Die "Aktiven" und die "Frommen"

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cantus planus
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Re: Die "Aktiven" und die "Frommen"

Beitrag von cantus planus » Montag 14. April 2008, 20:41

Edi hat geschrieben:Ansonsten: Vielleicht mal mehr indische Priester kommen lassen:
http://www.ev-eucharistic.com/
Vorsicht! Das massenweise Einführen ausländischer Priester löst nicht alle Probleme. Ich habe einige Jahre mit einem komplett ausländischem Pfarrteam zusammengearbeitet.

Es war interessant, aber ich halte es für keine gute Lösung.
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Nueva
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Beitrag von Nueva » Montag 14. April 2008, 20:54

Jaja, lieber Inder, als Kinder :mrgreen: :mrgreen: Typisch deutsche Lösung.
Klar sind ausländische Priester interessant, aber für die Situation hier im Land kaum eine Lösung des Problems.

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Edi
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Re: Die "Aktiven" und die "Frommen"

Beitrag von Edi » Montag 14. April 2008, 20:55

cantus planus hat geschrieben:
Edi hat geschrieben:Ansonsten: Vielleicht mal mehr indische Priester kommen lassen:
http://www.ev-eucharistic.com/
Vorsicht! Das massenweise Einführen ausländischer Priester löst nicht alle Probleme. Ich habe einige Jahre mit einem komplett ausländischem Pfarrteam zusammengearbeitet.

Es war interessant, aber ich halte es für keine gute Lösung.
Massenweise will wohl auch keiner und soviele ind. Priester wird es auch gar nicht geben, die kommen könnten.
Das Problem muss schon im Inland angegangen werden, aber wenn man sieht, was da z.B. in Linz alles abgeht, da wundert einen nichts mehr. Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken.

Nueva
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Beitrag von Nueva » Montag 14. April 2008, 21:02

Na, außerdem ist Deutschland ja nimmer so interessant . Andere Diözesen zahlen mehr und haben bessere Arbeitsbedingungen für ausländische Priester, als so manche deutsch(sprachige). Längerfristig werden wir uns selber um den Priesetenachwuchs kümmern müssen -
aber bitte nicht eins meind´ner Kinder. Dann hätte ich ja laut Eugen Drewermann in meiner Erziehung versagt- *und des geht ah wida net*

Gerhard
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Beitrag von Gerhard » Dienstag 15. April 2008, 07:34

michaelis hat geschrieben:Wichtig ist nur, daß er neben seinem Schwerpunkt die anderen Formen nicht vergißt.
Ganz wichtig ist auch noch der Austausch mit den anderen Gemeindemitgliedern. Aber wenn sich die Gespräche nur auf den nächsten Kirchenbasar, auf die kommende Seniorenkaffeerunde, auf den anstehenden runden Geburtstag des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden oder die KFD-Karnevalsveranstaltung erstrecken, ist Essig mit brauchbarem Gemeindeleben.

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Benedictus
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Beitrag von Benedictus » Dienstag 15. April 2008, 09:11

Nueva hat geschrieben: Die Preisterseminare sind ein Kapitel für sich, die ganze Priesterausbildung müßte etwas , ich sag jetzt mal ganz vorsichtig, etwas lebensnaher gestaltet werden.
Wobei "lebensnah" auch schnell ins Negative umschlagen kann. Meines Erachtens wäre es sinnvoller, sich auf Glaubensinhalte und Tradition zu besinnen. Stattdessen werden häufig irgendwelche "Spökskes" veranstaltet wie z.B. Bibliodramen

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Botschafter Lukas
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Beitrag von Botschafter Lukas » Dienstag 15. April 2008, 10:59

Gerhard hat geschrieben: Ich finde, Du bewegst Dich hier auf dünnem Eis.

Christ bin ich nicht nur innerhalb der Gemeinde, sondern in meinem ganzen Leben, das von Gott durchwirkt sein soll. So wie Du es meinst, wirkt es leicht sektiererisch.
Mit diesem Zitat würde ich nochmal gerne auf die ursprüngliche Problematik zurückkommen.
Vielleicht habe ich da etwas mißverständlich geschrieben - Du hast da natürlich recht: das Christsein muss natürlich das ganze Leben umfassen. Mir geht es hier um die Relativierung einer evtl. oberflächlichen Bewertung von Christsein.

Dass die Kirchengemeinden teilweise in ihren Führungsgremien eher einem x-beliebigen Verein gleichen und auch die "Mitgliedschaft" so interpretiert wird, ist gewiss nicht von der Hand zu weisen. Das hat jedoch erst mal nichts mit den Strukturen als solches zu tun (auch wenn meiner Meinung nach der Priestermangel und ein nach meinem Geschmack zu traditionalistisch-konservatives Kirchenverständnis das Kirchenvolk in der Masse eher von der Kirche wegbringt). Es gibt in anderen Ländern und Kulturen, nicht zuletzt in der Diaspora, eine deutlich schlechtere geografische Abdeckung und die Gemeinden sind mindestens genauso lebendig - man muss halt was für seinen Glauben tun!
Bei uns war die Kirche bisher ein Teil der Lebenskutur auch im profanen Sinne - die Kirche gehörte zum Dorf und heute ist sie ein Teil des freizeitlichen Lebens. Nur: dass Christsein mehr bedeutet als ein normales Vereinsleben, muss vielleicht neu vermittelt werden (Kürzlich war Weißer Sonntag - da konnte man sich von einigen rein weltlichen Auswüchsen in den Familien ganz gut ein Bild davon machen, wo der eigentliche Mangel im hiesigen Christsein liegt)
Mir gefällt der Begriff der "inneren Mission" an dieser Stelle ganz gut (die Protestanten haben ihn bereits benutzt). Die Kirche sollte den Menschen die Botschaft Jesu Christi und die praktische Konsequenz im Leben in deutlicherem Maße näherbringen. Dazu muss sie selbst natürlich Vorbild sein (was sie mit ihrem Kirchenapparat und der Kirchenpolitik nicht immer ist). Eine Lebenskultur der Barmherzigkeit und der Verbundenheit mit den Schwachen, auch wenn es mal richtig Gegenwind gab, war und ist das stärkste Zeugnis für Christsein und bringt wesentlich mehr als irgendwelche Werbeaktionen.

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Beitrag von Botschafter Lukas » Dienstag 15. April 2008, 12:17

cantus planus hat geschrieben:Ich halte ein Mindestmaß von allem für notwendig. Ich habe ein großes Problem mit Leuten, die sich an wichtigen Positionen in der Pfarrei engagieren, aber außerhalb ihrer Karnevalssitzungen, Kaffeenachmittage und Bazare mit Kirche nichts mehr zu tun haben.
Also hier würde ich doch mal richtig einhaken: Wenn jemand sich in der Pfarrei engagiert, dann hat er was mit der Kirche zu tun; ich habe noch niemanden getroffen, der in der Gemeinde irgendwas leitet oder betreut, seine Freizeit opfert (auch wenn dieses Opfer geteilt werden muss mit drei Vereinen, er spendet Zeit und Kraft der Kirche) und dann vom Glauben keine Ahnung hat. Menschen, denen Gott egal ist, beten nicht und sie werden sich bestimmt nicht freiwillig in eine für sie unangenehme Situation bringen - das können sie, um sich leitungstechnisch zu befriedigen, in einem größeren Verein wesentlich schöner haben, ohne ein Kirchenrecht, das sie einschränkt.

B. L.

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Beitrag von Botschafter Lukas » Dienstag 15. April 2008, 12:27

Gerhard hat geschrieben: Ganz wichtig ist auch noch der Austausch mit den anderen Gemeindemitgliedern. Aber wenn sich die Gespräche nur auf den nächsten Kirchenbasar, auf die kommende Seniorenkaffeerunde, auf den anstehenden runden Geburtstag des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden oder die KFD-Karnevalsveranstaltung erstrecken, ist Essig mit brauchbarem Gemeindeleben.
Na ja, das war aber schon immer so, seit es die Kirche gibt! Die Kirche besteht aus einer Gemeinschaft auch mit Menschen, die Gemeinschaft erleben wollen, Verbundenheit, Lebendigkeit, Austausch, Hilfe.
So wie Du es sagst bräuchte man zum Beten gar keine Gemeinde, höchstens zur Seelsorge einen Pfarrer.

B. L.

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Linus
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Beitrag von Linus » Dienstag 15. April 2008, 12:36

Nueva hat geschrieben:Priesetenachwuchs ....aber bitte nicht eins meind´ner Kinder.
Ah auch Mitglied einer "Müttergebetsgruppe um geistliche Berufungen" die dann mit trauriger Miene unter größter mitweinender Anteilnahme der anderen verkündet, ihr Bua/Madl hat sich entschloßen ins Seminar/Kloster einzutreten? :roll: :D
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cantus planus
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Beitrag von cantus planus » Dienstag 15. April 2008, 12:54

Botschafter Lukas hat geschrieben:
cantus planus hat geschrieben:Ich halte ein Mindestmaß von allem für notwendig. Ich habe ein großes Problem mit Leuten, die sich an wichtigen Positionen in der Pfarrei engagieren, aber außerhalb ihrer Karnevalssitzungen, Kaffeenachmittage und Bazare mit Kirche nichts mehr zu tun haben.
Also hier würde ich doch mal richtig einhaken: Wenn jemand sich in der Pfarrei engagiert, dann hat er was mit der Kirche zu tun; ich habe noch niemanden getroffen, der in der Gemeinde irgendwas leitet oder betreut, seine Freizeit opfert (auch wenn dieses Opfer geteilt werden muss mit drei Vereinen, er spendet Zeit und Kraft der Kirche) und dann vom Glauben keine Ahnung hat.
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Walfischschleim
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Beitrag von Walfischschleim » Dienstag 15. April 2008, 12:57

Unter den "Aktiven" ist der Anteil derer, die schlicht Gesichtspflege betreiben nicht ganz niedrig. Oft wird eine hauptamtliche Tätigkeit durch ein entsprechendes "Ehrenamt" abgesichert. Etwa Leiterin des Kindergartens lässt sich in den Pfarrgemeinderat wählen.

Das gibt dann landauflandab den paradoxen Effekt, dass zwar in den diversen Gremien Massen an Leuten sitzen, es aber immer dieselben sind, die tatsächlich etwas reißen.

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Beitrag von Nueva » Dienstag 15. April 2008, 14:02

Linus hat geschrieben:
Nueva hat geschrieben:Priesetenachwuchs ....aber bitte nicht eins meiner Kinder.
Ah auch Mitglied einer "Müttergebetsgruppe um geistliche Berufungen" die dann mit trauriger Miene unter größter mitweinender Anteilnahme der anderen verkündet, ihr Bua/Madl hat sich entschloßen ins Seminar/Kloster einzutreten? :roll: :D
Nein, so eine Gebetsgruppe gibt'd bei uns gar nicht. - und wenn ich würde ihr nicht beitreten :roll: :roll:

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HeGe
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Beitrag von HeGe » Dienstag 15. April 2008, 14:10

Dabei ist die Situation rein kirchenrechtlich ziemlich eindeutig. Die engagierten Laiinnen und Laien müssen als Voraussetzung einen vorbildhaften katholischen Glaubenswandel aufzeigen können. Dazu gehört m.E. unzweifelhaft auch der wöchentliche Besuch des Sonntagsgottesdienstes und je nach Zeit weiterer Kirchenfeste und -veranstaltungen.

Leider wird diese Bestimmung nicht mal ansatzweise beachtet, geschweige denn durchgesetzt. Ich möchte nicht wissen, wie viele Gremienmitglieder Mitglied bei Wir sind Kirche oder Donum Vitae sind. Ein absoluter Skandal. Vom sonntäglichen Messbesuch braucht man so lange nicht mal träumen.
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overkott
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Beitrag von overkott » Dienstag 15. April 2008, 14:21

Ich denke mal, dass Kirche von hinten das anders sieht.

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Benedictus
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Beitrag von Benedictus » Dienstag 15. April 2008, 15:48

Walfischschleim hat geschrieben:Oft wird eine hauptamtliche Tätigkeit durch ein entsprechendes "Ehrenamt" abgesichert. Etwa Leiterin des Kindergartens lässt sich in den Pfarrgemeinderat wählen.
Das ist eigentlich fast die Regel. In unserer Gemeinde gibt es eine Reihe von Personen, die sich über das Ehrenamt einen warmen hauptamtlichen Posten, sei es im Kindergarten, Pfarrübro oder Rendantur, gesichert haben. Das gehört da auch schon fast zwingend dazu. Ich habe mich vor zig Jahren mal selbst auf eine kirchliche Stelle beworben. Die scheinbar wichtigste Frage im Vorstellungsgespräch war, ob ich mich in meiner Kirchengemeinde als Lektor oder Kommunionhelfer engagiere. Als ich da nicht mit dienen konnte, war das Gespräch relativ schnell beendet.

Gruss, Benedictus
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Ecce Homo
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Beitrag von Ecce Homo » Dienstag 15. April 2008, 16:23

Man macht - wie gerade bei dieser Stellengeschichte geschehen - viel zu oft den Glauben am Engagement in dieser Richtung fest... :/
User inaktiv seit dem 05.06.2018.
Ihr seid im Gebet ... mal schauen, ob/wann ich hier wieder reinsehe ...

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Edi
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Beitrag von Edi » Dienstag 15. April 2008, 16:48

overkott hat geschrieben:Ich denke mal, dass Kirche von hinten das anders sieht.
Das ist mal ein Wort, die "Kirche von hinten", also die Homosexuellen. Wusste nicht, dass man die auch so nennt, passt aber zu manchen.

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus » Dienstag 15. April 2008, 17:18

Also halten wir fest:
Wer sich in der Gemeinde enagiert und nur sonntags zur Messe geht, ist nicht "fromm", sondern nur "aktiv". Und wer "aktiv" ist, zerstört die Kirche.
If only closed minds came with closed mouths.

Botschafter Lukas
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Beitrag von Botschafter Lukas » Dienstag 15. April 2008, 17:41

Stephen Dedalus hat geschrieben:Also halten wir fest:
Wer sich in der Gemeinde enagiert und nur sonntags zur Messe geht, ist nicht "fromm", sondern nur "aktiv". Und wer "aktiv" ist, zerstört die Kirche.
:ikb_clap:

Raphaela
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Beitrag von Raphaela » Dienstag 15. April 2008, 21:15

Stephen Dedalus hat geschrieben:Also halten wir fest:
Wer sich in der Gemeinde enagiert und nur sonntags zur Messe geht, ist nicht "fromm", sondern nur "aktiv". Und wer "aktiv" ist, zerstört die Kirche.
Aktiv ist derjenige, der sich zwar in die Gremien wählen lässt aber überhaupt nicht oder ganz selten in die Kirche geht. - Leider bei uns der Fall.

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Walfischschleim
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Beitrag von Walfischschleim » Mittwoch 16. April 2008, 01:20

Benedictus hat geschrieben:
Walfischschleim hat geschrieben:Oft wird eine hauptamtliche Tätigkeit durch ein entsprechendes "Ehrenamt" abgesichert. Etwa Leiterin des Kindergartens lässt sich in den Pfarrgemeinderat wählen.
Das ist eigentlich fast die Regel. In unserer Gemeinde gibt es eine Reihe von Personen, die sich über das Ehrenamt einen warmen hauptamtlichen Posten, sei es im Kindergarten, Pfarrübro oder Rendantur, gesichert haben. Das gehört da auch schon fast zwingend dazu. Ich habe mich vor zig Jahren mal selbst auf eine kirchliche Stelle beworben. Die scheinbar wichtigste Frage im Vorstellungsgespräch war, ob ich mich in meiner Kirchengemeinde als Lektor oder Kommunionhelfer engagiere. Als ich da nicht mit dienen konnte, war das Gespräch relativ schnell beendet.

Gruss, Benedictus
Obschon du es ja schon miteinschließt, kann man es umgekehrt nicht oft genug betonen:
Kommunionhelfer, Lektoren, Pfarrgemeinderatsleute etc. sind oft nicht aus Idealismus/religiösen Motiven dabei, sondern aus sehr realem, rein persönlichem Interesse. Sei es der Job, den man haben möchte, sei es der Job, den man schon hat, aber absichern will. Und das ganze natürlich auch für die family oder das persönliche Netzwerk. "Due Deine Muddah is doch im Kirchenvorstand, kann ich da nicht mein Zivi machen ... ?"

P.S. Selbstverständlich darf man so etwas nie, niemals auch nur andeuten. Und so sollte jeder wissen, auf was er sich einlässt, wenn er in der Amtskirche mitmacht.

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Jacinta
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Beitrag von Jacinta » Mittwoch 16. April 2008, 03:06

Walfischschleim hat geschrieben: oder das persönliche Netzwerk. "Due Deine Muddah is doch im Kirchenvorstand, kann ich da nicht mein Zivi machen ... ?"
So ist aber das Leben! Und so ist das überall. Wer was erreichen will, muss vorher jemanden kennen, der jemanden kennt usw. Ansonsten bringt man es bestenfalls zum HarzIV-Empfänger - und die zahlen ja wohl keine Kirchensteuer. :nein:

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taddeo
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Re: Dialogprozeß der DBK: 2011-2015

Beitrag von taddeo » Dienstag 12. Juli 2011, 16:45

[Die nachfolgenden Beiträge wurden aus dem Thread "Dialogprozesse" abgetrennt - Mod. ]

Melody hat geschrieben:PGRs und ähnliches sind so notwendig wie ein Kropf.
Ein Kropf ist eine krankhaft vergrößerte Schilddrüse.
Die Schilddrüse als solche, wenn sie gesund ist, ist ein wichtiges Organ für die Steuerung der hormonellen Funktionen im Körper, wenn auch kein lebenswichtiges.

Das kann man gut auf den PGR übertragen. Wo er "gesund" ist, ist er für die Pfarrei ein sehr wertvolles Organ.
Ich seh das in unserer Pfarrei, wo die geistlichen Angelegenheiten der Pfarrer regelt, die "weltlichen" des Pfarrlebens aber der PGR, und zwar weitgehend in Eigenregie. Das funktioniert bestens, und gleichzeitig ist der PGR für den Pfarrer sowas wie die "vox populi" - die Räte wissen genau, was in der Pfarrei los ist und geredet wird, wie die Stimmung ist, und geben das an den Pfarrer weiter, der sich wegen seiner zwei Pfarreien nicht um jede Kleinigkeit persönlich kümmern kann.

Erst, wenn der PGR in seinen Anmaßungen "krankhaft vergrößert" oder "entartet" ist, wird er zum Problem.

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Gamaliel
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Re: Dialogprozeß der DBK: 2011-2015

Beitrag von Gamaliel » Dienstag 12. Juli 2011, 16:47

Pit hat geschrieben:Übrigens zum Stichwort NOM:
Er, also der "Novus Ordo Missae, existiert nicht, es gibt nur den ordentlichen und den ausserordentlichen Ritus der lateinischen Liturgie.
Du solltest Dir gelegentlich einen neuen Witz einfallen lassen, diesen hast Du schon zu oft erzählt. ;)

Und wenn man schulmeistert, dann bitte mit richtigen Informationen: Gemäß der Ausdrucksweise von Papst Benedikt gibt es die außerordentliche und die ordentliche Form des Römischen Ritus.

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Re: Dialogprozeß der DBK: 2011-2015

Beitrag von Melody » Dienstag 12. Juli 2011, 16:50

@Pit
Du verstehst das nicht.

Mal ganz davon abgesehen, dass für derlei Gremien auch der persönliche Charakter eine Rolle spielt und ich für solche Funktionen gänzlich ungeeignet bin, so macht es eben auch wenig Sinn.

Ich weiß ja noch, wie machtlos ich seinerzeit in dem Liturgiekreis bei der Vorbereitung der Sonntagsliturgie war, als die anderen einfach meinten, och, die Messe vor drei Jahren war doch nett, nehmen wir doch genau dieselbe nochmal...

Außerdem hast Du den Knackpunkt nicht verstanden: Man muss GEWÄHLT werden.

Niemand wählt jemanden in den PGR, der knieende Mundkommunion praktiziert...
Ewa Kopacz: «Für mich ist Demokratie die Herrschaft der Mehrheit bei Achtung der Minderheitenrechte, aber nicht die Diktatur der Minderheit»

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Re: Dialogprozeß der DBK: 2011-2015

Beitrag von Pit » Dienstag 12. Juli 2011, 16:53

Gamaliel hat geschrieben:
Pit hat geschrieben:Übrigens zum Stichwort NOM:
Er, also der "Novus Ordo Missae, existiert nicht, es gibt nur den ordentlichen und den ausserordentlichen Ritus der lateinischen Liturgie.
Du solltest Dir gelegentlich einen neuen Witz einfallen lassen, diesen hast Du schon zu oft erzählt. ;)

Und wenn man schulmeistert, dann bitte mit richtigen Informationen: Gemäß der Ausdrucksweise von Papst Benedikt gibt es die außerordentliche und die ordentliche Form des Römischen Ritus.
Was die Form betrifft, hast Du Recht, ich bitte um Entschuldigung, daß ich nach einem extrem anstrengenden Arbeitstag und mit momentanen privaten Sorgen nicht den korrekten theologischen Begriff gewählt habe- ich hatte übrigens keineswegs vor, schulmeisterhaft aufzutreten, sollte dieser Eindruck entstanden sein, so tut es mir ausdrücklich leid.
Übrigens habe ich es nicht als Witz gemeint, was ich über die Liturgie schrieb!
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Re: Dialogprozeß der DBK: 2011-2015

Beitrag von Pit » Dienstag 12. Juli 2011, 16:58

Melody hat geschrieben: ...
Niemand wählt jemanden in den PGR, der knieende Mundkommunion praktiziert...
Das kommt wohl eher auf den PGR an, denn wenn dieser weiss, was er macht und wozu er dient, dann hat er kein Problem damit, wie jemand die Kommunion empfängt, wenn aber jemand im Grunde die Gemeinde ablehnt, weil sie aus seiner Sicht ja "nur" eine "NOM-Pfarre" ist, dann hast Du sicherlich Recht- aber dann würde ich mich auch wundern, wenn er gewählt würde- jemand, der die CDU ablehnt, würde auch nicht in das Präsidium oder meinetwegen auch nur in den Ortsvorstand der CDU gewählt.
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Re: Dialogprozeß der DBK: 2011-2015

Beitrag von Marion » Dienstag 12. Juli 2011, 17:34

Wir Schafe müssen uns nicht in Führungspositionen mit irgendeiner Macht arbeiten um die Kirche in eine uns wohlgefällige Richtung zu fahren. Wir sind Schafe, wir blöken wenn der Hirte so tut, als ob er auch ein dummes Schaf wäre und nicht weiß wie der Hirtenjob geht und den rechten Weg nicht kennt.

Der Herr kümmert sich schon um die Schafe die sich weiden lassen wollen. Selber weiden geht nicht, das ist wie wenn Blinde Blinde führen. Wir brauchen keine Panik kriegen und von unten die Kirche übernehmen wollen. Es werden schon wieder irgendwann noch ein paar Bischöfe kommen die das tun, was die Bischöfe immer taten, auch wenn es momentan nicht so arg danach aussieht.

Dieses Demokratische Werkzeug zum Kurs ändern können die Modernisten behalten. Die Hierarchie lässt sich so nicht reparieren. Hier hilft nur laut blöken (Misstände zeigen, damit sich einer der Hirten irgendwann erbarmt sie zu entfernen) und beten.
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Re: Dialogprozeß der DBK: 2011-2015

Beitrag von Pit » Dienstag 12. Juli 2011, 17:43

Marion, am Besten wäre es auch noch, wenn wir in Berlin wieder jemanden sitzen hätten (also einen einzelnen Menschen,Parlament ist überflüssig), der den dummen deutschen Schafen sagt, was sie zu denken und zu tun haben?
Pardon, ich widerspreche Dir, weil ein guter PGR den Pfarrer entlastet- aber sicher ist es besser, den PGR gibt es nicht und neben der bisherigen Belastung darf der Pfarrer sich auch um alle anderen Belange der Pfarrer kümmern, z.B. darum, ob Stühle aus dem Pfarrsaal repariert werden müssen oder ob die Glühbirnen in der Kapelle ausgewechselt werden müssen. ;) :D
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Re: Dialogprozeß der DBK: 2011-2015

Beitrag von taddeo » Dienstag 12. Juli 2011, 17:47

Marion hat geschrieben:Wir Schafe müssen uns nicht in Führungspositionen mit irgendeiner Macht arbeiten ...
Ein recht verstandener Pfarrgemeinderat hat weiß Gott nichts mit "Führungspositionen" zu tun. Schon eher was mit dem von Dir genannten "Blöken". Der Pfarrer versteht das womöglich leichter, wenn nicht ein paar hundert oder tausend Pfarrangehörige durcheinanderblöken, sondern einige wenige gewählte Vertreter sich sachgerecht zu dem äußern, was in der Pfarrei anliegt.

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Re: Dialogprozeß der DBK: 2011-2015

Beitrag von Melody » Dienstag 12. Juli 2011, 17:49

Pit hat geschrieben:Marion, am Besten wäre es auch noch, wenn wir in Berlin wieder jemanden sitzen hätten (also einen einzelnen Menschen,Parlament ist überflüssig), der den dummen deutschen Schafen sagt, was sie zu denken und zu tun haben?
Monarchie mit einem guten Regenten ist sicherlich nicht das schlechteste... :achselzuck:
Pit hat geschrieben:...z.B. darum, ob Stühle aus dem Pfarrsaal repariert werden müssen oder ob die Glühbirnen in der Kapelle ausgewechselt werden müssen. ;) :D
Wer hat sich denn eigentlich "früher" um derlei Dinge gekümmert?! Meines Erachtens kümmert sich der PGR doch in erster Linie um Dinge, die die Welt nicht braucht. Die Glühbirne wechselt im Zweifel eher der Küster aus?!
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