So wie es früher war!

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marcus-cgn
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von marcus-cgn »

Juergen hat geschrieben:und nicht zu vergessen: Der Priester schlug böse Buben ohne daß sich jemand darüber aufregte.

(Bevor das Posting gemeldet wird oder sonstwie gemeckert wird: ja, sowas gab es. Mein Onkel hat sich öfter mal sowas eingefangen, wie er erzählte.)
Ja, das war so üblich, es gab aber sehr wohl Kritik.

Meine Großmutter konnte sich daran erinnern, dass das Züchtigungsrecht des Pfarrers - bei ihnen im Dorf von der Pfarrhaushälterin ausgeübt - teilweise zu offenem Streit in der Kirche geführt habe. Eine Frau soll dem Pfarrer sogar gedroht haben sie hielte künftig ihre Kinder aus der Kirche wenn dies noch einmal vorkäme.

Mit solchen Drohungen stieß sie auf Zustimmung bei anderen Kirchenbesucher. Mein Großvater hat - Jahre später - bei ähnlichen Vorfällen immer durchblicken lassen, er würde der Haushälterin nicht empfehlen seinen Sohn zu schlagen, sonst gebe es noch in der Messe Krach.

Die weit verbreitete Vorstellung, die Leute seien gegüber der kirchlichen Autorität devot gewesen trifft keinesfalls pauschal zu.

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Peter Ernst
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Peter Ernst »

Ich habe die Ohrfeige vom Pfarrer im Religionsunterricht in den 60iger-Jahren nie vergessen. Immer wenn ich an seinem Grab vobeigehe denke ich immer noch mit einem gewissen Groll daran. Für mich war das einfach entwürdigend.
"Ich hoffe auf das Unverdiente"

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ChrisCross
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von ChrisCross »

Meine Großeltern (gegen Ende des Krieges geboren) haben mir neulich noch erzählt, bei ihnen habe man vor der Kommunion gebeichtet und das wohl sehr regelmäßig. Wenn ich mich recht erinnere am Samstag die Beichte und am folgenden Tag dann eben die Kommunion. Dass die Nüchternheit nicht eingehalten wurde, habe ich nicht mitbekommen, eher hörte sich das genau umgekehrt an.
Zusammengebrochen ist die Praxis wohl recht allgemein mit Konzil und Liturgiereform. Meine Großeltern waren danach jedenfalls nicht mehr allzu sehr an die Kirche gebunden und haben sich zunehmend von ihr entfernt, was zum Teil auch, so berichtet mein Großvater häufiger, damit zusammenhängt, dass die Kirche mit all den Reformen ihre Glaubwürdigkeit bzw ihren Wahrheitsanspruch ad absurdum geführt hat.
Tu excitas, ut laudare te delectet, quia fecisti nos ad te et inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te.
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Bruder Petrus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Bruder Petrus »

Mit etwas Verspätung nun auch noch mein Beitrag, bin leider immer etwas sehr schreibfaul.... :unbeteiligttu:

Also meine Großmutter (aus Schlesien) berichtete sehr begeistert von täglichem Kirchbesuch, wöchentlicher Beichte, eucharistischer Nüchternheit (erste Mahlzeit Sonntags erst nach der Kommunion, Familie alle zusammen gegessen), Rosenkranzgebet und auch viel Latein in der Kirche.... :)

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Juergen
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Juergen »

So wie es früher war

Kirchenbesucherquoten und Kommunionempfänge pro Jahr (Bamberg)

Bild
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
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marcus-cgn
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von marcus-cgn »

Juergen hat geschrieben:So wie es früher war

Kirchenbesucherquoten und Kommunionempfänge pro Jahr (Bamberg)

Bild
Interessante Statistik

Bezieht sich denn die Zahl der Kommunikanten auf die Gesamtzahl der Katholiken oder auf die Gottesdientbesucher? In der oberen Tabelle bei der Osterkommunion scheint das doch in Relation zu den Katholiken zu sein.

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Gamaliel
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Gamaliel »



(Quelle, Seite A 9)

Im Jahr 2011 ist der Wert für die Spalte "Kirchenbesuch in % aller Katholiken" auf 12,3 abgesunken. (Quelle)

Ich schnuppere konziliare Frühlingsluft! :/

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Protasius
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Protasius »

Gamaliel hat geschrieben:Sonntäglicher Kirchenbesuch
Na wenn das mal kein Musterbeispiel für eine monoton abfallende Zeitreihe ist :glubsch:
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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taddeo
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von taddeo »

Gamaliel hat geschrieben:Ich schnuppere konziliare Frühlingsluft! :/
Ja mei, es gibt halt heutzutag viel mehr Pollenallergiker als früher, die im Frühjahr alle lieber daheimbleiben - rein aus Vorsicht, versteht sich ... ;D

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Hubertus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Hubertus »

Gamaliel hat geschrieben:Im Jahr 2011 ist der Wert für die Spalte "Kirchenbesuch in % aller Katholiken" auf 12,3 abgesunken. (Quelle)

Ich schnuppere konziliare Frühlingsluft! :/
Na gut, aber einen "Konzilsknick" weisen die Zahlen nicht auf. "Das Konzil" hat also weder den Rückgang des Meßbesuchs beschleunigt noch aufgehalten.
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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ChrisCross
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von ChrisCross »

Natürlich ist da ein Knick. Vor dem Konzil verliert man ca. 2% in fünf Jahren, während ihm und nach ihm in fünf Jahren an die 5%, bis die zahlen wieder zurückgehen, weil offenbar der harte Kern weigert zu gehen.
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Maurus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Maurus »

ChrisCross hat geschrieben:Natürlich ist da ein Knick. Vor dem Konzil verliert man ca. 2% in fünf Jahren, während ihm und nach ihm in fünf Jahren an die 5%, bis die zahlen wieder zurückgehen, weil offenbar der harte Kern weigert zu gehen.
Kann aber auch ein 68er Knick sein. Besonders signifikant ist er auch nicht.

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Juergen
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Juergen »

Man müßte die Sache vielleicht etwas anders betrachten und nicht auf die absoluten Prozentzahlen gucken, sondern rechnen um wieviel Prozent (ausgehend von den vorherigen Zahlen) die Kirchenbesucherzahlen gesunken sind.

Code: Alles auswählen

1950 – 1954: 52,5 – 51,3 →  -2,3%
1955 – 1959: 50,6 – 48,9 →  -3,4%
1960 – 1964: 48,4 – 45,5 →  -6,0%
1965 – 1969: 44,9 – 39,2 → -12,7% 
1970 – 1974: 37,3 – 32,9 → -11,8%
1975 – 1979: 32,6 – 29,7 →  -8,9%
1980 – 1984: 29,1 – 26,6 →  -8,6%
1985 – 1989: 25,8 – 22,8 → -11,6%
1990 – 1994: 21,9 – 19,2 → -12,3%
1995 – 1999: 18,6 – 16,6 → -10,8%

2000 – 2011: 16,5 – 12,3 → -25,5%
Von 1950 (52,5%) bis 2011 (12,3%) sank die Zahl also um über 75% (76,6).

Monokausal dem Konzil die Schuld zu geben halte ich allerdings auch für falsch.
Gruß Jürgen

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Maurus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Maurus »

Juergen hat geschrieben:Man müßte die Sache vielleicht etwas anders betrachten und nicht auf die absoluten Prozentzahlen gucken, sondern rechnen um wieviel Prozent (ausgehend von den vorherigen Zahlen) die Kirchenbesucherzahlen gesunken sind.

Code: Alles auswählen

1950 – 1954: 52,5 – 51,3 →  -2,3%
1955 – 1959: 50,6 – 48,9 →  -3,4%
1960 – 1964: 48,4 – 45,5 →  -6,0%
1965 – 1969: 44,9 – 39,2 → -12,7% 
1970 – 1974: 37,3 – 32,9 → -11,8%
1975 – 1979: 32,6 – 29,7 →  -8,9%
1980 – 1984: 29,1 – 26,6 →  -8,6%
1985 – 1989: 25,8 – 22,8 → -11,6%
1990 – 1994: 21,9 – 19,2 → -12,3%
1995 – 1999: 18,6 – 16,6 → -10,8%

2000 – 2011: 16,5 – 12,3 → -25,5%
Von 1950 (52,5%) bis 2011 (12,3%) sank die Zahl also um über 75% (76,6).

Monokausal dem Konzil die Schuld zu geben halte ich allerdings auch für falsch.
Das kann man auch an den Zahlen nicht ablesen. Man braucht ja nur eine beliebige andere Hypothese aufstellen, die auch zu den Zahlen passt. Beliebt wäre sicher das Muster, dass den Gläubigen die Veränderungen nicht weit genug gegangen wären, was man heute ja an der Basis gut ablesen könne, etc.

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Juergen
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Juergen »

Je älter die englische Queen wird, umso mehr nehmen die Kirchenbesucherzahlen in Deutschland ab. :hmm:
Gruß Jürgen

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Maurus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Maurus »

Juergen hat geschrieben:Je älter die englische Queen wird, umso mehr nehmen die Kirchenbesucherzahlen in Deutschland ab. :hmm:
:D

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ChrisCross
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von ChrisCross »

Juergen hat geschrieben:Monokausal dem Konzil die Schuld zu geben halte ich allerdings auch für falsch.
Das hielte ich auch für verfehlt, nur sieht man eben an deiner Rechung, die ich übrigens für einen sinnvollen Ansatz halte, wenn es ohnehin nur auf die ankommt, die ohnehin vorher noch dabei waren, dass wir nach und während dem Konzil einen ziemlichen Einbruch der Zahlen haben. Sicher haben da auch noch andere Gründe mitgespielt, aber Stundentenbewegungen allein machen so viel noch nicht aus.
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Juergen
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Juergen »

ChrisCross hat geschrieben:…Sicher haben da auch noch andere Gründe mitgespielt, aber Stundentenbewegungen allein machen so viel noch nicht aus.
Auch die Begründung mit der Studentenbewegung wäre zu klein gegriffen. Damals kamen ja viele Dinge zusammen. Insgesamt waren es schon große und auch weltweite Umbrüche.
In Deutschland führten verschiedene Gesetzesvorhaben der großen Koalition zu Protesten (APO); die Friedensbewegung spielte eine Rolle, die Proteste gegen den Vietnamkrieg (Make love, not war), die Hippiebewegung.
Auf intellektueller Ebene wäre vielleicht auch noch die Frankfurter Schule u.a. zu nennen (Adorno, Bloch…).
Gleichzeitig gab es ein Zugeneigtsein nicht weniger zum Sozialismus oder Kommunismus.
Teilweise auch zur Anarchie (mit einem starken Anarchen, versteht sich). :D

Die Umbrüche sind nicht auf Studenten zu reduzieren.
Gruß Jürgen

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Hubertus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Hubertus »

Juergen hat geschrieben:Man müßte die Sache vielleicht etwas anders betrachten und nicht auf die absoluten Prozentzahlen gucken, sondern rechnen um wieviel Prozent (ausgehend von den vorherigen Zahlen) die Kirchenbesucherzahlen gesunken sind.

Code: Alles auswählen

1950 – 1954: 52,5 – 51,3 →  -2,3%
1955 – 1959: 50,6 – 48,9 →  -3,4%
1960 – 1964: 48,4 – 45,5 →  -6,0%
1965 – 1969: 44,9 – 39,2 → -12,7% 
1970 – 1974: 37,3 – 32,9 → -11,8%
1975 – 1979: 32,6 – 29,7 →  -8,9%
1980 – 1984: 29,1 – 26,6 →  -8,6%
1985 – 1989: 25,8 – 22,8 → -11,6%
1990 – 1994: 21,9 – 19,2 → -12,3%
1995 – 1999: 18,6 – 16,6 → -10,8%

2000 – 2011: 16,5 – 12,3 → -25,5%
Von 1950 (52,5%) bis 2011 (12,3%) sank die Zahl also um über 75% (76,6).

Monokausal dem Konzil die Schuld zu geben halte ich allerdings auch für falsch.
Tatsächlich, wenn man es so aufdröselt, erkennt man eine deutlich beschleunigte Abnahme ab der zweiten Hälfte der 60er ...
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Niels
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Niels »

"Der Bochumer Kirchenhistoriker Wilhelm Damberg warnt davor, das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) für die Krisenerscheinungen in der katholischen Kirche verantwortlich zu machen. Der Rückgang der Kirchenbesucher oder der Priesterberufungen habe bereits viel früher eingesetzt, betont er im Interview": http://www.katholisch.de/de/katholisch/ ... amberg.php
Nolite timere, pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Peti
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Peti »

Niels hat geschrieben:"Der Bochumer Kirchenhistoriker Wilhelm Damberg warnt davor, das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) für die Krisenerscheinungen in der katholischen Kirche verantwortlich zu machen. Der Rückgang der Kirchenbesucher oder der Priesterberufungen habe bereits viel früher eingesetzt, betont er im Interview": http://www.katholisch.de/de/katholisch/ ... amberg.php
Kann ich aus persönlichem Erleben nur bestätigen:

"Gerade diese Umfrage von 196 zeigt, dass es eine nicht mit den Tatsachen übereinstimmende Erinnerung ist, wenn man meint, dass die Menschen damals während der Messen stundenlang andächtig lateinischen Gebeten und Gesängen gelauscht hätten. Fakt ist - das spiegeln auch die Ermahnungen des Klerus wider -, dass viele Leute zu spät in den Gottesdienst kamen oder sich während eines Teils der Messe außerhalb der Kirche aufhielten.
Dass sie auch gleich nach der Wandlung wieder gingen, weil sie mit dem Besuch der Wandlung ihre Messpflicht erfüllt hatten. Während der lateinischen Messe beteten viele mit einem privaten Gebetbuch oder den Rosenkranz. Die meisten kommunizierten ja auch nicht, weil sie das Nüchternheitsgebot nicht einhalten konnten oder auch nicht vorher gebeichtet hatten. Gerade bei den Jüngeren ging damals die Beichtfrequenz schon deutlich zurück - was wiederum auch Rückwirkungen auf den Gottesdienst hatte. All diese Zusammenhänge sind den meisten, wenn sie heute von der "alten Messe" sprechen, gar nicht mehr bekannt. "


Wir "Jüngeren" haben uns gewohnheitsmäßig ganz hinten in der Kirche versammelt, haben uns auch während der Messe über unsere Lieblingsthemen (Mädchen und Fußball) unterhalten, bis wir dann allmählich den Messbesuch aufgaben und uns anderswo trafen. Und das alles im tiefkatholischen Niederbayern.
Das gilt für viele meiner damaligen Klassenkameraden.
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

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marcus-cgn
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von marcus-cgn »

Peti hat geschrieben:
Fakt ist - das spiegeln auch die Ermahnungen des Klerus wider -, dass viele Leute zu spät in den Gottesdienst kamen oder sich während eines Teils der Messe außerhalb der Kirche aufhielten.
Dass sie auch gleich nach der Wandlung wieder gingen, weil sie mit dem Besuch der Wandlung ihre Messpflicht erfüllt hatten. Während der lateinischen Messe beteten viele mit einem privaten Gebetbuch oder den Rosenkranz. Die meisten kommunizierten ja auch nicht, weil sie das Nüchternheitsgebot nicht einhalten konnten oder auch nicht vorher gebeichtet hatten. Gerade bei den Jüngeren ging damals die Beichtfrequenz schon deutlich zurück - was wiederum auch Rückwirkungen auf den Gottesdienst hatte.


Wir "Jüngeren" haben uns gewohnheitsmäßig ganz hinten in der Kirche versammelt, haben uns auch während der Messe über unsere Lieblingsthemen (Mädchen und Fußball) unterhalten, bis wir dann allmählich den Messbesuch aufgaben und uns anderswo trafen.
Na ja, an der Sache mit dem zu spät kommen hat sich ja leider bis heute - je nach Ort nichts - geändert. Da würde ich mir manchmal auch gerne Ermahnungen wünschen. Ich werde manchmal an den Büro-Spruch erinnert, dass die Zuspät-Kommenden aufpassen sollen nicht mit den Früher-Gehenden zusammenzustoßen.

Reden in der Messe scheint vor allem bei Südeuropäern heute noch üblich zu sein. Manche Rombesucher wissen davon zu berichten, dass selbst bei Papstmessen die Andacht durch Handygespräche der Sitznachbarn gestört wird.

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Lupus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Lupus »

Selbst erlebt in Benediktbeuern/Oberbayern, vor den Konzilsjahren:

Wenn in der ehemaligen Klosterkirche, -heute Basilika-, die Predigt begann, strömten die Mannerleut nach draußen, wo sie vor der kleinen Schenke sich zum Bier versammelten, natürlich, wie sich das gehört mit "Hut auf". Wenn es dann zur Wandlung läutete und ein "Sommerfrischler", der gerade über den Klosterhof lief, seine Mütze oder den Hut nicht abnahm, dann wurde der aber lautstark zur Ordnung gerufen!

+L.
Christus mein Leben, Maria meine Hoffnung, Don Bosco mein Ideal!

Pilgerer
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Pilgerer »

Niels hat geschrieben:"Der Bochumer Kirchenhistoriker Wilhelm Damberg warnt davor, das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) für die Krisenerscheinungen in der katholischen Kirche verantwortlich zu machen. Der Rückgang der Kirchenbesucher oder der Priesterberufungen habe bereits viel früher eingesetzt, betont er im Interview": http://www.katholisch.de/de/katholisch/ ... amberg.php
Die Leute verstehen einfach das Warum der Kirche nicht mehr. Warum ist die Kirche nötig? Was gibt die Kirche, das gegen die zahllosen Freuden und Möglichkeiten des weltlichen Lebens (insb. seit dem Wirtschaftswunder) bestehen kann?
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: So wie es früher war!

Beitrag von umusungu »

Schulmesse für das Jungengymnasium um 8 Uhr morgens Anfang der 60er Jahre. Wie oft war diese Messe gleichzeitig Begräbnismesse ....... und an diversen Seitenaltären wurde auch noch zelebriert.....

Stefan

Re: So wie es früher war!

Beitrag von Stefan »

Niels hat geschrieben:"Der Bochumer Kirchenhistoriker Wilhelm Damberg warnt davor, das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) für die Krisenerscheinungen in der katholischen Kirche verantwortlich zu machen. Der Rückgang der Kirchenbesucher oder der Priesterberufungen habe bereits viel früher eingesetzt, betont er im Interview": http://www.katholisch.de/de/katholisch/ ... amberg.php
Das Konzil war möglicherweise nur die (in Teilen der Weltkirche) falsche Reaktion auf die eigentlichen Auslöser der Krise nach dem Weltkrieg.
Deren Auslöser waren wohl mehrere - und haben auch dazu geführt, dass sich die meisten, die heute immer noch das 2. Vatikanum als eine Art Erlösung
betrachten, sich in Wirklichkeit auch von dessen Inhalten entfernt haben.

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umusungu
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von umusungu »

Stefan hat geschrieben:Das Konzil war möglicherweise nur die (in Teilen der Weltkirche) falsche Reaktion auf die eigentlichen Auslöser der Krise nach dem Weltkrieg.
Das Konzil war die vom hl. Geist gewirkte Antwort der Kirche auf die Fragen und Umbrüche der Zeit.

Die Welt war eine absolut andere als 1870 ..... und sie hat sich seit 1965 noch einmal so gewandelt wie selten vorher.

Stefan

Re: So wie es früher war!

Beitrag von Stefan »

Das waren wohl alle Konzilien.... und wäre schön, wenn sie alle von allen beachtet würden.

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umusungu
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von umusungu »

Stefan hat geschrieben:Das waren wohl alle Konzilien.... und wäre schön, wenn sie alle von allen beachtet würden.
dann kannst du aber doch nicht schreiben: "Das Konzil war möglicherweise nur die (in Teilen der Weltkirche) falsche Reaktion auf die eigentlichen Auslöser der Krise nach dem Weltkrieg.

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Gallus
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Gallus »

Das Konzil ist nicht das Problem. Die durch die Konzilstexte in dieser Form nicht gedeckte Liturgiereform war ein Problem. Und Priester, die sich nicht nach den Konzilstexten richten, sondern nach einem imaginierten "Geist des Konzils" sind immer noch das Problem.

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Melody
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von Melody »

umusungu hat geschrieben:Schulmesse für das Jungengymnasium um 8 Uhr morgens Anfang der 60er Jahre. Wie oft war diese Messe gleichzeitig Begräbnismesse ....... und an diversen Seitenaltären wurde auch noch zelebriert.....
Was genau möchtest Du mit diesem Beitrag, mit dem Du diesen älteren Thread wieder reaktiviert hast, eigentlich aussagen?
Ich nehme an, Du möchtest sagen, dass das negativ war? Dass die Messe dann gar nicht "für die Schüler" war? Dass sie darin nicht vorkamen?! :achselzuck:

Ich kann nicht über Schulmessen sprechen, da ich zu dieser Zeit noch evangelisch war. Aber ich kann sagen, dass für uns Protestanten natürlich auch ein Gottesdienst (um 8 Uhr, in der ersten Schulstunde halt) stattfand (auf dem Gymnasium ab 1982, nicht in der Grundschule). Dieser fand in irgendeinem Raum in der Schule statt. Meine Freundin und ich waren die einzigen aus unserer Klasse, die ihn besuchten, der Rest schlief lieber eine Stunde länger, wie das halt bei Schülern so ist.
Aber auch mir hat das damals nichts gegeben. Obwohl es doch sogar tatsächlich nur für uns hätte sein sollen. Ich bin halt hin, weil ich fand, dass das wichtig ist und dass man das für Gott tut.

Die katholischen Schüler hab ich darum beneidet, dass ihr Gottesdienst in einer Kirche stattfand.

Du musst ja einen Grund haben, das hier zu erwähnen. Also worauf genau bezieht sich Deine Kritik?
Ewa Kopacz: «Für mich ist Demokratie die Herrschaft der Mehrheit bei Achtung der Minderheitenrechte, aber nicht die Diktatur der Minderheit»

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umusungu
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Re: So wie es früher war!

Beitrag von umusungu »

Melody hat geschrieben:Du musst ja einen Grund haben, das hier zu erwähnen. Also worauf genau bezieht sich Deine Kritik?
Wen kann es verwundern, wenn 10 Jahre nach solchen Erlebnissen die Freude am Gottesdienst gegen Null gesunken ist.
In den "guten alten zeiten" wurde die Kirche gefüllt - und dann wurde zelebriert - ohne Rücksicht auf die Anwesenden: hier Kinder und Jugendliche wurden nicht ernstgenommen in den religiösen Bedürfnissen - es wurde Begräbnismesse gefeiert mit den Begräbnisgesängen vom Kirchenmusiker Arnold .....

für mich sind das tief dunkle Zeiten ............

während dieser Zeit gab es aber auch einen Kaplan, der auf einer zelt-wander-tour mit uns Jungs 1965 die hl. Messe feierte mit dem Gesicht zur Gemeinde ... und mit Kelchkommunion....dafür mußte er allerdings erst eine Pause einlegen, bis der neugierige Küster verschwunden war..... es war in der wunderbaren Wallfahrtskirche Ronchamp.......

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