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Erziehungsprobleme

Verfasst: Samstag 20. Oktober 2007, 23:34
von Robert Ketelhohn
Ich habe heute für meine Kinder eine Video-DVD gebrannt. Drei Teile
»Wunderbare Geschöpfe« von Harun Jahja. Ein sehr schöner, lehrrei-
cher Film.

Vorhin beim Abendbrot erzählte ich der Familie, ich hätte einen Film,
den wir und am morgigen Sonntag zusammen anschauen könnten.
Über Gottes Schöpfung, wie wunderbar er alles und besonders die
Tiere erschaffen habe. Da könnten wir viele Wunder der Natur sehen.
Bloß eins, sagte ich den Kindern, müsse ich ihnen vorher erklären. Der
Film sei nämlich von einem muslimischen Türken. Sie wüßte ja, daß
die Muslime glauben, daß es einen allmächtigen Gott gibt, der Himmel
und Erde und alles Geschöpf erschaffen hat. Den Menschen vor allem
und genauso die Tiere. Bloß glaubten die Muslime nicht an Jesus Chri-
stus. Sie bestritten, daß er Gott selber ist. Sie lehnten die Dreifaltigkeit
ab. Doch in dem Film gehe es nicht darum, sondern um Gottes Schöp-
fung, und was Harun Jahja darüber in seinem Film berichte, sei sehr
schön und wahr. Mich störe bloß, daß der Sprecher – obgleich sonst
alles auf deutsch sei – Gott immer mit dem arabischen Wort „Allah“
nenne. Außerdem würden ab und zu ein paar Verse aus dem Koran
zitiert, den die Muslime für ihr heiliges Buch hielten. Ich wünschte,
fügte ich noch bei, Christen hätten solch einen guten Film gemacht.
Aber es sei nun einmal dieser Harun Jahja gewesen, und mit den paar
Koranversen und dem Wort „Allah“ könnten wir schon leben.

»Na«, fragte ich schließlich, »wollen wir uns das morgen zusammen
anschauen?« – »Ja, will ich«, antwortet Victor. Larissa dagegen erwi-
dert lakonisch: »Nein. Ich sehe keine Filme von Muslimen.«

Tja. Was tun? – »In Ordnung«, sagte ich ihr. »Du mußt nicht. Dann
sehen wir ihn ohne dich.« – Post cenam wies mein holdes Eheweib mich
freilich darauf hin, daß ich die Rechnung ohnedies ohne den Wirt ge-
macht hatte. Für morgen nachmittag hat Oma sich angesagt, mit den
Kindern im Kino »Rattatouille« zu sehen. Diesen Rattenkochfilm. Also
wird aus meinem Plan sowieso nichts. Ich überlege aber, ob ich meiner
Tochter sage, wenn sie prinzipiell keine Filme von Muslimen sehe, dür-
fe sie von Rechts wegen auch keine heidnischen Rattenfilme sehen.

mäuse sind gemeinschaftswesen

Verfasst: Sonntag 21. Oktober 2007, 00:10
von Maya
Möglicherweise wusste sie, dass Oma kommt und sie ins Kino gehen würden (und der Rattenkochfilm ist natürlich nicht zu versäumen ...) - sie wollte aber ihren lieben Vater nicht kränken (" ...Ich habe heute für meine Kinder eine Video-DVD gebrannt. Drei Teile »Wunderbare Geschöpfe« von Harun Jahja. Ein sehr schöner, lehrreicher Film. ...") - aus dieser "Falle" kommt sie möglicherweise nur mit "außergewöhnlicher " (auch generalisierter) "Glaubensleistung" heraus. - Medaillen haben 2 Seiten, - kleine (Medaillen) kleine; - große große.

Ich würde das u.U. nicht philosophisch beurteilen ("sie will halt einfach diesen Film im Kino ansehen"), dann den anderen Film, auf der Couch mit ihrem Papa.

lg

Verfasst: Sonntag 21. Oktober 2007, 00:37
von Robert Ketelhohn
Nee, von Omas Idee und dem Rattenfilm wußte sie definitiv nichts.

Verfasst: Sonntag 21. Oktober 2007, 00:38
von ad_hoc
Ich denke, dass das Töchterchen glaubt, von Papa bereits so viel an religiösem Wissen erfahren zu haben, dass es glaubt, auf einen solchen Film, der praktischerweise auch gleich die Gründe mitliefert (Muslim, Korantexte etc.), ihn nicht unbedingt ansehen zu müssen, gut verzichten zu können.

Und selbstverständlich geht es ihm auch nicht unbedingt um den Film »Rattatouille«, sondern um das Zusammensein mit Oma. :D

Gruß, ad_hoc

Verfasst: Sonntag 21. Oktober 2007, 00:56
von Maya
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Nee, von Omas Idee und dem Rattenfilm wußte sie definitiv nichts.
trotzdem, - augenblicke (u. gedankeninhalte in diesen) werden mE oft überbewertet (generalisiert) - kennt larissa z.b. den ductus dieses forums, weiss sie wie sie sich "sozial attraktiv" (erwünscht) verhält - möglicherweise ist das ja auch gut so.

lg

P.S. unsere geschichte ist geprägt von permanentem krieg, wir lügen uns (bezügl. unserer aggressionsverarbeitung) leider einfach oft ins knie ...

Vielleicht

Verfasst: Sonntag 21. Oktober 2007, 10:17
von sofaklecks
Vielleicht hätte man den Film erst gemeinsam ansehen und dann erklären sollen. Ich nehme an, die Prinzessin hätte sich geschmeichelt gefühlt, sich einen Film anzusehen zu dürfen, den ihr Vater "extra für sie " gebrannt hat.

Mich jedenfalls hat die Antwort von Larissa an den Knecht erinnert, der festgestellt hat, er wolle sich seine Mitmenschen selbst ausuchen und Muslime gehörten nicht zu den dabei von ihm erwünschten.


sofaklecks

Re: Vielleicht

Verfasst: Sonntag 21. Oktober 2007, 11:13
von Robert Ketelhohn
sofaklecks hat geschrieben:Mich jedenfalls hat die Antwort von Larissa an den Knecht erinnert, der festgestellt hat, er wolle sich seine Mitmenschen selbst ausuchen und Muslime gehörten nicht zu den dabei von ihm erwünschten.
Da ist was dran. Gegenüber der Mamma hat sie nachträglich sogar
noch eins draufgesetzt. »Allah! ha! so’n Zeug will ich nicht hören.«

Steht mir nicht zu

Verfasst: Sonntag 21. Oktober 2007, 11:22
von sofaklecks
Steht mir nicht zu, dir Ratschläge zu erteilen, aber bei Frauen hilft nur die List.

Erst als ich meine Shrimps im Backteig als Fisch ausgegeben habe, hab ich eine Dame dazu gekriegt, das zu probieren. Mit Erfolg.

Steht das nicht auch im Koran, dass im Krieg und gegenüber Damen jede List erlaubt sei?

sofaklecks

Re: Steht mir nicht zu

Verfasst: Sonntag 21. Oktober 2007, 11:33
von holzi
sofaklecks hat geschrieben:Steht das nicht auch im Koran, dass im Krieg und gegenüber Damen jede List erlaubt sei?
Ich kenn aus dem Koran nur das "Schlage Dein Weib morgens, mittags und abends! Wenn auch Du nicht weißt warum; sie weiss es!" ;D

Verfasst: Sonntag 21. Oktober 2007, 11:58
von Flamme
Hallo Robert!
Ich überlege aber, ob ich meiner Tochter sage, wenn sie prinzipiell keine Filme von Muslimen sehe, dürfe sie von Rechts wegen auch keine heidnischen Rattenfilme sehen.
Ein Rückblick auf den Thread "Religionsunterricht"?:
7) Benenne wichtige Elemente des muslimischen Glaubens.
L.: Was ist muslimisch? Ah, Muslime, ich weiß! Die du nicht liebst. Aber ich weiß nicht, ob sie glauben.
R.: Wen meinst du denn?
L.: Die Muslimen!
R.: Ja, aber wer ist das? Wo sind sie? Kennst du welche?
L.: Neiin!
[An dieser Stelle begann Larissa mich zu fragen, bat mich aber, nichts mitzuschreiben. Ich erklärte ihr, daß die Muslime Gott auf arabisch Allah nennten, daß ihn als Allmächtigen und Schöpfer und Allerbarmer verehrten, daß sie aber Jesus nicht als Gott anerkennten, sondern nur für einen Propheten hielten, und daß ein Araber namens Mohammed diese Lehre ungefähr 600 Jahre nach der Kreuzigung und Auferstehung Jesu in einem Buch namen Koran aufgeschrieben habe; im übrigens seien vor allem die meisten Araber und Türken Muslime. Larissa erzählte mir noch das Beispiel des Pharisäers Simon, der Jesus nicht einmal für einen Propheten hielt; er habe zu Jesus gesagt: »Wenn du ein Prophet wärst, wüßtest du, daß sie eine Sünderin ist.« Dann mußte ich weiterschreiben:]
L.: Ich will noch was sagen über Muslime, das sollst du aufschreiben. Schreib auf! Muslime glauben nicht, und Türken.
R.: An wen glauben sie nicht?
L.: An Gott. [Ab.]
Ihre jetzige Reaktion entspricht dem in diesem Gespräch geäußerten Weltbild [offenbar durch dich bzw. durch ihre Wahrnehmung deiner Meinung (zumindest mit-)geprägt.] Ein Verbot "heidnischer" Filme geht in dieser Situation ganz am Thema vorbei.
Hier stellt sich die Frage: Hat sie deine Abneigung den Moslems gegenüber realitätsgerecht wahrgenommen? Wenn nein - Gespräch darüber angesagt. Wenn ja - liegt der Ball bei dir und sie spiegelt dich nur.

lg
Flamme

Verfasst: Sonntag 21. Oktober 2007, 12:06
von Raphaela
Vor einigen Jahren wurde die Bibel verfilmt und so nach und nach im Fernsehen gebracht. - Soviel ich mich erinnern kann, hatte ich mir später mal von irgendjemanden die DVD mit der Schöpfung ausgeliehen.- Müsste es jetzt also in Bilbliotheken gehen (ich gehe immer ins Medienzentrum des Bistums).
Vielleicht gibt es dort nochmals die biblische Schöpfung und deine Tochter würde dies ansehen?
Aber die 3-teilige interessiert mich auch. Wärest du bereit, diese mir zu kopieren?

Verfasst: Sonntag 21. Oktober 2007, 12:16
von Robert Ketelhohn
Danke dir für die Hinweise, Flamme! Allerdings muß es sich bei dem, was du von Larissa zitierst, um eine Projektion handeln. Wir hatten praktisch nie gemeinsam Berührung mit Muslimen und haben auch nie darüber gesprochen. Abfällige Bemerkungen in dieser Richtung mache ich nicht, und es gab dazu auch nie Gelegenheit.

Allerdings hab’ ich noch was ausgegraben, was ich hier schon einmal gebracht habe:

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Wie entsteht Ausländerfeindlichkeit? – Dazu eine kurze Begebenheit,
die sich heute so abgespielt hat.

Ich war heute vormittag mit meinen beiden älteren Kindern im Auto
unterwegs. Zuerst setzte ich Victor in seiner Schule ab. (Das ist eine
russische Sonnabendsschule, als Ergänzung zur normalen Schule oder
zum Kindergarten. Victor geht in die Vorschulstufe.)

Als ich zum Auto zurückkehrte – Larissa hatte dort auf mich gewartet
– kamen dumpfe Laute aus dem Auto. Ich öffnete die Tür und stieg
ein. »Papa, hast du nichts gehört?« – »Ja, du hast irgendwas gerufen?«
– »Neiiin!« Und nach einer kleinen Pause machte sie: »Uhuuu! uhuuu!«

»Ach, du bist ein Uhu!?« – »Iiaaah! iiiiah!« – »Ach, ein Esel bist du?«
– »Neiiin, eine Maus! Fiiiep! fiiep fiiep!« Inzwischen bogen wir in die
Straße ein, wo Larissas Unterricht stattfindet. Sie geht dort in die erste
Klasse. Larissa ließ undefinierbare Urlaute hören.

»Ich bin ein Löwe.« Sie brüllte weiter. Eine Strecke die Straße hinauf
ging ein älteres Paar, die Frau mit einem dunklen Tuch oder Schleier,
soweit aus der Ferne erkennbar. Larissa brüllte noch einmal und rief
dann: »Türken fress’ ich gerne! Türken fress’ ich gerne! Türken fress’
ich gerne!«

Mir blieb die Spucke weg. Larissa kringelte sich vor Lachen. Als ich ein-
geparkt hatte, legte sie noch einmal los: »Ich fress’ gerne kleine Mäuse,
und auch riesengroße Türken. Und kleine Türken auch!«

Als wir uns endlich zu Fuß der Schule näherten, verebbte ihr Kicher-
krampf. Der Ernst des Lebens hatte sie wieder.

Zu Hause erzählte ich die Geschichte meiner Frau. »Wo hat sie denn
das her?« war die Antwort. Schulterzucken. Später erzählte ich’s der
Oma. Dieselbe Reaktion: »Wo hat sie denn das her?«

Dann telephonierte Oma selbst noch einmal mit Larissa. Ich weiß nicht,
was sie ihr im einzelnen sagte, aber es ging offenbar um dies Thema,
denn Larissa sagte irgendwann: »Nee, Löwen fressen keine Russen, die
fressen Türken!« Und nach einer kleinen Pause, während derer Oma
wieder sprach, vernahm ich Larissa: »Die Türken haben Mamma im
Taxi nie verstanden! Blöde Türken! Blöde Türken!«

Verfasst: Sonntag 21. Oktober 2007, 12:27
von Leguan
Also ich verstehe nicht, was an dem Rattenkochfilm heidnisch sein soll. An dem Film haben wahrscheinlich Christen und Atheisten, und vielleicht auch ein paar Heiden und Moslems mitgewerkelt.
Aber im Gegensatz zu dem anderen Film trifft er doch wohl keine Aussage über Gott und die Schöpfung.
Oder geht es darum, daß Ratten sprechen können? Das können Tiere auch in Fabeln und Märchen.

Also den Vergleich zwischen dem Rattenkochfilm und dem Schöpfungsfilm finde ich äußerst hinkend. Was anderes wäre es, wenn es hier um "Der Goldene Kompaß" ginge, der ja auch bald ins Kino kommt.

Verfasst: Montag 22. Oktober 2007, 01:46
von koenigstochter
neurotische eltern - neurotische kinder

Verfasst: Montag 22. Oktober 2007, 06:10
von Ecce Homo
koenigstochter hat geschrieben:neurotische eltern - neurotische kinder
Is ne brüchige Schublade, in die du manche Leute steckst... :roll:

Re: Erziehungsprobleme

Verfasst: Montag 22. Oktober 2007, 07:04
von SpaceRat
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Ich habe heute für meine Kinder eine Video-DVD gebrannt. Drei Teile
»Wunderbare Geschöpfe« von Harun Jahja. Ein sehr schöner, lehrrei-
cher Film.
...
Für morgen nachmittag hat Oma sich angesagt, mit den
Kindern im Kino »Rattatouille« zu sehen. Diesen Rattenkochfilm.
Also bei der Auswahl würde ich auch lieber "Ratatouille" sehen... Genau genommen hab ich das schon. Süße kleine Ratte, netter Film.
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