Mündiges Christsein

Allgemein Katholisches.
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ad-fontes
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Mündiges Christsein

Beitrag von ad-fontes »

In Zusammenhang mit dieser Überlegung kam mir der Slogan vom mündigen Christsein in den Sinn und wie selbstgefährdend das Konzept der Mündigkeit ist, wenn es nicht der Realität, den eigenen Fähigkeiten, entspricht. (Man übertrage dies gedanklich auf jene Bereiche, in denen man keine oder kaum Kompetenzen hat, sei es Automechanik oder Medizin oder etwas anderes Passendes).

Da die meisten Menschen in religiösen Dingen keine Experten sind, entsprach die vormoderne Intoleranz gegenüber abweichenden religiösen Strömungen (Sekten) der Fürsorgpflicht des Regenten; - war vernünftig, solange der Monarch oder Fürst selbst dem Weg der Wahrheit folgte.

Durch die Existenz zweier Religionen (Protestantismus und Katholizismus) und durch die Anerkennung der ersteren als gleichrangig im weltlichen Bereich, konnte man auf den Gedanken kommen: Jede Religion habe ihre - der/den anderen gegenüber prinzipiell gleichberechtigte - Wahrheit, die die Menschen zum Heil führe. Die Verankerung des Subjektivismus und des Relativismus in den Köpfen der verstörten Europäer, dann der ganzen Menschheit, bricht sich Bahn.


Daher fühlt sich heutzutage in puncto Religion jeder für klug und berufen genug, zu wissen, was einem frommt; was gut, wahr und richtig ist. Während man in den anderen Bereichen nur das vergängliche Leben gefährden würde (was natürlich ebenfalls schlimm wäre), geht es hier ums Seelenheil. :panisch:

Statt sich zum eigenen Vorteil der kirchlichen Autorität, der von Gott eingesetzten Priesterschaft, konkret: einem kundigen und wahrheitsliebenden Seelsorger zu unterstellen - durch Unterordnung und Gehorsam -, setzt man sein eigenes, kleines und begrenztes Ego auf den Thron. Welch Verkennung der Realität!

Doch eine solche Gewißheit, welches die legitime und zuständige kirchliche Autorität vor Ort ist, gibt es nicht mehr. Entweder muß man diskriminieren (die Geister untscheiden), wird dadurch aber zum Richter in eigener Sache, oder man vertraut blindlings, auf gut Glück und in der Hoffnung, nicht einem der vielen Gesichtern der Lüge zu folgen.

Das Konzept der Mündigkeit - wenn auch scheinbar in der Moderne alternativlos - hat jedenfalls etwas Kamikazehaftes an sich; - zumindest dann, wenn es mit Selbstüberschätzung einhergeht.
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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overkott
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Re: Mündiges Christsein

Beitrag von overkott »

Traditionalisten bekamen Milch. Volljährige Christen berufen sich auf Jesus als den Urchristen. In ihm wurde der Glaube erwachsen, löste sich von der säkularisierten veräußerlichten Gläubigkeit vormoderner Gesetzeslehrer, die den Armen an Hab und Geist schwere Lasten auferlegten. Jesu Teilhabe an der Subjektivität des Vaters ist noch heute vielen Theologen suspekt. Anders dem hl. Paulus, der ebenfalls ablegte, was Kind an ihm war. Wie Jesus war Paulus katholisch im besten Sinn, weil er alle und alles integrierte, die zum Frieden bereit waren und ihm dienten: Juden und Griechen, Protestanten und Traditionalisten. Ad hoc hat natürlich recht, dass er der Autorität Jesu Christi auch in diesem Punkt folgen sollte.

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Niels
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Re: Mündiges Christsein

Beitrag von Niels »

overkott hat geschrieben:Traditionalisten bekamen Milch.
Stimmt: viewtopic.php?p=32244#p32244
Iúdica me, Deus, et discérne causam meam de gente non sancta

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overkott
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Re: Mündiges Christsein

Beitrag von overkott »

Hat ihnen Milch gut getan?

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