Die österliche Bußzeit

Allgemein Katholisches.
Juergen
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Beitrag von Juergen »

Zum Thema Fasten
Leo der Große hat geschrieben:Was sich für jeden Christen jederzeit schickt, das müssen wir jetzt mit mehr Eifer und Hingabe tun, damit wir der apostolischen Einrichtung der vierzig Tage gerecht werden, und zwar nicht nur durch sparsamen Genuß von Speisen, sondern vornehmlich durch die Enthaltung von der Sünde. Nichts ist nützlicher, als mit einem vernüftigen heiligen Fasten Taten der Barmherzigkeit zu verbinden. Unter dem einen Wort Barmherzigkeit bergen sich viele lobenswerte Werke der Frömmigkeit, so daß die Herzen aller Menschen im Erbarmen gleich sein können, auch wenn sie nach ihrem Vermögen ungleich sind.

Mehr hier 8)
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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Tamira
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Beitrag von Tamira »

Wer während der Fastenzeit geistliche Impulse per E-Mail erhalten will, kan diese hier abonnieren:

http://www.erzbistum-freiburg.de/370.0.html

Aber interessant ist auch diese Seite:
www.meine-fastenzeit.at
Wenn jemand sagt, ich liebe Gott, aber seinen Bruder hasst, dann ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er dann Gott lieben, den er nicht sieht? (1 Joh 4,20)

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Angelika
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Beitrag von Angelika »

Papst-Prediger ruft zum Verzicht von Trash-TV auf

P. Raniero Cantalamessa: „Ein essentielles Fasten unserer Tage betrifft nicht den Verzicht auf Nahrung, sondern den Verzicht auf Bilder.“

WeißesLicht
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Beitrag von WeißesLicht »

hallo
Angelika hat geschrieben:Papst-Prediger ruft zum Verzicht von Trash-TV auf

P. Raniero Cantalamessa: „Ein essentielles Fasten unserer Tage betrifft nicht den Verzicht auf Nahrung, sondern den Verzicht auf Bilder.“
mich stört, wenn jemand meint, er müsse allgemeinverbindlich vorschreiben, was ein essentielles Fasten unserer Tage betreffe.
Ich habe mir für diese Fastenzeit vorgenommen, mich nicht von der ZEit treiben zu lassen, sondern die Zeit, die mir gegeben ist, ganz bewusst zu leben. Das entspricht im Prinzip einem Verzicht auf SChluderei, auf eine Laissez-faire-Haltung, auf ein Dahinleben, das letztlich Gelebt- werden anstelle von Leben ist.
Stichwort hierzu ist ACHTSAMKEIT.

Ich möchte hier mal eine (vielleicht etwas ketzerisch anmutende) Frage aufwerfen:

könnte für den ein oder anderen nicht auch gerade der Verzicht auf das gewohnte kirchliche Leben ein Fasten sein, das ihn wieder bewusst werden lässt, was überhaupt kirchliches Leben bedeutet?

alles Liebe

Angelika
Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Wenn ihr aber einander beißt und freßt, so seht zu, daß ihr nicht voneinander verzehrt werdet!(Gal 5, 14f)

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Angelika
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Beitrag von Angelika »

WeißesLicht hat geschrieben:mich stört, wenn jemand meint, er müsse allgemeinverbindlich vorschreiben, was ein essentielles Fasten unserer Tage betreffe.
Von vorschreiben kann ich in den Aussagen von Cantalamessa nichts entdecken. Es ist die Rede von aufrufen, dass die Fastenzeit sich anbiete und vom Beispiel Fernsehen. Klingt nicht nach vorschreiben.



WeißesLicht hat geschrieben:Ich möchte hier mal eine (vielleicht etwas ketzerisch anmutende) Frage aufwerfen:

könnte für den ein oder anderen nicht auch gerade der Verzicht auf das gewohnte kirchliche Leben ein Fasten sein, das ihn wieder bewusst werden lässt, was überhaupt kirchliches Leben bedeutet?
Ja natürlich.
Wenn kirchliches Leben zur reinen Routine und Gewohnheit wird und das Bewusstsein der Bedeutung und des Sinns dahinter verschwindet, könnte ein (teilweiser) Verzicht darauf gegensteuern.

Gruß
Angelika

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HeGe
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Beitrag von HeGe »

Hallo zusammen.

Auch wenn die Fastenzeit fast vorbei ist, nochmal eine Frage zu den Sonntagen. Die sind ja irgendwie aus der Fastenzeit etwas herausgelöst.

Esst ihr da, wie im sonstigen Jahr? Gibt ihr eure Fastenzeit völlig auf? Oder gönnt ihr euch vielleicht nur einen kleinen Bonus, wie z.B. ein Stück Schokolade, eine Stunde Computer oder Fernsehen oder was auch immer man sich für die Fastenzeit vorgenommen hat? Gibt oder gab es da irgendwelche verbindlichen Regeln?

HeGe

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Angelika
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Beitrag von Angelika »

Hallo,

ich verhalte mich an den Sonntagen wie an den anderen Tagen in der Fastenzeit auch. Wenn ich meinen Süßigkeiten-Verzicht am Sonntag unterbrechen würde - egal ob durch normales Verhalten oder nur durch einen kleinen Bonus -, dann wäre es mit dem Verzicht wohl ganz aus ... :roll:

Ich denke, dass es keine Vorschrift gibt, dass man das Fasten an den Sonntagen unterbrechen muss.

Gruß
Angelika

Stefan

Beitrag von Stefan »

Ich unterbreche am Sonntag das Fasten konsequent. Schon alleine deswegen, um nicht in den Verdacht einer versteckten Diät zu kommen. Außerdem ist es der Tag des Herrn!

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HeGe
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Beitrag von HeGe »

Ich habe es so gemacht, dass ich zwar weiterhin auf Fleisch verzichtet habe, aber mir eine Kleinigkeit, wie zum Beispiel ein oder zwei Kekse zum Kaffee gegönnt habe. Außerdem habe ich mir beim Mittag- oder Abendessen ein Dessert genehmigt und auch mengenmäßig etwas mehr zugelangt.

Euren Antworten entnehme ich aber, dass das offensichtlich sehr unterschiedlich gehandhabt wird.

HeGe

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Alexander
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Beitrag von Alexander »

Ich erzähle mal, wie es bei den Orthodoxen die Sitte ist.
Kein Fleisch, keine Milch, keine Eier, kein Fisch (außer Verkündigung). Wein nur samstags und sonntags. Außerdem nach dem "Typikon" kein Öl außer samstags und sonntags. Die letztere Regel (Öl) halte ich nach dem Geheiß meines geistlichen Vaters nicht ein, wie es oft unter Nichtmönchen ist.
So sind die Regeln.
Zuletzt geändert von Alexander am Mittwoch 1. März 2006, 18:35, insgesamt 2-mal geändert.
Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken,
ich weiß nicht ein noch aus.
Gott, sei gnädig und hilf.
Gib Kraft zu tragen, was du schickst,
laß die Furcht
nicht über mich herrschen.
(D. Bonhoeffer)

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Pit
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Re: Heute beginnt die Fastenzeit

Beitrag von Pit »

Hallo Angelika,

nun, die "Fastenzeit" bedeuted für mich zuersteinmal der Versuch , meine Zeit bewusst als Zeit der Besinnung und Umkehr zu nutzen, und damit als geistige/geistliche Vorbereitung auf Ostern.
Mit dem "Man darf Aschermittwoch nur dieses oder jenes essen/sich nicht sattessen etc."-Gerede kann ich persönlich nichts anfangen, da ich relativ schwer arbeite (körperlich) und es für mich - schon gesundheitsbedingt - absolut sinnvoll ist, Aschermittwoch (ein Arbeitstag) nicht (!) zu fasten, wobei mir mein Hausarzt sogar mal vom Fasten abgeraten hat. (Ausnahme: sinnvoll begleitetes medizinisches Heilfasten)
Ich werde allerdings in der Fastenzeit dieses Jahr versuchen, jeden Tag einen Abschnitt aus der "Nachfolge Christi" von Thomas von Kempen zu lesen.

Gruß, Pit
Angelika hat geschrieben:
heute beginnt die Fastenzeit.

Mich würde intersessieren, was Euch diese Zeit bedeutet; was nehmt ihr Euch vor, wie gestaltet Ihr diese Zeit?

Was bedeutet für Euch Aschermittwoch? Ist es der Tag, so wie ihn die Kirche vorschreibt: gebotener Fast- und Abstinenztag oder eigentlich ein ganz normaler Tag?
Aus aktuellem Anlass hochgepostet. ;-)
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Eldar
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Beitrag von Eldar »

Das Fasten

Das Fasten bezwingt die Natur,
weist den Geschmack in seine Schranken,
vertreibt die schwüle Atmosphäre,
verbannt die bösen Gedanken,
befreit von bösen Träumen.
Es reinigt das Gebet,
entflammt die Seele,
bewahrt den Geist,
erleuchtet die Finsternis unserer Herzen,
führt zu Reue, Demut und Freude.
Es dämmt den Strom der Rede ein,
stillt jede Unruhe,
schützt den Gehorsam,
sänftigt den Schlummer,
es heilt die Leiber,
befriedet die Seelen,
lindert die Leidenschaft,
tilgt die Sünde ...

und öffnet die Pforte zur Seligkeit der Himmel.

clarassisi
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Beitrag von clarassisi »

In der Fastenzeit versuche ich immer, auf alles, worauf ich "Lust" habe, zu verzichten. Dazu gehören natürlich Süßigkeiten, gutes Essen aber auch Shopping und exzessives Feiern. Irgendwann merke ich dann, dass dies allles ja wirklich sehr oberflächlich und unwesentlich ist. Für die geistige Vorbereitung auf Ostern würde ich gerne mal in ein Kloster o.ä. gehen, aber das hat wegen Zeitmangels noch nie geklappt!
Liebe Grüße

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Alexander
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Beitrag von Alexander »

@Eldar: bitte Quelle angeben, falls nicht nicht sebst gedichtet. Wie wars es noch einmal mit den Ziatationsregeln auf dem Forum...
Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken,
ich weiß nicht ein noch aus.
Gott, sei gnädig und hilf.
Gib Kraft zu tragen, was du schickst,
laß die Furcht
nicht über mich herrschen.
(D. Bonhoeffer)

Petra
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Beitrag von Petra »

Alexander hat geschrieben:@Eldar: bitte Quelle angeben, falls nicht nicht sebst gedichtet. Wie wars es noch einmal mit den Ziatationsregeln auf dem Forum...
Quellenangabe

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Alexander
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Beitrag von Alexander »

Danke, Petra.
Herr Gott,
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Alexander
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Beitrag von Alexander »

Hl. Nikolaj (Velimirović), Bischof von Žiča, hat geschrieben:[right]http://www.sveti-pantelejmon.com/Sveti% ... ki%201.gif[/right]Mit Fasten erfreue ich meine Hoffnung auf Dich, mein Herr, der Du wiederkehren wirst.

Das Fasten beschleunigt meine Vorbereitung auf Deine Ankunft, diese einzige Erwartung meiner Tage und Nächte.

Das Fasten macht meinen Leib hager, damit das, was bleibt, durch den Geist leichter zu leuchten vermag.

Während ich auf Dich warte, möchte ich weder Blut noch Leben zur Speise nehmen, so daß die Tiere die Freude meiner Erwartung spüren.

Doch wahrlich, die Nahrungsenthaltung wird mich nicht retten. Selbst wenn ich nur den Sand und den See äße, würdest Du nicht zu mir kommen, dränge nicht das Fasten tiefer in meine Seele.

Ich bin durch mein Gebet zu der Erkenntnis gelangt, daß leibliches Fasten eher ein Symbol des wahren Fastens ist - sehr nützlich für den Anfänger in der Hoffnung für Dich, aber sehr schwierig für den, der dabei stehenbleibt.

Daher habe ich das Fasten in meine Seele gebracht, um sie von den vielen dreisten Verlobten zu reinigen und sie für Dich wie eine Jungfrau vorzubereiten.

Und ich habe das Fasten in meinen Geist gebracht, um ihm die Träumereien über weltliche Dinge auszutreiben und die Luftschlösser einzureißen, die jene Träumereien hervorbringen.

Auf daß mein Geist die Welt abwerfe und sich vorbereite, Deine Weisheit zu empfangen.

Und ich habe das Fasten in mein Herz gebracht, damit es dadurch alle Leidenschaften und weltliche Selbstsucht bezwinge.

Auf daß herrlicher Friede unaussprechlich über mein Herz herrsche, wenn ihm Dein wahrer Geist begegnet.

Ich verordnete meiner Zunge das Fasten, um ihre Gewohnheit zu eitlem Geschwätz zu durchbrechen, damit sie nur mit Zurückhaltung spreche, was Deinem Kommen den Weg ebnet.

Und ich habe meinen Sorgen das Fasten auferlegt, so daß es sie alle fortblase wie der Wind, der den Nebel fortbläst, damit sie nicht wie dichter Nebel zwischen mir und Dir stehen und meinen Blick zurücklenken zur Welt.

Und das Fasten brachte meiner Seele demütige Stille angesichts der ungeschaffenen und gschaffenen Reiche, und Sanftmut gegenüber den Menschen und Geschöpfen. Und es hat mir Tapferkeit eingeflößt, dergleichen ich niemals kannte, als ich bewaffnet war mit jeder Art von irdischen Waffen.

Was war meine Hoffnung, bevor ich zu fasten begann, außer einer weiteren Geschichte, die von Mund zu Mund ging, doch niemals meine eigene war?

Falsches Fasten begleitet falsche Hoffnung, so wie kein Fasten einhergeht mit Hoffnungslosigkeit.

Doch wie ein Rad dem anderen folgt, so folgt das wahre Fasten der wahren Hoffnung.

Hilf mir, voller Freude zu fasten und freudig zu hoffen, denn Du, mein freudigstes Fest, näherst Dich mir mit Deinem freudestrahlenden Lächeln.

"Gebete am See", Gebet 61
Zuletzt geändert von Alexander am Donnerstag 2. März 2006, 17:28, insgesamt 1-mal geändert.
Herr Gott,
großes Elend ist über mich gekommen.
Meine Sorgen wollen mich erdrücken,
ich weiß nicht ein noch aus.
Gott, sei gnädig und hilf.
Gib Kraft zu tragen, was du schickst,
laß die Furcht
nicht über mich herrschen.
(D. Bonhoeffer)

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Kai
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Beitrag von Kai »

Robert Ketelhohn hat geschrieben: Der heutige Aschermittwoch ist ein vollständiger Fastentag, was Verzicht auf jede feste Nahrung bedeutet.
Hostie?

Eldar
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Beitrag von Eldar »

clarassisi hat geschrieben:In der Fastenzeit versuche ich immer, auf alles, worauf ich "Lust" habe, zu verzichten. Dazu gehören natürlich Süßigkeiten, gutes Essen aber auch Shopping und exzessives Feiern. Irgendwann merke ich dann, dass dies allles ja wirklich sehr oberflächlich und unwesentlich ist. Für die geistige Vorbereitung auf Ostern würde ich gerne mal in ein Kloster o.ä. gehen, aber das hat wegen Zeitmangels noch nie geklappt!
Liebe Grüße
Besser man konzentiert sich auf bestimmte Gebiete. Die härteste Variante wäre da wohl Wasser und Brot. Nur wer hält das schon bis Ostern aus ? Werde komplett auf Alk verzichten. Das fällt mir noch am leichtesten und tut meiner Seele sicher gut. Der einzige Haken bei der Sache ist, wenn die Jungs schon alle gut drauf sein werden, werd ich mich vom Acker machen. :)

mfg Eldar

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Perpetua
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Beitrag von Perpetua »

In der Fastenzeit schränke ich nicht nur mein Essen ein ... Insbesondere versuche ich, die schlechten Angewohnheiten abzulegen, die sich eingeschlichen haben. In meinem Fall heißt das: Positive Grundeinstellung zu meinem Alltag üben, auch wenn ich im Moment nicht gerade meiner Traumtätigkeit nachgehen kann, Zeit nicht totschlagen, sondern nutzen, Gedankenlosigkeit im Gebet vermeiden. Dazu kommt, dass ich zusätzlich zu Laudes und Vesper jetzt auch die Komplet täglich beten will, zumindest in der Fastenzeit. Mal sehen, ob sie danach so dazugehört, dass ich sie beibehalte ...

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HeGe
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Beitrag von HeGe »

Kai hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben: Der heutige Aschermittwoch ist ein vollständiger Fastentag, was Verzicht auf jede feste Nahrung bedeutet.
Hostie?
Die isst du doch nicht aus Nahrungs-/Sättigungsgründen?! :nono:

Außerdem ist das wohl eine höherrangige Ausnahme. ;)
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Pit
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Beitrag von Pit »

Hallo Robert,

nu, für mich ist die österliche Busszeit eine Zeit der geistigen Vorbereitung auf Ostern.
Ich habe das extra so geschrieben, weil mir hier auffällt, daß viele nur (!?) schreiben, was sie essen dürfen oder auch nicht.
Wohlbemerkt:
Ich habe nichts dagegen, während der sieben Wochen vor Ostern mal zu versuchen, so manche "Sucht" einzuschränken, also weniger (!) Fernsehen, weniger (!) Internet ;-), weniger "Süsskram" u.s.w. aber wesentlich wichtiger ist für mich die geistig-spirituelle Vorbereitung auf das Fest der Auferstehung (dem übrigens immer das Kreuz vorhergeht).
Dieses Jahr werde ich wieder täglich einen Abschnitt aus der Heiligen Schrift lesen, und versuchen, die "Nachfolge Christi" von Thomas von Kempen zu lesen.

Apropo Aschermittwoch als Fasten- und Abstinenztag:

Wie sieht das denn die offizielle Kirchenlehre bei Katholiken, die körperlich schwer arbeiten müssen, wie ich zum Beispiel?
Gilt da das Fastengebot ebenfalls, oder gibt es Ausnahmen?
Also muss jemand wie ich - wenn er kirchlich-korrekt lebt - Aschermittwoch fasten und darf nichts essen, auch mit der Gefahr möglicher gesundheitlicher Gefahren?
Und wie sieht es z.B. mit einem Arbeiter am Hochofen aus?
In dessen Falle wäre eine absolute Abstinenz am Aschermittwoch u.U. tödlich (wortwörtlich), da er sich vollkommen auf die Arbeit konzentrieren können muss.

Gruß, Pit
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:»Ich nenne die Fastenzeit gerne Fastenzeit, weil es viel kürzer ist als (vor-)österliche Bußzeit und ich finde auch, daß der Begriff viel prägnanter und wohlklingender ist. Man spürt sozusagen den Weg zum Kreuz.«
Das empfinde ich ähnlich. Gewiß dient die Fastenzeit objektiv der Vorbereitung auf Ostern, doch zunächst ist es der Weg zum Kreuz. Erst dahinter steht Ostern, steht das neue Leben. Durchs Kreuz zur Auferstehung.

Ganz praktisch bedeutet die Fastenzeit für uns den Verzicht auf Fleisch, abgesehen von den Sonntagen. (Problematisch ist dies Jahr das Hochfest der Verkündigung Mariens, das auf den Karfreitag fällt; bei den Byzantinern träte da der Karfreitag zurück, bei den Lateinern dagegen wird Mariæ Verkündigung in die Woche nach der Osteroktav verschoben.) Vergnügungen entfallen bei uns in der Fastenzeit natürlich ebenso, was für mich diesmal jedoch leider gar keine Umstellung bedeutet, habe ich doch seit Monaten schon keine Zeit für derlei Schnurpfeifereien.

Der heutige Aschermittwoch ist ein vollständiger Fastentag, was Verzicht auf jede feste Nahrung bedeutet.
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Linus
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Beitrag von Linus »

Standespflichten gehen selbst vor Fasten- oder Kirchengeboten vor. So muss meine Frau als Köchin auch am Aschermittwoch den Schweinsbraten, den sie für andere kocht, abschmecken.

Linus, der gestern fast am zusammenbrechen war, weil er zu arg gefastet hat (wasser und brot) und die "körperliche anstrengung" einer Blocklehrveranstaltung (von 9 bis 18 Uhr) hatte. Sein Beichtvater meinte: Auch wenn wir an Aschermittwoch der eigenen (körperlichen) Vergänglichkleit gedenken, dürfen wir nicht vergessen, dass der Körper als Tempel des Heiligen Geistes in schuß gehalten werden muss, und eine absichtliche Vernachlässigung eine schwere Sünde ist. Wohl wahr. :ja:
"Katholizismus ist ein dickes Steak, ein kühles Dunkles und eine gute Zigarre." G. K. Chesterton
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Pit
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Beitrag von Pit »

Hallo Linus,

da sind wir wohl einer Meinung.
Fasten um sich mal - zeitweise - auf das Wesentliche zu besinnen, ist ja auch in Ordnung.
Fasten um des Fasten willens ("Aschermittwoch MUSS ich fasten." etc.) ist relativ besch....., da es uns als Christen weder "dem Himmel näher bringt", noch im Sinne Jesu sein kann (Stichwort: körperliche Vernachlässigung).
Persönlich halte ich es für wichtiger, sich geistig/geistlich auf Ostern vorzubereiten.

In diesem Sinne noch eine gesunde, ausgeglichene und besinnliche "Fasten"zeit,

Gruß, Pit
Linus hat geschrieben:Standespflichten gehen selbst vor Fasten- oder Kirchengeboten vor. So muss meine Frau als Köchin auch am Aschermittwoch den Schweinsbraten, den sie für andere kocht, abschmecken.

Linus, der gestern fast am zusammenbrechen war, weil er zu arg gefastet hat (wasser und brot) und die "körperliche anstrengung" einer Blocklehrveranstaltung (von 9 bis 18 Uhr) hatte. Sein Beichtvater meinte: Auch wenn wir an Aschermittwoch der eigenen (körperlichen) Vergänglichkleit gedenken, dürfen wir nicht vergessen, dass der Körper als Tempel des Heiligen Geistes in schuß gehalten werden muss, und eine absichtliche Vernachlässigung eine schwere Sünde ist. Wohl wahr. :ja:
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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Robert Ketelhohn (2005) hat geschrieben:
Der heutige Aschermittwoch ist ein vollständiger Fastentag, was Verzicht auf jede feste Nahrung bedeutet.
[/color]
Mein Verdauungstrakt ist chronisch etwas angeschlagen, weshalb ich mir
gestern abend denn doch drei Stullen mit Butter und Salz genehmigt habe.
;)
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Pit
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Beitrag von Pit »

Hallo Robert,

nun, um es ehrlich zu sagen:
Gestern morgen habe ich eine Schnitte Brot mit Marmelade gegessen, und gestern Mittag gab es in der Kantine ein Stück Fleisch (sollte ein Schnitzel sein ;-) mit Bratkartoffeln und Salat.
Und da ich in der Firma relativ schwer (körperlich) arbeiten muss - wer mal so 60 Pakete am Tag zwischen 3 und 30 Kilo versandfertig gemacht hat, weiss, was ich meine) habe ich daß Mittagessen gegen 13.00 Uhr nicht bereut. Auch deshalb nicht, weil ich seit 07.15 Uhr morgens nichts mehr im Magen hatte.
Und bei der Arbeit wäre ich garantiert nicht mit Wasser und Brot oder dergleichen ausgekommen, da mein Kreislauf sowieso schon angeschlagen war.
Und wenn für die Kirche das Einhalten der Fastengebote wichtiger sein sollte als die Gesundheit ihrer Schäfchen, dann bin ich vieleicht ein "lausiger" Katholik, aber ein brauchbarer Christ im Sinne Jesu.

Gruß, Pit
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Robert Ketelhohn (2005) hat geschrieben:
Der heutige Aschermittwoch ist ein vollständiger Fastentag, was Verzicht auf jede feste Nahrung bedeutet.
[/color]
Mein Verdauungstrakt ist chronisch etwas angeschlagen, weshalb ich mir
gestern abend denn doch drei Stullen mit Butter und Salz genehmigt habe.
;)
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HeGe
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Beitrag von HeGe »

Pit hat geschrieben:Apropo Aschermittwoch als Fasten- und Abstinenztag:

Wie sieht das denn die offizielle Kirchenlehre bei Katholiken, die körperlich schwer arbeiten müssen, wie ich zum Beispiel?
Gilt da das Fastengebot ebenfalls, oder gibt es Ausnahmen?
Also muss jemand wie ich - wenn er kirchlich-korrekt lebt - Aschermittwoch fasten und darf nichts essen, auch mit der Gefahr möglicher gesundheitlicher Gefahren?
CIC hat geschrieben:Can. 1251 — Abstinenz von Fleischspeisen oder von einer anderen Speise entsprechend den Vorschriften der Bischofskonferenz ist zu halten an allen Freitagen des Jahres, wenn nicht auf einen Freitag ein Hochfest fällt: Abstinenz aber und Fasten ist zu halten an Aschermittwoch und Karfreitag.

Can. 1252 — Das Abstinenzgebot verpflichtet alle, die das vierzehnte Lebensjahr vollendet haben; das Fastengebot verpflichtet alle Volljährigen bis Zum Beginn des sechzigsten Lebensjahres. Die Seelsorger und die Eltern sollen aber dafür sorgen, daß auch diejenigen, die wegen ihres jugendlichen Alters zu Fasten und Abstinenz nicht verpflichtet sind, zu einem echten Verständnis der Buße geführt werden.

Can. 1253 — Die Bischofskonferenz kann die Beobachtung von Fasten und Abstinenz näher bestimmen und andere Bußformen, besonders Werke der Caritas und Frömmigkeitsübungen, ganz oder teilweise an Stelle von Fasten und Abstinenz festlegen.
Die deutsche Bischofskonferenz hat geschrieben:Partikularnorm Nr. 16 der Deutschen Bischofskonferenz
zu
cc. 1251, 1253 CIC
Bußordnung / Fasten-Abstinenz
(Kirchliche Bußpraxis / Weisungen zur Bußpraxis)
1. Aschermittwoch und Karfreitag
Der Aschermittwoch und der Karfreitag sind strenge Fast- und Abstinenztage. Der katholische Christ
beschränkt sich an diesen Tagen auf eine einmalige Sättigung (Fasten) und verzichtet auf Fleischspeisen
(Abstinenz).

Quelle: http://www.drs.de/fileadmin/Rechtsdoku/ ... -23-16.pdf
Wie du siehst darf man also durchaus etwas essen, es darf nur nicht mit Fleisch sein und nur einmal sättigend.

Im übrigen bin ich sicherlich deiner Meinung, dass die geistige Grundeinstellung dabei nicht fehlen darf, sonst verkommt das schnell in pharisäerhafte Rituale, aber wenn du das Fasten gar nicht erst beachtest, kann der Idealzustand, dass beides zusammentrifft wohl kaum entstehen, oder?

Im übrigen wird es sicherlich für Kranke und andere Verhinderte Ausnahmen geben, die suche ich aber jetzt nicht auch noch raus.
Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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Pit
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Beitrag von Pit »

Hallo HeGe,

mir geht es nicht darum zu sagen, Aschermittwoch interessiert mich nicht (ich habe die Schrift gelesen - Evangelium vom Tage - und mehrere Kapitel der "Imitatio Christi"), aber wenn ich - gesundheitlich diesmal eh schon angeschlagen - morgens nichts und mittags nur einen kleinen Salat gegessen hätte (oder dergleichen), wäre bei mir in dieser konkreten Situation eine gesundheitliche Gefährdung eingetreten.
Und da sage ich ganz offen, daß mir die Aufrechterhaltung meiner körperlichen Gesundheit wichtiger war, als einen Kreislaufzusammenbruch zu riskieren und immerhin zu wissen, daß ich die Kirchen(!)gebote eingehalten habe.
Wie sagte doch Jesus:
"Der Shabbat ist für den Menschen da, und nicht der Mensch für den Shabbat."

Anderes Beispiel:
Sollte ein Chirurg sich am Aschermittwoch nur einmal sättigen, auch wissend, daß dadurch seine Konzentration bei den anfallenden Operationen definitiv nachlassen würde ?
Sollte ein Bussfahrer sich nur einmal sättigen, auch wenn dadurch - auf Grund fehlender Konzentrationsfähigkeit - die Sicherheit seiner Fahrgäste gefährdet wäre?

Gruß, Pit
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Eldar
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Beitrag von Eldar »

"Der Shabbat ist für den Menschen da, und nicht der Mensch für den Shabbat."
Das Fasten ist für den Menschen da, und nicht der Mensch für das Fasten. Du sollst nicht auf irgendetwas verzichten müssen nur weil die Kirche das so will, sondern weil es deiner Seele gut tut. Das ist der primäre Grund, um den sich die Kirche nun einmal zu kümmern hat.

mfg Eldar

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HeGe
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Beitrag von HeGe »

Pit hat geschrieben:Hallo HeGe,

mir geht es nicht darum zu sagen, Aschermittwoch interessiert mich nicht (ich habe die Schrift gelesen - Evangelium vom Tage - und mehrere Kapitel der "Imitatio Christi"), aber wenn ich - gesundheitlich diesmal eh schon angeschlagen - morgens nichts und mittags nur einen kleinen Salat gegessen hätte (oder dergleichen), wäre bei mir in dieser konkreten Situation eine gesundheitliche Gefährdung eingetreten.
Und da sage ich ganz offen, daß mir die Aufrechterhaltung meiner körperlichen Gesundheit wichtiger war, als einen Kreislaufzusammenbruch zu riskieren und immerhin zu wissen, daß ich die Kirchen(!)gebote eingehalten habe.
Na, man muss ja jetzt die Fasterei nicht überdramatisieren. Man kann auch sehr leckere und sättigende Sachen ohne Fleisch essen (z.B. Spaghetti mit Tomatensoße). Und dann vielleicht morgens und abends, wenn es sein muss, noch eine Scheibe Brot, oder so.

Aber ist ja deine Einschätzung, ich kenne ja deinen Gesundheitszustand nicht und ich bin mir sicher, dass es bei Krankheit da Ausnahmen gibt.
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Eldar
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Beitrag von Eldar »

Die heilige Katharina von Genua z.b. ernährte sich in der Fastenzeit ausschließlich von der hl. Kommunion.

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Pit
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Beitrag von Pit »

Hallo HeGe,

stimmt, sonst esse ich Aschermittwoch mittags meist Fisch (den es diesmal in der Kantine nicht gab :( oder dergleichen. Das Essen diesmal war so ein bisschen eine "Notlösung".
Aber Du hast recht:
Überdramatisieren sollte man es wirklich nicht, und mir ist die innere geistige Haltung dazu (sich zurücknehmen, sich bewusst werden, was wichtig ist) wesentlich bedeutender, als nur die Enthaltsamkeit von Speisen.

Ich habe mal hier vor ein/zwei Jahren eine Bekannten (er ist Domkapitular) deswegen angesprochen, und der sagte, die Gesundheit des Menschen stände - auch aus kirchlicher Sicht - immer (!!) im Vordergrund.

Gruß, Pit
carpe diem - Nutze den Tag !

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