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Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Dienstag 2. Februar 2010, 00:00
von ad-fontes
Can. 1249ff. CIC (1983) läßt ja erheblichen Spielraum für die Bischofskonferenzen.

An welchen Tagen hat ein deutscher Katholik zwischen dem 14./18. und 60. Lebensjahr Fasten bzw. Abstinenz zu beobachten?

P.S. Und seit wann ist der Mittwoch (außer Aschermittwoch) kein Fastentag mehr?

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Dienstag 2. Februar 2010, 00:10
von anneke6
Antwort auf Deine erste Frage: Aschermittwoch und Karfreitag. An allen anderen Sonntagen kann Abstinenz von Fleischspeisen durch ein anderes Bußwerk ersetzt werden. Die Verpflichtung, den Freitag als Bußtag zu begehen, endet übrigens nicht mit dem 60. Lebensjahr, die bleibt ein Leben lang.
In den USA ist Abstinenz von Fleisch außer an AM und KF an allen Freitagen in der Fastenzeit geboten…es sei denn, ein Hochfest, z.B. Verkündigung des Herrn oder St. Josef fällt darauf. In PL ist an allen Freitagen, an denen kein Hochfest gefeiert wird, Abstinenz von Fleisch gefordert.
Bei Deiner zweiten Frage bin ich überfordert. Aber ich habe vor ein paar Monaten bei Catholic Encyclopedia gebüffelt, weil ich wissen wollte, ob es in der RKK jemals Abstinenzgebote bezüglich anderer Speisen als Fleisch gegeben hat…und ich hatte den Eindruck, daß weniger der Mittwoch, sondern der Samstag der zweite Hauptfasttag der RKK war.

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Dienstag 2. Februar 2010, 10:35
von michaelis
Partikularnorm Nr. 16 der Deutschen Bischofskonferenz
zu
cc. 1251, 1253 CIC
Bußordnung / Fasten-Abstinenz
(Kirchliche Bußpraxis / Weisungen zur Bußpraxis)

1. Aschermittwoch und Karfreitag
Der Aschermittwoch und der Karfreitag sind strenge Fast- und Abstinenztage. Der katholische Christ beschränkt sich an diesen Tagen auf eine einmalige Sättigung (Fasten) und verzichtet auf Fleischspeisen (Abstinenz).
2. Fastenopfer
Jeder Christ soll je nach seiner wirtschaftlichen Lage jährlich, wo möglich am Ende der österlichen Bußzeit, ein für ihn spürbares Geldopfer für die Hungernden und Notleidenden geben.
3. Die Freitage des Jahres
Alle Freitage des Jahres sind im Gedenken an das Leiden und Sterben des Herrn kirchliche Bußtage, an denen der Christ zu einem Freitagsopfer verpflichtet ist; ausgenommen sind die Freitage, auf die ein Hochfest fällt. Das Freitagsopfer kann verschiedene Formen annehmen: Verzicht auf Fleischspeisen, der nach wie vor sinnvoll und angemessen ist, spürbare Einschränkung im Konsum, besonders bei Genussmitteln, Dienste und Hilfeleistungen für den Nächsten. Das durch das Freitagsopfer Ersparte sollte mit Menschen in Not geteilt werden. Auch eine andere spürbare Einschränkung im Konsumverhalten ist denkbar. Das Zeugnis gemeinsamen Freitagsopfers hat zudem seinen besonderen Wert. Kirchliche Häuser, Ordensgemeinschaften und geistliche Vereinigungen können hier ein Beispiel geben. Dem Sinn des Freitagsopfers entsprechen auch: Gebet und andere Frömmigkeitsübungen, eine wirkliche Einschränkung und der Dienst am Nächsten.

Fulda, den 22. September 1992, 23. September 1993 und 26. September 1995.
Rekognosziert mit Dekret der Bischofskongregation vom 16. Mai 1995 und 12. September 1995.
Die Partikularnormen erhalten für den Bereich der Deutschen Bischofskonferenz am 1. Januar 1996
ihre Rechtskraft. Gleichzeitig verlieren die von der Deutschen und von der Berliner Bischofskonferenz
zu denselben Canones erlassenen Partikularnormen ihre Geltung.
Bonn / Mainz, den 5. Oktober 1995
+ Karl Lehmann
Bischof von Mainz, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Quelle

Wer sich auch für die übrigen Partikularnormen der DBK interessiert, wird hier fündig.

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Dienstag 2. Februar 2010, 12:32
von Linus
ad-fontes hat geschrieben:Can. 1249ff. CIC (1983) läßt ja erheblichen Spielraum für die Bischofskonferenzen.

An welchen Tagen hat ein deutscher Katholik zwischen dem 14./18. und 6. Lebensjahr Fasten bzw. Abstinenz zu beobachten?

P.S. Und seit wann ist der Mittwoch (außer Aschermittwoch) kein Fastentag mehr?
Fasten- und Abstinenzgebot
Das Abstinenzgebot mit dem “Fastenopfer” nach der freien Verantwortung des
einzelnen Christen sowie der Verzicht auf Fleischspeisen am Aschermittwoch und
Karfreitag verpflichtet alle ab dem vollendeten 14. Lebensjahr.
Das Fastengebot (Verzicht auf Fleischspeisen, einmalige Sättigung am Tage)
am Aschermittwoch und Karfreitag verpflichtet zwischen dem vollendeten 18.
bis zum Beginn des 6. Lebensjahres (vgl. can. 1252): Quelle:
Direktorium Liturgischer Kalender der Erzdözese Wien für das
Kirchenjahr 29/21, S. 13


Zitiert n. Quelle
http://www.peterskirche.at/pdf/aktuelles.pdf

Das Wiener Direktorium findet sich hiert: http://www.pastoralamt.at/publikationen ... 2/14/a2449

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Dienstag 2. Februar 2010, 14:30
von ad-fontes
@Anneke, Michaelis und Linus: Danke!

Mein altkatholisches Religionshandbuch schreibt noch:
Unter dem Fastenzwang versteht man die Pflicht des römischen Katholiken, die gebotenen Fast- und Abstinenztage zu halten. Die Fasttage sind: 1) die vierzig Tage von Aschermittwoch bis Ostern (mit Ausnahme der Sonntage); 2) die Quatembertage, nämlich je einen Mittwoch, Freitag und Samstag zu Beginn einer jeden der vier Jahreszeiten; 3) die Vigiltage, d.h. die Tage vor hohen Festen. An diesen Fasttagen darf der römische Katholik nur eine Hauptmahlzeit genießen und muß sich im übrigen mit einer kleinen Stärkung (Kollation) begnügen. Abstinenztage sind die Freitage, an diesen darf der römische Katholik kein Fleisch essen.

(@Sempre: Nix da Freimaurer; die CMA steckt hinter dem ganzen Schlamassel :D )

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 04:29
von Sempre
ad-fontes hat geschrieben:(@Sempre: Nix da Freimaurer; die CMA steckt hinter dem ganzen Schlamassel :D )
(dann beweis mal, dass deren Aufsichtsratsvorsitzender nicht im Auftrag der Freimaurer handelt)

Wo hätte ich gesagt, dass die Freimaurer alles schuld seien? Das ist halt `ne Sekte mit bekannten Ideen. Wenngleich die Mitglieder gerne betonen, dass es die Freimaurer gar nicht gebe. Problem ist, dass es unter Freimaurern -obwohl die i.a. nicht zölibatär leben- auch Päderasten und natürlich Pornoproduzenten gibt. Nur leider erwähnt die Presse das nie.

Gruß
Sempre

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 15:11
von ad-fontes
Lieber Sempre,
ich wollte eigentlich nicht auf die Freimaurer hinaus, sondern hatte im Hintergrunf folgende Frage: Wer ist Nutznießer der Quasi-Abschaffung der Fastengebote?

Das ist zweifelsohne die Fleischindustrie.

Und ich habe mich gewundert, daß ich bis dato auch von konservativer katholischer Seite keine Einwände gegen die lasche Fastenpraxis vernommen habe.

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 15:19
von Juergen
Freitags kein Fleisch zu essen ist eine gute Sache. So kann man sich an dem Tag wenigstens am Lachs und Kaviar satt essen. 8)

Da das "Ersparte" (vgl. Bischofskonferenz) dabei eine Minusrechnung ist, nimmt man sich den passenden Betrag aus dem Klingelbeutel.
:roll:

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 15:24
von Berolinensis
ad-fontes hat geschrieben:Lieber Sempre,
ich wollte eigentlich nicht auf die Freimaurer hinaus, sondern hatte im Hintergrunf folgende Frage: Wer ist Nutznießer der Quasi-Abschaffung der Fastengebote?

Das ist zweifelsohne die Fleischindustrie.

Und ich habe mich gewundert, daß ich bis dato auch von konservativer katholischer Seite keine Einwände gegen die lasche Fastenpraxis vernommen habe.
Diese Einwände gibt es durchaus. im übrigen ist es ja nicht so, daß nun Fleischessen und mehrmalige tägliche Sättigung vorgeschrieben wären, insofern steht es jedem frei, die frühere Fastendisziplin (oder auch eine noch strengere) einzuhalten.

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 15:25
von Linus
Juergen hat geschrieben:Freitags kein Fleisch zu essen ist eine gute Sache. So kann man sich an dem Tag wenigstens am Lachs und Kaviar satt essen. 8)

Da das "Ersparte" (vgl. Bischofskonferenz) dabei eine Minusrechnung ist, nimmt man sich den passenden Betrag aus dem Klingelbeutel.
:roll:
man merkt bei dir noch Reste der katholischen Lebenspraxis :D

Der Pfarrer am Ende der Kollekte: Wir danken dem unbekannten Spender für 5 Hosenknöpfe. Möge er seinen Glauben bewahren, der ihm die Hose an der Hüfte hält!

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 15:36
von Juergen
Pfarrer: Herr Meier, was haben sie da getan?
Meier. Wieso, ich bin doch ein guter Katholik.
Pfarrer: Nein, sie haben letzten Freitag ihre Frau ja halb tot geschlagen.
Meier: Ja und? Ich habe doch auf Fleisch verzichtet und 5,-€ in den Klingelbeutel gelegt. Das reicht doch.

:roll:

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 16:01
von Berolinensis
Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, in welche Richtung das Gespräch gerade driftet. Sollte es sich um den müden alten Vorwurf des Buchstabendienstes am kirchlichen Gesetz (wobei nur die Ausgestaltung kirchlichen Rechts ist, daß wir Buße tun müssen, ist göttliches Gesetz) handeln, sage ich nur: abusus non tollit usum. Will sagen: Wenn es solche Gesetzeserfüllung gibt, die den Sinn des Gesetzes verfehlt, (und das bezweifle ich gar nicht), ist das bedauerlich, heißt aber nicht, daß das Gesetz sinnlos ist. Und daß die praktische Aufhebung der Fastendisziplin zu einer Sturmflut an Werken der Barmherzigkeit geführt hätte, wird wohl keiner ernsthaft behaupten wollen.

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 16:12
von Juergen
Berolinensis hat geschrieben:Und daß die praktische Aufhebung der Fastendisziplin zu einer Sturmflut an Werken der Barmherzigkeit geführt hätte, wird wohl keiner ernsthaft behaupten wollen.
Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
Aber die Einhaltung der Fastenvorschriften, macht aus einem schlechten Menschen keinen guten und umgekehrt.

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 16:38
von Marion
Berolinensis hat geschrieben: ... im übrigen ist es ja nicht so, daß nun Fleischessen und mehrmalige tägliche Sättigung vorgeschrieben wären, insofern steht es jedem frei, die frühere Fastendisziplin (oder auch eine noch strengere) einzuhalten.
Ich wünsche mir einen Hirten der mir sagt was Gott will. Das ich auch einen eigenen Willen habe und eh alles anders machen kann weiß ich.
Wenn in verschienen Zeiten verschiedenes Gottes Wille ist, dann stimmt was nicht und das Vertrauen in die Kirche schwindet. Irgendjemand hat dann was falsches gelehrt. Was ja an sich nicht sooo schlimm ist wenn dabei aufrichtig gesagt wird wer und warum (mit verständlicher Erklärung) und daß ein Fehler nun verbessert wurde.

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 16:47
von lutherbeck
Marion hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben: ... im übrigen ist es ja nicht so, daß nun Fleischessen und mehrmalige tägliche Sättigung vorgeschrieben wären, insofern steht es jedem frei, die frühere Fastendisziplin (oder auch eine noch strengere) einzuhalten.
Ich wünsche mir einen Hirten der mir sagt was Gott will. Das ich auch einen eigenen Willen habe und eh alles anders machen kann weiß ich.
Wenn in verschienen Zeiten verschiedenes Gottes Wille ist, dann stimmt was nicht und das Vertrauen in die Kirche schwindet. Irgendjemand hat dann was falsches gelehrt. Was ja an sich nicht sooo schlimm ist wenn dabei aufrichtig gesagt wird wer und warum (mit verständlicher Erklärung) und daß ein Fehler nun verbessert wurde.
Na, da sind wir nun bei Luther gelandet...

Lutherbeck ;)

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 16:52
von Marion
Verstehe ich nicht. Was hat das mit Luther zutun?

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 16:55
von Lupus
Ich bin mir nicht ganz im Klaren, worauf diese Diskussion hinauslaufen soll.

Die Fastenordnung wird zu Beginn der Fastenzeit (Die Woche vor dem Aschermittwoch) im wöchentlichen Kirchenblatt veröffentlich, in der Kirche an der Anschlagtafel ausgehängt und in der Predigt nochmal in Erinnerung gerufen.

Dass man heute "nur" noch von österlicher Bußzeit redet, finde ich als dem Ernst des Fastens abträglich, aber das haben die Herren Oberhirten zu verantworten.

Dass die Fastenordnung "etwas" milder geworden ist, kann mir doch dazu dienen, aus freien Stücken (und damit verdienstvoller) mehr zu tun, als heute angeraten (nicht mehr verlangt) wird!

Deshalb habe ich bereits am Sonntag Septuagesima (heute Sonntag im Jahreskreis) auf die mütterliche Klugheit der Kirche hingewiesen, die uns rät, sich in der "Vorfastenzeit" schon mal auf den Ernst des wirklichen Fastens vorzubereiten.

+L.

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 16:56
von Juergen
Marion hat geschrieben:Ich wünsche mir einen Hirten der mir sagt was Gott will.
Genau in dieser Forderung steckt das Problem versteckt.

Die Leute sollen wissen, was Gott will und darum erläßt die Kirche Gesetze, an die sich die Leute halten sollen. Nach einiger Zeit versteht kein Mensch mehr, warum die Gesetze erlassen wurden und sie werden nur noch um ihrer selbst Willen befolgt. Wenn aber der Sinn der Gesetze verloren gegangen ist, wird das Gesetz hohl und die Erfüllung der Gesetze zum reinen Buchstabendienst, der das Herz der Menschen nicht erreicht.
Wir brauchen keine Hirten die Gesetze erlassen, sondern war wir wirklich brauchen, sind Hirten, die den Sinn der Gesetze erklären.


---------------
Zur Verdeutlichung

-- Vater, Mutter, Oma, Tochter sitzen beim Essen. Es gibt Bratwurst mit Beilagen. --
Tochter: "Mama, warum schneidest du an der Wurst immer die beiden Enden ab?"
Mama: "Das habe ich von meiner Mutter, die hat das auch immer so gemacht."
Tochter: "Oma, warum hast du früher an der Wurst immer die beiden Enden abgeschnitten?"
Oma: "Weiß ich jetzt auch nicht mehr, aber meine Mutter hat das immer so gemacht."
Vater: "Also, das will ich jetzt wissen. Morgen fahren wir ins Seniorenstift und fragen sie!"
-- Am nächsten Tag im Seniorenstift.--
Oma: "Mama, warum hast du früher an der Wurst immer beide Enden abgeschnitten?"
Ur-Oma: "Macht Ihr das denn immer noch?"
Oma: "Na, ja."
Ur-Oma: "Mein Gott, kocht ihr immer noch mit der kleinen, alten Pfanne?"

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 17:04
von Berolinensis
Juergen hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:Ich wünsche mir einen Hirten der mir sagt was Gott will.
Genau in dieser Forderung steckt das Problem versteckt.

Die Leute sollen wissen, was Gott will und darum erläßt die Kirche Gesetze, an die sich die Leute halten sollen. Nach einiger Zeit versteht kein Mensch mehr, warum die Gesetze erlassen wurden und sie werden nur noch um ihrer selbst Willen befolgt. Wenn aber der Sinn der Gesetze verloren gegangen ist, wird das Gesetz hohl und die Erfüllung der Gesetze zum reinen Buchstabendienst, der das Herz der Menschen nicht erreicht.
Wir brauchen keine Hirten die Gesetze erlassen, sondern war wir wirklich brauchen, sind Hirten, die den Sinn der Gesetze erklären.


---------------
Zur Verdeutlichung

-- Vater, Mutter, Oma, Tochter sitzen beim Essen. Es gibt Bratwurst mit Beilagen. --
Tochter: "Mama, warum schneidest du an der Wurst immer die beiden Enden ab?"
Mama: "Das habe ich von meiner Mutter, die hat das auch immer so gemacht."
Tochter: "Oma, warum hast du früher an der Wurst immer die beiden Enden abgeschnitten?"
Oma: "Weiß ich jetzt auch nicht mehr, aber meine Mutter hat das immer so gemacht."
Vater: "Also, das will ich jetzt wissen. Morgen fahren wir ins Seniorenstift und fragen sie!"
-- Am nächsten Tag im Seniorenstift.--
Oma: "Mama, warum hast du früher an der Wurst immer beide Enden abgeschnitten?"
Ur-Oma: "Macht Ihr das denn immer noch?"
Oma: "Na, ja."
Ur-Oma: "Mein Gott, kocht ihr immer noch mit der kleinen, alten Pfanne?"
Das Beispiel paßt aber nicht: hier ist es eine sinnlose Handlung, die aus Unbedachtheit zur Tradition erstarrt ist. Die Fastengesetze selbst waren sinnvoll, da scheinst du einverstanden zu sein. Daß sie immer aufs neue in ihrem Sinn zu erklären sind, damit ihr Geist befolgt wird und sie zu echter Buße führen, ist richtig. Wenn solche Katechese vernachlässigt worden sein sollte, führt das aber noch lange nicht zu dem Schluß, daß deshalb das Gesetz aufzuheben war.

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 17:08
von Berolinensis
Lupus hat geschrieben:Dass die Fastenordnung "etwas" milder geworden ist, kann mir doch dazu dienen, aus freien Stücken (und damit verdienstvoller) mehr zu tun, als heute angeraten (nicht mehr verlangt) wird!
Ja, das habe ich ja auch schon gesagt. Allerdings kann man wohl nicht ernsthaft von "etwas" milder sprechen, wenn es nur noch zwei Fastnetage gibt. Und die Ersetzungsmöglichkeit der Freitagsabstinenz durch "ein anderes Opfer" hat doch in der Praxis - da wird mir wohl niemand widersprechen wollen - dazu geführt, daß der Freitag als Bußtag überhaupt nicht mehr beachtet wird (was i.ü. zur Folge hat, daß die ganz überwiegende Zahl der Katholiken einmal wöchentlich eine objektiv schwer sündhafte Tat begeht [Paul VI. hat in Poenitemini ausdrücklich festgehalten, daß es sich um eine schwere Verpflichtung handelt], wenn auch natürlich die Erkenntnis fehlt).

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 17:14
von Juergen
Berolinensis hat geschrieben:wenn auch natürlich die Erkenntnis fehlt
Womit es auch keine schwere Sünde ist.

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 17:16
von Berolinensis
Juergen hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:wenn auch natürlich die Erkenntnis fehlt
Womit es auch keine schwere Sünde ist.
Selbstverständlich, deshalb sprach ich ja von objektiv schwer sündhaften Handlungen.

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 17:38
von Marion
Berolinensis hat geschrieben:Wenn solche Katechese vernachlässigt worden sein sollte, führt das aber noch lange nicht zu dem Schluß, daß deshalb das Gesetz aufzuheben war.
Genau, die nächstliegende Lösung bei diesem Problem ist dann die Katechese wieder rein zunehmen.
Juergen hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:wenn auch natürlich die Erkenntnis fehlt
Womit es auch keine schwere Sünde ist.
Willst du auf die Lösung raus, daß wenn die Hirten uns nicht mehr aufklären die schweren Sünden zu beseitigen wären?

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 17:39
von Berolinensis
Marion hat geschrieben:Willst du auf die Lösung raus, daß wenn die Hirten uns nicht mehr aufklären die schweren Sünden zu beseitigen wären?
:hae?:

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 17:53
von Marion
Jürgen schreibt es wäre keine schwere Sünde mehr, wenn man davon nichts weiß. Wenn uns keiner aufklärt können wir dann nach dieser Logik nicht mehr schwer sündigen

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 17:56
von Berolinensis
Marion hat geschrieben:Jürgen schreibt es wäre keine schwere Sünde mehr, wenn man davon nichts weiß.
Ja, und, das ist doch auch so. Schwere Sünde: (1) schwere Materie, (2) volle Erkenntnis, (3) freier Wille.

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 18:05
von Bernado
Berolinensis hat geschrieben:
Lupus hat geschrieben:Dass die Fastenordnung "etwas" milder geworden ist, kann mir doch dazu dienen, aus freien Stücken (und damit verdienstvoller) mehr zu tun, als heute angeraten (nicht mehr verlangt) wird!
Ja, das habe ich ja auch schon gesagt. Allerdings kann man wohl nicht ernsthaft von "etwas" milder sprechen, wenn es nur noch zwei Fastnetage gibt. Und die Ersetzungsmöglichkeit der Freitagsabstinenz durch "ein anderes Opfer" hat doch in der Praxis - da wird mir wohl niemand widersprechen wollen - dazu geführt, daß der Freitag als Bußtag überhaupt nicht mehr beachtet wird (was i.ü. zur Folge hat, daß die ganz überwiegende Zahl der Katholiken einmal wöchentlich eine objektiv schwer sündhafte Tat begeht [Paul VI. hat in Poenitemini ausdrücklich festgehalten, daß es sich um eine schwere Verpflichtung handelt], wenn auch natürlich die Erkenntnis fehlt).
Mir scheint das Problem eher darin zu liegen, daß alle möglichen (Buß-)Übungen und Nahrungsverzichte, ja sogar Triebverzichte, als angemessen empfunden werden, wenn es um die Vorbereitung auf ein Bundesligaspiel, die schlanke Linie oder die Vorbeugung gegen Herzinfarkt geht.

Fasten und jede andere Art von Entsagung haben keine Eindeutigkeit mehr, im Gegenteil: sie sind von anderen Zielsetzungen überwuchert und okkupiert. Warum sollte jemand, dem nicht in jeder Predigt verdeutlicht wird, was sein Daseinszweck in diesem Leben ist: Möglichst gut ins jenseitige zu kommen - auch nur die geringste Aufgeschlossenheit für "Fasten" haben - es sei denn in Verbindung mit der ohnehin jährlich angesagten Entschlackungskur.

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 18:05
von Marion
Berolinensis hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:Jürgen schreibt es wäre keine schwere Sünde mehr, wenn man davon nichts weiß.
Ja, und, das ist doch auch so. Schwere Sünde: (1) schwere Materie, (2) volle Erkenntnis, (3) freier Wille.
Wenn uns nun alle Priester die volle Erkenntnis von schweren Sünden verschweigen, können wir Schäfchen also nicht mehr schwer sündigen.

Diese Lösung um schwere Sünden zu vermeiden hörte ich aus dem Post von Jürgen raus

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 18:06
von Bernado
Berolinensis hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:Jürgen schreibt es wäre keine schwere Sünde mehr, wenn man davon nichts weiß.
Ja, und, das ist doch auch so. Schwere Sünde: (1) schwere Materie, (2) volle Erkenntnis, (3) freier Wille.
Also haben die Theologen recht, wenn sie zart andeuten: Wir kommen alle, alle in den Himmel?

(Nein, ich weiß wo der Haken hängt, aber ich bitte um Differenzierung)

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 18:11
von Berolinensis
Marion hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:Jürgen schreibt es wäre keine schwere Sünde mehr, wenn man davon nichts weiß.
Ja, und, das ist doch auch so. Schwere Sünde: (1) schwere Materie, (2) volle Erkenntnis, (3) freier Wille.
Wenn uns nun alle Priester die volle Erkenntnis von schweren Sünden verschweigen, können wir Schäfchen also nicht mehr schwer sündigen.

Diese Lösung um schwere Sünden zu vermeiden hörte ich aus dem Post von Jürgen raus
Das ist ja abgedreht. Erinnert mich an http://www.amazon.com/Grand-Inquisitor- ... 824524357

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Mittwoch 3. Februar 2010, 18:19
von Gamaliel
Berolinensis hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:Jürgen schreibt es wäre keine schwere Sünde mehr, wenn man davon nichts weiß.
Ja, und, das ist doch auch so. Schwere Sünde: (1) schwere Materie, (2) volle Erkenntnis, (3) freier Wille.
Wenn uns nun alle Priester die volle Erkenntnis von schweren Sünden verschweigen, können wir Schäfchen also nicht mehr schwer sündigen.

Diese Lösung um schwere Sünden zu vermeiden hörte ich aus dem Post von Jürgen raus
Das ist ja abgedreht. Erinnert mich an http://www.amazon.com/Grand-Inquisitor- ... 824524357
So "abgedreht" ist das gar nicht. Diese Gedanken gab´s auch schon vor 2 Jahren: Röm 7,7-13

Re: Gelten die Fastengebote noch?

Verfasst: Freitag 5. Februar 2010, 00:54
von incarnata
Bernado hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:Jürgen schreibt es wäre keine schwere Sünde mehr, wenn man davon nichts weiß.
Ja, und, das ist doch auch so. Schwere Sünde: (1) schwere Materie, (2) volle Erkenntnis, (3) freier Wille.
Also haben die Theologen recht, wenn sie zart andeuten: Wir kommen alle, alle in den Himmel?

(Nein, ich weiß wo der Haken hängt, aber ich bitte um Differenzierung)
Die Masche scheinen etliche Oberhirten in der Tat so zu handhaben;betrifft auch Sünden wie den vorehelichen Verkehr mit und ohne Kinderzeugung("wir wollen ja heiraten,wenn erst das Haus gebaut,die Traumstelle erreicht genug Geld für eine Riesenfete beisammen ist...."),das Nicht-Befolgen der "Sonntagspflicht",die Empfängnisverhütung mit künstlichen Mitteln:es gibt massenhaft Katholiken,denen nicht mehr bewusst ist,dass das eigentlich sündhaft ist,da´s ihnen nie jemand gesagt hat.