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Schwestern im Habit nicht mehr in den Schulen?
Verfasst: Dienstag 12. Oktober 2004, 12:39
von peter51
Möchte mal wissen, was ihr von der Entscheidung eines Gerichts in Baden-Württemberg haltet: Schwestern dürfen im Habit nicht mehr an staatlichen SChulen unterrichten (Gleichbehandlung mit Muslimas). Was sagt ihr dazu?
Verfasst: Dienstag 12. Oktober 2004, 12:40
von Juergen
Nix.
(Bin mir auch nicht sicher, ob das z.B. für NRW relevant ist oder es dort ein gleiches Urteil geben könnte.)
Verfasst: Dienstag 12. Oktober 2004, 12:42
von Dr. Dirk
Das ist eine logische Folge aus dem Kopftuchverbot und war vollkommen voraussehbar.
Verfasst: Dienstag 12. Oktober 2004, 12:50
von Cicero
Ist das Urteil schon rechtskräftig?
so sicher bin ich mir in Bezug auf einen vernünftig darstellbaren Zusammenhang mit dem Kopftuchverbot nicht.
Wie wohl, so mancher hätte es gerne...
Verfasst: Dienstag 12. Oktober 2004, 13:00
von Dr. Dirk
Cicero hat geschrieben:so sicher bin ich mir in Bezug auf einen vernünftig darstellbaren Zusammenhang mit dem Kopftuchverbot nicht.
Ein vernünftiger Zusammenhang besteht sicher nicht, das Urteil ist aber trotzdem eine logische Folge.
Verfasst: Dienstag 12. Oktober 2004, 13:02
von Marlene
Cicero hat geschrieben:Ist das Urteil schon rechtskräftig?
Mein Kenntnisstand vom Samstag ist, dass Prof Kirchhof aus Tübingen (nicht der Heidelberger Steuerexperte), der die Rechtsgrundlagen des Kopftuchverbots für die Gesetzesvorlage in Bad-Württemberg geschrieben hat, damit argumentiert, dass das Habit eine typische Berufskleidung sei, und gerade kein religiöses Bekenntnis ....
Dieses Argument wird gerade in einer der Instanzen auseinander genommen.
Verfasst: Dienstag 12. Oktober 2004, 13:06
von Juergen
@Dirk
Naja, so einfach ist das sicher nicht.
Bei Nonnen z.B. gibt es vielfach die Wahlmöglichkeit gar nicht, ob sie einen Habit tragen oder nicht. Die einzige Wahl die dort besteht ist: mit Habit unterrichten oder gar nicht unterrichten (=Unterrichtsausfall).
Betrifft das Urteil eigentlich auch den Religionsunterricht

Verfasst: Dienstag 12. Oktober 2004, 13:24
von Dr. Dirk
@Jürgen
Vor knapp einem Jahr in einem anderen Forum, wo es um das Kopftuch-Urteil ging, habe ich vorausgesagt, dass das Verbot von Priesterkleidung und Nonnentracht an öffentlichen Schulen der nächste Schritt sein wird. Für mich war das völlig logisch, weil die Menschen allgemein dazu neigen, alles in einen Topf zu werfen.
Hier noch ein kath.net-Artikel aus der Zeit:
http://www.kath.net/detail.php?id=6482
Re: Schwestern im Habit nicht mehr in den Schulen?
Verfasst: Dienstag 12. Oktober 2004, 13:49
von max72
peter51 hat geschrieben:Möchte mal wissen, was ihr von der Entscheidung eines Gerichts in Baden-Württemberg haltet: Schwestern dürfen im Habit nicht mehr an staatlichen SChulen unterrichten (Gleichbehandlung mit Muslimas). Was sagt ihr dazu?
Toleranz bedeutet nun dass keiner mehr ein Zeichen setzen darf dass irgendeinem anderen missflanne koennte. Kleinster gemeinsamer Nenner...
Max
Re: Schwestern im Habit nicht mehr in den Schulen?
Verfasst: Dienstag 12. Oktober 2004, 21:32
von Reinhard Gonaus
peter51 hat geschrieben:Möchte mal wissen, was ihr von der Entscheidung eines Gerichts in Baden-Württemberg haltet: Schwestern dürfen im Habit nicht mehr an staatlichen SChulen unterrichten (Gleichbehandlung mit Muslimas). Was sagt ihr dazu?
Auf die Gefahr hin, für überheblich gehalten zu werden: Sowas ist mir unbegreiflich. Bei uns in Österreich ist das Mittelalter schon vorbei, und es gibt infolgedessen keine Kleiderordnungen.
Diese ganze Kopftuchdebatte ist etwa so nötig wie ein Kropf und so sinnvoll wie das Vermeiden von Gedanken an einen schwarzen Frosch bei der Einnahme von Aspirin.
Verfasst: Dienstag 12. Oktober 2004, 21:43
von Erich
Bei uns in Österreich ist das Mittelalter schon vorbei
glaubst Du nur

Verfasst: Dienstag 12. Oktober 2004, 22:05
von roncalli
Erich hat geschrieben:Bei uns in Österreich ist das Mittelalter schon vorbei
glaubst Du nur

Nicht in jeder Beziehung ist das Mittelalter in Österreich vorbei, aber wir haben keinen Adel mehr und Muslimas, Christinnen und Jüdinnen dürfen bei uns übrrall, wo sie wollen, Kopftücher tragen.
Der Islam ist in Österreich schon seit 1912 anerkannte Religionsgemeinschaft, islamischer Religionsunterricht in den Schulen eine Selbstverständlichkeit.
Vermutlich sind Muslime deshalb in Österreich auch weniger fanatisch.
Verfasst: Mittwoch 13. Oktober 2004, 07:06
von FioreGraz
ICh finde disesen Streit sowieso schwachsinnig. Man sollte eher darauf achten das nicht ein fanatischer Moslem (aber natürlich ebenso Christ) in seinem Unterricht zum heiligen Krieg auffruft, bzw. Bekehrungsversuche in der MAthestunde sartet. Wenn schon dann das Übel bei der Wurzel packen, der Rest ist Schattenboxen.
LG
Fiore
Verfasst: Mittwoch 13. Oktober 2004, 12:14
von Marlene
roncalli hat geschrieben:
Der Islam ist in Österreich schon seit 1912 anerkannte Religionsgemeinschaft, islamischer Religionsunterricht in den Schulen eine Selbstverständlichkeit.
Vermutlich sind Muslime deshalb in Österreich auch weniger fanatisch.
Das macht Sinn.
Weißt du zufällig, wie hoch der Anteil der muslimischen Bevölkerung ist?
(Rein interessehalber ...., nicht um ein Diskussionargument zu basteln)
Verfasst: Mittwoch 13. Oktober 2004, 13:10
von Erich
Wie kann ich Östereicher werden??
Verfasst: Mittwoch 13. Oktober 2004, 13:25
von FioreGraz
Österreich ca 4% Moslems
75% Christen
13% OB
Deutschland ca. 4% Moslems
65% Christen
24% OB
Marlene hat geschrieben:roncalli hat geschrieben:
Der Islam ist in Österreich schon seit 1912 anerkannte Religionsgemeinschaft, islamischer Religionsunterricht in den Schulen eine Selbstverständlichkeit.
Vermutlich sind Muslime deshalb in Österreich auch weniger fanatisch.
Das macht Sinn.
Weißt du zufällig, wie hoch der Anteil der muslimischen Bevölkerung ist?
(Rein interessehalber ...., nicht um ein Diskussionargument zu basteln)
Verfasst: Mittwoch 13. Oktober 2004, 13:33
von max72
Mal zurueck zu den schwestern: Was machen die denn nun? Ohne Ordenstracht unterrichten? Nicht mehrunterrichten? Boykottieren?
Max
Verfasst: Mittwoch 13. Oktober 2004, 16:02
von Reinhard Gonaus
roncalli hat geschrieben:
Der Islam ist in Österreich schon seit 1912 anerkannte Religionsgemeinschaft, islamischer Religionsunterricht in den Schulen eine Selbstverständlichkeit.
Vermutlich sind Muslime deshalb in Österreich auch weniger fanatisch.
Na ja.
Ganz so nicht. 1912 wurde das Verfahren zur Anerkennung des Islam als staatlich privilegierte Religion eröffnet, nachdem Bosnien und Herzegowina okkupiert waren. 1914 brach der Krieg aus. Nach 1918 ruhte das Verfahren mangels Masse. (Keine Muslime mehr in Österreich) Irgendwann in den 70er Jahren wurde es wieder aufgenommen und zu Ende geführt.
Und was den Fanatismus betrifft: Den gibt's hierzulande schon auch. Nur: Weil's eine offizielle islamische Gemeinde gibt, hat der quasi kein Leiberl.
Was ich bei einer Fortbildungsveranstaltung gehört habe: Etwa 60% der islamischen Religionslehrer sind weiblich. Für ihre theologische Ausbildung ist die islamische Gemeinde zuständig. Die pädagogische Ausbildung erfolgt weitgehend am religionspädagogischen Institut der Diözese Innsbruck. Und: Unterrichtssprache im schulischen islamischen Religionsunterricht ist selbstverständlich Deutsch. Anders ginge es ja gar nicht, weil die Schüler und Schülerinnen ja Türken, Kurden, Iraner, Afghanen, Araber, Berber, Pakistanis, und was weiß ich noch sind. Eine Grundeinführung ins Hocharabische gehört halt dazu, logischerweise.
Verfasst: Mittwoch 13. Oktober 2004, 16:06
von Juergen
max72 hat geschrieben:Mal zurueck zu den schwestern: Was machen die denn nun? Ohne Ordenstracht unterrichten? Nicht mehrunterrichten? Boykottieren?
Ich würde mich an ihrer Stelle für das Nichtmehrunterrichten entscheiden.
Verfasst: Mittwoch 13. Oktober 2004, 16:08
von Reinhard Gonaus
Erich hat geschrieben:Wie kann ich Östereicher werden??
Das ist gar nicht so einfach. Mindestens 10 Jahre ohne Unterbrechung da leben und dann bei der zuständigen Landesregierung um Verleihung ansuchen. Für EU-Bürger, Sportler, eminente Wissenschaftler, Ehepartner von Österreichern u. dgl. ist's "billiger", sprich, geht schneller. Ist aber kein Verlass drauf.
Verfasst: Mittwoch 13. Oktober 2004, 18:52
von roncalli
Reinhard Gonaus hat geschrieben: Na ja.
Ganz so nicht. 1912 wurde das Verfahren zur Anerkennung des Islam als staatlich privilegierte Religion eröffnet, nachdem Bosnien und Herzegowina okkupiert waren. 1914 brach der Krieg aus. Nach 1918 ruhte das Verfahren mangels Masse. (Keine Muslime mehr in Österreich) Irgendwann in den 70er Jahren wurde es wieder aufgenommen und zu Ende geführt...
Die Anerkennung von Religionsgesellschaften ist in Österreich bereits im "Anerkennungsgesetz" von 1874 geregelt. Durch das
“Islamgesetz" von
1912 wurde diese Anerkennung bekräftigt und in einigen Einzelheiten erweitert. Dieses Islamgesetz stellt die Grundlage auch für die heutige rechtliche Situation der Muslime als "Körperschaft des öffentlichen Rechts" dar. Ab Mitte der sechziger Jahre sind bereits die ersten Ansätze für die
Gründung einer islamischen Kultusgemeinde zu finden. 1979 erteilte das zuständige Unterrichtministerium per Bescheid die Genehmigung zur Errichtung der ersten Wiener Islamischen Religionsgemeinde.
Die Religionspädagogische Akademie unserer Diözese unterstützt auch islamische Religionslehrer durch Kurse in
pädagogischer Hinsicht. Auch das ist ein wichtiger Beitrag gegen den Fanatismus.
Verfasst: Mittwoch 13. Oktober 2004, 19:26
von Erich_D
FioreGraz hat geschrieben:Österreich ca 4% Moslems
75% Christen
13% OB
Deutschland ca. 4% Moslems
65% Christen
24% OB
Allerdings mit unterschiedlicher regionaler Gewichtung. Das Bundesland Vorarlberg hat den höchsten islamischen Bevölkerungsanteil, nämlich 8,4 Prozent; Wien liegt mit 7,8 Prozent an zweiter Stelle. In Wien ist der Islam mittlerweile die zweitgrößte Religionsgemeinschaft, ganz klar vor den Protestanten und den orthodoxen Christen.
Nach dem "Zentralinstitut Islam-Archiv" soll Österreich innerhalb der EU nach Frankreich den zweithöchsten Anteil an muslimischen Einwohnern haben, nämlich 4,2 Prozent nach der Volkszählung 2001 (mittlerweile dürfte der Anteil vermutlich noch etwas höher anzusetzen sein). Bei der Volkszählung 1971 lag ihr Anteil noch bei 0,3 Prozent. So gesehen eine recht rasante Entwicklung. Mal sehen, vielleicht erleben wir es noch, dass der Ruf des Muezzin den bei vielen Zeitgenossen ungeliebten Glockenklang ablöst?
Den größten Anteil an den Muslimen stellen übrigens Personen mit türkischer Staatsbürgerschaftd (rd. 36%).