Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Allgemein Katholisches.
ninah
Beiträge: 5
Registriert: Sonntag 17. Januar 2010, 10:23

Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von ninah » Mittwoch 27. April 2016, 10:30

Hallo liebe Forenmitglieder,

wie aus der Überschrift schon hervorgeht... mich würde einfach mal interessieren, was euch so sicher macht, an der Existenz Gottes, an seiner Liebe, an seiner Barmherzigkeit? Was ist eure Motivation, sich jeden Tag für das Gebet und hl. Messe Zeit zu nehmen?
Was überzeugt euch letztlich total davon, dass ihr auch allen Widrigkeiten zum Trotz am Glauben festhält? Auch an christlichen, katholischen Werten?
Worin seht ihr die Notwendigkeit des Glaubens an Gott? Was bringt er euch für Vorteile?

Ich könnte noch unzählige Fragen in diese Richtung aufzählen... aber ich denke, ihr wisst, worauf ich hinaus will...

Benutzeravatar
Sarandanon
Beiträge: 1590
Registriert: Mittwoch 20. Februar 2013, 19:59
Wohnort: Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Sarandanon » Mittwoch 27. April 2016, 16:52

ninah hat geschrieben:Worin seht ihr die Notwendigkeit des Glaubens an Gott? Was bringt er euch für Vorteile?
Oha, allein die letzte Frage ist etwas, was insbesondere Nichtgläubige und viele Taufscheinchristen (war ich selbst auch mal) umtreibt. Die Frage nach den "Vorteilen" ist mMn durchaus unangebracht - zumindest, wenn Du Dir irdische Vorteile als bloße Geschenke erhoffst. Trotzdem sehe ich zB meinen Glauben als ein Geschenk Gottes an.

Gott hat alles aus nichts erschaffen (hab ich das nicht schon irgendwo geschrieben...? :hmm: ). Die Welt, wie wir sie wahrnehmen ist deswegen kein Zufallsprodukt. Daraus ergibt sich für mich schonmal die grundsätzliche Notwendigkeit an Gott zu glauben. Ich glaube christlich, weil ich zutiefst davon überzeugt bin, dass Gott durch Seinen Sohn Mensch wurde, uns durch Seine Erlösungstat gerettet und über uns den Heiligen Geist ausgeschüttet hat. Der eine Gott, in ihm drei Personen - der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Der eine Gott, wahrer Gott und wahrer Mensch.

Desweiteren ist, um zum christlichen Glauben zu finden, die Einsicht notwendig, dass das irdische Leben eine reine Vorbereitung auf das wahre und ewige Leben ist. Er hat zwar die Menschheit insgesamt gerettet aber jeder einzelne von uns ist für sein persönliches Heil auch als ein Teil der ganzen Schöpfung und den Umgang mit dieser selbst verantwortlich. Und dabei kann man auch durchaus scheitern. Er wird am Ende aller Tage über jeden einzelnen von uns urteilen.
Dich, o Herr, kann nur verlieren, wer dich verlässt.
(Augustinus Aurelius)

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7309
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Marion » Mittwoch 27. April 2016, 16:54

ninah hat geschrieben:Worin seht ihr die Notwendigkeit des Glaubens an Gott? Was bringt er euch für Vorteile?
Joh 3:36 Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
offertorium
Beiträge: 767
Registriert: Freitag 7. August 2015, 10:48

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von offertorium » Mittwoch 27. April 2016, 17:03

ninah hat geschrieben: wie aus der Überschrift schon hervorgeht... mich würde einfach mal interessieren, was euch so sicher macht, an der Existenz Gottes, an seiner Liebe, an seiner Barmherzigkeit?
Für mich reicht ein Blick aus dem Fenster. Wenn ich sehe, wie die Dinge aufeinander bezogen sind. Die Geschlechter zueinander, die Früchte, die auf den Bäumen wachsen, von denen wir Menschen uns ernähren können, die Beziehungen zwischen den Lebewesen, dann erkenne ich hierin ein intelligentes System, das auf den Schöpfer hinweist. Dazu kommen immer wieder kleine Erlebnisse, Begegebenheiten und Geschenke, an denen ich erkennen kann, dass Gott es gut mit mir meint.
Was ist eure Motivation, sich jeden Tag für das Gebet.
Für mich ist Beten die selbstverständliche Basis einer Gottesbeziehung. Seine Ehefrau sieht man idealerweise auch regelmäßig und so ist es auch mit dem Gottesdienst.
Was bringt er euch für Vorteile?
Vorteile sehe ich dann, wenn ich merke, wie meine Mitmenschen immer wieder an Situationen verzweifeln. Die Gelassenheit, den Dingen zu begegnen, mit denen Gott mich herausfordert.

Benutzeravatar
Peter Ernst
Beiträge: 204
Registriert: Samstag 17. Februar 2007, 15:57

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Peter Ernst » Mittwoch 27. April 2016, 20:21

Weil ich im Leben immer wieder die Erfahrung gemacht habe, daß Gott mit mir unterwegs ist und mir hilft. Ich bin sehr erstaunt und dankbar, daß er mich nicht schon längst zu den hoffnungslosen Fällen zählt. Wie sollte ich bei so viel Gnade nicht glauben und lieben?
"Ich hoffe auf das Unverdiente"

PascalBlaise
Beiträge: 1035
Registriert: Donnerstag 12. November 2015, 11:44

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von PascalBlaise » Mittwoch 27. April 2016, 20:32

Interessanter Thread. Ich würde auch sagen, dass der Glaube in einer sehr schwierigen Zeit im Leben ein Rückhalt war. Besonders die Fürsprache der Gottesmutter. Insgesamt ist natürlich auch die Kindheit ein Faktor. Ich bin meinen Eltern schon sehr dankbar, dass sie mir grundlegende christliche Werte nahe gebracht und vorgelebt haben, auch einfach mit mir gebetet haben.
– et lux in tenebris lucet et tenebrae eam non comprehenderunt –

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7309
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Marion » Mittwoch 27. April 2016, 21:27

ninah hat geschrieben:mich würde einfach mal interessieren, was euch so sicher macht, an der Existenz Gottes
Die Existenz Gottes ist keine Glaubenssache. Das muss niemand glauben, das kann man wissen.
viewtopic.php?f=4&t=192&hilit
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Tinius
Beiträge: 1919
Registriert: Samstag 28. Juni 2014, 00:13

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Tinius » Mittwoch 27. April 2016, 21:54

offertorium hat geschrieben:
Für mich reicht ein Blick aus dem Fenster. Wenn ich sehe, wie die Dinge aufeinander bezogen sind. Die Geschlechter zueinander, die Früchte, die auf den Bäumen wachsen, von denen wir Menschen uns ernähren können, die Beziehungen zwischen den Lebewesen, dann erkenne ich hierin ein intelligentes System, das auf den Schöpfer hinweist.
Naja....
Die Malariamücke ist auf den Menschen bezogen. Auch viele Parasiten, die wir Mittelstandskirchler heute mit einem Besuch beim Arzt wegwischen können.
So ein leicht naives Zeug kann nur einer schreiben, der in anderen Ländern noch keine durch Parasiten erblindete Menschen behandelt hat.

Benutzeravatar
umusungu
Beiträge: 5058
Registriert: Donnerstag 1. Januar 2004, 13:30

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von umusungu » Mittwoch 27. April 2016, 22:51

Marion hat geschrieben:
ninah hat geschrieben:mich würde einfach mal interessieren, was euch so sicher macht, an der Existenz Gottes
Die Existenz Gottes ist keine Glaubenssache. Das muss niemand glauben, das kann man wissen.
viewtopic.php?f=4&t=192&hilit
Wer etwas weiß, steht über dem Gewußten.

Benutzeravatar
Marion
Beiträge: 7309
Registriert: Donnerstag 21. Mai 2009, 18:51
Kontaktdaten:

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Marion » Mittwoch 27. April 2016, 22:55

umusungu hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:
ninah hat geschrieben:mich würde einfach mal interessieren, was euch so sicher macht, an der Existenz Gottes
Die Existenz Gottes ist keine Glaubenssache. Das muss niemand glauben, das kann man wissen.
viewtopic.php?f=4&t=192&hilit
Wer etwas weiß, steht über dem Gewußten.
Ich weiß, daß es dich gibt. Bin ich jetzt dein Chef, du Witzbold? :D

Es ist übrigens Dogma, Herr Pfarrer :huhu:
Der Mensch kann Gott, den Ursprung und das Endziel aller Dinge, durch das natürliche Licht seiner Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewissheit erkennen (Erstes Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Dei filius, Nr. 11). „Denn das Unsichtbare an ihm erschaut der denkende Verstand seit Erschaffung der Welt in seinen Werken.“ (Röm 1,2 EU)
http://www.kathpedia.com/index.php?title=Gottesbeweis
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

Benutzeravatar
offertorium
Beiträge: 767
Registriert: Freitag 7. August 2015, 10:48

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von offertorium » Donnerstag 28. April 2016, 01:21

Tinius hat geschrieben: Die Malariamücke ist auf den Menschen bezogen. Auch viele Parasiten, die wir Mittelstandskirchler heute mit einem Besuch beim Arzt wegwischen können.
So ein leicht naives Zeug kann nur einer schreiben, der in anderen Ländern noch keine durch Parasiten erblindete Menschen behandelt hat.
Was ist das für ein naiver Glaube, der dadurch gleich zur Disposition steht?

Wenn ich in die Geschichte der Menschen schaue, dann hatten sie wohl alle seit jeher einen naiven Glauben. Heutzutage muss immer alles theologisch komplex werden, theoretisch rund und möglichst denkerisch in die höchsten Höhen reichen, damit sich die menschliche Eitelkeit mit der scheinbar beneideten Wissenschaft messen kann.

In unserer verrückten Welt, wo der Intellekt über alles gehoben wird, würde uns manch "naiver" Glaube, der mehr an das Herz und die Seele appelliert, weiterhelfen und vielleicht die Gotteshäuser wieder voller werden lassen.

Die Anspruchsvollen können ja weiterhin ihren Glauben historisch-kritisch im Aktenplan verorten.Manchmal sind es auch die "naiven" älteren Kirchgänger, die uns zeigen, wie wir glauben könnten, wenn wir uns nicht selbst ständig zu wichtig nähmen. Von denen habe ich mittlerweile sehr viel gelernt. Die Überflieger interessieren mich nicht mehr.

Benutzeravatar
Sempre
Beiträge: 8655
Registriert: Sonntag 19. Juli 2009, 19:07

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Sempre » Donnerstag 28. April 2016, 01:31

ninah hat geschrieben:mich würde einfach mal interessieren, was euch so sicher macht, an der Existenz Gottes, an seiner Liebe, an seiner Barmherzigkeit?
Dass Gott existiert und Person ist, folgt aus Vernunftgründen. Liebe und Barmherzigkeit Gottes sind offenbart. Was das angeht, wird der Glaube daran bei der Taufe vom hl. Geist eingehaucht, wenn der Wille des Menschen mitspielt.

ninah hat geschrieben:Was ist eure Motivation, sich jeden Tag für das Gebet und hl. Messe Zeit zu nehmen?
Meine Motivation, die Gebote Gottes bzw. seiner Kirche zu befolgen, folgt aus dem Bewusstsein, dass mein Wille korrumpiert ist während es nichts besseres gibt, als den Willen Gottes zu tun.

ninah hat geschrieben:Was überzeugt euch letztlich total davon, dass ihr auch allen Widrigkeiten zum Trotz am Glauben festhält? Auch an christlichen, katholischen Werten?
Ich sehe keine Widrigkeiten gegen den Glauben oder die Werte der Kirche, wohl aber Widrigkeiten, mich immer daran zu halten. Wer fällt, kann aber wieder aufstehen, so dass die Widrigkeiten keine wirklichen Hürden sind.

ninah hat geschrieben:Worin seht ihr die Notwendigkeit des Glaubens an Gott? Was bringt er euch für Vorteile?
Es gibt keine Notwendigkeit zu glauben und keine Notwendigkeit, dem Glauben entsprechend zu leben. Der Herr lässt allen die Alternative, dem Teufel zu dienen. Es lohnt sich aber, weil man Erbe des Himmelreichs werden kann. Und selbst, wenn man das nicht schafft, gibt es kein besseres Leben auf Erden, als wenn man es versucht. Denn was der Herr zu tun vorschlägt, ist immer das Beste, auch für mich selbst. Den Vorteil nennt man gemeinhin Freiheit von Heidenängsten.

ninah hat geschrieben:Ich könnte noch unzählige Fragen in diese Richtung aufzählen... aber ich denke, ihr wisst, worauf ich hinaus will...
Nein, ich weiß nicht, worauf Du hinauswillst. Es sei denn, Du wolltest wissen, ob wirklich wahr ist, was die Kirche verspricht. Das kann Dir niemand hier sicher bestätigen. Es kann Dir auch niemand hier sicher bestätigen, dass es nicht wahr sei. Du kannst es glauben wollen und Dich ggf. taufen lassen und dann danach leben, Du kannst es aber auch mit allen Konsequenzen sein lassen.
Niemals sei gesagt es werde je zugelassen, daß ein zum Leben prädestinierter Mensch sein Leben ohne das Sakrament des Mittlers beendet. (St. Augustin, Gegen Julian, V-4)

Benutzeravatar
guatuso
Beiträge: 974
Registriert: Freitag 1. März 2013, 23:33
Wohnort: Costa Rica

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von guatuso » Donnerstag 28. April 2016, 02:33

ninah hat geschrieben:Hallo liebe Forenmitglieder,

wie aus der Überschrift schon hervorgeht... mich würde einfach mal interessieren, was euch so sicher macht, an der Existenz Gottes, an seiner Liebe, an seiner Barmherzigkeit? Was ist eure Motivation, sich jeden Tag für das Gebet und hl. Messe Zeit zu nehmen?
Was überzeugt euch letztlich total davon, dass ihr auch allen Widrigkeiten zum Trotz am Glauben festhält? Auch an christlichen, katholischen Werten?
Worin seht ihr die Notwendigkeit des Glaubens an Gott? Was bringt er euch für Vorteile?

Ich könnte noch unzählige Fragen in diese Richtung aufzählen... aber ich denke, ihr wisst, worauf ich hinaus will...
"Was bringt er euch für Vorteile?"

Gottes Liebe ist im Handelsregister nicht eingetragen, Gott ist keine Geschaeftsordnung und kein Geschaft von Vorteil-Nachteil!

"was euch so sicher macht, an der Existenz Gottes,"
Ich hatte in meinem Leben einige numinose Erfahrungen und Erlebnisse, die sehr tiefgehend waren. Ich will sie nicht aufzaehlen, obwohl es moeglich waere. Und oft gibt es keine rationelle Erklaerung. Und ja, diese numinosen Erfahrungen machen mich absolut sicher: es gibt Gott, er liebt uns, auch wenn wir es nicht fuehlen, er macht sich immer wieder, im laufe des Lebens, bemerkbar, tiefgreifend und tief beruehrend. Wenn wir hinaus sehen in die Welt und die Natur, dann koennen wir ein wenig von dieser Liebe sinnlich erfahren. Zumal auch die fuenf Sinne Teil der Schoepfung sind und erfuellt sein wollen.

Ich habe 4 Herzinfarkte hinter mir, und immer wieder durfte ich weiterleben. Wenn das nicht Barmherzig ist, was dann?

"Was überzeugt euch letztlich total davon, dass ihr auch allen Widrigkeiten zum Trotz am Glauben festhält"
Nicht, nicht zum Trotz, gerade wegen...! Gott schrieb kein Buch in dem etwa steht: "Du, Guatuso, hast das Recht, immer nur Gluecklich zu sein, niemals Probleme zu haben und von allen Nachbarn geliebt zu werden...."
Bei allen Widrigkeiten weiss ich, Gott wird mir helfen heil und gesund rauszukommen.

"Auch an christlichen, katholischen Werten?"
Ich koennte es intellektuell begruenden, weshalb die christlichen Werte, insbesondere die katholischen, die Welt zu einem menschlicherem Antlitz gefuehrt haben und weiter fuehren werden. Aber das ist mir zu Kopfbezogen.
Der Baum lebt nicht nur ueber Blaetter, sondern in erster Linie ueber seine Wurzeln. Das ist meine christliche und meine katholische Erziehung, sie ist mir ein Zuhause. Zuletzt spuerte ich es Ostern, als ich es trotz Krankheit schaffte, zur Ostermesse und Kommunion zu gehen.

Schoene Fragen, gute Fragen.!

Benutzeravatar
Raphael
Beiträge: 13986
Registriert: Samstag 11. Oktober 2003, 19:25
Wohnort: Erzdiözese Köln

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Raphael » Donnerstag 28. April 2016, 06:48

offertorium hat geschrieben:
Tinius hat geschrieben:Die Malariamücke ist auf den Menschen bezogen. Auch viele Parasiten, die wir Mittelstandskirchler heute mit einem Besuch beim Arzt wegwischen können.
So ein leicht naives Zeug kann nur einer schreiben, der in anderen Ländern noch keine durch Parasiten erblindete Menschen behandelt hat.
Was ist das für ein naiver Glaube, der dadurch gleich zur Disposition steht?

Wenn ich in die Geschichte der Menschen schaue, dann hatten sie wohl alle seit jeher einen naiven Glauben. Heutzutage muss immer alles theologisch komplex werden, theoretisch rund und möglichst denkerisch in die höchsten Höhen reichen, damit sich die menschliche Eitelkeit mit der scheinbar beneideten Wissenschaft messen kann.

In unserer verrückten Welt, wo der Intellekt über alles gehoben wird, würde uns manch "naiver" Glaube, der mehr an das Herz und die Seele appelliert, weiterhelfen und vielleicht die Gotteshäuser wieder voller werden lassen.

Die Anspruchsvollen können ja weiterhin ihren Glauben historisch-kritisch im Aktenplan verorten.Manchmal sind es auch die "naiven" älteren Kirchgänger, die uns zeigen, wie wir glauben könnten, wenn wir uns nicht selbst ständig zu wichtig nähmen. Von denen habe ich mittlerweile sehr viel gelernt. Die Überflieger interessieren mich nicht mehr.
Der Kirchenvater Augustinus lehrt:
Was ich demnach erkenne, das glaube ich auch;
aber nicht alles, was ich glaube, erkenne ich auch.
Alles aber, was ich erkenne, weiß ich;
nicht jedoch weiß ich alles, was ich glaube.
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

Benutzeravatar
Raphael
Beiträge: 13986
Registriert: Samstag 11. Oktober 2003, 19:25
Wohnort: Erzdiözese Köln

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Raphael » Donnerstag 28. April 2016, 07:11

guatuso hat geschrieben:Ich hatte in meinem Leben einige numinose Erfahrungen und Erlebnisse, die sehr tiefgehend waren.
Danke für diesen Hinweis, der mich an den protestantischen Theologen Rudolf Otto erinnert.

Frl. Vicky Pedia schreibt:
In seinem Hauptwerk (Das Heilige, 1917) setzt er sich mit der Erfahrung des Heiligen auseinander. Diese schließt seiner Auffassung nach insofern irrationale Momente ein, als damit verbundene Gefühle sich der rationalen begrifflichen Fassung entziehen und nur durch hinweisende Ideogramme bzw. Deute-Begriffe aufgezeigt werden können. Die irreduziblen Momente dieser Erfahrung bezeichnet er als mysterium tremendum und mysterium fascinans.

Im erstgenannten Gefühl offenbart sich Gott als eine überwältigende Macht, vor der die Kreatur erschauert und die als das ganz Andere die menschliche Vernunft transzendiert. Das Heilige wird allerdings nicht als das absolut Unheimliche empfunden, denn untrennbar von diesem Aspekt existiert die faszinierende, beglückende Erfahrung des Göttlichen. Die Irreduzibilität der Momente des Schauderns und des Vertrauens kennzeichnet Otto, indem er das Heilige als Numinoses (er übersetzt das lateinische numen mit „übernatürliches Wesen ohne genauere Vorstellung“) bestimmt.

Otto versucht das Problem des Heiligen als inkommensurabel und ganz anders in seiner Beziehung zu Begriffen, moralischen Prinzipien und positiver Religion zu lösen, indem er sich auf Kants Idee der Schematisierung bezieht. Nach Otto erinnert die numinose Erfahrung an Begriffe und Prinzipien wie Liebe, Übermacht und Güte, so dass das Numinose zwar nicht beschrieben, jedoch mit dem Denken und Handeln verbunden ist. Als Folge dieser Schematisierung entsteht das Heilige als komplexe A-priori-Wertkategorie.
Dies scheint mir ein reflektierter Zugang zu den in der katholischen Kirche praktizierten Riten zu sein, selbst wenn Rudolf Otto selber sich niemals zu diesem Schritt entschlossen hat.
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

ninah
Beiträge: 5
Registriert: Sonntag 17. Januar 2010, 10:23

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von ninah » Donnerstag 28. April 2016, 07:49

Ich danke euch für eure bisherigen Antworten.

Ich wünschte, ich hätte einen solchen Glauben . Doch ich habe solch große und tiefgehende Zweifel und immer wieder finde ich psychologische, psychoanalytische oder eben auch wissenschaftliche Antworten, die meine Zweifel nähren. Ich stelle alles in Frage und hätte stattdessen so gerne einen einfachen kindlichen Herzensglauben, der überzeugt ist von der Allmacht und Größe Gottes, dass er wirklich der Schöpfer des Universums ist, der uns alle geschaffen hat .. ich möchte überzeugt sein, von der Existenz Gottes... ist möchte an einen Gott glauben, der mich trägt, dass alles was geschieht, einen Sinn hat, dass ich mich ihm hingeben kann... dass wenn ich bete, ich nicht einfach nur zu einer weißen Mauer spreche... dass wenn ich hl. Messe gehe, dort wirklich Jesus empfange und dass die Hl. Messe etwas in mir/um mich herum bewirkt und bewegt. Ich möchte den Glauben haben, dass all meine Leiden, Ängste etc., wenn ich sie aufopfere, einen Sinn haben. Dass das Gebet etwas nützt, dass die Worte der Hl. Schrift wahr sind....

Und doch kann ich es nicht glauben... arbeitet der Glaube nicht mit ähnlichen Mitteln wie Esoterik, positive und mentale Psychologie? Redet sich der Mensch dies nicht schon einfach seit Jahrtausenden ein, um sich nicht so alleine zu fühlen, weil es einfach tröstend sein kann, zu wissen, dass Gott als der Große auf seiner Seite ist und Schöpfer des Universums ist?
Wer sagt mir, dass diese positiven Gefühle, die durch den Glauben entstehen können, nicht einfach selbst eingeredet sind wie in positiven/mentalen Psychologie?
Wozu soll ich beten? ... soll es nicht einfach letztlich nur für mich eine Art Bearbeitungs- und Verarbeitungsstrategie sein?
Was bringt es mir letztlich wirklich in die Hl. Messe zu gehen? ... (dort sind übrigens auch immer weniger Menschen vorzufinden)
Was bringt es mir, wenn ich meinen Zeitplan tägliches Gebet einplane? ... ist dies nicht Zeitverschwendung? Kann ich doch gleich Yoga machen.. fühle mich vl. ebenso entspannt und bleibe beweglich noch dazu?
Wer sagt mir, dass an dem Ewigen Leben und der Ewigkeit tatsächlich etwas dran ist?

Ich habe solche Zweifel ... ich schäme mich dafür und wünschte, sie gingen einfach weg und würden einem tiefen unerschütterlichen Glauben Platz schaffen ....

Benutzeravatar
Raphael
Beiträge: 13986
Registriert: Samstag 11. Oktober 2003, 19:25
Wohnort: Erzdiözese Köln

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Raphael » Donnerstag 28. April 2016, 08:02

Was tust Du, um diese Zweifel zu verringern? :hmm:
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

Tinius
Beiträge: 1919
Registriert: Samstag 28. Juni 2014, 00:13

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Tinius » Donnerstag 28. April 2016, 08:09

ninah hat geschrieben:
Und doch kann ich es nicht glauben...
Offensichtlich bist du derzeit kein gläubiger Christ. Dann ist es eben so. Wünsche, man möge einen einfachen Glauben haben, reichen alleine nicht aus.
Wer quasi alles in Zweifel zieht, was Christsein ausmacht, sollte sich nicht sinnlos kasteien. Wenn du zu denen gehörst, die von Gott angerührt und berufen sind, wird der Glaube eines Tages sicherlich zu dir kommen. Ansonsten eben nicht.

Benutzeravatar
Protasius
Moderator
Beiträge: 6022
Registriert: Samstag 19. Juni 2010, 19:13

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Protasius » Donnerstag 28. April 2016, 09:51

ninah hat geschrieben:
Und doch kann ich es nicht glauben...
Ich habe gerade keine Zeit für eine ausführliche Antwort (vielleicht heute Abend), aber ein paar kurze Punkte:

Mir fällt da Mk 9,24 ein: Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben.

Hast du schon mal mit deinem Pfarrer oder einem anderen geistlichen Begleiter über deine Zweifel gesprochen? Mit ein bißchen Glück kann der in einem persönlichen Gespräch weiter helfen als wir das über das Internet per Ferndiagnose können.

Ich werde für dich beten.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

Lacrimosa
Beiträge: 531
Registriert: Freitag 8. November 2013, 08:45

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Lacrimosa » Donnerstag 28. April 2016, 09:55

ninah hat geschrieben:Ich stelle alles in Frage und hätte stattdessen so gerne einen einfachen kindlichen Herzensglauben, […].
ninah hat geschrieben:Ich habe solche Zweifel ... ich schäme mich dafür und wünschte, sie gingen einfach weg und würden einem tiefen unerschütterlichen Glauben Platz schaffen ....
Zweifel kommen aus dem Intellekt, was per se nichts Schlechtes ist. Das spricht für dich. :)

Versuche jedoch nicht, mit dem Intellekt zu glauben.

Ein ausgeprägter Intellekt kann dem Glaube, und nicht nur dem Glaube, auch der Liebe, im Weg stehen. Zum Glaube gehören ganz wesentlich Vertrauen und Liebe, Qualitäten, die nicht nur intellektuell begriffen, sondern auch erspürt und mit anderen (liebevollen) Menschen geteilt werden sollten. Suche dir also ein nettes Umfeld, dass es gut mit dir meint.

Man muss einen Ausgleich zu seinem Intellekt suchen. Exerzitien, Kontemplation, Reflexion und Meditation sind unerlässlich, um immer wieder aus seinem Intellekt auszusteigen. Je nachdem, wie sehr du mit dir in Schieflage bist, ist eine Begleitung anzuraten. Die sagt dir dann, dass es normal ist, wenn sich Ängste melden, denn diese zu verarbeiten gehört zum Heilwerden dazu.

Yoga ist auch eine gute Sache. Es geht darum, dem rastlosen Nachdenken eine Pause zu verschaffen, damit Vertrauen und Liebe aus dem Kopf in den Bauch sacken können. Wenn du für Jesus Christus offen bist, wird er sich dir auch in der eher fremden Tradition des Yoga zu erkennen geben. Und wenn du keine Lust auf Verrenkungen verspürst, obwohl die sehr hilfreich dabei sind, dich vom Denken abzuhalten, versuche es mit MBSR oder Zen.

Wenn du, wie von mir angenommen, intellektuell überschießend und systemisch veranlagt bist, wird dich Esoterik nicht zufriedenstellen. Wenn du jedoch intellektuelle Herausforderungen liebst, gibt es nichts besseres, als sich mit dem katholischen Glauben auseinanderzusetzen.

Pausen einzlegen ist ganz wichtig. Schau zu, dass du nicht immerzu nur über den Glauben nachdenkst, grübelst, urteilst, bewertest, sondern erlaube dir, auch der Seele mehr Raum in dir zu geben. Der Glaube hat viel mit Resonanz zu tun, deswegen heißt es ja auch, „religiös musikalisch“ zu sein: Gott gibt sich den Menschen dann am ehesten zu erkennen, wenn sie auf ihn eingestimmt sind. Und das geht nicht rein über den Intellekt, der ein Meister im Fabrizieren von Zweifeln und Angst ist. Singst du schon im Kirchenchor?

Schäme dich nicht; aber arbeite daran, dir und anderen nicht etwas vorzugaukeln, was du nicht bist. Denn Pharisäer mochte Jesus nicht.

Es ist im Übrigen normal, dass einem in Zeiten von Stress, Enttäuschung, Trauer, Anspannung und Hektik, der Glaube abhandenkommen kann. Mit der Zeit wird dieser jedoch immer verlässlicher; je häufiger solche Durststrecken angegangen wurden und mit seiner Hilfe und deiner Hingabe (die Hingabe an intellektuelle Pausen) überwunden werden konnte, desto mehr kommt auch der Herzensglaube zurück.

Aber vom bloßen darüber nachdenken, kommt der einfache Herzensglaube nicht zurück, der übrigens gar nicht kindlich ist: Kinder haben ihn automatisch, weil der Intellekt noch nicht so viel dazwischen funkt. Der muss immer alles bewerten und schlecht machen. Bei uns Erwachsenen kommt er mit dem Vertrauen ins Vertrauen und in die Liebe, die unser Herr Jesus Christus ist, zurück.
Lasst in eurem Miteinander Platz, dass der Hauch des Himmels zwischen euch spielen kann. (Khalil Gibran)

Benutzeravatar
Reinhard
cum angelis psallat Domino
Beiträge: 2161
Registriert: Montag 30. Mai 2011, 11:06
Wohnort: in der ostdeutschen Diaspora

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Reinhard » Donnerstag 28. April 2016, 11:22

ninah hat geschrieben:Ich wünschte, ich hätte einen solchen Glauben . Doch ich habe solch große und tiefgehende Zweifel ...
Auch für mich ist es entscheidend wichtig, dass ich nicht irgendwelchen psychologischen oder esoterischen Tricks auf den Leim gehe ! - Das ist für mich eine Frage der Aufrichtigkeit, und die ist für mich ganz enorm wichtig.

Umgekehrt muss die "Wissenschaft" aber auch bei ihrem Leisten bleiben: wenn Du mal die Physik nimmst, so muss da jemand (oder etwas) außerhalb des "Systems" gewesen sein, das die Welt ins Dasein gebracht hat. Von nix kommt nix, auch nicht beim Urknall. Entsprechend glauben - allein aufgrund dessen, was sie erforschen - die meisten Physiker an einen Gott. Soweit mal die "Sachebene".

Auf der persönlichen Ebene sagst Du, Du würdest Dich danach sehnen, einfach so an Gott glauben zu können. (verstehe ich das richtig ?)
C. S. Lewis würde Dir darauf wohl antworten, dass allein diese Sehnsucht schon ein Indiz dafür ist, dass es Gott geben müsse: der Hunger verweist darauf, dass wir Essen brauchen, und dass es auch tatsächlich Essen gibt. Der Durst ist ein Hinweis darauf, dass es Wasser gibt, usw. - Natürlich gibt es auch "Surrogate", die unser Verlangen in verzerrter, verdorbener Weise befriedigen, aber trotzdem gibt es ja wohl zu jedem Verlangen ein ursprüngliches Ziel, auf das es hinweist. Wir müssen nur herausbekommen, welches das jeweils tatsächlich ist.

Wenn also das Verlangen nach Gott auf Ihn hinweist, und wir angelegt sind auf eine Beziehung zu Ihm, dann muss es auch eine Möglichkeit geben, diese zu leben.
Für mich selber ist diese Frage dadurch beantwortet, dass ich, genau wie verschiedene meiner Vorredner, Ihn immer wieder erfahren habe. (Weit über das hinaus, was Zufall oder Einbildung sein könnte ! - wie gesagt: auf dem Ohr bin ich recht hellhörig.) - Für meine Person kann ich deshalb nur sagen: Nein, hinter diese Erfahrungen kann ich nicht mehr zurück ! - deshalb bin ich mir ganz sicher: dieser Gott lebt, genau wie es in der Schrift und der Tradition bezeugt ist.

Das ist überhaupt noch ein wichtiger Aspekt: der der Tradition. Nun könnte man sagen: "Esst mehr Scheiße, Millionen Fliegen können nicht irren" - aber wenn man sich ehrlich anguckt, wie alle diese Zeugen des Glaubens gelebt haben, in der Zeit der Bibel wie in der Kirchengeschichte, dann sieht das wirklich eher nicht nach kollektivem Selbstbetrug aus. Auch der Hebräerbrief empfiehlt schon, darauf zu achten, was solch ein Glaube mit den Leuten macht: "Eure Lehrer .... ihr Ende schaut an und folgt ihrem Glauben nach."

Die Empfehlung ist oft: Probier es doch einfach aus, tu so, als wenn alle diese Erfahrungsberichte über diesen Gott wahr wären, und guck was passiert.
Für mich ist - um mich nicht noch anders herum zu bescheißen - dabei aber ganz wichtig, dass ich mir Rechenschaft darüber ablege, welche heimlichen Axiome in meinem Kopf herumspuken.
Da ist immer wieder diese unsägliche Maxime der Aufklärung, dass "die Vernunft das letzte Maß aller Erkenntnis [sei]". Wenn ich das "heimlich" glaube, dann hat das auch Macht über mich !

Also: im Sinne der Aufrichtigkeit auch auf dieser Ebene sich Rechenschaft darüber ablegen, woher welche Idee kommt.
Und sonst tatsächlich: red doch einfach mal mit diesem Gott. Egal, ob Du das Gefühl ( !) hast, das ginge nur bis zur Wand.
Probier es einfach und leg Dein Inventar vor Ihn - mal gucken, was Er damit macht !

Benutzeravatar
TeDeum
Beiträge: 226
Registriert: Montag 8. Juli 2013, 09:07

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von TeDeum » Donnerstag 28. April 2016, 13:47

Mit einem Satz würde ich als Programmierer drauf antworten: "weil Gott grandiosen Code schreibt" ;)

An der Fragestellung erkenne ich mich selbst wieder. Das klingt alles so ein bisschen wie im Autoforum, wo es darum geht, welche Marke denn nun diejenige welche sein soll. Wie gesagt, kenne ich selbst bestens :)

Ich argumentiere nur von mir aus. Mich haben einige Dinge mit zunehmendem Alter (so ab 30+) stutzig gemacht. Ich hege z.B. ein großes naturwissenschaftliches Interesse. Da landet man als letztes Erklärungsmuster bei vielen Dingen immer beim Zufall. Was ein anderes Wort für "Keine blasse Ahnung" ist. Wie kann es zum Beispiel zum so genannten Urknall kommen? Aktion bedingt Reaktion. Der Urknall als Reaktion auf was? Oder war's eine Reaktion ohne Aktion? Und wie kann aus dem Nichts etwas entstehen? Ich kann 0 mit einer beliebigen Variable multiplizieren, es bleibt null. Sowas brachte mich dazu, mich tiefer mit dem Glauben ansich zu beschäftigen. (von da war es, zugegeben, noch ein ganzes Stückchen zum christlichen Gottesbild, aber ich kürze das ab an dieser Stelle, weil das den Rahmen sprengen würde)

Dafür geb ich dir noch so ein Beispiel, dass mich stutzig macht. Als meine Kleine geboren wurde und meiner erschöpften Frau übergeben wurde, suchte die Kleine instinktiv die Brust und begann sofort daran zu trinken. Sie war vielleicht 10 Minuten auf der Welt. Das war wieder so ein Moment - unser Kind hat das nicht gelernt. Sie wusste instinktiv, was zu tun ist. Es ist quasi "in ihr drin". Aber woher kommt es? Über die Jahrtausende irgendwie in die DNA gefräst, weils es das zum Überleben braucht? Aber wie konnten die Menschen dann überhaupt überleben, wenn die ersten Babys das nicht wussen / taten? Es muss irgendwie schon im "core" hinterlegt gewesen sein. Aber von wem? Das sind für mich eindeutige Anzeichen eines intelligenten Schöpfers. Im Tierreich gibt es Hunderte, wenn nicht Tausende Beispiele dazu.

Das hat mein selbstgefällig-agnostisches Weltbild doch arg ins Wanken gebracht mit der Zeit. Ich habe dann viel gelesen über den Glauben der Menschen und mich drauf eingelassen, nicht das zu glauben, was mir vielleicht bequem wäre. Das war ein Prozess über Monate und nicht so wie beim Computerkauf, wo man eine Feature-Liste abklappert und dann "Jetzt kostenpflichtig kaufen" drückt. Einer der Gedanken war auch immer: Ok, wenn das alles "Schmarrn" ist, dann hab ich nichts verloren. Aber hey, was wenn das wahr ist, was z.B. Katholiken oder Orthodoxe schreiben? Bei den beiden letztgenannten landete ich übrigens relativ bald, weil sich die Lehre doch stark von anderen Lehren / Religionen unterscheidet.

Das ändert die Sicht auf gewisse Dinge massiv. So wenig wie ich heute mein damaliges Ich verstehe, so wenig hätte ich damals mein heutiges Ich verstanden.
Bin ich heute "weiter" als Mensch und näher bei Gott? Ja, eindeutig!

Benutzeravatar
Jarom1
Beiträge: 887
Registriert: Freitag 5. August 2011, 20:15

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Jarom1 » Donnerstag 28. April 2016, 14:22

Reinhard hat geschrieben: C. S. Lewis würde Dir darauf wohl antworten, dass allein diese Sehnsucht schon ein Indiz dafür ist, dass es Gott geben müsse: der Hunger verweist darauf, dass wir Essen brauchen, und dass es auch tatsächlich Essen gibt. Der Durst ist ein Hinweis darauf, dass es Wasser gibt, usw. - Natürlich gibt es auch "Surrogate", die unser Verlangen in verzerrter, verdorbener Weise befriedigen, aber trotzdem gibt es ja wohl zu jedem Verlangen ein ursprüngliches Ziel, auf das es hinweist. Wir müssen nur herausbekommen, welches das jeweils tatsächlich ist.
Mir ging es ähnlich. Ich habe diese Sehnsucht schon früh verspürt, war zur Zeit meiner Konfirmation in der lutherischen Landeskirche auch sehr gläubig, geriet dann aber aufgrund der Lektüre von Büchern von Einstein, Capra etc. zunehmend ins Zweifeln. Da die Sehnsucht aber weiterhin vorhanden war, befasste ich mich ein paar Jahre mit dem Buddhismus und gelangte dann zu Philosophen wie Nietzsche und Heidegger. Durch ein persönliches Erlebnis wandte ich mich wieder vor ein paar Jahren dem Christlichen Glauben zu und sehe mich heute in der reformierten Tradition. Hier habe ich die Tiefe gefunden, die ich zuvor stets vermisst hatte.
Consciousness of sin, certainty of faith, and the testimony of the Holy Spirit

Benutzeravatar
Sarandanon
Beiträge: 1590
Registriert: Mittwoch 20. Februar 2013, 19:59
Wohnort: Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Sarandanon » Donnerstag 28. April 2016, 16:48

ninah hat geschrieben:Ich wünschte, ich hätte einen solchen Glauben . Doch ich habe solch große und tiefgehende Zweifel und immer wieder finde ich psychologische, psychoanalytische oder eben auch wissenschaftliche Antworten, die meine Zweifel nähren.
Ich habe hier schon einige gute Beiträge gelesen, die Dir auf den Weg helfen möchten. Protasius schrieb zB, dass Du Dich am besten mal an einen Geistlichen (Deines Vertrauens - meine Anmerkung) wenden solltest. Das halte ich auch für unabdingbar.

Trotzdem möchte ich noch ein bisschen was loswerden:

Verzweifle nicht vor dem Zweifel. Ist eine ähnliche Reaktion, wie sie Angstpatienten haben: Es manifestiert sich im Verlauf dieses Phänomens immer mehr, dass die Leidenden mehr Angst vor der Angst haben, anstatt vor dem eigentlichen Grund derselben.

Stelle Dich Deinen Zweifeln, lasse sie zu und mache sie Dir klar. Und das durchaus in sachlich-nüchterner Art und Weise. Gern schriftlich, zB in einem pro und contra. Ich bin davon überzeugt, dass jeder gläubige Christ mehr oder weniger wenigstens einmal in seinem Leben von erheblichen Zweifeln ob seines Glaubens befallen war. Das ist auch überhaupt nichts Schlimmes. Es ist sogar sehr viel besser als den Glauben völlig zu ignorieren oder ihm gleichgültig, bzw. ablehnend gegenüber zu stehen.

Du möchtest gern glauben - das ist doch schonmal eine überaus gute Voraussetzung. Aber ich rate Dir ganz dringend: Setze Dich selbst nicht unter einen zwanghaften Druck. Glaube lässt sich nicht rational erklären, belegen und beweisen und auch nicht herbeiwünschen. Das menschliche Wahrnehmungsvermögen ist dafür einfach zu eingeschränkt, wir können Gott nicht in der Art erfassen, wie wir einfache Dinge unseres irdischen Umfeld erfassen können. Glaube ist in erster Linie Vertrauen, Liebe und Hingabe zu Gott. Nimm Dir Zeit und Ruhe und persönlichen Rat - und mach Dir klar, dass ER Dich auch mit Deinen großen Zweifeln liebt und Dich in Deiner Situation nicht fallen lässt.
Dich, o Herr, kann nur verlieren, wer dich verlässt.
(Augustinus Aurelius)

Benutzeravatar
offertorium
Beiträge: 767
Registriert: Freitag 7. August 2015, 10:48

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von offertorium » Donnerstag 28. April 2016, 16:59

ninah hat geschrieben:Und doch kann ich es nicht glauben... arbeitet der Glaube nicht mit ähnlichen Mitteln wie Esoterik, positive und mentale Psychologie?
Alles, was durch unseren Kopf geht, ist immer auch Psychologie. Wir können die Psychologie beim Glauben nicht ausklammern. Wir können unsere Seele - nichts anderes bedeutet psyche - aber auch nicht "psychologisch" verengen.
Redet sich der Mensch dies nicht schon einfach seit Jahrtausenden ein, um sich nicht so alleine zu fühlen, weil es einfach tröstend sein kann, zu wissen, dass Gott als der Große auf seiner Seite ist und Schöpfer des Universums ist?
Kürzlich hatte ich eine Diskussion mit einem Atheisten. Begriffe wie Sehnsucht / Sehnen oder Hoffnung / Hoffen hatten in seinem Weltbild keine Relevanz, denn wenn der Mensch für sich allein ist und nicht mehr ist als das, was uns die Wissenschaft vermitteln will, haben Hoffnung und Sehnsucht keinen Sinn, sie sind höchst überflüssig.
Trotzdem neigen auch Atheisten immer wieder dazu, sich nicht nur der eigenen Begrenztheit bewusst zu werden, sondern innerlich anzunehmen, dass dort etwas ist, was sich außerhalb ihres Erkennens bewegt und damit außerhalb ihrer eigenen Begrenztheit existiert. Es sind die Menschen in der größten Gottesferne, die im Trauma mancher Ereignisse ganz intuitiv zu Gott beten, Gott anflehen oder Gott um etwas bitten. Sie verhalten sich damit ganz genauso wie Menschen, die im Glauben verwurzelt sind, die selbst in ihren größten Zweifeln an der Religion sich Gott zuwenden und ihn anflehen "Herr, wenn es dich gibt...".
Wer sagt mir, dass diese positiven Gefühle, die durch den Glauben entstehen können, nicht einfach selbst eingeredet sind wie in positiven/mentalen Psychologie?
Das kann Dir niemand sagen, das ist eines der Themen, die Du im Dialog mit dem Schöpfer führen musst. Du darfst auch offen sein und Gott vorlegen, was Dich an Zweifeln plagt.
Wozu soll ich beten?
Schon um Dich selbst zu überwinden, um Deinen Blick auf etwas anderes zu lenken, was Dir vielleicht Deine Fragen beantworten kann, die Du offensichtlich selbst nicht beantworten kannst.
Was bringt es mir, wenn ich meinen Zeitplan tägliches Gebet einplane?
Eine solide Grundlage Deines eigenen Lebens. Das regelmäßige Gebet teilen alle monotheistischen Religionen miteinander.
Kann ich doch gleich Yoga machen.. fühle mich vl. ebenso entspannt und bleibe beweglich noch dazu?
Kannst Du tun, aber warum sollte es das Gebet ersetzen?

Benutzeravatar
taddeo
Moderator
Beiträge: 18969
Registriert: Donnerstag 18. Januar 2007, 09:07

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von taddeo » Donnerstag 28. April 2016, 17:30

ninah hat geschrieben:Wer sagt mir, dass diese positiven Gefühle, die durch den Glauben entstehen können, nicht einfach selbst eingeredet sind wie in positiven/mentalen Psychologie?
...
Ich habe solche Zweifel ... ich schäme mich dafür und wünschte, sie gingen einfach weg und würden einem tiefen unerschütterlichen Glauben Platz schaffen ....
Das wird Dir erst die Erfahrung sagen, wenn Du Deinen Glauben mal auch durchlitten hast. In gewisser Weise bist Du anscheinend gerade in so einer Phase. Erst das Durchstehen schwieriger Zeiten offenbart einem, was an Glaube tatsächlich in einem vorhanden ist, und es beseitigt auch viele Zweifel daran. Ein Schönwetterglaube hält solche Zeiten nicht aus.

Für mich persönlich darf ich sagen, daß der katholische Glaube mein Lebensinhalt war, seit ich auf der Welt bin. Ich habe ihn nie wirklich in Frage stellen müssen, und durfte wunderschöne Zeiten damit erleben. Aber erst meine Lebensgeschichte der vergangenen Jahre hat mir gezeigt, was mein Glaube taugt. Daß ich heute noch gerne glauben kann (und es mich zum Beispiel noch immer nicht ankotzt, bei bis zu zehn Gottesdiensten pro Woche orgelzuspielen), ist für mich mein persönlicher "Gottesbeweis". In Anlehnung an ein Wort aus den "Confessiones" des Augustinus kann ich sagen, "das Katholischsein ist mir innerlicher (geworden) als mein Innerstes".

Benutzeravatar
incarnata
Beiträge: 2047
Registriert: Mittwoch 8. November 2006, 01:11

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von incarnata » Freitag 29. April 2016, 02:29

Für den Glauben an Gott als den Ursprung allen Seins genügt mir das Staunen über all die Wunder der Natur,das mit jeder neuen
wissenschaftlichen Erkenntnis eher grösser wird: das Fascinierende des Lebens von den Zellen mit all ihren biochemischen und molekularen
Kommunikationsmechanismen bis zum Leben der Tier und Pflanzenwelt,ja auch der menschlichen Gruppen-und Staatengebilde,wo sich im Grossen wiederholt,was schon im kleinsten vorgegeben ist:das Spannungsfeld zwischen Fremd-und Selbst,Harmonie und Abwehrkämpfen,Produktivität und Zerstörung.Sollte dies alles nur ein sinnloser ewiger Kreislauf sein ?Warum ist uns dann aber die Fähigkeit gegeben,darüber nachzudenken ?Warum stellen wir uns permanent die Sinnfrage ?Warum können wir die Dinge nicht nur in ihrer Zweckhaftigkeit sondern als schön erkennen und finden gerade im zweckfreien Tun:dem Geniessen von Musik,der schönen Landschaft,dem Herstellen und Betrachten von Kunstwerken,gereimter Sprache,Spiel und Gesang höchste Erfüllung und Glück?.Und hatte in der Menschheitsgeschichte nicht Kunst immer primär sakralen Charekter ?Wozu das Alles,wenn uns damit nicht ein Weg auf ein Ziel
verwiesen wurde,das jenseits der hiesigen Welt liegt.Und verweist nicht gerade die Schönheit auf den liebenden Charakter des Ideengebers?

Der christliche Glaube wiederum spricht als einziger von einem wirklich rückhaltlos seine Geschöpfe liebenden Gott; es erkennt Ihn als
im Grunde für unsere geringe Erkenntnisfähigkeit unbegreiflich-und doch dürfen wir uns Ihm dank der Erlösungstat Seines Sohnes
wie von Mensch zu Mensch nähern und sind in den wunderbaren Austausch der Liebesbeziehung zwischen Vater,Sohn und HlGeist hineingenommen. Nach eigenem Gusto sein zu wollen wie Gott hat noch immer zu Tod und Verzweiflung geführt,während das Sich-
Erfüllen-Lassen von der Göttlichen Liebe und darauf Antworten durch den Versuch nach seinem Willen zu leben selbst in rein
menschlich gesehen-verzweifelten und schmerzhaften Situationen zu Licht und Osterfreude führt. Davon haben Christen aller
Zeiten von den ersten Vertriebenen der Apostelgeschichte bis zu den heute von Islamisten oder Ideologen verfolgten Zeugnis gegeben.
Ein selbst ausgedachtes Hirngespinst namens "Auferstehung" hätte sich nie so lange gehalten ! Glauben heisst,das Zeugnis eines Menschen,den man liebt oder verehrt für wahr halten: Die Kette läuft durch die Jahrhunderte von den Jüngern,die Christi Wort"ich bin der
Weg,die Wahrheit und das Leben" glaubten bis zum Glaubenszeugnis der eigenen Großmutter bzw. in den letzten Jahren wieder zunehmend:neu bekehrter Christen.

Liebe Ninah: Folge nur Deiner Sehnsucht:wag es,Deine "erwachsene"Zweifelei loszulassen und als Kind in die geöffneten Arme Deines Göttlichen Vaters zu springen ! Esoterik,mentale Psychologie etc. sind Verfahren,wo sich der Mensch versucht,am eigenen Zopf
aus dem Sumpf zu ziehen-der Glaube überlässt das Ziehen einem Grösseren !
Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende
Licht aus der Höhe.......(Lk1,76)

Benutzeravatar
Jarom1
Beiträge: 887
Registriert: Freitag 5. August 2011, 20:15

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Jarom1 » Freitag 29. April 2016, 08:51

offertorium hat geschrieben:
Wozu soll ich beten?
Schon um Dich selbst zu überwinden, um Deinen Blick auf etwas anderes zu lenken, was Dir vielleicht Deine Fragen beantworten kann, die Du offensichtlich selbst nicht beantworten kannst.
Was bringt es mir, wenn ich meinen Zeitplan tägliches Gebet einplane?
Eine solide Grundlage Deines eigenen Lebens. Das regelmäßige Gebet teilen alle monotheistischen Religionen miteinander.
Kann ich doch gleich Yoga machen.. fühle mich vl. ebenso entspannt und bleibe beweglich noch dazu?
Kannst Du tun, aber warum sollte es das Gebet ersetzen?
Wie Offertorium geschrieben hat, öffnest Du Dich durch das Gebet Gott und erkennst an, dass Deine Sehnsucht nur von außen durch die Gottesbeziehung gestillt werden kann. In der heutigen Esoterik kreist alles nur um Dich selbst, Dein "inneres Licht", Deine "verborgene Weisheit" und ähnliches. Schau Dir nur mal die entsprechenden Buchtitel an. Dies gilt auch für Yoga und andere östliche Heilslehren.
Consciousness of sin, certainty of faith, and the testimony of the Holy Spirit

Benutzeravatar
Jarom1
Beiträge: 887
Registriert: Freitag 5. August 2011, 20:15

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Jarom1 » Freitag 29. April 2016, 09:07

Als Ergänzung ein Buchtipp: Tatjana Goritschewa, "Von Gott zu reden ist gefährlich" (gibt es sehr günstig antiquarisch über Amazon).

Tatjana Goritschewa wächst in der Sowjetunion auf. Die offzielle Staatsdoktrin kann ihre Seele nicht erfüllen, also wendet sie sich fernöstlichen Lehren und existenzialistischen Autoren zu. Durch das Vater-Unser, das sie quasi als Mantra bei ihren Yoga-Übungen verwendet, kommt sie zum christlichen Glauben, gründet mit Freunden eine Art christliche Akademie im Untergrund und gerät in Schwierigkeiten mit dem Geheimdienst. Schließlich verlässt sie die Sowjetunion. Sie beschreibt in diesem Buch sehr anschaulich ihren Glaubensweg.
Consciousness of sin, certainty of faith, and the testimony of the Holy Spirit

Lacrimosa
Beiträge: 531
Registriert: Freitag 8. November 2013, 08:45

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Lacrimosa » Freitag 29. April 2016, 09:42

Jarom1 hat geschrieben:
offertorium hat geschrieben:
Wozu soll ich beten?
Schon um Dich selbst zu überwinden, um Deinen Blick auf etwas anderes zu lenken, was Dir vielleicht Deine Fragen beantworten kann, die Du offensichtlich selbst nicht beantworten kannst.
Was bringt es mir, wenn ich meinen Zeitplan tägliches Gebet einplane?
Eine solide Grundlage Deines eigenen Lebens. Das regelmäßige Gebet teilen alle monotheistischen Religionen miteinander.
Kann ich doch gleich Yoga machen.. fühle mich vl. ebenso entspannt und bleibe beweglich noch dazu?
Kannst Du tun, aber warum sollte es das Gebet ersetzen?
Wie Offertorium geschrieben hat, öffnest Du Dich durch das Gebet Gott und erkennst an, dass Deine Sehnsucht nur von außen durch die Gottesbeziehung gestillt werden kann. In der heutigen Esoterik kreist alles nur um Dich selbst, Dein "inneres Licht", Deine "verborgene Weisheit" und ähnliches. Schau Dir nur mal die entsprechenden Buchtitel an. Dies gilt auch für Yoga und andere östliche Heilslehren.
Das ist ein schwieriger und missverständlicher Post.

Es geht um die Öffnung zu Gott, die ninah in ihrer Glaubenskrise, die wahrscheinlich seit Jahren schlimmer wird, verloren hat. Diese Tür kann sich durch ein zu viel an Intellektualismus (und einem zu wenig an Liebe) geschlossen anfühlen. Sie nimmt in ihrer Glaubenskrise Gott, die Liebe, das Vertrauen, einfach nicht mehr wahr.

(Ninah, falls du das liest, sei dir gewiss, dass Gott trotzdem grundsätzlich da ist.)

Es kommt sehr darauf an, in welcher Verfassung der Einzelne – in dem Fall ninah – gerade ist. Natürlich sind Ferndiagnosen schwierig, jedoch halte ich an dieser Stelle die Botschaft für missverständlich, dass die Gottesbeziehung nur von außen gestillt werden kann. Denn so wie ich das sehe, ist ninah stark kopflastig und betet, wie sie schreibt, bereits gegen eine weiße Wand.

So jemandem empfehlen, dass die Sehnsucht nur von außen gestillt werden kann, ist aus dem Grund irreführend, weil sie diese weiße Wand bereits akribisch absucht: indem sie diese Wand immer weiter mit unterschiedlichen Denktheorien anmalt. Bis zum intellektuellen Overkill. Vielleicht ist sie hochbegabt, whatever. Aber bei sich ist sie nicht! Sie kennt sich nicht. Sie vertraut sich nicht. Sie zweifelt an allem, wie sie uns berichtet hat.

Das Gebet ist etwas, so lehrt Jesus, das im Verborgenen stattfindet, in der Kammer. Dort, wo es Gott sieht. Das Gebet ist also etwas, diese Erfahrung machst du, Jarom1, ja sicherlich auch, das sich im Inneren eines Menschen abspielt. Man plappert nicht nur etwas auf der Verstandesebene vor sich hin, laut oder leise wie die Heiden, sondern nimmt sich mit seinen ganzen Aspekten, seinen Zweifeln, Nöten, Ängsten, Fragen und Emotionen mit ins Gebet hinein.

Ein Mensch, also ein Mensch wie ninah, der sich selbst vor lauter Intellektualismus verloren hat, zudem seinen Gefühlen und Regungen nicht mehr traut, alles wiederkäut, hinterfragt und bezweifelt, kommt niemals zur Ruhe. Und durch das verlorene Selbstvertrauen, wird er ziemlich misstrauisch und zweifelt alles an. Das Selbstvertrauen ist jedoch die Grundvoraussetzung um anderen – und Gott – zu vertrauen.

Summa summarum: Es ist heilsam, den Blick nach innen zu richten, um zunächst einmal das „innere Licht“, die Anbindung zu sich selbst zu finden. Wenn dann das Licht endlich gefunden wurde, (und nicht mehr unter den Scheffel gestellt oder narzisstisch herausgekehrt werde muss,) von demjenigen der ja bereits im Außen sucht, dann erst kann die Beziehung zu Gott, vom Ich zum Du, hergestellt werden.
Zuletzt geändert von Lacrimosa am Freitag 29. April 2016, 10:07, insgesamt 3-mal geändert.
Lasst in eurem Miteinander Platz, dass der Hauch des Himmels zwischen euch spielen kann. (Khalil Gibran)

Lacrimosa
Beiträge: 531
Registriert: Freitag 8. November 2013, 08:45

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Lacrimosa » Freitag 29. April 2016, 09:52

Jarom1 hat geschrieben:Als Ergänzung ein Buchtipp: Tatjana Goritschewa, "Von Gott zu reden ist gefährlich" (gibt es sehr günstig antiquarisch über Amazon).

Tatjana Goritschewa wächst in der Sowjetunion auf. Die offzielle Staatsdoktrin kann ihre Seele nicht erfüllen, also wendet sie sich fernöstlichen Lehren und existenzialistischen Autoren zu. Durch das Vater-Unser, das sie quasi als Mantra bei ihren Yoga-Übungen verwendet, kommt sie zum christlichen Glauben, gründet mit Freunden eine Art christliche Akademie im Untergrund und gerät in Schwierigkeiten mit dem Geheimdienst. Schließlich verlässt sie die Sowjetunion. Sie beschreibt in diesem Buch sehr anschaulich ihren Glaubensweg.
Das ist der Sinn des Yoga: Dabei zu helfen, die Tür zu Gott von innen her aufzustoßen. Das Vaterunser, kann ich aus eigener Übungspraxis berichten, passt perfekt zum Sonnengrußzyklus, einer bekannten Übungsreihe des Yogalehrers Swami Sivananda. Vor dem Hintergrund einer ausgeprägten Kopflastigkeit: Nicht lesen(!), ausprobieren.
Lasst in eurem Miteinander Platz, dass der Hauch des Himmels zwischen euch spielen kann. (Khalil Gibran)

Mary
Beiträge: 1420
Registriert: Mittwoch 29. Juli 2009, 06:58

Re: Was überzeugt euch? Was sind eure Gründe, zu glauben?

Beitrag von Mary » Freitag 29. April 2016, 10:42

ninah hat geschrieben: Ich habe solche Zweifel ...
Ninah.... :streichel:

gibt es irgendeine Erinnerung in deinem Glaubensleben, aus einer Zeit, als Du sicherer warst, an die Du anknüpfen könntest? So dass Du sagen könntest: Ich weiss, dass Gott ist, denn ich habe ihn erlebt?

Manchmal hilft alles Grübeln nichts. Sondern nur das "Dranbleiben". Die Gebete sprechen, in die Gottesdienste gehen, in grosser Treue und Verlässlichkeit...
Und glaub mir, ich rede da aus Erfahrung....

vielleicht kannst Du es machen, wie Jakob (Gen 32,27)
Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.
lg Mary
Who is so great a God as our God? You are the God who does wonders!

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema