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Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 10:33
von Miserere Nobis Domine
Liebe Kreuzgänger,
Stellt euch vor, ein römisch-katholischer Theologieprofessor streut bei seinen Studenten, überwiegend angehende Religionslehrer, Zweifel an der Jungfrauengeburt, behauptet sogar, diese sei gar nicht in der Bibel erwähnt. Gemeint sei nur eine junge Frau. (Und das ist nur ein Beispiel; der Mann hat noch ein paar andere Dinge gesagt).
Wie wäre in einem solchen Falle formell vorzugehen? Gibt es Möglichkeiten, irgendeine Institution, evtl. den Ortsbischof oder die Glaubenskongregation (Inquisition) um eine Prüfung zu bitten, oder werden diese nur von sich aus tätig? Kann auch ich als nicht römisch-katholischer Christ mich beschweren, wenn Lehren verletzt werden, an die alle Christen glauben sollten, z.B. die Jungfrauengeburt und dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott ist?
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 10:48
von cantus planus
Ja. Man kann sich sowohl beim Dekan der Fakultät, aber vor allem auch zuerst beim Ortsbischof und dann beim Heiligen Stuhl beschweren. Mach dir aber keine Hoffnung: es wird nichts passieren. Ich kenne z. B. aus eigener Anschauung die theologische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Da tummeln sich die Häretiker nur so, und niemand sieht Anlaß, da etwas zu unternehmen. Am allerwenigsten - und das wörtlich - der damalige Bischof Lettmann. (Zum Themenkomplex Vorgrimler und Lettmann ist ein sehr interessantes Buch von Vorgrimler selbst als "Biographie" erschienen - die von Dr. Berger (Köln) sehr treffend unter dem Titel "Man könnte meinen, man sei im Irrenhaus" rezensiert wurde...)
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 10:52
von pierre10
Miserere Nobis Domine hat geschrieben:Liebe Kreuzgänger,
Stellt euch vor, ein römisch-katholischer Theologieprofessor streut bei seinen Studenten, überwiegend angehende Religionslehrer, Zweifel an der Jungfrauengeburt, behauptet sogar, diese sei gar nicht in der Bibel erwähnt. Gemeint sei nur eine junge Frau. (Und das ist nur ein Beispiel; der Mann hat noch ein paar andere Dinge gesagt).
Wie wäre in einem solchen Falle formell vorzugehen? Gibt es Möglichkeiten, irgendeine Institution, evtl. den Ortsbischof oder die Glaubenskongregation (Inquisition) um eine Prüfung zu bitten, oder werden diese nur von sich aus tätig? Kann auch ich als nicht römisch-katholischer Christ mich beschweren, wenn Lehren verletzt werden, an die alle Christen glauben sollten, z.B. die Jungfrauengeburt und dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott ist?
Warum aber soll ein Theologieprofessor seine Studenten nicht einmal anregen, sich auch kritischen Fragen unkonventionell zu nähern? Ein fester Glaube kann nicht erzwungen werden, er entsteht durch das Beispiel der anderen, der inneren Überzeugung und wird erst dann wirklich fest, wenn ich selbst die Zweifel in mir ausräumen konnte.
So gesehen scheint mir eine "Klage" unrichtig.
Pierre
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 10:56
von cantus planus
Richtig, Pierre. Das Studium soll zur eigenständigen und kritischen Auseinandersetzung anregen. Es ist aber eine Tatsache (ich selbst habe das auch erlebt), dass bestimmte Professoren die kirchliche Lehre nicht einmal als Fußnote erwähnen, aber ihre eigenen Gedanken als "amtlich" verkaufen. So funktioniert es nicht, und ist ein klarer und schwerer Verstoß gegen den Auftrag, zu dem der Professor berufen ist.
Es muss klar sein, was die kirchliche Lehre ist. Erst dann kann man darüber nachdenken und nach weiteren und tieferen Lösungen suchen. Wo die Wurzel fehlt, wächst nichts richtig.
(Das ist genauso absurd wie die "aufgeklärten" Eltern, die ihren Kindern kein Stück Information über Religionen geben, mit der Begründung, die Kinder sollten später selber wählen. Woraus denn wohl...?)
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 11:11
von Teutonius
Und hast du, Cantus, auch gefragt, w a r u m der Bischof nichts unternehmen will/kann?
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 11:29
von Miserere Nobis Domine
Die Studenten haben ja gar keine kritischen Fragen gestellt, der Professor hat selbst mit dem Thema angefangen.
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 11:44
von cantus planus
Teutonius hat geschrieben:Und hast du, Cantus, auch gefragt, w a r u m der Bischof nichts unternehmen will/kann?
Das ist ja nun wahrlich nicht mein Problem. Seit wann hütet das Schaf den Hirten?
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 11:48
von cantus planus
Ergänzung: ich nehme an, dir ist das von mir oben erwähnte Vorgrimler-Buch, sowie die Verhältnisse in Münster nicht bekannt. Ich sage nur: der kölsche Klüngel ist nichts dagegen. Insofern könnte ich darauf schon eine Antwort geben. Wenn der Bischof nicht will, kann er eben auch nicht. Das ist aber keine Entschuldigung.
Nur ist es eben als normaler Gläubiger nicht meine Aufgabe, Bischöfe zu belehren. Ich kann nur darauf aufmerksam machen, dass Aussagen und Lehren im Widerspruch zu verbindlichen kirchlichen Auffassungen stehen. Bewirke ich damit nichts, bleibt nur die Abstimmung mit den Füßen. Dass ich in Köln wohne, ist kein Zufall...
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 12:51
von Teutonius
Kann man solchen Abweichlern nicht die Lehrerlaubnis entziehen?
Oder wäre das zu arg!?
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 13:16
von Juergen
Hier in Paderborn haben wir an der Uni (nicht der TheoFak) einen Prof. der auch alles mögliche an dummen Zeug von sich gibt. DESWEGEN ist er bei vielen Studenten beliebt. Die sagen dann: "Der ist toll, weil er wirklich seine Meinung sagt und nicht immer das nachplappert, was die Kirche sagt." Zudem ist er insbesondere bei Studentinnen beliebt.
Wie dem auch sei. Man kann wenig dagegen machen, da er diese Äußerungen nur sagt, aber nicht schreibt.
Wegen des gesprochene Wortes kommt man aber nicht so leicht gegen ihn an, da er immer behaupten könnte, daß man ihn missverstanden habe. Zeugen, die seine Aussagen bestätigen könnten, wird man sowieso nicht finden. Kein Student kann sich erlauben, etwas gegen ihn zu sagen, weil sie alle irgendwann eine Prüfung bei ihm ablegen müssen.
Beschweren könnte man sich, wie schon geschrieben wurde, beim Bischof oder auch beim zuständigen röm. Dikasterium.
Eingreifen können beide vermutlich nur dann, wenn sie irgendwas in der Hand haben - am besten einen Aufsatz oder ein Buch, in dem seine Aussagen greifbar werden; oder wenn die Aussagen z.B. öffentlich im TV oder Radio gemacht wurden und somit weit bekannt werden.
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 13:33
von Teutonius
Na vielleicht komme ich halt mal als Gasthörer mit Multimediahandy vorbei... und stell das als Video ins Netz!
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 13:36
von Teutonius
cantus planus hat geschrieben:Teutonius hat geschrieben:Und hast du, Cantus, auch gefragt, w a r u m der Bischof nichts unternehmen will/kann?
Das ist ja nun wahrlich nicht mein Problem. Seit wann hütet das Schaf den Hirten?
Gabs da nich sowas, daß jeder Christ zum allgemeinen Priesteramt berufen ist?
Und Schafe sind keine Lemminge...
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 13:43
von Juergen
Teutonius hat geschrieben:Na vielleicht komme ich halt mal als Gasthörer mit Multimediahandy vorbei... und stell das als Video ins Netz!
Es wäre technisch freilich möglich einen Mitschnitt zu machen, jedoch darf man (in Dtl.) keine Mitschnitte ohne ausdrückliche Erlaubnis machen; d.h. Du müßtest den Prof. vorher fragen und eine Erlaubnis von einholen. Ob er dann noch so redet, wie er normal redet, ist fraglich.
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 13:59
von Teutonius
Also mit Diktiergeräten habe ich schon so einige Studenten rumlaufen sehen und diese auch benutzen!
Und wenn ich das vorher ansagen muß, meld ich mich eben, bevor ich die Aufnahme starte, und frage ihn
am besten erst nachdem er das Thema der Vorlesung bereits öffentlich benannt hat, ob er was dagegen hat, daß ich mein Handy mitlaufen lasse?
Mal gucken, wie weit es bis Paderborn ist, und wie der Vorlesungsplan aussieht!
Wär doch zu köstlich!
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 14:06
von ar26
Was macht man in so einem Fall? Man nimmt sich ein Beispiel am Heiligen Klemens Maria Hofbauer. Soll heißen, man ergreift, sofern möglich, in der Vorlesung das Wort und stellt die Lehre der Kirche klar. Dies wird erwartungsgemäß zu nichts führen, worauf man publikumswirksam der Lehrveranstaltung den Rücken kehrt.
Natürlich sollte man sich an die zuständigen Hierarchien wenden, um wahrheitsgemäß den Vorgang zu schildern. Man sollte sich aber auch im Klaren sein, daß dies zu nichts führt.
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 14:07
von Robert Ketelhohn
Miserere Nobis Domine hat geschrieben:Stellt euch vor, ein römisch-katholischer Theologieprofessor streut bei seinen Studenten, überwiegend angehende Religionslehrer, Zweifel an der Jungfrauengeburt, behauptet sogar, diese sei gar nicht in der Bibel erwähnt. Gemeint sei nur eine junge Frau. … Wie wäre in einem solchen Falle formell vorzugehen?
Erst mal hier nachlesen: viewtopic.php?p=130749#p130749
Die Behauptung deines Professors ist übrigens eines der klassischen synagogalen Pseudoargumente gegen die Christen. Uralt, mit so ’nem Bart. Ich würde den Mann fragen, ob er sich nicht mal um die Ronald-Lauder-Ehrenprofessur am Institut für angewandte Rabulistik der Ascher-Ginsberg-Universität Czernowitz bewerben wolle.
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 14:33
von cantus planus
Teutonius hat geschrieben:cantus planus hat geschrieben:Teutonius hat geschrieben:Und hast du, Cantus, auch gefragt, w a r u m der Bischof nichts unternehmen will/kann?
Das ist ja nun wahrlich nicht mein Problem. Seit wann hütet das Schaf den Hirten?
Gabs da nich sowas, daß jeder Christ zum allgemeinen Priesteramt berufen ist?
Und Schafe sind keine Lemminge...
Du verwechselst da etwas. Zum allgemeinen Priestertum sind wie alle berufen. Die Verwaltung der Sakramente und die Reinerhaltung der Lehre ist allerdings eindeutig den Bischöfen anvertraut. Wenn der Bischof nicht reagieren kann oder will, fällt das Lehramt nicht an die Gläubigen.
Das ist nicht zu verwechseln mit den schönen Ausführung Roberts diesbezüglich, die ich jetzt gerade nicht finden kann. Man darf sich selbst kein Parallellehramt anmaßen. Mahnend die Stimme zu erheben aber kann Christenpflicht sein.
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 14:43
von pierre10
Vielleicht stellt sich auch die Frage, was der Einzelne von der Kirche erwartet.
Soll alles so bleiben wie es ist und immer war?
Soll und kann sich die Kirche entwickeln und in welche Richtung?
Sind provokative Äußerungen von Nutzen oder schaden sie? (damit kenn ich mich etwas aus

)
Pierre
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 14:53
von cantus planus
Die Kirche kann ihre Strukturen ändern, ihre Formen und die bekannten Inhalte vertiefen. Sie kann aber nichts Neues hinzufügen, da die Offenbarung abgeschlossen ist. Genau an diesem Punkt hakt es doch: zu viele wollen einfach keine Wahrheiten mehr akzeptieren, und suchen sich lieber Lehrer, die den Ohren schmeicheln. Wie übrigens Paulus es schon richtigerweise kommen sah.
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 15:17
von Juergen
Miserere Nobis Domine hat geschrieben:...überwiegend angehende Religionslehrer...
Apropos: -->
http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php?t=1228
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 16:03
von lifestylekatholik
pierre10 hat geschrieben:Warum aber soll ein Theologieprofessor seine Studenten nicht einmal anregen, sich auch kritischen Fragen unkonventionell zu nähern? Ein fester Glaube kann nicht erzwungen werden, er entsteht durch das Beispiel der anderen, der inneren Überzeugung und wird erst dann wirklich fest, wenn ich selbst die Zweifel in mir ausräumen konnte.
Na, dann sollte der Prof aber mit gutem Beispiel vorangehen und den anderen ein Beispiel der inneren Überzeugung und des Zweifelausräumens geben, und sich nicht der Zersprengung des fragilen Glaubens seiner ihm Anvertrauten hingeben.
Mit einem Lächeln ...
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 16:22
von Teutonius
Für mich ist es ein Unterschied, ob jemand (ein Professor, Dozent, Lehrer) mit seinen Schülern z.B. über den Begriff der Jungfräulichkeit in der Bibel (aus sprachhistorischer Sicht, soziokultureller Sicht, ...) führt - dies sollte n a t ü r l i c h OFFEN und ohne Scheuklappen geschehen (wenn es zu seinem Lehrauftrag gehört!)- oder ob er die v e r b i n d l i c h e Lehrmeinung der (z.B. katholischen) Kirche darlegen soll.
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 17:51
von Robert Ketelhohn
cantus planus hat geschrieben:Zum allgemeinen Priestertum sind wie alle berufen.
Vier alle?
Re: Was tun bei Häresie?
Verfasst: Freitag 1. Mai 2009, 17:53
von Juergen
Robert Ketelhohn hat geschrieben:cantus planus hat geschrieben:Zum allgemeinen Priestertum sind wie alle berufen.
Vier alle?
Du zählst doppelt
