Sind Katholiken entwicklungsfeindlich?

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Marion
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Sind Katholiken entwicklungsfeindlich?

Beitrag von Marion »

Sind Katholiken entwicklungsfeindlich weil sie sich nicht mit bereits unfehlbar beantworteten Fragen rumplagen und darauf neue Antworten suchen, obwohl sie schon glasklar beantwortet sind?
Hat Entwicklung überhaupt etwas damit zutun, daß man immer neue Antworten auf dieselben Fragen sucht oder doch nicht (wie ich meine) sich mit neuen unbeantworteten Fragen die aufkommen zu beschäftigen und diese dann richtig beantwortet?
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Pelikan
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Re: Sind Katholiken entwicklungsfeindlich?

Beitrag von Pelikan »

Eine irrtumsfreie Antwort muß notwendigerweise weder gut noch erschöpfend, weder angemessen noch überzeugend sein. Es wäre also unlogisch, eine Frage dadurch für erledigt zu halten.

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cantus planus
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Re: Sind Katholiken entwicklungsfeindlich?

Beitrag von cantus planus »

Eine Frage mag irrtumsfrei beantwortet sein, doch stellen sich bedingt durch die menschliche Entwicklung immer wieder neue Fragen dazu. Eine päpstliche Verlautbarung auf dem 18. Jahrhundert kann unmöglich alles berücksichtigen, was sich bis 2011 einschließlich entwickelt hat oder entwickeln wird. Hier muss dann nach Wegen gesucht werden, die Antwort klar und sauber auf die veränderten Verhältnisse zu übertragen. Und da können in Detailfragen schonmal unterschiedliche Meinungen zu Tage treten.
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Marion
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Re: Sind Katholiken entwicklungsfeindlich?

Beitrag von Marion »

Sprecht ihr beide von Glaubens- und Moralfragen?

Meint ihr, daß man heute (mit fortgeschrittener Zeit) feststellen könnte, daß die richtigen Antworten vor 200 Jahren heute so nicht mehr gelten? Nur unvollständig beantwortet sind oder sogar falsch, also widersprüchlich richtig beantwortet werden könnten?

Bei einer eindeutigen festgestellten Antwort kann man eigentlich keine verschiedenen Meinungen gelten lassen. Man kann nur versuchen die irrige von der richtigen zu überzeugen. Vorausgesetzt natürlich, daß man sie bereits hat und nicht, daß sich nun eine neue, noch nicht beantwortete Frage stellt.

In Glaubens- und Moralfragen gibt es ja kein Unterschied ob man nun vor 1000 Jahren lebte, heute oder in 1000 Jahren.
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cantus planus
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Re: Sind Katholiken entwicklungsfeindlich?

Beitrag von cantus planus »

*ächz*

Natürlich gelten die Antworten noch! Nur hat es seither Entwicklungen gegeben, die damals noch nicht bekannt waren. Und nun muss man danach trachten, diese Entwicklungen im Lichte der früher gegeben Antworten zu beurteilen. Das ist nicht immer einfach, und oft genug gibt es für verschiedene Ansichten gute Gründe.

Letztlich ist es dann das Wirken des Heiligen Geistes, dass sich eine bestimmte Ansicht durchsetzt und bestätigt.

Natürlich lehrt die Kirche seit 1000 Jahren bestimmte Dinge immer gleich: dennoch hat sich in 1000 Jahren vieles in der Gesellschaft verändert, und die Kirche musste Aussagen präzisieren oder inhaltlich ausweiten.
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Marion
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Re: Sind Katholiken entwicklungsfeindlich?

Beitrag von Marion »

cantus planus hat geschrieben:Nur hat es seither Entwicklungen gegeben, die damals noch nicht bekannt waren. Und nun muss man danach trachten, diese Entwicklungen im Lichte der früher gegeben Antworten zu beurteilen. Das ist nicht immer einfach, und oft genug gibt es für verschiedene Ansichten gute Gründe.
Kannst du mir da bitte ein Beispiel geben.
Also eine Frage die vor langer Zeit unfehlbar beantwortet wurde über die man heute, weil sich was entwickelt hat, neu nachdenken muss und die Kirche mit guten Gründen verschiedene Meinungen zulässt.
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cantus planus
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Re: Sind Katholiken entwicklungsfeindlich?

Beitrag von cantus planus »

Ich frage mich, was da so unverständlich ist: nehmen wir den ganzen Fortpflanzungsbereich. Hier hat die Kirche alle natürlichen und widernatürlich Arten der Fortpflanzung abgeklappert. Dann kamen vollkommen künstliche Arten neu hinzu, und die Kirche hat ihren Standpunkt bestimmen müssen. Heute stehen wir in der gleichen Frage vor der Reproduktion (Fortpflanzung würde ich das nicht nennen) durch Gen-Technik. Stichwort: Klone. Da hat die Kirche noch lange nicht auf alle Fragen eine Antwort gefunden: Klonen mag verboten sein. Doch irgendein armer Tropf wird das früher oder später tun. Was ist dann mit den so entstandenen Kindern? Mit ihren Nachkommen? Das geht freilich weit über diesen Aspekt hinaus.
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Marion
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Re: Sind Katholiken entwicklungsfeindlich?

Beitrag von Marion »

cantus planus hat geschrieben:Klone. Da hat die Kirche noch lange nicht auf alle Fragen eine Antwort gefunden.
Das sind ja auch neue Fragen die eben nicht beantwortet sind, weil sie u.a. auch nie gestellt wurden. Die Beschäftigung mit den bereits beantworteten Fragen bleibt davon doch völlig unberührt.
cantus planus hat geschrieben:Hier hat die Kirche alle natürlichen und widernatürlich Arten der Fortpflanzung abgeklappert.
Ich glaube nicht daß die Kirche gesagt hat, sie wisse daß der Mensch sich nicht noch mehr Unanständiges ausdenkt als sie zu dieser Zeit abgeklappert hatte.


Ich habe nirgends gesagt, daß die Kirche keine neuen Fragen beantworten solle. Neue Fragen muss man natürlich beantworten wenn es denn möglich ist. Und ich bin mir sicher, daß die auch nicht irgendwann alle gehen :D
Das hat aber nichts damit zutun, sich mit den alten Fragen wieder und wieder zu beschäftigen und darauf auf die alte bereits beantwortete Frage nochmal ne Antwort zu suchen auch wenn das Thema und die neue Fragestellung der bereits beantworteten Frage sehr ähnlich ist.
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Mary
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Re: Sind Katholiken entwicklungsfeindlich?

Beitrag von Mary »

Marion hat geschrieben:Sind Katholiken entwicklungsfeindlich weil sie sich nicht mit bereits unfehlbar beantworteten Fragen rumplagen und darauf neue Antworten suchen, obwohl sie schon glasklar beantwortet sind?
Hat Entwicklung überhaupt etwas damit zutun, daß man immer neue Antworten auf dieselben Fragen sucht oder doch nicht (wie ich meine) sich mit neuen unbeantworteten Fragen die aufkommen zu beschäftigen und diese dann richtig beantwortet?
Ich frage mich gerade, ob es wirklich um neue Antworten geht...
oder ob es nicht viel mehr neue Leute sind, die die alten Fragen stellen und nach dem Stand ihrer Kenntnisse und ihres Glaubens beantworten. Leute, die sich nicht mit dem "Roma dixit" zufriedenstellen lassen, sondern die verstehen und verinnerlichen möchten, was gemeint ist.
Es steht doch jeder Mensch an einem anderen Punkt auf seinem Weg zu Gott oder in die Kirche... grade wir beiden, die wir nach reiflicher Überlegung und einem längeren Weg konvertiert sind, müssten doch dafür Verständnis haben?

Lg Maria
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Marion
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Re: Sind Katholiken entwicklungsfeindlich?

Beitrag von Marion »

Mary hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:Sind Katholiken entwicklungsfeindlich weil sie sich nicht mit bereits unfehlbar beantworteten Fragen rumplagen und darauf neue Antworten suchen, obwohl sie schon glasklar beantwortet sind?
Hat Entwicklung überhaupt etwas damit zutun, daß man immer neue Antworten auf dieselben Fragen sucht oder doch nicht (wie ich meine) sich mit neuen unbeantworteten Fragen die aufkommen zu beschäftigen und diese dann richtig beantwortet?
Ich frage mich gerade, ob es wirklich um neue Antworten geht...
oder ob es nicht viel mehr neue Leute sind, die die alten Fragen stellen und nach dem Stand ihrer Kenntnisse und ihres Glaubens beantworten. Leute, die sich nicht mit dem "Roma dixit" zufriedenstellen lassen, sondern die verstehen und verinnerlichen möchten, was gemeint ist.
Es steht doch jeder Mensch an einem anderen Punkt auf seinem Weg zu Gott oder in die Kirche... grade wir beiden, die wir nach reiflicher Überlegung und einem längeren Weg konvertiert sind, müssten doch dafür Verständnis haben?

Lg Maria
Damit beschäftige ich mich viel! Und das ist auch ne feine Sache :)
Die alten Antworten verstehen zu können. Und es macht auch Spaß, da sie auch wenn sich manche auf den ersten Blick merkwürdig anhören nach längerer Betrachtung als vernünftig erkannt werden können.
Das hat aber wie du selber sagst, nichts mit neuen Antworten auf alte Fragen (die wahrhaft auch zum größten Teil sehr aktuell sind) suchen zu tun.
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Marion
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Re: Sind Katholiken entwicklungsfeindlich?

Beitrag von Marion »

Ich nenne mal Beispiele zum Verständnis

Bischof Bode nun z.b. findet es gut, wenn sich nun kompetente Männer nochmals mit der Frage dieser Frauen etc. Weihen beschäftigen obwohl die Frage wahrhaft fertig beantwortet ist.

2006 hat sich Kardinal Barragán nochmals mit der Kondomfrage beschäftigt und nun nach der unglücklichen Aussage im Seewaldbuch hatten auf einmal wieder haufenweise die Hoffnung, daß diese Frage die bereits eindeutig beantwortet wurde wieder neu beantwortet werden könnte.

Adam war einer und das ist klar beantwortet, trotzdem hoffen irgendwie viele, daß man daraus wenn man die Frage nun unter heutigen Wissenschaftlichem Zeugs neu betrachtet irgendwie umdeuten könnte. Haufenweise sind damit wahrscheinlich auch beschäftigt.

Die Schrift ist ausgelegt. Trotzdem versuchen Leute innerhalb der Kirche heute irgendwas anderes reinzuinterpretieren und alte Auslegungen zu verwerfen und mit Neuem bisher unbekanntem zu füllen.

Dann wurden Heilige heiliggesprochen und heute hat man Antworten gefunden, daß es diese Menschen möglicherweise gar nicht gab ...

Um solcherlei Dinge geht es mir :)
Wie wenn das zur Entwicklung gehören muss, daß sich alles ändert, incl. die Wahrheit.
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