beeindruckt wegen deren Selbstdisziplin, was das japanische Ideal ansprach. Und man hat wohl tatsaechlich vermutet, dass die katholische Liturgie einen Einfluss auf die Tee Zeremonie hatte.

Nun ist es ja doch paradox, dass man eine solch heilige Handlung wie die Eucharistie heute "hemdsaermlig" und "ganz cool und locker" feiern will, waehrend eine Teezeremonie mit viel mehr Wuerde gefeiert wird. Und paradox ist es auch, dass man glaubt, das "hemdsaermlige" mit Veraenderungssucht wuerde die Menschen anziehen, waehrend, die Menschen begeistert Kurse in Teezeremonie belegen. Und begeistert traditionelle Messen aufsuchen.

Es zeigt wieder ganz unterschiedliche Einstellungen.

Gruss

Max

Ralf

Beitrag von Ralf »

Stefan hat geschrieben: Nach dem Auszug spielte der Organist dann das Eurovisionslied ;D
Was war denn für den Friedensgruß dran? Nicole?

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lancelot
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Beitrag von lancelot »

Ralf hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben: Nach dem Auszug spielte der Organist dann das Eurovisionslied ;D
Was war denn für den Friedensgruß dran? Nicole?
Bei uns wird oft "Gib uns Frieden jeden Tag" als "Friedenslied" gesungen - gleich nach dem Friedensgruß. Dafür entfällt das Agnus Dei-Lied, das ja ursprünglich sowieso nur das Brotbrechen begleiten sollte. ;)

Stefan

Beitrag von Stefan »

Ralf hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben: Nach dem Auszug spielte der Organist dann das Eurovisionslied ;D
Was war denn für den Friedensgruß dran? Nicole?
Das hätte wohl gepaßt, denn der urlaubsvertretende Priester hat sich dort (obwohl ihn kaum einer kannte) ziemlich verausgabt und fast jeden ausgiebig persönlich begrüßt. Die Predigt war halb in Mundart und erinnerte mehr an eine Büttenrede. Das Hochgebet war mal ganz anders (was man doch alles machen kann, und vor allem, mit wieviel Freude) und überhaupt war er richtig um Stimmung bemüht.

Da führte der dezente Seitenhieb des Organisten zu verstohlenen Blicken der die Kirche verlassenden Gläubigen...

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