Sonntags Pflicht/Sünde

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Lycobates
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Re: Sonntags Pflicht/Sünde

Beitrag von Lycobates » Freitag 26. April 2019, 21:16

Herr v. Liliencron hat geschrieben:
Freitag 26. April 2019, 20:59
Nein. Nur natürliches, unvermischtes Wasser darf man ohne Beschränkung vorher trinken.
Und zwar erst seit 1953.
Die alte (apostolische, wie Papst Pius XII. selbst anerkennt) Regel fordert ein absolutes Jejunium naturale. Keine Nahrung, kein Trinken (wobei es keine parvitas materiae gibt !). Das bedeutet: auch die kleinste Menge Essens oder Trinkens machte die hl. Kommunion an dem Tag unmöglich.
Mein seliger Vater, der vor dem Krieg als Knabe Meßdiener war, erzählte öfter, er hätte einmal früh morgens auf dem Wege vom Hof zur Kirche unwillkürlich ein aufgelesenes Ährenkörnchen in den Mund gesteckt und verschluckt.
Natürlich hat er das dem Pfarrer gesagt. Er durfte zwar die Messe dienen, hat aber an jenem Tage die Kommunion nicht bekommen.

Herr v. Liliencron
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Re: Sonntags Pflicht/Sünde

Beitrag von Herr v. Liliencron » Freitag 26. April 2019, 21:23

Ein greiser Franziskaner, der nur die alte Messe las, erzählte von einem Bruder, der Zahnpasta verschluckt und deswegen nicht kommuniziert hat.

Der Pater meinte zu mir, das hätte er ruhig gekonnt. Zahnpasta sei weder ein Getränk, noch eine Speise. Denke ich auch. Selbst, wenn Bestandteile auch Zutaten für Speisen sein könnten.

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Lycobates
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Re: Sonntags Pflicht/Sünde

Beitrag von Lycobates » Freitag 26. April 2019, 21:26

Herr v. Liliencron hat geschrieben:
Freitag 26. April 2019, 21:23
Ein greiser Franziskaner, der nur die alte Messe las, erzählte von einem Bruder, der Zahnpasta verschluckt und deswegen nicht kommuniziert hat.

Der Pater meinte zu mir, das hätte er ruhig gekonnt. Zahnpasta sei weder ein Getränk, noch eine Speise. Denke ich auch. Selbst, wenn Bestandteile auch Zutaten für Speisen sein könnten.
Ita est, non habet rationem cibi.

Das gleiche gilt für Speisereste zwischen den Zähnen, die unversehens verschluckt würden.

Herr v. Liliencron
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Re: Sonntags Pflicht/Sünde

Beitrag von Herr v. Liliencron » Freitag 26. April 2019, 21:44

Das könnte man dann aber wohl auch von dem Ährenkörnlein Ihres Vaters sagen.

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Re: Sonntags Pflicht/Sünde

Beitrag von Lycobates » Freitag 26. April 2019, 22:08

Herr v. Liliencron hat geschrieben:
Freitag 26. April 2019, 21:44
Das könnte man dann aber wohl auch von dem Ährenkörnlein Ihres Vaters sagen.
Das glaube ich nicht.
Was von außen aufgenommen wird, und rationem cibi hat, also Speise ist, und verdaut werden kann, bricht die Nüchternheit, so klein es ist.
Was aber bereits als Speise aufgenommen wurde, also bereits Teil des Körpers ist (etwa, wenn man aufstößt und dann wieder verschluckt, oder Blut aus der Nase oder dem Mund verschluckt), oder was keine Speise ist (wenn man etwa eine Mücke oder Staub einatmet und verschluckt), beeinträchtigt die eucharistische Nüchternheit nicht.

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Re: Sonntags Pflicht/Sünde

Beitrag von Herr v. Liliencron » Freitag 26. April 2019, 22:13

Lycobates hat geschrieben:
Freitag 26. April 2019, 22:08
Herr v. Liliencron hat geschrieben:
Freitag 26. April 2019, 21:44
Das könnte man dann aber wohl auch von dem Ährenkörnlein Ihres Vaters sagen.
Das glaube ich nicht.
Was von außen aufgenommen wird, und rationem cibi hat, also Speise ist, und verdaut werden kann, bricht die Nüchternheit, so klein es ist.
Was aber bereits als Speise aufgenommen wurde, also bereits Teil des Körpers ist (etwa, wenn man aufstößt und dann wieder verschluckt, oder Blut aus der Nase oder dem Mund verschluckt), oder was keine Speise ist (wenn man etwa eine Mücke oder Staub einatmet und verschluckt), beeinträchtigt die eucharistische Nüchternheit nicht.
Ihr Vater hat ja dieses Korn mehr spielerisch in den Mund genommen, nicht, um etwas zu essen und auch nur versehentlich verschluckt, nicht im eigentlichen Sinn "gegessen". Aber wir müssen das im nachhinein nicht mehr klären oder entscheiden.

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Re: Sonntags Pflicht/Sünde

Beitrag von Lycobates » Freitag 26. April 2019, 22:36

Herr v. Liliencron hat geschrieben:
Freitag 26. April 2019, 22:13
Lycobates hat geschrieben:
Freitag 26. April 2019, 22:08
Herr v. Liliencron hat geschrieben:
Freitag 26. April 2019, 21:44
Das könnte man dann aber wohl auch von dem Ährenkörnlein Ihres Vaters sagen.
Das glaube ich nicht.
Was von außen aufgenommen wird, und rationem cibi hat, also Speise ist, und verdaut werden kann, bricht die Nüchternheit, so klein es ist.
Was aber bereits als Speise aufgenommen wurde, also bereits Teil des Körpers ist (etwa, wenn man aufstößt und dann wieder verschluckt, oder Blut aus der Nase oder dem Mund verschluckt), oder was keine Speise ist (wenn man etwa eine Mücke oder Staub einatmet und verschluckt), beeinträchtigt die eucharistische Nüchternheit nicht.
Ihr Vater hat ja dieses Korn mehr spielerisch in den Mund genommen, nicht, um etwas zu essen und auch nur versehentlich verschluckt, nicht im eigentlichen Sinn "gegessen". Aber wir müssen das im nachhinein nicht mehr klären oder entscheiden.
So ist es.
Mein Vater hat immer mit der größten Wertschätzung über diesen Pfarrer gesprochen, und ich glaube, seine Entscheidung war richtig, und dem Knaben gegenüber, Respekt vor dem Allerheiligsten einschärfend, weise. (Knaben neigen ja dazu, die Grenzen des Erlaubten zu sondieren).
Ich habe den Pfarrer noch gekannt. Er war 1900, im Heiligen Jahr, Priester geworden, und starb am Cäcilientage 1969, 95 Jahre alt. Man könnte sagen: felix opportunitate mortis.

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Re: Sonntags Pflicht/Sünde

Beitrag von Herr v. Liliencron » Freitag 26. April 2019, 22:54

Pädagogisch war es sicher richtig. Einprägsam und eindrucksvoll für Ihren Vater.

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Re: Sonntags Pflicht/Sünde

Beitrag von Kartäuser » Montag 28. Oktober 2019, 13:42

In diesem Thread nur zu lesen, ist ja schon ebenso interessant wie abenteuerlich.
Die Sonntagspflicht von Bistum zu Bistum verschieden, in einem Fall sogar nur in einem bestimmten Teil des Bistums für einen bestimmten Feiertag gültig, keine Kommunion, weil man Zahnpasta oder ein Getreidekörnchen verschluckt hat - nennt mich Ketzer, aber das alles ist doch wirklich absurd.

Mir fiel es schon immer schwer, an einen Gott zu glauben, der im Himmel sitzt und bei jedem Gläubigen Strichliste führt, ob dieser denn auch - wohlgemerkt zur richtigen Zeit! - in der Kirche war, aber die geschilderten Beispiele setzen dem Ganzen echt die Krone auf. Und wenn man es streng nimmt, müsste man dann ja - bezogen auf das Erzbistum Hamburg - glauben, dass der mecklenburgische Katholik, der an diesem Tag nicht in der Messe war und stirbt, in den Himmel kommt, während alle anderen in die Hölle wandern (oder war es umgekehrt?). Bei aller Glaubenstreue, aber das ist schon echt absurd (von der Aussage Jesu, dass der Sabbat für den Menschen da sei und nicht umgekehrt, mal ganz zu schweigen).

Ich finde, DAS sind die Dinge, mit denen sich Synoden beschäftigen sollten, nicht mit naturreligiösem Brimborium oder den endlos gleichen Fragen von Zölibat oder Frauenpriestertum.
"Wenn Sie mich fragen, ob das denn noch zeitgemäß ist, dann antworte ich Ihnen: Zeitgemäß vielleicht nicht, aber ewigkeitsgemäß ist es."
(Erzbischof Dr. Johannes Dyba +)

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