Eucharistie heißt ganz allgemein „Danksagung“, „Dankgebet“. Dieser Begriff wird aber schon bei Ignatius von Antiochien (um 110) als Begriff speziell für die liturgische Feier der „Weihe“, der „Konsekration“ von Brot und Wein verwendet.
Messe stammt aus dem Lateinischen, bedeutet ursprünglich „Sendung“, „Entlassung“ („Ite, missa est“) em Ende der Feier, doch wurde dieser Begriff später, seit dem 5. Jahrhundert, auf den ganzen eucharistischen Gottesdienst (einschließlich des vorhergehenden Wortgottesdienstes) übertragen.
Zur Zeit der Apostel, im ersten Jahrhundert, dürfte die Feier von Brot und Wein, die Eucharistie, ihren Platz im abendlichen Gemeindemahl gehhabt haben, und zwar folgendermaßen: Erst wurde das eucharistische Brot konsekriert und ausgeteilt, dann wurde ein „normales“ Sättigungsmahl gehalten, am Ende dieses Sättigungsmahls wurde dann der Wein im Kelch konsekriert und ausgeteilt. Doch schon bald fasste man dann die beiden eucharistischen Einzelhandlungen (die Konsekration des Brotes und die des Weins) zu einer einzigen Doppelhandlung zusammen, einschließlich der dazugehörigen Gebetsworte. Man legte hierzu den Brotsegen hinter das Sättigungsmahl, unmittelbar vor den Weinsegen.
In der Zeit nach den Aposteln trennte man das Sättigungsmahl ganz von der eucharistischen Doppelhandlung, die Eucharistie wurde also „verselbstständigt“. Außerdem wurde sie vom Abend auf den Morgen verlegt, aus praktischen und theologischen Gründen. Das Endstadium dieser Entwicklung ist greifbar um das Jahr 150, wo Justin den Ritus der Liturgie so schildert: 1. Ein Lektor liest aus den alttestamentlichen und neutestamentlichen Schriften, 2. der Vorsteher hält eine Ansprache, 3. die Gemeinde spricht Fürbitten, 4. Brot und Wein werden herbeigebracht, 5. über diese Gaben spricht der Vorsteher die Danksagung („Eucharistie“), 6. die Gaben werden geteilt bzw. unter die Anwesenden ausgeteilt, 7. gesammelte Spenden werden vom Vorsteher unter Notleidende verteilt. Hier zeigt sich also schon die Verbindung von Wortverkündigung und Sakramentsfeier als Grundstruktur christlicher Liturgie. In der Sakramentsfeier (Mahlfeier), also der verselbstständigten Eucharistie, ist die Mahlgestalt nur noch stilisiert erhalten – es wird ja keine körperliche Sättigung durch das Mahl mehr angestrebt. Dafür treten andere Elemente stärker in den Vordergrund, vor allem das Tischgebet, das in der Form des „Hochgebets“ zum Kern der Feier wird. Dadurch wird die Mahlgestalt der Eucharisatie dahin „verschoben“, dass sie nun stärker auf die in ihr verwirklichte Opferhingabe Christi verweist.
Die feiernde Gemeinde ist zunächst – ohne ganz präzise Vorgaben oder Normen – nur allgemein an diese Grundstruktur der Feier gebunden: Wortverkündigung, Hochgebet, Brotbrechen und Kommunion von Brot und Wein. Der Vorsteher „komponiert“ sich die Gebetstexte selbst – wobei er auf „Normalformulare“ zurückgreifen kann, die ihm aber nur als beispielhafte Vorlage dienen.
Seit dem 4. Jahrhundert wird im Zuge kirchlicher Vereinheitlichungsbestrebungen die in den kirchlichen Zentren (etwa Rom oder Mailand) übliche Mess-Gestaltung bestimmend = „normgebend“ für die von diesen geistlichen Zentren abhängigen Gebiete. Es bilden sich verschiedene „Riten“, etwa der römische Mess-Ritus, der mailändische, oder auch orientalische Riten.
Noch
zum römischen Ritus: Im 8./9. Jahrhundert, zur Zeit der
Karolinger, verfügen Pippin und Karl der Große aus politischen und religiösen Gründen die Übernahme des römischen Messritus ins fränkische Reich, wo die
gallikanische Form der Mess-Liturgie teils wild wuchert. Allerdings übernimmt man im Wesentlichen nur den sehr feierlichen römischen Papst-Gottesdienst (nicht die „normale“ = schlichte römische Messfeier), außerdem wirken die anderen Gewohnheiten und die andere Geistesart von Kelten und Germanen auf den übernommenen römischen Ritus ein und fügen ihm unter anderem private Priestergebete, die Stille beim Hochgebet oder dramatische Elemente wie die Beweihräucherung hinzu. In der weiteren Folge kommt 1.) zur Zeit der Ottonen diese
fränkisch-gallikanisch durchtränkte römische Misch-Liturgie nach Rom zurück, wo man inzwischen den Anschluss an die eigene Liturgie verloren hat und die Misch-Liturgie nun offiziell zur „römischen“ Messe erklärt, und 2.) wird die Messe mehr und mehr nicht als Gemeindefeier, sondern als
Priesterdienst gesehen, Priester und Volk werden immer mehr getrennt – auch durch das Latein als Liturgiesprache bzw. das Sprachmonopol des Klerus durch die Lateinkenntnisse. Diese
Klerus-Liturgie des ausgehenden Mittelalters gilt bis ins 20.Jahrhundert hinein als Idealform der Messfeier.
Das
Trienter Konzil im 16. Jahrundert kümmerte sich als Reaktion auf die Reformation zwar um offenkundige Missstände, Papst Pius V. brachte 1568 ein erneuertes römisches Messbuch heraus, und es kam auch in der folgenden Zeit noch zu kleineren Änderungen/Zufügungen, allerdings (aus Abwehrhaltung gegenüber den Änderungen der Reformation) herrschte eine starke Reglementierung, eine Erstarrung vor, es galt der Status quo, die Messfeier bzw. die Liturgie war vor allem kirchenrechtliches Faktum („Zeremonie“), es wurde die
so genannte „tridentinische“ Messe nach den exakten Vorschriften des Trienter Konzils gefeiert (selbst die Fingerhaltung des zelebrierenden Priesters war bis ins Detail festgelegt, ebenso die Anzahl und Anordnung von Decken, Kerzen etc.).
Erst in den 60er Jahren des vergangenen Jahrunderts kam es dann (nach "Vorarbeiten" seitens der "Liturgische Bewegung") durch das 2. Vatikanische Konzzil zu einer grundlegenden Mess-Reform, die allerdings manchen zu weit geht (sie halten an der „tridentinischen“ Messe fest) und anderen noch nicht weit genug gegangen ist.
Uli
www.textdienst.de/woran_christen_glauben.htm