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Fragen zum "NOM" - Infos zum Ablauf gesucht?
Verfasst: Sonntag 14. September 2008, 19:06
von Pit
Hallo !
Ich habe eine Frage:
Beim Vatikanum II wurde bekanntlich eine Liturgiereform (der fälschlicherweise "NOM" betitelte Ritus) beschlossen.
Das leider heutzutage nicht mehr überall dieser ansich sehr würdige Ritus zelebriert wird, ist Fakt.
Aber welche "Bestandteile" enthielt er genau?
Wann wurde wo Weihrauch benutzt, wlche Handlungen (Priester,Ministranten etc.) gab es?
Ich frage deshalb, weil ich gestern anlässlich Kreuzerhöhung (und nebenbei wegen unseres Pfarrfestes) eine Messe miterlebtr habe, in der es von Anfang bis Ende durchweg stimmte, harmonisch im besten Sinne, >Zeit für stilles Gebet etc.
LG
Pit
Verfasst: Sonntag 14. September 2008, 19:16
von Raimund J.
Die Grundordnung des römischen Messbuches in der Fassung von 2002 gibt es
bei der DBK als pdf-Dokument. Das ist eigentlich der komplette Ablauf sehr detailliert beschrieben. Über noch detaillierte Fragen z.B. zum Weihrauch wurde ja in speziellen Threads hier im kreuzgang (Stichwort: Thurifer) auch allerhand geschrieben.
Re: Fragen zum "NOM" - Infos zum Ablauf gesucht?
Verfasst: Sonntag 14. September 2008, 20:39
von iustus
Pit hat geschrieben:Hallo !
Ich habe eine Frage:
Beim Vatikanum II wurde bekanntlich eine Liturgiereform (der fälschlicherweise "NOM" betitelte Ritus) beschlossen.
Das leider heutzutage nicht mehr überall dieser ansich sehr würdige Ritus zelebriert wird, ist Fakt.
Hallo Pit,
mir ist nicht ganz klar, was Du meinst:
Das Zweite Vatikanische Konzil hat Grundsätze für eine Liturgiereform beschlossen, kein neues Messbuch.
Das bis dahin existierende (von 1962) wurde dann 1965 leicht reformiert (manche sahen und sehen in diesem "1965er Ritus" die vom Konzil geforderte Reform bereits verwirklicht).
Die eigentliche Neuordnung kam mit dem Messbuch 1969, dem so genannten Novus Ordo Missae.
Die Messe nach dem 1969er Messbuch ist heute die ordentliche Form des römischen Ritus, die Messe nach dem Messbuch von 1962 die außerordentliche.
Das Messbuch von 1965 wird gar nicht benutzt.
Re: Fragen zum "NOM" - Infos zum Ablauf gesucht?
Verfasst: Sonntag 14. September 2008, 21:02
von Linus
iustus hat geschrieben:Das Messbuch von 1965 wird gar nicht benutzt.
Hie und da doch. mW Wochentags in der Prantauerkirche/St. Plöten alternierend mit der Fassung von 1962. Ebenso wie in der Milak in Wiener Neustadt. (Zitat eines Militärdiözesanangehörigen: "Nur wenn der Bischof höchstselbst feiert, brauch ma an Volksbeistelltisch.".
Verfasst: Sonntag 14. September 2008, 21:28
von iustus
Gut. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Aber genau genommen gibt es seit Summorum Pontificum zwei Formen des römischen Ritus: die von 1962 und die von 1969.
Hier kann man übrigens genau nachlesen, was "das Konzil" wirklich in Sachen Liturgie beschlossen hat:
http://www.stjosef.at/konzil/SC.htm
Welche Form meinst Du mit Deiner Frage, Pit?
Re: Fragen zum "NOM" - Infos zum Ablauf gesucht?
Verfasst: Sonntag 14. September 2008, 22:20
von Pit
iustus hat geschrieben:
...
Hallo Pit,
mir ist nicht ganz klar, was Du meinst:
Das Zweite Vatikanische Konzil hat Grundsätze für eine Liturgiereform beschlossen, kein neues Messbuch.
Das bis dahin existierende (von 1962) wurde dann 1965 leicht reformiert (manche sahen und sehen in diesem "1965er Ritus" die vom Konzil geforderte Reform bereits verwirklicht).
...
Hallo iustus,
mir fiel besipielsweise auf, daß der Priester, was ich leider eher selten sehe,
- mit dem erhoben vor sich hergetragenen Evangeliar einzog,
- das Evangeliar auf dem Altar "absetzte" - gut sichtbar für die Gemeinde,
- den Altar inszensierte (richtiger Ausdruck?),
Außerdem hatte später, ich meine vor der Wandlung der eine Ministrant den Weihrauchbehälter und inszensierte erst den Priester und zwei Konzelebranten, dann die Ministranten.
War das so liturgisch vorgesehen?
LG
Pit
Verfasst: Sonntag 14. September 2008, 22:29
von iustus
Es war also die ordentliche Form.
Ob es Vorschriften dazu gibt, dass das Evangelium auf dem Altar abgestellt wird, weiß ich nicht, habe es aber - je nach Priester - schon häufig gesehen. Ebenso das Mitführen des Evangeliums durch den Priester beim Einzug.
Vorgeschrieben ist glaube ich, dass - falls einer da ist - der Diakon das Evangelium gut sichtbar beim Einzug trägt.
Altarinzens ist in jeder Messe vorgeschrieben, in der Weihrauch verwendet wird (nach Einzug und Gabenbereitung). Weihrauch kann in der ordentlichen Form in jeder Messe verwendet werden.
Verfasst: Sonntag 14. September 2008, 22:33
von iustus
Schau mal in der von Raimund Josef verlinkten Grundordnung und suche dort nach dem Wort Evangeliar. Da kommt einiges, u.a.:
Lektor und Diakon können es wohl (müssen es aber wohl nicht) beim Einzug mitführen und anschließend auf den Altar legen.
Verfasst: Sonntag 14. September 2008, 22:35
von Pit
iustus hat geschrieben:Es war also die ordentliche Form.
Ob es Vorschriften dazu gibt, dass das Evangelium auf dem Altar abgestellt wird, weiß ich nicht, habe es aber - je nach Priester - schon häufig gesehen. Ebenso das Mitführen des Evangeliums durch den Priester beim Einzug.
...
Ich habe es häufiger im Dom zu Münster bei Jugendgebetsabenden erlebt, daß der damalige Bischof Lettmann mit dem Evangeliar in den Dom einzog, hinter ihm ein Diakon mit der Kopie einer Christusikone und anschliessend die Ikone vor dem Altar auf einem Ikonenständer und das Evangeliar auf dem Altar "abgestellt" wurden.
LG
Pit
Verfasst: Sonntag 14. September 2008, 22:40
von Raimund J.
Einzugsprozession mit Evangeliar u.s.w. ist eigentlich alles in der von mir schon erwähnten GRM nachzulesen. Auch die Inzens der Gaben, des Priesters und des Volkes wurde bereits ausführlich im erwähnten Thread ("Thuriferar") diskutiert.
Verfasst: Sonntag 14. September 2008, 22:48
von Pit
Raimund Josef H. hat geschrieben:Einzugsprozession mit Evangeliar u.s.w. ist eigentlich alles in der von mir schon erwähnten GRM nachzulesen. Auch die Inzens der Gaben, des Priesters und des Volkes wurde bereits ausführlich im erwähnten Thread ("Thuriferar") diskutiert.
Mittlerweile habe ich es auch gefunden - ich meine, in der GRM.
Nur, was mir regelmäßig in den Messen aufgefallen ist, ist daß
- der Priester oder ein Ministrant das Evangeliar erst kurz vor der Lesung holt, nicht selten aus einer Seitenkapelle.
- der Priester während der Predigt vor (!?) dem Altar stand (in der sonst von mir geschätzen Jugendkirche Münster),
- in "Familienmessen" Kinder beim Pfarrer - Achtung! - hinter dem Altar stehen "dürfen" (O-Ton Pfarrer!)
LG
Pit
Verfasst: Montag 15. September 2008, 10:31
von cantus planus
Reden wir denn jetzt vom 1965er-Ritus (dem des Konzils), oder vom NOM (dem nachkonziliaren Ritus)?
cp, verwirrt
Verfasst: Montag 15. September 2008, 14:15
von Pit
cantus planus hat geschrieben:Reden wir denn jetzt vom 1965er-Ritus (dem des Konzils), oder vom NOM (dem nachkonziliaren Ritus)?
cp, verwirrt
Bitte um Aufklärung!
Persönlich kenne ich nur die nachkonziliare Liturgie (ich bin Jahrgang 1968), also die Liturgie, die seitens der Piusbrüder als NOM bezeichnet wird - und für mich ist (oder besser war?) das eben die Liturgie der Reform des II.Vatikanums.
Gibt es, da Ihr noch vom 1965-er Ritus schreibt, konkrete Unterschiede zwischen beiden?
Jetzt bin ich ein wenig verwirrt.
LG
Pit
Verfasst: Montag 15. September 2008, 15:43
von holzi
Pit hat geschrieben:cantus planus hat geschrieben:Reden wir denn jetzt vom 1965er-Ritus (dem des Konzils), oder vom NOM (dem nachkonziliaren Ritus)?
cp, verwirrt
Bitte um Aufklärung!
Persönlich kenne ich nur die nachkonziliare Liturgie (ich bin Jahrgang 1968), also die Liturgie, die seitens der Piusbrüder als NOM bezeichnet wird - und für mich ist (oder besser war?) das eben die Liturgie der Reform des II.Vatikanums.
Gibt es, da Ihr noch vom 1965-er Ritus schreibt, konkrete Unterschiede zwischen beiden?
Jetzt bin ich ein wenig verwirrt.
LG
Pit
Lies dazu bitte hier weiter:
viewtopic.php?p=28436#28436
Verfasst: Montag 15. September 2008, 16:17
von Raimund J.
Pit hat geschrieben:
Gibt es, da Ihr noch vom 1965-er Ritus schreibt, konkrete Unterschiede zwischen beiden?
Jetzt bin ich ein wenig verwirrt.
LG
Pit
1965 gab es ein neues Messbuch, ein dreibändiges deutsch-lateinisches Altarmessbuch, aber das war noch nicht der Vollzug der Liturgiereform.
Um diese Umbruchzeit etwas zu verstehen ist auch folgender Text recht interessant:
http://www.sinfonia-sacra.de/Joseph_Ove ... reform.pdf
Verfasst: Montag 15. September 2008, 18:16
von cantus planus
Vielen Dank für diesen Link, Raimund Josef.
Es sei einladend darauf hingewiesen, sich auch die übrigen Texte dort zu Gemüte zu führen. Da sind hervorragende Sachen zu finden!
Der gute Prälat Overath. *seufz* Gott hab ihn selig!