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Verhüllung der Kreuze vor der Passionszeit

Verfasst: Montag 21. März 2011, 15:20
von ad-fontes
Nachdem Caviteno andernorts geschrieben hatte, daß ihm auf den Philippinen bereits jetzt verhüllte Kreuze in Kirchen begegnet sind, kann ich dies für Deutschland nun ebenfalls bestätigen.

Liegt hier eine Entwicklung vor, einen sinnfälligen Brauch, wie das doppelte Alleluja am Schluß der Messe oder die weiße päpstliche Mozetta von der Osteroktav auf die gesamte Osterzeit auszudehnen oder handelt es sich um eine Antizipation (im Sinne des Nicht-mehr-abwarten-könnens, wie dies für den Verkauf bemalter Ostereier fünf Wochen oder mehr vor Ostern gilt) oder um Gedankenlosigkeit und Traditionsvergessenheit?

Jedenfalls fallen von dem mehr als ein Dutzend "römisch-katholischer Kirchen" in meiner Umgebung immer mehr, fast alle, aus, die ich zum Gebet und stiller Anbetung aufsuchen kann (ich brauche wohl nicht hinzuzufügen, daß zusätzlich zu den verhüllten Kreuzen Figuren, aus Sperrholz gesägt, in den Altarraum gestellt wurden und der Altar mit Schriftbändern verunziert wurde).

Bezogen auf die "Gottesdienstgestaltung" habe ich den Eindruck, daß die Fastenzeit besonders für Innovatives, Themengottesdienste etc. herhalten muß, während sie im überlieferten Ritus grade durch ein hohes Maß an Altertümlichkeit geprägt ist (bekanntlich besonders ab dem Passionssonntag).


Nebenbei, die Väter verurteilten es scharf, daß das Quadragesimalfasten mit dem Kreuzesleiden begründet wird. Diese Pfarrgemeinden - die sich neuerdings zudem vermehrt nicht nur in Schaukästen, sondern auch im Briefverkehr - nach protestantischem Vorbild? - "Kirchengemeinden" nennen und in der Tat auf dem besten Wege sind, eine infantil-senile Sekte zu werden, schaffen also die Passionszeit ab, indem sie sie auf die gesamte Fastenzeit ausdehnen!? :nein:

Re: Verhüllung der Kreuze vor der Passionszeit

Verfasst: Montag 21. März 2011, 15:56
von Berolinensis
Jos. Braun SJ hat geschrieben:Während nach dem heutigen römischen Brauch die Kreuze und Bilder nur während der Passionszeit verhüllt werden, war es im Mittelalter das Gewöhnliche, dieselben schon gleich bei Beginn der Fastenzeit zu verdecken, sei es von der Terz des Montags nach dem ersten Fastensonntag, sei es, wenngleich seltener, bereits von Aschermittwoch an. Hie und da erfolgte die Verhüllung sogar mit Septuagesima.

Re: Verhüllung der Kreuze vor der Passionszeit

Verfasst: Montag 21. März 2011, 20:38
von ad-fontes
Berolinensis hat geschrieben:
Jos. Braun SJ hat geschrieben:Während nach dem heutigen römischen Brauch die Kreuze und Bilder nur während der Passionszeit verhüllt werden, war es im Mittelalter das Gewöhnliche, dieselben schon gleich bei Beginn der Fastenzeit zu verdecken, sei es von der Terz des Montags nach dem ersten Fastensonntag, sei es, wenngleich seltener, bereits von Aschermittwoch an. Hie und da erfolgte die Verhüllung sogar mit Septuagesima.
Achso, Archäologismus, najut.

(Das eigentliche Ärgernis ist ja die Verschandelung des Altarraums mit "Pappkameraden" und des Altares mit Spruchbändern; in anderen Kirchen ist es die Aufstellung von unschönen Kunstwerken, wie beispielsweise ein Ohr.)

Re: Verhüllung der Kreuze vor der Passionszeit

Verfasst: Mittwoch 23. März 2011, 08:11
von Nassos
Wieso verhüllen???? Das erinnert mich irgendwie an die verhüllten Spiegel (und spiegelnde Oberflächen), wenn jemand verstorben ist.

Re: Verhüllung der Kreuze vor der Passionszeit

Verfasst: Mittwoch 23. März 2011, 09:07
von Robert Ketelhohn

Re: Verhüllung der Kreuze vor der Passionszeit

Verfasst: Mittwoch 23. März 2011, 17:24
von Caviteño
ad-fontes hat geschrieben:Nachdem Caviteno andernorts geschrieben hatte, daß ihm auf den Philippinen bereits jetzt verhüllte Kreuze in Kirchen begegnet sind, kann ich dies für Deutschland nun ebenfalls bestätigen.
Nur zur Klarstellung:
Es war in der Kapelle unserer "subdivision", in der an jedem Samstag abend die Vorabendmesse stattfindet. Ob es in anderen Kirchen auch so ist, weiß ich nicht.

Der Grund war/ist vermutlich ziemlich einfach:
In der Woche vorher (Vorabendmesse zum ersten Fastensonntag; das Kreuz war nicht verhängt) stimmte die Vorsängerin vor der Lesung des Evangeliums das Halleluja an. Sofort unterbrach der Priester den Gesang(versuch) und wies in der Predigt dann auf die Fastenzeit hin (konnte leider nicht alles verstehen, da er Tagalog sprach). Eine solche offene Zurechtweisung ist sehr außergewöhnlich (Gesichtsverlust!).
Wahrscheinlich war man dann nach dem "Rüffel" übereifrig und hat zum nächsten Samstag das Kreuz verhängt. Leider kann ich nicht mehr feststellen, ob dies noch immer der Fall ist, da ich wieder in Deutschland bin.

Modernistische Hintergründe nehme ich nicht an. Die Kirche ist dort sehr "konservativ", die Lektorinnen haben immer eine Kopfbedeckung (Schal/Schleier) und bei Wandlung und Agnus Dei knieen alle (auch 80+ jährige - bei sehr unbequemen Kniebänken). Die hier tlw. geschilderten Mißbräuche sind dort - nach meiner Meinung - unvorstellbar.
Ich habe nur gefragt, weil ich selbst unsicher wurde.

Re: Verhüllung der Kreuze vor der Passionszeit

Verfasst: Mittwoch 23. März 2011, 22:50
von Grammi
Caviteño,

anscheinend gehörst du zu den leider Wenigen, die das Glück haben, in einer Pfarrei zu leben, in der die Messe noch etwas Besonderes und nichts Alltägliches ist. Einen Punkt, den du angesprochen hast, kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Du schreibst, sogar die über 80-jährigen würden sich zur Wandlung hinknien. Meiner eigenen, leidvollen Erfahrung nach, sind es die Alten, die sich trotz sicherlich vorhandener Gebrechen dien Respekt für das Allerheiligste bewahrt haben, während die jungen, gesunden Menschen meinen, das Niederknien sei veraltet und sowieso nicht dem Geist des Konzils entsprechend.

Und was die ungemütlichen Kniebänke angeht, ich wäre froh drumm. Ich selbst knie auf dem Boden, und das ist nun wirklich nicht angenehm ;D

Gruß
Grammi