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Revision der ökumenischen Glaubensbekenntnisse
Verfasst: Dienstag 28. August 2007, 18:55
von Bischof
Hallo!
Ich habe gehört, dass im Zuge der Überarbeitung der Messbücher auch eine Revision der ökumenischen Glaubensbekenntnisse (apostolisches Glaubensbekenntnis, nizänisches Credo) bis 2009 ansteht.
Wer weiss mehr und teilt es auch mit?
Herzliche Grüße
Bischof
Re: Revision der ökumenischen Glaubensbekenntnisse
Verfasst: Dienstag 28. August 2007, 20:31
von Peregrin
Bischof hat geschrieben:
Wer weiss mehr und teilt es auch mit?
Habe gehört, daß die deutsche Bischofskonferenz nach Beratung mit führenden Theologen folgenden Textvorschlag eingebracht hat:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Allerbarmer, der tanzend die Welt erschaffen hat,
was eine hübsche Allegorie dafür ist, wie wir uns selber ein sinnvolles Leben konstrieren können,
an Jesus Christus, den Sohn der Maria, einen ganz tollen Menschen, den wir uns alle als Vorbild nehmen sollen,
wenn die historischen Details zu seinem Leben und Sterben auch reichlich unklar sind,
der aber jedenfalls nicht in die "Hölle" hinabgestiegen und den "Himmel" aufgefahren ist,
wie das früher die ängstlichen Mütterln geglaubt haben,
und der auch niemandem mit einem "Gericht" Angst machen will,
sondern uns alle ins Paradies oder wahlweise ins Nirwana läßt.
Ich glaube an einen Geist, der überall in der Welt wirkt -
ob man ihn jetzt "heilig" oder "groß" oder "Baumeister" nennt,
der zu allen spricht, ohne sich dabei von einer der vielen Kirchen und Sekten vereinnahmen zu lassen,
an die bedingunglose Vergebung der Sünden (nur kein schlechtes Gewissen, die anderen sind auch nicht besser),
die Auferstehung der Toten und das ewige Leben,
naja, in einem sehr metaphorischen Sinn, vielleicht auch im Sinn einer Wiedergeburt.
Amen!
Das kann noch heiterer werden.
Re: Revision der ökumenischen Glaubensbekenntnisse
Verfasst: Dienstag 28. August 2007, 21:20
von John Grantham
Peregrin hat geschrieben:Habe gehört, daß die deutsche Bischofskonferenz nach Beratung mit führenden Theologen folgenden Textvorschlag eingebracht hat[...]
Das kann noch heiterer werden.
Dieser Entwurf war höchst geheim. Wie bist Du daran gekommen?
Cheers,
John
Re: Revision der ökumenischen Glaubensbekenntnisse
Verfasst: Dienstag 28. August 2007, 22:25
von Robert Ketelhohn
Bischof hat geschrieben:Hallo!
Ich habe gehört, dass im Zuge der Überarbeitung der Messbücher auch eine Revision der ökumenischen Glaubensbekenntnisse (apostolisches Glaubensbekenntnis, nizänisches Credo) bis 2009 ansteht.
Wer weiss mehr und teilt es auch mit?
Herzliche Grüße
Bischof
Zur Klarstellung: Es kann natürlich nur um eine Revision der Übersetzungen gehen. Die ist durchaus angebracht. So etwa sollte das Apostolicum endlich wieder wie im Original, so auch auf deutsch von der „Auferstehung des Fleisches“ reden (statt: „der Torten“).
Re: Revision der ökumenischen Glaubensbekenntnisse
Verfasst: Dienstag 28. August 2007, 22:44
von Peregrin
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Zur Klarstellung: Es kann natürlich nur um eine Revision der Übersetzungen gehen. Die ist durchaus angebracht. So etwa sollte das Apostolicum endlich wieder wie im Original, so auch auf deutsch von der „Auferstehung des Fleisches“ reden (statt: „der Torten“).
Werden da die gleichen Experten befaßt, die jetzt schon seit geraumer Zeit über der verbesserten Übersetzung von "pro multis" grübeln?
Verfasst: Mittwoch 29. August 2007, 07:53
von Bischof
Na, das wäre doch mal eine grandiose Übersetzung, die an "Bibel" in "gerechter" Sprache anknüpft.
In der Tat wäre eine Revision der Übersetzungen (natürlich nicht der Originaltexte) gut. Es wäre auch schön, wenn anstelle "hinabgestiegen in das Reich des Todes" wieder "niedergefahren zur Hölle" gesagt würde.
Herzliche Grüße
Bischof
Verfasst: Mittwoch 29. August 2007, 08:46
von Robert Ketelhohn
Verfasst: Mittwoch 29. August 2007, 09:16
von FioreGraz
Aber mit Bedacht
Die Auferstehung des Fleisches wäre eine wünschenswerte Änderung, das würde der grassierenden Häresie das wir "Larifari" oder geistig auferstehen entgegenwirken.
Bei Hölle und Todesreich wäre ich vorsichtiger, beim heutigen Wissensstand des Normalokatholiken führt das nur zu schlimmen Irrtümern.
LG
Fiore
Re: Revision der ökumenischen Glaubensbekenntnisse
Verfasst: Mittwoch 29. August 2007, 11:35
von HeGe
Peregrin hat geschrieben:Habe gehört, daß die deutsche Bischofskonferenz nach Beratung mit führenden Theologen folgenden Textvorschlag eingebracht hat:
Das werden die nie akzeptieren!

Das ist doch gar nicht geschlechtsneutral formuliert!
Verfasst: Mittwoch 29. August 2007, 22:00
von Linus
Wenn wir schon dabei sind: Wie ist diese Hölle zu Verstehen? Bisher dachte ich Hölle= Gottes Abwesenheit. Was machte dann Jesus dort, der ja Gott (und Mensch) ist?
Re: Revision der ökumenischen Glaubensbekenntnisse
Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 01:53
von SpaceRat
Robert Ketelhohn hat geschrieben:So etwa sollte das Apostolicum endlich wieder wie im Original, so auch auf deutsch von der „Auferstehung des Fleisches“ reden (statt: „der Torten“).
Ich bin da jetzt etwas verwirrt....
Also die Altlutheraner haben sich quasi gestern erst breitschlagen lassen, die verhunzte Fassung ohne Fleisch und Hölle optional zuzulassen, nachdem man sich unter Bezug auf genau die hier geäußerten Argumenten lange mit Händen und Füssen dagegen gewehrt hat...
Deshalb war ich davon ausgegangen, daß diese Verfälschung aus der römischen Gemeinschaft stammt, insbesondere nachdem mir von einem ev. Pfarrer zugetragen wurde, daß es Kollegen gibt, die auf Synoden absichtlich laut weiterhin "Fleisches" und "Hölle" sagen.
Also: Wer hat die Veränderung nun überhaupt eingebracht?
Re: Revision der ökumenischen Glaubensbekenntnisse
Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 08:38
von Robert Ketelhohn
SpaceRat hat geschrieben:Robert Ketelhohn hat geschrieben:So etwa sollte das Apostolicum endlich wieder wie im Original, so auch auf deutsch von der „Auferstehung des Fleisches“ reden (statt: „der Torten“).
Aua! aua! Ich meinte natürlich: »… der Toten«.
SpaceRat hat geschrieben:Deshalb war ich davon ausgegangen, daß diese Verfälschung aus der römischen Gemeinschaft stammt, insbesondere nachdem mir von einem ev. Pfarrer zugetragen wurde, daß es Kollegen gibt, die auf Synoden absichtlich laut weiterhin "Fleisches" und "Hölle" sagen.
Zu welchen ich gehöre.
SpaceRat hat geschrieben:Also: Wer hat die Veränderung nun überhaupt eingebracht?
Die Freimaurer (auf beiden Seiten). Die Modernisten. Die Lehmänner und Huber.
Re: Revision der ökumenischen Glaubensbekenntnisse
Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 10:36
von Linus
Robert Ketelhohn hat geschrieben:SpaceRat hat geschrieben:Robert Ketelhohn hat geschrieben:So etwa sollte das Apostolicum endlich wieder wie im Original, so auch auf deutsch von der „Auferstehung des Fleisches“ reden (statt: „der Torten“).
Aua! aua! Ich meinte natürlich: »… der Toten«./color]
Wobei: Dann wären wir fast wieder bei der kugelförmigen Auferstehung
Linus, dens nicht gestört hätt, als Erdbeercremtorte aufzuerstehen

Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 11:55
von Stephen Dedalus
Ich finde die "Auferstehung des Fleisches" unappetitlich. Kann man sich nicht auf Leib einigen?
Bei uns haben sich diese modernistischen Änderungen sowieso nie durchgesetzt. Wir beten immer:
Descended into hell
...
Resurrection of the body
Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 12:09
von John Grantham
Stephen Dedalus hat geschrieben:Bei uns haben sich diese modernistischen Änderungen sowieso nie durchgesetzt. Wir beten immer:
Descended into hell
...
Resurrection of the body
Das kommt darauf an, welche liturgische Fassung man nimmt, lieber SD.

In Common Worship der C of E sowie im 1662er BCP, und in Rite I und II bei ECUSA, steht zwar tatsächlich in allen Fassungen "resurrection of the body", aber je nach Version steht in modernen Textfassungen (Common Worship bei Euch, Rite II bei uns) "descended to the dead", nicht "into hell".
Cheers,
John
Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 12:22
von Stephen Dedalus
John Grantham hat geschrieben:Stephen Dedalus hat geschrieben:Bei uns haben sich diese modernistischen Änderungen sowieso nie durchgesetzt. Wir beten immer:
Descended into hell
...
Resurrection of the body
Das kommt darauf an, welche liturgische Fassung man nimmt, lieber SD.

In Common Worship der C of E sowie im 1662er BCP, und in Rite I und II bei ECUSA, steht zwar tatsächlich in allen Fassungen "resurrection of the body", aber je nach Version steht in modernen Textfassungen (Common Worship bei Euch, Rite II bei uns) "descended to the dead", nicht "into hell".
Cheers,
John
Mea culpa.
Ich habe nachgeschlagen:
Ja, in allen Fassungen des
Apostolicum steht "resurrection of the body".
Bei der
descensio gibt es zwei Fassungen.
Common Worship benutzt die moderne Fassung aber nur für die Offices in
modern language, die sowieso niemand benutzt, weil sie fürchterlich sind... Wenn man das Office betet, macht man das i d R eh nach der BCP Fassung, und die ist alt. Da kommt der Herr auch noch
to judge the quick and the dead.

Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 12:35
von John Grantham
Stephen Dedalus hat geschrieben:Da kommt der Herr auch noch
to judge the quick and the dead.

Na ja, die Redewendung höre ich als Fan von älterem Englisch zwar auch gerne. Aber auch ich muß auch zugeben, "quick" im Sinne von "lebendig" ist im Englischen so gut wie ausgestorben. Außerhalb der Glaubensbekenntnisse hört man das Wort in dem Sinne nicht mehr. Die allermeisten Menschen heutzutage kratzen sich am Kopf und fragen sich, wieso der Herr über Schnelle und Tote richten soll.
Es ist als ob man versuchen will, "slim" im Sinne von "schlimm" wieder aufzuerleben. Heute heißt "slim" im Englischen nur "hauchdünn", der Sinn "schlimm" ist seit Jahrhunderten ausgestorben. Das einzige m.E., was den Sinn "quick" -> "lebendig" aufrecht erhält, sind die Glaubensbekenntnisse.
Cheers,
John
Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 12:48
von Pelikan
John Grantham hat geschrieben:Das einzige m.E., was den Sinn "quick" -> "lebendig" aufrecht erhält, sind die Glaubensbekenntnisse.
Das Quecksilber käme vielleicht noch in Betracht...
Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 13:28
von John Grantham
Pelikan hat geschrieben:John Grantham hat geschrieben:Das einzige m.E., was den Sinn "quick" -> "lebendig" aufrecht erhält, sind die Glaubensbekenntnisse.
Das Quecksilber käme vielleicht noch in Betracht...
"Quicksilver" ist aber auch relativ altmodisch -- und auch bei den Menschen, die das Wort kennen, kommen m.E. nur wenige darauf, daß "quick" auf "Lebendigkeit" hinweisen soll. Manche wissen nicht mal, was "quicksilver" ist, denn "mercury" ist der aktuelle Begriff: fragst Du, welche Substanz man in einem Thermometer findet, antwortet man i.d.R. "mercury", nicht "quicksilver".
Cheers,
John
Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 15:04
von Linus
John Grantham hat geschrieben:Die allermeisten Menschen heutzutage kratzen sich am Kopf und fragen sich, wieso der Herr über Schnelle und Tote richten soll.

Das ist sogar mir klar: Die Schnellen, die dem Herrn bisher entwischt sind, um sie heimzuholen

Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 15:08
von Linus
John Grantham hat geschrieben:[ fragst Du, welche Substanz man in einem Thermometer findet, antwortet man i.d.R. "mercury", nicht "quicksilver".
Cheers,
John
Totz des Skatermodelabels? gut die schreiben sich zwar ohne "c" aber soviel kombinationsgabe ist selbst Muttersprachlern englischer Zunge zuzutrauen.....
Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 15:39
von SpaceRat
Linus hat geschrieben:John Grantham hat geschrieben:Die allermeisten Menschen heutzutage kratzen sich am Kopf und fragen sich, wieso der Herr über Schnelle und Tote richten soll.

Das ist sogar mir klar: Die Schnellen, die dem Herrn bisher entwischt sind, um sie heimzuholen

You can run, but you can not hide!
Re: Revision der ökumenischen Glaubensbekenntnisse
Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 15:44
von SpaceRat
Robert Ketelhohn hat geschrieben:SpaceRat hat geschrieben:Robert Ketelhohn hat geschrieben:So etwa sollte das Apostolicum endlich wieder wie im Original, so auch auf deutsch von der „Auferstehung des Fleisches“ reden (statt: „der Torten“).
Aua! aua! Ich meinte natürlich: »… der
Toten«
Ich hatte es als mutmaßlichen Freud'schen Versprecher mal stehen lassen, auch weil ich es ganz putzig fand.
Wobei mir nicht ganz klar ist, wieso nur die Frauen (= Torten) auferstehen sollen und nicht die Männer (= Macker).
Robert Ketelhohn hat geschrieben:SpaceRat hat geschrieben:nachdem mir von einem ev. Pfarrer zugetragen wurde, daß es Kollegen gibt, die auf Synoden absichtlich laut weiterhin "Fleisches" und "Hölle" sagen.
Zu welchen ich gehöre.
Ich entdecke immer neue Seiten an Dir.....
Verfasst: Donnerstag 30. August 2007, 15:54
von John Grantham
Linus hat geschrieben:John Grantham hat geschrieben:[ fragst Du, welche Substanz man in einem Thermometer findet, antwortet man i.d.R. "mercury", nicht "quicksilver".
Totz des Skatermodelabels? gut die schreiben sich zwar ohne "c" aber soviel kombinationsgabe ist selbst Muttersprachlern englischer Zunge zuzutrauen.....
Nee nee, ich meine nicht, daß das Wort unbekannt ist oder unbenutzt wird, sondern in welchem Zusammenhang das Wort verwendet wird. Meint man das Substanz, sagt man heute i.d.R. "mercury". "Quicksilver" ist eher dichterlich-poetisch gemeint und hat i.d.R. einen altmodischen Hauch -- oder wird als Anspielung auf "quick" im Sinne von "schnell" benutzt, wie bei den Skatern oder beim
Comic-Held Quicksilver.
Die meisten wissen schon, was "quicksilver" ist, aber das ist nur nicht das erste Wort, was einem heute zum Substanz einfällt. Sagt man "quicksilver" und meint das chemische Element Hg dabei, kommt man recht altmodisch vor. Neal Stephenson hat das Wort bewußt so eingesetzt in seinem Roman
Quicksilver.
Cheers,
John
Verfasst: Donnerstag 13. September 2007, 17:11
von henry
Linus hat geschrieben:Wenn wir schon dabei sind: Wie ist diese Hölle zu Verstehen? Bisher dachte ich Hölle= Gottes Abwesenheit. Was machte dann Jesus dort, der ja Gott (und Mensch) ist?
Der Glaubensartikel "Hinabgestiegen in das Reich des Todes" bezieht sich auf ein Zitat aus einem Petrusbrief und ist nur von der Schopfungsgeschichte des AT her zu verstehen.
Nach dem Sündenfall wurden Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben und auch ihren Nachkommen die Rückkehr dorthin verwehrt. Die Seelen aller künftigen Geschlechter, auch die der Patriarchen und Propheten, lebten nach ihrem leiblichen Tod in einem Zwischenreich, einer Art Vorhölle oder Vorhimmel.
Erst durch Chriti Kreuzestod wurde diese Verbannung beendet. Die erste Erlösungstat Christi, noch vor seiner leiblichen Auferstehung, war die Befreiung der Gefangenen, Er hat sie mit seinem Hinabsteigen aus dem "Reich des Todes" gerettet und ihnen die Pforte zum Himmel geöffnet.