So wie es früher war!

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marcus-cgn
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So wie es früher war!

Beitrag von marcus-cgn »

Wenn man die Threads im Forum betrachtet stellt man eine gewisse Unzufriedenheit mit dem Novus Ordo allgemein, zumindest aber mit verschiedenen liturgischen Spielereien fest. Daneben erfreuen sich Messe nach dem traditionellen Ritus großer Beliebtheit. Da ich selber zu einer Zeit geboren wurde, als die Liturgiereform schon lange in Kraft war kenne ich die vorkonzilare Tradition nur von Erzählungen her. Die Erinnerungen sind recht unterschiedlich, was ich bisher gehört habe scheint die liturgische Wirklichkeit der Jahre 1945 bis 1965 in Deutschland wenig gemein zu haben mit dem Anspruch den traditionsverbunde Kreise heute stellen. Mich würde einmal interessieren, was andere aus eigener Erfahrung oder aus Erzählungen über die damalige gottesdienstliche Praxis wissen.

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Moser
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Moser »

marcus-cgn hat geschrieben:Die Erinnerungen sind recht unterschiedlich, was ich bisher gehört habe scheint die liturgische Wirklichkeit der Jahre 1945 bis 1965 in Deutschland wenig gemein zu haben mit dem Anspruch den traditionsverbunde Kreise heute stellen. Mich würde einmal interessieren, was andere aus eigener Erfahrung oder aus Erzählungen über die damalige gottesdienstliche Praxis wissen.
Das ist ja allgemein zu beobachten, dass viele Ältere, die die Zeit vor der Liturgiereform noch erlebt haben, mit totalem Unverständnis auf die "Renaissance" der "alten Messe" reagieren nach dem Motto: "Wir waren froh, dass es weg war, und ihr führt es wieder ein?"

Die Gründe hierfür kenne ich natürlich auch nicht. Wobei ich glaube dass die Einführung der Volkssprache ein wichtiges Element war, wonach sich viele wirklich gesehnt haben.

Wobei es natürlich auch Ältere gibt, die sich nach dem alten Ritus zurücksehnen und diesen besser fanden. Bei meinem Opa (väterlicherseits) war das z.B. so - wohingegen meine Oma (mütterlicherseits) den NOM bevorzugt.

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marcus-cgn
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von marcus-cgn »

Die Messe nur in Latein?

Ich wollte dazu eigentlich ein Beispiel geben, aber der Beitrag wurde gestern aus irgendwelchen Gründen nicht angenommen.

Beispiel: Die lateinische Sprache in der Liturgie.

Nach meinen Informationen, war etwa zwischen 1945 bis 1965 die beherrschende Sprache in der Liturgie in Deutschland zumindest Deutsch.

Es gab freilich einige feste Formeln die jeder auf Latein konnte
- Kreuzzeichen
- Der Herr sei mit Euch
- Die Wandlungsworte
- Der Schlusssegen

Meist wurde das Latein aber durch deutschsprachige Elemente überlagert oder ersetzt:
Durch Gesänge etwa das Stufengebet, Gloria, Credo oder das Schlussevangelium.
Zum Kanon gab es ein deutschsprachiges Wechselgebet. Lesung und Evangelium wurden - auch vom Priester - meist auf Deutsch vorgetragen.

Wechselnde Texte die ausschließlich auf Latein gesprochen wurden waren eigentlich nur das Tages- und Schlussgebet.

An Werktagen mag das anders ausgesehen haben, aber an Sonntagen hatte sich die deutsche Bet- und Singmesse durchgesetzt.

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marcus-cgn
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von marcus-cgn »

Das eucharistische Fasten in der Praxis

Meine Mutter meint sich zu erinnern, dass an den Sonntagen die Anzahl der Kommunikanten nicht viel geringer war als heute. Es seien die meisten Gottesdienstbesucher zur Kommunionbank gegangen, auch wenn sie vorher gefrühstückt hätten. Die Nüchternheitsbestimmungen seien zwar zur Erstkommunion eingehalten worden, aber sonst in der Praxis nicht genau befolgt worden.
Das steht ein bißchen im Widerspruch zu den Erinnerungen eines Priesters, der sich noch an Messen erinnert, wo aus der Gemeinde keiner zur Kommunion gegangen sei.
Welche Erinnerungen gibt es dazu noch?

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marcus-cgn
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von marcus-cgn »

Das regelmäßige Seelenamt an den Werktagen

Ein Priester bemängelt, dass sich früher praktisch das Kirchenjahr an den Werktagen kaum entfalten konnte, weil ein Messstipendium meist dazu geführt habe, dass an den Werktagen immer ein Seelenamt mit der entsprechenden Messe gehalten wurde. Ein regelmäßiger Kirchenbesucher hätte an fast allen Tagen immer Apg 14,3 und Joh 6,51-55 zu hören bekommen. Es geht nicht darum was dazu in den Rubriken steht, sondern wie sie damals ausgelegt wurden. Kann sich noch eine erinnern?

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Protasius
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Protasius »

marcus-cgn hat geschrieben:Die Messe nur in Latein?

Ich wollte dazu eigentlich ein Beispiel geben, aber der Beitrag wurde gestern aus irgendwelchen Gründen nicht angenommen.

Beispiel: Die lateinische Sprache in der Liturgie.

Nach meinen Informationen, war etwa zwischen 1945 bis 1965 die beherrschende Sprache in der Liturgie in Deutschland zumindest Deutsch.

Es gab freilich einige feste Formeln die jeder auf Latein konnte
- Kreuzzeichen
- Der Herr sei mit Euch
- Die Wandlungsworte
- Der Schlusssegen

Meist wurde das Latein aber durch deutschsprachige Elemente überlagert oder ersetzt:
Durch Gesänge etwa das Stufengebet, Gloria, Credo oder das Schlussevangelium.
Zum Kanon gab es ein deutschsprachiges Wechselgebet. Lesung und Evangelium wurden - auch vom Priester - meist auf Deutsch vorgetragen.

Wechselnde Texte die ausschließlich auf Latein gesprochen wurden waren eigentlich nur das Tages- und Schlussgebet.

An Werktagen mag das anders ausgesehen haben, aber an Sonntagen hatte sich die deutsche Bet- und Singmesse durchgesetzt.
Lesung und Evangelium hatte der Priester vor Summorum pontificum immer in Latein vorzutragen; allerdings ist es sogar bei der FSSPX üblich, daß die Epistel laut auf Deutsch vorgetragen wird, während sie der Priester leise spricht. Andererseits ist es mir aber bislang nur ein einziges Mal passiert, daß die Lesungen nicht vor der Predigt (bzw. vor der Opferung) auf Deutsch vorgetragen wurden; daß es früher anders war, kann ich mir nicht vorstellen, deshalb vermute ich auch für früher Epistel leise auf Latein und laut auf Deutsch, Evangelium laut auf Latein und nachher auf Deutsch.

Daß Choralämter bei weitem nicht so häufig waren wie heute, ist allerdings durchaus bekannt. In Deutschland hatten wir ja auch ein entsprechendes Privileg, daß Volksgesang auch im gesungenen Amt erlaubte (Ausnahme: Konventamt in Klöstern, das Hochamt in Seminarien und Levitenämter). Der Teil der liturgischen Bewegung, der dem Volk das gregorianischen Choralordinarium wieder nahe bringen wollte, war ja leider nicht sehr erfolgreich (auch nach dem Zweiten Vatikanum, das den Choral so gelobt hat wie kein Konzil zuvor).

Nachtrag: Man hat mir diesen Freitagabend erzählt, Johannes XXIII. habe Deutschland das Privileg verliehen, die Lesung und das Evangelium direkt auf deutsch zu verlesen, konnte das aber noch nicht nachprüfen.
Zuletzt geändert von Protasius am Samstag 6. Oktober 2012, 03:07, insgesamt 1-mal geändert.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

Bruder Petrus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Bruder Petrus »

Sehr interessanter Thread, werde meine Großmutter mütterlicherseits nächstes mal auch befragen, die väterlicherseits ist streng protestantisch.... ;D

Mary
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Mary »

marcus-cgn hat geschrieben:Das eucharistische Fasten in der Praxis

Meine Mutter meint sich zu erinnern, dass an den Sonntagen die Anzahl der Kommunikanten nicht viel geringer war als heute. Es seien die meisten Gottesdienstbesucher zur Kommunionbank gegangen, auch wenn sie vorher gefrühstückt hätten. Die Nüchternheitsbestimmungen seien zwar zur Erstkommunion eingehalten worden, aber sonst in der Praxis nicht genau befolgt worden.
Das steht ein bißchen im Widerspruch zu den Erinnerungen eines Priesters, der sich noch an Messen erinnert, wo aus der Gemeinde keiner zur Kommunion gegangen sei.
Welche Erinnerungen gibt es dazu noch?
Ich erinnere mich, dass man ohne Beichte nicht zur Kommunion ging... und das war dann "naturgemäss" nur so alle Monate, bei vielen auch nur die obligatorische Kommunion in der Zeit vor Ostern oder an Ostern. Das war auch lange nach Einführung des NOM noch so.

Geblieben ist mir die Aufbruchsstimmung, die allgemeine Freude darüber, dass endlich "frischer Wind wehte" (ich war 1965 8 Jahre alt)

Zwei "Negativmeinungen" sind mir in Erinnerung zum NOM:
- von einem Priester, der fand, er könne sich nicht dran gewöhnen, dass ihm jeder in den Kelch schauen könne... es fühle sich ein wenig an wie beim Hamburgerstand...
- und von einer alten Frau, die verzweifelt meinte, die neue Messe störe sie ihn ihren privaten Andacht :-)

Wohlgemerkt... auch im NOM sass man in meiner Gemeinde noch nach Männlein und Weiblein getrennt und die Kinder in den vorderen Reihen... es gab eine Kommunionbank, an der die Kommunion kniend empfangen wurde, in den Mund und mit Patene, die man untereinander weitergab.

Lg Mary
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Niels
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Niels »

Bruder Petrus hat geschrieben:Sehr interessanter Thread, werde meine Großmutter mütterlicherseits nächstes mal auch befragen, die väterlicherseits ist streng protestantisch.... ;D
Gute Idee. Bin gespannt. :daumen-rauf:
Nolite timere, pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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phylax
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von phylax »

Meine Erinnerung an die Zeit vor 1964: Eine Messe am WE wurde als Hochamt gehalten, in dem die Gebete (Proprium) , die Präfation und das Vater unser lateinisch gesungen wurden. Dazu feierlicher Rahmen mit mehreren Messdienern, Weihrauch. Stufengebet, Evangelium, Wandlung betete der Prieser still bzw. halblaut auf Latein.
Deutsch waren die Lesungen (Dt. Evangelium nach lat. Version.) Der Priester legte vor der Predigt die Kasel ab und stieg mit Albe und Stola bekleidet auf di KAnzel. Das Ordinarium wurde vom Priester still lateinisch gebetet, die . Gemeinde sang meist deutsche GEsänge (je nach Bistum auch der Gregorianik nachempfuden : Rohr etc.)
Das Nüchternheitsgebot wurde eingehalten. Vor allem Ältere kommunizierten oft nur nach der Beichte, oft nur zur Osterzeit. Den Kommunikanten wurde häufige Beichte und Kommunion nahegelegt.
Von Gott kommt mir ein Freudenschein,/ wenn Du mich mit den Augen Dein/ gar freundlich tust anblicken

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Protasius
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Protasius »

phylax hat geschrieben:Meine Erinnerung an die Zeit vor 1964: Eine Messe am WE wurde als Hochamt gehalten, in dem die Gebete (Proprium) , die Präfation und das Vater unser lateinisch gesungen wurden. Dazu feierlicher Rahmen mit mehreren Messdienern, Weihrauch. Stufengebet, Evangelium, Wandlung betete der Prieser still bzw. halblaut auf Latein.
Deutsch waren die Lesungen (Dt. Evangelium nach lat. Version.) Der Priester legte vor der Predigt die Kasel ab und stieg mit Albe und Stola bekleidet auf di KAnzel. Das Ordinarium wurde vom Priester still lateinisch gebetet, die . Gemeinde sang meist deutsche GEsänge (je nach Bistum auch der Gregorianik nachempfuden : Rohr etc.)
Das Nüchternheitsgebot wurde eingehalten. Vor allem Ältere kommunizierten oft nur nach der Beichte, oft nur zur Osterzeit. Den Kommunikanten wurde häufige Beichte und Kommunion nahegelegt.
:hae?: Was denn jetzt, Choralhochamt oder Betsingmesse?
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Maurus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Maurus »

Protasius hat geschrieben:
phylax hat geschrieben:Meine Erinnerung an die Zeit vor 1964: Eine Messe am WE wurde als Hochamt gehalten, in dem die Gebete (Proprium) , die Präfation und das Vater unser lateinisch gesungen wurden. Dazu feierlicher Rahmen mit mehreren Messdienern, Weihrauch. Stufengebet, Evangelium, Wandlung betete der Prieser still bzw. halblaut auf Latein.
Deutsch waren die Lesungen (Dt. Evangelium nach lat. Version.) Der Priester legte vor der Predigt die Kasel ab und stieg mit Albe und Stola bekleidet auf di KAnzel. Das Ordinarium wurde vom Priester still lateinisch gebetet, die . Gemeinde sang meist deutsche GEsänge (je nach Bistum auch der Gregorianik nachempfuden : Rohr etc.)
Das Nüchternheitsgebot wurde eingehalten. Vor allem Ältere kommunizierten oft nur nach der Beichte, oft nur zur Osterzeit. Den Kommunikanten wurde häufige Beichte und Kommunion nahegelegt.
:hae?: Was denn jetzt, Choralhochamt oder Betsingmesse?
Ich frage mich, ob die Formen der Zelebration immer so eindeutig unterscheidbar waren. Weihrauch zB war laut Hartmann (1898) nur im levitierten Amt vorgesehen (S. 407). In kleineren Pfarreien hättes es demnach nie Weihrauch gegeben, weil es dort nicht genügend Kleriker gab (Pfarrer + 2 Kapläne hätten es ja mindestens sein müssen). Ob das wirklich so eingehalten wurde? Oder ist das später noch revidiert worden?

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Protasius
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Protasius »

Weihrauch in der missa cantata ist in Deutschland gemäß Brauch aus unvordenklichen Zeiten immer erlaubt gewesen, mit den neuen Rubricae generales von 1962 wurde das weltweit erlaubt. Und da (wenigstens bis zum Zweiten Weltkrieg, s.o.) die Alternative entweder Choralamt oder Betsingmesse war, volkssprachlicher Gesang im Hochamt nicht mal erlaubt war, kann man das schon sehr gut unterscheiden.
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Florianklaus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Florianklaus »

Protasius hat geschrieben:Weihrauch in der missa cantata ist in Deutschland gemäß Brauch aus unvordenklichen Zeiten immer erlaubt gewesen, mit den neuen Rubricae generales von 1962 wurde das weltweit erlaubt. Und da (wenigstens bis zum Zweiten Weltkrieg, s.o.) die Alternative entweder Choralamt oder Betsingmesse war, volkssprachlicher Gesang im Hochamt nicht mal erlaubt war, kann man das schon sehr gut unterscheiden.
Galt das mit dem Weihrauch nur für Deutschland, oder auch für andere europäische Länder?

Fridericus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Fridericus »

Florianklaus hat geschrieben:
Protasius hat geschrieben:Weihrauch in der missa cantata ist in Deutschland gemäß Brauch aus unvordenklichen Zeiten immer erlaubt gewesen, mit den neuen Rubricae generales von 1962 wurde das weltweit erlaubt. Und da (wenigstens bis zum Zweiten Weltkrieg, s.o.) die Alternative entweder Choralamt oder Betsingmesse war, volkssprachlicher Gesang im Hochamt nicht mal erlaubt war, kann man das schon sehr gut unterscheiden.
Galt das mit dem Weihrauch nur für Deutschland, oder auch für andere europäische Länder?
Wenn ich mich recht erinnere auch für andere Länder. Quelle habe ich jetzt leider keine zur Hand, müsste wohl etwas länger suchen.

iustus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von iustus »

Protasius hat geschrieben:Weihrauch in der missa cantata ist in Deutschland gemäß Brauch aus unvordenklichen Zeiten immer erlaubt gewesen, mit den neuen Rubricae generales von 1962 wurde das weltweit erlaubt.
Wo steht das denn in den Rubriken von 1962?
„Was den Gegenstand des Glaubens betrifft, hat sich das Konzil nichts Neues ausgedacht, noch hat es Altes ersetzen wollen." (Papst Benedikt XVI.)

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Gamaliel
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Gamaliel »

Florianklaus hat geschrieben:
Protasius hat geschrieben:Weihrauch in der missa cantata ist in Deutschland gemäß Brauch aus unvordenklichen Zeiten immer erlaubt gewesen, mit den neuen Rubricae generales von 1962 wurde das weltweit erlaubt. Und da (wenigstens bis zum Zweiten Weltkrieg, s.o.) die Alternative entweder Choralamt oder Betsingmesse war, volkssprachlicher Gesang im Hochamt nicht mal erlaubt war, kann man das schon sehr gut unterscheiden.
Galt das mit dem Weihrauch nur für Deutschland, oder auch für andere europäische Länder?
Das galt auch in anderen Diözesen (z.B. in Frankreich oder Nordamerika), teils aufgrund eines päpstlichen Indults und teils aufgrund tolerierter Gewohnheit.

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Gamaliel
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Gamaliel »

iustus hat geschrieben:
Protasius hat geschrieben:Weihrauch in der missa cantata ist in Deutschland gemäß Brauch aus unvordenklichen Zeiten immer erlaubt gewesen, mit den neuen Rubricae generales von 1962 wurde das weltweit erlaubt.
Wo steht das denn in den Rubriken von 1962?
RUBRICAE GENERALES MISSALIS, VIII – De diversis Missae partibus hat geschrieben:426. Incensationes quae in Missa solemni fieri debent, fieri possunt etiam in omnibus Missis cantatis.

iustus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von iustus »

:daumen-rauf: Danke!

Für die nicht des lateinischen Mächtigen unter uns: Heißt das: Im feierlichen Hochamt muss, in allen gesungenen Ämtern kann Weihrauch verwendet werden?
„Was den Gegenstand des Glaubens betrifft, hat sich das Konzil nichts Neues ausgedacht, noch hat es Altes ersetzen wollen." (Papst Benedikt XVI.)

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Protasius
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Protasius »

iustus hat geschrieben:
Protasius hat geschrieben:Weihrauch in der missa cantata ist in Deutschland gemäß Brauch aus unvordenklichen Zeiten immer erlaubt gewesen, mit den neuen Rubricae generales von 1962 wurde das weltweit erlaubt.
Wo steht das denn in den Rubriken von 1962?
RG 426: Incensationes quae in Missa solemni fieri debent, fieri possum etiam in omnibus Missis cantatis.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Maurus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Maurus »

Protasius hat geschrieben:Weihrauch in der missa cantata ist in Deutschland gemäß Brauch aus unvordenklichen Zeiten immer erlaubt gewesen, mit den neuen Rubricae generales von 1962 wurde das weltweit erlaubt. Und da (wenigstens bis zum Zweiten Weltkrieg, s.o.) die Alternative entweder Choralamt oder Betsingmesse war, volkssprachlicher Gesang im Hochamt nicht mal erlaubt war, kann man das schon sehr gut unterscheiden.
Dann frage ich mich allerdings, wieso das nicht im Hartmann steht. Das ist doch der Sinn dieses Buches gewesen, derartiges zu erklären, oder nicht?

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Gamaliel
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Gamaliel »

Maurus hat geschrieben:
Protasius hat geschrieben:Weihrauch in der missa cantata ist in Deutschland gemäß Brauch aus unvordenklichen Zeiten immer erlaubt gewesen, mit den neuen Rubricae generales von 1962 wurde das weltweit erlaubt. Und da (wenigstens bis zum Zweiten Weltkrieg, s.o.) die Alternative entweder Choralamt oder Betsingmesse war, volkssprachlicher Gesang im Hochamt nicht mal erlaubt war, kann man das schon sehr gut unterscheiden.
Dann frage ich mich allerdings, wieso das nicht im Hartmann steht. Das ist doch der Sinn dieses Buches gewesen, derartiges zu erklären, oder nicht?
Schau einfach mal im Abschnitt "Ritus der Ämter ohne Leviten" (§169) beim Thema "A. Ritus eines Amtes ohne Aussetzung" nach, dort wirst Du gleich im 2. Absatz fündig (Seite 397). Hartmann weist extra auf bestehende Ausnahmen hin, (ohne allerdings im Einzelnen anzugeben, was nun in welcher Diözese exakt gestattet ist).

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Maurus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Maurus »

Gamaliel hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:
Protasius hat geschrieben:Weihrauch in der missa cantata ist in Deutschland gemäß Brauch aus unvordenklichen Zeiten immer erlaubt gewesen, mit den neuen Rubricae generales von 1962 wurde das weltweit erlaubt. Und da (wenigstens bis zum Zweiten Weltkrieg, s.o.) die Alternative entweder Choralamt oder Betsingmesse war, volkssprachlicher Gesang im Hochamt nicht mal erlaubt war, kann man das schon sehr gut unterscheiden.
Dann frage ich mich allerdings, wieso das nicht im Hartmann steht. Das ist doch der Sinn dieses Buches gewesen, derartiges zu erklären, oder nicht?
Schau einfach mal im Abschnitt "Ritus der Ämter ohne Leviten" (§169) beim Thema "A. Ritus eines Amtes ohne Aussetzung" nach, dort wirst Du gleich im 2. Absatz fündig (Seite 397). Hartmann weist extra auf bestehende Ausnahmen hin, (ohne allerdings im Einzelnen anzugeben, was nun in welcher Diözese exakt gestattet ist).
Ok, danke.

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marcus-cgn
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von marcus-cgn »

Mary hat geschrieben:
marcus-cgn hat geschrieben:Das eucharistische Fasten in der Praxis

Meine Mutter meint sich zu erinnern, dass an den Sonntagen die Anzahl der Kommunikanten nicht viel geringer war als heute. Es seien die meisten Gottesdienstbesucher zur Kommunionbank gegangen, auch wenn sie vorher gefrühstückt hätten. Die Nüchternheitsbestimmungen seien zwar zur Erstkommunion eingehalten worden, aber sonst in der Praxis nicht genau befolgt worden.
Das steht ein bißchen im Widerspruch zu den Erinnerungen eines Priesters, der sich noch an Messen erinnert, wo aus der Gemeinde keiner zur Kommunion gegangen sei.
Welche Erinnerungen gibt es dazu noch?
Ich erinnere mich, dass man ohne Beichte nicht zur Kommunion ging... und das war dann "naturgemäss" nur so alle Monate, bei vielen auch nur die obligatorische Kommunion in der Zeit vor Ostern oder an Ostern.

- und von einer alten Frau, die verzweifelt meinte, die neue Messe störe sie ihn ihren privaten Andacht :-)


Lg Mary
Der Punkt mit der Nüchternheit hat mich eigentlich veranlasst diesen Thread zu starten, weil ich die Schilderung meiner Mutter auch nicht ganz nachvollziehen kann, es steht ein wenig gegen alles was man sonst so zu diesem Thema hört. Nun mag es auch einen Unterschied zwischen Stadt und Land gegeben haben. Das dürfte vor allem auch die Beichtpraxis betroffen haben...Selbst meine Großeltern waren wohl eher selten zur Beichte, wohnten auch in der Stadt.

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Re: So wie es früher war!

Beitrag von new »

Also das mit der Nüchternheit wundert mich auch, denn - gut Ausnahmen mag es immer gegeben haben - den Gläubigen wurden die Kommunionbedingungen durch in der Regel aufs Deutlichste bekanntgegeben? Und ... 3 Stunden vor der Kommunion, mithin so 2,5 vor der Hl. Messe ... war und ist doch wohl nicht zuviel verlangt, oder?

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Protasius
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Protasius »

new hat geschrieben:Also das mit der Nüchternheit wundert mich auch, denn - gut Ausnahmen mag es immer gegeben haben - den Gläubigen wurden die Kommunionbedingungen durch in der Regel aufs Deutlichste bekanntgegeben? Und ... 3 Stunden vor der Kommunion, mithin so 2,5 vor der Hl. Messe ... war und ist doch wohl nicht zuviel verlangt, oder?
Das kam aber erst in den 50er-Jahren, als die Abendmesse wieder erlaubt wurden.
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iustus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von iustus »

Protasius hat geschrieben:
iustus hat geschrieben:
Wo steht das denn in den Rubriken von 1962?
RG 426: Incensationes quae in Missa solemni fieri debent, fieri possum etiam in omnibus Missis cantatis.
iustus hat geschrieben: Für die nicht des lateinischen Mächtigen unter uns: Heißt das: Im feierlichen Hochamt muss, in allen gesungenen Ämtern kann Weihrauch verwendet werden?
„Was den Gegenstand des Glaubens betrifft, hat sich das Konzil nichts Neues ausgedacht, noch hat es Altes ersetzen wollen." (Papst Benedikt XVI.)

iustus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von iustus »

Hab jetzt mal meine Eltern befragt:

- Die Gebete des Priesters waren lateinisch (es gab keinen "Vorbeter", der währenddessen auf deutsch vorbetete), das "Herr ich bin nicht würdig" vor der Kommunion war aber auf deutsch.

- Die Lieder waren alle deutsch, in der (Früh- und Kinder-) Messe und auch im Amt, es gab keine Choralschola.

- Kommunionausteilung war im Heimatort meines Vaters nur in Früh- und in der Kindermesse, im Heimatort meiner Mutter auch im Amt.

- Die vorgeschriebene Nüchternheit von drei Stunden wurde strikt eingehalten, zum Frühstück gabs vor der Kindermesse sonntagsmorgens um acht oder halb neun "kein Kaffee und nix".

- Vor der Kommunion musste man auch gebeichtet haben. Es gab Schülerbeichten, wohl einmal im Monat, und der Jahrgang, der gerade mit der Schülerbeichte dran gewesen war, kommunizierte, die anderen nicht.

- Sehr beeindruckend war für beide, dass die Erstkommunion vor einem von den Messdienern gehaltenen weißen Tuch auf den Stufen des Hochaltars gespendet wurde.

- Jungen und Mädchen, Frauen und Männer saßen getrennt.

- Für die Kinder gab es Kinderbänkchen zum Knien im Chorraum.

- Gepredigt wurde von der Kanzel, nur mit Albe und Stola, ohne Messgewand.
Zuletzt geändert von iustus am Montag 8. Oktober 2012, 21:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Juergen
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Juergen »

und nicht zu vergessen: Der Priester schlug böse Buben ohne daß sich jemand darüber aufregte.

(Bevor das Posting gemeldet wird oder sonstwie gemeckert wird: ja, sowas gab es. Mein Onkel hat sich öfter mal sowas eingefangen, wie er erzählte.)
Gruß Jürgen

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holzi
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von holzi »

Juergen hat geschrieben:und nicht zu vergessen: Der Priester schlug böse Buben ohne daß sich jemand darüber aufregte.

(Bevor das Posting gemeldet wird oder sonstwie gemeckert wird: ja, sowas gab es. Mein Onkel hat sich öfter mal sowas eingefangen, wie er erzählte.)
An Ohrfeigen kann ich mich auch noch erinnern. War zwar schon nach der Liturgiereform, aber Hochwürden hatte da eine vorkonziliäre Ader. :D
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Maurus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Maurus »

iustus hat geschrieben:
Protasius hat geschrieben:
iustus hat geschrieben:
Wo steht das denn in den Rubriken von 1962?
RG 426: Incensationes quae in Missa solemni fieri debent, fieri possum etiam in omnibus Missis cantatis.
iustus hat geschrieben: Für die nicht des lateinischen Mächtigen unter uns: Heißt das: Im feierlichen Hochamt muss, in allen gesungenen Ämtern kann Weihrauch verwendet werden?
:ja:

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marcus-cgn
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von marcus-cgn »

Ich habe meine Großmutter (85 Jahre) zu dem Thema befragt. Die Erinnerungen beziehen sich auf ein Dorf im Rheinland, 30er und 40er Jahre.

Es wurde viel gesungen, hauptsächlich deutsch, aber auch lateinisch. Nun, dass überrascht nicht wirklich.

Mit der Frage, in welcher Sprache die Lesungen vorgetragen wurden, war meine Großmutter dann überfordert ("Da fragst du was!"). Auf meine Frage ob sie sich denn noch an die Weihnachtsmesse erinnern könnte und in welcher Sprache die Weihnachtsgeschichte vorgelesen wurde, meinte sie das wäre in deutscher Sprache geschehen. Vorgelesen hätte der Pastor.

Bei der Frage nach der Anzahl der Kommunikanten meinte sie, die wäre sehr hoch gewesen. Als ich dann auf die Nüchternheitsbestimmung zu sprechen kam meinte sie, dass es trotzdem immer viele Leute waren, die zur Kommunionbank gegangen waren.

Mein Fazit
Die Kirche hat ja ab Pius X. zunehmend auf die öftere Kommunion gedrängt. Ich vermute mal das haben auch die Pfarrer getan, freilich unter Hinweis auf das eucharistische Fasten. Ich vermute mal, dass in vielen Gemeinden der Gang zur Kommunionbank zu einem Gradmesser der Frömmigkeit wurde und das - auch im Hinblick auf die Situation im Dritten Reich - viele nicht Abseits stehen wollte. Ich denke mal, dass vielerorts zu einem Nachahmeeffekt gekommen ist und von manchen die Nüchternheitsbestimmungen ähnlich lax gehandhabt wurde wie heute die Beichte.

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