Moderne Kirchenarchitektur III

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civilisation
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von civilisation »

Die Renovierung des Würzburger Kiliansdom ist offenbar abgeschlossen. 3,1 Mio. EUR hat diese Aktion verschlungen.

Es ist eine Bilderserie online. Da gilt es, auf den 86 Bildern einiges zu entdecken.

So z.B. die Bilder 12, 19, 66 ( :auweia: ), 73, 76, 79 ("Der Schmerzensmann").

Kilianus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Kilianus »

Irritierend finde ich eigentlich nur, daß sie das bislang in der Krypta wohlversteckte Vortragskreuz aus den 1960ern wieder nach oben gekramt haben ...

Der "Schmerzensmann" ist auch keine Neuschöpfung.

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ad-fontes
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von ad-fontes »

martin v. tours hat geschrieben:Leider nicht, eher krank.
LEIDER !

martin v. tours
widerlich!
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Hubertus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Hubertus »

civilisation hat geschrieben:Die Renovierung des Würzburger Kiliansdom ist offenbar abgeschlossen. 3,1 Mio. EUR hat diese Aktion verschlungen.

Es ist eine Bilderserie online. Da gilt es, auf den 86 Bildern einiges zu entdecken.

So z.B. die Bilder 12, 19, 66 ( :auweia: ), 73, 76, 79 ("Der Schmerzensmann").
Wo hast Du die Serie denn gefunden? :detektiv:
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

Kilianus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Kilianus »


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Hubertus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Hubertus »

Danke! Mal schauen ...
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

Gustel
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Gustel »

In Würzburg hat man sich doch ganz manierlich benommen, außerdem war der alte Verputz war wirklich unansehlich. Ich hatte insgesamt Härters erwartet (nach der Augustinerkirche und dem Neumünster). Irgendwie ist aber in Würzburg allmählich alles gleichgemacht, was gleichmachbar ist (man ziehe noch den Stift Haugg als Vergleich heran).
Und die Lenssen-Stelen auf Bild 76, also fa-bel-haft. (Fast wäre mir ein Freud'scher Verschreiber unterlaufen... Lenssen-Stehlen. :pfeif: )

Kilianus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Kilianus »

Dein harsches Urteil über das Neumünster überrascht mich ein wenig. Was stört Dich?

Die Augustiner-Kirche sieht zwar aus wie Lenssen, ist es aber nur bedingt. Auch wenn einige seiner typischen Gestaltungselemente auftauchen, scheint mir das Gesamtkonzept doch sehr viel stärker auf dem Mist der Augustiner, nein, eigentlich auf dem Mist des amtierenden Priors gewachsen zu sein.

Zutreffend ist sicherlich, daß man sofort erkennt, wo Lenssen beteiligt war - und daß das mittlerweile für sehr viele Kirchen der Diözese gilt. Aber so etwas ist für die Diözese der Echter-Türme jetzt auch keine ganz neue Erfahrung. :pfeif:

civilisation
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von civilisation »

Die Künstlerin Irma Kapeller gestaltete den Altarraum neu. Sie griff dabei das alttestamentliche Motiv des Gottes, der da ist auf: in seinem Haus, in der Kirche, in jedem Menschen.
=> http://www.dioezese-linz.at/redaktion/i ... llery_1286

Ein Eindruck:
Bild

Und zu diesem "goldfarbenem Ding" an der Wand wird ausgeführt:
Eine zweite – formale - Bezugnahme auf den heiligen Martin erfolgt mit der aus der Distanz als Scheibe erscheinenden Taufschale, die in der Mittelachse der Apsis als Wandobjekt angebracht ist. Mit der Farbigkeit, dem Gelb-Goldton, verbindet sie die Farbglasfenster, die den Raumeindruck der Apsis dominieren, mit der Zone der Neugestaltung. Das runde Objekt in der zentralen Achse lenkt und sammelt den Blick des Besuchers im Kirchenraum. Zugleich unterstreicht die scheinbar an der Wand schwebende Taufschale als „goldene Mitte“ die Bedeutung der Taufe als Eingangssakrament und Fundament des christlichen Glaubens.
Quelle: Ebd.

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Florianklaus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Florianklaus »

Da haben wir doch schon schlimmeres gesehen. Schade allerdings, daß nicht der Tabernakel an der Stelle der goldenen Scheibe steht.

Kilianus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Kilianus »

Ganz ohne Lokalposse läßt sich so ein Dom natürlich nicht renovieren.

http://www.mainpost.de/regional/franken ... n_ref_map=

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Juergen
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Juergen »

Seraphina hat geschrieben:Das ist doch jetzt wohl ein schlechter Witz?! :panisch:
Ich vermute es handelt sich um das: http://bamberger-dom.de/surf/proxy/alfr ... pdf?a=true
http://bamberger-dom.de/seiten/aktuelles/index.html

gegenüber - Moderne Kunst im Dom
zum 1-jährigen Domjubiläum

Der Titel der Ausstellung "gegenüber" ist zugleich ihr Programm. Den im Dom befindlichen Kunstwerken treten temporär Arbeiten zeitgenössischer internationaler Künstler gegenüber. Dadurch erscheint Altbekanntes in einem neuen Licht, bisher Unverstandenes erhält einen überraschenden Zugang. In den Kunstwerken korrespondieren Vergangenheit und Gegenwart, aber auch das Sichtbare und das Unsichtbare, Himmel und Erde, ja letztlich der Mensch und sein Gott. Denn sie stehen nicht nur für sich selbst, sondern vertreten einen dahinter liegenden Gedanken. Dieser entführt die Betrachter in eine unsichtbare Welt, die mit der unsichtbaren Welt, von der im Credo die Rede ist, identisch ist oder zumindest identisch sein kann.

Die Ausstellung lädt Sie ein sich den tieferen Fragen des Lebens und des Glaubens zu stellen. Und sie will Sie animieren, die Bamberger Kathedrale iim tausendsten Jahr ihres Bestehens noch mehr zu schätzen und den Blick "dem Himmel entgegen" zu richten, wie es das Motto des Bamberger Domjuiläums anbietet.
Es ist also nicht nur moderne Kunst, sondern es kommt auch wieder weg.


http://www.br.de/franken/inhalt/franken ... om128.html
Mehr auch über google: https://www.google.de/search?q=miron+sc ... usus%22%2
Gruß Jürgen

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civilisation
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von civilisation »

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Gallus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Gallus »

Das hier sieht mal nach einer gelungenen moderneren (vermutlich irgendwann in den 192ern gebaut?) Kirche aus:

http://prospesalutis.blogspot.de/212/1 ... onius.html

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Niels
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Niels »

Gallus hat geschrieben:Das hier sieht mal nach einer gelungenen moderneren (vermutlich irgendwann in den 192ern gebaut?) Kirche aus:

http://prospesalutis.blogspot.de/212/1 ... onius.html
Das ist St. Antonius in Basel:

Nolite timere, pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Juergen
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Juergen »

Bisher fehlt das nötige Geld für die "Tür" aber es gibt schon ein Photo eines Modells

St. Georg, Paderborn
http://www.pvpaderbornwest.de/georg_gedenktafel.htm

Gedenkort Tauf- und Totengedächtnis für die Pfarrkirche St. Georg


…Der Gedenkort will sichtbar machen, was sich ereignet hat:
wer als Neugetaufter in unsere Gemeinde aufgenommen wurde;
wer aus unserer Gemeinde verstorben ist;…

…Wie wird das deutlich?
Zwei „Türen“ aus großen Wachsplatten werden in den Nischen der Querachse in Höhe des Taufbeckens aufgestellt. Die eine Tür symbolisiert unsere Taufe als Eingang in die Gemeinschaft der Christen, die zweite den Tod als Übergang vom irdischen Leben in das himmlische.

Die Namen der Getauften und Verstorbenen werden in die Wachsplatten hinein geritzt, um sie als geliebte Kinder Gottes zu benennen.…


größer: http://www.pvpaderbornwest.de/data/imag ... dell1.jpg


Bild
Gruß Jürgen

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civilisation
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von civilisation »

Am vergangenen Sonntag hat EB Marx den neuen Altar in der Pfarrkirche zu Feldkirchen geweiht. Einen neuen Ambo gab's auch.




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Maurus
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Maurus »

Nachdem man die Stufen schon abgeschafft hat, versucht man jetzt offenbar auch noch, die Mensa immer tiefer zu setzen. Das ist mir jetzt schon ein paar Mal aufgefallen. Sozusagen eine eingebaute Verneigung, aber auf Dauer drohen dem Zelebranten chronische Rückenschmerzen.

HeGe
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von HeGe »

Man denkt da vermutlich nur in die Zukunft. Wenn dann endlich Frauen zu Priestern geweiht werden, wären die Altäre ja sonst zu hoch. :roll:
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Juergen
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Juergen »

Wenn die gestaltete Mitte im Stuhlkreis zu hoch ist, sieht man das Gegenüber ja nicht mehr. :ikb_1eye:
Gruß Jürgen

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Louisxiv
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Louisxiv »

Hier sind sehr viele und bezeichnende Beispiele für den Verfall der Kunst.

Ich weiß das die meisten Neugestaltungen auf das Kunstbewustsein Wenigen zurück zuführen ist. Heute ist es nicht mehr gewünscht das Experten die überdurchschnittlich gut eine Gestaltung kreieren können engagiert werden. Das Material ist oft Billig, oder Teuer, doch werden die Ausstattungen immer Status orientiert an der Zeit in der wir leben und der ist nunmal entmenschlicht. Es erscheint doch klar dass hier eher eine Provokation ausgelöst werden soll, wie dass man sich daran erfreut. Die heutige Gestaltung lässt den Gläubigen nach der Symbolik und Verbindung suchen, sie jedoch nicht aufnehmen. In solchen Kirchen verweilen nur selten welche wie ich bemerkt habe und es tut auch dem wohlwollen bei Gottesdiensten nicht gut, da es wie ein Seminarraum und nicht ein Altar des Gedenkens wirkt.

civilisation
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von civilisation »

Nachtrag zum Eichenaltar und -ambo in Feldkirchen. Im Artikel des "Traunsteiner Tagblatts" steht unter einem Bild des "Künstlers":
Werner Mally hat Ambo und Altar erschaffen.
:erschrocken:

Wenzel
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Wenzel »

civilisation hat geschrieben:Nachtrag zum Eichenaltar und -ambo in Feldkirchen. Im Artikel des "Traunsteiner Tagblatts" steht unter einem Bild des "Künstlers":
Werner Mally hat Ambo und Altar erschaffen.
:erschrocken:

... und er sah, daß es sich bei Ikea nicht anbieten ließ, so verkaufte er es der katholischen Kirche :tuete:
Pange, lingua, gloriosi corporis mysterium (Thomas von Aquin)
Westliche Wertegemeinschaft: Kinder- und Alten-Euthanasie, Genderwahn, Homoterror, Abtreibung, Ökowahn, Überwachungsmonströsität, political correctness ....

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Juergen
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Juergen »

http://www.kirchenschwinden.de/2012/11/ ... rt-am.html

Am 1. Dezember wird die evangelische Gutleutkirche in Frankfurt am Main mit einem Gottesdienst entwidmet. Es handelt sich um eine jener 25 Kirchen, die Wilhelm Opatz in dem von ihm herausgegebenen Bildband portraitiert hat…

Bild
Zwei weitere Photos im verlinkten Artikel
Gruß Jürgen

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Grammi
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Grammi »

Das eigentlich tragische am modernen Kirchenbau ist, zumindest meiner Meinung nach, dass wir uns entgegengesetzt unserer Möglichkeiten und Bedürfnisse bewegen.

Wer z.B. die gotischen Dome betrachtet, der sieht die Grenzen der damaligen Statik, bzw. das ein oder andere Mal auch die Überschreitung dieser Grenzen (z.B. hier http://de.wikipedia.org/wiki/Kathedrale_von_Beauvais). Der Kirchenbau war schlicht das Beste, was die Menschen zu leisten vermochten, und aus den teils mehrfachen Versuchen, einen neuen Rekord zu erreichen, kann man ableiten, dass es auch an Mut und Ausdauer, vielleicht auch an Rücksichtslosigkeit nicht gefehlt hat.

Die Bauten des Barock (ganz besonders des Spätbarock in Spanien und Portugal sowie den angehörigen Kolonien) gehen an eine andere Grenze: Wie viel ebene Wandfläche brauch ich eigentlich? Geht nicht auch nur Dekor und Verzierung? Die Ergebnise sind bekannt (z.B. die Kartause von Granada) und zeigen deutlich, dass man an eine Grenze gestoßen ist, die man nicht überwinden kann.

Stellen wir uns kurz vor, welche Möglichkeiten die Bistümer im deutschsprachigen Gebiet haben. Es will mir doch niemand erzählen, dass das, was heute gebaut wird, in irgendeiner Art und Weise die Grenze dessen, was geht, darstellt (es sei denn, man sieht die Vertreibung der Gläubigen und die Entweihung des sakralen als legitimes Ziel, dann sind wir nahe an der Perfektion)

Den wahren Kunststil zeichnet immer eine Richtung, und damit überhaupt erst die Möglichkeit einer Steigerung, eines Maximums und schließlich der Übersteigerung aus, aber immer vor dem Hintergrund einer, für die damaligen Zeit, vernünftigen theologischen Grundlage für die jeweilige Ausrichtung. Man hat ja nicht einfach so beschlossen: "Lasst uns Kirchen bauen, die wie Burgen aussehen (Romanik). - Ach, jetzt hab ich keine Lust mehr auf stabile Mauern und kleine Fenster, bauen wir mal so hoch und leicht wie nur möglich (Gotik).

Jeder Baustil hat eine Begründung, aus der damaligen Lebenssituation der Menschen heraus gibt er das, was die Menschen wollen, ja vor allem, was sie brauchen. Wenn ich mir also große Teile des heutigen Kirchenbaus anschaue, dann würde ich mal sagen, dass wir uns immer noch im Bunker-Stil bewegen. Nackte Mauern, kleine Fenster (wenn überhaupt), Stahl und Beton.

Ich bin kein Theologe, oder auch nur ein Kenner der Materie, und kann daher nicht sagen, was das derzeit überragende Leitbild in der Diskussion ist. Aber von der Betrachtung der Menschen kann ich eines sagen: Die Leute wollen keine "Provokation", keine "Auseinandersetzung", das gibts im täglichen Leben genug. Nein, sie wollen, dass der sakrale Bau einen Kontrapunkt darstellt. In Mitten des chaotischen, aus den Fugen geratenen Lebens suchen sie nach einem unverrückbaren Mittelpunkt, nach einem Bau, der den Satz "Stat crux dum volvitur orbis" Wirklichkeit werden lässt.

Übrigens ist die Idee "Kontrapunkt zur täglichen Existenz" keine neue Idee, tatsächlich war das das bestimmende Leitmotiv aller Zeiten:

-Das Leben ist unsicher, Überfälle, Tod und Zerstörung aller Orten, man sehnt sich nach Sicherheit <-> Kirchen, die Schutz bieten (Romanik)
-Das Leben ist dunkel, kurz und ohne Glanz und Farbe, man wird niedergedrückt von allerlei Plagen <-> in den Himmel strebende, helle, bunte Kirchen (Gotik)

So lässt sich das beliebig mit jedem einzelnen Baustil fortsetzen.

Ich sage: es gibt für Deutschland keinen passenden einheitlichen Baustil, denn das, was das Unverrückbare symbolisiert, ist in jeder Gegend etwas anderes. Für Altbaiern würde ich den Barock identifizieren, für Norddeutschland die Backsteingotik. Das sind Baustile, die an "die gute alte Zeit" anknöpfen, die zeigen, dass das einzelne Leben vergänglich, doch der Glaube unverrückbar ist.

Wir haben heute ungeahnte finanzielle , technische und handwerkliche Fähigkeiten (wenn ich mir anschaue, was mein Vater kann, dann braucht niemand was von der Degenerierung der Handwerkskunst verzählen :blinker: )

Anstatt diese Mittel gegen die Bedürfnisse der Menschen einzusetzen, sollten die Verantwortlichen überlegen, was die Leute brauchen, und den Leuten das geben.

Gruß
Grammi

civilisation
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von civilisation »

Die Pfarrkirche St. Paulus in Lauffen hat einen neuen Altar bekommen.

Vorher:


Bei der Altarweihe (besseres Foto wird noch gesucht):
Bild

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Niels
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Niels »

Familie Feuerstein würde das "Ensemble" gefallen: http://www.kath-kirche-kaernten.at/pfar ... of_schwarz

Bild

Dazu pseudoelaboriertes und pastoralbingomäßiges Blabla:
Im Zuge dessen entschloss man sich darüber hinaus, dem historisch wertvollen Kirchenraum eine künstlerisch hochwertige Altarraumgestaltung zu implementieren. Für die künstlerische Gestaltung konnte der in Klagenfurt geborene, hauptsächlich in St. Margarethen lebende und international tätige Künstler Pepo Pichler gewonnen werden, der der Pfarre sein Werk stiftete.
Altar und Ambo sind aus demselben Stein wie der historische Boden (Lavanttaler Gneis) und scheinen aus diesem gleichsam herauszuwachsen. Sie bilden die Mitte der liturgischen Versammlung. Dahinter ist der neue Vorstehersitz verortet.
Das neue Vortragekreuz, die Kerzenleuchter und der Osterkerzenhalter stammen von Meister Guido Kapsch. Besondere Erwähnung verdient zudem die neu adaptierte Taufkapelle, deren Taufstein in der Mitte schon vor etwa einem halben Jahrhundert für die Kirche geschaffen wurde und bisher nicht in Verwendung war. In theologischer Korrespondenz steht der Taufort mit dem neuen Beichtstuhl, der ebenfalls in der Taufkapelle installiert wurde und das Werk von Meister Edwin Schulnig ist. In Zusammenarbeit mit den diözesanen Einrichtungen (Bauabteilung und Kunstkonservator), dem Bundesdenkmalamt und nicht zuletzt mit den bildenden Künstlern wurde hier bewusst darauf geachtet, sich gemeinsam mit der Pfarrgemeinde einem Prozess zu stellen, der den Geist der Liturgie durch eine mystagogische Erschließung vertieft und den Dialog mit zeitgenössischen Kulturschaffenden sucht.
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Niels »

"Die Neersener haben ihre Kirche wieder": http://www.rp-online.de/niederrhein-sue ... -1.311717


Mehr als 4 Gläubige waren am Samstag nach Neersen gekommen, um der Weiheliturgie für die neue Pfarrkirche in Neersen mit Weihbischof Bündgens beizuwohnen. Sie ist in einem Teil des bisherigen Kirchengebäudes untergebracht. (...)
Viele von ihnen waren sich einig: "Sehr schön", "total einladend", "modern und aufgelockert" oder "sehr gute Gestaltung" war bei der Kirchweihe in St. Maria Neersen immer wieder zu hören. (...)
Auffallend war der kleine Altar aus blauem Gestein, den der Steinmetz aus dem wuchtigen alten Altar herausgeschnitten hatte. Im Halbkreis darum versammelten sich die Besucher, die die feierliche Handlung erlebten. (...)
Eine seltsame "Stola" tragen die ministrierenden Mädchen. :hmm:
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Sebastian
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Sebastian »

Niels hat geschrieben:"Die Neersener haben ihre Kirche wieder": http://www.rp-online.de/niederrhein-sue ... -1.311717


Mehr als 4 Gläubige waren am Samstag nach Neersen gekommen, um der Weiheliturgie für die neue Pfarrkirche in Neersen mit Weihbischof Bündgens beizuwohnen. Sie ist in einem Teil des bisherigen Kirchengebäudes untergebracht. (...)
Viele von ihnen waren sich einig: "Sehr schön", "total einladend", "modern und aufgelockert" oder "sehr gute Gestaltung" war bei der Kirchweihe in St. Maria Neersen immer wieder zu hören. (...)
Auffallend war der kleine Altar aus blauem Gestein, den der Steinmetz aus dem wuchtigen alten Altar herausgeschnitten hatte. Im Halbkreis darum versammelten sich die Besucher, die die feierliche Handlung erlebten. (...)
Eine seltsame "Stola" tragen die ministrierenden Mädchen. :hmm:
Hatten wir diese Stolen nicht woanders schon bemerkt? Da hatten die Ministrantinnen sogar in Form und Anbringung unterschiedliche Stolen, wenn ich mich recht entsinne...
"Selig sind die, die nicht gesehen und doch geglaubt haben" (Joh. 20,31)

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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Niels »

Ich erinnere mich dunkel. Waren die Bilder nicht aus einer "etwas anderen" Gemeinde in Aschaffenburg?
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Sebastian
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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Sebastian »

Weiß ich leider nicht, aber ich erinnere mich, dass damals die Diskussion im Kreuzgang über jene Ministrantinnen bei +net reflektiert wurde, wobei dort auch KG-Usernamen genannt wurden.
"Selig sind die, die nicht gesehen und doch geglaubt haben" (Joh. 20,31)

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Re: Moderne Kirchenarchitektur III

Beitrag von Gustel »

Ganz richtig, Niels, auch bei Aschaffenburg werden solche bunten Farbstreifen angeheftet.

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